| Buchstabe Arbeitsl | ||
Arbeitslohn ist die Bezahlung der Reproduktionskosten für die Arbeitskraft, also der Wert der Lebensmittel, die zu ihrem Erhalt unter den herrschenden Lebensbedingungen nötig sind (im weitern Sinne Miete, Kleidung, Erholung, Gesundheit, Soziale Sicherheit usw.). Vom Standpunkt der gesamten Wertmasse, welche in einem Produktionsumschlag bewegt ist, stellt er das variable Kapital dar. Er ist also nicht der Lohn für eine Arbeit, sondern lediglich für den Teil der Arbeit, welcher die arbeitenden Menschen zu ihrer Reproduktion und zur Reproduktion der Arbeitslosen erhalten. Das Mehrprodukt, das darüber hinaus erzeugt wird, ist im Arbeitslohn nicht enthalten; es wird durch unbezahlte Arbeit hergestellt - bis auf den geringen Anteil, der zeitweise zur Erhöhung des "allgemeinen Lebensstandards" im Lohn mitgegeben und bei ökonomischen Krisen auch wieder zurückgenommen oder durch Steuererhöhung für Staatsschulden rückerstattet wird. | s.a. Siehe auch:
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"Der krankhafte Überfluss des Kapitals bezieht sich immer wesentlich auf den Überfluss von Kapital, für das der Fall der Profitrate nicht durch seine Masse aufgewogen wird ... Dieser Überfluss des Kapitals erwächst aus denselben Umständen, die eine relative Überbevölkerung (Arbeitslosigkeit) hervorrufen, und ist daher eine diese letztere ergänzende Erscheinung, obgleich beide auf entgegengesetzten Polen stehen, unbeschäftigtes Kapital auf der einen und unbeschäftigte Arbeiterbevölkerung auf der anderen Seite.“ (MEW 25, 261). Arbeitslosigkeit ist nicht Freizeit, sondern ein Zustand, worin Menschen von der aktiven Gestaltung und Mitgestaltung ihrer Welt, von ihrer Arbeitswelt ausgeschlossen sind. Arbeit ist als Umstand und Aufwand für menschliche Lebensäußerung und Bedürfnisbefriedigung in jeder Gesellschaft tragendes Moment des gesellschaftlichen Stoffwechsels, ihres Reichtums und der Kultur, Äußerungsform menschlicher Naturmächtigkeit. Selbst wo sie keinen unmittelbar gesellschaftlichen Sinn mehr hat (z.B. in einer Dienstleistungsgesellschaft) ist sie doch zumindest der Ort sozialer Beziehung, der Ort für den Austausch und die Bildung von Fähigkeiten, Gedanken und Gewissheit über die eigene Gesellschaftlichkeit einer ansonsten isolierten Existenz. Schon die Unterwerfung der Arbeit unter die Besitzverhältnisse der bürgerlichen Gesellschaft zwingt die Menschen zur Vereinseitung ihrer Lebensgestaltung; werden sie hierbei zudem arbeitslos, so sind sie von ihrem Leben, von der Gesellschaftlichkeit ihres Lebens selbst isoliert - getrennt von den allgemeinen Entwicklungen, die in der Gesellschaft geschehen. Da dieses Leben als Besitzer reiner Arbeitskraft - gleich, ob es um produktive Arbeit oder die Arbeit in einer Dienstleistungsgesellschaft geht - nur auf dem Markt (Arbeitsmarkt) gesellschaftlich bezogen ist, haben sie existentiell keine Chance, eine eigene Lebensform zu finden. Sie werden durch die Auslese- und Sortiermechanismen des Arbeitsmarktes von der Arbeit ferngehalten und haben ihre Privatheit als eine Abtrennung von ihren gesellschaflichen Lebenszusammenhängen zu erleiden. Dies ist meist auch mit kulturellen und seelischen Isolationen verbunden, die oft in seelische Erlebenszustände übergehen. Arbeitslosigkeit entsteht nicht, weil es keine Arbeit gibt, sondern weil die Verteilung der Arbeit nicht über die Länge des Arbeitstags im Verhältnis zur Notwendigkeit der Produktion geregelt wird. Der Kapitalismus ist prinzipiell nicht in der Lage, die Menschen und die Erfordernisse der Arbeit in ein natürliches Verhältnis zu bringen, weil er auf der Nutzung der Arbeitskraft zur Verwertung von Kapital, also zum Erheischen von Mehrwert gründet. Die Bestimmung der Arbeitskraft ist ihre Verwertungsbedingung durch das Kapital. Nicht was die Menschen existieren und ihre Gesellschaft sich entwickeln lässt (Reproduktion und Produktion des Lebens), bestimmt die Arbeit und ihre Kraft, sondern die Situation des Marktes überhaupt, in welchem Güter des Lebens nach Maßgabe ihrer Käuflichkeit und Verkäuflichkeit und unter dem Diktat der Wertreduktion (aber nicht Preisreduktion!) der Lebensmittel (siehe konstantes Kapital, Rate des relativen Mehrwerts) zirkulieren. Die Möglichkeit, seine Verwertungsbedingungen durch die Regelung unnatürlicher Arbeitszeit zu bestimmen, hat das Kapital durch die Besitzverhältnisse, in welchen die Menschen nur als private Individuen gefasst sind, die ihre Gesellschaft nicht als Allgemeinheit der Notwendigkeit erfahren, durch Arbeit Leben, Bedürfnisse und Reichtum für jeden zu schaffen und zu entfalten, sondern als Existenzdruck, dem ein Mensch unterworfen wird. Er muss - um seinen Lohn zu erhalten - eine bestimmte Zeit arbeiten (siehe Arbeitstag), in welcher er sowohl seine Reproduktion erwirtschaftet, wie auch die Produktion des Mehrprodukts. Auch wenn er davon nichts hat, weil es für ihn keinen Sinn hat, steht er unter dem politischen Zwang, seine Arbeitskraft hiervon nutzen zu lassen. So entwickelt er selbst auch ohne eigenes Wollen und Zutun die Macht des Verwertungsprinzips, die ihn als Prinzip der Mehrwertproduktion beherrscht. Arbeitslose erfahren den Widerspruch der Individualität der Arbeitskraft und ihrer gesellschaftlichen Verwirklichung aufs äußerste in der Privatheit ihrer Ausgeschlossenheit: Es sind Menschen, die genau aus dem herausfallen, worin sie geworden waren und worin sie gelebt und sich gesellschaftlich gebildetz und geäußert haben. Arbeitslosigkeit ist objektiv für eine Scheingesellschaft, also für das Kapital nötig als stille Reserve des Arbeitsmarkts und der Kultur. Sie entsteht gerade in Krisenzeiten besondern massenhaft, wiel sie die Entwertung der Arbeit marktwirtschaftlich umsetzt (Minimierung des variablen Kapitals durch Herausdrängen von Arbeitskräften und damit Verschärfung der Konkurrenz der Arbeitenden). Das ist für das Kapital ein doppelter Gewinn: die Produktionskosten werden billiger, weil weniger Menschen entlohnt werden müssen und die Löhne der verbliebenen Arbeiter können bedrängt werden, weil sie potentiell gesnkt werden können, weil der Preis der Arbeitskraft durch Konkurrenz nach unten drücken lässt. Da aber das Kapital zugleich die Lebensmittel zur Realisierung seiner Wertbildung verkaufen muss, hat es die Entwicklung des Marktes, so zufällig seine Ereignisse erscheinen mögen, in seiner Hand und steuzert sie mit Hilfe von produktionsstrategischen und politischen Entscheidungen (siehe z.B. Tittytainment). Es ist das Paradox der Krise, dass genau das, was sie auslöst, die Überhöhung der Produktionspotenzen im Verhältnis zur Realisierung ihrer Produkte, nicht mit der Verbesserung der Realisierung durch höhere Löhne und /oder verkürzte Arbeitszeit bei gleichem Lohn (mehr Konsumtion) abgebaut wird. Das ist, weil das Kapital, solange es als Trieb der Produktion funktioniert und das Sagen in der Politik hat, zur Krisenbewältigung nur daran interessiert sein kann, die Produktion auf ein Niveau herunterzudrücken (z.B. durch politische Beherrschuing des Arbeits- und Sozialmarktes, Zerschlagung von Infrastrukturen und überlieferten Kulturen und durch Krieg zur Bestimmung neuer Ressourcen und Machtpotentiale ihrer Preisbildung), auf dem es mit der "Wertschöpfung" wieder von neuem beginnt. Mehrwert ist eben immer relativ zum Wert der zirkulierenden Waren, und deshalb bewahrt sich das Wertverhältnis letztlich und final nur dadurch, dass es das Verhältnis der Menschen auf Dauer zerstört (Barbarei). Der Sozialmarkt, der ihre Lebenshaltung abdeckt, wird so zur politischen Handhabe der Bedrohung der Menschen - ein Krisenmanagement, das sich von selbst regelt: Je tiefer die Krise, desto mehr Arbeitslose, und je größer der Markt der Reservisten, desto niedriger der Preis der Arbeitskraft. | Der Marxsche Begriff der relativen Überbevölkerung in der Systemati der Kultururkritik
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