Buchstabe Be Im Kontext

Bedingung

Eine Bedingung ist die sachliche Voraussetzung (Sache) für eine Beziehung die eine Arbeit oder ein Ereignis hervorbringt. Ohne die Dinglichkeit des Stoffs dieser Beziehung, und sei es auch nur die Tonschwingung der Luft, kann sich diese Beziehung nicht verwirklichen und verbleibt als rein geistige Substanz - vielleicht als Gedanke oder als Seele (z.B. als Traum, Halluzination, Gespenst), die im Menschen selbst ihre Bedingung und in seinen Sinnen ihren unmittelbaren Stoff hat. Aus diesem Grund kann sich Kultur, wie sie als geschichtlicher Prozess des Menschen entstanden und mit seiner Lebensproduktion identisch ist, auch zu einer geistigen Kultur verselbständigen, soweit dies sachlich notwendig ist (siehe auch Religion).

Die Lebensbedingung des Menschen überhaupt ist die Beziehung auf seine Natur, die in seinem Stoffwechsel mit der Natur sein natürliches Wesen als sein gesellschaftliches Wesen verwirklicht, also Inhalt seines Lebens ist. In der bürgerlichen Gesellschaft gerät ihm dies zur äußeren Bedingung einer Formbestimmung zur Grundlage seines privaten Daseins: Existenz. Die bürgerliche Kultur wird unter der Bedingung, dass diese Existenz nur aus Geldverhältnissen besteht, zu einer eigenen Kultur der Zwischenmenschlichkeit, in der sich die Logik der Kultur selbständig entfaltet.

s.a.

=> Lebensbedingung

Systemup35a Unbedingtheit

Bedingungsloses Grundeinkommen

Das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) soll ein Einkommen sein, das allen Bürgern vom Staat als eine Art Bürgerlohn oder Bürgergeld ausbezahlt werden soll, damit sie um ihre Existenz im Sinne der einfachen Reproduktion unbesorgt sein können und hinreichend viel Vermögen allgemein schon gestellt wird, um den Grundumsatz des Konsums zu gewährleisten. Es ist eine Variante der Grundsicherung, die aus vielen politischen Strömungen heraus inzwischen auch gegen die Besorgnisse um die "Neue Armut" gehalten wird. Besonders der Unternehmer Götz Werner, der Inhaber der Drogeriekette "dm-Markt" ist, tritt damit in vielen Fernsehdiskussionen und auf dem Büchermarkt in Erscheinung. Bei ihm kommt der Grundgedanke auch am Deutlichsten zum tragen: Was zum Leben gebraucht wird, das soll jedem selbstverständlich zur Verfügung stehen, daran kommt eine Gesellschaft sowie so nicht vorbei. Er impliziert dabei - ohne es in solcher Begrifflichkeit selbst zu denken -, dass der Kreislauf des variablen Kapitals aus dem Kapitalisierungskreislauf herausgenommen werden könne, damit die Wertschöpfung unabhängig davon über die Mehrprodukte zur Kapitalisierung kommt. Es steht ein neoliberaler Gedanke dahinter: Eine konsequente Konsumbesteuerung solle die Unternehmen von steuerlichen Belastungen befreien und dafür den Grundbetrag der Lebenserhaltung erbringen und auch an alle Bürger als Monatseinkommen ausschütten. Auf diese Weise wäre die Sozialverwaltung auf ein Minimum zu reduzieren und vielerlei Unkosten zu sparen.

Die Reproduktion würde über eine Staatskasse der Konsumsteuer laufen und sich quasi als Selbstverständlichkeit tragen, weil die Menschen nun mal Arbeit als soziales Bedürfnis haben (so zitiert Götz Werner Erich Fromm) und hierzu nicht gezwungen werden müssten. Unangenehme Arbeiten seien ebenso höher zu entlohnen wie auch die Mehrarbeiten, sodass sich auch Leistung lohnt.

Wie es möglich sein soll, dass eine Steuer auf Ausgaben selbst die Einnahmen erbringen können soll, welche den Ausgaben zugrunde liegen, erklärt er aus der Tatsache, dass viel mehr konsumiert wird, als was zum Leben nötig ist und hierdurch die Besteuerung des "Überkonsums" sozusagen das Grundeinkommen finanzieren könne. Dies allerdings ist schon rein rechnerisch ein Unding Erlautup1a1a1 .

s.a.

=> Grundsicherung

Siehe hierzu auch den Abschnitt zum "Bedingungslosen Grundeinkommen" in
Wolfram Pfreundschuh:
Von der Kritik der politischen Ökonomie zur ökonomischen Politik einer wirklichen Gesellschaft

audioup1a2e1a1a3a Auf dem Weg in eine andere Gesellschaft (Teil 4: Grundsicherung)

Erlautup1a1a Das bedingungslose Grundeinkommen

Bedeutung

Eine Bedeutung ist ein durch Interpretation erschlossener Verhalt, welcher eine besondere Vorstellung und eine mit dieser behafteten Beziehung zu ihm erzeugt. Die Bedeutung ist also eine subjektive Rekursion auf etwas, das in seiner objektiven Gestalt deutbar, also nicht gewiss ist.

Von daher erschließt sie einen Sinn, der in irgendeiner Beziehung ist, in einer bestimmten Beziehung selbst gleichgültg ist, also einen entäußerten Sinn - sei es, seine Vieldeutigkeit zu erforschen oder sei es, um ihn in seiner unmittelbaren Gewissheit nur als Möglichkeit gelten zu lassen (siehe Möglichkeitsdenken). Im erstren Fall wäre es Anlass für eine Analyse, im letztren die Hinzufügung des besonderen Werts einer Vorstellung von der Nützlichkeit einer Sache oder eines Verhältnisses, eine Bewertung.

Danach wird das, was in ihm zu deuten ist, was es an Bedeutung für etwas anderes hat, zur Grundlage eines Urteils für das Verhältnis hierzu, eine subjektive Konstruktion, womit ein Objekt bewertet wird. Wo eine Bedeutung nicht in einer Analyse untergeht, bleibt es dies. Von daher ist Bedeutung in der Phänomenologie ein tragender Begriff (siehe hierzu auch Deutung). Die Bedeutung wird hiernach schnell zu einem Wert, den etwas als vorgestellter Inhalt für das Subjekt hat, das sich seiner Objektivität gegenüber verneint, diese begrifflich durch sich und seine Vorstellungstätigkeit negiert.

Der Konstruktivismus ist eine Erkenntnisform dieser Verneinung. Sie wird aber innerhalt der Konstruktion wiederum vom Denkonstruktivismus erschlossen. Von daher befördert solche Vorstellungstätigkeit meist Urteile der Ästhetik in einer Kultur (s.a. Mode) und verobjektiviert begrifflich, was sie subjektiv an ästhetischem Willen enthält und zu einem sittlichen Verhältnis kultiviert (siehe auch Logik der Kultur, Teil 3c).

s.a.

=> Sinn

=> Deutung

Bedrängung, Bedrängnis

Bedrängung ist ein Verhältnis des Raumes, worin bei zunehmender Masse sich dessen Bestimmung als Form gegen sie geltend macht. Bedrängung ist der Prozess der Enge und erzeugt im Menschen Angst.

s.a.

=> Angst

Bedürfnis

Menschliche Bedürfnisse sind ein Verlangen, dessen Sinn notwendig ist, sowohl qualitativ als auch quantitativ, also einer wirklichen Not entspringen. Gleich wodurch diese Not entstanden ist, sei es aus Mangel an Naturstoff (z.B. einem Mangel des Stoffwechsels oder des Gattungsvermögens) oder als Mangel an gesellschaftlicher Wirklichkeit oder Kultur, Bedürfnisse artikulieren diesen Mangel immer als notwendiges Verlangen. Sie bilden somit die Grundlage für jedes sinnliche Verlangen, das einer Not folgt, und sind von daher auch grundlegende Notwendigkeit einer jeden Kultur, sei diese geistig oder körperlich, als Notwendigkeit des Geistes oder als Gewissheit der menschlichen Natur, des Stoffwechsels, der Gattungsbedürfnisse, der Existenz, was immer ihre gesellschaftliche Form sei. Sie verlangen einen Aufwand, um den Mangel zu beheben, enthalten also einen Zweck, der ein notwendiges Mittel verlangt, um Bedürfnisse zu befriedigen (siehe Arbeit) und darin die Menschen mit sich zu vermitteln - sowohl im einzelnen wie auch in ihrer Wechselseitigkeit. Beides ist nicht verschieden, weil Menschen die Mittel ihrer Befriedigung, ihre Naturmacht, nur über ihre Gesellschaftlichkeit haben.

Jedes Bedürfnis ist letztlich immer ein gesellschaftlich entstandenes und nur gesellschaftlich befriedigbares Verlangen, da Menschen für sich und isoliert von ihrer Gesellschaft nicht der Natur gegenüberstehen können. Von daher ist es immer ein Verlangen von Menschen nach Menschen, nach dem, was Menschen nötig ist, was sie äußern und wodurch sie leben, nach den Gegenständen ihrer Kultur, nach nützlichen Sachen (siehe auch Gebrauchswerte) und Kulturgütern, worin sie in Gesellschaft sind. Die Erzeugung menschlicher Gegenstände, die menschliche Arbeit, ist nicht irgendeine Tätigkeit, die man sich auch ohne Grund vorstellen kann. Sie ist sowohl der Aufwand, der zur Befriedigung menschlicher Bedrürfnisse nötig ist, wie auch die Erzeugung und Entwicklung des Sinns, den diese Gegenstände für die Menschen haben.

„Die Menschlichkeit der Sinne wird erst durch das Dasein seines Gegenstandes, durch die vermenschlichte Natur. Die Bildung der fünf Sinne ist eine Arbeit der ganzen bisherigen Weltgeschichte. Der unter dem rohen praktischen Bedürfnis befangene Sinn hat auch nur einen bornierten Sinn. Für den ausgehungerten Menschen existiert nicht die menschliche Form der Speise, sondern nur ihr abstraktes Dasein als Speise; ebensogut könnte sie in rohster Form vorliegen, und es ist nicht zu sagen, wodurch sich diese Nahrungstätigkeit von der tierischen Nahrungstätigkeit unterscheide.“ (Karl Marx in MEW 40 S. 541f).

Bedürfnis und Arbeit hat einen identischen Sinn in dem gesellschaftlichen Zusammenwirken der Menschen, in der menschlichen Gesellschaft, worin die Menschen ihre Natur und Naturmächtigkeit als ihr Lebensverhältnis, als ihr kultiviertes Verhältnis zu ihrem Stoffwechsel, entfalten. Die Kultur ist die lebendige Substanz einer jeden menschlichen Gesellschaft, sowohl ihr Sinn als Not wendende Überwindung eines sinnlichen Mangels, als auch der Sinn ihrer Bildung, als Grund der Entwicklung dieser Kultur, als geschichtliche Tätigkeit der Gesellschaftsbildung, als Bildungsprozess neuer gesellschaftlicher Inhalte. Die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse erzeugt zugleich neue Bedürfnisse und damit die Notwendigkeit der Herstellung eines Gegenstands, welcher eine Gesellschaft kulturell weiterbringt, weil deren Sinne neue Gegenständlichkeit verlangen. Menschliche Bedürfnisse machen also die Notwendigkeit ihrer Erhaltung wie ihrer Entwicklung aus, sind die Substanz ihrer gesellschaftlichen Geschichte, worin alle Tätigkeit sich als Sinnbildung bewahrheitet, wie sie darin auch wahr wird.

Bedürfnisse sind die Basis jeder Wirtschaft, denn der Aufwand zu ihrer Befriedigung kann nur sinnvoll sein, wenn er effektiv ist, denn Wirtschaft ist nichts anderes als effektive Arbeit: Ein Minimum an Arbeit soll ein Maximum an Bedürfnisbefriedigung erbringen. Von daher ist die Wirtschaft die quantitative Ausdrucksform des Verhältnisses von Bedürfnis und Arbeit. Wirtschaft ist aber auch die politische Form einer bestimmten Gesellschaft. Von daher besteht in der Wirtschaft eine Identität von etwas, das nicht identisch ist. Bedürfnis und Politik haben unterschiedliche Substanz. Was das Bedürfnis für die Wirtschaft ist, das ist der Wille für die Politik. Aber im Unterschied zum Willen ist jedes Bedürfnis in seiner Entstehung immer schon gesellschaftlich, weil im gesellschaftlichen Bezug notwendig und nur durch gesellschaftliche Produkte erfüllbar; der Wille ist dagegen eine Selbstbehauptung, welche Gesellschaft zu bestimmen sucht, ein gesellschaftliches Sollen herbeiführen muss (siehe politischer Wille). Der Inhalt der Bedürfnisse ist ihr Sinn, der sich als Verlangen nach Wirklichkeit bildet, als Verlangen nach Gegenständlichkeit, sei es in der Herstellung eines Gegenstands, sei es in seiner Einverleibung zur Befriedigung eines Bedürfnisses. Die Sinnbildung der Menschen macht ihre Geschichte als bedürftige Wesen in ihrer Gesellschaft aus (siehe historischer Materialismus), worin ihre Bedürfnisse ihre Arbeit bestimmen und Arbeit neue Bedürfnisse erweckt, weil sie nicht nur Sinn äußert, sondern auch bildet, indem sie ihn gegenständlich macht und in der Befriedigung der Bedürfnisse deren Sinn erneuert und darin den Boden für ein erneutes Verlangen bereitet.

Was der Mensch an Verfeinerung seiner Sinne im Genuss seines Gegenstands entwickelt, begründet auch die Erneuerung seines Bedürfnis in der Arbeit, die Bereicherung seiner Geschichte. Die Entwicklung und Verwirklichung, also Vergegenständlichung der Bedürfnisse durch Arbeit machen den Reichtum einer Gesellschaft aus. Auch wenn die Menschen mit Automaten arbeiten, so wären sie arm dran, würden sie nicht mehr arbeiten, nicht mehr sich vergegenständlichen: Sie hätten automatische Bedürfnisse für automatische Gegenstände. Bedürfnisse entstehen aber nicht ohne ihre Bildungsgeschichte und Voraussetzung, auch nicht durch überhistorische Notwendigkeiten, wie etwa durch unmittelbar natürlichen Stoffwechsel oder Naturbedrohung. Eine Ermangelung an lebensnotwendigen Stoffen (z.B. als reiner Hunger) oder selbstverständlichen Gewohnheiten (z.B. als Geschlechtstrieb) enthält nur Mangel (siehe Armut), kein Entwicklungspotenzial menschlicher Geschichte. Bedürfnisse entstehen als menschliche Sinnbildung im gesellschaftlichen Verkehr der Menschen miteinander und im Verhältnis zu ihren Sachen.

"Unsere Bedürfnisse und Genüsse entspringen aus der Gesellschaft; wir messen sie daher an der Gesellschaft; wir messen sie nicht an den Gegenständen ihrer Befriedigung. Weil sie gesellschaftlicher Natur sind, sind sie relativer Natur." (K. Marx, Lohnarbeit und Kapital, MEW 6, 412).

In der bürgerlichen Gesellschaft erfahren die Bedürfnisse im Allgemeinen ihre Befriedigung durch die Konsumtion von Waren, auf welche Bedürfnisse nur einzeln konkret (also auf ihren Gebrauchswert) bezogen sein können, weil sie allgemein nur für sich und abstrakt als Wertdinge über den Tauschwert bezogen sind. In dieser Beziehung muss jeder Mensch die Gesellschaftlichkeit seines Bedürfnisses verneinen, ja, verleugnen, um den Tauschakt optimal günstig für sich zu vollziehen. In dieser Ausschließlichkeit des Bedürfnisses bezieht es sich einzig auf die Nützlichkeit eines Dings, nicht auf eine Sache als menschliches Produkt. Es ist von daher unmittelbar praktisch, praktisches Bedürfnis.

Das entäußerte Bedürfnis, das notwendige Verlangen, das in seiner Notwendigkeit für sich bleibt, sich nicht in Arbeit verwirklichen kann, hat seinen Sinn abgespalten, ist zum Verlangen nach bloßem Überleben geworden, nach nützlichen Dingen, von deren Sinn völlig abgesehen werden kann, sofern sie nur zum Überleben taugen. Der Sinn wird für die Menschen zu einer Sache des Erlebens, zum Verlangen nach Leben außer sich. Das macht die Konstitution einer Kultur aus, die sich aus der gesellschaftlöichen Wirklichkeit der Gegenstände heraushebt als Erlebensbrücke einer öden Welt (siehe Wahrnehmung in der Systematik des Erlebens).

Während Bedürfnisse Inhalte der Lebensproduktion und des Wirtschaftens, das Verlangen der Arbeit sind, ist der Wille bloße Reflexion ihrer Form. Man will haben, was nur als Besitz Eigentum sein kann. Der Wille ist daher der Inhalt der Politik, indem er sich vom Inhalt der Bedürfnisse wesentlich darin unterscheidet, dass er auf gesellschaftlichen Formen gründet und sich auch nur hierauf bezieht (siehe auch politischer Wille). Ohne lebendiges Bedürfnis wird Wille selbständig, zur Selbstbehauptung eines entäußerten Menschseins. Und das kann nur als Macht allgemein werden. In der Macht ist das Bedürfnis in seiner Reaktion aufgehoben zu einem Moment erstarrter Ökonomie, wie sie dem bürgerlichen Staat zur Lösung auferlegt ist. Macht ist von ihrer subjektiven Seite her das entäußerte Bedürfnis, welches Ökonomie nicht erfüllt und sich in der Politik des bürgerlichen Staats fortbestimmt.

s.a.

=> Begehren

=> Befriedigung

webup Bedürfnis im Philosophischen Lexikon
quelleup4a Bedürfnis und Gegenstand
quelleup5b
Bedürfnis und Reichtum
quelleup5a2729b1a
Bedürfnis als Sinn der Natur
Erlautup1a1
Bedürfnis
Erlautup1b1 Bedürfnis und Reichtum
zitatup1
Bedürfnis
zitatup5g2
Bedürfnis und Reichtum
zitatup5g1b Bedürfnis des Geldes
zitatup5a1b Arbeit und Bedürfnis

Befinden

Das Befinden macht ein Dasein in Verhältnissen aus, das für sich subjektive Einheit hat, die unbeschadet durch sie und ihnen gegenüber gleichgültig ist. Zwar kann es durch sie bewegt werden, aber für das Befinden sind das lediglich Umstände seiner Bewegung. Es ist in doppelter Weise gegenwärtig: Als Urteil und als Dasein einer Empfindung. Ein Empfindungsurteil vereint beides in einer Haltung zu einer Sache oder einen Menschen und verschließt sich darin jeder Erkenntnis. Es ist die Grundlage von Selbstgerechtigkeit.

s.a.

=> Empfindung

Befriedigung

Befriedigung ist die Sättigung eines Verlangens, das durch ein Ereignis "zum Frieden kommt", worin meist auch eine Einverleibung stattfindet. Befriedigung unterstellt also eine Beziehung auf Eigenschaften einer Sache oder eines Menschen, durch deren Einverleibung sich Regungen und Erregungen "beruhigen", die mit dem Verlangen gegeben sind. Befriedigung ist von daher notwendig und erfolgt nicht aus dem Verlangen nach einer bloßen Wunscherfüllung. Der Begriff steht von daher für einen Frieden, der durch Nutzung und Vernutzung erreicht wird und trifft weniger auf Ereignisse zu, die als Sinnerfüllung, bzw. als Glücksmomente wahrgenommen werden. Von daher muss Befriedigung nicht unbedingt glücklich machen und kann sich sogar ins Gegenteil, also zu einem Kreislauf des Unglücks verkehren, wenn Befriedigung in eine "schlechte Unendlichkeit" gerät.

In der Psychoanalyse wird der Befriedigung, besonders der "Triebbefriedigung" (siehe Trieb) eine zentrale Bedeutung zugewiesen. Nach Auffassung von Sigmund Freud begründet sich alles seelische Streben durch die Wiedererlangung eines "Befriedigungserlebnisses", wie es im "Erinnerungsbild" des Betroffen vorliegt und das Lustprinzip bestimmt. Eine Verdrängung der Luststrebungen führt nach dieser Auffassung zu einer "seelischen Erkrankung", wenn keine alternative Sublimation zur Verfügung steht. Freud hält von daher die ganze Kultur für eine Sublimation der Menschheitsgeschichte, die sich gegen die natürlichen Triebe des Menschen stellt und von jedem einzelnen Menschen nachvollzogen werden müsse, um die menschliche Zivilisation zu bewahren.

s.a.

=> Bedürfnis

Befriedung

Befriedung ist die Beendigung von Konflikten durch Ereignisse oder Gewalten, welche Auseinandersetzungen, Streitigkeiten, Kriege oder Kämpfe aufheben. Mit dem Begriff ist nichts über das Wesen dieser Beendigung gesagt, also z.B., ob die Konflikte wirklich gelöst oder nur bedrängt, zur Aufhebung gezwungen sind. Meist jedoch ist damit letztres gemeint. Franco Basaglia sieht z.B. in der Psychiatrie ein "Befriedungsverbrechen". In der Befriedung wird von dieser Seite der im Konflikt existierende Inhalt notwendig enttäuscht und kann ästhetisch als Enttäuschung oder psychisch als Verdrängung fortbestehen.

s.a.

=> Ästhetik

Begehren

Im Unterschied zum Bedürfnis ist das Begehren ein Verlangen, was die Getrenntheit des Subjekts vom Objekt der Begierde voraussetzt und zugleich nicht notwendig ist. Es ist eher eine Geistesreflektion, die keine Not hat, meist aber ästhetische Inhalte oder ein Verlangen in seelischer Absicht ist. Von daher kann die Begierde zwingend sein, besonders, wenn sie einem seelisch entäußerten Trieb folgt.

s.a.

=> Bedürfnis

=> Wunsch

Begriff

Ein Begriff ist die Zusammenfassung von Merkmalen, die einer Sache, einem Wesen oder einem Gegenstand zukommen. In der Reduktion auf ein Wesen, das allem zukommen soll, ist ein Begriff eine Gedankenabstraktion. Als solcher bleibt er eine Idee von einer Sache, eine Vorstellung ihres Wesens, wenn er sich nicht als Realabstraktion, als Resultat einer Analyse erweisen lässt.

Er selbst muss sich wesentlich von den Eigenschaft unterscheiden. Würde man diese selbst zu einem Begriff machen, dann würde alles Adjektive subjektiv, Eigenschaften selbst Sache von eigener Substanz, also für sich sein. Das macht Eigenschaften lediglich nominell wesentlich, verschafft ihnen ein Wesen, das sie nicht eigen sein lässt, sondern sie zum unmittelbaren Ausdruck einer Substanz macht, die ihnen fremd ist, z.B. als Objekt einer Nutzung oder als Moment eines Werts oder Lebenswerts. Von da her wäre jeder Begriff unvermittelbar, eine Moral, eine Bewertung, ein Urteil über Eigenschaften, das sich nicht begründen lässt, eine Anmaßung an ihr Sein, Phänomenologie. Jede Sache wäre für sich und nur durch den Begriff als eine Gedankenabstraktion von sich mit sich verbunden, als substantivierte Eigenschaft zugleich für sich substanzlos, unwirklich, ohne Sinn und ohne Tätigkeit, eine Ideologie des Schicksals.

Aber ein Begriff soll Zusammenhänge erklären, soll erweisen, was hinter dem steckt, was ist und muss also schlussfolgern, womit es zusammenhängt, was es in diesem Zussammenhang wesentlich ist. Er ist zwar in der Tat zunächst die Benennung dessen, was dies ausmacht, was im Zusammenhang der Fakten, Ereignisse, Erlebnisse, Eigenschaften usw. wesentlich ist, was also alle die Momente darin als Teile eines Ganzen ausmacht, sie als Eigenschaften eines Wesens zusammenfasst, die durch dessen Begriff klar werden, sich im Begriff erklären. Aber dieser muss auch beweisen, dass es dies alles wirklich ist, dass es den wirklichen Zusammenhang dieses Wesens gibt. Das setzt voraus, dass die Eigenschaften des zu Begreifenden nicht für sich selbst stehen, dass sie nicht selbstverständlich sind, Sein als solches. Einen Begriff sucht man, wenn etwas oder jemand nicht dem Greifen nahe, nicht zu begreifen ist. Wo diese Gewissheit nicht möglich ist, wo also Wissen nicht sich von selbst versteht, da muss das praktische Bewusstsein sich in das theoretische erheben, etwas vermittelst Vorstellung und Denken begreifen. Das theoretische Bewusstsein setzt also voraus, dass ein Zwiespalt in dem was ist, wesentlich ist, dass das, was da ist, so wie es erscheint, nicht einfach so sein kann, wie es ist. Als so Seiendes kann es nicht sein. Es muss ein anderes Sein haben, muss da auch anders sein, als es so ist. Es hat ein anderes Wesen, als wie es scheint. Zwischen Sosein und Dasein fehlt eine Erklärung des Wesens, was dies Ding hat, das als solches nicht begreifbar, in seiner Erscheinung ein Unding ist. Der Begriff muss also alle Zusammenhänge zwischen da seienden Eigenschaften eines Dings und dem Ganzen seines Seins erklären, die Teile in der Beziehung eines Ganzen erkennen, wie sie so sind, wenn sie a sind. Und diese Erkenntnis, so sie sich erweist und beweisen läst, macht die Wahrheit einer Erklärung aus. "Das Ganze ist das Wahre" (Hegel).

Im Unterschied zu einer einfachen Erklärung von Gegebenheiten, also ein klar werden darüber, was sie sind, so wie sie sind, will ein Begriff nicht nur Beziehungen von Ursache und Wirkung in ihrer geschichtlichen Entwicklung benennen, sondern den Grund der Verhältnisse aufspüren, in welchem sie bestehen. Der horizontalen Beziehung der Geschichte wird im Begriff ein vertikales Sein entnommen, das ihre Notwendigkeiten erklärt und als Wesen eines Ganzen letztlich zu einer ganzen Hierarchie von Begrifflichkeiten führt, einem systematischen Ganzen, das auch komplexe Zusammenhänge (z.B. Kapitalismus als System) begreifen lässt. Begriffen ist damit ein Verhältnis, das seine Ursache-Wirkungsbeziehung als begründet erkennbar macht und sich solange als notwendiger Zusammenhang erhält, wie der Grund hierfür besteht. Was in der Geschichte eine Epoche ist, macht ihren Begriff aus. Sie entspringt einem vorausgesetzten Sein, dessen Notwendigkeiten sich in einem neuen Sein lösen und aufheben, im Entschluss eines Wesens,das sich als Grund für neues herausstellt und als eine neue Epoche entfaltet. Auch wenn dies erst in seiner vollständigen Entfaltung vollständig begriffen werden kann, so lässt sich aus der Logik seines Wesens doch auch die objektive Bestimmung seines Werdens erkennen - eben weil und sofern dieses noch wie eine Naturgewalt, also rein sachlich materiell, getrennt vom wirklichen gesellschaftlichen Menschen, in der Entfremdung des Menschen von sich und seinem Gattungswesen verläuft.

In diesem Verständnis hat sich der dialektische Materialismus als wissenschaftliche Methode entwickelt, die deshalb auch als historischer Materialismus bezeichnet wird, als Denkform, die in der Überwindung gesellschaftlicher Widersprüche begriffen ist. Damit ist eine objektive Bestimmung der Geschichte festgestellt, die auch im Denken selbst wirksam ist. Von daher erkennt sich der Mensch auch in seinem Denken im Prozess einer Aufhebung befangen, aus der er sich entwickeln muss, um sein Leben zu ändern und neu zu ergreifen. Das macht den Marxschen Entfremdungsbegriff, der menschliche Selbstentfremdung als Basis des Verkennens menschlicher Geschichte begreift und als erstes impliziert, sich selbst als erkenndes Wesen, den "Menschen als höchstes Wesen für den Menschen" zu unterstellen.

Die Erkenntnis der Selbstentfremdung des Menschen in seiner Geschichte, der Ausgangspunkt, dass der Mensch im Begriff steht sich und seine Sinne noch zu bilden, ist nicht als Ontologie oder als Determinismus der Geschichte zu begreifen, sondern als geschichtliche Selbsterkenntnis in der Geschichte selbst, als proktische Philosophie. In der Kritik des interpretativen Denkens der Philsophie hat Marx in den sogenannten Feuerbachthesen den Standpunkt der Selbstbetrachtung zum Begriff des theoretischen, des begrifflosen Menschen gemacht, der sich selbst äußerlich bleibt, weil er sich nicht subjektiv, als Subjekt seiner Geschichte erkennt. Dieser entspricht dem entäußerten Menschsein in den wirklichen Lebensverhältnissen. Darin vollzieht der Mensch seine Selbstentfremdung, indem er durch objektiv bestimmte Entgegensetzungen sich noch selbst im Weg steht und seine Geschichte von fremder Notwendigkeit bestimmen lässt, noch nicht frei für seine wirkliche Entfaltung ist. "Die bisherige Geschichte war eine Geschichte von Klassenkämpfen" (Marx). Durch die enorme Schaffung des Reichtums in der bürgerlichen Gesellschaft, lässt sich diese Geschichte überwinden. Die Geschichte der Menschheit lässt sich begreifen als Emanzipation des Menschen von der Naturbestimmtheit zu seiner eigenen Natur innerhalb des Naturganzen. Auf der Grundlage einer hohen Entwicklungsstufe der Produktionsmittel, durch welche die menschliche Produktion immer subjektiver, also freier von materieller Notwendigkeit werden kann, lässt sich die Möglichkeit einer klassenslosen Gesellschaft innerhalb der Bedingungen einer Waren produzierenden Gesellschaft erkennen (siehe Kommunismus). Weil und sofern deren Reichtum schon weit über ihre Reproduktionsnotwendigkeiten hinausreicht, wenngleich er in dieser Gesellschaft noch nicht gesellschaftlich verwirklicht ist, muss ihre Unwirklichkeit als Abstraktion von ihrem wirklichen Reichtum begriffen werden. Die Erkenntnis des Begriffs dieser Gesellschaft sform als Wert und vor allem die Herausarbeitung von dessen Substanz (siehe Begriffssubstanz), die sich als Wertgröße, als durchschnittliche gesellschaftliche Arbeitszeit quantifiziert, macht die Möglichkeit der Veränderung dieser Gesellschaft erkennbar.

Die Stärke des begrifflichen Denkens macht seine Unbeirrbarkeit aus. Wer z.B. den Wertzusammenhang in seiner Begriffssubstanz, in der Realabstraktion des Tauschhandels, erkannt hat, wird nicht glauben, dass die dauerhafte Verbesserung von Lebensqualität unter seiner Bedingung möglich ist. Es eröffnen sich unbedingte Erkenntnisse, die sich in das Hin und Her der aktuellen Konflikte mit folgerichtigen Entscheidungen einmischen, die also in der Lage sind, ihren Springpunkt zum Brennpunkt zu machen. Man kann z.B. die Auseiandersetzungen von Kapital und Arbeit im Kampf um die Arbeitslöhne oder im Kampf um die Verkürzung des Arbeitstags sehen. Wer letztres in seiner Stringenz als alles entscheidende Grundlage der Aufhebung kapitalistischer Lebensbedingungen begriffen hat, weil die Wertgröße nunmal Arbeitszeit ist, der wird darin auch das zu Ende bringen einer Gesellschaft sehen, die prinzipielle Aufhebung der wertbildenden Arbeit. Ein Begriff bildet Bewusstsein und was darin als Wissen des Seienden entsteht, macht die Folgerichtigkeit des Begriffs aus. Er formuliert die logische Substanz des Bestehenden und eröffnet damit auch dessen Überwindung, welche im Sinn der Menschen als ihr Lebenstraum längst angelegt ist, aber durch die naturhaft scheinende Notwendigkeit der Sache, als unendlicher behaupteter Sachzwang gegen die Menschen zum Vorteil der herrschenden Verhältnisse festgezurrt wird..

»Unser Wahlspruch muß also sein: Reform des Bewußtseins nicht durch Dogmen, sondern durch Analysierung des mystischen, sich selbst unklaren Bewußtseins, trete es nun religiös oder politisch auf. Es wird sich dann zeigen, daß die Welt längst den Traum von einer Sache besitzt, von der sie nur das Bewußtsein besitzen muß, um sie wirklich zu besitzen. Es wird sich zeigen, daß es sich nicht um einen großen Gedankenstrich zwischen Vergangenheit und Zukunft handelt, sondern um die Vollziehung der Gedanken der Vergangenheit. Es wird sich endlich zeigen, daß die Menschheit keine neue Arbeit beginnt, sondern mit Bewußtsein ihre alte Arbeit zustande bringt.« (MEB I, S. 346).

Die Dialektik des Begriffs macht das Wissen eines ganzen Zusammenhangs aus und erklärt auch dessen geschichtlichen Ablauf, das Auseinanderhervorgehen der Formen und Zwänge. Wo sich die reale Entwicklung ihrer konkreten Wirklichkeit enthebt, sich in ihrem eigenen Sein entzweit und widerspricht, treibt ihre Abstraktion Wirkungen hervor, die nur davon zehren, konkrete Zusammenhänge aufzusaugen, zu negieren und durch ihre eigene Nichtigkeit zu beherrschen. Begriffliches Wissen der Dialektik ist in der Lage, solche Entwicklungsprozesse der Negativität als Aufhebungsprozesse, als Reduktion menschlicher Wirklichkeit zu erklären, also zu begreifen, wie und warum sie sich ihrem Fortschritt entzieht, wodurch die also reaktionär sind. Sie beruht auf dem Wissen der Position, die sich in ihrer Negation vermittelt und entwickelt damit die Kenntnis des Negierten zu positivem Wissen. Dieses begreift das unmittelbar Negierte zugleich als vermitteltes Sein und sein Vermitteltsein wird so zum Wissen einer negativen Position in der Ganzheit seiner Vermittlung, die nicht nur für sich besteht, sondern auch im Gewordenen ihr Werden enthält, ihre Geschichte bloßlegt. Im Begriff zeigt sich das Positive in seinem Anderssein, indem es sich selbst unterscheidet, sich negiert. Negation ist das von einer Position Ausgeschlossene, das einem Zusammenhang zugehörige, das ausschließlich für sich ist (siehe auch Isolation). In ihm zeigt sich die Wahrheit des Zusammenhangs in der Vermitteltheit des Ausgeschlossenen, von welchem positiv abgesehen ist (siehe Abstraktion). In der Vermittlung selbst setzt sich der Logik des Zusammenhangs folgend das Negative als ein anders Seiendes, in welchem das Wesen der Position sich als ein verändertes Wesen äußert. Der Kern jeder Dialektik ist die Ganzheit des Zusammenhangs, die ganze Wahrheit eines Begriffs. Er ist die ganze Vermittlung, worin das Positive auch in seiner Negation bewahrt ist als etwas Ganzes, das an und für sich ein ganzes Sein ausmacht, das allerdings wiederum eine Position für ein anderes Sein ist.

Das wesentliche Wissen besteht aus dem Begriff eines fremden Wesens, der allgemeinen Substanz eines ganzen Systems, die seine Entwicklung aus einer gänzlich ausgeschlossenen Abstraktion zur Form für sich macht, als äußeres Ganzes bestimmt. Es ist die umfassende Erkenntnis dessen, was die Abstraktion antreibt, ihren Trieb ausmacht. Die Substanz aller Formbestimmung betreibt die menschliche Entfremdung ganz praktisch und wirklich als Selbstentfremdung des Menschen von sich, seiner Gattung und seiner Geschichte. Begriffliches Denken begeht zunächst die bewusste Umkehr hiervon, um vermittelst des Bewusstseins der Menschen auch die praktische Wendung der Geschichte zu bewirken. Da alle Geschichte der Menschen inzwischen einzig im Wertsein ihrer Besitztümer zusammenfällt, macht das Begreifen des Werts heute das erste und wichtigste Moment des Bewusstseins aus.

Wer die Wertsubstanz als abstrakt menschliche Arbeit begriffen hat, kennt auch den Unterschied von immanenter und systemtranszendenter Entwicklung. Er wendet sich hierdurch nicht an äußerlich verbleibende Verhältnisse, sondern direkt an die Menschen und muss also kein anderes System entgegenhalten oder gar den Staat als Revolutionär einführen. Revolution ist nichts anderes als die Selbsterneuerung des Gewordenen durch die Befreiung von den Fesseln seiner Vergangenheit, von der Form, worin sich ihre Geschichte aufgehoben hatte. Sie ist eine Selbsterneuerung im Bewusstsein überkommener Begrifflichkeit, die Erkenntnis des wesentlichen Anachronismus der Formbestimmtheit einer Epoche.

s.a.

=> Wesen

=> Elementarform

=> Begriffssubstanz

zitatup1c3c1b1 Mysterium des spekulativen Begriffs
zitatup1c3c1b1a Begriffsbildung
zitatup1c3c1b1a1 Logik und Begriffsbildung
zitatup1c3c1b1a1a Denken
zitatup1c3c1b1a1b Wissenschaft
 

Begriffsgröße

Die Begriffsgröße ist das Quantum einer Begriffssubstanz, also die Menge der Substanz, welche das Maß einer Abstraktion ergibt. Diese besteht aus dem Durchschnitt einer Qualität, welche als Maßstab darin wirken kann (z.B. beim Wert die gesellschaftlich durchschnittliche Arbeitszeit, welche zur Herstellung eines Produkts aufzuwenden ist). Die Erschließung dieses Maßstabs ist Resultat der Analyse der Begriffssubstanz.

s.a.

=> Begriff

=> Quantum

Begriffssubstanz

Die Begriffssubstanz ist die Substanz, durch welche sich ein Begriff entfaltet, der Stoff, aus dem Begriffe sind, der Zusammenhang der Teile eines Ganzen. An sich ist der Begriff nur die Form dessen, was er der Substanz nach für sich ist, was die Qualität seines Wesens ausmacht. Aber da dieses als Abstraktion begriffen ist, kann es nur die Qualität der Abstraktion sein. Von da her ist die Form durch ihre Abstraktion für sich bestimmt als das, was der Begriff an sich ist.

So erklärt sich hierin die Formbestimmung, welche durch den Begriff begriffen wird, also das abstrakte Sein dessen, was konkret scheint, aber nicht wesentlich konkret ist, also das, worin sich das Konkrete aufhebt und worauf es sich dem Wesen nach in seiner Entfaltung reduziert, was die Einfalt seiner vielfältigen Erscheinung ausmacht.

Die Ent-Deckung der Begriffsubstanz steht am Ende einer Analyse, also der Zergliederung aller Zusammenhänge auf ihre wesentliche Substanz. Sie enthält positiv die einfache Unterstellung von allem, was darin analysiert ist, und negativ zeigt sie, was ist, wenn sie an ihr Ende gelangt, wenn ihre Entfaltung nichtig wird, wenn sie das Entfaltete selbst in sich nimmt, es auf sich zurückführt. Diesem geschichlich werdenen Zirkelschluss der Abstraktion gilt die Kritik des Begriffs, die Entbindung seiner Abstarktion.

Die Begriffssubstanz ist die abstrakteste Form des Seienden, worin sich der Begriff entfaltet. So hat z.B. Marx für die Kritik der politischen Ökonomie gezeigt, dass deren abstraktester Zweck in der bloßen Zeit der menschliche Arbeit steckt (siehe hierzu z.B. Wertsubstanz). Aus dieser wiederum entwickelt sich das reine Quantum, welches eine Form hat, die Ausdehnung und Größe der Begriffssubstanz, die Wertgröße. Durch diese quantifiziert sich alles, was durch Arbeit entsteht, zu die Arbeitszeit, auf die sich ihr Zweck reduzieren muss, um sich voll zu entfalten. Hierdurch entsteht die Macht des Werts als allgemeine Aufhäufung von Arbeitszeit im Besitz der Produktionsmittel und Produkte, die Herrschaft der toten Arbeit. Obwohl die Wertform anfangs die Entwicklung der Arbeitsteilung zur großen Industrie brachte, zur Entwicklung der großen Produktionsmittel, welche menschliche Arbeit immmer geringer werden lässt, bedrängte sie zunehmend die menschliche Geschichte durch die Einfältigkeit ihrer Formbestimmung, der abstrakt menschlichen Arbeit im Maß ihres Zeitquantums, welches Menschen im Prozess ihrer Naturaneignung bestimmt. Das Tote beherrscht das Lebende gerade in dem, wo es als Notwendigkeit des Lebens erscheint.

Desgleichen geschieht inzwischen in der politischen Kultur. Obwohl diese die menschlichen Sinne von ihrer Naturempfindung zu einer ausgebreiteten menschlichen Kultur brachte, reduziert sie diese zugleich in der Entfaltung ihres Erlebens auf ihre Begriffssubstanz, auf die bloße Dichte menschlicher Anwesenheit. Hier wendet sich die abstrakt menschliche Sinnlichkeit zur körperlichen Macht der Entleibung menschlicher Gegenwärtigkeit.

Wird die lebende Abstraktion nicht im Leben der Menschen konkret überwunden und übertritt sie deshalb früher oder später die Entwicklung der Begriffssubstanz die Grenze ihres Seins, hat sie sich also vollständig damit aufgesogen und absolute Macht darin, so nutzt sie diese zum Übertritt über ihre eigenen Prinzipien und Regeln und zerstört durch ihre absolute Herrschaft und Willkür das Sein als solches, wird zu einem Verhältnis, das aus Selbstaufzehrung, aus Barbarei, Mord und Totschlag besteht (siehe auch Faschismus).

s.a.

=> Begriff

=> Substanz

Beispiel

Ein Beispiel ist eine Assoziation zu einem Verhalt, wie er "bey her spielt" (Hegel). Von da her im Lexikon ohne Bedeutung, lediglich für den Link auf diese Beispieladresse.

Beleidigung

s.a.

=> Leiden

Bergung

Bergung ist Sicherung und Rückführung des Lebens aus seiner Not heraus, eine Reaktion auf ein Unglück oder Unheil, in die es geraten war. Es bildet darin zugleich seinen Schutz vor dem, wovor es geborgen wurde (siehe Lebensbergung). Der Begriff macht nur in der Entgegnung auf Tödliches Sinn. Heideggers Philosophie, die sich aus dem Tod begründet, hat diesen Begriff daher zu einem wesentlichen Konstrukt seiner Gedanken gemacht. Darin sieht er den Grund alles Notwendigen, also nicht eine Notwendigkeit des Lebens, sondern die lebensnotwendige Überwindung des Todes, so, als sei dies die wesentliche Lebensaufgabe. Jede Not, die im Leben aus lebendigen Gründen und aus der Form des ungelebten Lebens, als Formbestimmung auftritt, wird damit dem Leben selbst entgegengestelt, zu einer "Seinsnotwendigkeit" des Menschen, die seine unendliche Anpassung an die Formen der Welt abverlangt, gerade so, wie sie in der katholischen Grundbefindlichkeit auch als Gottergebenheit gefordert ist. Darin versteckt sich die implizite Heilbotschaft seiner Gedanken, das "Sein zum Tode", welches das Leben dazu verurteilt, sich um sein Heil zu sorgen.

Heidegger wird durch den Gebrauch des Begriffs der Bergung als Tätigkeit einer Seinsnotwendigkeit in seiner Sprache selbst verkehrt und spricht demnach auch von einer Umkehr der Bergung, vom Entbergen. Darin meint er das Äußern einer geschützter Wesenhaftigkeit im Eigenen, also dem reaktionären Veräußern von Eigenheit. Deren Dopplung als Seinsnotwendigkeit ist letzlich nichts anderes als der Besitz, worin das Eigentum geborgen ist. Im Geborgenen ist Unglück nicht nur überwunden, sondern schon dadurch gemieden, dass es sich aus den Notwendigkeiten des Seienden als Wahrheit des Seins hervorkehrt und sich der Selnsvergessenheit widersetzt.

.

s.a.

=> Lebensbergung

Besessenheit >> Weiterleiten zu BES

Besitz >> Weiterleiten zu BES

Besonderheit, Besonderung >> Weiterleiten zu BES

Bestand, Bestehendes >> Weiterleiten zu BES

Bestätigung >> Weiterleiten zu BES

Bestimmung >> Weiterleiten zu BES

Bewährung, Bewahrheitung >> Weiterleiten zu BEW

Bewegung >> Weiterleiten zu BEW

Beweis >> Weiterleiten zu BEW

Bewertung >> Weiterleiten zu BEW

Bewusstsein >> Weiterleiten zu BEW

Bezichtigung

Bezichtigung ist die Beziehung eines Vorwurfs, der den hiervon Betroffenen Erziehen soll und auch manchmal Züchtigung nach sich ziert. Er unterstellt immer eien Moral, welche als Pflicht gegen Menschen gewendet wird, als allgemein behauptete Notwendigkeit, der die Menschen unterworfen sein sollen. Ethische Auffassungen lassen sich nur unter der Sebstaufgabe jeder Ethik als Bezichtigung verwenden.

 

Beziehung

Beziehung ist die Bestimmtheit von Teilen eines ganzen Zusammenhangs, die Form, worin sich diese anziehen und worin sie sich identifizieren und durch einander auch begründet sind (siehe Grund). Als Teile eines Ganzen unterstellen sie in ihrer Beziehung also eine Identität, in welcher sie voneinander abhängen - bzw. relativ zueinander sind.

Als wissenschaftlicher Begriff meint Beziehung daher auch eine objektive Relation innerhalb einer Menge, deren Teile dadurch aufeinander bezogen sind, dass ihre Teilmengen definiert und identifiziert werden. Dies unterstellt eine Substanz, welche innerhalb eines Ganzen, einer Totalität, unterscheidbar ist und von daher unterschiedliche Positionen mit unterschiedlichen Quanten einnehmen kann.

Im Lauf der 60ger Jahre hat der Begriff vor allem eine subjektive Bedeutung bekommen, als die Sprache einen objektiven Begriff für Liebe oder Freundschaft nötig hatte, der zugleich subjektiv verwendbar ist. In der Ablösung von festen Verbindungen innerhalb der Existenzen (z.B. der ökonomisch bestimmten Haushalte) war ein existenzialistischer Begriff nötig geworden, welcher die Verbundenheit von Menschen formulieren konnte, die sich ohne wirkliche Not und Notwendigkeit begegnen. Freundschaft, Liebe und Sexualität lösten sich aus der Dimension von Wirtschaft und Geschlecht (Antibaby-Pille) und wurden zu einer rein zwischenmenschlichen Anziehung.

Subjektiv begriffen entsteht eine Beziehung, wenn jemand oder etwas anziehend ist und hierdurch Verlangen nach einem Zusammenkommen erweckt. Im Zusammensein verwirklicht sich die Beziehung, das heißt: Sie stiftet Inhalte, die ohne dieses Zusammentreten nicht sind. Beziehung ist dadurch geworden, dass sich Unterschiedenes zu einem Inhalt zusammengefunden hat, der ohne die Beziehung nicht existiert, zum Teil eines Ganzen geworden ist, das vor der Beziehung nichts war, ein Inhalt, der neu da ist, ein Wesen, das in der Begegnung entstanden ist und wirklich und praktisch besteht. Anwesenheit ist daher auch zum einen eine notwendige Form der Beziehung, die bei Abwesenheit nur in der Form des Entzugs herrscht. Die aufeinander Bezogenen ziehen einander an, weil sie ohne einander nicht mehr in diesem Wesen ganz sind, ohne das Andere nur unwirkliche, also wirkungslose Beziehung haben. Von daher ist eine Beziehung dem Inhalt nach Identität einer Gegenwärtigkeit, die unwirklich, also bloß symbiotisch wird, wenn sie sich nicht wirklich, sich nicht als praktisches Verhältnis gestaltet, sich also nicht zu verhalten versteht.

Beziehung ist demnach der Inhalt eines jeden Verhältnisses, der Sinn, in welchem es da ist. Sie besteht in der Bestimmung, die ein Subjekt auf ein Objekt hat durch seine Äußerung und Verwirklichung in ihm und die Erkenntnis dieser Wirklichkeit als Inhalt und Rückbezug auf sich vermittelst Verhalten, Tätigkeit, Wahrnehmung, Arbeit usw. In der Beziehung sind Subjekt und Objekt unentwegt im Wechsel, also ingesamt in ihrer Subjektivität objektiv. Darin ist also subjektiver wie objektiver, aktiver wie passiver Inhalt, Bestimmung und Bestimmtheit in einem: Ich beziehe mich, also bin ich bezogen. Dies ist gleich mit der Feststellung, dass ich mich auch beziehe, worin ich bezogen bin. Ich bin als Produzent einer Beziehung immer auch Konsument, der sich in seinen Bedürfnissen verwirklicht, wie er zugleich in seinem Produkt wirklich ist.

Die Anziehung selbst ist nicht durch Beziehung erzeugt, sondern ihr unmittelbares Sein, wie auch der Entzug ihr nicht äußerlich ist (auch wenn er von außen gesehen notwendig sein kann, wenn z.B. eine Beziehung aus objektiven Erwägungen abgebrochen werden muss). Beziehung ist also im Grund eine identische Ebene zwischen Subjekten, die sich wechselseitig als Objekt nehmen und darin zu einem Verhältnis kommen. Nur die Erziehung ist eine herausgesetzte Beziehung, eine ausschließliche Beziehung enes Subjekts auf ein Objekt, die auf einer gegenständlichen Notwendigkeit (Fähigkeiten, Bildung, Wissen) gründet (die allerdings in der bürgerlichen Kultur als subjektive Notwendigkeit vollzogen wird).

Jede Beziehung ist ein Unglück, wenn der Bezug nur aktiv oder nur passiv ist. Es ist eine Beziehung, der widersprochen wird, wo sie sich verwirklicht und also ist sie im Widerspruch. Sie ist negierte Beziehung, also eine Beziehung, die nicht sein kann, weil sie eine bloße Position ist, die sich zugleich negiert, gleichgültige Beziehung ist. Nicht von ungefähr wurden in den 60ger Jahren Liebesverhältnisse zunehmend mit "Beziehung" bezeichnet: Dies wurde zum Terminus Technikus im Umgang mit den Problemen der Liebe, in welchem ohne sonderliches Bewusstsein eingegangen war, dass die Liebe zunehmend nur noch zwischenmenschlich war und zu sein hatte, dass sie sich also zunehmend nur noch in zwischenmenschlichen Beziehungen bildete und entwickelte.

Wo eine Beziehung gleichgültig ist, aber dennoch fortbesteht, ist sie formbestimmt, hat sie einen anderen Grund als ihren identischen Inhalt. Solche Beziehung hat keine Identität, sondern hat Mittel, in denen und durch die sie sich identifiziert, und zwar beides in einem. Sie ist eine doppelte Beziehung, die im Mittel und der Vermittlung ihr Sein hat: Gleichgültige Beziehung als vermittelte Beziehung. Sie kann nur als ein Verhältnis existieren, in welchem ihr Inhalt im Anderssein bestimmt ist (z.B. im Warentausch zwischen Gebrauchswert und Tauschwert). Wenn die Menschen sich in ihrer Beziehung vollständig verlassen und sich nur in ihren Mitteln vermitteln, so ist ihnen ihr Verhältnis außerlich vermittelt in Sachen, durch die sie bestimmt werden, indem sie sich darin bestimmen (siehe Warenfetischismus). Sie bestimmen sich selbst durch ein äußeres Mittel. Das Mittel, das hierfür allgemein gilt, ist Geld und die abstrakte Beziehung ist das Verhältnis im Geldbesitz. Innerhalb der bürgerlichen Kultur bestehen solche Beziehungen als abstrakt sinnliche Beziehungen (siehe Körperfetischismus).

s.a.

=> Verhältnis

zitatup5a1a1 Beziehung zwischen Produktion und Konsumtion