| Buchstabe De | ||
"Rein definitorisch das Gegenteil von Inflation: Ständiger über mehrere Jahre anhaltender Rückgang des Preisniveaus bzw. Anstieg des Geldwertes. Deflation und in deren Gefolge Depression war früher der klassische Fall einer Wirtschaftskrise, die ab 1825 im Kapitalismus mit ziemlicher Regelmäßigkeit zyklisch auftrat. Die letzte - damals bereits globale - Depression war die Weltwirtschaftskrise 1929. Der ersten Phase einer mehr oder weniger "normalen" Überproduktionskrise folgte das eigentliche Krisendrama mit einem Börsenkrach und der sich anschließenden Deflationsspirale: deflationierende Vermögenswerte, zusammenbrechende Inlandsnachfrage, fallende Preise auf breiter Front, Kürzungen der Löhne, Entlassungen, versiegende Gewinne und Investitionen, Verbraucher und Unternehmer geraten in die Schuldenfalle, Unternehmenskonkurse und in der Folge Bankrotte, sprunghafter Anstieg der Massenarbeitslosigkeit. Damals von drei auf über sechs Millionen. Der Staat reagierte auf die sinkenden Staatseinnahmen mit rigider Sparpolitik - Brüningsche Austeritätspolltik - und beschleunigte damit die Abwärtsspirale." (ISW-Report 35, S.6) | s.a.
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"Ich denke, also bin ich." (Descartes) Denken ist immer subjektiv, die Arbeit am Begriff objektiv. Der Gedanke bewegt sich durch das Subjekt hinein in das ihm äußerliche Objekt, um es gedanklich zu subjektivieren - nicht, weil es sein wirklicher Gegenstand wäre (das wäre tautologisch), sondern weil es ihm entäußert (siehe Entfremdung), also unwirklich ist. In einer Gesellschaft voller äußerlicher Gegenstände (Warengesellschaft) ist daher Denken Not wendig kritisch - wenn es wirkliches Denken ist. Doch dies weiß es erst im fertigen Gedanken - im Beweis. Denken ist von daher eine kreisende geistige Bewegung im Schöpfungsakt der Erkenntnis. Es beginnt in der Erneuerung des Verstehens, meist in der Kritik von Gegebenheiten, in der Selbstunterscheidung, der Selbsterzeugung gegen die Objektivität der Vernunft. Es ist von daher der Kunst näher als dem Verstand (siehe Aufklärung). Es ist die innerste Tätigkeit der Erkenntnis, das für sich sein als Sein für sich, als sich selbst erklärendes und klärendes, durch sich als Tätigkeit evidentes Sein. Die Formen und Gebärden des Denkens, z.B. das Fühlen, Träumen, Sehnen, Musizieren, Malen usw. sind zunächst reine Tätigkeitsformen des Menschen, einfache und unmittelbare Gestaltung von sinnlichen Beziehungen in ihm selbst, die nicht notwendig äußere oder gegenständliche Wirklichkeit haben muss. Erst im praktischen Verkehr der Menschen entsteht die Notwendigkeit der Gestaltung des Denkens, die Erkenntnis von Gedanken. Der Streit darum, ob solcher Verkehr vor dem Denken war und es also begründet hat oder nicht, ist rein scholastisch. Es wäre die Behauptung, dass z.B. die Kunst aus praktischen Bedürfnissen entstanden sei (z.B. die Hölenmalerei als Mitteilungs- und Beziehungsform) und von daher genauso sinnlos, wie die gegenteilige, dass Kunst alleine der Religion (z.B. der Huldigung der Naturgötter) zu verdanken sei. Das ist die scholastischer Nominalismus, der von vorneherein davon abstrahiert, dass beides keine unterschiedliche Substanz haben kann. Beides ist Denken, menschliche Sinnlichkeit und Sestbestärkung als Sinn für sich. Und Denken wiederum kann sich nur dadurch von sich unterscheiden, dass es sich an einem Gegenstand scheidet und sich von sich durch begriffliches Denken abstoßen muss. Dieses ist dann der Fortgang des Begriffs und seiner Logik, die allerdings aus den Substanzen des Denkens gespeist ist, also auch aus der Gewissheit seiner Selbstentfremdung. Denken ist die Selbstevidenz des Menschen, die einfache Gewissheit seiner selbst als Seiendes Wesen. Indem er denkt ist er sich selbst gewiss als etwas anderes, als seine Gegebenheit, etwas anderes als seine Geburt und existenzielle Verworfenheit. Denken ist das Fühlen des Seins als Selbstgewissheit eines Gedankens, damit also einzeln wie allgemein, privat wie öffentlich, individuell wie gesellschaftlich. Darin ist nichts, was nicht auch außer sich sein kann, subjektiv wie objektiv. Es ist eine Subjektwerdung der Gefühle, welche darin Erkenntnis werden, dass sie sich ihrer Gegenständlichkeit, ihrer Objekte gewiss sind, sich zu einem Gedanken fügen, der in der Welt ist wie im Menschen. Auch wenn Mensch und Welt entzweit sind und einander nicht wirklich bedürfen, also bloße Positionen oder Ideologien sind und daher abstrakt für sich bleiben, ist Denken notwendig in sich identisch und wendet sich umgekehrt auch in seiner Not an die Gedanken, die in der Welt sind. Denken allein kann ihre Abstraktion erkennen, indem es sich seiner Unmöglickheit und Grenze in seiner Wirklichkeit bewusst wird und die als den Schmerz seiner Identität hat. Es muss ich darin vom einfachen Denken zum begrifflichen Denken aufheben, die Wahrheit des Begriffs von Wirklichem erkennen, das sich nicht mehr denken lässt, weil es eigene und ausschließliche Logik hat: Fremder Gedanke, Entfremdung. Ursprünglichster Gegenstand des Denkens ist eine Wirkung, die etwas hat. Eingedenk dieser Wirkung entsteht das Gedächtnis, das zunächst deren Reflektion im Menschen ist, nicht als Fakt oder Datum der Wahrnehmung, sondern als Beziehung zu einem Gegenstand, als unmittelbar sinnliches Wissen. Ohne Denken entsteht kein Gedächtnis; zugleich ist Gedächtnis immer ein Gedenken und enthält also auch Gedanken, ohne hierfür notwendig Bewusstsein zu haben (siehe Unbewusstes). In der Wirkllichkeit ist alles mannigfaltig und vieldeutig. In der Kunst ist das Ineinandergehen der Wahrnehmung und ihrer Bedeutungen komplexer Lebensausdruck als Lebensverarbeitung. Es ist dies vielleicht die ursprünglichste Denktätigkeit. Indem das Denken fortschreitet, geht es ihm zunehmend um Eindeutigkeit, wo sie nötig wird, auch um Abstraktion, wo Reduktion selbst eine Lebensform ist. Denken kann nicht affirmieren, weder konkret noch abstrakt. Es wäre keine Verarbeitung, sondern Abstumpfung. Es erhebt sich darum aus dem Gemenge von Sinn und Bedeutung durch das Begreifen ihrer Reflektion, durch Hinterfragung ihres Seins, sofern und weil das Ein- oder Vieldeutige fragwürdig geworden. Die Fragwürdigkeit ist einzig subjektiv, also durch den Menschen selbst erzeugt, durch sein Arbeiten oder Leiden, auch wenn sie sich als objektiv erweisen kann, nämlich dann, wenn ein objektiver Grund für die Fragwürdigkeit begriffen ist. Dann kann Denken in Bewusstsein übergehen und hebt sich darin als Wissen auf, das Gewissheit bekommen hat und solche Wirklichkeit sein lassen kann oder ändern muss. Denken ist also der Erzeugungsprozess von Bewusstsein jedweder Art und verschwindet und bewahrt sich und verwirklicht sich darin. Denken wird von Bewusstsein aufgehoben. Im Unterschied zu planen oder konstruieren ist Denken der Fortgang einer Fragegestellung. Es entsteht meist dort, wo für einen Menschen etwas ist, was für ihn nicht wahr sein kann. Allein der Zweifel selbst macht die Bewegung im Denken aus und kann hierüber zur Erkenntnis werden, dass der Zweifel falsch war oder dass er berechtigt ist, weil er von zwei Fällen in einem ahnte, und diese Zweifälligkeit hierdurch erkannt ist, z.B. als Widerspruch. Mit Vernunft oder Verstand hat dies unmmittelbar nicht viel zu tun. Denken kann so vernünftig oder unvernünftig sein, wie eine Fragestellung es sein kann. Sie kann vernünftig sein, wenn sich ihr Gegenstand als widersinnig erweist. Sie kann aber auch unvernünftig sein, weil sie den Gegenstand in seinem Sein bezweifelt, weil sie selbst also nur subjektiv ist und Objektivität hinterfrägt, ohne hierfür Sinn zu haben (ohne Empfindung zu sein). In beiden Fällen ist sie Tätigkeit eines Subjekts, das in der Frage seine Beziehung auf ein Objekt hat. Daher kann sie sein, was sie will, solange sie ihren Gegenstand hat, ob der nun frei oder aufgezwungen sich ergeben hat. Ein zweifelndes, sich wunderndes, sich fragendes Subjekt hat seinen einfachen Sinn in der Frage und sein einfaches Selbstbewusstsein in seinem Gedanken. Somit ist Denken nicht untätig, aber als ein selbstbewusster Akt ohne unmittelbare Tat, weil es in Erkenntnis mündet, sobald das Denken seine Substanz begriffen hat und hierdurch Bewusstsein, Wissen und Begriff des konkreten Seins wird. Denken kommt zu einer Erklärung, welche seinen Gegenstand erst in der Form möglich zeigt, in der er ist (Logik). Darin ist also die Wahrheit der Beziehung eines Subjekts auf einen ihm an und für sich unmöglichen Gegenstand ausgearbeitet. Ohne Denken bliebe diese Beziehung selbst unmöglich, bzw. nur als Beziehung, die durch Ideologie, Moral, Glaube oder ähnlichem bewahrt wäre, ohne sich bewähren zu können. Denken ist die Rückführung menschlicher Selbstgewissheit durch die Erkenntnis einer Gegenständlichkeit, welche sich nicht selbst erklärt, weil sie z.B. Unsinn, Geist, Gespenst, Metapher usw. ist. Insofern klärt es auch auf und setzt sich gegen Mystifikation und Mythos. In der Aufklärung jedoch wurde es zu einem objektiven Prinzip der Vernünftigkeit verselbständigt, worin die Rückführung auf den Menschen ausgeschlossen war. Der Verstand kann Vernunft verstehen, ohne zu ihr in Beziehung zu treten; in der Erkenntnis jedoch wird das Vernünftige radikal und kann im Zweifel an seiner Vernünftigkeit zu Kritik oder Reaktion werden. Erkenntnis muss diesen Zweifel lösen, um das Objektive zu begreifen und sich als Subjekt des Begriffenen zu gewinnen. Solche Subjektivität macht den ganzen Menschen aus und kann in keiner Trennung (etwa von Geist und Sinn) verbleiben. Sie schmerzt und verlangt nach einer Aufhebung, in welcher Leiden Tätigkeit ist: Leidenschaft. Dieses Denken wurde von Marx in der Kritik an Hegel und Feuerbach begründet. Bei Hegel ist Denken die nur in der Notwendigkeit des erscheinden Geistes verstanden, der sich vom Äußerlichen der Sache, von ihrer Anschauung abwendet: "Es läßt das Zufällige einer Sache weg" (Hegel Studienausgabe Bd. 3, Enzyklopädie, §6 und §54) und "nimmt die Sache nicht, wie sie als unmittelbare Erscheinung ist". Es bezieht in einem Akt geistiger Freiheit seine einzelnen Gegenstände aufeinander oder vergleicht sie und abstrahiert sie zu einer allgemeinen Vorstellung. Aber "der Inhalt des allgemeinen Gegenstands kommt ihm als Abstrahieren nicht zu, sondern ist dem Denken gegeben und unabhängig von ihm für sich vorhanden" (ebd.). Denken ist so nur objektiv: Es findet "einen Zusammenhang zwischen den mannigfaltigen Erscheinungen, welcher allgemein und notwendig ist. Diesem Denken "gehört der bestimmte Inhalt der Erfahrung an, aber das Allgemeine darin ist die Form, die vom Geiste herkommt. Diese Form ist also die eigne Bestimmung des Geistes" (ebd. §7). Hegel ist mit dieser Auffassung ein Rationalist des Geistes, der den Menschen im Nachvollzug des Geistigen als Geist habenden versteht. Ganz im Gegensatz hierzu ist Denken und Erkennen für Nietzsche linstinkthafte Rückbeziehung des Menschen. Es sei "der Instinkt der Furcht, der uns erkennen heißt" (Nietzsche "Die fröhliche Wissenschaft" WW III S.222). Nietzsches Denken hat seine Logik daher im Psychologischen und "sucht im Grunde nur die Metamorphose der Welt in den Menschen, ... ringt nach einem Verstehen der Welt als eines menschenartigen Dinges" (Wahrheit als Lüge WW V S.316). Es ist die Philosophie der Psychoanalyse, in welcher der Mensch letztlich nur aus Seelennot heraus sich verhält und bildet. "Alles, was den Menschen gegen das Tier abhebt, hängt von dieser Fähigkeit ab, die anschaulichen Metaphern zu einem Schema zu verflüchtigen, also ein Bild in einen Begriff aufzulösen." (ebenda) Das menschliche Begriffsgebäude ist in seinem Sinne ein Produkt einer Übertragungsleistung von höchstem künstlerischem Rang, Denken ein Wesensakt des Individuums, das darin aber lediglich seine Instinkte forttreibt und nach innen und außen abführt. Damit aber wird Denken selbst zur Reaktion, die nur auf die Natur der Instinkte zurückkommen kann - eben das, was die gesamte Freudsche Theorie ausmacht. Nietzsches Ausführungen zeigen weit besser als Freud den im Grunde reaktionären Charakter der Psychonanlyse. Für Freud ist Denken eine "Verschiebung seelischer Energie auf dem Wege zur Handlung" (Studienausgabe III, "Das Ich und das Es", S.291), indem es Wortvorstellungen als Mittel nimmt. "Durch ihre Vermittlung werden die inneren Denkvorgänge zu Wahrnehmungen gemacht" (ebd. S. 292). Das Denken folgt bei ihm also den Notwendigkeiten der Seele, Erinnerungsbilder sich so zu vergegenwärtigen, dass sie zu einem Handeln führen, die sie wirklich werden lassen (Seele als Streben zur Wiederholung eines "Befriedigungserlebnisses"). Hierdurch wird Denken durch nichts anderes bewahrheitet, als durch die Einlösung eines Nutzens, den die Welt einem Menschen bieten soll. Es ist das typische Bewußtsein eines Bürgers, der von seinem Geldbesitz aus dem Rest der Welt gegenübertritt (siehe Utilitarismus) und sie in die Pflicht nimmt, seinen Bedürfnissesn zu dienen. | s.a. | |
Depression ist zunächst eine seelische Erdrückung, eine zum Wahrnehmungszustand gewordene Trübsal. Oft werden mit dem Begriff Depression auch nur Stimmungen und Gefühle der Niedergeschlagenheit, Schwermut, Melancholie (="Gallenbitternis") oder Traurigkeit verbunden. Solche Gefühle sind aber keine Wahrnehmungszustände, sondern Befindlichkeiten, Befindungen dessen, was ein Mensch in seinem Leben wahrhat, einfache, wenn auch unglückliche Lebensgefühle, Gefühle der Leere oder Selbstverlorenheit, die nicht unbedingt einen bestimmten Anlass haben, aber auch das Leben nicht bedrohlicher machen, als es ist. Eigentlich ist die ganze bürgerliche Kultur des Erlebens in der Sinnentleerung der Konsumhaltung (Kulturkonsum) vom Standpunkt eines erkennenden Menschen deprimierend, da darin menschliche Kultur unerfüllt ist, aufgebläht und zerteilt zu isolierten Wahrheiten, die keinen Zusammenhang haben, jede für sich schwer genug, um schwermütig zu machen. Als Zustand, worin Menschen gefangen sind, ist die Depression die Erlebensform eines erdrückten Lebens, das nichtig geworden ist, also die Umkehrung einer Lebensbedrängung zur Selbstbedrängung des Lebens. Der Zustand selbst resultiert aus der Selbstaufhebung von Gefühlen, die völlig grundlos erscheint. Das Leben selbst erscheint als Bedrängnis, weil das darin Wahrgehabte die Gefühle selbst erschlägt, oder - umgekehrt formuliert - die Selbstgefühle einen ausschließlichen Sinn gegen das eigene Leben haben. In diesem Gefühl verbirgt sich eine Abhängigkeit vom Gewöhnlichen. Dies setzt eine verinnerlichte Gewohnheit an das Gegebene voraus, welches der Wahrnehmung eine scheinhafte seelische Identität verliehen hat, die nun in der Wahrnehmung auf sich zurückfällt, wenn sie Leben außer sich, also die entäußerte Form des eigenen Lebens wahrhat. Man könnte daher auch sagen, dass in der Depression alles Eigene entäußert ist und wie ein nichtig gewordener Sinn erscheint. Doch dieser Sinn existiert nur in seiner negativen Wirkung, weil er die in den Erlebnissen entleibte Sinnlichkeit hat. Sie wird daher als Verlust eigener Gefühle, als Selbstauflösung erlebt. Depression ist das Loch, in das man fällt, wenn man "zu viel" erlebt hat. Es ist im Erleben selbst schon angelegt, weil dieses zwangsläufig daraus besteht, Leben zu vernutzen, ohne es zu bilden, nur zu gebrauchen, was sich an Leben äußert und veräußert, ohne selbst Lebensäußerung zu werden. Die Gewissheiten des Lebens verlieren sich dann in der Opportunität der Erlebenssüchtigkeit, verlieren ihre wirkliche zwischenmenschliche Substanz. Von daher ist Depression die allgemeinste Leidensform der Kultur einer Dienstleistungsgesellschaft, worin das Leben für andere und durch andere die allgemeine Substanz aller Beziehungen ist. Das Unglück des permanten Wechsels im Anderssein wird darin zu einem Selbstgefühl, das im Erleben seinen Selbstwert finden muss. Aber dieser bildet sich dabei nur mit der Unfähigkeit aus, wirklich Leiden und trauern zu können. Depression ist somit die subjektive Wirklichkeitsform eines vollständig abstrakt gewordenen Leidens,das sich der Welt überhoben hat und unter sie zu Fall gekommen ist, Leiden in einem Seelenbunker (siehe Lebensburg), der sich gegen das bestimmt hat, was die Erkenntnis seines Unglücks nötig hat. In der Depression ist er zu einem Brunnen geworden, der seine Lebensgefahr wahrmacht. Das Unglück der Wahrnehmung lebt darin ihre Abtrennung von der Empfindung, die Spaltung zwischen Gewissheit und Gefühl, welche im Selbstgefühl eine Kraft der Entwirklichung bewirkt. Das Bedürfnis, sich in einer negativen Wirklichkeit im Selbstgefühl zu finden und also sich in der Negation zu empfinden, überbrückt eine Kluft des Erkenntnisvermögens, die nur im Zustand des Unglücks wirklich empfunden wird. Die Schwermut zeigt hier ihren Kern, einen wirklich beschwerten Mut, der Erkenntnis verlangt, Licht in der Schwernis des Wahrgehabten, Wirklichkeit der Beschwernis. In der Depression wird das Leben wirklich darin aufgehoben, dass es im Lebensgenuss zugleich nur selbst Gegenstand des Konsums ist (siehe Kulturkonsum). Dieser besteht in der Aufzehrung wirklicher Lebensnot, durch Entleibung der eigenen Kraft in der Bindung an Lebensmächte, welche jede Lebensäußerung vorwegnehmen, indem sie sich als Lebensmacht auf diese so objektiv beziehen, wie sie Objekt sein sollen - und diese zur subjektiven Ohnmacht treiben. In ihr offenbahrt sich die Gewohnheit einer heilen Welt, die nicht nur ihre Güte eingrenzt, sondern vor allem ihre Wahrheit ausgrenzen muss. Von daher keimt in der Depression die Erkenntnis einer ungeheuerlichen Selbsttäuschung, die wirkliche, weil Wirkung habende Negativität des bürgerlichen Bewusstseins schlechthin: Die Besessenheit des Guten, der Besitz persönlich scheinender Allmachtigkeit, die Anmaßung, das Leben beherrschen zu können. Durch die Einvernahme des Lebens, welches auf diese Weise seiner Äußerung vorangestellt wird, ist es in einer Falle des Erkenntnisvermögens: Es hat fremdes Leben wahr, um seine Eigenschaftslosigkeit in der Beziehung auf Fremdes zu genießen. Alle Gefühle, welche in der bürgerlichen Kultur ein gewöhnliches Maß an Objektivität erreicht haben (siehe objektive Gefühle), heben die lebendige Empfindung in einen entäußerten Lebensgenuss der Gewohnheiten auf. Das eigene Leben wird auf diese Weise zu einer fremden Kraft, welche alle Wahrnehmung und Selbstwahrnehmung zur Lebensfinsternis bestimmt. Tatsächlich steckt in jeder Depression eine höchst gesellschaftliche Wahrnehmung, setzt sie doch vor allem einen ungeheueren Reichtum voraus, dessen Niedergang sie betrauert. Aber sie bildet sich erst wirklich aus durch dessen Negativität in der Kultur, die ihn unerkennbar und zu einer Selbstreflexion der Wahrnehmung werden lässt (siehe Nichtung). Der Reichtum an Wahrnehmung, den der stoffliche und gegenständliche Reichtum mit sich bringt, kann er nicht wirklich menschlich erfüllen. Die Menschen können in solchen Wahrnehmungen weder erkennen, was sie wirklich für sich sind und wahrmachen können, noch, was sie darin wirklich wahrhaben von ihrem Leben. Es hat keine Gewissheit, weil es darin entwirklicht, untergegangene Wirklichkeit ist. Im Reichtum an Wahrnehmungen ist es alles und nichts zugleich, nichtig gesetztes Leben. Eine solche Einfalt von Vielfalt kann in der Tat beklemmend sein, wenn darin die Armut dieses Reichtums, die Ausgeschlossenheit seiner Wirklichkeit, seine totale Entwirklichung wahr wird. Die Erkenntnis, dass es sich hierbei nicht um die Aufhebung gesellschaftlicher Not, sondern um die Notwendigkeit einer Prothese für kulturelle Identität handelt, lässt die Selbstwahrnehmung zu einer Erkennntnis gegen sich selbst werden, zu einer Selbsterkenntnis, die sich bloß negiert. Die Menschen haben in der Selbstaufhebung des unbeschränkten Konsums tatsächlich die Entleerung ihres gesellschaftichen Zusammenhangs wahr. Zwar steckt das Prinzip, welches Depression ausmacht, auch im Konsum, der als Anspruch auf Lebensglück die bürgerliche Kultur zum Maßstab dieses Glücks werden lässt, aber ihre Grundlage ist nicht die Entleerung, sondern die Form einer Selbstbeglückung, welche als Bewältigung von Lebensangst wahrgemacht wurde. Depressionen entstehen in der Lähmung von Lebensangst, also dem Ausschluss der Wahrnehmung von ängstlichen Lebensverhältnisse, dem Leben im Verhältnis der gegenseitigen Beengung, der Angst. Sie netsteht, wo Menschen in ihrer Beengung ihr Glück darin finden, dass sie sich bergen, dass sie sich wechselseitig selbst als Mittel ihrer Geborgenheit im Selbstgewinn ihrer Selbstbezogenheiten vor dem Unglück ihrer wirklichen gesellschaftlichen Beziehung wahrmachen. Solange die Vielfalt der konsumierbaren Gegenstände und Beziehungen in ihrem Wechsel und ihrer Abwechslung die Lebensferne und Leere des Konsumierens nur verdecken, weiß vielleicht noch mancher Geist, welcher Lebenszweifel darin manifest ist. Wo aber die Lebensräume zwischenmenschlicher Beziehungen selbst sich in verzehrenden Wahrnehmungen erschöpfen und darin ausschließlich zum Mittel gegen Angst geworden sind, da wird Leiden selbst konsumiert, seine Wahrheit selbst ausgeschlossen und ausschließlich, Selbstentleibung betrieben und benutzt. Das Glück solcher Räume wird zum bloßen Schein eines in sich schon entäußerten Selbstgenusses, den der Konsum im Einzelnen vermittelt. Die Produktion und Nutzung dieses Glücks wird in ihrer Selbstbezogenheit zum Verzehr der Beziehung, welche Angst aufzuheben hat, zum Selbstverlust: Alles Positive wird unmittel und allgemein in seiner Negation wahrgehabt. Das Glück lebt als Unglück fort, die Verneinung als leerer Anspruch, Verneinung der Welt in der Weltlosigkeit des Verneinten. Das Prinzip ist fatal, weil es den in Angst negierten Lebensmut von den zwischenmenschlichen Beziehungen abhängig macht und ihn mit ihrer Begrenztheit selbst begrenzt. Das unwirkliche Gefühl eines großen Unheils wird zur Basis zwischenmenschlicher Wirklichkeit, das Leben selbst zur Lebensfrage, zu einer schlechten Negation. Der Selbstverlust kann in diesem Lebensraum unendlich sein und sich zwischen Depression und Manik bewegen, ein Tanz um eine unmöglich gewordene Identitätsfindung. So stellt vielleicht die Überlebensfrage die letzte Frage, ob das Leben überhaupt noch gewollt sei. Die Auflösung dieser Frage kann nur die Kritik dieses Willens sein, welche zugleich Kritik des Konsums ist, indem sie dem lebend fragenden Menschen sein Leben beweist. Das übermächtige Unglück findet sein Ende in der winzigen Gewissheit wirklich eigenen Seins, die zu einem großen Wissen werden kann. In der Dumpfheit des Unheils aber, welches das Gedächtnis ausfüllen kann, das seinen verzehrten Lebensraum nicht erkennt, wird Depression zu einem seelischen Zustand. Erscheint das Glück mächtig, so gedenkt es sich übermächtig gegen jede Gewissheit, erscheint es ohnmächtig, aber nicht als einfaches Unglück, sondern als Bedrängung der ganzen Seele. Wirklich unglückliche Lebensgefühle scheinen der depressiven Empfindung mehr oder weniger unzugänglich und der Wahrnehmung entrückt, manchmal geradezu vollständig äußerlich und von ihr abgetrennt, nicht lebensfähig, ohnmächtig, so dass Bedrängnis, wenn sie wahrgehabt wird, total und voller Panik (siehe auch Angstzustand) in das Leben dringt. Die Depression tritt oft fast schlagartig auf, wo Leben in die Enge geraten ist, aber weder wirklich Angst, noch irgendein wirkliches Unglück wahr gemacht hat. Vielleicht waren es gerade die Wogen von Gefälligkeiten oder Gefallsucht, die sich solchen Empfindungen überstellt hatten. Wer dann plötzlich vor seinem Leben wie vor einem totalen, unbegreiflichen Unglück steht, dem scheint dies unfassbar, unerreichbar, unendlich unzugänglich. Wie aus einem Brunnenschacht wird das Leben dann als fernes, schier unereichbares Licht wahrgenommen. Gerade wo wirkliches Leben wahrgenommen wird, entsteht unvermittelt das heftig bedrängende Gefühl einer Seelennot, einer vom Ertrinken bedrohten Seele. Die Empfindung dieser Not war offenbar ausgeschlossen, bis sie zu einem mächtigen Gefühl hinter dem Rücken des Lebens hervortritt. Die eigene Identität war ihrer Negation verfallen, weil sie in ihrer Umwelt ausschließlich von einem übersinnlichen Zusammenhang positiv bestimmt, also fremdbestimmt, war (s.a. z.B. Scheinwelt, Familiensinn). Das setzt Verhältnisse voraus, deren Sinn nur durch die eigene Nichtigkeit erfüllt werden, deren Übersinn aus Lebensangst besteht, die keine Welt mehr hat, eine Angst, die nicht sein kann, weil sie Leben dadurch ausschließt, dass sie es überlebt, überhöht, vergöttert. Hierin bestehen Gefühle, die ihren Schmerz nicht erkennen können, weil er durch die Notwendigkeit der Erfüllung des Verhältnisses entäußert ist (siehe Logik der Kultur Teil 2). Diese Füllung und Erfüllung eines Verhältnisses unter der Bedingung der Selbstaufgabe wird also nicht wahrgenommen, weil damit eine seelische Not gewendet ist, die innerhalb dieses Verhältnis ein Leben im Selbstverlust erfordert. Dies kann sich zu einer blanken Selbstaufhebung bis zu einer gallopierenden Identitätslosigkeit, zu einer reinen Panik der Selbstlosigkeit steigern, die alles zu Nichts macht, weil die Nichtigkeit zu ihrer ausschließlichen Wahrheit geworden, die als Selbstgefühl die Wahrnehmungen beherrscht. Sie hat Nichtigkeit wahr und vollzieht in der Wahrnehmung dies als lebensbestimmendes Gefühl. Es wird darin eine Absicht erfüllt, die sich aus dem Beitrag von Menschen nährt, die sich dem darin vollzogenen Verhältnis positiv unterworfen haben, oft in der Form einer verselbständigten Ästhetik (Ekel als Abwehr der Selbstwahrnehmung). Die Isolation lebendiger Empfindungen durch diese Formbestimmung bedrängt die Wahrnehmung selbst mit Regungen und Aufregungen, die sich ihr als leere Erregung widersetzen. In der Depression lebt die Negation der Selbstwahrnehmung fort und bedrängt die Empfindungen als Nichtigkeitsgefühl und Lebensverlust. Es ist ein Lebensgefühl von bedrängenden Verhältnissen, die nicht mehr gegenwärtig sind und dies tritt besonders dann auf, wenn eigene Regungen in der Isolation von ihrer Wirklichkeit möglich sind oder erwartet werden. In der Depression ist die eigene Wahrheit im Anderssein verschwunden, also in dem, was sie nicht ist. Sie erscheint daher in reinen Selbstaufhebungsgefühlen, welche dies ohne Gegenwärtigkeit erkennen müssen, weil die Gegenwart nur durch die Täuschung eigener Gefühle objektiv ist (objektive Gefühle). Es ist die entäußerte Identität, die in einer Depression wahrgenommen wird und es schwer macht, eigenen Sinn zu finden. In Lebensburgen vollzogen wird dies zur Grundlage vieler anderer seelischer Zustände, wie z.B. Panikattacken, Phobien, Magersucht, Zwangshandeln und -denken, Sucht. Die Rückführung auf sich kann ein Mensch zunächst durch seine Kritik an Verhältnissen finden, die seine Selbstaufhebung als Selbstgewinn betreiben und daher eigentlich Angst machen: Kritik von Lebensräumen des Konsums und Kulturkonsums im weitesten Sinne des Wortes; schließlich auch der Kritik von solchen Lebensburgen, die Missachtung und Verachtung durch Selbstentleibung, Selbstgewinn und Selbstverlust mit sich bringen und betreiben; schließlich auch das Überwinden oder Verlassen solcher bedrängenden Verhältnisse. Das Problem wird hierbei die Erarbeitung von fühlbaren Gründen dieser Negation, die bestimmten Formen des Konsums von Leiden zu finden als Leben in Angst, da nur ihre konkrete Erkenntnis und Kenntnis weiterführt und im Gedächtnis bleibt. Nirgendwo sonst hat die Selbstunterwerfung ihre wirkliche Empfindung. Wenn die Kritik der dort vollzogenen fremden Identität gelingt, wenn also ein Mensch durch die Erkenntnis der negativen Bestimmtheit seiner Beziehungen und ihres gleichzeitigen Gebrauchs durch andere ein Verhältnis zu sich findet, eine wirkliche Empfindung von sich und seiner Lage, kann eine depressive Grundstimmung aufgehoben werden. Die Schwierigkeit ist die doppelte Nutzung seiner Eigenheiten in der Wechselseitigkeit des Verhältnisses, die er teilt, solange er der Gewohnheit seiner Nützlichkeit folgt. Solange ich einen Sinn mit fremden Nutzen teile, teile ich meine Entsinnlichung und habe meinen Selbstverlust als Genuss eines Verhältnisses, als Lebensraum meiner Nichtigkeit und meine Nähe hierzu nur im Nichts. Kein Wunder, dass Depression die Volkskrankheit Nummer 1 ist und derzeit über 10% der Bevölkerung betrifft. | s.a. | |
s.a. | ||
Derrida (geb. 1930 in El-Bair, Algerien) war ursprünglich Sprachphilosoph, der im Verhältnis von Schrift und Stimme der abendländischen Philosophie und Literatur einen "Logozentrismus" sah (in "De La Grammatologie"), welcher nach seiner Auffassung eine Erniedrigung der Schrift (und das ist für Derrida Philosophie und Literatur) zur "Hilfsform der Sprache" bedeute. Das Schriftwerk sei ganz allgemein seiner Bildhaftigkeit wesentlich enthoben und zu einer Funktionalität der Vernunft geworden (siehe hierzu Phänomenologie), die sich in Struktur und Konstruktion einer sich selbst verstellten Wahrnehmung überordnet. Dem so zur logischen Konstruktion gerronenen Ausdrucksvermögen der Menschen setzte Derrida seine ideologie- und sprachkritische Bemühungen unter dem Begriff der Dekonstruktion entgegen. Ihm ging es dabei zunächst um die in der Schrift durch die Vermassung der aktualistischen Sprache unterdrückte Textualität, welche die "Urspur" des Seins ausmachen würde. Durch diese Trennung von Wort (Logos), Sinn und Seele sei der Bruch der menschlichen Identität gegründet und fortgesetzt, weil darin Bedeutung und Bild der Sprache ihrem Text entzogen seien. Da Derrida ganz in der Sprachphilosophie verharrt, beharrt er auch auf dieser Trennung des Wortes selbst und verkennt dessen Wirklichkeit, die es nur in der Empfindung und dem Gefühl des damit Gemeinten haben kann, das sich auch als Trennung von Empfindung und Gefühl reflektiert. Die Bemühung, den Menschen selbst als in sich gespalten durch Sprachtheorie zu begreifen, gerinnt ihm zur Subjektivität einer Sprache, die keinen Gegenstand hat und benötigt. Die ganze abendländische Kultur besteht für ihn daher auch nicht mehr aus der Trennung von Subjekt und Objekt als menschliche Selbstentfremdung, sondern aus einer Trennung von Äußerlichkeit und Innerlichkeit schlechthin, welche als "Verstellung" der menschlichen Natur überhaupt, als Verbergung des Menschen zu begreifen sei (siehe Phänomenologie). Daraus entwickelte er eine Kulturkritik, die sich an Nietzsche und Rousseau anlehnte. Schon für Rousseau war die Repräsentation der Schrift eine falsche Präsentation der Sache, nicht als Irrtum, sondern als Trug im Herrschaftsinteresse. Im Gegensatz von Stimme und Schrift vollziehe sich darin der herrschende Widerspruch von Präsenz und Absenz, von Knechtschaft und Freiheit. Mit seinem Dekonstruktivismus will Derrida die für die herrschende Präsenz-Metaphysik charakteristischen Gegensätze von Drinnen/Draußen, Böse/Gut, Repräsentation/Präsenz und Schrift/gesprochenes Wort auflösen und an ihre Stelle die Ursprünglichkeit und Irreduzibilität der Schrift einbringen. Dieses von aller Konstruktion befreite "Ursprungssupplemenrts" widersetze sich jeder Ontologie und soll das postmoderne Denken als post-logozentrische Philosophie eröffnen, die sich besonders gegen alle Theorien wendet, die systematisch denken (besonders gegen Kant, Hegel und Marx). Dieser Angriff auf das begriffliche Denken verbraucht allerdings gerade jene Begrifflichkeit, die dort entstanden ist, weil es lediglich negativ darauf gründet, also eine Kulturkritik ohne eigenen Sinn darstellt. Wo sich Derrida gegen Begriffe wendet (z.B. Homosexualität) und ihre Plakation angreift, zerstört er zugleich das Nachdenken über diese, wird selbst zur Plakation der Negation. Darin entsteht das Unvermögen einer Kritik, die sich letztlich immer nur selbst zum Gegenstand haben kann. So unterliegt dieses Denken seiner eigenen Plakation und dient implizit, faktisch und wirklich einem Machtinteresse, das sich aus Ohnmacht legitimiert: Aus dem Unvermögen der Kritik gegenüber einer fremden Wirklichkeit, die im Begriff von Konstruktion subjektiviert und zugleich abgewiesen, also schon überwunden geglaubt, dekonstruiert ist. Ein solches Entmachtungsbewusstsein steht allerdings im Einklang mit den Entwicklungen der postmodernen Globalisierung und auch - gegen ihren eigenen Willen - deren Ideologie, dem Neoliberalismus. Denn dieser besagt, dass jede politische Struktur selbst schon eine Konstruktion gegen die freie Entfaltung der Gegebenheiten sei. Mit Derrida hat sich eine Psychologisierung der Philosophie ergeben, die sich zu einem allgemeinen Vorwurf gegen menschliche Wirklichkeit selbst erhebt, gegen menschliches Wirken, das sich vergegenständlicht. Indem solche Gegenständlichkeit selbst schon als Konstruktion der Macht genommen wird und Dekonstruktion als einzig mögliches Verhalten hierzu verstanden ist, will der Dekonstruierende eben auch an die Macht - aber eben in der Leugnung von dieser. Um solches Denken umzusetzen müsste eine permanente Selbstzerstörung stattfinden. Dies wird aber dadurch verhindert, dass die individuelle Sinnbildung hierüber als Anspruch mit psychoanalytischer Unterlegung allgemein gesetzt wird, als allgemeine Selbstverständlichkeit, die allem vorausgesetzt gelten muss. Was Kritik an objektiver Bedingtheit sein wollte, müsste sich also gegen sich selbst wenden, weil sie das Subjekt objektiviert. Jedes Denken ist mit Derrida damit eigentlich am Ende, bevor es beginnen kann. Denn indem er die Unterscheidung der wirklichen Gegensätze angreift und damit Einheit als menschliche Selbstverständlichkeit schlechthin unterstellt, greift er die Erkenntnis der Einheit der Gegensätze, das Begreifen von Widersprüchlichkeit an, die Grundlage des begrifflichen Denkens. Zudem vollstreckt er damit auch nur, was er überwinden will: Ontologie, - die Ontologie psychoanalytischer Begrifflichkeit. Nichts anderes als dies aber ist gerade seine "Urspur des Seins". | s.a. Kritik an Derridas Verständnis des Gebrauchswerts: | |
Design (Herausstellen, Zeigen) ist eine ästhetische Gestaltung zum Zweck der Hervorhebung privater Kultur als Kulturbesitz (siehe Logik der Kultur Teil 3). In Mode, Grafik und Werbung macht es die Welt aus, in der Gefühle zum Nutzen der Selbstwahrnehmung verdichtet und in ihrer Anziehung aufgebaut und als Reize verbraucht werden, welche das Bedürfnis nach Einverleibung erwecken. Das Design erzeugt Anwesenheit, die nichts ist, Nähe, die nur die Dichte eines Gefühls hat - und es ist deshalb so flüchtig wie die Wahrnehmung ohne Empfindung eben sein muss, um locken zu können: Sie ist der Hauch der Anziehung einer Anziehung, die ihr Auftritt bereitet (Mode). Für die Wahrnehmung bedeutet dies eine Überhebung des Gefühls, für das Subjekt des Designs ein überhobenes Selbstgefühl. Insgesamt wird hierdurch Wahrnehmung bestimmt und einem Zweck unterworfen, der mit dem Selbstwertgefühl arbeitet und hantiert, indem es Selbstunterwerfung verlangt. Im Design ist die Selbstwahrnehmung objektiv, der Mensch darin in seiner Empfindung bestimmt und gestimmt (Stimmung). Auch wenn dies mit Selbstüberhöhung einhergeht, so besteht diese doch nur als Veranstaltung, also solange, bis der Vorhang fällt. Erst wenn der Alltag selbst zur Bühne und das Verhältnis darauf zur allgemeinen Wechselseitigkeit von Anziehung und Abstoßung wird, verwirklicht sich das Design als die Grundform eines ästhetischen Willens, in welchem sich die Menschen wirklich vermitteln. In diesem Fall wird das damit gegründete Verhältnis zu einer herausgesetzten Kultur (Avantgardismus). |
s.a. | |
Determinismus sieht etwas nicht in seiner Beziehung, sondern absolut bestimmt, meist gerade das, was nur durch seine geschichtliche Entwicklung wahr sein kann. Hierdurch sieht er ausdrücklich vom geschichtlichen Prozess ab, ist eine Abstraktion hiergegen, also besonders eine Position gegen den historischen Materialismus. Dabei wird positiv bestimmt, was nur negativ bestimmt sein kann; z.B. die Definition, was der Mensch sei (siehe Ontologie). Es ist aber nur bestimmbar, was nicht menschlich, was unmienschlich ist. Eine Bestimmung des Menschen kann nur durch ihn selbst bestehen, durch seine Subjektivität, seine nmittelbare Lebenspraxis (siehe Praxis). Es mag zwar sein, dass z.B. Irren menschlich ist, aber es ist zugleich auch tierisch, natürlich usw. Der Mensch als Träger des Irrtums oder des Bewusstseins usw. macht nicht das Menschsein schlechthin aus, kann nicht wesentlich sein. Aber es lässt sich beschreiben, was im menschlcihen Leben bestimmend ist (siehe z.B. Naturmacht). Solche Beschreibung aber macht kein wesentliches Sein, sondern lediglich Dasein aus. Die Frage der natürlichen Determination des Menschen z.B. des Geschlechtsstriebes hat heftige Kontroversen in der Psychoanalyse hervorgerufen. Auch die Frage, ob das marxistische Verständnis von Kommunismus einen Geschichtsdeterminismus enthalte. Determinismus ist daher vor allem in seiner Absicht zu begreifen, das Finale bestimmen zu wollen. Er ist die Grundlage jeder Heilsvorstellung. |
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Deutung ist die Interpretation eines Grundes, der ohne unmittelbare Gewissheit wirksam ist. Gedeutete Wirklichkeit ist subjektive Wirkllichkeit, also eine Wirkung der Wirklichkeit auf Menschen in dem, was sie ihnen bedeutet, was sie an Bedeutung für sie hat (siehe hierzu auch Gefühl). Sie ist für sich ohne Gewissheit und daher auch ohne wirklichen Grund und bleibt auch solange ungewiss, wie ihre bloße Anwesenheit Bedeutung hat, also für sich grundlos, den Menschen als Gegebenheit erscheint (siehe auch Warenfetischismus, Körperfetischismus). Zur Begründung eines Verhalts wäre dies für Anlass für eine Analyse, für andere führt es zu einer emphatischen Herausarbeitung und Interpretation von Hintergründen, Hintersinnigkeiten. Eine neuere Beziehung hierauf ist die Denunziation von Wirklichkeit, die Verabsolutierung ihrer Bedeutung als bedeutende Subjektivität, als menschlliche Konstruktion, die ebenso, wie sie entsteht, auch dekonstruierbar ist. In solchen Auffasungen (siehe z.B. Derrida) gilt die Deutung selbst identisch mit ihrem Gegenstand, also Subjekt wie Objekt ununterschieden bedeutend. In der Esoterik ist die Deutung das Mittel der Interpretation von Hintersinnigkeiten, die als Sinn einer überweltlichen Natur begriffen werden. Dieser gilt die Welt selbst unterworfen und von daher als bloß grobstoffliche Sinnlichkeit, der sich der Feinsinn dadurch entzieht, dass er ihre höhere Natur zu fühlen vermeint (siehe Empfindung und Gefühl). |
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Der Devisenmarkt ist der Handel mit Währungen verschiedener Nationen. Diese sind der jeweilige Wertausdruck der Produktivität (Produktivvermögen an Produktionsmittel, Ressourcen, Arbeitskräfte) im Vergleich der Länder als Potenz ihrer verwertbaren Arbeitszeit. Letztlich gehen in diesen Wertvergleich n alle kulturellen Grundlagen der Kulturen ein (Bewertung von Kinder, Frauen, Männer, Bodenschätze, Infrastruktur, Arbeitsmittel, Kulturgüter etc). Alle Güter eines Landes haben ihren Wert durch den Reproduktionswert der Arbeitskraft (variables Kapital), dem Kapitalvermögen, das national zur Produktion bereitsteht (konstantes Kapital) und dem Mehrwert, der hierdurch für dieses Land geschaffen wird. Mehrwert würde, sofern er ein Mehrprodukt darstellt, Wachstum in einem Land mit sich bringen. Dass dieses Wachstum nur schwach oder selten oder garnicht oder sogar oft als "Minuswachstum" vorkommt, zeigen die einschlägigen Statistiken. Wieso kann sich dort keine Entwicklung ergeben? Warum entstehen nur einseitige Wirtschaften, die ganz offensichtlich relativ wenig mit den Bedürfnissen der Bevölkerung zu tun haben? Was geschieht mit dem Mehrprodukt? Es geht durch Geld und Schuldendienst außer Landes. Allein schon der Vergleich der Währungen zeigt das Ausbeutungsverhältnis unterschiedlicher Kulturen, drückt also aus, was die Güter der einen Kultur im Vergleich zur anderen wert sind. Und die Währung ist auch das Medium, über welches die Ausbeutung verläuft, ist sie doch der Wert, den ein Land gegenüber einem anderen in seinem allgemeinen Preisniveau machen kann. Wenn man alleine mal das durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen in Beziehung setzt und dies in etwa analog dem unterschiedlichen Kapitalwert annimmt, so zeigt es den Ausbeutungsgrad. den die einzelnen Länder zu einander haben. Wir wundern uns, dass dort Menschen für 2 Dollar den Tag oder weniger "leben können". Natürlich können sie das nicht, verglichen mit unseren Einkaufspreisen. Es ist das Wertverhältnis der Devisen, die sich darin ausdrücken. Nehmen wir an, dass der Lebensstandard erst vergleichbar ist (also Hungernde und Kranke mit gerechnet), wenn man das Dreifache als durchschnittliche Reproduktionskosten veranschlagt, so zeigt sich die ungeheurliche Ausbeutungsrate: Wenn es in einem Land der Dritten Welt bei 6 Dollar pro Tag liegt und in Deutschland bei 100 Dollar, so liegt der Ausbeutungsgrad bei jedem Produkt, das zwischen diesen Ländern gehandelt wird, bei 94% - und dies ist nicht fiktiv. Das nützt nicht nur dem Import-Export -Geschäft, sondern auch dem Devisen- und Aktienhandel selbst. Der Aktienmarkt betreibt diesen Deal auf dem Finanzmarkt, wie ihn die Transnationalen Konzerne im Arbeitsmarkt betreiben. Nichts bringt mehr, als die Dritte Welt auszubeuten, auch wenn sie verhungert - oder sich durch Terror ihrer Verarmung entgegenstellt. Die globale Krise der 90ger Jahre war nichts anderes, als eine Schranke in der Auspressbarkeit der Drittweltländer, die mit dem Zusammenbruch der Märkte in den Tigerstaaten, Südamerika und Russland zu einem plötzlichen Kurszerfall führte und die Seifenblase der Spekulation zum Platzen brachte, und damit zum Zusammenbruch der Finanz- und Aktienmärkte. | s.a.
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