| Buchstabe Gel | ||
Geld ist zunächst ein Zahlungsmittel, welches als allgemein gültiger Mittler die Werte unterschiedlicher Güter vergleicht. Es entsteht im Austausch der Waren, in welchem ein Preis ausgehandelt wird, worin sich Wert darstellt. Geld stellt also an sich nur den Wert von den Waren dar, durch welche es als Äquivalent im Austausch entstanden ist. Die Funktion der Preisdarstellung ist im Geld allerdings dadurch beschränkt, dass es nicht nur Preise als solche darstellen kann (seine Wertkompatilität müsste beständig durch unendliches Messen bewiesen werden), sondern selbst auch Wert einer Ware verkörpert, die als allgemeine Ware gilt. Als Darsteller eines allgemeinen Wertseins ist Geld zugleich relativ, durch den Wert der Ware, die Geld ist (z.B. Gold). Von daher ist Geld nicht nur Wertdarsteller, sondern zugleich auch Wert - zumindest, solange diese Ware auch wirklich im Warenverkehr zirkuliert. Indem sich diese Ware aber verselbständigt, z.B. zur Münzform, und selbst nicht mehr den Wert hat, den sie darstellt, wird Geld als einzelnes Wertmaß zugleich allgemeines Wetmaß, also zum Maß der Werte, die außer ihm geboten sind, zu einem bloßen Quantum, wodurch diese ausgedrückt werden, also zu ihrer bloßen Gesellschaftsform. Im Geld erst entspricht die Form des Tauschs wirklich dem Wertbegriff. Es ist das Mittel, worin alle Waren zum einen ihr Zahlungsmittel für ihren einzelnen Wertausdruck als bestimmtes einzelnes Quantum ihres Wertseins finden (Maß der Werte). Zum anderen verwirklicht sich darin ihre gesellschaftlicher Grund als allgemeines Wertquantum des gesellschaftlich erzeugten Reichtums, als gesellschaftliches Faustpfand aller Beziehungen (Maßstab der Preise). Im Geld verschwindet jede konkrete gesellschaftliche Beziehung in einer abstrakten Potenz, die sich als allgemeine Beziehung als rein gesellschaftliches Quantum erhält und fortbestimmt. Sobald also Geld nicht mehr als Wert einer Sache selbst existiert, sondern nur als Zeichen eines Sachverhältnisses, hat das Geld für sich keinen Wert sondern fungiert als quantitaive Darstellung eines gesellschaftlich vorhandenen Quantums des Werts, welchen der augenblicklich zirkulierende Reichtum der Waren als Gebrauchsgüter hat. In seiner qualitativ völlig gleichgültigen und ausschließlich quantitativen Bestimmung ist Geld die Abstraktion, die konkret nur als gesellschaftliche Notwendigkeit des Wertseins fungiert, als "gesellschaftliches Faustpfand", worin Wert gemessen und vergolten wird. Von daher ist es nicht nur Wertäquivalent, sondern auch der Maßstab der Preise, also das Mittel, worin die Waren ihren Wertausdruck nicht einfach nur haben, sondern worin sie den gesellschaftlichen Preis ihres Daseins, den allgemeinen Zweck ihrer Produktion und Konsumtion jenseits ihres unmittelbar bestimmten ökonomischen Zwecks ermitteln. Nur hierin wird der Wert darstellbar, also auch in seiner Vermittlung real. Dem Geld selbst ist nicht mehr anzumerken, dass es ein Wertquantum, also die gesellschaftlich durchschnittliche Arbeitszeit, die zur Herstellung der gehandelten Ware nötig ist, ausdrückt. Von daher erscheint die Abstraktion, die sich gesellschaftlich vermittelt, die abstrakt menschliche Arbeit hierin als konkretes Quantum, gleich ob es selbst im Einzelnen quantitativ real ist oder nicht. Geld wurde damit zu einer gesellschaftlichen Macht, dass man es haben musste, um überhaupt gesellschaftlich verkehren zu können und Arbeitsprodukte zusammenzuführen und für den eigenen Lebensmittelbedarf zu erreichen. Nur darin erhielt eine allgemein anarchisch geteilte Arbeit eine Gesellschaftsform, worin schließlich die Substanz des Gesamtprodukts, also die Gesamtheit der Produkte für die Reproduktion der Menschen und das gesellschaftliche Mehrprodukt, sich als Wertsubstanz realisierte. Zunehmend verlor damit Geld seinen unmittelbaren und individuellen (Gold-)Wert und wurde als Münze zum bloßen Wertzeichen. Urformen des Geldes waren Schmuckgegenstände, die besondere Wertschätzung genossen (z.B. Muscheln) oder auch allgemein besonders notwendige Bedarfsgüter (z.B. Salz). Münzgeld wurde zuerst durch die Griechen bekannt. Es war die Wertdarstellung der frühen Staatsformen, in welcher sich der Staat für den Wert des Geldes verbürgte. Daher wird es auch bis heute noch nur durch die Nationalbanken (bzw. die Banken der Staatenbünde wie z.B. USA und EU) verbürgt. Ursprünglich war zur Gewährleistung solcher Sicherheiten deshalb ein mehr oder weniger großer Teil des zirkulierenden Geldes einer Währung durch Goldvorräte in den Nationalbanken gedeckt - wenigstens in der Zeit vor der Entwicklung der Globalisierung (siehe Bretton-Woods). Geld war durch die Auflösung der Verträge von Bretton-Woods als wirklich sachliches Wertzeichen aufgehoben und in den Status eines bloßen Wertversprechens gebracht. Es war nicht mehr die festgehaltene Ware einer Währung, die zugleich den Wert anderer Waren als bloßes Quantum verkörperte und als dieses Quantum auch wirklich existierte; es war abhängig von der politischen Macht und Gewalt des Bürgen, der seine Einlösbarkeit versprach, also der Staaten, welche damit auf dem Weltmarkt ihre Wertverhältnisse behaupteten (siehe hierzu auch Petrodollar). Von daher wurde Geld auch zu einer rein subjektiven Machtbestimmung. Geld repräsentiert eigentlich die Allgemeinheit der Wertbeziehungen, worin Bedürfnisse in der Abtrennung von menschlichen Beziehungen auf Gegenstände ihrer Befriedigung treffen. In der Allseitigkeit der Beziehung durch Geld erscheinen alle Dinge in einem Wert, den sie durch es haben, weil sie an ihm gemessen werden. Ihr Dasein als Werte erhält darin den Schein einer Natürlichkeit der Sache, die wirklich Wert ist (siehe Warenfetischismus). Von daher enthält es subjektiv die Allgemeinheit von Bedürfnis und Wille, wie sie in einer Gesellschaft verteilt ist und wie darin die Lebensbedingungen der Warenbesitzer aufeinander bezogen sind (siehe Formbestimmung). Dies macht Geld selbst zu einer Sache, die sinnlich übersinnlich ist, "ein sehr vertracktes Ding ..., voll metaphysischer Spitzfindigkeiten und theologischer Mucken" (MEW 21, S.85). Aus der Geldform ergibt sich so ein "notwendiger Schein" der Sachen, welche als Waren bestehen und sich in dieser Form allgemein und also gesellschaftlich als Verhältnis von Sachen ausdrücken: der Warenfetischismus. Darin erscheint das Verhältnis der Menschen selbst als Verhältnis ihrer Sachen und ihre Existenz wie die gesellschaftliche Natur eines Sachzwangs. Geld erzeugt also Verhältnisse, worin jeder einzelne Wille und jedes einzelne Bedürfnis auf eine quantitative Beziehung reduziert wird, weil in der Abstraktion das reine Quantum der Wertverhältnisse als Tauschwerte die einzige gesellschaftliche Form haben können, als allgemeine Beziehung, welche gleichgültig gegen ihren besonderen Inhalt ist. Im Geldverhältnis sind sich die Menschen also auch wirklich gleichgültig, weil sie sich darin nicht in ihren konkreten Beziehungen begegnen, sondern als Menschen allgemein gleich gelten und für sich nichts sind. Geld ist die Form, worin die Selbstentfremdung der Menschen sachlich gegeben, als sachliche Gegebenheit einer Warenwelt erscheint. Diese Warenwelt besteht zwar aus menschlichen Produkten, hat aber seine Gesellschaftlichkeit nur als Wert, als Verkörperung abstrakt menschlicher Arbeit. Von daher muss man es besitzen, um in Gesellschaft zu sein. Eigentum hat nur in dieser gesellschaftlichen Form des Besitzes eine gesellschaftliche Wirklichkeit, gleich, wie es gebildet und entstanden ist. Darauf gründet die bürgerliche Gesellschaft. Mit der bürgerlichen Gesellschaft war Geld zu einem wirklich allgemeinen Wertausdruck geworden, zur Allgemeinheit einer Wertform, wie sie sich aus dem Verhältnis von Waren beim Tausch von Gebrauchswerten aus der darin enthaltenen Arbeit ergibt, weil erst in dieser Gesellschaftsform das Arbeitsprodukt selbst als Form des allgemeinen gesellschaftlichen Zusammenhangs des menschlichen Reichtums ausentwickelt war. Der Tauschwert als allgemeines Resultat dieses Verhältnisses drückt nach allseitiger Verwirklichung des Tauschverhältnisses aus, was Wert allgemein ist; er erscheint als die allgemeine Wertform der Waren, worin sich das Quantum der Lebenssubstanz der Waren (Arbeit als Arbeitszeit) in der Wertsubstanz einer Ware darstellt und verdurchschnittlicht. Von da her reflektiert er sich in einer Ware, die gültig sein soll für den Vergleich mit allen anderen Waren. Das ist eine Ware, die selbst ausdrückt, was sie als Quantum den anderen gilt: Geld als Quantum der durchschnittlichlichen Zeit verausgabter Arbeit. In der Geldform ist der Tauschwert wirklich und allgemein auf der Welt als Erscheinungsform des Werts und benötigt lediglich das Material zur Darstellung dieses Werts. Solange das Geld als wirkliche Ware existiert, solange es also als Teil des vorhandenen Reichtums der Menschen in der bürgerlichen Gesellschaft als wirklicher Tauschwert äquivalent zu den sich auf dem Markt bewegenden Gebrauchswerten besteht, bedarf es dieser Deckung noch durch die besondere Ware Gold. Sobald es aber als Maßstab der Preise selbst fungierte, konnte es auch den einzelnen Wert durch den allgemeinen Durchchnitt der verfügbaren Arbeitsquanten bestimmen. Menschen, die nichts besitzen außer ihrer Arbeitskraft, bekommen dies besonders zu sprüren: Der Lohn, den sie hierfür pro Arbeitszeit erhalten, ist nicht das wert, was die Arbeit an Wert ihrer Produkte erbringt, sondern bezahlt nur das, was nach gegebenem Durchschnitt der Arbeitszeit, also nach vorhandener Produktivität der Arbeitsorganisation und Technologie aufzuwenden ist, um die Produkte herzustellen, welche die Arbeitskraft ernähren. Der Wert, der darüber hinaus erzeugt wurde, also der Mehrwert, stellt reines Kapital als Geld dar, das zum Wertwachstum selbst verwertbar ist. Sobald das Kapital sich aus dem Markt durch Surplus-Profit zur reinen Besitzform, zur Macht des Besitzes an Kapital und Grund (siehe Grundrente) oder durch andere Rechtstitel (z.B. Lizenzen, Besitz an Kulturgüter) herausgesetzt hat, verschwindet zunehmend die Notwendigkeit seiner stofflichen Deckung. Geld entwickelt sich somit zu einem Spekulationsmittel, wie es sich an der Börse bewegt (siehe auch Finanzkapital). Im Kapitalismus wird das Geld als quantitative Form der existenten Warenmasse, zum Maß der Werte, also zu dem Maß, worin sich gesellschaftlich durchschnittliche Arbeitszeit ausdrückt. Als solches stellt es nicht mehr die Produktmasse dar, sondern die in den Produkten durchschnittlich aufgehäufte Arbeitszeit als Maß dessen, was sie wert ist im Gegensatz zu dem, was einzelne Arbeit quantitativ und einzeln erbringt. Das Wertquantum der Lebensmittel (Reproduktionsmittel) und das der auf dem Markt befindlichen Produkte klafft auseinander. Als Wertmaß wird Geld daher dies doppelte von Produktmasse und Masse aufgehäufter Arbeitszeit. Der Markt gilt für die sachlich Besitzlosen (also die bloßen Besitzer ihrer Arbeitskraft) lediglich als gesellschaftliches Angebot ihrer Lebensmittel, für die Besitzer der Produktionsmittel, der Linzenzen, des Grundes, der Bodenschätze, der Kulturgüter, der Wellenlängen, der Energie, des Wassers, der Aktien und Wertpapiere (Kreditverpflichtungen) zum Reich der Möglichkeiten, worin sie ihren Besitz vermehren können (siehe auch Möglichkeitsdenken). Dass sie dabei auch auf einem Luxusmarkt schwimmen, ist eine Kulturtatsache, dass sie aber die Produktionsverhältnisse selbst bestimmen, ist bittere Realität für alle. Die Wertverwertung, also das Wertwachstum ist der Zweck und auch die innere Notwendigkeit der Kapitalanlage: Sobald es dauerhaft keinen Mehrwert schafft, verliert es in der Konkurrenz mit anderen Kapitalanwendern seinen Betriebswert und geht zugrunde. Von da her wird Geld selbst als Spekulationsmittel auf mehr Geld mächtig und bestimmt den Zusammenhang von Produktion und Konsumtion, bestimmt sowohl die Kosten der Arbeit, als auch die Kosten der Arbeitsprodukte, soweit es die Reproduktionskosten übersteigt. Dieses Verhältnis macht Geld als Geldvorschuss, der die Produktion bestimmt, zu Kapital, welches die Kapitalisierung bestimmt. Von daher verschwindet dieses Zahlungsmittel als Quantum der Wertrealisierung vom Markt und kehrt erst wieder nach Verkauf der gesamten Produktion, dann als Lebensmittel zur Reproduktion der Menschen, als Wert des Mehrprodukts, das als Mehrwert existiert. Dieser wird zum einen Teil für die Erneuerung der Prodktion und zur Entwicklung und Anschaffung von Technologie eingesetzt, zum anderen Teil als spekulatives Kapital, das als Kredit weitergereicht wird, um den Wert von Unternehmungen zu bestimmen. Die Kreditvergabe macht allerdings nicht nur den Kreditnehmer vom Kreditgeber abhängig, sondern auch der Kreditgeber steht im Risiko, dass er das vorgeschossene Geld nicht zurückbekommt, wenn das begläubigte Unternehmen nicht mehr funktiert. Dies hat immer wieder dazu geführt, dass Geldwerte "verloren" gingen oder "verdampften" und dass damit auch die Spekulationsmasse des Kapitals gemindert wurde, das ja letztlich nur mit einer zumindest potenziellen Realisierung durch Produktion wertbeständig bleiben und nicht wertverlustig (inflationär) sein soll. Um Geldanleger zu halten und zu gewinnen, musste ein Geldmarkt entstehen, der gegen Inflation gesichert ist und solche Risiken "neutralisiert", das heißt: Geldentwertung beherrscht. Die USA hatten das im 20. Jahrhundert als Weltwährungsmacht betrieben und die Märkte nach dem Wertbedarf bestimmt, das heißt einen untergedeckten Dollar (siehe Petrodollar) als Weltwährungsmittel eingesetzt und durch Gewalt auf die Preise oder durch gewalttätige Erzeugung von Nachfrage (z.B. Krieg) oder durch direkte politische Kontrolle der wichtigsten Ressourcen, besonders der Ölquellen stabilisiert. So wurde bei jedem Tauschakt, besonders im Ölhandel, der gegen Dollar Tauschende um einen bestimmten Prozentsatz des Wertes betrogen (heute ist der Realwert des Dollars etwa nur noch 52 % seines Nominalwerts). Hierdurch wurde das Zahlungsmittel der USA durch verdeckten Devisenimport (siehe Devisenmarkt) gefestigt und weiterhin als weltmächtiger Wertmaßstab gesichert. Basis war vor allem der Ölmarkt, durch den bis heute die Wertprobleme zu Lasten der schwachen Länder "korrigiert" werden. Ausbeutung findet zum größten Teil auf dem Devisenmarkt statt, was vor allem sich im Ausbluten der Währungssystem in der Dritten Welt gezeigt hatte. Aber dadurch, dass der Doller immer noch Zahlungsmittel war, musste er auch allgemein funktionieren können. In den 70ger Jahren wurde der Betrug mit diesem Zahlungsmittel erstmals evident, als Frankreich die Verträge von Bretton-Woods, worin die Goldeckung des Dollars versichert worden war, beanspruchte und seine Devisen in Gold eintauschen wollte. Die USA erwiesen sich als zahlungsunfähig und kündigten die Verträge, was bis dahin aber als ausgeschlossen galt. Die Folge war ein Zusammenbruch des Goldpreises, der vor allem die Wirtschaft der damaligen UDSSR hinunterzog, denn die waren einer der wichtigsten Goldschürfer der Welt. Sie mussten ihren Außenhandel (besonders der mit Korn) reduzieren, weil ihr Gold wenig wert war und es kam zum Zusammenbruch ihrer letzten Wirtschaftssicherheiten. Der Zusammenbruch des Ostblocks war indirekte eine Folge hiervon (neben anderen Gründen). Nach der Kündigung der Verträge von Bretton-Wood kam es zur Neuorientierung der Weltmärkte weg von der realen Geldwirtschaft und hin zum Aktienmarkt, zu einem weltweiten Kreditwesen des spekulativen Kapitals (siehe fiktives Kapital), welches auch den "Ausgleich" der Entwertungen mit spekuliert, also Verwertungsprobleme mit Devisen durch Konzentration bestimmmter Kapitalobligationen auszugleichen vermochte. Darin wurzelte die expolsionsartigen Entfaltung der bis dahin schlummernden Globalisierung. Geld wurde damit selbst zum Maß und Ziel der Geldspekulation, die hierbei eine Art Glücksspielcharakter bekam. Wer Geld besaß, konnte es in jeder beliebigen Höhe anlegen und relativ sicher sein, dass der Geldbesitz durch Kreditspekulation an irgendeinem Ort der Welt noch Arbeitswerte auszupressen verstand - wenn nicht, dann gingen eben die Devisen des betroffenen Landes in die Knie und die Spekulation holte damit einen großen Teil der Wertverluste wieder ein. In seiner Logik ist das die Vernichtungsspekulation gegen jede Volkswirtschaft und führt zwangsläufig zur Wertdeckung durch Negativverwertung. Die Folgen hiervon sind bereits bekannt: Faschismus. | s.a. Wolfram Pfreundschuh:
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Geldbesitz macht Leben möglich, das für sich nichts ist. Durch das Geld als allgemeines Lebensmittel ist es lediglich vermittelt, also nicht unmittelbar. Geldbesitz belebt alles, was für sich tot ist, weil mit ihm erlebt wird, was ihm als Leben vorausgesetzt ist. Geld erscheint durch diese Wirkung von Belebung ganz allgemein als Mittel des Erlebens, als Überlebensmittel einer Leblosigkeit, und ist in Gesellschaften, in welchen sich das Leben nicht mehr erzeugt sondern nurmehr reflektiert (siehe Dienstleistungsgesellschaft), das Mittel der Lebensmöglichkeiten schlechthin. Leben wird damit unendlich möglich, also unbestimmt, und jedes dem anderen gleich, alles Leben für sich unendlich und zueinander gleichgültig. Geld besteht in solcher Gesellschaft als selbstverständliche Lebensgrundlage, weil es keine Tätigkeit und keinen Stoffwechsel mehr zu enthalten scheint, weil also das Geld selbst dieser Gesellschaft, Nation oder Klasse zugrunde liegt, Resultat fremder Lebensverhältnisse ist, die darin aufgehen (siehe Devisenmarkt) und also als bloße Naturmacht der Existenz erfahren wird: Geld muss man einfach haben - und wer es nicht erwerben kann, ist von solcher Lebensklasse ausgeschlossen. Arbeit hat demnach in dieser Gesellschaft keine gesellschaftliche Wirklichkeit mehr und dient lediglich dem Gelderwerb, nicht mehr der gesellschaftlichen Entwicklung. Von daher ist dann auch gerne die Rede vom Ende der Geschichte. Durch Geld wird darin Leben im wahrsten Sinne des Wortes besessen, das dem Geld notwendig vorrausgesetzt ist und eine Not wendet, die im Geldbesitz nicht mehr sein muss. Geldbesitz setzt also eine Lebensnotwendigkeit voraus, die durch ihn aufgehoben ist. Das Leben wird im Erleben zwar wahrgenommen, was jedoch an Leben darin wahrgehabt wird, ist von der Wahrnehmung getrennt. Wiewohl Geld als Reichtum erscheint, bedeutet es für sich genommen Verarmung an Leben. Geldbesitz ist die Verfügung über abstrakten Reichtum, über die geronnene Abstraktion von Arbeit (siehe abstrakt menschliche Arbeit) als Lebensgrundlage, das Außer-sich-Sein der Arbeit als allgemeine Ware, die als Besitz festgehalten ist, weil durch sie jede andere Ware erworben werden kann. Im Geld ist die Lebenstätigkeit gegenständlich ohne zu leben, allgemeines Mittel, ohne Leben zu vermitteln, äußeres Mitteil eines Ganzen, welches sich nur jenseits des Lebens als Abstraktion hiervon verbindet. Der Geldbesitzer bezieht sich im Geld auf andere, indem er sich auf sich selbst bezieht als Besitzer eines Vermögens, das Mittel aller Beziehungen in veräußerter Welt ist und das er in der Tasche hat. Geldbesitz ist der Besitz des gesellschaftlichen Faustpfands aller bürgerlichen Verhältnisse, der allgemeinen Ware Geld. Der Geldbesitzer ist der Bürger schlechthin. Er fühlt sich unmittelbar gesellschaftlich durch die Allseitigkeit seiner Beziehungen, die "in der Tasche hat". In ihm verkehrt sich daher auch die Vorstellung von seiner Individualität, die er als absolut ansieht Da Geld aber nur festgehaltene Ware ist, fürchtet der Geldbesitzer alle wirklichen Bewegungen der Warenwelt. Er ist hiervon vollständig abhängig und sieht sich dennoch mächtig, weil allseitig und allgemein, in jeder Weise allem gleich geltend und gerecht. Sein Verhältnis zu allen anderen besteht aus einer Betsimmtheit, die keinen Sinn hat, sich erlebt, während sie sich äußert und bezieht, sie ist Selbstbeziehung als reine Gleichgültigkeit gegen jede Bestimmtheit ist. Der Geldbesitzer besitzt eben nicht nur Geld, sondern auch sich und ist von daher in seiner ausschließlichen Formbestimmung vom Geld besessen. Was ihm also sinnlich reine Form, ist ihm objektiv eine große Sorge. Die Lebenszusammenhänge erkennt er nur als Bedrohung seiner Selbstbezogenheit. Was sich dort "zusammenbraut" kann nur einen Sinn haben, ihn auszuschließen oder sich konkret zu wissen. Er weiß sich so nur als Objekt der Lebenszusammenhänge, solange, bis er sie bestimmen kann, sobald er also mit seinem Geld seinem Willen zur Macht verhilft. Er muss alle Beziehungen in sein Geld verwickeln, damit er über ihre Geschichte verfügen kann. Die Menschen wissen das nicht, aber sie tun es. Im Geldbesitz ist Wissen nicht nur unnötig sondern auch unmöglich, da es keine Gewissheit über seine Beziehungen enthalten kann, da es also nur ungewiss und formbestimmt und rein funktional, ohne Gewissen ist. Es besteht allein aus dem Wissen um die Notwendigkeiten des Lebens, die es als Lebensnotwendigkeit erscheinen lassen will: Wo sonst kann Leben geregelt werden außer durch die Not der vielen Wendigkeiten? So objektiv sich dieses Wissen gibt, so subjektiv ist es: Es ist die Funktion einer Egozentrik, die alle Ereignisse zu kontrollieren sucht. In seiner Unterschiedslosigkeit zerstört es seine innere Notwendigkeit, die Not seiner Bessenheit, indem es immer mehr Beziehungen auf Menschen und Kultur horten muss. Die Not wendet sich dadurch, dass es sich in seiner Notwendigkeit leidet, dass ihre Sinnlosigkeit leidet und nicht leiden kann. Es ist die Absurdität des Geldbesitzes, dass die Abstraktion, die Geld ausdrückt, konkret gelitten wird wie eine fremde MAcht, die sich dem eigenen Willen entgegenhält. Das Leiden ist die Unerfüllbarkeit der Sinne, ist Leiden an ihrem Anspruch auf Verwirklichung und Wirklichkeit. Im Dekonstruktivismus hat dieser Anspruch seine Ideologie. |
s.a.
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Geltung ist die allgemeine Gültigkeit einer Bewertung (s.a. Wert). Ökonomisch existiert sie als allgemeinste Form der bürgerlichen Gesellschaft im Geld. In der christlichen Kultur ist es die Seele, die als geistiges Wesen des Individuums als Kulturform des Menschen allgemein gilt (s.a. Christentum). Im Rechtsverhältnis ist es als allgemeine Geltung des Willens der Person refelektiert. | s.a. | |