| Buchstabe Ka | ||
"Kampf der Kulturen" ist eigentlich eine widersinnige Formulierung. Um was sollen Kulturen gegeneinander kämpfen? Um Ihre Lebensweise? Um ihre Lebenswerte, ihre Sitten und Gebräuche, oder gar um ihre Musik, ihre Kunst, ihre Religion oder ihre Küche? All dies aber macht sie doch selbst gerade aus und es ist ein vitales Interesse jeder Kultur, dies unangefochten für sich zu haben, sich von fremden Sitten oder Lebenswerten zu unterscheiden und ihnen nur dann entgegenzutreten, wenn sie von außen eindringen und die eigene Kultur und die eigene Auseinandersetzung um ihre Entwicklung bedrängen oder bedrohen. Das zeigt die Geschichte seit über tausend Jahren (siehe hierzu die Kreuzzüge). Die Inkas selbst hätten keinen Grund gehabt, sich den Fremden zu verschließen. Doch es ging um Gold und Rohstoffe. So ist das auch heute noch. Nur ist dennoch unübersehbar, dass wegen Symbolen und Bildern, die als wesentliche Eigenheiten einer Kultur gelten (z.B. religiöse Symbole) tatsächlich gekämpft wird, nicht um sie, sondern gegen den Umgang mit ihnen durch andere. Es ist ein Kampf um die Selbstachtung. Und die ist meist schon beschädigt, bevor sie mit den Bildern verteidigt wird. Der "Kampf der Kulturen" ist lediglich eine Dämonisierung von Kulturunterschieden. Deren Wahrheit als menschliche Erkenntnisnot bleibt darin auf der Strecke. Und so stehen Positionen in Feindschaft, die sich auch einander erläutern und aneinander entwickeln könnten - z.B. Islamismus und Aufklärung. In ihrem Kampf verklären sie ihre Ohnmacht zur ewigen Wahrheit und und damit zur Unendlichkeit und was jeder zu lernen hätte wird zur Todesspirale eines Unheils, das der Erkenntnis längst entglitten ist (siehe schlechte Unendlichkeit). Das alles weiß man eigentlich schon aus seinen ganz persönlichen Kämpfen. Und niemand würde so einfach vom "Kampf der Seelen" oder der Kulturen reden, wenn um die Verletzung von Selbstachtung gestritten wird, es sei denn, er oder sie will das Geschehen bewerten, um es nicht klären und sich da heraus entwickeln zu müssen. Um dies im Vorhinein zur eigenen Startegie und Politik zu machen, kann man den Kampf auch dadurch anzetteln, dass man schon vor einer Schädigung der Selbstachtung anderer Menschen, ihnen ein kulturkämpferisches Interesse unterstellt. Die Formulierungen zu solchen Kämpfen waren meist schon lange da, bevor überhaupt ein Grund hierfür ersichtlich gewesen wäre - es sei denn, man fühlte sich dadurch bedroht, dass der andere schon erkennen könnte, was man mit ihm anzustellen gedenkt. Von daher enthält er immer auch schon die Behinderung dieser Erkenntnis durch einen Schuldvorwurf gegen die, deren Selbstachtung man fürchten muss. Als solcher Begriff wurde auch der "Kampf der Kulturen" als eine apokalyptische Vorstellung vom "unausweichlichen Kampf" (Nikolai Danilewski) der Kulturen eingebracht, die zum "Untergang des Abendlandes"(Oswald Spengler) führen würde (siehe Untergangstheorie) und durch politische Beherrschung fremder Kulturmächte sollte der Kulturbedrohung entgegnet werden. Schon in den 1920er Jahren wurde versucht diese Vorstellungen in der Volkstumsforschung und in der Volks- und Kulturbodenforschung zu verwissenschaftlichen, was zur "wissenschaftlichen Begründung" der Rassentheorie führte. Diese Wissenschaften verstanden sich dem "Deutschtum" verpflichtet, als "kämpfende Wissenschaft". Mit "Überfremdung" wurden Prozesse der Integration und der Assimilierung als "Gefahr" der "Umvolkung" deutscher "Volksgruppen" beschrieben. Daraus abgeleitet wurde der nationalsozialistische Begriff von Nation, der die politische Institution des Staates in einen Begriff der politischen Kultur (siehe Kulturstaat) wandelte und als Begriff des Volkstums Rassismus zur Grundlage hatte. Hiernach wurden auch die Nationalgrenzen und ihre Funktion neu bestimmt. Sie sollten sich nicht nach ihrer historischen Entstehung bilden, sondern nach dem Konzept des Volkstums. Wissenschaftlich und politisch wurden dazu die Ideologisierungen des Rassismus umgesetzt in den Konzeptionen des Völkischen (Volksgruppe, Volksgemeinschaft, Volkskörper, Volkssseele, Kulturraum, Brauchtum, Gesinnung und Gesittung), die jeweils vor "Überfremdung" geschützt werden sollten. Von da her wurden die Grundlagen des Zweiten Weltkriegs geschaffen, der schließlich ein "Volk ohne Raum" zu einem "Großdeutschen Reich" entwickeln sollte. Und diese Dimension wird neuerings von den Neocons der US-Regierung wieder angegangen, deren theoretischer Unterbau dem Deutsch-Amerikaner Leo Strauß (siehe hierzu "Bolschewismus von rechts") entnommen ist. Der "Kampf der Kulturen" ist inzwischen zu einer modernen Version einer Untergangstheorie geworden, in der ein Kulturkampf zunächst als objektiv verständliches Geschehen einer weltweiten Auseinandersetzung eingeführt wird, um nach ausführlicher Beschreibung in liberalem Gestus diesen als Bedrohung des Westens durch östliche Kulturkreise und Religionen herauszustellen (siehe Huntington "Der Westen ist, mit einem Wort, eine ,reife' Gesellschaft an der Schwelle dessen geworden, was künftige Generationen einmal als ein ,goldenes Zeitalter' betrachten werden, eine Periode des Friedens, die, laut Quigley resultiert aus ,dem Fehlen rivalisierender Einheiten im Inneren der betreffenden Zivilisation und aus der Entferntheit oder dem Fehlen von Kämpfen mit anderen Gesellschaften außerhalb ihrer'." (Huntington, "Kampf der Kulturen", S. 497) Diese hinterhältige Perspektive zukünftiger Konfliktlosigkeit macht heute die Legitimationsbasis der Neocons in der US-Regierung für das Projekt ihrer Weltordnungskriege angesichts ihrer Wirtschaftskrisen (siehe auch Hitler-Formel). Solche Theorie erweist sich schnell als eine platte Ideologie der Macht, wenn die reale Bedrohlichkeit näher beleuchtet wird. Kriege des Kapitalismus um seine Ressourcen und Machtzentren (Einflussbereiche), die ihm in Krisenzeiten nötig sind, sollen hierin im Licht eines schlecht zitierten Kulturobjektivismusses erscheinen, um dem vermeintlichen Kreuzrittertum fremder Religionen ein eigenes entgegen zu stellen. Natürlich betreibt solche barbarische Verniedlichung von Krieg vor allem das Interesse, die Basis einer kapitalistischen Krisenstrategie durch Kriegsgeschäfte (Aufschwung durch Militärindustrie, dem "militärisch-industriellen Komplex" nach Eisenhower) und die Besatzungspolitik als Kriegsinteresse zu verschleiern, wonach die politische Funktion der Grundrendite eines fremden Landes angeeignet wird, um als westliche Bestimmungsmacht über dessen Ressourcenareal zu herrschen (siehe auch Bodenschätze). | s.a.
Wolfram Pfreundschuh: "Der sogenannte Kampf der Kulturen - eine ungeheuerliche Inszenierung"
Siehe hierzu auch: | |
Immanuel Kant (1724-1804) reflektierte den modernen Menschen, wie er nach Einführung der Technologie, besonders der Arbeitsmaschine und der Druckpresse, sich erkennend und handelnd als Subjekt jenseits der göttlichen Vernunft identifizieren lässt. Geistig war der Feudalismus noch nicht überwunden und praktisch war die Selbsterkenntnis der Menschen schon vollständig delokalisiert und vom Gottesgnadentum unabhängig. Mit der Abweisung voraussetzungsloser Erkenntnis, die vom Menschen als metaphysische Vernunft nur nachzuvollziehen sei, stellte er die Frage der Erkenntnis neu im Sinne der Aufklärung, deren herausragender Philosoph er wurde. Durch das Verlassen der absoluten (der göttlichen) Vernunft war die Frage gestellt, was Reflexion selbst sei, wodurch sie möglich und wodurch sie beschränkt ist. Es ging darum, die Gegensätze der Wirklichkeit, ihre Entzweiung von Geistigem und Praktischem selbst zum Anliegen der Erkenntnis zu machen. In seinem ‘modernen’ Subjekt soll der Zusammenhang von subjektiver Wirklichkeit und objektiver Welt gestiftet werden, ohne dass dieser selbst Wirklichkeit haben könne. Zum einen wendet sich Kant gegen jede übergeschichtliche Erkenntnis, damit also auch gegen die Erkennbarkeit von Geschichte als solche, zum anderen aber setzt er Geschichte als bestimmend voraus, als Erzeugungsprozess, der gegenständlich, aber auch Gegebenheit sei. Das Material der Erkenntnis, das Ding an sich (z.B. Natur) sei für das Subjekt prinzipiell unerkennbar, müsse also in seiner Gegebenheit hingenommen werden. Kant bestimmte den Sinn des Erkennens in "transzendentaler Subjektivität", die durch die ästhetischen und die logischen Ausdrucksformen gestaltend tätig sei und sich im jeweiligen Fortschreiten der Menschheit niederschlage und ansonsten seinen Seinsgegebenheiten wie seiner Natur (synthetische Apperzeption a priori) zu folgen habe. Kant's Philosophie ist ein Fortschrittsglaube, der Glaube an ein Subjekt, dessen Sinn im Fortschritt selbst erfüllt sei. Dieses Moment ist im Marxismus insofern übernommen und aufgehoben, als dort der Reichtum der Menschen als Dasein dieser Subjektivität aufgefasst wird - wenn auch in entfremdeter Form und auch nicht als Notwendigkeit des Fortschritts, sondern als Notwendigkeit der menschlichen Emanzipation über seine Bedrängung, welche seine Existenzform ausmacht. Bei Kant ergibt sich der Verstand aus der Apperzeption des Gegebenen, aus den Erfahrungselementen aus welcher sich selbst Erkenntnis konstituiert. Die Vernunft ist die hieraus entwickelte subjektive wie objektive Rationalität der Erfahrung und des Verhältnisses zu den Gegenständen der Erfahrung. Durch sie wird menschliches Sein in seiner Fortschrittsqualität als sinnvoll für den Menschen "gestiftet": die Welt besteht in einem "An sich" und einem "Für uns" und sie wird vom Menschen in einem vernünftigen Urteil zum allgemein Guten weiterentwickelt und zum schöneren, fortgeschrittenen Menschsein gestaltet. Hierfür sind vernünftige Prinzipien "erkenntnisleitend" zu erfassen, die kategorial anwendbar sein müssen (siehe kategorischer Imperativ) . "Das Subjekt der Aufklärung ist ein vernunftgeleitetes Subjekt, Vernunft liefert die gemeinsame Grundlage der subjektiven Existenz. Die Forderung nach der Öffentlichkeit des Vernunftgebrauchs rückt das Unternehmen der Aufklärung ab von einzelsubjektiven Träumen der Einbildungskraft, weiters von traditionellen oder falschen Autoritäten, und rückt sie in das Licht eines kollektiven Fortschritts der Menschheit, zu dem wir individuell beitragen können. Kant radikalisiert gewissermaßen den grundlegenden Dualismus von Geist / Materie (Diesseits / Jenseits, oder auch: Sein / Schein) in einer Philosophie der tranzendentalen Subjektivität, in der zeitabhängige und uns zugängliche Erscheinungen abhängig gemacht werden von einer universalen, reinen Grundstruktur vernünftigen Daseins, jenseits von Geschichte und Konventionen." (Frank Hartmann) Das reflexive Bewußtsein macht in seinem vernünftigen Urteilsvermögen das Transzendentalsubjekt aus und steckt im Ich eines jeden einzelnen Menschen, wie er allgemein zu verstehn ist (dies hat die Psychoanalyse auch so übernommen). Im "Ich" sammelt sich die Welt, wie sich darin auch menschliche Subjektivität aus den verschiedenen Wahrnehmungen zusammenfasst. Für Kant sind die hieraus geschaffenene Aktivitäten die wirklichen Tätigkeiten des "Selbst." (Gellner 1995). Im Urteilsvermögen der Vernunft ist somit eine Allgemeinheit der Entscheidung für sich als Entscheidung für alle unterstellt. Indem das Ich im Sein aller urteilt, bestehe für die Allgemeinheit wesentlich neues: Fortschritt als Fortschreiten der menschlichen Vernunft. In ihr versammle sich somit der Fortschritt für alle, indem jeder einzelne Mensch darin sich allgemein wissen kann und soll. Es ist die Grundlage des bürgerlichen Selbstverständnisses als voraussetzungsloses Subjekt und das Verständnis einer Geschichte, die aus diesem Subjekt gegründet sei, das sein einzelnes Gewordensein darin aufgehoben hat, allgemeines Subjekt zu sein - im Grunde ein durch sich selbst politisches Subjekt, Grundlage der bürgerlichen Demokratie. Der wesentlichste Punkt der Aufklärung, ihr Fortschrittsglaube, ist auch der prekärste bei Kant. Der Fortschritt geschieht bei ihm schon im Imperativ des vernünftigen Handelns, das quasi eine Verantwortung gegenüber der menschlichen Geschichte zu erfüllen hat: Es soll nur vernünftig sein, was es tut, um die Vernunft aller zu vollziehen, sich selbst verallgemeinern um selbst allgemein zu sein. Im Vollzug seines Handelns hebt sich jedes Subjekt unmittelbar darin auf, dass es sich objektiv bestimmt; es ist im Subjektsein objektive Vorweggenommenheit seiner Gegenständlichkeit (Objektivität). Was in der Aufklärung an Fortschritt als ontologische Notwendigkeit unterstellt ist, das kann ebenso gut zur Lähmung und Selbstverstümmelung der Menschen führen (siehe Aufklärung), weil das Gebot der Vernunft sich prinzipiell auch selbst verbietet: Ihr Fortschritt lässt keinen Rückschritt zu. Wer nicht tut, was vernünftig sei, gilt als nichts. Seine Vernichtung kann daher durchaus ebenso vernünftig sein, wie es der kategorische Imperativ verbietet, dass es sein darf. Die Vernunft, jene Leistung des Subjekts, wird unter der Hand zu einem Gebot für die Subjekte, das Vernünftigsein zur stillschweigenden Selbstverständlichkeit einer Anpassungsforderung an die Gegenheiten, zu einer sublimen Unterwerfung des wirklichen Subjekts unter das historische. "Sei doch vernünftig!" - das sagen alle, die ihr Sein als Vernunft gegen das Aufbegehren wenden können, also die Vertreter der herrschenden Moral. Das hatte Kant zwar so niemals gewollt, aber seine Philosophie hat es legitimiert. Durch Marx wurde die Aufklärung darin aufgehoben, dass der Mensch nicht nur das Ding, sondern sich selbst in der gegenständlichen Welt, in seiner wirklichen Lebenspraxis erkennt, worin sich sein Subjekt- und Objektsein historisch vollzieht, also keine Ontologie hat, sondern die wirkliche menschliche Geschichte in all ihren Epochen und Kämpfen. So lässt sich auch bei Marx ein geschichtlicher Sinn konstatieren (der Kommunismus), der aber nur als wirkliche Bewegung der Geschichte aus ihrer Vergangenheit und Gegenwart begriffen ist (siehe historischer Materialismus). Alle Erkenntnistätigkeit des Menschen geschehen nur hierin haben kein hiervon getrenntes Erkenntnisvermögen, schon gar nicht ein "Erkenntnis leitendes". Das schließlich meint auch seine Absage an die Philosophie, welche die Welt nur interpretieren würde, um ihre Vorstellungen und Nebelschleier als Affirmation des Bestehenden, als letztliche Theologie des Soseins auszubreiten. | ||
Zu allererst ist Kapital Geld, das aus der Warenzirkulation herausgenommen ist, um zur Verwertung von Waren (Rohstoffe, Maschinen und Arbeitskräfte) im Produktionsprozess angewandt zu werden. Das setzt voraus, dass es eine Güteransammlung gibt, die nicht zur bloßen Reproduktion nötig ist (siehe variables Kapital), sondern ein Mehrprodukt darstellt. Das Geld, welches sich darin gebildet hat, wird zunächst als konstantes Kapital festgehalten, um die Erweiterung der Produktion zu finanzieren und daraus zugleich Mehrwert für sich, also mehr Geld zu bilden. Von da her (und nur in soweit) repräsentiert es eine bestimmte Menge Geld, die sich als mehr Wert herausstellt, welcher sich im Wachstum des gesellschaftlichen Reichtums nach dem Abkauf der Produkte realisiert. So existiert in der Form von Kapital ein bestimmtes Geld, eines das zur Geldverwertung eingesetzt wird, also dafür, aus Geld mehr Geld zu machen und in dieser Form das Mehrprodukt in privater Hand festzuhalten. Geld wird so zu einer politischen Verfügungsmacht über die Verhältnisse im Allgemeinen, in denen sich Menschen nicht in ihrer Arbeit und der Nutzung ihrer Produktionsmittel allgemein bereichern, sondern sich nur reproduzieren können, weil sie durch ihre Arbeit, solange sie als Ware auf dem Markt gekauft wird, nicht mehr Geld erlangen können, als ihre Herstellung und Erhaltung wert ist Geld kann nur mehr Geld erzeugen, wenn es mehr Waren erzeugt, als sein Wert repräsentiert. Dies kann nur im Produktionsprozess Grundlegend für alle Wertbildung ist die Arbeit in der Form des kapitalistischen Prododuktionsverhältnisses. Es ist eine besondere Eigenschaft der Arbeit, der Gebrauchswert der geistigen und sinnlichen Schaffenskraft des Menschen, dass sie immer mehr erzeugt, als in ihr an Mittel, Material, Kraft etc. verbraucht wird. So entsteht durch ihre Nutzung ein Reichtum, welcher allerdings vorwiegend in der Verfüngungsmacht des Kapitals ist - abgesehen von der mächlichen Erweiterung des Lebensstandards, der auf die Menschen zeitweise zurückkommt, zeitweise ihnen wieder genommen wird (siehe Krise). Die Kapitalvorschüsse beziehen sich einmal auf alle Arbeitskosten für die Menschen, die sich hierdurch reproduzieren (Variables Kapital). Zum zweiten stecken sie in den Produktionsmittel und Rohstoffen, Energie und Maschinen, die darin einfließen (Konstantes Kapital). Sie finanzieren also zum einen die Arbeitskraft, also die Reproduktion der arbeitenden Menschen und der nicht im Produktions- oder Dienstleistungeprozess einbezogenen Menschen (die Arbeitslosen). Zum anderen finanzieren sie die Produktionsmittel und die Rohstoffe, die in das Produkt eingehen (Material, Energie) und die Kosten der Infrastruktur, die Abgaben an den Staat (Reproduktion der Bildungs- und Verkehrsverhältnisse überhaupt) einbezogen. Das Ergebnis des Produktionsprozesses sind Produkte (Waren). Diese müssen die Produktionskosten, das vorgestreckte variable und konstante Kapital und einen Mehrwert realisieren, durch den die Spekulation des Kapitalbesitzers aufgehen (oder auch nicht), damit er seinen Zweck erfüllt sieht, seine Macht über die Produktion durch das Mehrprodukt, das in seinen Händen ist, vergrößert zu haben. Die Produktion erzeugt also immer mehr, als das, was hierfür aufgewandt wird. Das liegt schon in ihrer Natur, in welcher sich die Bildung von menschlicher Kraft, menschlichem Geist und seiner Werkzeuge (Produktionsmittel) entwickelt haben. So stellt jeder Produduktionsprozess immer auch ein Mehrprodukt her, das zu einem Teil in die Entfaltung der Bedürfnisse und ihrer Befriediguing, also in die Entwicklung des Lebensstandards eingeht, zum anderen in die Erweiterung der Maschinerie und damit der Potenzen und der Macht der Allgemeinheit, welche das Kapital darstellt und womit es den Menschen gegenübertritt - um schließlich das aus dem Kapitalkreislauf zu entnehmen, um was es ihm wirklich geht: Mehrwert. Dieser besteht nicht aus Produkten, sondern lediglich als entnommene Geldmenge (siehe tote Arbeit), die nicht durch Güter, sondern durch die Zirkulation des Geldes, durch die Variationen und Bewegungen seiner Potenzen auf dem Geldmarkt mehr oder weniger gut gedeckt ist (Handelskapital, Devisenhandel, Derivatenhandel). So diese Geldentnahme nicht mehr gelingt oder in Krisen vernichtet wird, wird der Kapitalismus empfindlich gestört und seine Rikikoträger, die Finanziers (Kapitalisten und Banken) irritiert. Zugleich sind die Krisen Ausdruck einer Logik, welche die spekulative Geldentnahme bewahrheitet: Das Geld verliert seinen Wert, wo es kein Wertwachstum erheischt - und die Finanziers verlieren ihre Existenz. Dem begegnen sie als Besitzer des Allgemeinguts Geld mit Restriktionen gegen die Arbeit (Verschärfung des Arbeits- und Sozialmarktes). |
s.a. siehe hierzu auch "Probleme des Marxismus" siehe auch Themenabend
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Nach jedem kapitalistischen Produktionszyklus muss einmal die Reproduktion von Arbeit und Kapital gesichert und ein Mehrprodukt vorhanden sein. Letztres entsteht in der Zeit des Arbeitstages durch Gebrauch der Arbeitskraft, nachdem sie die Reproduktion des eigenen Arbeitsvermögens und den Verschleiß der Maschinen erwirtschaftet hat. Zu einem geringeren Teil geht das Mehrprodukt in die Reproduktion des Kapitalisten und seiner Verwaltung, zum größeren Teil in die Akkumulation des Kapitals. Die einfache Kapitalakkumulation ist die Verwendung des Mehrprodukt als Vermögensvortrag für einen künftigen Produktionzyklus, gleichgültig, ob dies in Sachen oder Werten geschieht. Das Mehrprodukt ist auf dieser Ebene der Akkumulation noch identisch mit dem Mehrwert, den es darstellt. Auf erweiterter Stufenleiter wird Kapital nicht nur zur Entwicklung der eigenen Ressourcen, sondern auch zur Entwicklung seiner Zirkulation und schließlich seines Vermögens zur politischen Gewalt, als private Bestimmung des Kapitalbesitzes über alle gesellschaftlichen Ressourcen und ihre Produktivität (siehe Grundrente). | s.a.
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"Im zinstragenden Kapital ist daher dieser automatische Fetisch rein herausgearbeitet, der sich selbst verwertende Wert, Geld heckendes Geld, und trägt es in dieser Form keine Narben seiner Entstehung mehr. Das gesellschaftliche Verhältnis ist vollendet als Verhältnis eines Dings, des Geldes, zu sich selbst. Statt der wirklichen Verwandlung von Geld in Kapital zeigt sich hier nur ihre inhaltlose Form. Wie bei der Arbeitskraft wird der Gebrauchswert des Geldes hier der, Wert zu schaffen, größren Wert, als der in ihm selbst enthalten ist. Das Geld als solches ist bereits potentiell sich verwertender Wert und wird als solcher verliehen, was die Form des Verkaufens für diese eigentümliche Ware ist. Es wird ganz so Eigenschaft des Geldes, Wert zu schaffen, Zins abzuwerfen, wie die eines Birnbaums, Birnen zu tragen." (MEW 25, S. 405) | s.a. siehe hierzu auch "Probleme des Marxismus" | |
s.a. | ||
Kapitalismus ist eine Gesellschaftsform, worin die Entwicklung einer Gesellschaft auf Kapitalbildung beruht, ihre Geschichte als Geschichte des Kapitals objektiv wird. Darin ist die Erzeugung von Wert, der über die Reproduktion der Menschen hinausgreift, die Erzeugung von Mehrwert, der allgemein tragende, alles bestimmende Zweck. Er wird erreicht entweder durch Entwicklung der Produktionmittel, welche die Arbeit intensivieren und im produktiven Intervall Mehrwert abgeben, damit unbezahlte Arbeit als Technologie akkumuliert wird, oder durch Bedrängung der Reproduktionsmittel, der Lebensmittel, des Lebensstandards der Lebenshaltung auf das unterst mögliche Niveau. Beides geschieht meist gleichzeitig, kann sich aber im Verlauf der Konjunktur unterscheiden. Die Wertvermehrung erscheint deshalb immer als Druck auf die Preise der Arbeit und ihrer Produkte, der Löhne und der Lebensmittel. Nur durch die Wertbestimmung der Lebenshaltung auf unterem Niveau geht von der Arbeit Mehrwert in die Akkumulation von Produktionsmittel, Lizenzen, Grundbesitz, Rohstoffe usw. über, der nicht wirklich auf die Menschen zurückkommt und die gesellschaftliche Macht des entsprechenden Besitzes wie die Ohnmacht der Besitzlosen vermehrt. Darin allerdings entwickelt sich der Widerspruch zwischen der gesellschaftlichen Notwendigkeit der Arbeit und ihrer Entwicklung, und der Form, worin sie sich entfaltet, der Widerspruch zwischen gesellschaftlicher Produktion und privater Aneignung. Kapitalismus ist das Ganze des bürgerlichen Lebens- und Produktionsverhältnisses (siehe auch bürgerliche Gesellschaft) wie seiner Kultur (siehe auch bürgerliche Kultur) und seinem Staatswesen (siehe auch bürgerlicher Staat). Ökonomisch ist der Kapitalismus eine Wirtschaftsform, die in den Zeiten des Wachstums und der Bildung von Produktionsmittel zur Entwicklung der Potenzen der Arbeit förderlich, also wirtschaftlich war, darüber hinaus aber unwirtschaftlich wird, weil er die Entwicklung des menschlichen Reichtums nur unter dem einseitigen, privaten Zweck der Kapitalanreicherung betreiben kann. Er verkehrt sich darin in das Gegenteil seiner wirtschaftlichen Kraft und saugt die Kraft und das Leben der Menschen auf, dessen Bereicherung er vorgeblich betreiben soll. Von daher wird er zu einer politische Reaktion gegen die geschichtlichen Bestrebungen der menschlichen Arbeit, mit dem Wachstum der Intelligenz und hiermit auch der Produktivkraft immer wirtschaftlicher zu werden, sich also weitgehend zu minimalisieren. In der Kritik der politischen Ökonomie, also in der Abweisung politischer Reaktion auf die Krisen des Kapitalismus (siehe reaktionäres Bewusstsein), steckt das Potenzial einer neuen Gesellschaft, wenn es gelingt, den Kapitalismus in ein Gemeinwesen der Menschen vermittelst ihres gesellschaftlichen Reichtums überzuführen, der in der Produktivkraft des Kapitalismus schon bereitet wird. Die Kritik verlangt nicht nach politischer Gewalt, nach einer anderen politischen Herrschaft, sondern vor allem nach Wissen und Analyse der bestehenden Potenzen und deren Beherrschung durch die Politik, deren politische Reduktion (siehe Realabstraktion) auf die Notwendigkeiten des bürgerlichen Kapitalbetriebs (siehe Marxismus). Es war im Lauf der bisherigen Geschichte immer der verhängnisvollste Fehler der Kapitalismuskritik, zu glauben, dass der Kapitalismus politisch überwunden werden müsse. Mit der Kritik der politischen Öknomomie steht vor allem eine neu ökonomische Form der Reichtumsproduktion an, wie sie potenziell und organisch schon aus der bestehenden Arbeitsform und dem Arbeitspotenzial verlangt ist und diesem auch entsprechen soll, will sich die Menschheit nicht an ihrer verrückten Form selbst kaputtreiben (siehe Barbarei). Philosophisch gesehen ist der Kapitalisimus die Daseinsweise des von sich, von seiner Arbeit und von seinem Gattungswesen entfremdeten Menschen, welche sich einzeln und unmittelbar genommen als Notwendigkeit des Daseins darstellt. Allgemein und geschichtlich treibt es die Menschen ebenso notwendig in die Barbarei (siehe auch Krise und Krieg). Das Prinzip, welches diese Entwicklung bestimmt, ist das Wertgesetz des kapitalistischen Marktes. Im Kapitalismus gründen die gesellschaftlichen Beziehungen der Menschen auf dem Verhältnis von Sachen, welche durch die Notwendigkleiten ihres Wertzusammenhangs die Beziehung der Menschen bestimmen. Da auch die Arbeitsverhältnisse in dieser Form bestimmt sind, reproduzieren sich die Menschen unter der Bedingung, dass ihr Mehrprodukt als Mehrwert das Kapital vermehrt, während sie als Konsumenten der Lebensmittel bleiben, was sie waren. Die gesellschaftliche Entwicklung ist die Entwicklung des Kapitals und dieses gründet auf der Ausbeutung der Notwendigkeit individualisierter Menschen, sich in dieser abgetrennten Einzelheit reproduzieren zu müssen. Kapital beruht insgesamt auf der Selbstausbeutung der menschlichen Arbeit, indem das Mehrprodukt der gesellschaftlichen Arbeit nicht zur Entwicklung der Menschen existent wird, also nicht auf sie als Entwicklung ihres gesellschaftlichen Reichtums und Vermögens zurückkommt, sondern als Privateigentum der Geldbesitzer, die über die sachlichen Potenzen der Arbeit und zugleich über die gesellschaftlichen Potenzen der Produktion (Produktivvermögen) verfügen. So dient die Arbeit vor allem der Potenzierung ihrer Macht und ihres Reichtums, die im Widerspruch zum gesellschaftlichen Charakter der Arbeit und ihrem organischen Zusammenhang steht. | s.a. siehe hierzu auch "Probleme des Marxismus" siehe hierzu auch den Themenabend siehe auch Themenabend
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„Es ist ... klar, dass die Akkumulation, die allmähliche Vermehrung des Kapitals durch die aus der Kreisform in die Spirale übergehende Reproduktion ein gar langsames Verfahren ist, im Vergleich mit der Zentralisation... Die Welt wäre noch ohne Eisenbahnen, hätte sie solange warten müssen, bis die Akkumulation einige Einzelkapitale dahin gebracht hätte, dem Bau einer Eisenbahn gewachsen zu sein. Die Zentralisation hat dies, vermittelst der Aktiengesellschaften, im Handumdrehen fertiggebracht.“ K. Marx, Kapital I. MEW 23, 656. Durch die Konkurrenz halten sich die Kapitalien gegenseitig ebeneso in Schach, wie die Arbeitskräfte, solange sie um ihre Lohnunterschiede feilschen. Während letztre das müssen, weil ihnen keine andere Existenz möglich ist, solange Arbeit knapp ist, gewinnen die Kapitalisten durch die Konzentration von Kapital Vorteile über die Konkurrenz als solche - allerding nur durch den Niedergang anderer Kapitalien. „...Zentralisation des Kapitals ... bedingt Verschlucken der kleineren Kapitalisten durch die großen und ‚Entkapitalisierung’ der ersten. ... Dieser Prozess würde die kapitalistische Produktion zum Einsturz bringen, wenn nicht entgegenwirkende ... Tendenzen ... beständig wieder dezentralisierend neben der zentralisierenden Kraft wirkten)...“ K. Marx, Theorien über den Mehrwert III. MEW 26.3, 305. „Die gewachsene Ausdehnung der Industriebetriebe bildet überall den Ausgangspunkt für eine umfassendere Organisation der Gesamtarbeit vieler, für eine breitere Entwicklung ihrer materiellen Triebkräfte, d.h. für die fortschreitende Umwandlung vereinzelter und gewohnheitsmäßig betriebener Produktionsprozesse in gesellschaftlich kombinierte und wissenschaftliche eingerichtete Produktionsprozesse. ... Und während die Zentralisation so die Wirkungen der Akkumulation steigert und beschleunigt, erweitert und beschleunigt sie gleichzeitig die Umwälzungen in der technischen Zusammensetzung des Kapitals, die dessen konstanten Teil vermehren auf Kosten seines variablen Teils und damit die relative Nachfrage nach Arbeit vermindern.“ (K. Marx, Kapital I. MEW 23, 656) Kapitalkonzentration setzt immer auch wieder die Differenzierung von Kapital, je nach Lage seiner Konkurrenz. Sie ist die Basis seiner organischen Entwicklung und der Entwicklung seiner großen Technologie und Intellligenz, durch welche die Interessen des Wertwachstums erst adquat formuliert sind. Diese müssen sich aber auch sogleich zerstören, wo neue Wachstumsformen nötig werden. Sie ist die politische Form der beständig wechselnden Wertmasse, mit welcher konstantes Kapital die Produktion bestimmt. Kapitalzusammenschlüsse (siehe Kapitalfusion) sind Konzentration kapitalistischer Macht über die Produktion, nicht wesentlich, um hierin Synergieeffekte zu erzielen, sondern um Wert-Synergie durch politische Einheit des Kapitals, durch Aufhebung von Konkurrenzen in der Preisbestimmung der Arbeitskosten zu erreichen und entsprechenden Handlungsspielraum zu bekommen (Lohnverhandlungen, kapitalgebundene Ausgrenzung disfunktionaler Kapitalverwertung usw.). Das Ziel und die eigentliche Auflösung aller Kapitalkonzentration ist die Kapitalzentralisation. „Die durch die Zentralisation über Nacht zusammengeschweißten Kapitalmassen reproduzieren und vermehren sich wie die anderen, nur rascher, und werden damit zu neuen mächtigen Hebeln der gesellschaftlichen Akkumulation.“ K. Marx, Kapital I. MEW 23, 656. | s.a. | |
Der Kapitalkreislauf ist der gesamte Kapitalumschlag, welcher das Kapital vom Vorschuss in den Arbeitsprozess (Rohstoffe, Arbeitskraft und Produktionsmittel) über den Arbeitsprozess (Verwandlung von Arbeit in Produkt), die Kapitalzirkulation (Tausch und Handel mit Produkten und Geld), bis zu seiner Reproduktion als bestehendes Kapitalverhältnis und erweitertes Kapital durchläuft. |
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"Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne." Der kategorische Imperativ ist ein Apell an die Vernunft zur Bildung von Grundsätzen des einzelnen Willens, sich als ein allgemein vorgestellter Wille vernünftig zu erweisen. Er soll sich selbst als allgemeines Prinzip verstehen können, um gut zu sein. Jeder Wille sei so als subjektiver Grundsatz (Maxime) zu verstehen, der auch als objektiver Grundsatz (Imperativ) abverlangt ist und seine Moral sich hieraus ergibt und bewertet. Alle Moral wurde bis dahin aus der Religion oder der Ontologie begründet. Kant wollte sich dem mit einem Imperativ, der sich aus dem Willen der Menschen allgemein ableite, widersetzen. Dies war wie der Grundsatz der bürgerlichen Demokratie: Jedes Allgemeingebot sei aus dem Willen der Menschen im einzelnen begründet, wie ihr diese auch allgemein folgen müssen. Die Werte einer solchen Moral ergeben sich also nicht aus einer metaphysischen Beurteilung einer Handlung oder einer gesellschaftlichen Tätigkeit, sondern aus ihrer Absicht. Gilt diese so bewertet als gut, so sei dies auch ihre Handlung. Kant setzte Willen mit Tätigkeit gleich und so war ihm jedes Verhältnis als Verhalten von Subjekten mit Willen zugleich gesellschaftliche Wirklichkeit, in der sich das allgemeine Willensverhältnis als Gesetz bestätigt. Daher geht es bei Kant um die Bewertung subjektiver Antriebe, die das Gewissen ausmachen sollen, durch welches sie sich auch gut oder schlecht objektivieren. Aus ihrem Gewissen ergebe sich die Pflicht, der eigenen Vernunft folge zu leisten. Das eigentlich Gute sei nur der gute Wille, der ein gutes Gewissen habe. Diese Pflicht erscheint somit subjektiv für eine gute Willensbildung notwendig und soll zugleich gesellschaftlich als objektive Ethik bestehen, weil sie die Vorstellung einer allgemeinen Gesetzgebung erfüllt. Um sich selbst als gesellschaftlichen Menschen zu wissen, muss jeder seinen einzelnen Willen an einer Vorstellung seiner Verallgemeinerung beschränken. Schon die Formulierung dieses Imperativs zeigt ihr Problem: Die Maximalformulierung des Willens, den Grundsatz in der eigener Wilensbildung schon als imperative Gesetzgebung einer Gesellschaft zu begreifen, hebt notwendig jeden Willen auf, ist notwendig willenlos, da ein Allgemeinwille, selbst wenn es ihn geben würde, kein vernünftiges Gesetz sein könnte, weil es den Allgemeinanspruch des Willens selbst nur verallgemeinern würde. Alle Menschen können sich nicht allgemein zu sich verhalten, ohne sich als einzelne Menschen verallgemeinert zu haben; sie würden sich allgemein aufheben, bekämpfen und in ihrer Einzelheit umkommen. Jede allgemeine Maxime eines Willens würde eine implizite Gleichschaltung des Willens erfordern, die ihn als solchen aufhebt, weil in ihr Sollen und Wollen eins sein müsste. Der Wille ist also allgemein vorgestellt gar nicht möglich - es sei denn, es handelt sich um eine Gesinnung. Und tatsächlich widerspricht sie auch nicht dem kategorischen Imperativ von Kant, sondern ist eher der hintersinnige Ausweg aus seinem Dilemma, solange es sich im Verhältnis des Wollens bewegt. Der Nationalsozialismus hat tatsächlich davon gezehrt und jede Absicht auf ihre Gesinnung geprüft. Ein Allgemeinwille ist ein Unding: Menschliche Allgemeinheit gibt es nicht im Wollen sondern nur in dessen Beschränkung - z.B. durch Gesetz, welches Willkür gegen Willkür beschränkt, wie auch Wille gegen Wille stellt, beurteilt und Recht spricht, wo sich dieses Verhältnis bricht und also nicht vollziehen kann. Ein vernünftiges Gesetz kann daher gerade nicht Ausdruck der Maxime des Willens sein. Besieht man sich dies an Kants Text "zum ewigen Frieden", so wird die Verkehrung von Wille in Sollen deutlich: Wenn jeder Frieden will, so muss er friedlich handeln. Es scheint so einfach, wenn Friede wirklich Gegenstand eines Willens sein könnte. Aber Frieden ist genausowenig Wille, wie z.B. Gerechtigkeit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Er ist Beschreibung eines Verhältnisses, das nur sein kann, wenn es schon wirklich ist und dies ist es nur durch Handeln. Natürlich kann man darauf hin arbeiten wollen; aber das meinen ja auch die Krieger selbst, denn jeder Krieg enthält auch eine Friedensintension, auch wenn diese nur auf die Zermürbung des Feindes gerichtet ist, jeweils von jeder Seite. So könnten denn die Soldaten hinter ihren Kanonen getrost vom "ewigen Frieden" lesen, denn sie können sich auf dem Weg dahin sehen - wenn nämlich alle aufhören wollten mit dem Schießen; und nichts würden sie lieber tun - aber der Feind will es ja nicht. Es geht also im Kategorischen Imperativ in Wahrheit nicht um einen Willen, sondern um das Gebot der vorweggenommen Beschränkung, also um Aufhebung oder Minderung des Willens. Er ist einzig die Vernunft der Selbstbeschränkung, die den Verhältnissen dient, in welchen die Menschen ihren Willen haben. Von daher ist dieser Imperativ auch letztlich nur rückwärts gewandt. Nichts Menschliches wäre entstanden, wenn der Anspruch des Menschen auf eine vorstellbare Menschlichkeit wirklich allgemein wirksam wäre. Jeder Mensch beschränkt sich darin in der Vorstellung von allgemeiner Vernunft um allgemein vernünftig zu handeln. Es müsste also in der Beschränkung auf eine Vernünftigkeit eines allgemeinen Verhaltens in einem allgemeinen Verhältnis handeln. Ein solches Verhältnis kann dem Menschen nur äußerlich sein und äußerlich bleiben; Vernunft wird so zum Knebel der gegebenen Verhältnisse. Kann ich mich denn äußern, ohne meine Beschränktheit allgemein zu machen? Kann ich etwas tun, was prinzipiell allen gerecht wird? Ganz vernünftig ist in dieser Logik nur das Kapital, das jedem dient, um sich selbst zu dienen; immerhin entwickelt es so einen Lebenszusammehang der Menschen hinter ihrem Rücken. Der Feind kommt dann nur noch von außen, jenseits dieses allgemeinen Zusammenhangs, denn aus ihm heraus lässt sich keine Feindschaft mehr erklären. | ||