| Buchstabe Kr | ||
Kraft ist stoffliche Energie, die organische Wirkung und Wirklichkeit hat und durch ein Subjekt oder als fremde Kraft objektiv ausgerichtet wird. Die Richtung der Kraft liegt subjektiv in ihrer Bestimmung oder objektiv in ihrer Formbestimmung. Die Wirkung der Kraft treibt die Bestimmung voran, welche Menschen oder Sachen darin haben. Es ist ihre lebendige Energie, die solange anhält, wie sie sich in Kraft verwirklich. Wird sie durch Realabstraktion zum Mittel einer Fremdbestimmung, so richtet sie sich gegen die Menschen, die aus ihr schöpfen, und wird zu einer fremden Kraft, welche die Entfremdung des Menschen von seiner Tätigkeit vorantreibt - mit Zutun der Menschen, gegen die sie sich richtet. | siehe hierzu auch Falk & Pfreundschuh: | |
Krankheit für sich ist Erschöpfung, welche Körper und Geist bestimmt. An sich aber ist sie die Reflexion eines Andersseins, welche das gewohnte Leben bedroht. Sie begründet sich durch ein ungewöhnliches, ein außernormales Sein und durchgreift eine Lebenswelt, die diesem nicht gewachsen ist (siehe Normalität). Quantitativ mag dies aus Überlastung entstehen oder durch ein Unvermögen, Fremdes von Eigenem zu scheiden (z.B. Immunschwäche) oder durch Angriffe seitens der Umwelt (z.B. Viren, Bakterien, Feinstaub, belastete Nahrung), qualitativ jedoch ist Krankheit nur durch die Verstandesform Norm begründet, durch normatives Kulturverständnis, das Krankheit und Gesundheit je nach Gewohnheit unterscheidet. Hierin ist zwar Objektivität, insofern der menschliche Körper natürliche Grenzen hat und z.B. nicht jeden Stoff, nicht jede Kraftanstrengung usw. ertragen kann. Aber diese wird mit dem Krankheitsbegriff selbst nicht erwiesen. Die Diagnose ist von daher immer nur relativ objektiv. Krankheit besagt vor allem: Was anderswo Teil des Gesunden ist oder werden kann, ist hier krank; es ist das Siechtum innerhalb einer bestimmten Kultur. An und für sich ist Krankheit also die Kritik einer bestimmten Kultur, ihrer Dekadenz oder ihres Hochmuts oder dergleichen, deren Grund auf anderes Sein verweist, also auch zeigen kann, dass der "Kranke" nach einem anderen Leben verlangt. Wiewohl Krankheit ihrem objektiven Gehalt zufolge auch den Tod von Individuen oder ganzer Kulturen (als Seuche) zur Folge haben kann, so ist sie qualitativ nicht tödlich und nicht von einem Lebensbegriff her bestimmbar. Vielleicht macht Krankheit die ganze Evolution aus; vielleicht besteht die Evolution selbst aus einer Folge von Revolutionen, welche in den Krankheiten einzelner Arten und Kulturen entstanden waren. Natürlich ist es für die einzelnen Menschen innerhalb einer bestimmte Kultur immer nützlich, gesund zu sein. Aber solange die Medizin Krankheit nicht als lebendes Aufbegehren in sich aufnimmt, wird sie immer nur rekonstruktiv und niemals kritisch, also selbstbewusst sein und den Stoffwechsel lediglich in seine gewohnte Bahn bringen, ohne die Stoffe in Frage zustellen. Der Appell an die Gesundheit, die Vorschreibung und Hervorkehrung eines gesunden Lebens, kann zwar Siechtum artikulieren und in bessere Formen bahnen, nicht aber wirkliche Lebensänderung auf Dauer erreichen, solange die Gründe der Krankheit nicht zum Gegenstand gesellschaftlicher Veränderung werden. |
s.a. | |
Das Kreditwesen ist der Handel mit Zahlungsverpflichtungen, also eigentlich das Geschäft mit Wechsel. Diese gelten als Zahlungsmittel und ersetzen hierdurch Geld. Große Beträge werden nicht als Geld bewegt, sondern als Wechsel, als Zahlungsversprechen, das zu einem bestimmten Zeitpunkt durch Geld oder Güter oder andere gültige Wechsel einzulösen ist. Die zirkulierende Masse an Wechseln ist daher ein Vielfaches des zirkulierenden Geldes, das durch reale Güterzirkulation gedeckt sein muss. Das Kreditwesen beruht zum größten Teil auf dem aus dem Geldverkehr herausgesetzten Kapital, das Zahlungsversprechen, Vorwegnahme von Produktion und Verkauf von Gütern ist - und dieses macht die Masse der Finanzierungsprozesse des Kapitals aus, das sich darin zugleich als Spekulationsmasse verhält, wie es auch zum Teil realem Vermögen entspricht (z.B. auch durch Rückversicherung mit Grundbesitz oder dergleichen). Die Masse der nicht real gedeckten Wechsel entspricht dem glaubhaft gemachten Produktionsversprechen und kann daher auch psychologischer Natur sein. | s.a. | |
Man sagt, Kriege würden dort entstehen, wo Diplomatie versagt. Das mag für Kriege gelten, die aus Missverständnissen hervorgehen. Aber tatsächlich funktioniert kapitalistische Diplomatie zu einem Teil nur selbst nur durch Kriegsandrohung. Kriege sind gewollt ( Krieg ist sowohl die Aufhebung wie auch die höchste Form von Politik: Die vollständige und rücksichtlose Durchsetzung ihres Willens. Kriege entstehen nicht aus ihrem Scheitern, wie sie das gerne als "Ende der politischen Möglichkeiten" vorstellt, sondern aus ihrem Übermut, dem sie im Machtkakül anheimfällt, wenn ihr die Chancen gegeben erscheinen oder die sie auch zum Teil selbst erst herstellt (vergl. Reichstagsbrand, Pearl Harbour). Zur Kriegsvorbereitung gehört vor allem die Vorbereitung der Bevölkerung durch ideologische Interpretation der eigenen Lage als besondere und notwendige Heilung ihrer Krise, die durch einen äußeren Feind verursacht sei, um dessen Angriff es im Sinne einer Selbstverteidigung ginge. Heute gelten ganze Weltenwicklungsvorstellungen zur Begründung kriegerischer Machtentfaltung. Du werden die kulturellen, soziologischen und philosophischen Grundverständnisse der bürgerlichen Wissenschaft in vollem Umfang genutzt (vergl. hierzu Huntington, Sloterdijk). | s.a. Wolfram Pfreundschuh:
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"Der letzte Grund aller wirklichen Krisen bleibt immer die Armut und Konsumtionsbeschränkung der Massen gegenüber dem Trieb der kapitalistischen Produktion, die Produktivkräfte so zu entwickeln, als ob nur die absolute Konsumtionsfähigkeit der Gesellschaft ihre Grenze bilde." (Karl Marx, MEW, Bd. 25, S. 501). Die Wertmasse, die für das Wertwachstum des Kapitals selbst beständig eingesetzt wird, bewegt Maschinen, Menschen und Spekulanten - erstre als konstantes Kapital, zweite als variables Kapital und letztre zunächst als fiktives Kapital, das sich als Mehrwert realisieren muss. Nur immer mächtiger werdende Kapitalkonzentrationen können die Mehrwertproduktion erhalten, nur Wertwachstum kann das Wertverhältnis sichern, weil mit der Entwicklung der Produktivkräfte, der Maschinen und Automaten, die Arbeit pro Produkt geringer wird und das Mehrprodukt immer weniger Arbeit enthält. Der Wert aber gründet auf der verausgabten Arbeit als menschliche Arbeitszeit, weil nur hierüber der organische Kreislauf von Arbeit und Konsum verläuft und Wert hat. Roboter verbrauchen nichts von dem, was sie produzieren und sind nach relativ kurzer Zeit wertlos, - dann nämlich, wenn sie ihren komplexen Herstellungswert an menschlicher Arbeitszeit (siehe auch Verdichtung) in die Produkte durch Zeitersparnis übertragen und mit deren Absatz auch wirklich verausgabt haben. Soweit sich Wertmasse in Know-How, Maschinen und Technologie (siehe konstantes Kapital) darstellt, beschränkt sie organisch die Realisierbarkeit ihres Werts, weil sich dieser nur erhält, wenn er zum Wertwachstum verbraucht wird. Das Kapital müsste organisch also immer mehr Menschen beschäftigen und ernähren, um sein Wertwachstum zu erhalten, wenn es sein Privatinteresse nicht aufgeben und sich in gesellschaftliches Interesse in der Reichtumsproduktion für Menschen wandeln will. Und daran würde seine Wertbestimmung zugrunde gehen: Das ganze Mehrprodukt wäre gleichmäßig unter den Menschen verteilt und als Kapital für sich, als Mehrwert wertlos, und das heißt: politisch machtlos. Der Kapitalismus wäre als System einer politischen Ökonomie am Ende. Es bliebe ein gesellschaftlich wirtschaftendes Arbeitsverhältnis, das sich seiner Fortschritte durch immer weniger Arbeit erfreuen könnte. Doch um sich zu erhalten wendet das Kapital bei zunehmend geringer werdender Wertspanne zwischen realisiertem Mehrprodukt und akkumuliertem Mehrwert alle Möglichkeiten an, um seine Masse in der Produktion in Gang zu halten: Es konzentriert sich und fussioniert zu immer größeren Wertzentren (z.B. Transnationale Konzerne) und dehnt die Märkte schier unendlich aus und verschärft die Ausbeutung arbeitender Menschen durch zum Teil unbezahlte Arbeit (siehe Arbeitstag) und Billigarbeit. Was die Profite erhöht, vermindert nun zugleich den Absatz der Produkte, weil der Prokopfanteil des Einkaufskorbs bei immer mehr Menschen auf sein unterstes Maß, auf die physikalische Grenze der Reproduktiion gebracht wird. Daher gibt es eine gegenläufige Entwicklung in Krisenzeiten: Während die Rate der Ausbeutung, die Mehrwertrate steigt, sinkt die Profitrate, die Rate der Mehrwertrealisation. Das Gros der Wertmasse, das Verhältnis des angewandten Kapitals zum Gesamtkapital sinkt auch bei wachsender Ausbeutung, der Verschärfung im Verhältnis des Konstanten Kapitals zum Reproduktionsaufwand der arbeitenden Menschen. Das zirkulierende Geld wird für den realen Warenmarkt überzählig und inflationiert, die Produktion kommt mangels Warenabsatz ins Stocken. Das Kapital befindet sich in einer Verwertungskrise. Wenn seine Produkte auf dem Markt stecken bleiben und der angewandte Wert sich nicht realisiert, im Nachhinein also wertlos wird, besteht eine Stagflationskrise. Mit der Produktion hat sich das Kapital dann entwertet und kann dies nur noch durch Krisenmanagement über den Staat auffangen (siehe Negativverwertung), solange der noch nicht bankrott ist (siehe Staatsbankrott). Man kann nun den Vorgang auch als gegensinnige Bewegung der Verwertung in ihrer Wirklichkeit reflektieren: Das Kapital ist eine wirkliche wie auch unwirkliche Verkörperung von Wert, welcher den Produkten der kapitalistischen Produktion als Quantum von Arbeitszeit inne ist: Wirklich, insofern er das gesellschaftlich durchschnittliche Arbeitszeitquantum, das zur Herstellung der Güter, der Produkte und Mehrprodukte nötig ist, ausdrückt; unwirklich, insofern er als politische Macht (z.B. der Grundrente, der Immobilien, der Bodenschätze) bloße Bewertung in der Preisbildung (z.B. Mietpreise, Steuern für Infrastruktur, Vorsorge, Ertragspekulation in Wertpapieren und Aktien) darstellt. Solange sich die politische Wertgestalt in der Wertrealisation bestätigen lässt, solange also der Güterverkehr analog dem Kapitalverkehr frequentiert, "decken" sich Werterwartungen und Wertgröße zumindest ideell: Das Kapital zirkuliert, wie es produziert, und seine politische Potenz stellt sich in allen möglichen Verkehrswerten dar. Jedoch die Logik von Kapitalproduktion und Kapitalzirkulation beinhaltet die Notwendigkeit eines beständigen Wertwachstums und dieses läuft zwingend auf eine Unfähigkeit des Kapitals hinaus, sich beständig und stetig zu reproduzieren und zu verwerten, weil das Wachstum der produktiven und der konsumtiven Massen gegenläufig ist. Es kommt in der Krise zu einer umfassenden Kapitalvernichtung, weil der Kapitalwert, der sich im Einsatz und Umlauf befindet, sich nicht mehr - auch nicht der Potenz nach - realisieren lässt, so dass sich der Kapitalvorschuss nicht rentiert und also "negatives Wertwachstum" darstellt. Das Massenverhältnis zwischen den Gütern, die in der Produktion eingesetzt sind, zu denen, die tatsächlich in die Konsumtion eingehen, kehrt sich gegen das produktive Kapital. Die kapitalistischen Krisen verkörpern die Wirklichkeit von Entwertungsprozessen, die sich aus einem Missverhältnis von Kapitalproduktion und Kapitalzirkulation ergeben. Es kommen darin die Mängel der Kapitalproduktion zum Vorschein, seine prinzipielle Unfähigkeit, sich mit den gesellschaftlichen Realitäten zwischen Reproduktion und Mehrprodukt in stetigem Wachstum zu decken und sich somit auch nicht als Verkehrswert darin bestätigen und behaupten zu können. Die Krisen treten phasenweise auf und nehmen überschüssig gewordene Kapitalwerte durch Kapitalvernichtung vom Markt. Sie verlaufen in Börsenverlusten, Konkursen, Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung. Das ist das Resultat des "tendenziellen Falles der Profitrate", den Marx in seinem Hauptwerk aufgedeckt hat. Sie führt logisch zu Krisenzyklen des Kapitals, die aber nicht, wie von der bürgerlichen Ökonomie behauptet, zugleich "Erholungsphasen" nach Überkapitalisierungen sind, sondern eine zunehmende Verschärfung des dem Kapitalismus immanenten Widerspruchs sind, die Entwicklung der Produktivkrafte, die Aufhäufung von Technologie und Maschinerie, gegen die lebendige Arbeit und ihre Lebenszusammenhänge zu betreiben. Die kapitalistische Krise ist ein Ausdruck davon, dass der Kapitalismus prinzipielle nicht in der Lage ist, die Potenzen der Entfaltung des Reichtums der Menschen in die Entwicklung ihres Lebensstandards einbringen kann und sich als politische Macht des Verwertungszwangs sich gegen sie entwickeln muss - und zwar gerade dann, wenn die Entwicklung der Produktivkräfte ihren Höhepunkt erreicht hat, wenn also keine Effizienzsteigerung oder Marktausdehnung mehr möglich ist. Die kapitalimmanente Krisenbewältigung kann daher nur durch Zerstörung von Kapital vor sich gehen: Durch die Zerstörung bestehender Werte (z.B. Krieg), um neuen Produktionszyklen mit neuen Investitionsmöglichkeiten in Gang zu setzen. Umgekehrt kann ganz allgemein dies auch damit beschrieben werden, dass die kapitalistische Krise ein Zustand ist, worin die Grenze der Ausbeutbarkeit von Menschen, Kulturen und Nationen erreicht ist. Was das Wertwachstum an Auspressung von Lebensarbeitszeit (s.a. Arbeitstag) verlangt, lässt sich nicht mehr adäquat in den Produkten realisieren. Dies zeigt sich als erstes daran, dass mehrwertheckendes Kapital nicht mehr durch reale Werte und Potenzen "gedeckt" ist, dass also Kapitalüberschuss gegenüber den Realisierungsmöglichkeiten des Mehrprodukts besteht. Die Mehrwertrate, die den Grad der Ausbeutung darstellt (als Verhältnis des Mehrwerts zum Variablem Kapital) wird vom Fall der Profitrate (dem Verhältnis des Mehrwerts zum angewandten Kapital, d.i. Variables Kapital und Konstantes Kapital) blockiert, so dass Mehrwertproduktion stillsteht, ausfällt und sich in Verlustproduktion umkehrt. Die kapitalistische Krise ist also allgemein die Unwirklichkeit des Mehrwerts, also eines Mehrprodukts, das seinen Wert nicht realisieren kann, weil die Mehrwertrate nicht in der Profitrate aufgehen kann. Dies liegt nicht daran, dass sie einen Wert hätte, der nicht verwirklichbar ist. Umgekehrt: Die Profitrate kann keinen für das Wertwachstum nötigen Wert in der Kapitalzirkulation erzielen, weil der Mehrwert schon in der Kapitalproduktion überbewertet ist. Je größer die Masse des konstanten Kapitals als Vorschuss zur Produktion, je größer also die Werte der Produktionsmittel, desto geringer wird der relative Anteil des variablen Kapitals, also der Reproduktionswert der Arbeitskräfte, der sich im Konsum der zirkulierenden Waren umsetzt. Somit ist der Einsatz von produktivem Kapital gegenüber den Möglichkeiten der Konsumtion zunehmend zu hoch angesetzt, denn bei zunehmender Kapitalmasse müsste der Kapitalwert der Produktion ab- statt zunehmen. Dies steht im Widerspruch zum logischen Zwang der Kapitalbildung, dem Wertwachstum. In der kapitalistischen Krise verschwinden produzierte Werte in der Unmöglichkeit, sich als Werte für das Kapital zu realisieren, weil sie das Wertquanten, das sie enthalten (Masse der gesellschaftlichen Durchschnittsarbeitszeit, die in den Arbeitskräften und der Technik und Maschinerie steckt) nicht mehr als Mehrwert, sondern zunehmend nur noch als Wert ihrer Reproduktion veräußern können. Das Kapital (als Masse aufgehäufter toter Arbeit, z.B. Technologie, Maschinerie, Verwaltung) hätte zu seiner Realisation als Mehrwert einen Wert nötig, der im Verhältnis zu den Lebenskosten (Wert der Selbsterhaltung, z.B. Miete, Sozialvorsorge, Lebensmittel) nicht mehr aufzubringen ist. Und so muss Kapital entwertet werden, wenn kapitalistische Produktion wieder möglich werden soll. Die kapitalistische Krise beruht also darauf, dass das Mehrprodukt nicht mehr zu dem Wert verkauft werden kann, zu dem es produziert wird, weil es zu einem Wert spekuliert ist, der sich nicht decken lässt. Hierdurch werden auch die Kapitalvorschüsse dadurch entwertet, dass ihr Geld wertlos wird, weil sie Waren in Gang gesetzt haben, die Geld zerstören. Das sind Waren, die in den Stoffen vor ihrer Produktion (Rohstoff, Produktionsmittel, Arbeitskraft) Wert hatten, den sie danach nicht so einlösen können, dass die Mehrwertrate wächst (z.B. weil sie zu viele sind oder weil ihre Produktion durch einen Technologieschub, also durch Automation, innerhalb eines Kapitalumschlags zu billig wird oder weil sie von der Entwicklung der Bedürfnisse schon überholt sind). Die Krise bedeutet also eine Entwertung von Kapital, die alle Mechanismen in Gang setzt, die ihm wieder Wert verschaffen (z.B. Senkung der Kosten für unmittelbare Ineffizienzen, wie z.B. Sozialkosten, Entwicklungskosten, Bildunskosten). Das schafft vor allem Sekündärprobleme im Staat und kann zu einem Staatsbankrott führen. Die Krise kann vorübergehen, wenn sich ein wesentlicher Produktionsbreich wieder "fängt", also eine Erweiterung seines Marktes mit hohen Bedarf und damit Absatz findet - und sei es durch Produktion von Waffen und Bomben - und andere durch ihn angestoßen werden können. Ihre Gefahr besteht aber darin, dass sie den ganzen Produktionsprozess von dem wegbringen kann, was er als Potenz für den Reichtum der Menschen in sich trägt: Die Krise zwingt zur Reduktion der Produktivität und zur Entwertung des variablen Kapitals (Geld für Löhne). Damit kehrt sich in der Krise immer wieder das um, was den Kapitalismus angeschoben hatte: Die Spekulation auf optimal realisierten Mehrwert. Sie drückt das Verhältnis aus, was das Kapital zu sich selbst hat: Die unendliche Notwendigkeit, Werte zu schaffen und zugleich die unendliche Gier, Mehrwert zu entnehmen. Durch diesen bleibt es mächtig, wenn es ihn akkumulieren kann und es kann ihn akkumulieren, wenn er in weiteren produktiven Potenzen (also vor allem Maschinen und Technologie) verwendet wird, wenn er also Produktion in Gang setzt, die neue Werte schafft. Doch mit zunehmender Produktivität wird der Produktionsumfang neuer Werte immer geringer, das Kapital von dieser Seite immer schwächer, die Spielräume der Märkte immer enger. Die Krise wird zum permamenten Lebensumstand des Kapitalismus und bringt sein ganzes reaktionäres Potenzial in Gang (siehe auch Faschismus) In der Krise verwendet das Kapital seine Macht zur Rückgewinnung seiner wertmäßigen Potenzen als Bestimmungsmacht über das Leben der Menschen. Das Hauptübel der Krise ist daher, dass die Armen nicht nur arm sind, sondern auch in vollem Umfang die Macht des Bestehenden zu spüren bekommen. Sie sind die Opfer und zugleich die einzigen, die sie zu überwinden haben, solange es Kapitalismus gibt. Und nur gegen sie geht der Zwang, in jeder Hinsicht für die Bewältigung der Krise einzustehen (Abbau der sozialen Sicherheit, Verschärfung der Konkurrenz durch das Anwachsen von Arbeitslosigkeit usw.). Die Krisenbewältigung besteht von der Seite der herrschenden Interessen natürlich immer noch nicht darin, dass ein reales Mehrprodukt unter die Produzenten aufgeteilt wird und sie aus ihrem privaten Leben herausführt in die Wirklichkeit ihrer Gesellschaft. Im Gegenteil: In der Krise entsteht das Paradox, dass gerade das völlig ausgesschlossen erscheint, was sie grundsätzlich abwenden würde (z.B. Verkürzung des Arbeitstags als Effektivierung der Arbeit durch Vollbeschäftigung bei gleichem Lohn, also gleichem Konsumverhalten). Hier wird alles nur zur Reaktion gegen die offensichtlichen Mängel und Bedrohlichkeiten (Zusammenbruch der Geldzirkulation, der Produktion und des Sozialwesens) dahin verwendet, das Wertwachstum wieder zu beleben, indem das ungedeckte Kapital entweder produktiv zerstört wird, also Sachen oder Produktionsanlagen ausgeschaltet oder durch Kriege verbraucht werden oder als Verlust der Bevölkerung (besonders auch den nachfolgenden Generationen) übertragen wird (z.B. durch Plünderung der Sicherheitsressourcen aller Art, Schuldenaufnahme der Staatskasse, Rentenkürzung, Verlängerung der Renten- und Arbeitszeit). Durch diese Art der Krisenbewältigung wird die Verfügung des Kapitals über das gesellschaftliche Leben wieder hergestellt und im Zusammenbruch des Kapitals der Kapitalismus restauriert. So verwirklicht sich das Mehrprodukt weiterhin nicht im Wachstum der Produktivkräfte und der Verfeinerung und Anreicherung der Produkte und damit der menschlichen Bedürfnisse, die es ohne Abzug von Wert und Überarbeitung befriedigen kann, sondern wird weiterhin als Kapital festgehalten, um den Geldwert seiner Spekulation abzusichern und auszudehnen. Die Krise erweist immer wieder einen gesellschaftlichen Skandal, der sich in der Potenzierung von Armut der Menschen ausdrückt, während der Kapitalreichtum sich zurückgewinnt - also im Nachhinein seine Wertverluste durch die Reduktion der Werte der Produktion (Rohstoffe und Arbeitskräfte) ausgleicht. Es ist ein endloser Teufelskreis am Rande des bürgerlichen Gesellschaftssystems: der Konsum, den das Kapital zur Mehrwertrealisierung nötig hat, kann nicht mit dem Wachstum der Produktion und der Produktivkräfte mithalten. Während das Kapital, welches die Produktionsmittel finanziert, in seinen Potenzen (Automation, Kommunikation, Dienstleistungen) und seiner Masse enorm wächst (Wachstum des konstanten Kapitals), wird der damit erwirtschaftete Mehrwert durch die Probleme seiner Realisierung beim Verkauf des Mehrprodukts zunehmend geringer (tendenzieller Fall der Profitrate). Man könnte es auch so formulieren, dass im Kapitalismus die Löhne auf Dauer nicht hinreichen, um das Mehrprodukt, das dem Trieb der kapitalistischen Produktion folgen und sich beständig vermehren muss, als Wert zu realisieren, was alleine sein Verbrauch bewirkt. Es kommt zunächst zu Absatzkrisen, denen Krisen des Geldwerts folgen, wenn durch die gestockte Geldzirkulation auch die Warenzirkulation ins Stocken gerät (siehe Deflation). Allgemein zeigt die kapitalistische Krise in ihrer ständigen Wiederkehr den Anachronismus, die Überfälligkeit des Kapitalverhältnisses selbst: "Die wahre Schranke der kapitalistischen Produktion ist das Kapital selbst, ist dies: dass das Kapital und seine Selbstverwertung als Ausgangspunkt und Endpunkt, als Motiv und Zweck der Produktion erscheint, dass die Produktion nur Produktion für das Kapital ist, und nicht umgekehrt die Produktionsmittel bloße Mittel für eine stets sich erweiternde Gestaltung des Lebensprozesses für die Gesellschaft der Produzenten sind. Die Schranken, in denen sich die Erhaltung und Verwertung des Kapitalwerts, die auf der Enteignung und Verarmung der großen Masse der Produzenten beruht, allein bewegen kann, diese Schranken treten daher beständig in Widerspruch mit den Produktionsmethoden, die das Kapital zu seinem Zweck anwenden muss und die auf unbeschränkte Vermehrung der Produktion, auf die Produktion als Selbstzweck, auf unbedingte Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkräfte der Arbeit lossteuern. Das Mittel - unbedingte Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkräfte - gerät in fortwährenden Konflikt mit dem beschränkten Zweck, der Verwertung des vorhandenen Kapitals. Wenn daher die kapitalistische Produktionsweise ein historisches Mittel ist, um die materielle Produktivkraft zu entwickeln und den ihr entsprechenden Weltmarkt zu schaffen, ist sie zugleich der beständige Widerspruch zwischen dieser ihrer historischen Aufgabe und den ihr entsprechenden gesellschaftlichen Produktionsverhältnissen.“ (MEW 25, 260).
| s.a. Themenabend zur Grenze des Wertwachstums siehe auch Themenabend
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Kritik heißt: Unterscheiden. Indem ich mich von etwas unterscheide, unterscheide ich dieses auch von mir. Kritik ist ein Akt der Selbsterkenntnis als Heraussetzen eines Gegenstands zu einem fremden Gegenstand. Kritik hat nichts mit der Verweigerung einer Bezugnahme zu tun, hat nichts äußerliches, sondern kann nur innerhalb einer Beziehung wahr sein. Alles andere wäre bloße Abweisung. Kritik ist also zunächst die Selbstunterscheidung in einer Beziehung, die Bedingung, dass diese zu einem Verhältnis wird. Sie erkennt den Unterschied des Bezogenen und kann sich daher als Moment seiner Dialektik verhalten. Anders ist die Kritik eines äußeren Ganzen. Diese erkennt einen qualitativ andren Unterschied, nämlich den zu einer Fremdbestimmung, die Formbestimmung einer äußeren, einer fremden Macht. Es ist nicht einfach die Erkenntnis eines Unterschieds von Eigenem und Fremdem, sondern die Erkenntnis eines fremd bestimmten Seins. Verhalten zu Fremdem wird in dieser Kritik daher auch als Verhalten der Entfremdung erkannt, als Befangenheit in entfremdeten Verhältnissen. Indem Kritik an die Bestimmung der Fremdheit gelangt, wird sie zum Bewusstsein der Entfremdung, dem Wissen, dass ich mich nicht menschlich zur kritisierten Sache verhalten kann, weil sich die Sache nicht sachlich zu mir, also nicht als meine Sache verhält. Die Sache erscheint dann dem Menschen so selbstverständlich, wie die Selbstverständlichkeiten unmenschlich sind. Als solche sind sie nurmehr etwas für den Menschen Notwendiges. Kritik setzt also den Zweifel voraus, das etwas so ist, wie es erscheint. Das Selbstverständliche ist nur dann kritikabel, wenn es sich nicht von selbst verstehen lässt, wenn Menschen also ihre Fragen hierzu haben. Zugleich ist Kritik ein Bezug auf dieses, keine Abwesenheit von ihm und keine Abweisung von Bezogenheit. Sie setzt das Kritisierte auseinander, indem sie sich mit ihm auseinandersetzt. Kritik ist eine Auseinandersetzung über die Wahrheit dessen, was selbstverständlich erscheint, aber für den Kritiker nicht selbstverständlich sein kann, weil es ihm nicht wesentlich so ist, wie es erscheint. Was an ihm ist, ist nicht für ihn. Er ist in der Frage nach dem Wesen dessen, was ihm kritikabel erscheint und von daher die Voraussetzunmg einer Analyse. So kann z.B. die Kritik der politischen Ökonomie nicht die bloße Abweisung von Ökonomie sein, wohl aber die Kritik von politischen Funktionen der Ökonomie, die Auseinandersetzung einer Ökonomie, die politisch agiert. "Ist die Konstruktion der Zukunft und das Fertigwerden für alle Zeiten nicht unsere Sache, so ist es desto gewisser, was wir gegenwärtig zu vollbringen haben, ich meine die rücksichtslose Kritik alles Bestehenden, rücksichtslos sowohl in dem Sinne, daß die Kritik sich nicht vor ihren Resultaten fürchtet und ebensowenig vor dem Konflikt mit den vorhandenen Mächten." (Marx, Briefe aus den Deutsch-Französischen Jahrbüchern, MEW 1, 344) | s.a. | |
Die Kritik der politischen Ästhetik wendet sich gegen die politische Bestimmung und Verwendung des Ästhetischen, und das ist menschliche Erkenntnis in der Form eines Wahrnehmungsverhältnis der Menschen. Das politische Interesse der herrschenden Kultur besteht darin, sie auf ein Verhältnis der Wahrnehumungen und Selbstwahrnehmungen der Menschen zu reduzieren. Hierdurch wird aus Wahrnehmung Kultur, also ein wesentlich gesellschaftliches Verhältnis, das Erleben von Sinneseindrücken zum gesellschaftlichen Leben überhaupt verkehrt, zur gesellschaftlichen Verkehrsform macht. Dies macht auch die Täuschung, welche sowohl die Politik darin betreibt, dass sie Wahrnehmung zu ihrer Machtgrundlage nimmt, wie es auch die Wahrnehmung selbst zur wesentlichen Lebensform menschlicher Ekenntnis behauptet. Der politische Sinn affirmativer Ästhetik besteht darin, die Menschen als Objekte ihrer Sinne zu behaupten und somit die herrschende Kultur als notwendig objektive Sinnesform, also als ihr naturnotwendiges Dasein zu fixieren. Der politische Zweck der Ästhetik besteht darin, die Warnehmungsverhältnisse der Menschen, also das Verhältnis von dem, was sie in ihren zwischenmenschlichen Verhältnissen voneinander wahrnehmen und durch einander erleben, als das zu behaupten, was Menschen überhaupt sind. Menschen werden so auf einen Zwischenmenschen, zu einem Menschsein zwischen Menschen reduziert. Wie sie sich in ihren Verhältnissen erscheinen, so sollen sie auch sein und bleiben, damit das gesellschaftliche Verhältnis des Geldes im Kapital nicht als unmenschliches Verhältnis erkennbar wird. Der Warenfetischismus, der in der politischen Ökonomie das Verhältnis der Waren als gesellschaftliches Verhältnis der Menschen erscheinen lässt, ist in Dienstleistungsgesellschaften zu durchsichtig geworden, als dass die Warenverhältnisse für sich noch mächtig erscheinen und über ihre Dinghaftigkeit hinwegtäuschen könnten. Dass nicht Waren, sondern Geld alleine die Menschen beherrscht, ist so allgemein geworden, dass es ihre Mystik, das Waresein als gesellschaftliiches Sein der Dinge, verloren hat und an deren Stelle wohl eher die Finanzaktie, der Mythos der wundersamen Geldvermehrung, getreten ist. Die Waren sind daher wirklich nurmehr profane nützliche Dinge, die nichts gesellschaftliches mehr an sich haben, selbst schon aus der Gesellschaft ausgeschlossen erscheinen als das bloß individuelle Moment des Privaten, dessen Erzeugung wie von selbst zu verstehen, also selbstverständlich ist. Es hat seinen gesellschaftlichen Glanz verloren, denn wenn Waren selbstverständliche Lebensgrundlage sind, werden sie als Gegebenheit, also nicht mehr als gesellschaftliches Verhältnis einer Lebensnotwendigkeit erfahren. Diese stellt nurmehr der Geldbesitz dar, welcher nicht so selbstverständlich ist. Aber Geld ist nur in der Spekulation mystisch und diese kann kein gesellschaftliches Verhältnis bestimmen. Gesellschaftlich ist von Bedeutung, wie sich die Menschen im Dazwischensein des Geldes, also als Zwischenmenschen erleben und erfahren. |
s.a. | |
Die Kritik der poltischen Kultur ist die Auseinandersetzung mit einer Kultur, in welcher alle Entwicklungen und Bewegungen politische Implikate haben, die Kultur an das binden, wofür sie gesellschaftlich notwendig erscheinen soll: Die Zwischenmenschlichkeit als Menschlichkeit schlechthin, die damit zum Naturprinzip des Lebens ideologisiert wird. In der Entwicklung ihres Begriffs wird dem politischen Implikat entgegnet, dass der Mensch als Zwischenmensch Mensch schlechthin sei, de facto menschliches Überleben zum lebenden Übermenschen verkehrt wird, an dem alle Menschen zu messen seien. Die Kritik der politischen Kultur bereitet den Begriff solch ideologisierter Selbsterkenntnis des Menschseins (siehe Kulturbegriff) dadurch auch als Wirklichkeit auf, dass sie diese als Form eines Wahrnehmungsprozesses aufzeigt, in welchem alle Wahrnehmungen sich in zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen Empfindungen und Gefühlen entzweien und verlieren, so dass sich die Menschen in ihren seelischen Regungen nur abstrakt wahrhaben und erkennen können. Von daher ist die Kritik der politischen Kultur jenseits der Ideologiekritik im Grunde eine Kritik der politischen Ästhetik, wie sie die Kulturkritik entwickelt. Die Kritik der politischen Kultur bezieht sich also nicht einfach auf kulturelle Ideologiebildungen, auf Gedankenabstraktionen, sondern auch ganz real (siehe Realabstraktionen) auf die politische Ästhetik der wahrgehabten Gegebenheiten, auf die Welt der Gefühle. Sie ist die Kritik an deren Privatform, am Raub ihrer Schönheit (siehe Einverleibung), der Vorherrschaft der Selbstgefühle. Sie richtet sich daher als Kritik der politischen Ästhetik besonders gegen die Privatformen gesellschaftlicher Wahrnehmung, gegen die Beherrschung menschlicher Geschichte, gegen reaktionäres Bewusstsein und die Mythologisierung menschenfeindlicher Lebensverhältnisse zu einer Überhöhung, zur Denaturierung und Deformation menschlicher Liebe als Selbstverliebtheit des personifizierten Menschen (siehe hierzu die Privatperson), als Selbstbehauptung menschlicher Natur (siehe hierzu auch Rassismus). Menschliche Selbsterkenntnis unterliegt in der politischen Ästhetik der Abstraktion, die ihrem Lebensverhältnis vorausgesetzt ist (siehe Dienstleistungsgesellschaft) und verbindet die Menschen alleine über Gefühle und Selbstgefühle (sobald sie nicht mit ihrem Geld und ihrer auf Geldbesitz gegründeten Existenz beschäftigt sind). Wahrnehmung ist damit als Elementarform all ihrer einzelnen Formen und Zustände (Empfindung, Gefühl, Selbstgefühl, Seele, Verrücktheit, Mode, Design usw.) die zweifelhafte Form menschlicher Erkenntnis, welche sich als bürgerliche Kultur ausbreitet (siehe Logik der Kultur) und darin auseinandergesetzt wird (siehe Kritik). Der ökonomische Wert der Kultur stellt sich in ihrem Verkehrswert dar. | s.a. siehe hierzu auch: | |
Die Kritik der politischen Ökonomie ist die Auseinandersetzung mit einer Ökonomie, die politisch handelt, die also nicht ist, wie sie als Wirtschaftsverhältnis der Bildung menschlichen Reichtums ist und was ihre notwendige Bewegung und Entwicklung durch die gesellschaftliche Arbeit ausmacht, sondern was in ihr politisch erwirkt wird, um sie an das zu binden, als was sie erscheint: Als Leistung privater Lebenstechnik. In der Ausführung ihrer wesentlichen Bewegung in der Entwicklung ihres Begriffs wird der Politik der Ökonomie entgegengetreten, deren Handeln die Rückbeziehung auf ihre Bestimmung will, die also die Unendlichkeit der Notwendungen, die Reaktion auf ihre immanente Not politisch gegen ihre wesentliche Geschichte stellt, durch welche ihre Not (die Unendlichkeit ihrer Wertbestimmung in der Unendlichkeit ihrer Krisen) wirklich aufgehoben wird. Kritik der politischen Ökonomie ist die Aufbereitung ihres Begriffs für die politisch handelnden Menschen, die hierdurch zu einem politischen Verhalten finden, durch das sie mit ihrem Gegenstand einig werden. Wenn Marx an den Anfang seines Buches der Kritik der politischen Ökonomie die Warensammlung stellt, in welcher "der Reichtum der Gesellschaften erscheint", in welchen "kapitalistische Produktionsweise herrscht" (MEW 23, S. 49), so macht er als erstes den Gegenstand der Kritik fest, die Warensammlung als Elementarform all ihren einzelnen Formen (Wertform, Geld, Kapital usw.), die als Form des Reichtums zweifelhaft ist (siehe Logik des Kapitals) und daher auseinandergesetzt wird (siehe Kritik). | s.a. Zur Kritik der politischen Ökonomie: | |
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Psychologie wird als Theorie allgemeinmenschlicher Subjektivität im Verhalten gegenständlicher Produktion zu einer Gesellschaftswissenschaft, die zugleich nur zu untersuchen hat, wie sich diese gesellschaftliche Tätigkeit in den Individuen nachvollzieht, sprich: widerspiegelt. Um die Vermittlung von Individuum und Gesellschaft als psychischen Akt herzustellen, führt Holzkamp die „bedeutungsbezogene Wahrnehmungsweise“ ein, welche durch eine „sachlogische Adäquanz der Tätigkeitsvollzüge“ (KH, S. 191) im Verhältnis zur Wahrnehmung entsteht. Hieraus entstünden „funktionale Systeme“ im Wahrnehmungsrozess, die „dispositionelle Voraussetzungen für die immer adäquatere Wahrnehmung von gegenständlichen Bedeutungen“ sind. So erreicht der Mensch seine „volle Gesellschaftlichkeit“ durch „ die individualgeschichtliche Reproduktion der historisch gewordenen, in den materiellen Produkten menschlicher Arbeit verkörperten gesellschaftlichen Erkenntnis- und Tätigkeitsmöglichkeiten des Menschen auf einer bestimmten geschichtliche Entwicklungsstufe“. Obwohl auf diese Weise schon zum Gewohnheitstier runtergemacht, wird „der Mensch“ zudem noch durch die Auswirkungen des Tauschwerts auf seine Wahrnehmung belästigt wohl vor allem deshalb, dass hier noch „kritische Psychologie“ entstehen kann. Die „Gegenstandsbedeutungen“ werden kommen nämlich auch noch Generalisierungen der Wahrnehmung hinzu, die sie zu „Dimensionen personaler Bedeutungsmomente“ bringen, welche „die interpersonale Wahrnehmung bestimmen“ (S. 197). Da in der „bürgerlichen Gesellschaftsstruktur“ ganz besondere „Gesellungseinheiten“ bestünden, kann man das Ganze nämlich jetzt mal durch die „Marxsche Kritik der politischen Ökonomie“ betrachten (S. 203). Und wo landen wir dann also? Natürlich dort, wo alle ihn finden, wenn sie ihn denn suchen: Im Warenfetischismus, der als Vorlage beliebigster Interpretationen für Geisteswissenschafter schon länger Gang und Gebe war (207). Und was lernen wir daraus? Dass die Wahrnehmung durch das Kapitalverhältnis „dimensioniert“ wird (233f). Der Warenfetischismus zieht sich wie eine Zauberformel durch alle kritischen Theorien, die ihre Kritik nicht im Verhältnis zu ihrem Gegenstand gefunden haben und sich von daher Anleihen bei einer vorhandenen Kritik der bürgerlichen Gesellschaft überhaupt nehmen, die hierbei allerdings zeugleich verkommt. Es scheint, als wüsste niemand mehr, dass die Marx’schen Aussagen zum Warenfetischismus aus der Analyse der Wertform kommen, worin die Geldform als Verkehrung der relativen Wertform reflektiert und in Analogie zu bürgerlichem Selbstverständis gebracht wird. Doch Wissenschaft sollte sich nicht durch Selbstverständnisse begründen. Sie muss ihren kritischen Verstand schon noch selbst entwickeln. „Kritische Praxis“ kann nicht in der Psychologisierung der Kritik der politischen Ökonomie entstehen, sondern in der Überführung der inneren Problematik der Menschen in eine äußere, damit das „unglückliche Bewusstsein zum Bewusstsein eines Unglücks“ (Marx) werde. Das bleibt die Grundlage menschlicher Emanzipation - und daran geht Holzkamp vollkommen vorbei. Er überträgt lediglich eine im Grund systemkonforme Wahrnehmungstheorie in eine bestehende Kritik der politischen Ökonomie, die darin selbst nur zu einer Aufklärung über die ganz objektivistisch gefassten Widersprüche einer bürgerlichen Gesellschaft verkommt, die sich darin nicht stören, nicht mal irritieren lassen wird. |
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Auf dieses Problem der Kritischen Theorie hat Adorno selbst hingewiesen: "Keine kritische Theorie ist im einzelnen auszuführen, die nicht das Einzelne überschätzte; aber ohne die Einzelheit wäre sie nichtig. Der Zusatz von Wahnhaftem dabei indessen warnt vor Überschreitungen, in denen es unaufhaltsam sich vergrößert." (Minima Moralia) | s.a.
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Kritizismus ist ein scheinbar kritisches Verhalten, das auf einer Entgegensetzung beruht, die für sich sinnlos ist, da sie den Sinn des Kritisierten nicht betrifft. Oft besteht Kritizismus aus Wortglauberei, also einer kritischen Ausformulierung von Sprache ohne Meinung. Dies entspricht ganz allgemein dem Prozess einer Sinnentleerung durch Sprache. |
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