| Buchstabe Mas | ||
Die Maschine ist ein Produktionsmittel, welches durch eigene Regeln und Algorithmen durch technische Abläufe (siehe Technologie) Naturkraft regelt und selbst unmittelbar anwendet und in dem Ausmaß die Aufwendung menschlicher Arbeitskraft unnötig werden lässt, wie dies die Form des Wirtschaftens zulässt. Unter kapitalistischen Bedingungen vergrößert sich mit dem Einsatz von Technologie in maschinellen Arbeitsabläufen die Selbständigkeit des konstanten Kapitals als organische Macht über das variable Kapital, welches die Reproduktion der Arbeitskraft darstellt. Die Wertmassen, welche darin und in der Technologie dargestellt sind, treiben sich mit der Entwicklung der Maschinerie immer weiter auseinander und wird zu einem Problem des Kapitals selbst, das seine Produkte zum einen über das variable Kapital absetzt, zum anderen Akkumulation für das Kapital nur solange sich wertmäßig rentiert, wie sie in der lebendigen Arbeitskraft eine Entsprechnung zu seiner Verfügungsmacht hat, solange also diese sich durch Technologie wertmäßig fortschreitend auspressen lässt. Besonders die selbtätigen Abläufe, in welchen von Robotern komplette Arbeitsabläufe übernommen werde, treiben den Widerspruch von kapitalistischer Wirtschaftsform und der Produktivkraft der Technologie hoch (siehe Automation). | s.a. Maschinerie im "Kapital" von Marx
| |
Masochismus ist eine selbständige Selbstgewissheit im Leiden, ein nach innen verkehrter Schmerz, der Identität außer sich erzwingt. Es ist ein Verhältnis zu Schmerzen, welches auf einer sinnlichen Nichtung beruht und durch Selbsterniedrigung oder Selbstverstümmelung oder durch Erduldung von Schmerzzufügung durch andere eine negative Identität stiftet (siehe auch Perversion). Es geht im Prinzip nicht wirklich um Schmerzen, sondern um das Erleben des eigenen Lebens durch Bedrängung oder Zerstörung der eigenen Wahrnehmung, um Selbstwahrnehmung durch Verletzung von Wahrnehmung oder ihren Organen (z.B. Selbstverstümmelung). Die aufgehobene Selbstgewissheit, welche den Masochismus antreibt, besteht zwar gegenwärtig als Verlust der Selbstvergegenwärtigung, wird aber von einer negative Identität betrieben, die hierin zu sich kommt, sich im Schmerz befriedigt, gleich, ob sie sinnlich oder auch nur im Gedächtnis besteht. Masochismus ist also die Notwendigkeit, Schmerz zu empfinden, um Identität zu haben. Er ist die Form, worin ein Leben in zwischenmenschlichen Beziehungen ertragen wird, deren Nichtigkeit (siehe Vernichtung) nicht wahrnehmbar ist und deshalb masochistisch wahrgehabt wird. Die Schmerzidentität wird daher zu einem notwendigen Erleben eines objektiven Gefühls, solange der Lebensraum dieser Beziehungen nicht kritisiert und verlassen werden kann. Da er eine Sinnverkehrung ist, wird er von der Psychologie als Perversion aufgefasst - doch Sinnverkehrungen gibt es eigentlich viele, die weit über den Verstand der Psychologie hinausgehen. | s.a.
| |
Masse ist die Vermengung von vielem, bestimmungsloses Zusammengehen unterschiedlichster Qualitäten zu einem Gemenge, das nichts Ganzes zum Inhalt hat. Im Unterschied zu einer Menge, worin Einzelheiten zusammenkommen, ohne ihre Form zu ändern, ist die Masse das Volumen einer Dichte (physikalisch: Masse = Dichte mal Volumen), die bestimmungslose Form alles Körperlichen an und für sich, das jede Formbestimmung annehmen kann. Überhaupt ist sie die Aufhäufung von Raum ohne bestimmten Sinn, aber doch voll anwesender Körper, reines Sein abstrakter Sinnlichkeit. Von einer Masse spricht man, wenn keine andere Bestimmung, also keinerlei Qualität erkennbar ist, welche die Besonderheit der Form der Körper bestimmt. Diese Qualitätslosigkeit hat zur einzigen Substanz in der Dichte anwesender Körper, ist also die Quantität von körperlicher Anwesenheit als Dichte schlechthin, abstrakte Körperlichkeit als Quantum - oder kurz: Die Quantität des abstrakt menschlichen Sinnes. Masse ist das Quantum, welches die Sinne in deren Raum haben. Und weil Raum als abstrakter Körper begriffen die Begriffssubstanz von abstrakt menschlicher Sinnlichkeit ausmacht, ist die Masse deren Größe als Quantum von anwesender Körperdichte, von identitätsloser Körperlichkeit. Masse ist also der Begriff für menschliche Identitätslosigkeit. Sie kann von da her auch magische Qualität bekommen. In der Masse bestehen alle Beziehungen nur durch Volumen, durch eine räumlich bestimmte Menge, deren Sinn allein auf der Dichte, der Anziehung gleichgeltender Körper beruht, - das sind Körper, die in ihrem Sein, ihrer Geschichte und Bildung gleichgültig füreinander sind und also hiervon absehen und als das gelten, was sie für die Wahrnehmung sind. Allein in der Form der Anwesenheit, in der Nähe und Ferne, insgesamt also in der Dichte der Körper haben sich unter dieser Bestimmung die Menschen wahr, nehmen sie die Wahrnehmung ein, die sie als Wahrheit füreinander haben (siehe Wahrhaben). Bewegungen haben in der Masse nur Sinn für sich, z.B. als Körper ohne bestimmtes Verlangen oder Ausrichtung außer der, auf sich zurückzukommen, sich für sich selbst zu vergegenwärtigen, sich selbst näher zu kommen, indem sie aller körperlichen Gegenwärtigkeit von Menschen näher kommen, sich selbst in Relation zur allgemeinen Körperlichkeit der Menschen wahrzuhaben. Eine Menschenmasse für sich ist eine allgemeine Selbstvergegenwärtigung ohne wirkliche Gegenwart, ein blößes Körperlichsein der Menschen als Mensch, Verkörperung abstrakter Menschlichkeit. Darin ist alle Selbstbestimmung aufgehoben und als Bestimmung abstrakter Menschlichkeit allgemein wahr. Diese bestimmt die Form der Masse, ist fombestimmend für das Zusammentreffen der Menschen darin. In einer derart bestimmten Menge von Menschen, ist keinerlei Bestimmung begreifbar außer der, Mensch in Masse zu sein (siehe Kulturbegriff). Ohne dies wäre ihr Zusammensein näher bestimmt als eine bestimmmte Beziehung auf einen Gegenstand oder ein Ereignis - z.B. als Zuschauer, Demonstrant, Schlangestehende usw.. Eine derart bestimmte Menge würde sich darin bemessen, wieweit der Sinn oder Zweck tragend für die eigene Anwesenheit ist. Jede bestimmte Menge kann aber in einem Augenblick, worin die Menschen von ihrer Masse selbst bewegt werden, zur Masse werden, die ihrern Sinn und Zweck verloren hat und die alleine durch ihre Körperfülle die Beziehung der Anwesenden ausmacht. Als Masse kehrt sich also eine Menge von Menschen um zu einer unbestimmten Menschenmenge, welche nur durch die Masse der Menschen bestimmt ist. Die Masse hat in dieser Bestimmungslosigkeit ihr Dasein alleine in einer an sich leeren Form, die für sich nicht sein kann, reine Anwesenheit im Raum ohne jede Zeit. Die Masse ist also zunächst nur eine ungeheuere Anhäufung von Anwesenheiten, die keinen Sinn für sich haben und hierdurch allgemein sinnlich bestimmt sind. Sie sind für jede Bewegung bereit, die durch die Masse selbst erst ihren Sinn erhält (z.B. Fluchtmasse, Unterwerfungsmasse). Der kann natürlich auch durch die Interpretation der Masse durch eine Kultfigur oder einen Führer gegeben werden (siehe z.B. Hellinger`s Familienaufstellungen in einer Masse von Zuschauern als Massenaufstellungen von Familie). Dem bürgerlichen Menschen, der seinen Reichtum in seiner isolierten Individualität und Selbstentfaltung bestätigt sieht, ist jede Masse solange zuwider, wie sie ihm nicht dienstbar ist. Die Ergebenheit als Masse aber ist ihm Kult, weil Kult die Geistesform der Masse als allgemeine Bestätigung der Gegebenheiten ist und ihrem Besitzstand Sicherheit verspricht. So scheidet sich in der Masse Widerstand und Ergebenheit als reine Bewegungsrichtung. Aber die Masse selbst versammelt erst dann eine Kraft, wenn sie notwendig wird. Deren Grund ist alleine die Dichte des Volumens, die ihren Sinn aus der Körperlichkeit der Dichte nimmt. Menschen wirken in der Masse aufeinander wie die Dichtebewegung von Körpern, die einen Sinn hat, der sich nicht als solcher, sondern nur rein körperlich, durch sein bloßes Dasein als Körper äußert. Deren wirklicher Sinn muss untergegangen sein, um solche Abstraktion zu ertragen; ihre seelische Isolation muss als ihr Schmerz vorausgegangen sein, dass ihre Notwendung zum Massenmenschen eingegangen wird. Die Masse wird für jede Identität zu einer Formbestimmung, wo sich diese bedroht fühlt und die Bedrohung aus irgendeinem Grund nicht erkennen kann (z.B. durch Identifikation mit dem Grund der Bedrohung). Sie erscheint dann als negative Kraft, als Kraft der Vernichtung, die meist auch zugleich positiv wahrgenommen wird (siehe Massenpsychologie), als Hort der Rettung - dies macht wesentlich den Verfolgungswahn aus. Die Phänomene der Masse, wie sie z.B. von Canetti beschrieben wurden (vergl. Canetti, Masse und Macht, Fischer 1980), begründen sich nicht aus den Individuen und auch nicht, wie Canetti vermuten lässt, aus der Masse selbst. Sie sind das Produkt einer zwischenmenschlichen Realabstraktion: Der Zwischenmensch als Menschenmasse. Masse ist kulturell das wichtigste suggestive Mittel der Macht, indem sie Menschen durch ihre eigene Masse formiert, ihnen ihr entgangenes Menschsein zu einer Macht im abstrakten Menschen macht, der sie sich hinwenden, wenn er als bestimmter Mensch, als Individuum mit anerkannten Masseneigenschaften erscheint (siehe Fan-Kult). In selber Weise können auch Politiker mächtig werden, wenn sie die Formen der Massensuggestion beherrschen und die einfache Meinung zu ihrer Wahl (siehe Wählermeinung) machtentscheiend ist (siehe bürgerliche Demokratie). Der Massemensch ist das prädestiniertes Objekt reaktionärer Politik und wird dort angesprochen durch Populismus und Massenpsychologie. Die Suggestivität der Masse ist allerdings keine urtümliche, quasi naturpsychologische Eigenschaft der Menschen, sondern setzt die Zersetzung wirklicher menschlicher Lebensverhältnisse vorraus. In Zeiten der kapitalistischen Krise kann sie daher eine ungeheuerliche Potenz entwickeln, besonders, weil sich sich die kulturelle Krise (siehe Kulturkonsum) gleichförmig hierzu entwickelt (siehe auch Vernichtungslogik). | s.a. | |
Massenkultur ist eine Kultur, die auf der Verdichtung von Sinnen zu einer kulturellen Masse beruht, welche als solche keinen Sinn hat. Die Voraussetzung einer Massenkultur ist die Aufhebung der Sinne, welche die Bedürfnisse der Menschen in einer bestimmten Kultur ausmachen, meist durch eine Krise, welche ihre gesellschaftliche Gegenständlichkeit aufhebt. | s.a. Sie hierzu auch Wolfram Pfreundschuh: | |
Massenmensch sind Menschen, die sich unter der Bestimmung ihrer Masse als Mensch verhalten, ausrichten und sich als Glieder einer Massenkultur bestätigen. Sinn und Zweck ihrer Bewegung ergibt sich aus der Masse selbst und aus der Massenpsyche, die sie bildet. Politisch wird dies im Populismus und in der politischen Propaganda zunutze gemacht. Die Nutzung allerdings setzt voraus, dass das Interesse der Masse, der Sinn der Vermassung schon in den Menschen besteht, dass sie ihre besondre Eigenschaft dem schon unterworfen haben, dass sie die Masse also als Allgemeinheit ihrer Gewohnheiten ansehen, z.B. auch als Automation ihres Lebensalltags. Vermassung hat ihren Sinn immer nur in Gedanken, Ereignissen, Ideen usw, die keinen anderen Sinn haben, als den, welchen ihre Vermassung alleine wirklich macht: den abstrakt menschlichen Sinn, den sie ausdrücken (siehe Kulturbegriff). So kehrt sich z.B. in einer Heilsvorstellung, die angesichts eines konkreten Unglücks entsteht, dieser sinnfällige Grund nur dann in solche Vorstellung um, wenn ein konkretes Handeln gegen das Unglück nicht möglich ist oder unmöglich erscheint. Unter der Bedingung des Massenmenschen ist die Verwirklichung einer Heilsvorstellung unmittelbar dadurch möglich, dass die Masse sich körperlich einem durch sie selbst bestimmten und durch sie verwirklichbar scheinenden Heilsversprechen zuwenden (siehe Volkskörper). Darin wird Masse mit einer unwirklichen Bestimmtheit versetzt, die über wirkliche Prozesse hinweggreift (siehe auch Vernichtungslogik). | ||
Massenpsyche entsteht nicht aus einer Masse von seelischen Absichten (siehe Massenpsychologie); sie ist ein für sich wirkliches Massenphänomene des Seelischen, das suggestive Macht bewirkt. Sie hat ihren Grund also nicht in der Aufmassung von menschlichen Eigenschaften, sondern in den Verhältnissen der Masse selbst, in ihrer Verdichtung von Anwesenheiten zu einem körperlichen Raum, zu einem Körperrraum. Sie begründen sich nicht aus der Masse als Aufsammlung, sondern durch die Abstraktion von Sinn durch die Masse abstrakter Sinnlichkeiten. Weil die Substanz dieser Abstraktion der reine Raum, die bloße Anwesenheit von Körper ist, ensteht die Massenseele (siehe Volksseele) unmittelbar körperlich als eine Absicht, welche die Masse bewegt - gleichgültig, wie sie sich dies begründet (damit soll natürlich nicht jeder Massenbewegung per se jeder wirkliche Grund abgespochen, sondern lediglich auf die Bestimmung seelischer Gründe hingewiesen werden). Die vereinigte und sich zugleich bedrängende Masse benötigt ein Zentrum, um welches sie sich bewegen kann. In ihr entsteht ein eigenes Massenwesen, an dem sich die Masse versammeln kann, sich ordnet und ausrichtet, ein Kult, in welchem sie ihren Ausdruck findet.. Nicht weil die einzelnen Menschen ihn aus sich nötig hätten, sondern weil sie sich in ihm aufheben können, weil er ihre Isolation wendet, weil er eine notwendige Bestimmung gegen ihre Isolation ist (siehe auch Fan-Kult). Eine Massenpsyche als solche gibt es nicht; aber eine Masse, die Menschen in Bewegung versetzt hat eine psychische Substanz, eine Absicht, die nicht als Absicht ist, die unbeabsichtigt sich ereignet: Es ist die Vermassung von Isolation in einem gegensinnigen Interesse zwischen einer Einheit als massenhafte Absicht und gemeiner Gegensinnigkeit der Körper, die in der Masse ästhetisch aufgelöst ist als ästhetischer Wille und körperliche Eintracht, als Massenbewegung (siehe auch Massenmensch). Es ist dies die Einheit einer massenhaften Widersprüchlichkeit menschlicher Isolation, die in der Masse aufgehoben ist, aber durch sie auch nicht wirklich aufgehoben werden kann. Es entstehen in diesem allgemeinen Isoliertsein eigene Phänomene der Macht, wie sie etwa Canetti in "Masse und Macht" beschreibt. Macht bekommt, was bewegt: was Richtung weist, Angst ableitet, Sehnsucht stillt und Flucht ermöglicht. Die Macht über die Masse ist nur in der Gegensinnigkeit der Menschen selbst zu verstehen, die sich in Masse bewegen. Jeder erlebt sich allgemein, sich als Teil einer Allgemeinheit, über die er sich zugleich erhebt. Er braucht sie als Mittel seiner Überhebung, wie er sich auch ihr unterwerfen muss, um ihr anzugehören - Nietzsches Übermensch verschleiert diesen Widerspruch zu einem Gegensatz der "Menschenrassen". Macht ist somit nur Ausdruck davon, dass Masse Selbstvermittlung auf höchster Ebene ist und von daher nur abstrakte Selbstbezogenheit befriedigt. In ihr erscheint das Selbst ursprünglich und allgemein zugleich. Massenpsychologie formuliert Macht und ist daher auch immer die Anwendung von allgemeiner Selbstbezogenheit, Vermittlung einer Ursprungssehnsucht an das allgemein isolierte Individuum - in, durch und gegen die Vermassung. Das ist ihr Bedürfnis und auch der Trick in ihrer Handhabung: Die Masse sehnt sich nach einem Führer, weil der Führer ihre Ursprungssehnsucht verkörpert und handhabt (siehe Hellinger), Wege und Welten kennt, worin Wahrheit ohne Welt sein soll (siehe Heidegger), Heil ohne Unheil. Und er ist nur solange Führer, wie ihm diese Trennung zur Wirklichkeit gelingt, also solange, wie er diese hierfür nutzen kann. Das hat wenig mit einem autoritären Charakter zu tun, viel aber mit dem Glauben, den abstrakte Verhältnisse nötig haben. | s.a. | |
Massenpsychologie geht davon aus, dass sich eine massenhafte Ansammlung psychischer Absichten zu einer Gemeinschaftspsyche aufbaut und so auch eine unmittelbare gesellschaftspolitische Bedeutung bekommen könnte. Zur Begründung von nationalistischen Massenbewegungen und des Faschismus - besonders des Nationalsozialismus - wurden psychische Phänomene hergenommen und entweder auf Masse verallgemeinert (Nationalsozialismus als "Massenpsychose") oder als Vermassung beschränkter Individuen begriffen (z.B. von Adorno als "Autoritärer Charakter" und von Wilhelm Reich als sexuelle Unterdrückung). Hierfür wurden vor allem psychonalytische Begriffskonstruktionen der psychischen Persönlichkeit zu einem Massenphänomen aufgebaut, das sich ganz im Widerspruch zu einer vernünftigen Bewältigung gesellschaftlicher Krisen entwickelt hätte und sich eine massenhafte Lustempfiundung ausbreiten würde, die zur Überflutung des Realitätsvermögens einer ganzen Gesellschaft führen würde. Das ist ein doppelter Trugschluss: Zum einen wird der gesellschaftlichen Krise eine allzeitig vernünftige Handhabbarkeit zugeordnet, die nur von seelischen Absichten durchbrochen würde, wie dies dem Geschichtsverständnis der Aufklärung entspricht. Zum anderen wird der einzelnen Persönlichkeit jegliche Begründung durch sich und ihre konkreten Lebensverhältnissen abgesprochen und ihr stattdessen ontologische Begründungen unterstellt (z.B. Trieb, Verdrängung, Verhaltensschemata, Archetypus). Seelische Begründungen bleiben immer selbst Abstraktion von dem, was sie erklären sollen: Wäre die Masse selbst als Seele denkbar, so könnte nur Religion und deren Erlebensformen ihre Erklärung sein. Wäre die Masse bloß angestiftet, so wäre sie einer Propaganda zum Opfer gefallen. Mit der Behauptung eines Wesens der Masse (siehe auch Massenmensch) wird sie zum Mythos, zu einer Ursprungskategorie, die aus ihr hervorscheint wie ein inneres Drängen, das die Masse an sich zur Gefahr macht. Mit solcher Denkart begibt man sich implizit oder explizit in bedenkliche Nähe zu reaktionärer Denkweise, die an der Beherrschung von Masse interessiert ist und die ein psychologisches Handwerkzeug zur Handhabbarkeit von Massenerscheinungen in Kultur und Psyche z.B. dadurch gewinnt, dass sie mit der Behauptung eines Archetypus als allgemeinmenschliches Wesen die Masse als dessen natürliche Erscheinungsform auffassen und behandeln kann (siehe hierzu auch C.G. Jung und Bert Hellinger). Im Grunde ist jede Verallgemeinerung, welche das Individuum mit einer menschlichen Konstante vermasst und diese Masse als Gesellschaft behauptet, schon völkisch, weil sie ein Volkswesen begriffen haben will, das über den wirklichen menschlichen Verhältnissen steht. Gesellschaft kann es nur in wirklichen menschlichen Verhältnissen geben als Beziehung von wirklichen Individuen in einem wirklichen gesellschaftlichen Grund (z.B. Arbeit, Kultur) mit gesellschaftlicher Gegenständlichkeit (z.B. Reichtum, Fortschritt). Allerdings gibt es in einem ganz anderen Sinn wie von der Massenpsychologie verstanden eine Massenpsyche, die mehr Aufmerksamkeit verdient, als sie in einer auf Individualisierung des Menschen bedachten Gesellschaft hat. |
s.a. |
|