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Nichts

Nichts ist nichts und Nichts ist alles, wenn es nicht ist. Das ist das Problem, das Problem mit der Substanz, die Frage, was ist substanziell. Nichts gibt es nicht, weil der Mensch sich selbst nicht als nicht seiend denken kann. Das ist der einfache Umkehrschluss von Descartes: Indem ich denke bin ich - also kann ich mich nicht als Nichts denken (siehe Sein). Nichts ist eine reine, also logische Spekulation, welche die Logik in sich reflektiert, die reine Form eines Gedankens, der sich selbst ausschließt. Von da her kann Nichts nur gedankliche Negation sein, zugleich alles in seinem Nicht-Sein unterstellt, wie Nichts, was in allem ist. Es kann also gleichermaßen ein Zuviel sein, das sich selbst aufhebt, sich nichtig setzt, weil es widersinnig ist, oder es es kann das aufgehobene Gedachte, das unendliche Implikat von allem sein, was nicht ist.

Für den wirklichen Menschen ist Nichts immer nur als Sein möglich, also vernichtend, nicht werdend: Wo etwas ist, kann nichts werden, wenn dieses nichts ist. Wo etwas nicht beantwortet wird, da geht es unter, weil kein anderes Wort (= Antwort) es in Beziehung hält, also Beziehung nicht ist. Nur in der Beziehung kann Sein zugleich nicht sein, weil Sein und Nichts überhaupt nur logische Formen der Bezogenheit sind. Wo jemand missachtet wird, ist er verachtet, wo ein Mensch nicht Mensch sein kann, da ist es unmenschlich (siehe auch Nihilismus). Indem sich dies zum Verhalten entscheidet, kann es nur die Zerstörung erbringen, der es sich entgegensetzt: Ein Mensch der seiner selbst durch Nichts gerecht wird, ist notwendig selbstgerecht. Als das hervorgekehrte Gute erzeugt er alles Andere zum Bösen, den Menschen als Unmensch. Aber er vernichtet sich selbst, wenn er Unmenschen zu vernichten glaubt (siehe Übermensch).

Die Hervorkehrung von etwas aus dem Nichts verläuft in der Substanz einer Abstraktion: Wo von etwas abgesehen wird, was ohne Wesen ist, erscheint das, wovon abgesehen ist, als Wesen einer Abstraktion, als Unwesen, das alles bestimmt. Wo von Wesentlichem abgesehen wird, erscheint es reduziert auf ein Dasein für dieses Unwesen: Es ist für sich nicht ganz wesentlich, also kein Ganzes. Und weil die Summe der Teile längst kein Ganzes ist, ist dieses auch wesentlich verschwunden in der ganzen Abstraktion, in der Substanz des Abstraktseins (siehe Begriffssubstanz). Mag dies bei einer Gedankenabstraktion nur ideelle Folgen haben, so ist dies bei einer Realabstraktion unmittelbar wirksam (siehe Nichtung), weil es eine ganze Beschränkung von Vermittlung auf ihre Abstraktion hin ist (siehe Vernichtungslogik).

s.a.

=> Sein

=> Hegel

Nichtung

Nichtung ist Vernichtung ohne Subjekt, der objektive Prozess einer Selbstauflösung, die Entleibung von Wahrnehmung durch eine absolut gewordene Entsinnlichung. Es ist der in sich selbst prozessierene Zustand der Empfindungslosigkeit, ein subjektiver Zirkel in der Isolation von allem, was aufeinenader bezogen ist, ein Zirkel (schlechte Negation), in welchem keine subjektiven Vernichtungsinteressen bestehen, aber die Beziehung sich nichtet, die sich darin unendlich vollzieht (siehe Depression). Nichtung erscheint dann selbst wie eine Absicht, die aber selbst nur der Notwendigkeit einer negativen Identität folgt. Diese hat die Bestimmung eines objektiv negierten Subjekts nötig (siehe hierzu Selbstverkehrung). Diese resultiert aus einer übersinnlichen Position, einer Position, die keinen Sinn hat, und dennoch nicht abgewiesen oder kritisiert werden kann, weil sie notwendige abstrakte Beziehungen vermittelt.

s.a.

=> Vernichtung

=> Vernichtungslogik

Nietzsche, Friedrich

Nietzsches Philosophie wendet sich gegen die Metaphysik, namentlich der christlichen Religion, wie auch gegen die Aufklärung. Erstre hält er für "die größte Lüge der Menschheit", letztre für ein "Gebälk von Begriffen". Menschliches Leben gründe nicht wesentlich auf gegenständlicher Lebensäußerung, Gesellschaft, Arbeit und Bedürfnissen, sondern auf dem Willen, der sich gegen die im Menschen angelegte Naturgewalt der Selbstzerstörung richte. Würden sie ihrem tieferen Sinn folgen, so wären sie für sich selbst nur Barbaren. Lediglich ihr Instinkt, jene Urform des Willens bewahre sie davor.

"Wer tief in die Welt gesehen hat, errät wohl, welche Weisheit darin liegt, dass die Menschen oberflächlich sind. Es ist ihr erhaltener Instinkt, der sie lehrt, flüchtig, leicht und falsch zu sein” (Nietzsche "Jenseits von Gut und Böse”, WW IV, S. 620).

Menschen seien daher zuallererst Tiere, die einer Zügelung bedürften, die nicht praktisch, theoretisch, gesellschaftlich, also kulturell in ihnen selbst als Resultat ihrer gesellschaftlichen Naturgeschichte (Erlautup1a2a) entwickelt ist, sondern durch eine Macht ihnen "eingebrannt" werden müsse, ein Gedächtnis, das sie nicht so sein lässt, wie es ihre Triebe und Begierden von ihrer Natur her verlangen.

"Wie macht man dem Menschen-Tiere ein Gedächtnis? Wie prägt man diesem teils stumpfen, teils faseligen Augenblicks-Verstande, dieser leibhaften Vergeßlichkeit etwas so ein, daß es gegenwärtig bleibt? ... Man brennt etwas ein, damit es im Gedächtnis bleibt: nur was nicht aufhört, wehzutun, bleibt im Gedächtnis – das ist ein Hauptsatz aus der allerältesten (leider auch allerlängsten) Psychologie auf Erden. ... Es ging niemals ohne Blut, Martern, Opfer ab, wenn der Mensch es nötig hielt, sich ein Gedächtnis zu machen” (Nietzsche: Genealogie, WW IV, S. 802f).

Die Entwicklung der Menschheit sei nur durch einen Willen erklärlich, der sich über die Niedertracht der menschlichen Natur stellt - auch, indem er Gewalt hiergegen setzt. Er selbst sei unmittelbar sinnliche Notwendigkeit des Begehrens:

"Der Mensch sucht nicht Lust und vermeidet nicht Unlust (...) Lust und Unlust sind bloße Folge, bloße Begleiterscheinung - was der Mensch will, was jeder kleinste Teil eines lebenden Organismus will, das ist ein Plus von Macht. ... Die Unlust, als Hemmung seines Willens zur Macht, ist also ein normales Faktum, das normale Ingrediens jedes organischen Geschehens; der Mensch weicht ihr nicht aus, er hat sie vielmehr fortwährend nötig: jeder Sieg, jedes Lustgefühl, jedes Geschehen setzt einen überwundenen Widerstand voraus". (WW VI, Nachlass, S. 712).

Damit sei ein Gegensatz in der Menschheitsgeschichte quasi natürlich ausgemacht, der sich zwischen Herrenrasse und Sklavenmenschen austrägt und die Geschichtsepochen ausfüllt, die Herren dekant werden lässt, und die Sklaven zu Herren macht. Das Prinzip sei letztlich das Übermenschliche schlechthin, das sich darin durchsetzt, der Übermensch, der alleine seine Welt gestaltet.

Die bleibende Aktualität Nietzsches liegt an seiner antibürgerlichen Radikalität als Nihilist, die besonders in Krisenzeiten der bürgerlichen Gesellschaft belebt wird. Einerseits verleiht er ihr eine unmittelbare Sinnlichkeit, die auch in weiten Kreisen der Kunst und Philosophie gerne aufgenommen wird, andererseits bedrängt er die verkrustete und lebensfremde Begrifflichkeit des aufgeklärten Bürgertums. Dessen Vernunft hat er wesentlich kritisiert und in eine unmittelbare Lebenspraxis als eine Art philosophische Psychologie versetzt (siehe hierzu auch Psychoanalyse, Seele, Gedächtnis). Philosophisches Denken wird ihm zu einem unendlichen Selbsterkenntnisprozess des Menschen zwischen seiner wilden Urtümlichkeit (s.a. Trieb) und den geistigen Mächten, die ihn zu einer übermenschlichen Disposition bringen.

Die Vorstellung einer unverwirklichten Gegenwart des Menschen hat äußerlich eine scheinbare Ähnlichkeit mit marxistischer Entfremdungstheorie und ihrer Dialektik (vergl. hierzu Türcke, "Der tolle Mensch"). Sie will daraus aber nicht die Beschränkung des geschichtlich vorhandenen Lebens erschließen, sondern den Menschen zum subjektiven Hort seiner notwendigen Beschränktheit, zu einem Prinzip der Selbstbeschränkung durch innere Antagonisten (z.B. Trieb und Ästhetik, Sklavenmensch und Herrenrasse) machen. Die Überwindung der Aufklärung sieht Nietzsche im Fortbestehen einer Genealogie, die ihre geistesgeschichtliche Substanz permanent bezweifelt und sich wesentlich unweltlich in einer eher nominalistischen Typologie des Verstandes fortbestimmt. So wird ihm der philosophischen Zweifel an der Welt zum Schmerz und zum Prinzip und auch zur Position gegen alle Formationen der Wirklichkeit und ihrer Macht.

Bis heute hat dieses Lebensverständnis sein Echo in vielen praktischen Theorieansätzen von rechts bis links (z.B. Leo Strauss, Heidegger, Horkheimer, Foucault, Sloterdijk). Wird dort auch sein Werk oft umgedeutet, seine Theorie der Macht als Erkenntnis von Ohnmacht empfunden (oder umgekehrt), so geschieht in der Kritik der Macht dasselbe wie in der Macht der Kritik: Es bleibt beim Streit um die Macht, also beim Machtkampf, der bei Nietzsche zugleich ein Willensentscheid sein soll. Der Antagonismus fügt sich positiv formuliert zu dem, was Nietzsches Denken von Anfang an in der Tragödie seiner antigöttlichen Gotteskindschaft enthielt, auch wenn er es erst später hervorkehrte: Der Mensch ohne Gott hat die Notwendigkeit, sich selbst zu ermächtigen, gegen die Macht Gottes zunächst ohnmächtig, dann durch die Entdeckung eigenen Strebens im Machtstreben sein Leben zu gewinnen. Wille wird so zur ontologischen Lebensbehauptung und Macht seine geschichtliche Notwendigkeit und Erfüllung. Nietzsche hatte das sophistische Kunststück eines Intellektuellen zustande gebracht, in der Gegebenheit des Willens durch die Verfügung über gesellschaftliche Macht, den Willen zur Macht als seinen Lebensausdruck aufzustellen, sein Äußerstes als sein Innerstes begreifen zu wollen Erlautup2b2a2. Was Marx noch als Gegensatz der Wirklichkeit untersuchte als Positionen des Rechts und seiner Begründung, also als gegensätzliche Rechtsgrundlagen Mehrup4a1a1, ist bei Nietzsche subjektiv als Lebensquelle allen Rechts ein permanenter Kampf um den mächtigen Willen.

Als widersprüchlicher Theoretiker des Willens, des Strebens zur Macht und des Übermenschlichen wurde Nietzsches Philosophie zur Begründung einer Theorie des Grauens. Diese Begründung bestand in der Behauptung einer Unauflösbarkeit des menschlichen Widersinns von ungezügelter Wildheit und der Sucht zur Selbstzerfleischung. Hiergegen sei der Seele ein Gedächtnis "einzubrennen", das unmittelbare Erfahrung zu überbrücken versteht. Durch die Vorstellung einer Elite, welche dies zur Aufgabe haben soll, wurde Nietzsches Philosophie zur Gesinnung des Nationalsozialismus Mehrup4a1a, der diesen Elitegedanken politisch umsetzen wollte. Seine Vorstellungen von einer Herrenrasse, die sowohl urtümlich wie auch kultiviert und als Welt herrschaftlicher, elitärer Ästhetik nach Verwirklichung strebt, prägte das Bild faschistischen Selbstverständnisses besonders in seiner deutschen Ausprägung sowohl begründet wie auch entwickelt hat. Vielleicht war es ein Missbrauch der empfindsamen Momente seiner Intention, eine Formalisierung seiner Antagonisten, aber ein "Missverständnis" war das nicht.

Nietzsches Kunst ist die Brillanz seiner Sprache und sein Vorstellungsvermögen; seine Philosophie ist die eine Kulturkampfes zwischen Horde und Herrschaft. Darin geht es ihm um eine Wahrheit, die unter aller Wirklichkeit und zugleich über ihr ist. Diese geriet ihm zum Zynismus gegen die Widersprüche der Menschen selbst, zum Herrschaftsbewusstsein der Bohème, das mit der Kritik am Glauben zugleich die subjektive Kraft jeder gesellschaftlichen Veränderung zerstört: Die Menschenliebe. Die Kritik der Täuschung muss die Ent-Täuschung in der Erkenntnis überstehen, dass sie selbst nicht wahrer ist als sie.

Nietzsche fasziniert vor allem durch seine Dichtung, welche für ihn zugleich Philosophie war. Das aber macht auch das Problem: Kann dem Philosophen recht sein, was dem Dichter heilig ist? Wo der Dichter in seiner Verdichtung konkreter und abstrakter zugleich nicht sein kann, erhellt er den Geist als Lebensfunke, der eigentümliche Nähe hat. Philosophie verlangt Entfernung, fast Abwesenheit. Das Feuerwerk, welches die Vereinigung von Dichtung und Philosophie ausmacht ist gefährlich und kann leicht zum Großfeuer werden: Es war nicht zufällig, dass Nietzsches Denken in Mode war, als sich diese ungeheuerliche Unmittelbarkeit des Rassenwahns, dieses über alles stehende Prinzip der Reinheit und Klarheit der intellektuellen Nazis entwickelte. Natürlich kann Nietzsche hierfür keine "Schuld" treffen, so, als hätte er das ausgelöst oder als wäre es ohne ihn nicht entstanden. Aber eine Ähnlichkeit seiner Dekadenz- und Führungstheorie und jene der Nazis ist nicht zu übersehen. Und die fantastischen Rassen seiner Dichtung hat er ohne Umstände in seine Philosophie wie ein ewig gültiges Geschichtsprinzip des Übermenschen übernommen. Es gab für ihn da gar keinen Unterschied. Er sah den Führer kommen und ersehnte ihn schon viele Jahrzehnte vor seinem Erscheinen, wo noch kein Mensch wusste, was dies bedeuten sollte - und es war nicht Nietzsches Wahn, sondern die Konsequenz seiner philosophischen Dichtung als eine bis zur Unkenntlichkeit verdichtete Philosophie. Es scheint, als sei er in seine eigene Falle gefallen, als er seine letzten Werke schrieb. Dichtung und Philosophie sind wohl die Extreme der Erkenntnis, die ihre Vermittlung finden müssen, die er ausgeschlossen haben wollte.

Nietzsches Wirkung steckt wohl in der Faszination, welche die unmittelbare Identität individuellen Denkens haben kann, wenn es sich als Allgemeingedanke des Menschseins denkend und fühlend zugleich vorstellt. Nietzsche ist Dichter und Denker in einem, der wunderbare Gleichnisse als Basis umfassender philosophischer Gedanken darzulegen versteht. Allerdings wird solches Denken nur dadurch radikal, weil es ohne einen Begriff von Existenz, also ohne die Erkenntnis der Wirkung von formalisierten Lebensbedingungen (siehe Formbestimmung), ohne Wirklichkeit überhaupt auskommt. Von daher wendet sich Nietzsche als psychologischer Zyniker, als der er sich selbst begreift, nur an die Menschen selbst, die er zugleich ob ihrer Bedürftigkeit verachtet.

Dies befriedigt die Selbsterregung sich unabhängig dünkender Intellektualität, die sich nur als Stachel - letztlich als Vernichtungswille - gegen die Menschen wendet, welche die gesellschaftlichen Grundlagen schaffen. Dies ist Nietzsche nicht nur bewusst, er will es auch so (die Macht des Willens). Mit solchem Stachel der konsequenten Notwendigkeit kann sich bis heute noch jeder Intellekt mit einem Sinn füllen, den er für sich nicht hat und vielleicht auch deshalb nicht mehr zu Ende denkt, weil er wirklich hiervon getrennt lebt. Die letztliche Beliebigkeit dieses Denkens bringt jeden Gedanken - besonders in der Form von Aphorismen - zu vielfältigen Sophismen. So wird Reflektion schnell zu einer Gesinnung, die sich als Gedanke gibt. Sie hat Nietzsche nötig, um an der Scharlatanerie unendlicher Seinsvergessenheit (Heidegger) teilzunehmen.

s.a.

=> Zynismus

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Nihilismus

Der Nihilismus hat zweierlei Denkbarkeiten: Als Kritik von Bewertung steht er zum Sein positiv, als Kritik der Welt negativ. "Nihil est" heißt also einmal, dass sich nichts einfach nur behaupten kann, zu sein, also unendlich zu sein, und ein andermal meint es, Nichts ist außer mir. Nihilismus ist doppelbödig (siehe Nietzsche).

s.a.

=> Nichts

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Nominalismus

Der Nominalismus bestreitet die Abstraktion von Begrifflichkeit, also das Denken in Abstraktion und von Abstraktion, nicht nur von Gedankenabstraktion (z.B. Idee), sondern auch von Realabstraktion. In der Begründung von Berkley wird solches Denken als in sich selbst falsches, abgehobenes Denken angesehen, das per se schon ideologisch sei. Es sei ein Wegdenken, das eine psychologische Eigenschaft der Seinsverfälschung an den Gegenstand des Denkens bindet. Wenn Wahrnehmungen in ihrer Einzelheit nicht auch in allgemeinen Begriffen des Denkens rekapituliert sind (man denke immer auch an bestimmte Bäume, wenn man an Bäume denkt), so hätten Begriffe auch keine gedankliche Qualität. Das Übel der Philosophie seien ihre Denkschulen und Denksysteme, die sich einem unvereingenommenen Empirismus quasi psychologisch vorlagern. Für Berkley waren Systeme des Denkens per se zweifelhaft und ideologisch, schon bevor sie ausweisen konnten, dass das Gedachte selbst System hat, das im Begriff als Ganzes erkannt sein muss. Jede Abstraktion, die kein Bild als Vorstellung vom Gegenstand enthält, jeder Hintersinn, der nicht bildhaft wahrnehmbar ist, wird so per se zur Mythologie des Denkers, zu seinem psychologischen Irrtum.

Das platte "auf der Hand liegen" des Gedankens hebt allerdings den Unterschied von Wesen und Erscheinung, überhaupt den Begriff einer logischen Ganzheit auf. Was dann übrigbleibt vom "Denken" ist die Rekapitulation der Wahrnehmung von Gegebenheiten, die lediglich in "Korrelationen" ihrer Allgemeinheit erfasst wird, die nur in ihrer raum-zeitlichen Nähe, in körperlich und geschichtlich unmittelbaren Relationen Begriffe bildet. In dieser Grundlegung wird Positivismus zur Falle des Faktischen, da er das Fakt zum Maßstab des Denkens macht (siehe Positivismusstreit). Das Denken kann das Fakt nicht mehr bezweifeln und das Fakt kann auch nicht zweifelhaft sein. Das ist die Denkschule des Nominalismus, der sich gegen jede Denkschule wendet: Das absolute Denkverbot. In diesem nominalistischen Zirkel begeht Denken seine Selbstabschaffung: Denken kann nur sich selbst bezweifeln. Was aber wäre dann Zweifel, wenn er nicht Gedanke werden kann?

Nominalismus kann es allerdings auch in einer heute weit verbreiteten Verkehrung geben, in der die Wahrnehmung selbst begrifflich verstanden wird, indem also mit Begriffen Wahrnehmungen zusammengefasst sind, bevor sie wirklich erfasst werden - als Subsumtion von Wahrnehmungen unter einem Begriff, der weder Idee, noch gedachte Abstraktion ist, sondern den Gegebenheiten lediglich politische Implikationen zuweist. Hierbei wird der Begriff selbst nominell entleert, weil er sich nicht im Denken von Wirklichkeit zurückvermitteln und bewahrheiten lässt. Man könnte dies einen politischen Nominalismus nennen, was kennzeichnet, dass es sich hierbei um eine politisch negierte Ideologie, also um absolut politische Ideologie handelt. Diese ist vor allem Grundlage des esoterischen Denkens und des Rassismus.

s.a.

=> Politischer Nominalismus

Normalität

Normalität ist der gesellschaftliche Durchschnitt einer Bewertung, also eine im Wertmaß quantifizierte Reduktion der darin definierten Qualität (z.B. Schönheit, Gesundheit, Treue, Kriminalität usw.). Normalität ist daher immer ein Wert, an dem relativiert und gemessen wird. Die macht seine Begriffsubstanz, die keinen Sinn für sich macht, zu einer absoluten Substanz, die auch keinen Snn haben muss, weil sie sich selbst nur aus einer Idealität des Gewohnten ergibt, in aller Regel eine Ideologie ist. Normal ist das Quantum des Gegebenen, in welchem es idealisiert und zugleich gewöhnlich erscheint (z.B. Gesundheit als Maß der Funktionalität eines Menschen). Normal ist, was die Menschen sein müssen, damit die Welt sein und bleiben kann, was sie ist, Fixation der Geschichte auf das Sosein des Daseins, subjektiv erfüllt von allen Notwendigkeiten der Objektivität, gebeugt im objektiven Sollen der Sache, dem Schein des Lebens, das seinen Tod nicht erkennt.

s.a.

=> Krankheit

=> Gewohnheit

Not

Not ist Lebensbedrängnis, die unabdingbar und unabweisbar ist und Not wendendes Handeln erfordert. Die Notwendigkeit kann darin nicht äußerlich sein, nicht auf Beseitigung von Umständen abzielen, da sie als Bedrängnis im Leben selbst ist. Als Lebensinhalt ist Not ein notwendiges menschliches Verlangen, ein Bedürfnis, die Welt zu gestalten und darin das Leben als eigene Lebensäußerung zu genießen. In der Not ist der Mensch Subjekt seines Leidens, das ihn tätig sein lässt. In der ihm notwendigen Tätigkeit äußert er sein Wesen nötig und also leidenschaftlich.

Not muss zuerst ohne Notwendigkeit gedacht werden, unmittelbar und direkt. Wird Notwendigkeit nur objektiv gedacht wie eine sachliche Gegebenheit, die erfüllt sein muss, so wird der Mensch gerade dort, wo er wesentlich subjektiv betroffen ist, zum Objekt der Gegebenheiten und lebt dies als seinen Schmerz, nicht sein zu können, wie er ist. Die als notwendiges Fakt anerkannt, macht Notwendigkeit zu einer Bürgerweisheit, die unendlich gegen die Menschen gerichtet werden kann. "Was nötig ist, das fügt sich." Das ist der Zynismus der Logik, menschliche Not als Notwendigkeit auszugeben, die erzwungen ist, und auch so sein muss. Es ist das Ende menschlicher Selbstachtung und menschlichen Denkens, wenn Menschen ihre wirkliche Wesensnot, ihre wesentlichen Notwendigkeiten nicht mehr erkennen.

s.a.

=> Notwendigkeit

notwendiger Schein

Der notwendige Schein setzt ein Verhältnis voraus, das notwendig anders erscheint, als es in seinem Wesen ist. Das Sein dieses Verhältnisses und das Dasein, als das es erscheint, stehen umgekehrt zueinander, wenn und weil das Dasein seinem Wesen entfremdet ist, von ihm abstrahieren muss, um zu sein. Ein konkretes Dasein, das sich allgemein nur abstrakt verhalten kann, erscheint in der Abstraktion notwendig als anderes Sein, als das, was es wesentlich nicht ist, aber worin es sein Wesen hat, worin es also seine Wesensnot gewendet hat. Die Wirklichkeit eines solchen Verhältnisses ist aus einem unwirklichen Wesen begründet und bestimmt sich als etwas fort (siehe Bestimmung), das einen fremden Grund hat.

So hatte z.B. Marx den Warenfetischismus als notwendigen Schein der bürgerlichen Verhältnisse Systemup dargelegt und aus dem Tausch der Waren und der Verkehrung ihres Verhältnisses in das Geld, worin es erscheint, das Wesen ihrer Gesellschaft in ihrer Abstraktion (siehe Wert) erschlossen. Da im Geld alleine das gesellschaftliche Wesen des Verhältnisses abstrakt erscheint, ist es auch nur im Geld wirklich da. Im Dasein des Geldes erscheint die Gesellschaftlichkeit des Verhältnisses der Warenbesitzer, die sie im Tausch ihrer Sachen eingehen und daher Geld als gesellschaftliche Sache entwickeln, die es ja auch wirklich ist, solange von wirklicher Gesellschaft konkret abgesehen wird. Die Not, die sie im Warentausch ohne Geld gesellschaftlich als Warenhüter hatten, das unendliche Vergleichen ihrer Sachen, um sie zu tauschen, ist darin gewendet, dass Geld zu einer wirklichen Sache geworden ist, worin Gesellschaft notwendig erscheint. Der Warenfetischismus ist das subjektive Verhalten, das die Menschen zum notwendigen Schein ihrer Verhältnisse eingehen, solange sie nicht selbst ihre wirkliche Gesellschaft erzeugen. In ihrem praktischen Bewusstsein sind sie darin befangen, soweit ihnen nicht die Freiheit des Bewusstseins als theoretisches Bewusstsein gegenwärtig geworden ist. Dies allein kann die menschliche Not der Notwendigkeiten begreifen, indem es deren Begriff herausstellt, so dass das Handeln der Menschen in ihrem Objektsein subjektiv werden kann, sich gegen den Schein des Daseins durch Beziehung auf das darin erscheinende Sein wendet. Hierin wird Gesellschaft dort gebildet, wo sie entschwindet, wenn ihr Wesen begriffen ist: Im Handel mit dem Besitz an Waren, z.B. Arbeitskraft, Lebensmittel, die als Eigentum gesellschaftlich tätiger Menschen auch gesellschaftlich in ihrer Eigentümlichkeit verwirklicht werden.

s.a.

=> Schein

=> Notwendigkeit

Systemup Warenfetischismus

Notwendigkeit

Eine Notwendigkeit ist das Gegenteil einer Möglichkeit, also die unzweifelhafte Bedingtheit eines Handelns. Der Begriff beschreibt die Wendung einer Not, also die nötige Erfordernis der Negation ihrer Bestimmtheit. Not-wendiges erfolgt aus dem Mangel, der im Begriff einer Bedingung inbegriffen ist, ein Sollen, das seine Begriffssubstanz logisch zur Abwendung ihrer immanenten Not verlangt. Es ist die Logik des Begriffs, dem notwendig etwas folgen muss. Diese steht der Freiheit des Denkens und der Gedanken solange entgegen, wie es Verhältnisse gibt, worin sich Logik selbständig entfaltet, worin also menschliches Leben nicht vollständig konkret ausgebreitet ist, das Notwendige also überhaupt das einzig Wirkliche ist (vergleiche z.B. den Arbeitsbegriff zwischen Freiheit und Notwendigkeit). Eine Notwendigkeit kann nicht überhistorisch bestehen, sondern lediglich als Moment einer Geschichte, worin Reichtum zugleich Not erzeugt. Ein Aufwand, der einem Zweck immanent ist, kann nur im Prozess seiner Verwirklichung stehen, also nötiger Aufwand für einen Zweck sein, nicht aber für sich notwendig (z.B. Arbeit als Aufwendung zur Erzeugung von Reichtum im Unterschied zu einer Arbeit, welche alleine dessen Formbestimmung bedient, also von einer Notwendigkeit zur anderen gerät,ohne den arbeitenden Menschen wirklich reich zu machen)

Von daher macht die Notwendigkeit die Basis einer Geschichte aus, die sich von ihrer Zufälligkeit unterscheidet. Es liegt ganz in dem, was hiervon begriffen und zu tun ist. Der Zufall bleibt solange das Unvermittelte, Unnötige, solange er keinen Sinn zeigt. Die Frage, in wieweit etwas aus Zufall oder Notwendigkeit besteht, hängt damit sehr von der geschichtlichen Bezugnahme des Begreifens ab (siehe historischer Materialismus).

Im logischen Begriff besteht das Urteil darüber, was notwendig ist, als ein immanentes Sollen, das Veränderung sucht. In den Möglichkeit ihrer Gegenstände ist das Anderssein substanziell, das im Sollen bestimmt ist. Notwendiges lässt sich daher nicht aufhalten, wo es Substanz findet, denn andernfalls zergeht es in einer Zerstörung seines Ursprungs.

Der Begriff Notwendigkeit ist subjektiv wie objektiv zu verstehen. Von daher ist die Notwendigkeit von Kritik, diesen Unterschied zu formulieren. Eine Theorie, welche Kritik ist, beweist die Verkehrung von subjektiver Notwendigkeit in Objektivität und die objektive Notwendigkeit als fremde Subjektivität, als Schmerz der Bedürfnislosigkeit. Objektiv ist die Notwendigkeit eine Wendung innerhalb der Gegebenheiten, Wendung sachlich erzeugter Nöte darin. Subjektiv ist sie die notwendige Freiheit des Subjekts, seinem Verlangen zu folgen, indem es in ihm auch die "Einsicht in die Notwendigkeit" (Hegel) gewinnt und verwirklicht.

Notwendigkeit ist subjektiv ein Not wendendes Verlangen im Bedürfnis, die eigene Not zu wenden. Alle Arbeit gründet auf dieser Notwendigkeit und erzeugt zugleich, was dieser Not inbegriffen ist und über sie zugleich hinausgeht: Reichtum. Im Bedürfnis als notwendiges Verlangen ist die Arbeit als notwendige Lebensäußerung inbegriffen, welche zugleich menschliche Geschichte ausmacht - nicht in ihrer gesellschaftlichen Form, sondern ihrem Inhalt nach als Kultur. Die Notwendigkeit der Arbeit enspringt seinem notwendigen Verlangen nach seiner Verweltlichung, seiner Vergegenständlichung als Menschj, als Subjekt seiner Geschichte. Darin äußert sich menschliche Subjektivität wesentlich und wendet zugleich menschliche Fähigkeit zu seinem Glück. Wo er sich äußert, hat er zugleich seinen Reichtum als Basis seiner Geschichte, seiner Selbstbildung außer sich. Notwendig ist hier subjektiv, was objektiv Geschichte macht und Geschichte hat. Objektive Notwendigkeit kann daher nur subjektiv wahr sein. Solange mir Notwendigkeit als die Wendung meiner Not selbstverständlich ist, bin ich tätig in meiner Not zu meinem Glück.

In der bürgerlichen Gesellschaft wird aber Notwendigkeit nur objektiv und für sich begriffen, als Fakt, das mich in meinem Handeln bestimmt, weil ich ihm notwendig folgen muss, um existieren zu können. Notwendig ist hier die Fortbestimmung einer Not zu einer Wendigkeit, mit welcher sie fortwährend negiert ist, Übergang in ein anderes Sein, in welchem sie aufgehoben ist, ohne wirkungslos zu sein. Wo ich mich meiner eigenen Not äußerlich verstehe, wo mir die Notwendigkeiten der gesellschaftlichen Verhältnisse selbstverständlich sind, da setze ich mir meine Not äußerlich und bin die Not, die ich zu wenden habe, bin Objekt meiner Subjektivität, Verlangen und Aufhebung dieses Verlangens in einem. Wird Notwendigkeit als Fakt, als selbstverständliche Tatsache, als äußere Gegebenheit und Bedingung anerkannt, so kann das Bewusstsein hierüber nur den Menschen beugen. Es ist ein objektives Bewusstsein, ein Wissen um leere Objektivität, die für den Menschen nichts anderes sein kann, als er für sie sein muss. Ein Denken, das Notwendigkeit als Fakt anerkennt, ist kein Denken, das überhaupt geschichtlich und materiell existieren kann, weil es sich selbst nicht entschließen kann, als Gedanke in der Welt zu sein. Es ist reines Wahrnehmen.

Die dialektische Methode weiß ihre Reflektion als den notwendigen Übergang des einen Seins über seine Negation (Nichtsein) als Anderssein, das erst für sich wirklich sein kann, wenn es sich bewährt als ein Wesen, das an und für sich weder das eine, noch das andere, aber beides in der Aufhebung ist und es bewahrt. Die Notwendigkeit erscheint daher als unmittelbar nötiges Fakt, das keine Vermittlung mehr enthält und sich so als natürliche Notwendigkeit, als unwandelbare Naturbedingung geben kann (s.z.B. Warenfetischismus).

s.a.

=> notwendiger Schein

=> Zufall

=> Möglichkeit

zitatup5i3 Freiheit und Notwendigkeit
zitatup5g
Bedürfnis und Reichtum

Nutzen

Nutzen ist ein Vorteil, der aus den Eigenschaften einer Sache oder einem Verhältnis von dem gewonnen wird, der darüber verfügen kann. Was mir nutzt, das hilft mir weiter - ohne dass ich dabei auf irgend etwas bezogen bin. Im Nutzen ist mir der Gegenstand des Nützlichen in sich vollständig gleichgültig, weil unwesentlich (siehe Nützlichkeit). Was er für sich ist, was er als "ganzes vieler Eigenschaften" (Hegel) ist, das ist mir gleich, soweit irgendweilche Eigenschaften mir nützlich sind. Der Nutzen gereicht alleine zu meinem Gewinn und ist hieraus auch solange bemessen, bis der genutzte Gegenstand vernutzt ist. Der Nutzen zielt auf den Gebrauch und Verbrauch einer Sache, die stofflich hierbei untergeht und um deren Reproduktion man sich nur in der Beziehung sorgt, dass ihre Nutzung ohne sie nicht mögich ist. Ihrem Wesen nach ist sie völlig gleichgültig und kann ddurch jede andere Sache von gleichem Nutzen ersetzt werden. Wo Menschen nützlich sind, werden sie als Menschen entleibt, dienen als reine Sache ihrer eigenen Eigenschaften und werden versachlicht und zum Mittel für andere Menschen oder stehen im Zweck eines ihnen fremden Ganzen als dessen Funktionäre.

Im Nutzen ist das Subjekt immer das absolute Ganze, das keine Beziehung zu den Mitteln seiner Zwecke hat, die es nutzt. Er dient der Verbesserung meiner Lebenslage, was immer ihr Sinn sei, ist gleichgültige, weil dienende Objektivität, reines Pragma (siehe auch Pragmatismus). Im Zweck des Nutzens ist dieser gleichgültig, und doch nur durch bestimmte Eigenschaften des Nützlichen gewährleistet. Er sieht es auf die Vernutzung der Eigenheit seines Gegenstand ab und ist dadurch seine wesentliche Negation, dass er von dessen Wesen absieht. Der Nutzen ist der Begriff reiner Funktionalität, die einem Wesen zu Folge bestimmt ist, das über den Gegenstand seines Nutzens herrscht. Von daher ist Nutzen ein Begrifff der Effizienz, die ökonomisch funktionieren muss. Das macht die Form eines jeden Reichtums aus, der darin völlig wesenlos einbegriffen ist.

Die Nutzung eines Gegenstands verschafft äußerlichen Reichtum, der auch nur Entäußertes bestätigen kann: Fremder Reichtum. Aber umgekehrt bin ich vollständig arm, wenn ich ohne alles bin. Zwischen Ohnmacht und Herrschaft ist Nutzen eine absolut widersprüchliche Beziehung auf Gegenstände, arm an Inhalt und reich an Form. Und diese strebt zur Macht: Wenn es eben Dinge oder Menschen mit den Eigenschaften gibt, die nützlich sind, so wird an Form gewonnen, was an Inhalt vergeht. Der Nutzen ist eine abstrakte Beziehung auf einen Gegenstand, in welcher das benötigt wird, was den nützlichen Gegenstand entfremdet, was sein Wesen bedrängt, indem seine Eigenschaften aufgebraucht werden. Doch es ist die ganze ökonomische Beziehung, wie sie in der Abtrennung von Kultur sich vollzieht: Bürgerliche Ökonomie (siehe auch Wirtschaft).

Meine Lebensbedingung ist, dass es Dinge für mein Leben, meinen Stoffwechsel usw. gibt, die als äußerste und äußerlichste Bestimmung für mich Nutzen haben. Wenn die Natur der Dinge nur aus der Natur ihrer Nützlichkeit besteht, wenn sie als Ganzes keinen anderern Sinn haben, so muss ich sie nutzen, um leben zu können. Aber als Sache von und für Menschen ist jedes Ding ein "Ganzes vieler Eigenschaften und kann nach verschiedenen Seiten hin nützlich sein" (Marx, MEW 21, S. 59). Von daher ist jede Sache auch ein gesellschaftliches Ding, dessen "Eigenschaften zu entdecken geschichtliche Tat" (ebd.) ist. Dass Dinge für die Menschen nützlich sein müssen, um menschliche Gegenstände zu sein, ist ihre geschichtliche wie gesellschaftliche Voraussetzung. Dass aber die Nutzung von allem und jedem zum Prinzip einer Gesellschaft geworden, das macht die bürgerliche Gesellschaft als Herrschaftsverhältnis über die Natur von Menschen und Sachen aus, "denn Herrschaft und Benutzung ist ein Begriff" (MEW 1, S. 339)

Solche Nützlichkeit setzt die Äußerlichkeit eines Sachverhältnisses voraus, in welchem ich lebe. Die Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft beruht auf dem Nutzen und der Vernutzung der Natur und der Arbeitsprodukte als Mittel der Bedürfnisbefriedigung. Daher sind die Bedürfnisse darin selbst auf Vernutzung, auf Verzehr ausgerichtet und in ihrer praktischen Einseitigkeit auch einfältig (siehe Gebrauchswert). Wie sie sind, so verallgemeinern sie sich auch einfach zu einer einfachen Allgemeinheit (Wert). Weil sich viele Menschen auf allgemeinen Nutzen beziehen (die Allgemeinheit des Nutzens ist Geld), besteht der Wettbewerb um seine Verwendung als Konkurrenz um Geldbesitz. In ihm erfüllt sich das Prinzip der Nützlichkeit erst wirklich und allseitig.

In der Beziehung des Nutzen hat sich die Kunst (nicht unbedingt das Kunsthandwerk) als selbständige Sinnbeziehung abgehoben. "Alle Kunst ist völlig nutzlos." (Oskar Wilde). Sie schafft für die Empfindung und das Gefühl, was es ausdrückt und beeindruckt. Kunst ist sozusagen die "andere Seite" des Nützlichen, die innere Seite der Sache. Eine nützliche Sache schön herzustellen macht aus ihr ein Kunstwerk. Der Markt, auf welchem Sachen als Waren gehandelt werden, hat die Spannweite zwischen Nutzen und Kunst. Die Gebrauchswerte können somit auch zu Kulturwerten werden; verlieren darin aber ihre Werbestimmung aus der gesellschaftlich notwendigen Arbeitszeit. Als Kulturwerte bemessen sie sich an ihrer Einzigartigkeit, ihrer sinnlichen Selbständigkeit und Unabhängigkeit. Eine Bibel kann als Gebrauchswert, aber auch als Kunstwerk gehandelt werden. Aber nur im ersten Falle hat sie Wert für den gebrauch, wenngleich sie als Kunstwerk in einem viellfach höhren Wert gehandelt wird. Hier aber hat sie nur Wert für das Kapital selbst, das sich oft noch besser in Kunst bewahrt oder auch fortspekuliert, als in Aktien. So wie diese hat es keinen unmittelbaren Nutzen.

s.a.

=> Nützlichkeit

Nützlichkeit

Nützlichkeit ist das Prinzip des Wirtschaftens, der Optimierung in der Nutzung eigener Ressourcen zur Erzeugung von Gegenständen, die für den Menschen zumindest Nutzen (siehe Gebrauchswert) haben. In dieser rein wirtschaftlichen Betrachtungsweise bleibt der Sinn der Arbeit und der gegenständlichen Welt unbenommen - als eine Frage der Kultur, also dem menschlichen Verhältnis selbst, welches subjektiv der Wirtschaft vorausgesetzt ist und objektiv aus ihr folgt.

In dieser einfachen Form ist Nützlichkeit eine Beziehung von äußerlichem und einfachem Inhalt, Lebensnotwendigkeit ohne Lebenswirklichkeit, Leben, das durch Vernutzung untergeht, das Gegenstände hat, die sich vernutzen, Reichtum, der zur Armut wird, so nicht neuer Nutzen ihn ablöst. Im Nutzen steckt die Vernutzung von den Eigenschaften einer Sache, die ihre Beziehung zum Menschen durch ihre Natur und Herstellung haben, und die mit dem Untergang der Gebrauchseigenschaften des Gegenstands endet. Der Gebrauch stellt immer ein brauchendes oder verbrauchendes Subjekt zu einem Objekt, das in dieser Beziehnung selbst keine Eigenheit hat. Wiewohl ein Ding oder eine Sache oder ein Mensch "nach vielerlei Seiten hin nützlich" sein kann, ist das Nützliche nicht wesentlich, - es ist nur an ihm oder an ihr. In der Nützlichkeit für sich reflektiert sich eine wesenlose Beziehung von Sache und Mensch, die im Untergang des Gegenstands das bürgerliche Subjekt in seiner abstrakten Lebensform bestätigt: Es geht Beziehungen ein, um sie zu vernutzen und diese beenden sich, sobald ihr Stoff vergangen ist. Entstehen und Vergehen machen hierbei keine Geschichte, sie sind Momente geschichtlicher Objekthaftigkeit, Ereignisse des Zeitgeistes, das "kleinere Übel" gegenüber der abstrakten Wirklichkeit, das Leben und Leben lassen der Gleichgültigkeit und die Betätigung und Bestätigung derselben.

Nur als selbständiges Ding, als Sache, die für sich Bestand hat, weil sie hierfür erzeugt ist, kann ein Ding eigene Wesenseigenschaften bekommen. Das Wesen ist ein Ganzes seiner Eigenschaften, seine Eigentümlichkeit, die in seinem Nutzen nur aufscheint - seine Oberfläche. Der Nutzen, den die Eigenschaften eines solchen Wesens haben, bestimmt sich im Grund seines Daseins. Diese geht im Nutzen unter, weil es darin selbst als Ganzes nichtig gesetzt ist und sich in seiner Vernichtung durch den Nutzen verwirklicht. Die Nützlichkeit ist die Beziehung auf Objekte, die ihren Besitz verlangt, daher die eigentliche Beziehung, welche Menschen zu Dingen eingehen, die sie nur als Waren haben können. Von daher ist das Prinzip der Nützlichkeit auch das ausschließliche Lebensprinzip der bürgerlichen Gesellschaft und also auch ihre bedeutsamste Ideologie.

Besteht eine Sache als Ware, so sind ihre einzelnen Eigenschaften als einzelner Nutzen für einzelne Menschen getrennt von ihrem allgemeinen Nutzen, den sie für ihre Dasein als Ding eines Tauschverhältnisses hat. Nützlichkeit ist dann eine doppelte Beziehung die als solche auch Inhalt einer Formbestimmung ist. Der Nutzen, den sie für Menschen hat, besteht nur in der subjektiv bestimmten Eigenschaft für bestimmte Menschen als Produkt konkreter Arbeit. Ihren alllgemeinen Nutzen, die gesellschaftliche Nützlichkeit, hat die Ware nicht als Ding für Menschen, sondern als Ding für den Tausch, als abstraktes Ding, als Produkt abstrakt menschlicher Arbeit. So ist sie objektiv als etwas da, was nicht subjektiv sein kann, solange das Subjekt sich als Ware objektiviert und ist subjektiv da als etwas, das nur für einzelne Menschen, nicht aber gesellschaftlich ist, kein gesellschaftliches Subjekt hat.

Um eine Sache zu nutzen, muss man in einer Übereinkunft mit dem Eigentum stehen, dessen Nutzen gebraucht wird. In der bürgerlichen Gesellschaft ist dies das Besitzverhältnis, worin nützliche Gegenstände als Privateigentum gelten. Die Nutzung unterwirft das Nützliche dem Willen des Nutzers, weil und sofern er Macht hierüber hat. Macht gewährt dem Willen die Freiheit, die in der Notwendigkeit der Machtergreifung zurückkommt. Um etwas zu Nutzen, muss man über es verfügen und um zu verfügen, muss man sich dem Nutzen entäußern: Ich kann nur verfügen, wenn ich nicht nützlich bin und ich muss nützlich sein, um verfügen zu können; - ich habe mich fremdem Nutzen entäußert (unwesentlich gemacht), um eigenen Nutzen zu haben (unwesentlich zu sein). Dies als wechselseitiges Verhalten von Unwesentlichem macht aus der Nützlichkeit eine Subjekt-Objekt-Beziehung, die sich ergänzt, - wenn auch in der Entfremdung von jeder wesentlichen Bezogenheit. Dies ist die Grundlage des Vertrags, der Käufer und Verkäufer in einem Tauschverhältnis aufeinander bezieht.

"Die Nützlichkeit eines Dings macht es zum Gebrauchswert." In dieser Form ist es Gegenstand des praktischen Bedürfnisses. Besitzende Menschen tauschen darin die Gegenstände ihrer Bedürfnisse aus (z.B. Ware gegen Geld). Besitzlose Menschen werden so selbst zum Gegenstand des Kapitals, das durch den Besitz an ihrer Arbeitskraft, ihrem Verstand usw. eine Beziehung zu ihnen hat, die seinem Zweck, der Vermehrung seines Werts, nützlich ist.

Nützlichkeit ist ein Prinzip der Wirtschaftlichkeit, das durch vielerlei auch beschränkt ist, wenn es um innere Zusammenhänge in Mensch und Gesellschaft geht. Sie erscheint zunächst als Prinzip der ökonomischen Vernunft, welches daselbst im Zusammenhang mit ihrer Kultur sinnlos werden kann. So mag innerhalb der Ökonomie z.B. die Privatisierung von staatlichen Einrichtungen für alle nützlich sein, zugleich enthebt sie die gesellschaftliche Verfügung gesellschaftlicher Ressourcen in die Macht des Kapitals. Nützlichkeit impliziert immer auch Verfügungsmacht und kann von daher allem dienstbar sein, z.B. auch als Gebrauchswert des Kapitals (z.B. Maschinerie, Automation).

Die Beziehung in der Nützlichkeit ist allgemeine subjektive Bedingung zum Selbsterhalt der Bürgerlichen Gesellschaft, soweit sie die reine Existenz der Menschen ausmacht. Darüber hinaus entfaltet sie sich als bürgerliche Kultur, wo sie unnütz ist: Kultur, die sich in der Negation des reinen Gebrauchs bestätigt. Darin ist die Selbstreflexion des Menschen zwischen den Menschen, soweit seine Existenz sicher ist. Die Zwischenmenschlichkeit erscheint daher als die Emanzipation aus der Borniertheit der Notwendigkeiten des Gebrauchswerts. Hier scheint das, was über das Nützliche hinausgeht, geborgen: Das Schöne, was Empfindung ausmacht und worin die Menschen die Existenz ihrer Liebe zur Liebe an ihrem Menschsein bringen. Nützliches kann nicht schön, Schönes wohl aber nützlich sein (siehe Ästhetik). In der bürgerlichen Kultur erscheint sich die bürgerliche Welt daher auch auf der Höhe ihrer Zeit, für sich ausgereift und allgemein schön und gut, sofern sie ihren Zwiespalt zwischen Existenz und Kultur nicht leiden muss (siehe Zweifel).

s.a.

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