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"Das Große an der Hegelschen Phänomenologie und ihrem Endresultate - der Dialektik der Negativität als dem bewegenden und erzeugenden Prinzip - ist ... einmal, daß Hegel die Selbsterzeugung des Menschen als einen Prozeß faßt, die Vergegenständlichung als Entgegenständlichung, als Entäußerung und als Aufhebung dieser Entäußerung; daß er also das Wesen der Arbeit faßt und den gegenständlichen Menschen, wahren, weil wirklichen Menschen, als Resultat seiner eignen Arbeit begreift. Das wirkliche, tätige Verhalten des Menschen zu sich als Gattungswesen oder die Betätigung seiner als eines wirklichen Gattungswesens, d.h. als menschlichen Wesens, ist nur möglich dadurch, daß er wirklich alle seine Gattungskräfte - was wieder nur durch das Gesamtwirken der Menschen möglich ist, nur als Resultat der Geschichte - herausschafft, sich zu ihnen als Gegenständen verhält, was zunächst wieder nur in der Form der Entfremdung möglich ist." (Quelle: Karl Marx 1844 in MEW EB 1, S. 574) Die Negation hebt eine Position darin auf, dass sie das für sich wird, was diese nicht sein kann, dass sie also das, was an sich positiv ist aber so nicht sein kann, weil es an sich nur unendlich wäre, als das ist, was sich als anders erweist, was also dem Positiven ein Ende setzt und es doch in sich enthält. Negation ist also das von der Position unterschiedene, das ihr in einem Zusammenhang zugehörige, das für sich ausschließlich als etwas anderes ist, aber nicht als abstrakt Anderes oder als abstrakt Ausgeschlossenes (siehe hierzu Isolation). In ihm zeigt sich die Wahrheit der Beziehung in der Vermitteltheit des Unterschiedenseins, von welchem positiv abgesehen ist, ohne dass dieses abgetrennt, also wirklich abstrakt für sich wäre (siehe Abstraktion). In der Vermittlung selbst setzt sich der Logik des Zusammenhangs folgend das Negative als ein anders Seiendes, in welchem das Wesen der Position sich als ein verändertes Wesen äußert. Der Kern jeder Dialektik ist die Ganzheit des Zusammenhangs, die ganze Wahrheit eines Begriffs in seinem Sein, seiner Begriffssubstanz. Er ist die ganze Vermittlung, worin das Positive auch in seiner Negation bewahrt ist und sich als Moment eines Ganzen mitteilt, das an und für sich ein ganzes Sein ausmacht, das allerdings wiederum eine Position für ein anderes Sein ist. Materialistische Dialektik (siehe Dialektischer Materialismus) unterscheidet sich sich von der idealistischen vor allem dadurch, dass sich ihr eine Abstraktion aus dem Widerspruch von Position und Negation erschließt, welche in der idealistischen (oder spekulativen) als Idee, als Entwurf des Seins vorausgesetzt wird, die sich darin entzweit und aus der Entzweiung neue Qualität für sich als ein anderes, konkreteres Sein entwickelt. In der materialistischen Dialektik liegt das Anderssein lediglich im Fortschritt des Begeifens, nicht in der Entfaltung eines Weltgeistes, der in der Weltgeschichte zu sich kommen will und worin Begreifen nur sein Nachvollzug im Bewusstsein sein kann. Von daher ist die Negation niemals Nichts und ist an sich nichts anderes als eine Position, aber als andere Position, die sich ausschließlich anders bestimmt. Im Negierten erscheint sich die Position als Negation ihrer selbst, die an und für sich als dies beides ist, sich also nur in der Auflösung ihres Widerspruchs dadurch wirklich begreifen kann, dass es zugleich hiervon absieht. Letztres ist die Abstraktion, worin Position und Negation gleichgültig sind und dennoch einander nötig haben. Beispiel: Ein Ding, das als Produkt menschlicher Arbeit nicht Gegenstand menschlicher Bedürfnisse sein kann, weil es nicht wirklich auf diese bezogen ist, muss dies in Absehung hiervon durch etwas anderes werden, was beides ist, weil es beides zwar nicht dem Inhalt nach, wohl aber der Substanz nach enthält: Ware. |
s.a. | |
Angesichts der Enstehung des deutschen Faschismus war die Erschütterung vor der Tatsache, dass Menschen gegen ihr eigenes Zusammenleben einen totalitären Staat errichten und wollen können, der nichts anderes als eine Vernichtungsmaschine gegen Leben und Freiheit überhaupt ist, stand für Adorno die alte Frage der Philosophie erneut an, wie das Bewusstsein der Menschen gegen ihr eigenes Sein sich entwickeln könne. In der "Dialektik der Aufklärung" entwickelte er mit Horkheimer die Auffassung, dass dies aus der begrifflichen Statik der Aufklärung und dem Zynismus der Rationalität der Moderne gegen die Natur, gegen das schlichte Werden des Unbegreiflichen, entsprungen sei und eine negative Identität überhaupt möglich gemacht hätte, welcher das bisherige Denken nicht gewachsen gewesen sei. Der Totalitarismus der Faschisten war somit in einen geistesgeschichtlichen Zusammenhang mit einer Totalität des Denkens gestellt, welches in der Aufklärung selbst schon als Mächtigkeit der Kategorie negativer Totalität angelegt sei, als objektives Sollen, als Anspruch einer allgemeinen und objektiven Wahrheit des Ganzen und dem darin vermittelten Streben nach einer geistigen Identität, die sich gegen das menschliche Leben verhält, sich als Mittel seiner Befreiung anbietet und seine Unterwerfung unter eine Gesinnung erzeugt. Im identitären Streben selbst liegt ein Wahrheitsanspruch, der sich nur als Totalitarismus vermitteln kann. Dies war in der bisherigen Philosophie bis hin zu Kant und Hegel die Grundlage einer Hierarchie von Wissenschaft und Lebensprozess, der nun, nach Misslingen dieser Philosophie - laut Adorno - durch das Nicht-Identische nur umzukehren sei. Gegen eine vermeintliche Totalität des Wahrheitsverständnisses von Hegel, der Wahrheit nur in der ganzen Erklärung eines Begriffs für gegeben hielt ("Das Ganze ist das Wahre") wendet sich sein Satz "Das Ganze ist das Unwahre". Das Ganze bleibt hierdurch allerding als Anderes, als das Unwahre erhalten und wird auch als solches, als falsches Leben totalisiert. Adornos totaler Antitotalitarismus wendet sich als erkenntnistheoretische Konstruktion, als Anspruch auf lebendige Wahrheit gegen jede Theorie, die eine Totalität formuliert, und will den Erkenntnisprozess der Wahrheit als gesellschaftlichen Prozess selbst unmittelbar vollziehen. Seine Theorie will eine Erkenntnistheorie als Gesellschaftstheorie sein, wodurch die Menschen in die Lage versetzt werden sollen, die Scheinhaftigkeit ihres Lebens durch Erkenntnis zu durchdringen und hieraus ein anderes Leben zu schöpfen. Das ist eigentlich ein Unding, setzt ein solcher Gedanke doch schon die Wahrheit des Theoretisierens, das Wissen um die Scheinhaftigkeit eines Wesens voraus, das verkehrt erscheint. Aber nicht dieses Wesen war Gegenstand dieser Theorie, sondern das erkennende Subjekt selbst, das sich in einer verlorenen Objektivität erhält und sich in einer scheinhaften Autonomie gegen sie totalisiert. Es bedürfe daher wieder einer Philosophie, welche Erkenntnis selbst problematisiere, indem sie über das begriffliche Denken hinausgreife, den Begriff befreit zu einem lebendigen Denken, das sich im Undenkbaren selbst gesellschaftlich bewegt. Das Denken wird damit zum Subjekt, der Begriff des Gedankens durch das Undenkbare bewegt, das Ganze zur Dialektik des Denkens. Adorno vertrat also die Auffassung, dass Wahrheit in der Unwahrheit der Lebensverhältnisse gelebt werden müsse, weil sie selbst schon das werdende Anderssein enthalte und von da her auch die Weltveränderung in sich trage. Das allerdings umfasst die Behauptung, dass Erkenntnistheorie selbst eine Theorie der Gesellschaft sei und von daher in ihrer Konsequenz eine andere, eine wahre Gesellschaft beanspruchen müsse, worin ein "richtiges Leben" möglich sei. So war diese Rückbeziehung auf die Philosophie neu begründet aus der Desolatheit der bürgerlichen Objektivität und dadurch politisiert, dass Erkenntnis und ihre Zerstörung (ihre Verdinglichung zu einem Verblendungszusammenhang) selbst das Problem des Kapitalismus sei. Damit aber war die Frage aufgeworfen, wie sich Erkenntnis für sich als Wahrheitsfrage überhaupt politisch verstehen lässt. "Wahrheit" als Begriff für sich – also unabhängig von ihrer Substanz (wie z.B. Hegels Idee oder Marxens Abstraktion) - ist ein erkenntnistheoretisches Konstrukt, das von Hegel als das Identische des Begriffs bezeichnet wird, als das, was das Begriffene, das Begriffen-Haben kennzeichnet, weil es in sich widerspruchsfrei, also im Ganzen unzweifelhaft sein muss. Dieses Konstrukt soll aber laut Adorno Totalitarismus begründen und müsse daher umgekehrt werden. Und aus der Umkehrung soll sich Gesellschaft erst konstitutieren, indem alles Ganze bezweifelt wird, Gesellschaft also dadurch menschlich wird, dass darin der Zweifel herrscht, weil der Zweifel für die Philosophen nunmal Leben bedeutet. Darin finden sie, was sie in ihrer Systematik verloren haben und das genau ist es, was Adorno über den Begriff hinausgreifen und im Nicht-Identischen finden will – nicht als Frage des Denkens, wozu es objektiv sein will oder muss, sondern als begriffene Objektivität, die im Nachhinein ihrer Totalität nicht vorhandenes Leben im Zweifel sucht. Es ist ein verhängnisvoller Zirkel, gesellschaftliches Handeln darin zu begründen, dass man ihre Wahrheit als Ganzes in Frage stellt und zugleich die Wahrheit des Zweifels als gesellschaftlich notwendige Erkenntnistheorie behauptet. Ein gesellschaftlich notwendiger Zweifel am gesellschaftlichen Ganzen kann nicht theoretisch begründet sein. Er selbst ist die subjektive Basis aller Theorie, ihre Bedingung und ihr Anlass. Und die Theorie selbst muss zweifelsfrei sein, erst recht eine Erkenntnistheorie. In der Analyse ihres Gegenstands wird der Zweifel in der Erkenntnis eines Widerspruchs aufgehoben oder verworfen. Wird er selbst als Lebensprozess im Sinne einer negativen Dialektik verstanden, so entgegenständlicht er sich zur reinen Theorie, die sich selbst Stoff genug ist. Dieser ist aber genau das, was der Gegenstand ihrer Kritik sein soll: Identität eines Ganzen, wenn auch eines ausgeschlossenen Ganzen. Aber gerade in der hier notwendigen Beziehung von Kritik und der Veränderung der Gesellschaft, also dort, wo Theorie ihren wichtigsten Grund hätte, das Ineinander Übergehen, die Transzendenz und Erneuerung zu begreifen und voran zu treiben, da versagt kritische Theorie, weil es ihr um selbstreflektierende Wahrheit geht, nicht um wahre Aussagen zu einem geschichtlichen Gegenstand. Es reicht seine Abweisung, seine Absurdität als solche, Kulturindustrie, die sich alleine aus ihrer Lüge zu begründen scheint. So wurde das adornitische Denken selbst zu einer Wahrheitsbehauptung, die sich nicht mehr an ihrem Gegenstand beweisen muss, weil sie durch dessen Unwahrheit schon begründet ist. Es wurde also zu einer Theorie vom wahren Bewusstsein als solches, das im unreflektierten Sein durch Verdinglichung verblendet ist, vom grellen Schein der Warenwelt, dem Warenfetischismus, der wie von einer Macht betrieben wird, die in der Lage ist, die Menschen zu verblenden. Nicht ihr ureigendstes Bewusstsein ist im Schein der Welt befangen, solange es ihn nicht – z.B. mithilfe des theoretischen Bewusstseins - zu durchdringen vermag, sondern die Übermacht kapitalistischer Inszenierung verstellt eine Wahrheit, für welche die Menschen zu sensibilisieren seien, um sich dem Kapital widersetzen zu können. Sein und Bewusstsein fallen darin auseinander. Seltsamerweise sieht sich Adorno gerade in diesem Zusammenhang als Marxist. Immerhin bezieht er ja aus Marx allein die Begründung der Falschheit seines Gegenstands. Aber der war zu diesem Beweis gerade durch die Kritik des erkenntnistheoretischen Verhaltens der Philosophie gelangt, durch die Kritik des interpretativen Verhältnisses zu ihrem Gegenstand. Bei Adorno wird die Scheinhaftigkeit der bürgerlichen Lebensverhältnisse nicht analytisch geöffnet, sondern verkürzt zu einer psychologischen Diagnose, wonach es sich hierbei um einen Verblendungszusammenhang handele, um eine systematische Täuschung. Und darin bezieht er sich auf den Marx'schen Fetisch-Begriff. Zwar gründet der Kapitalismus nicht auf einer Täuschung, sondern auf einer realen Abstraktion. Aber auch Marx hatte konstatiert, dass die Lebensverhältnisse der bürgerlichen Gesellschaft nicht als das erscheinen, was sie gesellschaftlich sind, dass sie in dem verkehrt erscheinen, was ihre Wirklichkeit ausmacht: "Das Geheimnisvolle der Warenform besteht ... einfach darin, daß sie den Menschen die gesellschaftlichen Charaktere ihrer eignen Arbeit als gegenständliche Charaktere der Arbeitsprodukte selbst, als gesellschaftliche Natureigenschaften dieser Dinge zurückspiegelt, daher auch das gesellschaftliche Verhältnis der Produzenten zur Gesamtarbeit als ein außer ihnen existierendes gesellschaftliches Verhältnis von Gegenständen." (Marx im Kapital I, MEW 23, S. 86-87) Man könnte zunächst meinen, es handle sich bei Adorno lediglich um ein Missverständnis von der Marxistischen Dialektik, wenn er schreibt, dass "die Begriffe, die bei Marx sich bewegen sollen, ... als Begriffe eben notwendig ein Gedachtes" (Adorno, Philosophische Terminologie, S. 22) sind. "Die Kategorie, die Marx im Zusammenhang mit seinen ökonomischen Vorgängern gerade als die objektive schlechthin betrachtet hat, durch die sich über den Köpfen der einzelnen Subjekte so etwas wie materielle Notwendigkeit durchsetzen soll, die Kategorie des Tausches, ist ein in sich Begriffliches, ein Geistiges." (ebenda). Dies nämlich, weil beim "Tausch von Äquivalenten, von einander gleichen Tauschwerten" (ebenda) "von der bestimmten Gebrauchswertqualität ... abgesehen werden kann." (ebd.). Weil man diese Abstraktion also Denken kann (siehe Gedankenabstraktion), deshalb sei sie auch bloß Gedachtes und verliere ihre reale Notwendigkeit (siehe Realabstraktion). Dies ist in der Tat eine bemerkenswerte Fehlinterpretation, eine Verkehrung der Realität, wonach der Äquivalententausch sich nicht aus dem Mangel einer Beziehung ergibt welche Notwendigkeiten erzeugt, sondern aus der Notwendigkeit des Begriffs, dass es beim Tausch um den Tausch von Äquivalenten ginge, um die Beziehung von Gleichem mit Gleichem, also um Äquivalenz an sich. Weil im Tausch die Gebrauchswerte qualitativ nicht enthalten seien, enthielten sie eine Abstraktion, eine geistige Absurdität, welche sie nicht wirklich und allgemein Gebrauchswerte (das ist für Adorno Subjektivität) sein ließe, sondern nur Tauschwerte, - so, als sei der Tauschwert nicht der allgemeine Gebrauchswert. Nein: Das Allgemeine sei das Äquivalent. Aber Äquivalente kann man nicht tauschen, man tauscht Gebrauchswerte und es entstehen Äquivalente, in denen sie einen Begriff erhalten, Wert, der sich im Tauschwert ausdrückt. Das ist nichts "Geistiges" sondern überaus Praktisches, wenn auch Abstraktes und nicht Greifbares, wohl aber Begreifbares und Inhalt der Entfremdung, die eine Waren produzierende Gesellschaft für die Menschen verwirklicht. Aber der "Äquivalententausch" ist die Grundlage für Adornos ganze Kritik an der kapitalistischen Gesellschaft: Der Tauschwert ist eine Mystifikation der Lebensverhältnisse, die über den Sachen (und nicht in ihnen) ihren Begriff habe. Daraus leitet er unmittelbar den Fetischismus ab, den er mit dem Marxschen Begriff des Warenfetischismus gleichsetzt. Aber ihm geht es dabei um etwas gänzlich anderes: Der Wert selbst sei der Fetisch, der an den Dingen klebt, der Schein der Verführung, dem die Menschen erliegen, wenn sie ihn nicht durchschauen. Hiermit hat Adorno die ganze Marxsche Analyse wieder auf den Kopf gestellt: Der Warentausch wird zu einem Phänomen des Trugs, der die Welt entstellt, die im Zusammensein der Gebrauchswerte in Ordnung, natürlich, unverfälscht sei. Tatsächlich kann sich Adorno mit solchem Verstand wieder in die Philosophie einreihen, die als ihre Not weiß, "dass das Denken sich durch den berühmten Übergang vom Grund zur Existenz dem Problem entzogen hat, auf der einen Seite in seinen Bestimmungen in Übereinstimmung zu stehen mit dem, was es ausdrücken will, und auf der anderen im Gegensatz dazu zu stehen ." (ebd. S.25) Aus dem Wert, der Realabstraktion, die Marx aus dem Ganzen der Ware als Elementarform menschlichen Reichtums geschlossen hat, ist somit wieder eine Gedankenabstraktion der Negativität eines Geistes geworden, dem sich quasi alle kulturellen und geistigen Phänomene gleichermaßen einreihen lassen. In dieser Gesamtheit ist der Tauschwert die einzige Katergorie, der Ungeist, die Täuschung, welcher die Menschen zu ihrer Emanzipation entgegenzutreten hätten. Sie zeige sich in der "Verzweiflung" der Philosophie ebenso, wie in der "Wunde" des Ästhetischen. Das macht Widerstand zu einer Arbeit des reinen Intellekts, der sich der sinnlichen Welt der Gebrauchswerte nur zuordnen müsse, also die negative Dialektik in ihrer Antithese, in ihrer Umkehrung zu vollziehen habe, die der Tauschwert der Welt aufbürdet! Das ist nicht nur ein konservatives Verständnis von Dialektik (das nur in der Ästhetik durch die Behauptung einer "Transzendenz des Subjekts" durchbrochen wird) sondern auch eine Umkehrung der marxschen Entfremdungstheorie, die Adorno zu einer "dinglichen" Entstellung verbrämt, zu einer Theorie der "Verdinglichung", welche die Grundlage seines ganzes Werks wird, besonders auch seiner Kulturkritik - eigentlich eine simple Theorie und eine ungeheuere Simplifizierung und Verfälschung der Marxschen Analyse. Aber: Es lässt sich darin so ziemlich alles subsumieren, was einen intellektuellen Verstand bewegen, begeistern und entgeistern kann. Diese Täuschung, diese "Fetischisierung" (siehe hierzu im Unterschied Warenfetisch), sei das Problem der Welt! Wer Wahrheit sucht, will Wahrheit ernten. Die Negative Dialektik mündet in dem Satz: "Es gibt kein richtiges Leben im Falschen". Wie dann leben? Dialektisch: Das Unwahre enthält das Wahre, wenn auch notwendig außer sich und doch als sein eignes Moment. Auch dies lässt sich bei der Rückübersetzung des Kapitals in die Philosophie finden: Adorno versteht und achtet Marx vorwiegend als Philosoph und Kritiker des Warentauschs, nicht als Kritiker der politischen Ökonomie. Er begreift die Ökonomie ausschließlich philosophisch und reduziert die von Marx dort gemachten Entwicklungen wieder auf ihre erkenntnistheoretischen Implikationen. So entsteht auch ein fundamentales Missverständnis des Marxschen Werkes indem es zum Stoff einer negativ idealistischen Philosophie gerät, zum Negativ-Ideal der schlechten Welt, dem Falschen und Unwahren. In seinen ökonomischen Schriften würde Marx das "Subjekt als Feind des Subjekts" beschreiben und es damit als wahr und unwahr zugleich konstatieren, als "Transzendentalsubjekt", das sich "im Tausch Identität stiftet" (Adorno, "Negative Dialektik"; Suhrkamp 1975, S. 22). Der Tausch selbst sei die Mystifikation der Transzendenz und behindere die menschliche Emanzipation des Subjekts. Nach Adornos Verständnis würde Marx in der Natur des Gebrauchswerts die positiven Momente der Überwindung der bürgerlichen Gesellschaft behaupten, deren Identität im Tauschwert "unwahr" sei Wo die Kritik eines politischen Begriffs (Kapitalismus) nicht mehr erkannt wird, da wird der Begriff selbst wieder politisch. Als Fetischbegriff wird er zum Begriff des Falschen, das sich auf der Welt ausbreite, wie eine Sucht. Das ist eine Moral über Wahrheit, mit der alles Böse in den Niederungen der Welt wieder als Lüge bekämpft werden kann (siehe z.B. Antideutsche). Nicht die Ausbeutung der Menschen treibt ihre Verhältnisse in die Barbarei, wenn sie diese Verhältnisse nicht aufheben, sondern die Täuschung, der sie unterliegen. Die Barbarei des Nationalsozialismus (s.a. Faschismus) habe erwiesen, dass ökonomische Begrifflichkeit nicht hinreiche, um die geistige Selbstzerstörung des Menschen zu erklären. Wie wahr! Aber muss hierfür gleich die ganze Wirklichkeit geopfert werden? Immerhin: Die Negative Dialektik macht Adorno zu einem der wenigen Kulturkritiker, die ein wesentlich geistiges Unbehagen formulierten, zu einem Theoretiker der Apokalypse, die sich für ihn konkret in der Ästhetik ereignet. Das brachte ihn auch in die Nähe zu Sigmund Freuds Todestriebtheorie, mit der das psychoanalytische "Unbehagen der Kultur" eingeläutet worden war. Es sei das "Ineffabile der Utopie" (Adorno, "Negative Dialektik"; Suhrkamp 1975, S. 22), dass es nichts gebe, was "unter Identität" im Hegelschen Sinne zu subsumieren sei. Geschichte könne sich nicht aus den konkreten Möglichkeiten des Gegenwärtigen, sondern nurmehr aus einer Utopie bilden, welche die einzige "konkrete Möglichkeit" sei, quasi als Dialektik einer "philosophischen Kritik an der Identität der Philosophie" (ebenda). So entwickelte er negative Dialektik als "Ontologie des falschen Zustandes" (ebenda). Kritik der Philosophie solle konträre Philosophie sein, in welcher bloßgestellt werde, dass sich der Begriff "in ein nicht begriffliches Ganzes verflochten" (S. 24) habe. Daher ginge es darum, die "Richtung der Begrifflichkeit zu ändern" (ebenda), wodurch der "Identitätszwang" zerginge, "den der Begriff ... mit sich führt. Aus dem Schein des Ansichseins des Begriffs als Einheit des Sinns hinaus führt seine Selbstbesinnung auf den eigenen Sinn" (ebenda). Es sei diese "Entzauberung des Begriffs ... das Gegengift der Philosophie." Die Negative Dialektik Adorno's beschreibt diese Welt als Lüge oder Täuschung ("Wahr ist nur, was nicht von dieser Welt ist") und fordert damit auf, die Wahrheit in einer anderen Welt zu finden, als Umkehrung einer Mangelempfindung, die in dieser Welt ist, und ihre Transzendenz enthalten soll. Diese jedoch hat in dieser "Dialektik" keine Substanz. Wo Marx im Wertbegriff und seiner Substanz (abstrakt menschliche Arbeit) noch die Notwendigkeit formuliert, dass konkret nützliche Arbeit sich in der abstrakt menschlichen durchzusetzen habe, dass sie eine Gesellschaft in sich birgt, in der auch die Arbeitsteile und Produktionsmittel gesellschaftlich vermittelt wirklich existieren konnen, da sieht Adorno eine leere Subjektivität, die nur darin transzendental sein soll, dass sie "Wahrheit" enthält, Empfindung, die eine Hoffnung auf ein Anderssein hat. Dies nun ist Logisch ein Unding, das noch keine Religion aufzulösen vermochte und in dem Satz von Descartes längst überwunden schien: "Ich denke, also bin ich". Denken ist gegenwärtig sein; nicht bei Adorno: Hier wird Denken zu einer Vorstellung gegen die Negativität des Begreifens gewendet, zur Abwendung des Gedankens gegen den Begriff der Wirklichkeit. Es wird so schon in der Kritik des Bestehenden zum Glauben an eine Erlösung, die sich jeder Bewahrheitung entzieht, weil sie ihre Wahrheit schon unmittelbar im kritischen Subjekt (als Gewissheit eines richtigen Lebens, das nicht sein kann) behauptet. So besteht der Gedanke als das ganz Andere zu dieser Welt, der ihr versprochen werden muss: Die alternative Religion zu den religiösen Alternativen. Dies wird von Horkheimer so auch offen formuliert. Bei Adorno kommt die Erlösung als Hintergrund seiner Reflektion in einer philosophischen Verzweiflung vor: „Philosophie, wie sie im Angesicht der Verzweiflung einzig noch zu verantworten ist, wäre der Versuch, alle Dinge so zu betrachten, wie sie vom Standpunkt der Erlösung aus sich darstellen.“ Gegen die Unendlichkeit der Negation dieser Dialektik, die solchen Erlösungsglauben hervorbringt, hat sich Habermas mit seiner Diskurstheorie gestellt, die das negative Subjekt der Emanzipation zu einem tätigen in der Kommunikation, in einer kommunikativen Dialektik, verwandeln wolte. | s.a. vergl. hierzu: Norbert Trenkle: "Gebrochene Negativität" Wolfram Pfreundschuh: "Probleme des Marxismus"
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Eine negative Identität kann es an und für sich nicht in einer Geschichte geben, solange sie noch als Entwicklung zu begreifen ist. Erst durch das Unendlichwerden einer Selbstwiederholung in einer schlechten Negation oder in einer unlösbaren Krise entsteht eine Nichtung (siehe auch Negativverwertung), welche in der Kultur oder im Selbstwahrnehmungsprozess zu einer negativen Identität kommen kann, also zum Trieb, durch Vernichtung und Zerstörung zu sich zu kommen (s.a. Perversion). Ansonsten ist die negative Identität nichts anderes, als eine Negation in der Reflexion zu einer Position, also für sich negative Positionierung, die nach Erneuerung verlangt. In die "Negative Dialektik" von Adorno geht diesbezüglich ein Missverständnis ein, welche die Negation überhaupt mit negativer Identität gleichsetzt und von daher eine an sich seiende Falschheit für möglich hält. Die macht Dialektik aber zur Ontologie einer Wahrheit, diie dadurch wäre, dass sie nicht sein kann - ein Widersinn in sich. |
s.a. | |
Da Wert immer verausgabte Arbeit in einem gesellschaftlich durchschnittlichen Quantum von Arbeitszeit ist, lässt sich schlecht vorstellen, was diese negativ sein könnte. Nur über das fiktive Kapital lässt sich dies begreifbar machen, das in der Realisation negativ geworden ist (subjektiv formuliert: verspekuliert ist), also als Kapital Wert verliert, wenn es sich nicht kompensieren kann. Bürgerliche Ökonomen nennen dies, als ob es ein physikalisches Schicksal wäre, das "verdampfen" von Kapital, das Ausgleich erfordert. Aber es ist tatsächlich verausgabtes Kapital, nämlich verausgabt in die Kapitalzirkulation, worin es seinen Wert verliert, wenn sich Wertwachstum nicht aus anderen Produktionsbereichen einstellt oder durch Gewalt erpresst werden kann. Die kapitalistische Krise vergeht also nicht einfach in einem tendenziellen Fall der Profitrate, sondern erzeugt tatsächlich auch Negativkapital, das eingetrieben werden muss, soll nicht der Wertträger des Kapitalismus, Geld, dabei drauf gehen. Um dies zu erbringen werden die Steuerhaushalte belastet und das Kapital in der Besteuerung entlastet. Es entstehen Staatsschulden in einem Ausmaß, das sich nicht mehr durch Produktivitätswachstum ausgleichen lässt (siehe Staatsbankrott). Die Staatsverschuldung wird zum leitenden Thema der Staatspolitik, und bringt diese auch noch dazu, Staatsvermögen zu privatisieren (d.h. an das Kapital abzutreten) und Kapitalmärkte zu fördern, die der eigenen Wirtschaft nicht mehr nutzen. Dabei allerdings dreht sich die Abwärtsspirale weiter: lokale Märkte gehe unter, die Konjunktur verschlechtert sich durch Stagflationskrisen, ohne Teilhabe an einer Produktion entsteht allgemein ein Desinteresse an Kapital und Politik, minderwertige Arbeit erzeugt Arbeitslosigkeit und diese erzeugt neben den Gettos der Arbeitslosen zugleich auch Arbeitsunterbewertung, also Arbeitskräfte zu Billiglöhnen. Mit Negativverwertung ist also die Wertbildung im Nachhinein des Wertverlustes zu verstehen, also die Krisenkompensation durch Erheischung unbezahlter Arbeit, um einen verausgabten, aber nicht eingebrachten Wert zu kompensieren. Es handelt sich heirbei um die Aneignung einer Arbeit, die nicht in ein Produkt oder eine Kapitalformation (z.B. Grundrente) eingeht, sondern darin eingegangene aber wertmäßig unrealisierte Arbeit ausgleicht. Dies vollzieht sich in einer Unterdeckung von Geldwerten, die solange nicht wirklich inflationär sind, solange ihnen Verfügungsdmacht unterlegt ist, die potenziell Geldwert darstellt. So kann z.B. der Dollar als Weltwährung ohne weiteres ohne Deckung sein (dies ist er derzeit zu 48%!), ohne dass das augenblicklich spürbare Folgen hat, wenn seine Fähigkeit, Zahlungsdifferenzen auszugleichen oder Rohstoffe beizubringen, außer Zweifel steht (siehe hierzu auch Petrodollar). Von daher begründet die Negativverwertung eine Staatspolitik, welche sich als unmittelbar militärische Machtpotenz des Kapitalinteresses darstellen muss. Man kann dies mit Feudalkapitalismus bezeichnen. Die Negativverwertung wird darin hauptsächlich vom Staaatsvermögen im weitesten Sinne des Wortes aufgefangen und im Sinne der Währungsbesicherung betrieben. Neben dem wirtschaftlichen Staaatsvermögen hat der Staat ja auch ein potenzielles Staaatsvermögen durch die Arbeitskraft seiner Bürger und deren Nachkommen. Dies ist das letztliche Deckungsvolumen des Kapitals und wird daher auch wertmäßig als Staatsverschuldung, also als potenziell einzutreibendes Geld in Kauf genommen, als Gewalt auf die Arbeitskräfte. Damit lassen sich dann in der Tat Geldkreisläufe wieder stabilisieren, die allerdings immer wieder durch Verschärfung der Staatsverschuldung aufgefrischt werden müssen Die Hauptaufgabe des Staates ist dann längst eine Art Schuldendienst zum Erhalt der Währung geworden, der Geldbesicherung durch "frisches Geld" - sprich: notwendige Devisengewinne und Steuereinforderungen, also Ausbeutung fremder und eigener Arbeitskrarft zur Wertdeckung eines fiktiven Kapitals. Von daher belastet sie vor allem die anderen Leistungen des Staates (besonders Sozialleistungen und Zukunftssicherung). Deshalb muss der Staat bestrebt sein, so er nichts Wertvolles mehr zu verkaufen hat, den nichtig gegangenen Wert auch durch Entnahmen aus der Renten- und Sozialkasse zu kompensieren, die als Vorsorgeleistungen für den Schuldendienst deklariert werden. Der Ausfall an entsprechender Staatsfürsorge kann praktisch nur ausgeglichen werden, wenn der Arbeitszwang verschärft wird, sich also durch Entwertung der Arbeit (Minderung der Sozialleistuingen und damit der Löhne) die Mehrwertproduktion, die Erpressung unbezahlter Arbeit verschärfen lässt. Das durchschnittliche Reproduktionsvolumen, also der sogenannte Lebensstandard, wird dann notwendig gesenkt. Dieser Prozess lässt sich besonders daran zeigen, dass über die Verbilligung der Reproduktion der Arbeitskräfte durch "Sozialgesetze"(z.B. Hartz IV) Entwertungsprozesse des Arbeitsmarkts indiziert werden. Was Arbeit zur Reproduktion des bestehenden Lebensstandards erbringt (und auch finanziert) und erbracht hat, wird unter den Zwang gestellt, das Bestehende nur bewahren zu können durch den Eintausch unbezahlter Arbeit. Dies geschieht auch z.B. durch den großen Kreis der Selbständigen und "Ich-AGs", die zu ihrer Reproduktion weit mehr Arbeit leisten, als es von gewöhnlicher Reproduktion im allgemeinen Durchschnitt nötig ist. Der Mehrwert besteht darin also aus zwei Größen: Einer Wertgröße, die der Vergangenheit geschuldet ist und Wertverlust ausgleicht und sich daher negativ zum Wertwachstum einbringt, um in einer Krise den geschichtlichen Verwertungszustand der Gegenwart, ihren Lebensstandard wieder zu erlangen, und der Größe, die das gewöhnliche Wertwachstum einzulösen hat. Da sich Verwertungskrisen des Kapitals besonders im Staatshaushalt niederschlagen, in Staatschulden oder Staatsbankrott, wird der Staat zum Träger der Negativverwertung. Hierfür reicht die Tatsache, Bürger des darin umschriebenen Landes zu sein, um unter Druck zu geraten, Staatsschulden durch politischen Druck auf die Bevölkerung abzuarbeiten. Die hierzu gehörende Ideologie findet sich im Faschismus und Nationalsozialismus in vollständiger Zusammenstellung. Die Menschen werden darin ideologisch auf den Staat als Heilsbringer eines gesunden Volkskörpers mit allgemeienr Volksseele eingewiesen, um als Objekte der Negativverwertung zu dienen (siehe Vernichtungslogik). |
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"Es ist genug für alle da!" (ATTAC-Spruch) Neid unterstellt einen Bestand der Gegebenheiten, der im Besitzstand seine gerechte und rechtmäßige Form habe. Er ist das Verlangen, jenseits aller Vermittlung des Bestehenden zu haben, was darin als gegeben erscheint. Es ist der Glaube an die Gegebenheiten, der Neid erst hervorruft. Der "Neid auf das Bestehende" (Marx) ist die Grundlage der Reaktion, die sich jedem Fortschritt entgegenstellt (siehe reaktionäres Bewusstsein). Sie findet sich auch innerhalb der Linken, soweit sie nur um die Verteilung von Wertmasse oder Geld geizt und nur mehr davon abhaben will, was für die Menschen Herrschaft der Abstraktion bedeutet. Hier zeigt sich der Neid als Neid auf Macht, auf Verteilungsmacht, so dass er nicht mehr erkennen kann, dass die Abstraktion als Leerform einer Gerechtigkeit, um welche es dem Neid geht, diese Macht erst hervorbringt, deren Abschaffung damit vorgeblich erwirkt werden soll. |
s.a. | |
Die Neocons sind eine einflussreiche politische Gruppierung, welche denj Neoliberalismus in den USA politisch umsetzen. Sie betreiben vorwiegend die Auflösung stattlicher sozialer Funktion und Regulativen und aggressive Weltmachtpolitik (siehe Weltordnungskriege). Das kulturelle Konzept, das ihnen als Entwicklungsvorstellung für die Zukunft zugrunde liegt, ist das Tittytainment, eine Art von Konsumfaschismus, der die gesellschaftlichen Krisen des Kapitalismus überwinden soll. | s.a. | |
Der Begriff Neoliberalismus wurde als eine besondere Variante des Liberalismus im Jahr 1938 von den Ökonomen Friedrich Hayek, Wilhelm Röpke, Walter Eucken und anderen auf einer Konferenz in Paris zur Entwicklung eines Konzepts für eine langfristige und nachhaltige Wirtschaftspolitik geprägt. Aus ihm heraus entwickelte sich später in Deutschland vor allem der Begriff der "Sozialwirtschaft" als besondere Variante der "freien Marktwirtschaft", welche als ein Mittelweg zwischen Kapitalismus und Sozialismus verstanden werden wollte. Er wurde besonders von Ludwig Erhard nach dem Zusammenbruch der deutschen Wirtschaft am Ende des zweiten Weltkriegs als Ideologie für deren Wiederaufbau umgesetzt. Diesem Zusammenbruch war daher auch die Blütephase solcher Marktwirtschaft zu verdanken, das sogenannte deutsche Wirtschaftswunder. Sie konnte sich aus diesem heraus als Wende gegen jedweden Totalitarismus behaupten und war daher auch als eine Ideologie antiautoritärer Bewegungen zielführend. Allerdings erforderte diese Art Liberalismus einen Schutz des Individuums vor den Übermächten der Welt und der Natur. Ursprünglich forderte er daher vor allem eine starke Hand des Staates. Die Ursprünge dieser Haltung lagen schon vor der Hitlerzeit: „Der neue Liberalismus jedenfalls, der heute vertretbar ist, ... fordert einen starken Staat, einen Staat oberhalb der Wirtschaft" (Alexander Rüstow, deutscher Sozialwissenschaftler und neoliberaler Ökonom, im September 1932). Von der deutschen Auffassung von sozialer Marktwirtschaft unterscheidet sich das neoliberale Konzept des US-Ökonomen Milton Friedman zum Teil sehr deutlich. Dieses bezweckt vor allem die Stabilisierung der privaten wirtschaftlichen Potenzen und verlangt die weitgehende Privatisierung der staatlichen Dienstleistungen. Der Staat solle sich möglichst aus der Wirtschaft heraus halten, da die staatliche Geld-, Kredit- und Fiskalpolitik meist die Ursache von wirtschaftlicher Instabilität seien. Auch die Entstehung von Monopolen sei eine Sache des freien Markt. Dessen Selbstregulierungsmechanismen würden quasi automatisch immer wieder zu einem Marktgleichgewicht führen. Ein Schwerpunkt von Friedman ist seine Theorie zur Geldpolitik, die auch als Monetarismus bezeichnet wird. Der Staat soll nach seiner Auffassung alle Preisbildung dem Markt überlassen und durch eine monetaristische Geldmengenpolitik für eine stabile Währung sorgen und einen ausgeglichenen Staatshaushalt garantieren. Im Gegensatz zu John M. Keynes wird hier als Hauptaufgabe des Staates die Sicherung der Funktionalität der Märkte gesehen und nicht deren Regulation durch sozial orientierte Wirtschaftstechniken. Der Neoliberalismus refleektiert sich hauptsächlich aus dem Krisenmanagement des modernen Kapitalimus und ist wesentlich am Absatz orientiert (Förderung des Freihandels). Da die kapitalistischen Krisen auf ihrer Oberfläche vor allem als Absatzkrisen erscheinen, will er preislich günstigere Produkte erzielen, die den Konsum anregen sollen. Hierfür ist vor allem die Senkung von Löhnen, der Lohnnebenkosten und der Unternehmenssteuern nötig. Gemäß der G-I-B-Formel wird erhofft, dass niedrigere Löhne zu höheren Gewinnen (G) führen, die zu höheren Investitionen (I) anregen, was mehr Beschäftigung (B) schaffen soll. In diesem Sinn vollzieht der Neoliberalismus das Wertprinzip auf vollkommenste Weise durch das Prinzip der grenzenlosen Quantifizierung der Märkte als Prinzip des Nutzens der produktiven Verwertung gegen die menschlichen Lebenszusammenhänge der Wirtschaft. Nach der Analyse von Karl Marx ist dies jedoch nur die verschärfte Quantifizierung dessen, was er im "tendenziellen Fall der Profitrate" als wesentliches Oberfächenphänomen des Kapitalismus herausgearbeitet hatte: Den Fall der Profitrate bei zunehmendem Wachstum der Mehrwertrate. Das Wertwachsum beweist darin selbst sein Ende und wird nur durch die Gewalt der Verwertungspolitik immer wieder erneuert, z.B. durch Schaffung von Arbeitslosigkeit und Präkariat, also durch Verarmung der Bevölkerung. Als Entwicklungsprinzip beruht der Neoliberalismus gedanklich - wie jeder Liberalismus - auf der Ideologie des freien Spiels der Kräfte, also auf einer Geschichtsauffassung, dass Fortschritt positiv auf der Entfaltung der Gegebenheiten beruhe, wenn diese der ihnen immanenten Vernunft folgen können. Diese sei alleine in der Ethik beschränkt, dass Ihre Kräfte allgemein durch die Vernunft beschränkt sei, einander nicht zum Untergang zu bringen (siehe Kategorischer Imperativ). Der Neoliberalismus sieht aber von der Art und Weise dieser Gestaltung und ihrer Ethik ab und verbleibt als bloßer Glaube an die finale Nützlichkeit aller Gegebenheiten, wie sie sich im Verhältnis der sich widerstreitenden Mächte ergibt. Dieser Glaube läst sich allgemein als positives Denken fassen, das von Umständen, Zusammenhängen und Folgen absieht und ganz auf die Kraft der Aktivität und des Engagements setzt. Der Neoliberalismus setzt auf ein darwinistisches Wirtschaftsprinzip: Lässt man diese Kräfte der wirtschaftlichen Mächte frei, so ergebe sich letztlich immer positive Geschichte, wenn dies auch schmerzhaft für die hiervon zum Untergang gezwungenen Lebens- und Wirtschaftsformen sei. Das Problem sei, dass Planung, Regulation und Verteilungsgerechtigkeit diese Kräfte hemmen und jeder sozialstaatliche Ausgleich und nationalstaatliche Subventionen Fehlinvestitionen, vergebliche Mühe, also Verschwendung gegenüber der an sich im "freien Spiel der Kräfte" positiven Geschichte seien. In der Wirtschaft ergibt sich aus dem Neoliberalismus die Spekulation, dass Kapital sich letztlich nur in der Hoffnung realisieren kann, dass sich Investitionen frei zum Wertwachstum fügen und hierin die Überwindung der Krisen des Kapitalismus liege. Dies ist im Grunde die Spekulation auf die Macht des Kapitals über die Lebensnotwendigkeiten der Menschen, die Tendenz, die letzten Ressourcen weltweit für das international fungierende Kapital zu erschließen. Und dies entspricht insofern kapitalistischer Rationalität, wie Ausbeutung nurmehr durch Streuung von Kapital möglich ist, also Auspressung von Arbeitszeit für ein potenzielles Mehrprodukt sich darin realisiert, dass als allgemeine Lebensgrundlage Armut zur Lebensbedingung wird und Wertabschöpfung aus der Verkehrsgeschwindigkeit des produzierenden und zirkulierenden Kapitals bei großer Kapitalmasse möglich ist. Die Masse des hierbei spekulativ eingesetzten Kapitals zu der in realen Produkten (einschließlich Mehrprodukten) zirkulierenden Warenmasse verhält sich 100 zu 1. Das zeigt den Neoliberalismus als Ideologie eines an seinem tendenziellen Fall der Profitrate schon verzweifelten Kapitalismus, der in der Globalisierung seine letzten Marktreserven sucht. Er ist die Ideologie der weltweiten Krise des Kapitalismus, die sich inzwischen zu einer Vernutzung der Kulturen entwickelt hat, zur Unterwerfung von Kultur unter die Zwänge der Kapitalverwertung (siehe Wert). Von da her ist der Neoliberalismus auch die Legitimation einer kapitalistischen Ausbeutungsstrategie von Kultur und setzt sich dort auch psychologisch als feinsinniges Anpassungsprinzip an die Gegebenheiten fort (z.B. als Positives Denken, Esoterik). | s.a. | |
Von einigen Sozialpsychologen wird die Kultur der Globalisierung als Netzwerkkulutr bezeichnet (vergl. z.B. Richard Sennett: "Der flexible Mensch", Berlin 1998), oft auch im Zusammenhang mit dem Begriff der Informationagesellschaft. Damit werden die sozialen Beziehungen umschrieben, wie sie in Dienstleistungsgesellschaften anzutreffen sind. Gegenkulturen wären in diesem Verständnis z.B. Attac, Kultur-Attac |
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Neuroleptika, zu deutsch: Nervendämpfungs- oder -lähmungsmittel (z.B. Fluanxol, Haldol, Imap, Neurocil, Taxilan, Zyprexa), erhalten 95% aller AnstaltsinsassInnen mit den Diagnosen "Schizophrenie" und "Psychose". Außerdem werden diese Substanzen verwendet in der Medizin bei Allergien oder übermäßigem Schwangerschaftserbrechen, in der Tiermedizin z.B. zur Ruhigstellung nervöser Zootiere, in der Politik zur Folter politischer GegnerInnen und in der Anästhesie zur Herbeiführung eines künstlichen Winterschlafs des Biosystems. Als Hauptwirkungen der Neuroleptika gelten die Hemmung spezieller Nervenimpuls-Übertragungssysteme und die Dämpfung vegetativer Zentren, verbunden mit einer Vielzahl von Risiken und Schäden wie Muskelstörungen, Hormonveränderungen (mit Folgeerscheinungen wie Impotenz, Brustkrebs, Ausbleiben der Menstruation und Sterilität) u.v.m. Als weitere Folgewirkungen können psychische Störungen und Persönlichkeits-veränderungen auftreten, z.B. emotionale Vereisung, Apathie, Willenlosigkeit und Verzweiflungszustände bis hin zur Selbsttötung sowie Verwirrtheit und Psychosen. Informieren Sie sich gründlich, bevor Sie sich zur Einnahme überreden lassen. Wer Klarheit über die mit Risiken will, muß sich mit deren Wirkungsweise und Auswirkungen auseinandersetzen, erst recht, wenn ärztlicherseits das Interesse an einer umfassenden Aufklärung zu wünschen übrig läßt. Von allen psychiatrischen Psychopharmaka sind abhängig machende Wirkungen bekannt, institutionelle Hilfen beim Absetzen gibt es kaum. Speziell Tranquilizer, Antidepressiva und Neuroleptika können beim abrupten Absetzen zu lebensbedrohlichen Entzugserscheinungen führen; Entzugserscheinungen wie Schlaflosigkeit und Verwirrtheitszustände sind auch von Lithium und Carbamazepin bekannt. Insofern wollen der Entschluss zum Absetzen und dessen Prozess gut durchdacht sein. Achtung: Auch Kinder-, praktische und andere Fach-ÄrztInnen verwenden diese Psychopharmaka. In der neueren Psychiatrie werden seit Einführung der sogenannten Atypischen Neuroleptika durch Reduzierung der sogenannten Nebenwirkungen die Hauptwirkungen dieser Mittel umfänglich verharmlost (siehe auch Tardive Psychosen). Peter Lehmann (Antipsychiatrieverlag) | s.a.
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Neurose ist der ideologisierte Begriff für ein verselbständigtes Leiden der Selbstwahrnehmung (s.a. Verdrängung). Ideologisiert ist er durch dessen Biologisierung als Form eines Nervenleidens (Erkrankung der neuronalen Prozesse) welche ihm die Bedeutung einer naturwissenschaftlich zu begreifenden Krankheit gibt. Auch wenn Sigmund Freud diese in Beziehung zur bürgerlichen Kultur begreift, bleibt er doch in der Trennung von körperlichen und kulturellen Kräften befangen. Diese ist das Produkt eines mit der Aufklärung eingeführten Denkens. |
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