| Buchstabe Ph | ||
Phänomenologie ist eine zur Wende ins 20. Jahrhundert im Wesentlichen von Husserl ausformulierte Geisteshaltung und Erkenntnismethode, die sich besonders gegen den subjektiven Idealismus des Neokantismus wandte. Er wollte vor allem die rationalistischen Momente des aufklärerischen Denkens (siehe Vernunft) durch introspektivisches Denken ersetzen, durch Annäherung in einer Reduktion auf das Wesentliche, durch eine "eidetische Reduktion", eine Wesensschau. Darin wird der Gegenstand der Erkenntnis auf eine Gedankenabstraktion hin reflektiert, die als das Wesen seiner Erscheinung gilt, als das, was er wirklich ist. Das wichtigste Element der Phänomenologie ist die Intentionalität des Bewusstseins (Brentano), die sich in der Sinngebung deutend verhält, so dass der Gegenstand des Bewusstseins nur in der Intention seiner Erzeugung erkennbar ist, also kein vom Bewusstsein unabhängiges Wesen hat. Er wird als Gegenstand für den Menschen so interpretiert, wie er praktisch wesentlich für ihn sein kann oder sein soll, ohne dass dieses Denken eine notwendige Schlussfolgerung vollziehen muss. Von daher ist solches Denken die Tätigkeit eines interpretativen Verstandes, der im Vorhinein schon als wesentlich begriffen haben will, was vorgeblich erst zu verstehen ist. Er nimmt daher auch seinen Gegenstand als eine bloße Wirklichkeitskonstruktion der Subjekte wahr (siehe Wahrnehmung), die sich darin verwirklichen. Ihre Entfremdung hiervon macht für die Phänomenologie daher auch ihren Irrtum, bzw. ihren Mangel in ihrer Verwirklichung aus, besteht also substanziell nicht in ihrem Gegenstand sondern ist letztlich immer Selbstentfremdung. Von daher genüge die Introspektion zur menschlichen Emanzipation. Die Phänomenologie erschien als Erlösung aus dem Objektivismus der kantianischen Naturwissenschaftlichkeit, die besonders gegen die wilhelminische Geisteshaltung Emanzipation versprach (siehe auch Psychoanalyse). Mit dieser Form des Subjektivismus aber war implizit eine Ontologie des Subjekts nötig, die sich in jedem Phänomen zu bestätigen schien (siehe hierzu auch den Kulturbegriff der Psychoanalyse). Darin aber war alles letztlich mit sich identisch und nichts wirklich beweisbar, weil es Wirklichkeit als solche nicht von und für Menschen gab, sondern nur als Äußerlichkeit schlechthin. Der Mensch wurde zu einer übergeschichtlichen Identität, zu einem Wesen für sich selbst Und so war die Grundlegung einer antiwissenschaftlichen Philosophie geschaffen, die ihre Wesensschau letztlich nur in der Abkehr von einer Auseinandersetzung mit den wirklichen Gegenständen der Erkenntnis und deren Beweisführung durch analytisches Wissen brachte. Hierdurch war alles Objektive zugleich wesentlich subjektiv und alle Subjektivität objektiv und so hätte sich Phänomenologie selbst erübrigt, wäre sie nicht reine Philosophie des Wissens, die Weisheit der Selbstbezogenheit geworden. Damit war die objektivistische Subjektivität der Wahrheitssuche des Martin Heidegger möglich geworden und sein Einfluss auf das nationalsozialistische Menschenbild, auf das Lebensverständnis eines durch sein Wesen geläuterten Daseins im Sinn seiner Wahrheit folgerichtig: Gesinnungswissen. Indem das Gegebene, das Seiende nur an seinem wahren Sein zu messen sei, war eben vor allem dem Menschen die Unvollkommenheit des Seienden, der vorhandenen Welt, anzulasten und ihm die Abkehr von der "Seinsvergesssenheit" abzuverlangen. Ganz im Gegensatz hierzu konnte auch 50 Jahre später die Phänomenologie wieder auftrumpfen, als ein objektivistischer Strukturalismus in linken Denkgewohnheiten ein Verlangen nach Freiheit und Beweglichkeit des Denkens aufkommen ließ. Das erkennende Subjekt schien vergessen und Subjektivität des Objektiven wurde innerhalb einer bestimmten Schicht der Linken - nämlich gerade der, welche sich vergessen hatte - eingefordert. Phänomenologie schließt alle Lücken und heilt alle Wunden. Und so fand sie auch in der Umkehrung ihres Ursprungs aus der Wirklichkeitskonstruktion, in der Dekonstruktion der Wirklichkeitskonstrukte, ihren Gefallen. Immerhin schien damit seit den 70ger Jahren des 20. Jahrhunderts eine psychologische Überwindung des strukturellen Marxismus möglich (siehe Derrida, Foucault), in welcher eine Subjektivität des Denkens auf der Abwendung von objektiver Macht sich begründen wollte als einfache Negation der Mächtigen, ohne deren Bedingtheit wesentlich berühren zu müssen. Subjektivität erschien somit schon per se als Gegenmacht - und das war ja schließlich auch der Denkansatz der Phänomenologie. Phänomenologie will "beschreiben, nicht erklären oder analysieren" (Merleau-Ponty, Phénoménologie de la Perception, 1945) und macht das Ich des Betrachters, nicht seinen Gegenstand oder sein Erkenntnisinteresse, zur Substanz der Wahrheit seiner Erkenntnis. Das naive Moment des Erkennens wird damit absolut, beziehungslos und apriorisch, unwiderlegbar und ohne Beweisnot: "Alles, was ich von der Welt weiß, selbst durch die Wissenschaft, weiß ich von meiner Sicht oder meiner Erfahrung der Welt aus" (Merleau-Ponty). Es ist, als ob jeder Mensch die Welt sich als das erfindet, als was er sie empfindet, sich jeder Mensch eine prinzipiell neue Welt, sich selbst jenseits aller Geschichte auf die Welt bringt, ganz gleich, was in dieser dank der Arbeit und Erfindung vieler Generationen ihm schon gegenständiche Voraussetzung ist, Inhalt seiner wirklichen Erfahrung, wie auch Grund seines Werdens und seiner Notwendigkeiten. Es ist eine entsprechend einfältige Identität, die sich in einem solchen "Ich" bildet, das ja selbst eine Abstraktion ist, von der es nichts wissen muss. Und deshalb kann es leicht mit der Vielfalt seiner Betrachtungen kokettieren. Derweil reduziert es das menschliche Gehirn auf seine Lokalität, auf sein Dasein als Augenhintergrund mit Blick nach innen und macht auf diese Weise jede potenzielle Erkenntnis zur unwiderlegbaren Selbstbetrachtung, zum ausschließlichen und ausschließenden Selbstbezug. Das sich in seiner Verallgemeinerung hieraus ergebende esoterische Subjekt eines archaischen Weltenganzen der Selbstbetrachtung hat die Übermenschen erst richtig in Gang gesetzt. Und auch noch heute zeigen die Phänomennologen z.B. in der Gestalt eines Bert Hellingers, wozu sie mit ihrem Anrühren der naiven Erkenntnis in der Lage sind. Grundlegend für die Phönomenologie Husserls ist die Wendung gegen das Abstrakte durch eine Erkenntnis, welche ein "geistiges Schauen", eine intuitive Annäherung an das Wesentliche sein will, ein inneres Ansprechen des Gegenstands, von dessen bestimmter Existenz, von dessen "Was-heit" ausdrücklich abgesehen wird. Rational werden zwar seine allgemeinen Bedingungen als äußere Allgemeinheit seines Seins hinzugenommen, nicht aber deren Beziehung auf sein Wesen. Dieses bleibt damit wesentlich unabhängig von jeder Objektivität, die lediglich als dessen Umstand angesehen wird, als Gegebenheit, die als Seiendes nur da ist.. Damit ist die Beziehung von Inhalt und Form, wesentliche Grundlage jeder Dialektik, aufgehoben und also auch die Erkenntnis jeglicher Formbestimmung abgestreift, was in der Konsequenz die Anerkenntnis jeglicher Objektivität als bloßen Ausdruck des Subjekts nötig hat, also ihre Für-Sich-Bestimmtheit vom Erkenntnisinteresse ausschließt. Damit wird die Entfremdung des Menschen als bloße Aufgabe der Selbstfindung gestellt und in eine psychologisierende Philosophie zurückverwiesen, also auf die Philosophie, die von Husserl angegriffen sein sollte. Denken wird hierin zu einem Kriesen um das Subjekt, zu einer Tautologie der Selbsterkenntnis als Anspruch auf eine Selbstverwirklichung, die längst schon stattgefunden hat und lediglich durch Aufdeckung ihres Wesens, durch die Ent-Deckung seiner Genealogie, seines Archetyps, von den Unreinheiten seiner Gegenwart zu befreien ist. Phänomenologie will aufklären über die ihr mysteriös verbliebenen Erscheinungen des Seins und ordiniert der Abstraktion das Anschaubere des Allgemeinen zu. Damit wird phänomenologisches Denken zwangsläufig zu einem Denken der Fixation des Abstrakten im Allgemeinen, der porsitiven Bestärkung der Abstraktionh (siehe | s.a. | |
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"Da, wo die Spekulation aufhört, beim wirklichen Leben, beginnt also die wirkliche, positive Wissenschaft, die Darstellung der praktischen Betätigung, des praktischen Entwicklungsprozesses der Menschen. Die Phrasen vom Bewußtsein hören auf, wirkliches Wissen muß an ihre Stelle treten. Die selbständige Philosophie verliert mit der Darstellung der Wirklichkeit ihr Existenzmedium." (MEW 3, S.27) Philosophie ist die Wissenschaft von der Lebensweisheit, das Wissen über das menschliche Sein als solches, ob es dies als solches nun gibt oder nicht, ob es dem Menschen zu eigen oder ihm fremd ist (siehe hierzu auch Religion). Dass wir eine Verständigung über das suchen, was menschliches Leben ist, was dessen Wesen und Sein begreifbar machen soll, weist daraufhin, dass wir es nicht für selbstverständlich halten, dass Leben und Nichtleben, Leben und Tod einfach und praktisch unterscheidbar, für sich also nicht so eindeutig sind. Wieweit dies theoretisch zu unterscheiden ist, wieweit es überhaupt eine Frage des theoretischen Bewusstseins sein kann, bleibt als Frage an die Geschichte gewendet, in welcher jedes Wesen auf- und untergeht, verwest und doch fortbesteht, und sich gerade in seinem Fortbestand, in seinem Sein darüber hinaus, sich also jenseits seines Daseins bewahrheitet. Das praktische Leben und sein Begriff fallen daher schon in seiner Befragung auseinander und erweisen ihre Trennung in der Abstraktion der Theorie, in dem, was Wissenschaft für sich sein lässt, solange sie noch subjektiv, also noch nicht in der Erkenntnis ihres Gegenstands - als Gegenstand der Wissenschaft schlechthin - aufgegangen ist. Insofern ist Philosophie die Theorie des Denkversuchs, also des Suchens nach einem dem menschliche Sein angemessenen Denken, Interpretationsversuch eines Gedankens zum Wissen und Verstehen der gegenständlichen Welt, woraus sich Gewissheit und Bewahrheitung ergeben würde. Schon in ihrer theoretischen Beziehung selbst besteht die Trennung von Gedanke und Wirklichkeit, deren Aufhebung eher ein edles Ziel der Philospie ist, als dass sie dies auch wirklich zustande brächte. Eher wird sie zur Interpretation der Welt, als dass sie diese wirklich zu ändern verstünde. Zu begreifen wäre nämlich hierfür weniger der theoretische Geist als solcher und die Phänomene des Erkenntnisprozesses in der bloßen Freiheit des Denkens, sondern wesentlich die Form, der Begriff des praktischen Lebens, die sich über das geschichtliche Dasein ihres Inhalts hinaus bewahrt, die Substanz, woraus "Leben als solches" ist, das Leben, wie es praktisch für sich, wie es in seiner Isolation erscheint und seine Befreiuung, seine Emanzipation aus den Fesseln seiner Institutionalisierung in der bürgerlichen Gesellschaft sucht (siehe Dialektischer Materialismus). Die Philsosophie aber hat dies zu einer Frage der Wahrheit selbst gemacht, zu einer Theorie des Ursprungs und Grundes des wahren Lebens oder, wie Adorno das nannte, zu einer "Lehre des richtigen Lebens", zu einer Ethik. Folgt man ihm und der Philosophie des Denkens überhaupt, so bliebe sie nach wie vor Maßstab der Wahrheit und erhaben über die Falschheit der erscheinenden Welt, dazu verdammt, ihrem Sterben ins Auge zu sehen (Platon) und die Menschen zu einem wahren Leben zu erziehen und die Politik hiernach zu bestimmen. Die Nöte und Widersprüche der Welt selbst werden so zu deren "Fehler“. Um sie zu ändern, bedarf es innerhalb der Philosophie keiner praktischen Notwendigkeit, sondern des intellektuellen Entschlusses als Wille, das "richtige Leben“ gegen "das Falsche“ zu schaffen. Und weil eine hierin begründete Politik nur aus dem Willen zur Veränderung der Welt besteht, ist sie selbst als deren Alternative auch an die Vorausgesetztheit der Welt überhaupt gebunden, ist sie Veränderungswille zum Erhalt des Bestehenden. Der Intellekt stellt sich zwischen die Alternativen, beurteilt Wahrheit und Täuschung für sich und setzt hieraus den nötigen Willen gegen die Affirmation des Falschen. Die Alternative dazu liegt in dieser Reflexion, im politischen Willen als Praxis des theoretischen Bewusstseins (siehe auch praktisches Bewusstsein). Damit wird das praktische Bewusstsein zum Teil der theoretisch begründeten Affirmation, zur Ideologie, denn es muss leugnen, dass es sich überhaupt nur gegen das begründet, was außer ihm existiert und was daher auch seine Existenz ausmacht: "Indem die Philosophie als Wille sich gegen die erscheinende Welt herauskehrt, ist das System zu einer abstrakten Totalität herabgesetzt, d.h. es ist zu einer Seite der Welt geworden, der eine andere gegenübersteht. Sein Verhältnis zur Welt ist ein Reflexionsverhältnis. Begeistet mit dem Trieb, sich zu verwirklichen, tritt es in Spannung gegen anderes ... So ergibt sich die Konsequenz, daß das Philosophisch-Werden der Welt zugleich ein Weltlich-Werden der Philosophie, daß ihre Verwirklichung zugleich ihr Verlust, daß, was sie nach außen bekämpft, ihr eigener innerer Mangel ist, daß gerade im Kampfe sie selbst in die Schäden verfällt, die sie am Gegenteil als Schäden bekämpft, und daß sie diese Schäden erst aufhebt, indem sie in dieselben verfällt. Was ihr entgegentritt und was sie bekämpft, ist immer dasselbe, was sie ist, nur mit.umgekehrten Faktoren." (Karl Marx in MEW EB I, S. 328) So kann sich auch in der Philosophie selbst in ihrem verspürten Mangel gegenüber der Welt nur der Streit um die "richtige" Reflexion der Welt auftun als ihr immanenter Streit um die Erkenntnis der Welt selbst. Die Philosophie existiert selbst nur durch die Philosophen, die sich überhaupt für das richtige menschliche Leben versammeln. "Sie unterscheiden sich in der Art, wie sie die nach ihrer Ansicht so unter der Macht ihrer eigenen fixen Gedanken seufzende Menschenwelt erlösen wollen; sie unterscheiden sich in dem, was sie für fixe Gedanken erklären; sie stimmen überein in dem Glauben dieser Gedankenherrschaft, sie stimmen überein in dem Glauben, daß ihr kritischer Denkakt den Untergang des Bestehenden herbeiführen müsse, sei es nun, daß sie ihre isolierte Denktätigkeit für zureichender halten oder das allgemeine Bewußtsein erobern wollen." (MEW 3, S.14) Philosophie ist die in sich notwendig abstrakte Selbstverständigung des Menschen mit dem Menschen und menschlicher Wirklichkeit, menschliche Weisheit, die sich in unterschiedlicher Weise und mit verschiedenem Interesse auf die Welt bezieht, z.B. als Theologie, Idealismus, Empirismus, Rationalismus, Aufklärung usw. Philosophie gründet auf dem sich selbst bezweifelnden Denken. Sie ist eine Diskussion der Selbstgewissheit des Menschseins. Von daher ist die Geschichte der Philosophie die Geschichte von Positionen der Selbstgewissheit, Selbstfindung des Denkens als Sinn für das menschliche Leben, das seinen Selbstzweifel aufzuheben sucht Philosophie hat selbst erwiesen, dass sie sich nicht wirklich machen kann, ohne sich zu verlassen, ohne in wirkliches Sein überzugehen. Von daher kann sie nur Gedanken bilden, zu denen die Wirklichkeit drängt, um an und für sich wahr zu werden (siehe Falk/Pfreundschuh "Entäußerung und Entfremdung in den ökonomisch-philosophischen Manuskripten"). Das Bewusstsein ist ohne Philosophie notwendig borniert, weil es in seiner Unmittelbarkeit dem Warenfetisch unterliegt und nur widerspiegelt, was es als allgemeine Gewissheiten kennt. Umgekehrt ist Philosophie borniert, wo sie sich nicht aus der Lebenspraxis der Menschen als ihre Frage erhebt |
s.a.
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