| Buchstabe Ps | ||
Psyche (griechisch für Hauch, Atem) ist eigentlich nur das Fremdwort für Seele. Als Fremdwort dient es vor allem ihrer Verwissenschaftlichung, d.h. als Begriff zur Grundlegung der Wissenschaft von ihr, der Psychologie und der Psychiatrie. Dort ist es ein Terminus für "innermenschliche Wahrnehmungszusammenhänge" oder für "innere Erlebenszustände" oder ein Begriff für Emotionalität oder funktionale Zusammenhänge des Verhaltens. Jedenfalls ist hier der Begriffsursprung aus der griechischen Sagenwelt ausgelöscht und Psyche zu einem "Fachwort" für Regungen oder Angelegenheiten des "Gefühlslebens" geworden. In der Wortverfremdung ist ein Problem verborgen, das höchst dramatisch ist: Als Gegenstand von Wissen soll Seele - als Psyche - objektiv gefasst sein, zugleich aber pure Subjektivität betreffen. Psyche ist in der Psychologie praktisch der Begriff für alles, was menschliche Subjektivität oder deren Individualität ausmacht. Hierbei wird beides gleichgesetzt und somit die Spannung zwischen menschlicher Subjektivität, wie sie vor aller Wissenschaft besteht, und ihrer individuellen Form, bzw. der Form ihrer Individualität entproblematiesiert. Wissenschaft kann aber gerade nicht selbst subjektiv sein und nimmt Psyche daher in Wahrheit auch nicht subjektiv, sondern nur gegenständlich, also objektiv wahr. Diese Problematik ist durch die Vermengung schlicht aus der Welt. Indem dann Seele gegenständlich genommen wird, also objektiv, wie kann sie dann der Inbegriff der Subjektivität sein, welchen Psychologie behauptet? Eigentlich ließe sich Seele dann in keiner Wissenschaft erfassen, wenn sie nicht wirklich objektive Formen einginge. Wenn und wo sie nicht selbst auch wirkliche Gegenständlichkeit hat, kann man sie nicht beschreiben ohne sich über ihr Wesen hinwegzutäuschen. Schließlich gilt sie unmittelbar ja als die Welt der Subjektivitä schlechthin, der Gefühle und Selbstwahrnehmungen. Werden diese nicht von objektiven Gefühlen unterschieden, so wird Subjektives unmittelbar objektiviert, Empfindungen und Gefühle ihres unmittelbar menschlichen Sinnes beraubt, Seele formalisiert, anstatt dass ihre Form in ihrer Bestimmtheit (siehe Formbestimmung) begreifbar werden würde. Dass Seele Gegenstand von Wissenschaft sein kann, kann man nicht fühlen. Als Psyche wird sie dies wie selbstverständlich und ohne Gefühl. Da lässt sich leicht über ein "psychisches System" und "psychische Strukturen" reden (siehe Psychoanalyse), durch welche Formulierungen und Handlungen von Menschen zu erklären seien, und von Prinzipien des Psychischen (Gestalttheorie), ohne dass ein Gefühl der Befremdung auftreten müsste. Der Begriff Psyche ist, gerade weil er diese Selbstverständlichkeit nahelegt, ein Behinderung des Zweifels, der hierzu geboten ist. Als solcher Begriff führt dies unter der Hand leicht zu einer Gleichsetzung von Geist und Gegenständlichkeit (siehe Objektivität) - gerne auch besonders hüsch garniert durch die griechischen Mythen von Psyche, Ödipus, Elektra und dergleichen mehr. Solche Gleichnisse stellen die Wahrnehmungen und Erkenntnisprobleme von Menschen in den Raum eines Weltenschicksals mythologisierter Verhältnisse, dem sie gleichgemacht und damit unterworfen werden. Mit einer übergeschichtlichen Paraphrase wird lediglich die Affirmation seelischer Selbstentfremdung betrieben und die Möglichkeit menschlicher Emanzipation aus dem Dilemma der seelischen Krise verstellt. Desgleichen auch bei der Handhabung seelischer Probleme als psychische Eigenarten, die von Eigenarten unterschieden werden, die existenzförderlich gelten. Psyche wird so als etwas Willkürliches aufgefasst, welches durch sein Dazwischentreten die "vernünftigen" Abläufe im Alltagsleben der Menschen stört. Subjektivität wird somit an dem bemessen, was für eine Alltagsexistenz notwendig ist, was also durch das Gegebene geboten ist. Die Schwierigkeit liegt oft darin, dass sich derlei Notwendigkeit aus den zwischenmenschlichen Beziehungen ergibt, bei der sich Menschen bedrängen, nicht ertragen, weil sie nicht wahrhaben können, was sie voneinander wahrnehmen. Hierbei wird das Psychische an dem bemessen, was für die Existenz solcher Beziehungen vonnöten ist. Auch dies entspricht einer allgemeinen Existenznotwendigkeit, welche aus Erkenntnisproblemen psychische Probleme werden lässt. Nur wenn Psyche wirklich als Seele begriffen wird, entsteht die Möglichkeit, sie als wesentlich menschlich anzusehen, auch wenn sie Schwierigkeiten macht. |
Themenabend: |
|
Psychiatrie ist eine medizinischen Fachrichtung zur Behandlung disfunktionaler Seelen. Hierbei wird von einer Krankheit der Psyche ausgegangen, die durch abnormale Phänomene in Erscheinung getreten sei und als irre oder verrückt empfunden wird. Objektiv funktioniert die Psychiatrie als Institution des bürgerlichen Staates und kann daher auch nur gemäß dessen Funktionalität arbeiten. Ihm geht es darum, Lösungen für soziale Probleme anzubieten, um das Sozialwesen intakt zu halten (siehe Sozialstaat) und die Kosten zur Behebung von Disfunktionen zu minimieren und sie auf die Chancen ihrer Funktionalität hin zu sortieren. Die Sortierung besteht aus Etikettierung ("Psychische Krankheit"), Therapie durch Biopolitik (Psychopharmaka) und Verwahrung durch Anstaltspsychiatrie. Ein weiterer Bereich der Psychiatrie ist die Forensik, also die Behandlung von Menschen, die in ihr Gewahrsam kommen, weil sie für Verbrechen verurteilt sind, die als Ausfluss einer seelischen Disfunktion angesehen und mit entsprechendem Urteil bedacht wurden. Hierbei übernimmt die Psychiatrie die Totalisierung der Gefangennahme mit dem Überbegriff des Gewahrsams bis in die Körperfunktionen hinein (siehe Psychopharmaka). Es ist dies der schwierigste Bereich sozialer, psychologischer und rechtlicher Beziehungen, den die Psychiatrie hier zu vertreten hat. Demzufolge treffen sich hier auch alle Funktionen des Staates an einzelnen Individuen, deren Gesellschaftlichkeit, Recht und psychische Identität nicht nur beschränkt, sondern per medizinischem Hoheitswissen aufgehoben wird, das sich gegen jede Willensäußerung erhaben sieht. Das Medizinische Urteil ersetzt so das juristische und in aller Regel weit folgenschwerer, weil totaler. Die Ursachen der Verflechtungen können an dieser Stelle meist nicht mehr angegangen werden und bleiben daher in hohem Maße undurchsichtig. Subjektiv beruht das Wissen und Selbstbewusstsein der Psychiatrie auf Vorstellungen, welche die darin tätigen Menschen von seelischer Gesundheit und "der Krankheit" ihres "Klienten" und haben (siehe z.B. Kräpelin Darin begründen sich auch Faschisten zuallererst als heilbringende Hygiene-Macht. Da sie vorwiegend aus einer ästhetischen Wahrnehmung des Zeitgeschehens hervorkommen, ist die Ordnung der Kultur ihr erstes Interesse und so ist die Psychiatrie schnell das Werkzeug, Kulturerscheinungen der "Unordnung" auszurotten. Aber auch über die liberalen und linken Vorstellungen, die sich auf eine Verbesserung der Psychiatrie beziehen - und seien sie theoretisch bis in die Dekonstruktion des Staates (siehe Dekonstruktivismus, Foucault) getrieben - setzt sich die Notwendigkeit funktioneller Beziehung zum Gegenstand der Psychiatrie, dem "Irren" oder "Verrückten" oder "Ausgeflippten", zwangsläufig durch, weil das funktionelle Verhältnis der Institution notwendig zynisch ist und eine Quantifizierung vermittelst Stellenschlüssel und Krankenkassenbudget auch gegen kritische Attitüde provoziert. Letztlich ist Psychiatrie nur ein Ort, an dem ein gesellschaftliches Problem, das sich nicht mehr auf seine soziale Herkunft beziehen lässt oder dort auseinandergesetzt werden kann, stationiert wird. Das ist vielleicht ein Treffpunkt, aber im Grunde ist der fatal für alle Beteiligten und nur für den gut, der dort die Willkür seelischer Absichten austoben oder genießen oder beherrschen will. Psychiatrie ist für sich selbst und für die Menschen eine zwangsläufige Unmöglichkeit, eine Absurdität ohne wirkliche Notwendigkeit. Gewendet ist dort lediglich das kränkende Verhältnis, dem ein Mensch durch Verrücktheit entkommen will; aber gerade darin ist sie fatal: Sie deckelt die notwendige Verrücktheit nur ab, indem sie den Menschen fast durchweg mit Psychopharmaka behandelt und lähmt, auflöst oder auch durch Chronifizierung und Abhängigkeit zerstört. Hierin ist sie die Falle kultureller Verhältnisse; wer da hineingelangt, muss Wege finden, wie er da möglichst schnell wieder herauskommt. Allerdings verlangen diese auch besondere Bedingungen, die dem entsprechen, was sich treffen will, wenn mensch verrückt ist. Viele in der Psychiatrie Tätige verzichten daher auf ein eigenes Verhältnis zu ihrer Tätigkeit und verstehen sich in dem, was sie objektiv Tun müssen, ungebrochen. Doch auch das hat Folgen: Eine hohe Affinität zur "Problemlage" der Anstaltspsychiatrie wird vor allem darin signifikant, dass die Selbsttötungsrate von PsychiaterInnen die höchste von allen Berufsgruppen ist. Auch die veröffentlichen Empfindungen von PsychiaterInnen und anderem Personsonal bei der Therapieanwendung, z.B. bei der Vergabreichung von Psychopharmaka oder "harten Kuren" wie Elektroschocks (siehe Kerstin Kempker: "Mitgift" oder Gotkin: "Zuviel Zorn, zu viele Tränen") weist auf eine extrem widersprüchliche zwischenmenschliche Beziehung hin. Oft bestimmt sich die Beziehung der therapeutisch arbeitenden zu den Therapieempfängern aus einer distanzierten Nähe, die sich in symbiotischen oder gewalttätigen Handlungen verwirklicht - meist beides in einem. Insgesamt entblödet sich die Einstellung der "HelferInnen" in der Frage: Wie geht man mit einem Menschen um, der in dieser Gesellschaft nicht mehr mit kann und verrückt wird? Nicht das Nichtwissen ist ihr vorzuhalten, - das ließe sich ändern, wenn Änderung verlangt wäre -, und auch nicht, dass sie eine Existenz des Verrückt-Seins bietet, sondern dass sie die Frage des Verrückt-Seins als eine Frage des Umgangs stellt, deren Beantwortung ja auch nur Umgänglichkeiten ergeben kann. Im Umgang wird die Macht dessen , der mit anderen umgeht, indem er sie umgeht, zu einem zwischenmenschlichen Verhalten verklärt, das eine Gemeinschaft in der Beantwortung von Notwendigkeiten idealisiert und vor allem Gewalt darin umsetzt, dass sie nicht die Notwendigkeiten des Verrückt-Seins zu einem Verrücken der Notwendigkeiten macht, sondern alleine die Notwendigkeit der Institution und ihrer Lebenswelten (z.B. Familie) als Wendung einer gemeinschaftlich behaupteten Not durchsetzt. Die Not der Institution ist immer ihre Unzulänglichkeit in Bezug auf ihre Aufgabe, die Krisen der Gesellschaft und ihrer Verhältnisse aufzulösen. Die Not des Verrückten ist das Gegenteil: Die Affirmation einer übermenschlichen Vernunft unverrückbarer Verhältnisse, die Entrückung menschlicher Empfindungen und Gefühle erzwingen. Psychiatrie ist die doppelte Negation dieses Zwangs, die volständige Entäußerung des Verrücktseins als Umgang mit Verrückten. Im Großen und Ganzen geht die Psychiatrie daher auch nur mit Psychopharmaka um, weil sie nur damit richtig und ihrem Begriff entsprechend funktioniert. Deshalb ist sie eine exklusive Institution der Bio-Politik - wohl eine ihrer wichtigsten. Beachtenwert ist auch eine psychoanalytische Form von Psychiatrie, die sogenannten Dynamischen Psychiatrie. |
s.a.
Literatur für Psychiatrie-InsassInnen:
|
|
Ideologischer Begriff für einen Wahrnehmungszustand der durch diesen Begriff als Krankheitssymptom gefasst wird (siehe Krankheit), als Phänomen eines Siechtums im Individuum, das sich hierdurch eindeutig von einem gesunden unterscheiden ließe. Bei den körperlichen Erkrankungen wird nach den äußeren Ursachen noch meist gesucht. Wo aber Seele als "krank" bezeichnet wird, wendet man sich im Wesentlichen von ihr ab. Sie wird zur Gefahr für die "Sozialhygiene", besonders, weil allgemein unbegriffen ist, was sie überhaupt darstellt. Von da her ist der Begriff der Psychischen Krankheit ein Abgrenzungsbegriff, ein Ordnungsbegriff zur Isolation eines psychischen Geschehens im betroffenen Menschen (s.a. Individualisierung), oft auch zum Schutz der eigenen Seele, vor einer sichtbar gewordenen Kränkung, die sie erfahren hat und vor der man sich schützt, damit man sie nicht erfahren muss. |
s.a. |
|
"Wo ES war, soll ICH sein" (Sigmund Freud) Psychoanalyse ist eine "introspektive" Richtung der psychologischen Forschung, die sich im Wesentlichen auf der These begründet, dass alles Psychische (siehe Seele) auf einem Befriedigungsstreben beruhe, welches die "Wiederherstellung des Bildes eines Befriedigungserlebnisses" (Freud 1900, "Traumdeutung", Indem die Psychoanalyse von einem Befriedigungsbild als Inbegeriff der seelischen Regungen ausgeht und dessen Streben nach Wiederholung als Trieb begreift, der zugleich von einem Naturtrieb wie von einem Willen der Natur gespeist ist (vergl. hierzu Schopenhauer), erfüllt sie die Grundlagen des Bedürfnisses, wie es in der bürgerlichen Gesellschaft vorkommt als Einverleibungstrieb. Die Psychologie beschreibt die Erfüllung abstrakter Bedürftiglkeit als Lust, deren immanentes Streben logisch sei. Von da her leitet sie jegliche Identität als Identität des Bedürfens und seiner Erfüllung ab, das menschliche Verlangen letztlich als naturalisiertes Verlangen nach Menschen. Zugleich weiß sie dieses Verlangen selbst als unbeschränkt, als unendliche Bestrebung, welche nur von den Momenten der Befriedigung unterbrochen ist und welche zugleich für sich - eben so wie sie von Freud verstanden wurde - zur Lebensunfähigkeit wird, findet sie nicht durch Kulturleistung zu einem kulturfähigen Subjekt - zu eben jener Persönlichkeit, die mit einem ICH ausgestattet ist. Die Genese dieses ICHs zu erklären und zu behandeln, ist das Betätigungsfeld der Psychoanalyse. Darin verhält sie sich aufklärend und begreift den Entwicklungsprozess selbst als Naturverhältnis, welches in kulturfähiges Verhalten durch Objektbesetzung, Übertragung und Selbstkontrolle, durch eine imperative Instanz nur entwickelt werden könne. "Wo ES war, soll ICH sein", schreibt Sigmund Freud. Er drückt damit auf der Ebene von Kategorien das aus, was zugleich in gewöhnlicher Sprache seine Auffassung selbst kritisiert: "Wo es war, soll ich sein" - das ist im Prinzip die Selbstverneinung einer Kultur, die es nicht bringen kann, in der ich nicht sein kann, wohl aber sein soll, weil es darin so war, dass es nicht bleiben kann. Solches Lebensverständnis macht die Psychoanalyse zur Protagonistin des bürgerlichen Lebensverständnisses, das ihre doppelte Beziehung in ihrer Gegensinnigkeit formuliert. Es ist die Notwendigkeit des Besitzstandes, sich in seiner Bedürftigkeit zugleich kontrolliert und kontrollierend zu verhalten, sich nicht dem Sein wirklich zu überlassen, weil man in der Besitzlosigkeit untergeht. Es ist eine Kultur, in welcher die Einverleibung von Menschen in zwischenmenschlichen Beziehungen (hier Objektbesetzung genannt) das bestimmende Moment der Subjektivität ausmacht. Ontologisch liegt der psychoanalytischen Auffassung ein überhistorischer Dualismus von Naturstreben und Gesellschaftsentwicklung zugrunde, der zwischen dem Luststreben (Lustprinzip) und den realen Möglichkeiten der Befriedigung (Realitätsprinzip), verlaufen soll, und der in jedem einzelnen Menschen, also am gesellschaftlichen Ort seiner Individualität (z.B. Familie) eine sozial akzeptierte Form der Bedürfnisbefriedigung nötig habe, wie sie sich in der gesellschaftlichen Realität nicht unmittelbar vorfinden lasse - oder sich in eine kulturelle Sublimation der Triebe entwickeln müsse, welche Kulturleistungen auf höherem Niveau erbringen würden. Es äußert sich hierin die Erfahrungsgrundlage des besser gestellten Bürgertums (siehe auch Geldbesitz), dem alle Lebensentscheidungen nur in dieser Gespaltenheit zwischen Begierde und Aufwand geläufig sind, die sich in der Reflektion des Nutzens (Utilitarismus), die sie für die ganze Existenz haben, ausgleichen soll. Das gesellschaflich notwendige Trauma stellt von da her im Elektra- und Ödipuskomplex (nach Freud) die wesentliche Kulturanpassung dar, die zwischen hedonistischen, vernünftigen und utilitaristischen Antrieben zu gelingen hat. Die Verinnerlichung dieser "Kulturleistung" verlange deshalb die bürgerliche Familie, worin der "Triebkonflikt" tiefgreifend durch die Beziehungen darin als Kulturkonflikt der Familie (Mutter-/Vatermord) wahr werde, der in jedem Menschen die Grundlage einer kulturbestimmten Trieb- und Bedürfnisausrichtung (als spezifischer Triebkonflikt und der darauf gründenden sexuellen und persönlichen Eigenschaften und Interessen) bewirkt. Das Mißlingen eines "kultivierten" Triebschicksals begründet nach Sicht dieser Lehre aber auch Verdrängungen, die Entstellungen des "psychischen Apparats" (Freud) durch "Abwehrmechanismen" (wie z.B. Verkehrung, Verschiebung, Projektion) zur Folge haben. Diese entwickeln eine "inadäquate" Realitätsbewältigung, welche dann als sogenannten "Neurose" erlitten wird - oder bei Ausfall der inneren Abwehrpotentiale zu einer "Triebüberflutung" der Persönlichkleit, zu einer "Psychose" führen würden, welche die seelische Energie aufzehrt und von der "Realitätsbewältigung" abzieht. In dieser Sichtweise handelt sich um "seelische Erkrankungen", welche als Erscheinungsweisen, als Symptome einer "libidinösen" Destruktivierung der "psychischen Instanzen", dem Verhältnis von Ich, Es und Über-Ich, verläuft und die nur durch langwierige Rekonstruktionsarbeiten am Resultat der Verdrängung, am Unbewussten und der Wiedererinnerung seiner "Affekte" (siehe Gefühle) in "realitätsfähige" Strukturen übergeleitet werden können. Hierfür seien emotionale Beziehungen zu einem Therapeuten oder einer Therapeutin tragend, um auf ihrer Basis die erworbenen "Gefühlsdefekte" in einer "Übertragungssituation" erkennbar und bearbeitbar zu machen. Die "Übertragungssituation" ermöglicht den eigentlichen analytischen Prozess der psychoanalytischen Therapie, in welcher die Ausdeutung von Erlebnissen und Träumen zunächst zu einem neuen Verständnis des Geschens führen und durch die beständige Selbstvergegenwärtigung der "libidinösen Affekte" hierin die Persönlichkeit im Sinne der Ausdeutung der "Abwehr" und dem "Realitätsverlust" zu einer "funktionsfähigen" Persönlichkeitsstruktur gelangen soll: Es handelt sich bei dieser Therapuieform also um die Verarbeitung eines familiären Triebkonflikts durch die Inszenierung eines neuen therapeutischen "Triebkonflikts". Der Erfolg einer analytischen Therapie wird aus dem Bewusstwerdungsprozess durch die Deutungen begründet (nicht etwa aus formalen Vorgängen wie Kontaktmöglichkeit, Beschäftigung mit sich selbst, Beistand in schwierigen Lebenslagen). Es wird dabei behauptet, dass die Deutung die Wiederholung des Verdrängten und seine Wiederaufarbeitung in der Übertragung auf den Therapeuten oder die Therapeutin ermöglicht, wie sie sich aus dem Leben des Betroffenen ergeben müsse. Es wird hierbei quasi eine Eltern-Kind-Situation emotional nachvollzogen, die durch die Bewusstwerdung der kränkenden Anteile in einem analogen therapeutischen Verhältnis "verarbeitet" und ihr "Krankheitsgewinn" unnötig wird, den "Verdrängungen" in unkontrollierten Verhältnissen hätten. Um dies zu leisten, müsse der Therapeut oder die Therapeutin eine Lehranalyse gemacht haben, in welcher ihre eigenen Affektanteile "bewusst gemacht" würden. Dies macht quasi eine Kettenreaktion des psychoanalytischen Lebensverständnisses zur "gesicherten" therapeutischen Voraussetzung, das sich - wie in anderen geschlossenen Kulturkreisen auch - in einer Art Initiation der therapeutischen Fähigkeit umsetzen muss. Unbenommen bleibt hierbei die Wirklichkeit des vorausgesetzten Lebensverhältnisses, das weder als Lebensform als wirksam in den Gefühlen der Menschen aufgenommen ist, noch inhaltlich als gesellschaftliches (familiäres) wechselseitiges Verhältnis, sondern nur patriachisch oder matriachisch begriffen wird. Das Deuten mag viele kulturbeflissene Menschen faszinieren, verfängt aber gerade durch seine scheinbare Inhaltlichkeit in jeder Form. Hierfür gerade ist der theoretische Aufwand der Psychoanalyse, mit dem sie ihm eine naturhafte Wesenhaftigkeit verleiht, fatal für die Erkenntnis von unmittelbaren gesellschaftlichen Beziehungen, weil sie diese in ihrer Deutung übersinnlich mit einer Metaphysik von Naturhaftigkeit ausfüllt. Deutung selbst wäre eine praktische Angelegenheit zwischen Menschen, die keiner Theorie bedürfte, wenn sie nicht selbst als Affirmation der allgemeinen und einzelnen Lebensnotwendigkeit der bürgerlichen Kultur begründet werden müsste. Tatsächlich reproduziert die Ausdeutung von wirklichen Absichten durch naturhafte Absichten die Not, in die ein Mensch verstrickt ist, der von herrschenden Absichten bedrängt ist, aufs Äußerste und treibt seine Entwirklichung fort, die ihm schon in seiner Isolation, in der Abtrennung seiner Lebensbasis (Kulturelle Ausgrenzung) von seiner Selbstwahrnehmung gegeben ist. Indem die psychoanalytische Deutung über die theoretischen Konstrukte der Triebtheorie jeden Konflikt zu einem inneren Geschehen verabsolutiert (wenn auch mit "Objekten" und Umständen) und in allen ihren Erklärungen der psychischen Phänomene ein allumfassendes Lebensprinzip, ein "energetisches Prinzip" (Konstanzprinzip) mitschwingt, verfestigt sie jedes Erkenntnisinteresse in einem Deutungsinteresse, einem Interesse an der Bedeutsamkeit des Innenlebens im Gegensatz zum weltlichen Erleben. Die psychonalytische Theorie überlässt außerdem dem/der Analytiker/in vor allem die Deutungshoheit, wofür er/sie zuvor selbst dem Deutungsinteresse unterworfen worden war und somit die psychoanalytischen Theorie in ihrer Therapie durchsetzen wird. Das Deutungsverhältnis funktioniert vor allem deshalb, weil es selbst einen doppelten Inhalt hat: Es ist als isolierte Gefühlsbeziehung zugleich ein Erkenntnisakt mit festen Rollen. Da die psychoanalytische Theorie darin eben über die Herkunft ihres Erkenntnisprozesses lediglich naturwissenschaftlich scheinende Paradigmen zur Verfügung stellt, kann sie keine andere Auskunft über den Sinn ihrer Deutung geben, als den, welchen sie allgemein schon im Vorhinein weiß. So entsteht in diesem Verhältnis eine Scheinwelt: die aus dem Erleben gewonnen Deutungen werden objektiviert und als Erleben und Deutung einer objektivierten Beziehung als Wahrheit ihrer Interpretation bewährt, also in der Beziehung, die sie hervorruft und festhält - solange eben, wie die Bewahrheitung einer Deutung selbst psychoanalytisch interpretiert wird. Da hierdurch ein geschlossenes Erkenntnissystem, ein Zirkelschluss von Deutung, Deutendem und Gedeutetem entsteht, wird in der Psychoanalyse ihre wirkliche und sinnliche Bewahrheitung bis auf einen kleinen Konfliktbereich im Freundeskreis ausgeschlossen und somit esoterisch. Die therapeutische Beziehung wird gerade durch die Innigkeit dieser "selbstverwalteten Wahrheit" zu einem Akt der Gefühle und ihrer Sprache, also ihrer Begrifflichkeit, zu der sich die Gefühle und Sinne früher oder später einordenen lassen, um dem so ermöglichten "Bewusstsein" zu folgen. Das begründet wohl auch den großen Zeitaufwand, den eine solche Therapie beansprucht und die Deutungssucht, welche die hiermit "Behandelten" an ihrer Umwelt austoben müssen, um sich dort zu bewähren. Die Psychoanalyse selbst entspringt philosophisch einem Gemisch aus Aufklärung und Moderne und lässt sich mit Kant ebenso wie mit Nietzsche assoziieren. Da sie vom philosophischen her ausgesprochen dilettantisch begründet ist (wie C.G. Jung mit Recht angemerkt hat), ist ihre diesbezügliche Hinterfragung wenig sinnvoll. Sowohl ihre Triebontologie wie auch ihre Prinzipien (Lustprinzip, Realitätsprinzip) sind lediglich Verallgemeinerungen von Anschaulichkeiten bürgerlicher Lebenswirklichkeit, weder deren geistige Durchdringung, noch deren wissenschaftlich gesicherte Analyse. Vor allem dadurch, dass ihre Begriffe selbst gegen jedes Begreifen gewendet werden können (Deutungswiderstand), kann sie mit ihrer Begrifflichkeit jede Kritik sich unterwerfen und ist erkenntnistheoretisch eine Form der Selbstzerfleischung, praktisch ein Prozess hochpotenter Individualisierung. Sie kann alle Wirklichkeit von Geist, Fleisch und Sinn für eine Begrifflichkeit des Sinnlichen (Trieb) benutzen, die jeder Sinnesäußerung zugeordnet werden kann, also beliebig ist und den abstrakt menschlichen Sinn dadurch absolut befolgt und befördert, dass sie ihn mit ihren Begriffen auch theoretisch vollstreckt, und ihm daher auch nichts entgegenstellen kann. Sie selbst leitet ja letztlich alles seelische Geschehen notwendig aus ihm ab und verklärt ihn zu einer Naturtatsache, an der nicht zu rütteln ist, weil sie dem Lebensinteresse des Geschlechts gleichgesetzt wird. So wird dessen kulturbedingte Not einer objektiven Notwendigkeit zur Befriedigung von äußeren Erregtheiten abstrakter Selbstwahrnehmung zugeordnet, anstatt deren soziale Entstehung und Abstraktion vom Leben der Menschen bloß zu legen. In der Kritik hieran ist die Erkenntnis entstanden, dass das Identitätsstreben der Menschen nicht aus ihren Bedürfnissen entspringen kann, sondern aus ihren Sinnen selbst kommt und in der bürgerlichen Gesellschaft nur als abstrakt menschlicher Sinn verwirklicht ist. Die Mystifikation menschlicher Bedürfnisse, diese Verkehrung sozialer "Spannungen" zu einer triebhaften Bedürftigkeit der Seele wurde in den Geistes- und Sozialwissenschaften allgemein unterstützt und fortgesetzt (z.B. von Adorno, Horkheimer, Marcuse, Reich usw.) und gilt noch heute weitgehend als Naturgrundlage zur Erklärung der Beziehung von Kultur und Mensch. Sie gilt ja vor allem auchg als theoretische Grundlage für den Hedonismus, der als scheinbar emanzipatorischer Gedanke in die Theorien der subjektivistischen Emanzipation eingebracht wird. Allerdings erweist sich an der Psychoanalyse die Konsequenz des Hedonismus, der sich darin als Utilitarismus der besonderen Art formulieren muss, nämlich als Heilsgedanke der Aufklärung: Er will durch die sinnliche Befriedigung den Nutzen für eine Seele gewinnen, die sich durch die Befriedigung erst begründet. Dieser Zirkel durchzieht die gesamte Psychoanalyse als ein unendliches Prinzip der Freiheit durch Selbstbeschränkung, eine Unmöglichkeit für Erkenntnis (vergl. hierzu auch Drigalski: "Rosen auf Granit", Antipsychiatrieverlag Berlin). In der Psychiatrie hat sich eine spezielle Gruppe um den Psychiater Günter Ammon als "Dynamischen Psychiatrie" hervorgetan, der Psychoanalyse als Werkzeug der Gruppentherapie zu nutzen verstand - Resultat: Psychosekte. Was Freud wie einen Apparat behandelt, sind Momente des Erkenntnisprozesses, die bei ihm in entfremter Form theamtisiert werden. Das Ich selbst ist schon ein Unwort: Wie kann ich mich als Ich ansehen und mich von einem "Es" in mir bestimmt und von einem Überich kontrolliert wissen? Ich als Subjekt sei die Einheit einer Persönlichkeit, die derart bestimmt ist, also Subjekt nur durch die Fähigkeit ist, die Bestimmtheit seiner selbst zu handhaben? Es ist dies ein Subjekt, das nur als identitätspsychologischer Wahrnehmungsapparat subjektiv sein darf, also im Grunde Objekt seiner Natur - als Trieb gefasst - und seiner Gesellschaft - als Realität gefasst - ist. Um ihm wirkliche Subjektivität zu geben, müssen derlei Begrifflichkeiten vollständig abgelegt werden. Nehme "Ich" wie Gedächtnis, Persönlichkeit wie Identität, "Es" wie eine natürliche Gesellschaftlichkeit des Individuums und "Über-Ich" wie die gesellschaftliche Natur des Bürgertums, und schon hast du einen gänzlich anderen Menschen vor dir! Er ist der lebende Schmerz dieser Welt, die ihre Veränderung, ihre Geschichte in ihm sucht wie er seine Identität nur durch sie findet. Hieraus ergeben sich vollständig andere Perspektiven und Handlungsweisen, als jene, welche die Psychoanalyse begründet. Es ist das vollständig gegenteilige Selbstverständnis des Menschen: Das Individuum ist als solcher Mensch das "Ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse" (Marx), wie seine Gesellschaft das Ensemle der Individuen ist.
|
s.a.
|
|
Psychofaschismus begründet sich praktisch aus der seelischen Verwilderung, welche die kulturellen Beziehungen der Menschen in anhaltenden Krisenzeiten mit sich bringt. Er stellt sich theoretisch gegen die unbestimmt gewordenen Nöte mit der Notwendigkeit eines allgemeinen Willens, der sich einer kulturellen Untergangsvorstellung entgegenstellt und durch eine Elite (siehe auch Herrenrasse) formuliert wird, die sich hierdurch zum Inbegriff einer Macht gegen die Verrottung, zur Heilsbotschaft macht. Hieraus begründet sie ein Sollen für jeden, das dem Erlösungsprinzip entnommen wird; d.h. dass die Vermeidung, Verhinderung und Vernichtung des Schlechten das Gute aus seinem Schattenreich befreien würde. Um dieses Prinzip zu verwirklichen, bedarf es außer großen Reden vor allem einer gewalttätigen Erzeugung einer gefügigen Subjektivität, die sinnlich und wirklich gebrochen sein muss, um sich einem Willen zu unterwerfen, der für den Menschen unmittelbar keinen Sinn hat. Zur Brechung reichen daher keine gewöhnlichen Erfahrungen; sie müssen unter Anwendung von Eindrucksmittel in das Gedächtnis "eingebrannt" (Nietzsche) werden. In der Erziehung zur rechten Gesinnung geschieht dies durch verfügbare Zuchtmittel. Psychologisch werden Menschen unter dem Eindruck einer Ausweglosigkeit gelähmt und mit der Androhung unwägbarer Gefahren, mit einem allgemeinen Grauen vor dem Weltgeschehen und dem eigegen Leben und der eigenen Zukunft, zu unterworfenen Seelen, deren Lebenserfüllung nur noch in der Erwartung eines Erlösers als persönliche Heilsvorstellung liegt. Die klare und unvermittelte Entgegenstellung von Grauen und Grausamkeit mit der Heilsvorstellung, der Glorifizierung einer übersinnlichen Reinheit befreiter Seeligkeit, muss kulturell (ideologisch und ästhetisch) propagiert und praktisch in den pädagogischen und psychologischen Einrichtungen umgesetzt werden. Hierfür gelten besonders Maßnahmen als nützlich, denen ein Mechanismus zugrundeliegt, der psychologisch als Erzeugung von abergläubischem Verhalten eingeführt ist (siehe Skinner), weil hierdurch unerkennbare, also zufällig wirkende negative Stimulationen und Einflüsse besonders stabile Unterwerfungshaltungen als Hörigkeit erzeugen - sofern die Isolation aller bestimmten Beziehungen und Reizen hinreichend volzogen ist. Aber auch jenseits der bewussten Manipulation hat der Psychofaschismus seine Wirkung in der ideologischen Beherrschung von seelischer Not. In ihrer allgemeinsten Isolation bestärken entsprechende Gedanken oder Theorien oder Vorstellungen (Kino, Fernsehen) die Macht des Grauens durch die dort fomulierte Ausweglosigkeit des eigenen Elends, das sie wahrhaben, aber in ihrer Isoliertheit nicht mehr wahrnehmen können. So entwickeln sich von selbst Vernichtungsvorstellungen im Menschen, durch die er sich subjektiv darin gewinnt, seinen Gefühlen entgegenzutreten. Damit aber tritt er allen Wahrnehmungen der zwischenmenschlicher Bezogenheit entgegen und ersetzt sie durch Lebensvorstellungen reiner, unmittelbar allgemeiner abstrakter Wesenhaftigkeit (Rasse, Art, Liebe, Menschlichkeit, Heimat, Vaterland usw.). Die Unterdrückung der menschlichen Beziehungen unter Maßgabe solcher Wesen gelingt in dem Maße, wie die Menschen darin ihren Beziehungen einen neuen Sinn geben wollen, in dem Maße also, wie sie ihnen sinnlos erscheinen oder auch wirklich abstrakt geworden sind (abstrakt menschlicher Sinn). Es handelt sich hierbei um eine Sinnerneuerung ohne menschlich wirklichen Sinn, also alleine durch die Masse der Vermittlung, wie sie dann zu einer Psychokratie nutzbar wird. Allgemein wird Psychofaschismus durch unmittelbar wirksame Züchtigungen quasi modellhaft und zur Erzeugung eines allgemeinen Horrors betrieben, als Anwendung von permanenten Terror gegen die eigenen Gefühle. Der Schrecken darin soll den Schmerz im Zaum halten und die Seele von jeder Empfindung ablösen. Er wird daher meist in kleineren oder größeren Gruppen als Initiationsritus oder Abhärtungshandlung vermittelt. Die Kultur wird ab dann als reines ästhetisches Willensverhältnis erfahren, welche die volle Unterwerfung unter ihren "Höheren Willen" als Selbstverständlichkeit erheischt. Bei der Totenkopf-SS wurden zu diesem Zweck z.B. die Anwärter nach ihrer Ausbildung an der Hundestaffel dazu gebracht, ohne jeden Grund das ihnen dort einzig vertraute Wesen, den ihnen bis dahin anvertrauten Hund, zu erschießen. Erst dann wurden sie in die SS aufgenommen. Ähnlich werden auch Folterknechte behandelt, bis sie psychisch zu jeder Grausamkeit fähig sind. |
s.a.
|
|
Psychokratie heißt Seelenherrschaft und meint gesellschaftliche Verhältnisse, die durch seelische Kräfte beherrscht oder geleitet weden (siehe Seele), wie z.B. durch Hörigkeit oder Sucht. Hierfür ist die Entwicklung einer kulturellen Klasse vorausgesetzt, die in der Lage ist, Menschen durch seelische Beeindruckung zu lenken, leiten und zu beherrschen oder auch zu unterdrücken. Dies verlangt vor allem eine Masse von Menschen, die in sich kein eigenes Verlangen bilden können. Die Macht über diese beruht auf der Transformation von Seeligkeiten, die solchen Massemenschen ermöglicht werden (s.a. Massenpsyche). Die Mittel hierfür bieten vor allem Sekten oder auch teilweise "fast seriöse Psychologie", wie sie z.B. nach Anwendung von Hellinger geboten wird. Darin wirkt der oder die Anleitende als Psychoge bzw. Psychotherapeut wie ein "Großer Bruder" des Betroffenen, stellt sich meist auf gleiche Eebene, um ihn zugleich über sich hinaus zutragen und mit einer Allgemeinseele zu vervollständigen, die eine lebensleitende Funktion bekommt und dem Betroffenen als seelische Prothese, als Ergänzungsseele dient. Mit dieser sind Menschen mit minimalen Einwirkungen beliebig zu leiten, auch z.B. zur Selbsttötung oder zum Harakiri oder Selbstmordattentat. |
s.a. |
|
Psychologie ist die Wissenschaft, welche die menschliche Seele als Psyche zu ihrem Gegenstand hat. Im Unterschied zur Theologie sieht sie Seele im einzelnen Menschen selbst begründet und im Unterschied zur Philosophie sieht sie diese auch als das individuelle und individualistische Einzelwesen schlechthin, also als Wesen der Invidualität des Menschen (siehe auch Psyche), das sie mit seiner Subjektivität gleichsetzt. Es besteht in der Psychologie ansonsten keine Übereinstimmung über Sinn und Triebkraft dieses Wesens und somit auch kein allgemeiner Begriff der Psyche. Psychologie hat in ihrer Entwickung sowohl naturwissenschaftliche Gründe, vor allem im Krankheitsbegriff der Psychiatrie seit Kräpelin, kommt klassisch aber aus den Geisteswissenschaften (z.B. als Diremtion des subjektiven Geistes bei Hegel). Die Psychoanalyse von S. Freud versuchte, beide Wissenschaften durch seine psychiatrischen und psychologische Forschungen in einem triebenergetischen Prinzip zusammenzuführen, das er Psychoanalyse nannte. Wilhelm Reich radikalisierte den Libidobegriff von Freud zu einem rein energetischen Begriff, welcher einer Grundenergie der Natur (dem von ihm entdeckten und so benannten "Orgon") entsprechen soll. C.G. Jung hielt dem eine eher mythologische Konstruktion des Unbewussten, entgegen, die von dem "energie-ökonomisch" gemeinten Triebmodell weg hin zu Archetypen des Seelischen führte, durch welche Wesensinhalte im Sinne von Bedeutungen des Seelischen eingeführt wurden. All diese Ansätze gehen von der Phänomenologie einer Wesensnatur aus, welche sich aus einer allgemeinen Grundsubstanz der Erfahrung (bzw. des Erlebens) praktisch eidetisch erschließen lasse. Auch insgesamt tut sich Psychologie offenbar schwer, ihren Gegenstand überhaupt einzuordnen, geschweige denn, einen Begriff hiervon zu bilden. Psychologie hat ihr wesentliches Problem damit, dass sie sich Seele zu ihrem Gegenstand nimmt, ohne ihn gegenständlich zu denken. Indem sie Individualität als Inbegriff des Subjektiven aufnimmt, veräußert sie jede Subjektivität in ein Objekt, das sich auch objektiv begreifen lässt, ohne einen objektiven Begriff zu haben. Hierdurch ist sie in ihrem Grund schon ideologisch, d.h.: sie verfolgt eine Vorstellung, eine Idee von der Seele, die als Anschauung vorgestellt wird. Bei Freud ist die Triebkraft der Seele eine Wahrnehmungsidentität des Gedächtnisses im Lusterleben ("Erinnerungsbild eines Befriedigungserlebnisses"), bei Jung das eigenlich Unbewusste, das sich aus Metaphern des urtümlichen menschlichen Wesens zusammensetzt. Bei Perls erklärt sich Seele als Prinzip, als "Tendenz zur guten Gestalt", also als ästhetisches Prinzip nach vollkommener Form der Wahrnehmung. Bie Wilhelm Reich ist das Wesen seelischer Kraft die Triebhaftigkeit des Menschen selbst, das er in der Natur als Stoff entdeckt haben will und Seele also auch lediglich alleine die Funktion eines allgemein natürlichen, also quasi übermenschlichen Sexualtriebs in seinem Verlangen nach unendlicher Ausdehnung sein lässt, der seine Hemmung durch Gesellschaft und Kultur mehr oder minder glücklich zu ertragen hat. Bei Skinner erklärt sich alles Individualwesentliche als Produkt von Lernerfahrung unter Reiz-Reaktions-Konditionierungen. In der Kommunikationstheorie besteht Seele nur als Störkraft zur Verwirrung zwischenmenschlicher Beziehungen. Bei Hellinger sind es die Positionen des Menschen in seiner Ahnenreihe und den darin entwickelten Grundkonflikten, die ihn von Seele reden lassen. In der systemischen Psychologie sind es die Verarbeitungsmuster, die ein Mensch im Laufe seines Lebens in den Systemen seiner unmittelbaren menschlichen Umwelt durch die Stellung der Beziehungen darin erworben hat. Die Schwierigkeiten der Psychologie sind selbst auch objektiv: Wie kann die Vermittlung von Individuum und Gesellschaft begriffen werden, wo sie wirklich praktisch nicht vorkommt außer in der Geldform? Die kritische Psychologie von Klaus Holzkamp versuchte, diesem Problem mit dem Hinweis auf einen gesellschaftlichen Bedeutungszusammenhang im Warenfetischismus nachzugehen und hieraus die „Dimensionen personaler Bedeutungsmomente“ abzuleiten, welche „die interpersonale Wahrnehmung bestimmen“ (Holzkamp „Sinnliche Erkenntnis, S. 197). Doch hierdurch wurden die Bestimmungen, welche die subjektiven Grundlagen für psychische Prozesse abgeben sollten, eher noch mehr verwischt, konnte doch auf diese Weise Gesellschaft sowohl als "verallgemeinertes Subjekt" wie auch als subjektive Verallgemeinerung zugleich begriffen werden. Das Dilemma der psychischen Vermittlung von Individuum und Gesellschaft als seelische Beziehung ist auch von der kritischen Psychologie nicht gelöst worden, weil es ein gesellschaftliches Erkenntnisproblem birgt. Man sieht: Das Grundproblem der Psychologie ist, dass sie nicht wirklich zwischen Sinn, Geist und Seele unterscheidet |
s.a.
|
|
Mit Psychopharmaka im engeren Sinn meint man diejenigen psychotropen, d.h. die Psyche beeinflussenden Substanzen, die – mehr oder weniger – gezielt verabreicht werden, um psychische Veränderungen herbeizuführen. Werden sie mit medizinisch-psychiatrischen Überlegungen eingesetzt, nennt man sie psychiatrische Psychopharmaka. Im Zentrum der psychiatrischen Praxis stehen im Zeitalter der Biochemie naturgemäß diese primär über das Nervensystem auf die Psyche einwirkenden Chemikalien. Hierzu zählen Tranquilizer, Carbamazepin, Antidepressiva, Lithium, Neuroleptika und Atypische Neuroleptika. Peter Lehmann (Antipsychiatrieverlag) |
s.a.
|
|
Ideologischer Begriff für Psychische Krankheit, die sich von "funktionellen seelischen Störungen" (Neurosen) dadurch absetzen soll, dass die Seele selbst im Wahnhaften entgrenzt sei: Psychose - zersetzte Psyche. Wer solche Diagnosen ausgibt, weiß keine eindeutigen Zuordnungen von Leiden und Not der Menschen und macht sie deshalb zu ihren "Symptomen", die aus der Seele selbst begründet seien. |
||
Psychotherapie ist ein Begriff für eine Hilfe in seelischer Not. Er unterstellt eine psychische Krankheit, die es zu heilen gelte (das meint Therapie). Hierdurch wird dem Therapeuten eine Fähigkeit und ein Recht zugesprochen, Psyche zu beeinflussen und zu manipulieren und in ihren Erkenntnisprozess einzugreifen. Hilfe kann aber nur Beistand in der Wiedererlangung eigener Geisteskräfte in den seelischen Auseinandersetzungen sein. Gerade dadurch, dass die Psychotherapie in aller Regel nicht die Absichten der Seelen als Formierung untergegangener Erkenntnisse entblößt, sondern an ihnen herumdockt, wird die Bindung an die darin wirksamen Selbstgefühle, der Zirkelschluss der Selbstwahrnehmung absolut: Die Erkenntnisnot wird zur Handhabung von Problemen der Seele. Das verhindert, die seelischen Nöte in ihrer letzten Konsequenz als Reaktionen auf die Unerträglichkeit bürgerlicher Lebensbedingungen zurückzuführen, wie sie sich in der bürgerlichen Kultur verhalten. Die Methoden der Psychotherapie sind vielfältig und arbeiten gemäß ihrer theoretischen Ansätze, also dem, was sie für den Ort, den Kern oder das Wesen des zu behandelnden Problems halten. Da es für die Psychologen keine wirklichen Erkenntnisprobleme gibt, ist das dann die Einstellung (Gesprächspsychotherapie), das Verhalten (Verhaltenstherapie), die Verdrängung (Psychoanalyse), die Beziehung (systemische Psychologie) oder das Gefühl (Gestalttherapie). Natürlich hat jede Psychotherapie ihre Erfolge; es gäbe sie sonst nicht. Aber es ist bei ihr praktisch wirksam, was beim theoretischen Denken selbst noch durchschaubar ist: was bei einem "Ansatz" zusammenkommt, das schließt aus, was er nicht brauchen kann. Der Ausschluss bestimmter Erkenntnisweisen ist der Tribut, der an die Lösung einzelner Probleme geopfert wird. Die Lösung von Verhältensproblemen auf Kosten eines freien Verhältnisses zu den eigenen Gefühlen, hat seinen Niederschlag im allgemeinen Lebensverständnis genauso, wie die die Sensibilisierung von Selbstgefühlen in der Bedrängung durch die Gefühle von anderen. Psychotherapie hat ihren wirklichen Sinn nur in der konkreten Auseinandersetzung mit seelischen Problemen. Man könnte auch behaupten, dass der wahre Erfolg der Psychologie der ist, Menschen dazu zu bringen, mit anderen über ihre Probleme zu reden, da zu sein, wenn sie austicken usw. So gesehen ist jede Psychotherapie hilfreich. Schlimm wird sie, wenn sie sich zu ernst nimmt, wenn sie ihr Kategorien und Urteile unbedingt umsetzen will, diese als allgemeines Bewusstsein über das Leben vermitteln und durchsetzen will. Eine Psychologie, die sich selbst als Allgemeinbewusstsein gibt, während sie in der Befolgung ihrer Theorie agiert, die sich subjektiv gibt und dünkt, während sie objektiv tätig ist, die sich vor allem selbst vermittelt, wenn sie in den Problemen von Menschen vermitteln will, macht die Psychologin oder den Psychologen zum Subjekt der Subjektivität, das sich nicht von ihrem vermeintlich objektiven Wissen unterscheidet, nicht selbst darin erfasst ist. Sie verklärt ihre eigene Bedingung, das psychologische Verhältnis, zu einem allgemein menschlichen Verhältnis, das im Grunde nur theoretischer Natur ist, wiewohl es sich ausschließlich praktisch und unmittelbar umsetzt. Darin wird jedes zwischenmenschliche Ereignis zur Ideologie des allgemeinen Subjekts gebracht und in dieser Abstraktion selbst vollständig entleert. Was von allem Konkreten bleibt, ist nur noch das Substantiv dessen, was sein sollte, das Wahrheitskriterium für alles, was alle einzig wollen können sollen. Darin ist schließlich auch alles wirkliche Leben in allgemeiner Gültigkeit, für alles gleich geltend, also gleichgültig aufgehoben. Und in dieser Gleichgültigkeit wird auch mit ihm umgegangen. Solcher Begriff, worin nicht Bestimmtes mehr vorkommt, ist ein Überbegrifft: Der Begriff des Übermenschlichen. Das ist dann der Begriff von dem, was er wirklich auflöst: z.B. Gefühl, Liebe, Beziehung ... |
s.a.
| |