| Buchstabe RA | ||
Randgruppe ist ein Begriff für die Lage von Menschen, die aus dem Reproduktionsverhältnis (Lohnarbeit oder selbständige Arbeit) herausgefallen sind oder schon garnicht hereinkommen konnten (z.B. Sozialhilfeempfänger, Behinderte, chronisch Kranke - dauerhaft Arbeitslose). Unter Randgruppe wird also ein Lebensbereich von Menschen zusammengefasst, mit denen nicht mehr gerechnet wird, d.h. die weder zur Produktion noch zur selbständigen Reproduktion hinzugezogen werden. Inzwischen bilden hiervon die einen eigenen Arbeitsmarkt, die mit 1 Euro-Jobs in "soziale Tätigkeiten" einbezogen werden. Sie haben die doppelte Funktion, die sozialen Reproduktionskosten zu mindern und zugleich die Androhung einer aufgezwungenen Arbeit zu verkörpern. Randgruppen sind vom gesellschaftlichen Produktionsprozess abgesonderte Menschen, die entweder durch die Lage des Arbeitsmarktes oder durch die Anforderungen der Kultur - meist durch beides in einem - dauerhaft nicht mehr funktional sein können. Oft wird behauptet, dass sie dies als ihr Leben so gewählt hätten, also nicht anders leben wollten (siehe Wille). Diese Behauptung ist ein Widersinn in sich, unterstellt sie doch, dass Leben wählbar ist wie ein Arbeitsplatz oder Nichtarbeitsplatz und dass eine solche "Wahl" nichts mit dem gesellschaftlichen Leben zu tun habe. Innerhalb der Kultur sind Randgruppen objektiv zur Erhaltung der Existenzangst nötig, die eine wesentliche subjektive Bedingung der Lohnarbeit ist - nicht als Einsicht in die Notwendigkeit, durch Arbeit sein Leben zu produzieren, sondern als Angst, nichts zu sein außer der Arbeit. Randguppen sind das Produkt der so produzierten Lebensangst und zugleich ihre Verwahrung. Durch Subkulturen werden jenseits der bürgerlichen Kultur (also jenseits von Familie, Gemeinde u.ä.) Zustände des Lebens, die sich nicht auf ihre Herkunft rückbeziehen lassen, fixiert und in ihrer disfunktionalen Selbstbeziehung belassen - solange sie sich nicht gesellschaftlich äußern. Da sie nicht mehr als Potential des Arbeitsmarktes gelten, bleibt ihre Abschottung und Individualität staatlich ausdrücklich erwünscht und wird vorwiegend in Selbstbetreuung kanalisiert. Hier deckt sich Individuation mit Individualisierung als Teufelskreis einer sozialen Abwärtsspirale. Eine große Gruppe am Rande der Gesellschaft, die keine Randgruppe ist, sind Ausländer, die einen beträchtlichen Teil der Arbeitskraft ausmachen, welche zugleich kulturell und politisch jenseits des ökonomischen Verhältnisses bestimmt ist. Hier wird kulturelle Ausgrenzung zum Wesen einer neueren Art von Ausbeutung. | s.a. siehe hierzu auch "Probleme des Marxismus" | |
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Rasse ist ein zoologischer Begriff zur Unterscheidung von Tiermerkmalen, die sich dem Naturwissenschaftler aus ihrem naturgeschichtlichen Bildungsprozess, wie er ihn versteht, erklären. Wo durch geschichtliche Unterscheidungen Rassen unterschieden werden, hat der Begriff einen Sinn. Daher würde kein Zoologe auf die Idee kommen, Tiere alleine nach der Farbe ihres Felles (was wäre das Rassenmerkmal einer schwarzen Katze im Vergleich zur getigerten?) zu unterscheiden oder gar nach bestimmten charakterlichen Unterschieden. |
s.a. | |
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Rassismus ist die Erzeugung von sozial bestimmenden Merkmalen, welche einer sozialen Autorität dienen, ohne sich aus dem sozialen Verhältnis selbst zu begründen (meist sind es kulturelle, natürliche oder religiöse Labels). Er ist wesentlich eine Selbstveredlung, wodurch zur Vermeidung von Identitätsangst ein Selbstwert als Stolz auf eine eigene Art hergestellt wird, der zwar keinerlei wirkliche Grundlage hat, der aber als eigene Position gegen das Gefühl einer Minderwertigkeit errichtet wird. In der allgemeinen Klassifikation einer allgemeinen Eigenschaft, die aus einer schlichten natürlichen Eigenheit besteht, wird ein solches Gefühl negiert und in der abstrakten Negativität einer naturhaften Klasse von einer hiergegen kulturalisierten Eigenart ausgegrenzt, - somit zum postiven Selbstbekenntnis gegen das Andersartige, zum schlechthin Eigenen, zu einem abstrakten Kulturgut. Dieses wird an die Stelle einer Selbstentfremdung gesetzt, in welcher allgemeine Entfremdung sich in eine zirkuläre Selbstwahrnehmung konzentriert hatte. Neben der Anerkennung von Autorität (siehe auch autoritärer Charakter), der Gewöhnung an Verfügungsmacht, ist auch wirkliche Existenzangst oder Lebensangst eine Grundlage für Rassismus. Diese setzt die Gier (siehe Trieb) nach Diskriminierungsmerkmalen im doppelten Sinn: Unterscheidung durch Unterwerfung. Die Merkmale hierfür können von daher beliebig sein, wenn sie nur sozial anerkannt werden (z.B. Blaue versus braune Augen, blonde oder rote versus schwarze Haare). Auch reichen hierfür oft Gerüchtebildungen über kulturelle oder religiöse Interessen (z. B. "die Juden raffen das Kapital", "die Moslems verheizen ihre Frauen"). Wo mangelhafte Lebensbedingungen, Angst und Hoffnungslosigkeit und der Mangel an notwendigen Fähigkeiten Selbstgewissheit verunmöglichen, können sich Menschen darin bestärken, einen Gegner zu haben, der die eigene Kränkung in ihrer Negation verkörpert, ein Gegenüber, an welchem Selbstwertgefühle durch Nichtungsinteresse an dieser Verkörperung erwirkt werden. Die Gewalt gegen Schwache, gegen Obdachlose, Andersartige, Andersgläubige, Andersfarbige, Alte und Behinderte, Kranke oder seelisch geschwächte Menschen u.a. kommt nicht aus einer Ideologie, aus einem rationalen Bedürfnis, das sich gegen Menschen wendet, die "dem Staat nur Geld kosten" wie das gerne behauptet wird. Dies ist lediglich die Rationalisierung einer wesentlich tieferen Not. Sie kommt aus einem Vernichtungsgefühl, das zu einem grenzenlosen Hass geworden ist, zu einer sinnentleerten Erregung in bloßer Negativität egozentrischer Wahrnehmung. Das Gefühl, sich als Lebenszentrum seiner selbst, also sein Selbstgefühl zu verlieren, wird besonders von autoritären Charakteren absolut wahrgenommen und kann sich von daher keiner Erkenntnis wirklicher Lebenszusammenhänge öffnen. Es muss sich für sich totalisieren und macht sich frei, indem es andere bedroht und manchmal auch wirklich vernichtet - besonders jene, welche die Wirklichkeit der Selbstwertprobleme darstellen: z.B. wirkliche Schwachheit, wirkliche Anderartigkeit usw. Aus der Bedrohung und Nichtung solcher Wirklichkeiten verwirklicht sich ein an und für sich leeres Selbst, das nur daraus besteht, durch eigene Kraft sich dieser Wirklichkeit entledigen zu wollen. Wiewohl diese Kraft äußerst selbstsüchtig erscheint, ist sie doch zugleich ohne wirklichen Bezug auf sich, wesentlich selbstlos und lediglich in abstrakten Klassifikationen formuliert. Das entleerte Selbst des Rassismus errichtet sich aus der Kraft selbstloser Gewalt, die lediglich aus Erregung besteht und keinen wirklichen Bezug zu ihrem Gegenüber hat. Sie lässt sich gerne auch führen, wenn sie in ihrem subjektiven Vermögen keinen Halt findet, für sich zu kraftlos ist. Sie bedarf dann einer Kraft, die auf einer bloßen Masse gründet, auf dem leeren Miteinander, einer abstrakten Gemeinschaft selbstloser Menschen. Seinem Inhalt nach besteht Rassismus aus einer Bewertung, die sich an natürlichen Merkmalen eines Menschen festmacht, also diesen einen Wert zuweist, wonach bestimmte Eigenschaften oder Merkmale zu einem eigenständigen Wesen, einer eigenen Art substantiviert werden (z.B. von der Hautfarbe zur Art: Schwarzer, Weiser). Als Bewertung verfolgt diese Substantivierung den Zweck, aus einem Naturmerkmal ein Ganzes vieler Eigenschaften zu machen, wonach die Eigenschaften zu einer eigenständigen Art oder Rasse verallgemeinert werden. Die Verkehrung von Wesen und Eigenschaft geschieht natürlich nicht zufällig und grundlos. Darin werden Ressentiments zu einer sozialen Substanz verobjektiviert, also zu einem Urteil, wodurch Menschen eingeordnet oder ausgegrenzt werden. Gefühle der Entfremdung lassen sich abstrakt umkehren, indem Fremdheit als das schlechthin andere, als Feind überhaupt und also als fremde Natur ausgemacht wird. Das Entfremdungsgefühl erzeugt in dieser Feindbildung Selbstvertrauen, indem einfältige Gefühle aus dem Vertrauten heraus in der Ausgrenzung von Unvertrautem, also im Begriff eines Fremden eine Selbstgewissheit erzeugen, das keine andere Substanz als die eines total anderen haben muss: Das total Entäußerte. Indem dieses zum poltischen Begriff wird, werden Ressentiments zu Rassismus. Im Begriff ist es dann allerdings nicht mehr das fremd Bestimmte, das Ungewöhnliche, das der dunkelhäutige Mensch darstellt, sondern das Vertraute, das sich ihm überstellen soll, indem es das vom Gewohnten ausgegrenzte Ungewöhnliche zum Begriff einer fremden Art totalisiert und damit politisch hantiert. Er dient der Einordnung bzw. Ausgrenzung solcher Wesen aus dem gewohnten Gesellschaftszusammenhang, also der Überordnung bzw. Unterordnung von Menschen je nach rassistischer Bewertung. Natürliche Eigenschaften werden somit zur Eigenart einer anderen Art, einer fremden Kultur, zu einem kulturellen Wert des eigenen Seins gegen fremdes Sein. Sie werden kulturalisiert. Für den Staat ist Rassismus ein besonders ausgefeiltes Herrschaftsinstrument um Anpassung zu bewirken. Indem er eine Klasse der Bevölkerung in Kategorien der Eigenschaften von Menschen in zwei oder mehrere Arten (z.B. Schwarze, Weiße, Eingeborene und Fremde) gegeneinander aufsplittert, wird eine Hierarchie der unterschiedlichen Existenzen zwischen ihren Entsprechungen mit dem Staatsinteresse eingeführt. Die Art wird zum Rechtsverhältnis gegen eine Unart, wodurch diese ihr unterworfen wird. Der Artige steht dann als der Angepasste immer über dem Unartigen und gewinnt seinen Selbstwert durch sein Anderssein - damit aber auch seinen politischen Wert. Den Verlust dieses Selbstwerts wird er mehr fürchten, als jeden anderen Wertverlust. Durch die damit bestimmte Hierarchie von Angepassten gegen Unangepasste werden aus der Klasse der Besitzlosen also zwei Klassen, die sich nur in ihrer kulturpolitischen Bewertung unterscheiden, der Unartige aber die Wertlage des Artigen wesentlich mitbestimmt, der ja mit ihm konkurrieren muss. Auch wenn sie objektiv in gleicher Lage sind, erscheinen sich die einen der Lage der anderen entkommen zu sein. Aber es muss dennoch jeder wissen, dass er unter einer objektiv mächtigen Staatsrute (fascies) steht. Das Interesse an einer Bewertung von persönlichen Eigenschaften hat seinen Ursprung vielleicht auch erst mal nur aus einem Selbsterhaltungsinteresse innerhalb der Konkurrenz, wenn z.B. der deutsche Gemüsehändler mangels guter Umsätze beim türkischen nebenan den gravierenden Unterschied entdeckt, dass der eben von anderer Art ist, wo man "nie wissen kann, was ist". Oder auch, wenn z.B. mit der Eigenschaft Mann oder Frau die Höhe des Lohns bestimmt wird, damit dem Kapital ein größerer Profit verbleibt. Oder auch, wenn mit der Andersartigkeit eine Minderbezahlung der Schwarzen begründet wird, die ja eigentlich schon immer Sklaven waren und "nicht zuviel verdienen" sollten. Dass Frauen oder Schwarze in der Provinz immer noch weniger verdienen als Männer oder Weiße verschiebt die Konkurrenzlage dann auch zugunsten der kulturalisierten Naturwerte. Das alles mag am Anfang stehen. Aber der Rassismus will nur bessere Konkurrenzbedingungen haben. Er will wesentlich mehr: Er will sich gegen anderes Adeln, um es sich kulturell zu unterwerfen. Wo die Selbstwerte nieder gehen, da kommt der Rassismus auf seinen Kern: Er veredelt das Selbst, um eine Lage zu überwinden, welche ihm eine eigene Identität verunmöglicht und sich als objektive Identität gewinnt, sozusagen als Identität der eigenen Natur, der eigenen Art, der zum Wesen behaupteten Eigenart. Dass solche Bewertung und Sichtweise gesellschaftlich schon auf einer rein körperlichen Ebene wirksam werden kann, liegt wesentlich am Körperfetischismus, der in einer Kultur der Erlebenswerte sich entfaltet, in welcher zwischenmenschliche Beziehungen wie körperliche Naturnotwendigkeiten erscheinen. Besonders in den Krisenzeiten des Kapitalismus entsteht mit den Funktionsstörungen der Reproduktion des gesellschaftlichen Verhältnisses und der Zunahme sozialer, kultureller und individueller Verwahrlosung und Haltlosigkeiten ein Definitionsbedarf nach dem, was als normal, schön und gut zu gelten hat. Die Disfunktionen der gesellschaftlichen Zusammenhänge erscheinen als Störung und Zerstörung von Kultur, "wie sie eigentlich sein sollte", bzw. wie sie gewohnt war. Ursprungsehnsüchte kommen auf, welche das Bedürfnis nach Wiederherstellung der Kulturgewohnheiten bestärken. Die Naturalisierung von Kultureigenschaften geschieht daher in einem Drang zur "Gesundung der Kultur", zur Heilung gebrochener Welten. Es ist die Grundform des Heilsprinzips. Rassismus entsteht aus dem Gefühl einer Identitätszerstörung durch soziale, individuelle oder kulturelle Verwahrlosung, welche das Bedürfnis nach einer Ganzheit als solche, das Verlangen nach einer reinen Totalität bestimmt. Es steht damit negativ zur eigenen Wirklichkeit, die als unerträglich empfunden wird und in der Abstoßung hiervon ein Verlangen nach Totalitarismus enstehen lästt. Von daher wendet sich der Rassismus nicht mehr im Einzelnen oder auch als Klasse, sondern grundlegend gegen das konkrete Dasein, das dem Rassisten überhaupt fremd geworden ist. Als bloß unheilvolle Gegebenheit kann es nur nichtig sein. Das abstrakte Ganze, das reine Sein wird zum Inhalt der Bedürfnisses, sich gegen das Unreine, welches darin totalisiert ist, zu wenden. Hiergegen begründet sich seine abstrakte Totalität: Indem das Reine gegen das Dasein zum Heil wird, wird die Unreinheit zum Subjekt der Vernichtung, zu einem Gegner, der entsprechend seiner infiltrativen Macht vernichtet werden muss. Aber die Wirklichkeit des Rassisten ist damit nicht aus der Welt. Er kann ja nur in seiner Vorstellung rein sein. In seiner Wirklichkeit fühlt er sich selbst unrein, so dass er auch negativ gegen sich selbst bestimmt ist und nur durch eine Vorstellung von einem Anderssein in der Zukunft getrieben ist. Er verneint also nicht nur Fremdes, sondern auch sich selbst. Sein Selbstwert besteht nicht wirklich, sondern nur aus der Vorstellung einer Rasse. Oft sind Rassisten selbst unterprivilegiert und wenden sich in ihrer Selbstüberhöhung gegen alles, das sie um so stärker als vernichtend erleben, wie sie sich hiergegen abheben. Aus dieser Spirale der Selbstentwertung durch Selbstveredelung entsteht eine ungeheure Kraft. Aus dem tobenden Totalitarismus wird eine Zerstörungswut gegen alles, was unheil erscheint (z.B. Behinderte, Homosexuelle). Weil er sich selbst nur durch die Bereinigung, also abstrakt von sich und den wirklichen Seinsbestimmtheiten überhaupt begründet, muss der Rassist sich auch gegen alles unter dieser Bestimmung verhalten. Indem alles Fremde das Unreine in sich haben soll, will er sich selbst gegen die Abart bestimmen, die er aus sich selbst herausnimmt, um sie im Fremden zu bekämpfen. Alles, was er selbst sein müsste, um seiner Wirklichkeit zu beherrschen, sieht er in der Abart negiert. Er will stark und klar und ganz sein, also ist er vor allem gegen Schwäche und Siechtum und Andersartigkeit (siehe Fremdenfeindlichkeit). Das Ganze ensteht erst hierdurch als Norm der Reinheit der eigenen Art, seiner Rasse, die in dieser bloßen Negation bestimmt sein muss. Darin begründet sich sein "Adel". Und die Selbstveredlung durch seinen Kampf gegen das Unreine erbringt nun jene abstrakte Identität, sein abstraktes Ego, das sich selbst nicht mehr wirklich begründen muss, weil es auch aus keiner Wirklichkeit mehr begründet ist. Aus der Position der reinen Totalität, aus einem kulturellen Totalitarismus heraus begründet sich also die Selbstunterscheidung der eigenen Art von einer Unart, einer nicht eigenen Art. Er setzt die Vorstellung einer reinen, also abstrakten Totalität vorraus, um darin die Unwirklichkeit einer unendlichen Selbstbeziehung durch absolute Beherrschung zu überwinden. Dies ist eine Selbstbeziehung als absolute Selbstentfremdung, die sich nur in der Beherrschung des Anderartigen, des Fremdem überhaupt verwirklichen kann. Seine abstrakte Identität kann der rassist daher auch nur in einer Art finden, die er sich zu eigen macht (z.B. durch Hautfarbe, Nationalität o.dgl.), um als Mensch hervorzutreten, der über sich selbst steht, indem er auf andere herabschaut, sie sich dadurch subsumiert, dass er sie von sich ausgrenzt. Der Rassist sucht in seiner radikalen Selbstentfremdung seine gesellschaftliche Ohnmacht durch die Aneignung einer übermächtigen Fremdidentität gegen wirklich Ohnmächtige zu wenden und sich hierdurch zu verwirklichen. Seine konkrete Identitätslosigkeit wird auf diese Weise quasi übermenschlich bestimmt, von einem Zweck höherer Art, den es als solchen nicht gibt. Er muss an seinem Negativ erst wahrnehmehmbar gemacht werden: Durch Verachtung der Unart, der fremden Art, die durch diese Negativität rein ästhetisch bestimmt ist. Daher ist Rassismus die Ausdrucksform eines ästhetischen Willens, welcher der Selbstveredlung dienen soll, indem er durch die Schändung und Zerstörung des Andersartigen seine Selbstverwirklichung findet. Gewalt ist daher auch sein immanentes Maß, das Ausmaß des Bedarfs an einer reinen Totalität, bzw. seiner Identitätslosigkeit. Darin unterstellt der Rassist eine reine Kultur, die meist selbst nur eine Konstruktion, eine ästhetische Fiktion ist. Rassismus setzt sich politisch durch die Kulturalisation einer subjektiven Eigenschaft von Menschen zum Zweck der sozialen Unterordung und Ausgrenzung durch und ist eine wesentliche Grundlage für einen Kulturstaat. Im Ganzen hat die rassistische Selbstbegründung zur logischen Konsequenz, dass das "Abartige" das Subjekt seiner Vernichtung wäre, wenn er ihm nicht zuvorkommt. Er muss daher darauf zielen, dessen Vernichtung zu kalkulieren und zu betreiben. Zum Anlass nimmt er ein Vorurteil, welches natürliche, soziale oder kulturelle Eigenschaften zum Klischee einer sozialen Bewertung macht, an der sich soziale Brennpunkte abstrakt vergegenständlichen. Meist wird durch diese eine Beziehung auf die Menschen abgewendet, um an ihnen die Macht einer Erlösung hiervon zu fiktionalisieren. Oft trifft dies gerade die Menschen, die bereits in einem sozial geächteten Gebrauch stehen, die also ausschließlich im Nutzen einer gesellschaftlichen Angelegenheit verwendet werden, deren Gebrauch verdrängt und damit unbegriffen ist oder unbegreifbar gemacht werden soll, um eine gesellschaftliche Problematik zu bereinigen, einen gesellschaftlichen Heilungsprozess an ihnen zu imaginieren (siehe Heil). Im Rassismus kehrt sich also eine soziale Beziehung gegen Menschen um, die zwar genutzt, aber nicht gerne gesehen sind. Meist waren oder sind die rassistisch Geächteten die Träger einer Geschichte, die aus moralischen Gründen nach oder zu ihrer „Bereinigung“ geleugnet wird (z.B. die Schwarzen als Sklaven der Weißen, die Juden als Zinseintreiber und Händler des Kapitals, die rothaarigen Kelten als Kriegssklaven der Römer und Griechen). Mit dem Begriff einer Rasse oder einem kulurellen Wert (siehe hierzu auch Kulturalismus) wird eine Verschleierung betrieben, in der sich dies umkehrt gegen alles, was als soziale Belastung empfunden wird (siehe auch Selbstverkehrung) und als diese Rasse ausgegrenzt wird. Im Krisenfall der bürgerlichen Gesellschaft wird Rassismus schnell zu einem Bündnis von großer Politik mit den Ressentiments einer bestimmten Bevölkerungsschicht hergenommen. Grund hierfür ist die damit einhergehende Disfunktionalität der bürgerlichen Lebensverhältnisse, die aus unbegriffenen Dimensionen hervortreten und Verelendung und Verfall von gewohnten Strukturen aufzeigen, der in dieser Unmittelbarkeit unbegreifbar ist. So wie Rassismus überhaupt aus Identitätslosigkeit entsteht, wendet er sich dann politisch meist an die Nationalität, welche als die reine Totalität hergenommen wird. Nationalismus ist die politische Form des Rassismus. Dabei trifft sich Rassismus mit einem politischen Bedarf an Populismus für PolitikerInnen, die nicht mehr wegen ihrer Politik gewählt werden können, weil das Parlament sich als fremd und unfähig gegenüber der Realität seiner Bevölkerung erweist. So gestaltet Rassismus selbst die Politik um zu einem Populismus des Gemüts, zu einer Psychologie, welche Massenkultur politisch durchsetzen will. Während diese Bevölkerung darin ihren Ärger, ihre Angst und ihre Aggressionen loswird, erfindet die Politik darin die ganz großen, die völkischen Lösungen in einer problematischen und krisenhaften Weltlage, vor allem im ganz großen Versprechen einer endgültigen Lösung, manchmal auch in der Heilserwartung einer Endlösung. Sie gewinnt hierbei am meisten, weil sie populistisch das umsetzen kann, was ihr nötig scheint, vor allem wenn es letztlich gegen die Bevölkerung selbst geht, die ihr dann auch noch in ihrem Rassismus entgegenkommt und das Heil in entsprechender Politik erwartet. Der Begriff Rasse stammt aus der Zoologie und wird dort zur Ordnung von Tiermerkmalen zu bestimmten Tierarten verwendet. Rassismus ist die Umkehrung hiervon: Die Biologisierung von menschlichen Merkmalen zu Wesensunterschieden von Menschen, die darin den Tieren gleichgestellt werden, also auch als Objekte derer, welche die Tierart bestimmen, die Rassemerkmale formulieren. Dabei zeigt sich, dass solcher Naturalisierung immer die Assoziation einer sozialen Form oder Rolle vorausgeht. Die Herabsetzung, die einer "Rasse" zuteil wird, entspricht dem sozialen Bild, das mit dem Begriff der Rasse formalisiert wurde. So waren z.B. die Schwarzen in den USA als Sklaven aus Afrika eingeführt, bevor sie nach ihrer rechtlichen Aufwertung kulturell abgewertet wurden, um sozial und ökonomisch noch unter Wert gehalten zu werden. Ähnlich erging es schon sehr viel früher einer „Rasse“, die heute nirgendwo mehr als solche begriffen wird: Die „Rasse“ der Rothaarigen. Es waren die Kelten und Germanen, die von den Griechen versklavt und nach Griechenland entführt worden waren. Deren Nachfahren sollten eben auch wie die Schwarzen in den USA in Griechenland nicht integriert werden. Man sieht daran gut, wie „Rasse“ überhaupt entsteht. Rassismus ist eine kulturelle Reaktion auf politische Verhältnisse, die darin verkehrt werden. Von daher ist Rassismus immer eine Form der Selbstverkehrung der eigenen politischen Position. Rassismus dient der sozialen und kulturellen Bewertung von biologisch und/oder kulturel bedingten Merkmalen von Menschen (z.B. Hautfarbe, Kulturgeschichte) und betreibt deren kulturelle Klassifikation, ihre Ein- bzw. Ausgrenzung auf scheinbar natürlicher Basis. Damit wird der Schein von naturgegebener Unterschiedlichkeit der Menschen vermittelt, der zugleich den Umkehrschluss dahingehend enthält, dass es eine Reinheit der Rasse auch wirklich gebe, eine bestimmte Naturempfindung, die zur Bestimmung der Rasse, zur Naturbestimmung der Naturempfindung tauglich sei. Durch die rassistische Zuordnung von Eigenschaften entsteht eine Gruppenidentität, die von jeder wirklich sozialen und geschichtliche Begründung absieht, also von Wirklichkeit überhaupt abstrahiert. Von daher ist der Rassebegriff ein nur durch biologische oder kulturelle Masse bestimmter Begriff, der als Abgrenzung zu anderer Bestimmung benutzt wird. Von allen konkretisierbaren Bestimmungen und Momenten wird somit abgesehen, diese dafür in willkürlicher, meist phänomenelogischer Form eidetisch zur sozialen Charaktermaske assoziiert und hierdurch natürliche oder kulturelle Eigenschaften zum Träger einer objektivierter Subjektivität (z.B. „der Jude“ als Zinswucherer, „der Moslem“ als Terrorist, „der Mann“ als bloßes Wert- und Verwertungsinteresse). Subjektiv entsteht Rassismus aus einem massenpsychologisch bestimmten Bewusstsein, das die eigene Identität durch Gruppenzugehörigkeit in der Abrenzung zu fremder definiert und hiergegen für besonders schutzwürdig hält (z.B. auf der Grundlage von Untergangstheorien). Angstabwehr wird hierbei durch die Selbstbehauptung einer Gruppe zu einer Macht durch Masse, zu einer Gruppenmacht, die auf der Basis rassistischer Begrifflichkeit Identität liefert und befördert, indem sie sowohl persönlich wie auch sozial und kulturell eine Selbstverkehrung betreibt: Durch Projektion der eigenen Mängelgefühle entsteht eine Gewaltbeziehung gegen alle, die hierfür genutzt werden können(z.B. sozal Schwache, Behinderte, Penner gegen das Selbstgefühl eigener Schwäche). Diese wird als Lösung gegen die allseitige Widersprüchlichkeit krisenhafter Lebensverhältnisse hergenommen, wenn diese selbst prinzipiell als lebenszerstörerisch erscheinen (siehe Vernichtingslogik). Aus Vernichtungsangst wird hierdurch Vernichtungsmacht, die oft auch kulturviert oder sogar selbst zum Kult wird. Dies verschafft dem Einzelnen und der Gruppe selbst den Nimbus der Unberührbarkeit. Eine Einschränkung der Gruppenmacht wird damit als Selbstbedrohung empfunden und diese Macht daher durch gewalttätigen Vandalismus oder Randalismus oft schon im Vorhinein unter Beweis gestellt. Was hier praktisch durch ein reaktionäres Bewusstsein vollzogen wird, lässt sich auch begrifflich konstruieren (siehe Rassentheorie). Es verschafft der Rassebegriff auch theoretisch eine Ursprünglichkeit, eine Lebensgrundordnung (siehe Archetypen), die durch Reinhaltung der Rasse oder der Art wieder von selbst bewahrheitet und wahrgemacht werden soll. Rassismus ist der Aberglaube an eine wesenhafte Reinheit auf der Basis natürlicher Merkmale, der vor allem eigene Identität inmitten fremder Verhältnisse dadurch verschaffen soll, dass ursprüngliche - und d.h. dann: natürliche - Wesensmerkmale als vermeintliche Naturbestimmung gegen die Verwirrungen in der Welt kehrt. Sie äußert sich als Vorwurf der Seinsvergessenheit, der Identitätsbehauptung eines eigentlich natürlichen, aber durch den modernen Menschen verfälschtes Wesen, welches den Durchsatz des rasssereinen guten Menschen verlangt. Damit wird objektiven Verhältnissen eine ungeheuerliche Subjektivität der darin aufscheinenden Probleme gegeben, die durch die Naturalisierung eines Problemträgers angegangen werden (z.B. indem der oder die Schwarze das Wesensmerkmal des Unheimlichen zugesprochen bekommt und außer Landes verwiesen wird, oder der Semit mit jüdischer Religion gleichgesetzt wird und als Synonym für das Kapitalinteresse auserwählt und bekämpft wird). Rassismus erhebt sich über das Sosein durch die Objektivierung des Andersseins, die Identifizierung eines Anderen, der als das Fremde schlechthin genommen wird, als andere Art, andere Welt. Das Andere stiftet aber nur dadurch Identität, dass dieses zum Synonym von Entfremdung wird. Damit setzt sich diese schon als neues Anderes, als die bessere, die veränderte, die revolutionierte Welt. Es ist im Grunde das schlechte Anderssein, die schlechte Negation. Es ist deren bloße Umkehrung: Was fremd ist, kann nicht eigen sein, also ensteht Eigenheit durch Erzeugung und Abstoßung von Fremdheit, durch handfeste, praktische Ent-Fremdung. Sie ist für den Rassismus konstitutiv und zugleich in ihm auch schon überwunden als eine Abart, als unterworfene Sache, Unart. Dies dient zugleich der Verschleierung wirklicher, d.i. sozialer, ökonomischer und geschichtlicher Unterschiedenheiten menschlicher Lebensbedingungen. Jeder Rassismus beruht auf einem Gefühl der Zerstörung des Eigenen, auf einem Unheil, und versucht sein Heil in der Zuordnung von Eigenarten, Eigenheiten oder Eigenschaften zu einem nominellen Wesen (siehe Nominalismus) der Bedrohung (siehe Vernichtungslogik). Dabei erfüllt die Zusammenstellung und Zuordnung dessen, was als Eigen gilt, keine wissenschaftliche oder einfach wirkliche Beweisführung, sondern einen Zweck, wie er sich aus den Absichten der politischen Kultur gegen die Zerstörung ergibt (siehe Untergangstheorien). Die Beobachtungen, die hierbei aufgegriffen werden, können beliebig sein oder auch überzufällig, wesentlich werden sie nur durch die Absicht, mit der sie zusammengeführt werden und nur dadurch zu einem Begriff (war z.B. die Zuordnung der Schotten zu Geiz vielleicht eine Eigenart, die sich - wenn überhaupt - aus karger Landwirtschaft o.ä. erklärt hätte, wird sie so zu einer Wesensart, als die sie für bestimmte Absichten Verwendung findet). Politische Kultur findet über solche Synthetisierungen im politischen Nominalismus ihre Ideologie zu allem, was ihr fremd ist und gründet, bestätigt und festigt darin ihren Glauben an sich selbst. Wenn die Seele in Zweifel gerät, wird Kultur zur Eigenwelt (siehe Volksseele), die das Bezweifelte dadurch aus sich setzt, dass es Abart wird. Wo Kultur wirklich in Not ist, besonders wo ihre Zerstörung wahrgenommen wird, da wird dieser Glaube der Eigenwelt zu einer kulturellen Identität durch die Herabsetzung aller anderen Kultur als Unwirklichkeit, als Unglaube der anderen. Rassismus ist eine nominalistische Glaubensidentität, der es gleichgültig ist, was sie wirklich meint. Aber was auf sie wirkt, das glaubt sie als vollkommenen Gegensatz zu wissen. So wird alles in seinem Sinn eins, weil es zur Allgemeinheit des Meinens in einer Gesinnung wird. Ihr Stoff ist der Gegner, der Fremde, der Ausländer, der Andersartige (siehe auch Fremdenfeindlichkeit), weil er für alles objektiv zu stehen hat, was subjektiv bedrohlich erscheint, wenn das Heim verlassen wird, das Unheimliche, die abstrakte Bedrohlichkeit als bedrohliche Abstraktheit des Weltgeschehens: Die Konkurrenzangst um den Arbeitsplatz, Raub und Plünderung des Eigentums, die Kriminalität, Untergang von dem Gewohnten, von Sicherheiten durch Werte, Kultur und Abendland, oder schließlich vor den finsteren Hintergründigkeiten des Geld- und Zinswucheres, die Angst um die Welt überhaupt oder die vor dem schwarzen Mann ... Es ist die Enge der Befremdung in der Entfremdung. Für Reaktionäre beruht Rassismus auf der Wahrnehmung eines allgemeinen Siechtums, das als Unordnung der Art begriffen wird, und begründet sich im Glauben, dass Ordnung heilt (siehe Heil), weil sie der Art ihre Einheit verschaffe - weil eben "Hausmaus zu Hausmaus" (Adolf Hitler) gehöre. So lässt er sich bei entsprechendem Allgemeingefühl (siehe Volksseele) für politische Zwecke nutzen, um politische Ziele in der Bewertung von Kulturformen, also von Arten des Menschseins zu verfolgen (siehe hierzu Antisemitismus). So enstehen dem Bedarf gerechte Schemata, durch welche aus bestimmten natürlichen Eigenschaften und Merkmalen von Menschen eine soziale Qualität (Minderwertigkeit, Ungeheuerlichkeit, Monsterhaftigkeit) gemacht wird und damit der Politik ein Instrument gegeben wird, die Masse aus ihrem Glauben und Raunen zur rechten Bewertung zu leiten. Mit Rassismus wird Politik in Kulturtechnik gewendet, zu einer kulturellen Kontrolle entstellt (ästhetisches Urteil). Rassismus verfolgt somit objektive politische Zwecke, die zugleich einem ästhetischen Willen folgen, der in der bürgerlichen Kultur selbst entsteht und verlangt ist. Zunächst geht ihm überhaupt das Gefühl der Bedrohung der eigenen Kultur voraus - nicht adurch äußere Gewalten, sondern durch sie selbst. Rassismus überhaupt ist eine Reaktion auf eigenen Widersprüche, die in Zeiten der Krise meist ein paralytisches Stadium haben. Wenn der Grund hierfür nicht konkret und auch nicht abstrakt erkennbar ist, so entstehen im prakltischen Bewusstsein zunächst Assoziationen, die Gefahren ergründen wollen durch die Bewertung ihrer Unbegreifbarkeit, ihrer Fremdheit. Darin tritt das Bekannte negativ auf: Nicht als das wirklich Fremde, sondern als das Anderssein des Vertrauten, Gewohnten. Dies ist eine abstrakte, sich ausschließlich selbst begründende und bestätigende Reaktion, Bezichtigung des Seins einer Lebensart als eine falsche, die Eigenes zur Fremdheit, und damit Subjektivität zur Entfremdung bestimmt. Rassismus ist die Ausgeburt des reaktionären Bewusstseins schlechthin, politische Kultur als Lebensbezichtigung. Er ist aber auch die Verkehrung einer Sorge um die eigene Kultur. Er entspringt unmittelbar einer konservierenden Selbstvergewisserung, welche das Vertraute zur Substanz des Vertrauens macht, Naturempfindung zur Naturbestimmung. Alleine hieraus bezieht Rassismus seine reale Macht und auch seine demokratische Adäquanz: Wo die Sachentscheidungen als solche keine politische Realität mehr haben können (z.B. in einer ökonomischen Krise), da bezieht die Politik ihre Wählermeinung aus den Wahrnehmungen der kulturellen Verhältnisse, also aus den Phänomenen der zwischenmenschlichen Verhältnisse. Sie erscheinen jetzt als einziges Objekt, das für das Ganze einer Gesellschaft politisch zu beeinflussen ist, erweisen sich hier die ökonomischen Krisen doch auch unmittelbar als kulturelle Krise. Im Kampf gegen das Böse trumpft der Populist auf und und macht aus jeder Störung ein Monster, dessen Handhabung sein Heilsversprechen wird. Die Gleichsetzung des Monsters mit einer politischen Bewertung seiner gesellschaftlichen Schädlichkeit macht den Rassismus zu einer politischen Theorie der Andersartigkeit, der Fremdartigkeit. Rassistisch ist vor allem die Gleichsetzung von natürlichen oder religiösen Eigenschaften von Menschen (z.B. Hautfarbe, Geschlecht, Glaubenszugehörigkeit) im Bezug auf die Bewertung einer sozialen, kulturellen oder ökonomischen Problematik (z.B. Antisemitismus). Oft sind die Übergänge zum Rassismus fließend, wenn soziale Eigenschaften nicht als Eigenschaften eines gesellschaftlichen Verhältnisses (bzw. der Rollen, Charaktermasken darin), sondern als natürliche, psychische, charakterliche Eigenschaften begriffen werden. So wird z.B. in der Gleichsetzung von Kapital oder Wert mit dem Begriff des Patriarchats, also der Männerherrschaft als Herrschaft oder Dominanz männlicher Eigenschaften, bereits eine rassistische Position eingebracht, wiewohl das damit gemeinte im Ursprung vielleicht auch nur eine Psychologisierung der Ökonomie darstellt ( vergl. z.B. Roswotha Scholz: "Der Wert ist der Mann"). Würde dies mit den Mitteln des Populismus und der entsprechenden Hatz auf eine natürliche oder psychische oder soziale Typologie umgesetzt, so wäre dies eindeutig rassistisch. Jede Zuweisung von Schuld für ein soziales Problem mit der Begründung durch eine Kultur- oder Glaubenszugehörigkeit, arbeitet mit Progromen, die zum Zweck der Ursachenverschleierung sich in abstrakter Typologie gegen eine damit irgendwie behaftete Bevölkerungsgruppe wendet, die zugleich meist auch an die Schwächen der eigenen Identität gemahnt oder erinnert. So wurde z.B. das Judentum mit der Glaubenshaltung des Kapitals gleichgesetzt, weil es kulturgeschichtlich vom Christentum des Mittelalters aus dem Handwerk ausgegrenzt und in die Rolle des Zinshändlers versetzt wurde, die dem Christen wiederum verboten war, wiewohl er sehr wohl mit den Zinsgeschäften lebte und darin auch seine Geschichte bestimmt war. Im Antisemitismus ist dies Doppelte einer gesellschaftlichen Abstraktion als Mittel und Ächtung im eigenen Weltverständnis auf fatale Weise aufgelöst. Rassismus entsteht in krisenhaften Gesellschaftszuständen, in denen Macht durch Selbstgerechtigkeit gewonnen werden muss, wo Wissen über die Ursachen nicht gewiss ist. Populistisch genutzt werden dann im Verarbeitungsmuster des Nationalismus die Empfindungen, in welchen die gesellschaftlichen Verhältnisse als Eindruck aufgenommen und darin ästhetisch wahrgenommen wird. In der Abgrenzung des ästhetischen Willens wird eine nützliche Hässlichkeit erzeugt, die einmal die eigene Identität abstrakt zusammenschließt indem sie zugleich die fremde Identität zum Gegenstand von Abgrenziungsgefühlen bis hin zum Hass treibt. So bildet sich Rassismus elementar trivial in der Empfindung von Fremdartigkeit, in der Wahrnehmung des Gewohnten als Fremdkörper, das als Bedürfnis nach einer Reinheit des Körperlichen die Abgrenzung und Fremdartigkeit verselbständigt. Es entsteht so - ähnlich wie in jeder Art von Zwangsverhalten - ein absurdes Ganzes, das nur in der Ausgrenzung von Fremdartigkeit ganz ist. Es ist dies die Grundreflexion eines Volkskörpers als enthnische Allgemeinheit des ästhetischen Willens. Objektiv zielt Rassismus auf die Macht eines Kulturstaats, der die Verschärfung von Ausbeutung durch Unterbewertung der Wertschaffenden betreibt, um auch das ökonomisch Reine, den Wert wieder zu regenerieren. Von daher kann er sich auch als Lösung der Verwertungsproblem, welche durch Negativverwertung beglichen werden sollen, darstellen. Von daher trifft sich der Rassismus auch mit den Interessen einer politischen Ökonomie, die aus sich heraus keinen Ausweg aus ihrer Krise mehr hat. Durch Kulturalisierung der Abwertung wird tatsächlich eine neue Grundlage für eine Ausbeutung unter das Maß der eigenen Reproduktion bestimmt. Indem z.B. ein Schwarzer, eine Frau oder ein Ausländer weniger gilt, muss er auch billiger beim Verkauf seiner Arbeitskraft sein. Die Mühe seines Integrationsprozesses in gut dotierte Stellen ist um so größer. Hier zahlen sich kulturelle Werte unmittelbar für die aus, die im Besitz der Arbeitsmittel sind und nun auch eine Kulturelite darstellen. Die hiervon Abgeschotteten gelten daher für sich schon bedrohlich, da sie als Menschen nur negativ existieren und natürlich als solche negierten Menschen sich auch verhalten müssen. Sie werden von daher zu Gegeners der eigenen Kultur. Auf solche Weise begründet zum Beispiel Samuel Huntington mit der Bedrohung der Welt durch irrational Kulturen den "Kampf der Kulturen", der eine Ordnungsmacht verlangt. Diese sei nur durch Weltordnungskriege zu erreichen. Rassismus entsteht erkenntnistheoretisch in einem politischen Nominalismus, der politische Unterschiede in faktischen Merkmalen an Menschen sucht, durch die er Gesinnungen naturalistisch ordnen und handhaben will für eine Politik, die auf naturalistischer Mystifikation sich begründet. Er zielt subjektiv auf begriffliche Ausgrenzung, um scheinbare kulturelle Identität herzustellen und Gegner aus dem Schleier des eigenen Denkens hervorzukehren. Diese ist zum Zweck der Staatskontrolle auch der "eigenen Art" für faschistoide Politiker nötig und trifft sich deshalb auch oft mit der Meinung von Menschen (Wählermeinung), die Fremdidentität als Besitzstandsicherung materiell oder seelisch nötig haben. Das ästhetische Urteil trifft die fremde Art, die durch absurde theoretische Unterlegungen (Rassentheorie, Ausländerhass, Antisemitismus) abgewiesen werden soll. | s.a. | |
Eine Rassentheorie ... |
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Rate des relativen Mehrwerts siehe Mehrwertrate | ||
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Raum scheint gegeben durch die Örtlichkeit, also durch Orte, in welche ich eintrete oder austrete, die ich wechseln kann durch den Umstand meiner Anwesenheit oder Abwesenheit. Ich füge mich dem Raum als Körper zu oder nicht und wo es meine Bewegung ist, wäre das Nachdenken hierüber Sophisterei. Aber wo der Raum mir einzig Umstand ist, also wenn ich darin für mich nicht wesentlich, wenn ich also identitätslos bin, dann ist mir der Raum der Umstand, zu dem ich mich körperlich wahrgemacht habe: Nicht Bedingung, sondern Form, nicht erzeugt, jedoch notwendig. Wo der Raum Umstand ist, habe ich keine Form ohne ihn, bin ich nicht gegenwärtig - nicht weil er meine Gegenwart überhaupt sein könnte, mich quasi vertreten könnte. Aber ich habe keine andere Gegenwart, wenn und weil er der Umstand meines Wesens als mein Körper außer mir, als mein entäußerter Körper ist. Ich bewohne einen Raum, in dem ich selbst nicht außer Körper bin und so wird dieser zum Wohnraum nicht von mir aber für mich, zum Raum meiner Gewohnheiten. Das ist schwer zu begreifen, weil Umstände und Körper so leicht erkennbar zu sein scheinen. Aber wie kann ich in meiner Wahrnehmung bestimmt sein, ohne dass mein Körper bestimmt ist, wie beseelt sein, ohne dass Geistiges Körper hat? Wo wir uns aber an Umstände gewöhnen, sind wir anders, wir haben Körper, ohne körperlich zu sein. Solange wir keinen Sinn für unseren Körper haben, haben wir in jedem Raum Sinn, und solange wir keinen Sinn in einem Raum finden, müssen wir körperlich sein - oder wir empfinden die Aufhebung unserer Sinnlichkeit darin (siehe Angstzustände). Wo uns der Raum zum Heim geworden, da ist er wirklich unheimlich. Dass Umstände als Räume erscheinen, macht die Abstraktion von ihrem Stand, von ihrer körperlichen Gegenständlichkeit. Im Raum erscheinen die Umstände körperlich gegenstandslos, unwesentlich. So zeigt sich solcher Lebensumstand daran, dass Raum selbst nicht von Körpern bestimmt und ausgefüllt ist, sondern aus menschlichen Verhältnissen kommt, die sich körperlich unwesentlich sind, lediglich körperliche Aufhäufung, Anwesenheit von Massen unterschiedlichster Arten. In der Nähe und Dichte dieser Massen allein hat der Körper für sich sein leeres Quantum. Und weil Körper gesellschaftlich besteht, so erscheint darin auch seine Unwesentlichkeit wesentlich gesellschaftlich und entfaltet seine Abstraktion als gesellschaftlichen Zusammenhang, wo er konkret nicht ist. Als Zusammenhang der zwischenmenschlichen Beziehungen begründet sich darauf die bürgerliche Kultur. Raum ist ihre Begriffssubstanz (siehe Kulturbegriff) und die anwesende Masse ist ihre Größe. Eine im Raum vermittelte Gesellschaft bildet ihren Sinnzusammenhang nur im Wechsel von Räumen. Alle Verhältnisse der Wahrnehmung haben daher keine zeitliche Beziehung. Die Seele beweist dies am deutlichsten auch in ihren Absichten und ihrer Arbeit: Z.B. die Traumarbeit. Dort kann Zeit in beliebiger Beziehung stehen und so Zusammenhänge bilden, die in der Zeitfolge unmöglich sind. So auch im Wahnsinn: Geschichte kann darin belibig "nachhinken" oder vorauseilen (siehe hierzu Pfreundschuh: "Arbeit am Wahnsinn"). Die unendliche räumliche Ausdehnung ist darin selbstverständlich. Alle seelischen Beziehungen entwickeln sich nur im Verhältnis von Anwesenheit und Abwesenheit, durch die Brüche von räumlicher Trennung, von der Ausdehnung ihrer Ungewissheit. Im Gefühl besteht das Ungewisse als Ausdehnung des Gefühls für sich, als Dimension des Selbstgefühls fort. Die Gegenwärtigkeit im Getrenntsein (s.a. Isolation) ist das Selbstgefühl, das die Ausdehnung der Ungewissheiten der Gefühle fortträgt und forttreibt. Es beweist sich so von selbst, dass der Raum die Substanz der abstrakt menschlichen Sinnlichkeit ist, also der Sinn, der keinen anderen Sinn hat, als eine bloße und völlig leere Gestalt: Raum. Dies schließlich macht auch, weshalb eine Masse von Menschen (siehe Menschenmasse) zu einer ungeheuren Kraft der Seele und Kultur werden werden kann (siehe auch Massenpsychologie). Raum ist die Abstraktion von Körper oder Gestalt, von Form und Sinn in einem. Wenn wir von allem absehen, was eine Gestalt ausmacht, so ist sie bloße Figur im Raum. Dies macht die Wahrnehmung, die sich von ihren Empfindungen entfernt auch tatsächlich so. Je weiter entfernt die Empfindungen und ihre Gewissheiten sind und je mehr sich das Gefühl im Selbstgefühl der Seele verliert, desto mächtiger werden die Figurationen der Erinnerung, die räumlichen Abstraktionen des Gedächtnisses, die unsere Wahrnehmung in ihrem Entsinnlichungsprozess durchläuft. Die Beseelung unserer Wahrnehmung wird dann umso mächtiger, je weniger Gewissheit ihr entgegensteht. In einer Kultur, in welcher keine wirklichen Gewissheiten die Menschen verbinden, in einer Kultur also, welche auf Geldverhältnissen gründet, sind die Menschen auch wirklich von ihrer Wahrnehmung abhängig und haben hierüber ihre zwischenmenschliche Beziehungen. Darin ist Nähe und Enfernung eine weitaus mächtigere Bestimmung, als Geist und Sinn. Und das setzt sich in den Verhältnissen der Menschen auch durch. Die bürgerliche Kultur ist eine Kultur der Zwischenmenschlichkeit und bestimmt sich in der Weise, wie die Menschen durch einander und von einander ihre Wahrnehmungen für einander haben, wie sie also den Raum ihrer Wahrnehmung füllen, sich als wechselseitiges Leben und Erleben wahrhaben und wahrnehmen. Ihre An- und Abwesenheiten, die Entfernung ihrer "Schicksale", machen ihre Verbindung sinnlich aus. Indem sich ihr Sinn füreinander darin bewegt, verläuft seine Realabstraktion im Raum ihrer Beziehungswelt. Dies setzt sich hinter ihren Gefühlen als Seelengrund durch, als Absicht, die keinen anederen Sinn hat, als denn, füreinander da zu sein. Ihr Dasein selbst ist durch ihre körperliche Räumlichkeit, durch die Abstraktion von ihrem wirklichen Sinn füreinander bestimmt. Gewöhnlich sind sie daran gewohnheit und entwickeln ihre Gewohnheiten danach. Sie selbst merken ihre Abstraktion selbst erst, wenn sie einen zwischenmenschlichen Lebensraum wirklich, also mit der Wirkung einer seelischen Trennung verlassen. Das ist der Moment, wo sie mit ihnen völlig fremden Gefühlen überwältigt werden können. Und in denen erst zeigen sich die Entrückungen und Verrückungen ihres bisherigen Verhältnisses an ihnen wirklich, also materiell und in den Sinnen selbst als übermächtige Gefühle. Die ganze Wahrnehmungswelt, also die Inhalte der gesamten bürgerlichen Kultur, bestimmen sich im Raum als Form. Nur ihre An- oder Abwesenheit bringen ihren Inhalt in Form und werden in der Kultur zu einem Lebensraum. Daher sind ihre treibenden Momente auch die Nähe und Entfernung, die sich sinnlich fortbestimmen und formellen Sinn haben (z.B. Bilder in der Form von Verdichtungen, Surreales, Mythen), die in bestimmter Anwesenheit auftauchen. Die Größe und Macht der Selbstgefühle steht in direktem Verhältnis zur Entfernung von sinnlicher Gewissheit. Je weiter die Menschen in ihren Gewissheiten unbezogen sind, desto mehr Vermittlungen von Ungewissem steht zwischen ihnen. Um aus der Selbstbezogenheit von Selbstgefühlen herauszutreten, muss diese Vermittlung unter vielen Menschen durchlaufen, auseinandergesetzt werden. Es verlangt zugleich die Erkenntnis der abstrakten Bedingung der Vermittlung, die darin wahrgehabt wird. Sinn als Form ist die Füllung eines Wahrnehmungsorgans, das auf räumliche Beziehung reagiert. Dies kann nur abstrakter Sinn sein, der hierdurch zur Formbestimmung der Wahrnehmung geworden ist, abstrakt menschlicher Sinn, der ihre Substanz ausmacht, ihre Begriffssubstanz. In der Anwesenheit und Abwesenheit, also in rein räumlicher Beziehung, erscheinen die Wahrnehmungen wesentlich bestimmt, solange und weil sie nicht anders zu Erkenntnis werden. Und so muss auch nicht verwundern, wenn Erkenntnisse oft gerade auch nur in der Abwesenheit gemacht werden oder darin selbst Inhalt der Wahrnehmung werden (siehe Träume, Wahnsinn), z.B. auch als Verwandlung von Wahrnehmung (Stimmenhören als Wahrnehmungsform der Hörigkeit). Dies allerdings setzt voraus, dass sich das Organ nur dadurch beleben kann, dass es diese Form in bestimmtem Raum annimmt, dass es also aus anderen Gründen nicht sein kann. |
s.a. | |
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