| Buchstabe S | ||
»Es wird sich zeigen, daß die Welt längst den Traum von einer Sache besitzt, von der sie nur das Bewußtsein besitzen muß, um sie wirklich zu besitzen. Es wird sich zeigen, daß es sich nicht um einen großen Gedankenstrich zwischen Vergangenheit und Zukunft handelt, sondern um die Vollziehung der Gedanken der Vergangenheit. Es wird sich endlich zeigen, daß die Menschheit keine neue Arbeit beginnt, sondern mit Bewußtsein ihre alte Arbeit zustande bringt.« (MEB I, S. 346). Sache ist ein menschlicher Gegenstand, wie er von Menschen gebildet, aus ihrer Arbeit im Produktionsprozess als Produkt stofflich entstanden ist. Sache ist nicht unmittelbare Natur und kann nicht unmittelbar Mensch sein, aber sie ist natürlich und menschlich entstanden. Im Unterschied zum Ding ist die Sache immer in Beziehung zum Menschen und kann für sich nur so lange bestehen, wie sie menschlichen Sinn ausdrückt und für Menschen Sinn hat. Eine Sache kann zum Ding werden, wenn ihm die Geschichte Sinn nimmt (z.B. Modeartikel). Solange die Sachen nicht menschlich erzeugt sind, kann in ihnen auch nicht der Mensch gegenständlich sein. Wiewohl gegenständlich ist dann die Sache nicht menschlich. Die Natur ist menschliche Sache nur, weil sie im Menschen ist und durch ihn be- und verarbeitet wird. Natur an sich, Natur als Wesensvoraussetzung des Menschen gibt es nicht; jede Natürlichkeit ist in Beziehung auf die menschliche Natur, durch sein Wirken beeinlfusst und durch ihn gestaltet. Die Stoffe der Natur waren ihm zwar zeitlich voraus, aber sie sind nur ein Teil und Ganzes der Natur, soweit sie für den Menschen natürlich sind. Wir wissen von Natur nur, was wir durch sie für uns wissen. Die Erforschung des Weltraums wäre eine unendliche Aufgabe und unsinnig, würde sie für uns keine theoretischen und praktischen Resultate ergeben. Eine Verwechslung, bzw. Gleichsetzung von Ding und Sache durchzieht die Gebrauchswertdiskussion bis zum heutigen Tag. Oft wird der Gebrauchswert wie ein Naturding verstanden, das wie durch Zufall oder aus blinder Entdeckungslust auf den Markt gerät. Im Nutzen, den solche Naturdinge dann habe, stecke eben die Gier auf ihren Gebrauch; - und deshalb würde getauscht. Doch das ziemlich dumm: Die Menschen setzten ihre Sachen einfach gleich. Aber warum eigentlich? Durch die Gleichsetzung der natürlichen Dinge und damit die Gleichstellung von Ding und Sache wird bürgerliches Selbstverständnis (Tausch von Naturdingen) dem Verständis des Produktentausches überordnet. Die Bürger fühlen sich von ihrer Welt entfremdet, wenn sie ihnen nicht als Naturwelt außer ihnen verständlich und nützlich ist. Dies scheint auch im Begriff der Verdinglichung von Adorno durch: Er gilt sowohl für die Verfremdung der Sache, wie auch der Versachlichung des Menschen durch die Selbstentfremdung der Menschen. | s.a. | |
|
Sachzwang ist ein Begriff für Sachgewalt, also für eine Gewalt, die aus der Sache selbst entsprungen sein soll. Meist wird zur Begründung dieser Gewalt die Natur hergenommen, deren Gebotsmäßigkeiten sachlich bestimmend seien, da - wer sich ihnen widersetzt - natürlich umkommen wird. Von dieser Seite her ist der Begriff Sachzwang ein Begriff der Aufklärung, die von einer allgemein wirksamen Naturgewalt ausgeht, die lediglich geistig kontrolliert, eingeschränkt und teilweise auch überwunden werden könne (siehe Naturmacht). Doch an und für sich sei sie aller Erkenntnis vorausgesetzt und der Inbegriff des Notwendigen. Aber oft ist auch von einem logisch oder einfach nur durch eine Selbstverständlichkeit begründeten Sachzwang die Rede, die meist durch positive Wissenschaft (siehe Positivismus) festgestellt bzw. als Gegebenhet konstatiert wird. In allen Fällen wird auf diese Weise jedenfalls eine Grenze der Erkenntnis und der Freiheit des Handelns festgestellt und angewandt. Gerne wird ein naturhafter Sachzwang auch als Begründung antimoderner Notwendigkeiten hergenommen. Nationalsozialistische Wissenschaftler bauten hierauf eine Naturnotwendigkeit der reinen Lebensbedingung auf, welche als grundlegender Sachzwang des natürlichen Lebens anzusehen sei (siehe hierzu auch Rassentheorie). Auch oft heute noch begründen sich hieraus antimoderne Strömungen, die sich gegen Technologie an sich wenden, wenn auch meist mit einfacheren Zielsetzung eines naturbewussten Lebens. Dieses wird damit zu einer objektive Notwendigkeit fixiert, die sich von den einfachen Bedürfnissen der Menschen unterscheide. Allen diesen Konstrukten gemein ist, dass sie menschlichen Bedürfnissen eine menschliche Vernunft absprechen, ihnen implizit und apriorisch also Irrationalität zuweisen, Gier, Habsucht, Geltungssucht, Konkurrenzbedürfnis usw.. Sie verneinen damit also die Gegenwärtigkeit menschlicher Geschichte in der Kultur und Natur menschlicher Lebenszusammenhänge und haben von da her auch keine Notwendigkeit, die Verselbständigungen solcher Geschichte in naturhaft erscheinende Triebhaftigkeiten geschichtlich begründet zu begreifen. Die Erklärung selbst ist dann schon ein vorgeblich apriorischer Antagonismus zwischen Freiheit und Notwendigkeit, Trieb und Kultur, Ohnmacht und Macht usw. (siehe hierzu auch das Kulturverständnis von Nietzsche, der zwar die Aufklärung heftig bekämpfte, aber durch Mystifizierung seines Geschichtsverständnisses ihr letztlich vollständig unterlag). Dass Verhältnisse durch Sachzwänge erklärt werden, überschreitet an und für sich selbst schon die Erklärbarkeit als solche: Warum und wie sollen Menschen eine Gewalt überhaupt erkennen können, die uns apriorisch oder naturhaft zwingt, so zu sein, wie wir sind, zu Verkehren, Begehren und Fühlen, wie wir Verkehren, Begehren und Fühlen müssen, zu Sprechen und zu Denken, was wir Sprechen und Denken müssen (siehe hierzu auch den Begriff des Willens in der Hirnforschung). Der Begrif Sachzwang kann nicht mal Naturgesetzte beschreiben, denn diese gibt es nicht als selbständigen Zwang sondern nur als regelhafte Beziehung in einem Ganzen. Naturwissenschaft können nur Kräfte und Energien beschreiben die in und außer uns in Bewegung (siehe Geschichte) sind, niemals aber erklären, was wir wollen, sollen und tun. Karl Marx hat den Sachzwang als Zwang mystifizierender Begriffe herausgearbeitet und sie aus einem fetischhaften Verhältnis zur Wirklichkeit in seinem Hauptwerk nachgewiesen (siehe hierzu auch Warentetischismus). Das das gesellschaftliche Verhältnis der Menschen als Verhältnis von Sachen erscheint, die ihr Leben auch wirklich bestimmen, erscheint dem begriffslosen Denken (siehe z.B. Phänomenologie) als Sachzwang, erweist sich aber nach Analyse der Lebensgrundlage im historisch gegebenen Lebensverhältnis der Warengesellschaft als eine gesellschaftliche Verkehrung, welche die Sachen darin vollziehen. In der Wertform des Warentauschs erscheint jedes einfache Gebrauchsguts gesellschaftlich in der Form seines Gegenteils: Der Äquivalentform (siehe Geld) und dient zugleich dieser als dessen eigentümlicher Wertausdruck. So erscheint in solcher Form alles, was als Sachzwang gilt, letztlich nur in der Form einer verkehrten gesellschaftlichen Beziehung (siehe hierzu auch die Staatsverschuldung). |
| |
Sadismus ist ein Verhältnis zu Schmerzen, welches auf einer sinnlichen Nichtung beruht und durch Sinnverkehrung eine negative Identität stiftet (siehe auch Perversion). Er gestaltet sich als ein Lebensgefühl (Selbstgefühl) der Grausamkeit, in welchem Schmerz ästhetisch als Ereignis der Identität erlebt wird. Dies lässt den Sadisten sein Leiden durch andere empfinden, also im doppelten Sinn das Seine, das nicht sein kann, das er aber haben will. Der Sadist oder die Sadistin ist von der Nichtung getrieben und verschafft sich Identität durch die Nichtigsetzung anderer Menschen, durch ihre Demütigung oder durch Leidzufügung, durch das Erleben ihres Leidens. Er oder sie kommt durch das Erleben fremder Schmerzen zu sich - entweder voyeristisch oder durch eigene Tätigkeit verursacht. Hierzu gehört oft auch eine entsprechende Gesinnung, die als Weltanschauung des Grauens dient. Der Schmerz, den der Sadist zufügt, braucht er als Umstand seiner Wahrnehmung, um der Gewohnheit seiner Selbstentfremdung zu entgehen. Diese besteht aus einer Selbstbeherrschung, die zugleich abgeschlossene Lebensverneinung ist. Der Schmerz ist sozusagen die Implosion des Gefühls, das Wahrmachen der Zerstörung von gewohnter Wahrnehmung. | s.a.
| |
Schein >> Weiterleitung auf SC | ||
Scheinwelt >> Weiterleitung auf SC | ||
Schizophrenie >> Weiterleitung auf SC | ||
Schmerz >> Weiterleitung auf SC | ||
Schuld >> Weiterleitung auf SC | ||
Schuldgefühl >> Weiterleitung auf SC | ||
Seele >> Weiterleitung auf SE | ||
Sehnsucht >> Weiterleitung auf SE | ||
Sektiererei >> Weiterleitung auf SE | ||
Selbst >> Weiterleitung auf SEL | ||
Selbständige Arbeit >> Weiterleitung auf SEL | ||
Selbstausbeutung >> Weiterleitung auf SEL | ||
Selbstbehauptung >> Weiterleitung auf SELBSTB | ||
Selbstbestätigung >> Weiterleitung auf SELBSTB | ||
Selbstbewusstsein >> Weiterleitung auf SELBSTB | ||
Selbstdarstellung >> Weiterleitung auf SEL | ||
Selbstentfremdung >> Weiterleitung auf SEL | ||
Selbsterkenntnis >> Weiterleitung auf SEL | ||
Selbstentleibung >> Weiterleitung auf SEL | ||
Selbstgefühl >> Weiterleitung auf SEL | ||
Selbstorganisation >> Weiterleitung auf SEL | ||
Selbstunterwerfung >> Weiterleitung auf SEL | ||
Selbstverachtung >> Weiterleitung auf SELBSTV | ||
Selbstvergegenwärtigung >> Weiterleitung auf SELBSTV | ||
Selbstverlust >> Weiterleitung auf SELBSTV | ||
Selbstverständnis >> Weiterleitung auf SELBSTV | ||
Selbstverständlichkeit >> Weiterleitung auf SELBSTV | ||
Selbstverwirklichung >> Weiterleitung auf SELBSTV | ||
Selbstwahrnehmung >> Weiterleitung auf SEL | ||
Selbstwertgefühl >> Weiterleitung auf SEL | ||
Sexismus >> Weiterleitung auf SE | ||
Sexpol-Bewegung >> Weiterleitung auf SE | ||
Sexualität >> Weiterleitung auf SE | ||
"Wir verlangen, das Leben müsse einen Sinn haben - aber es hat nur ganz genau so viel Sinn, als wir selber ihm zu geben imstande sind." Herrmann Hesse "Wie erst die Musik den musikalischen Sinn des Menschen erweckt, wie für das unmusikalische Ohr die schönste Musik keinen Sinn hat, [kein] Gegenstand ist, weil mein Gegenstand nur die Bestätigung einer meiner Wesenskräfte sein kann, also nur so für mich sein kann, wie meine Wesenskraft als subjektive Fähigkeit für sich ist, weil der Sinn eines Gegenstandes für mich (nur Sinn für einen ihm entsprechenden Sinn hat) grade so weit geht, als mein Sinn geht, darum sind die Sinne des gesellschaftlichen Menschen andre Sinne wie die des ungesellschaftlichen; erst durch den gegenständlich entfalteten Reichtum des menschlichen Wesens wird der Reichtum der subjektiven menschlichen Sinnlichkeit, wird ein musikalisches Ohr, ein Auge für die Schönheit der Form, kurz, werden erst menschlicher Genüsse fähige Sinne, Sinne, welche als menschliche Wesenskräfte sich bestätigen, teils erst ausgebildet, teils erst erzeugt. Denn nicht nur die 5 Sinne, sondern auch die sogenannten geistigen Sinne, die praktischen Sinne (Wille, Liebe etc.), mit einem Wort der menschliche Sinn, die Menschlichkeit der Sinne wird erst durch das Dasein seines Gegenstandes, durch die vermenschlichte Natur. Die Bildung der 5 Sinne ist eine Arbeit der ganzen bisherigen Weltgeschichte." (MEW Ergänzungsband I, S. 541f). Leben ist aus der toten Materie heraus entstanden, indem sich darin Sinn als ursprünglichste Beziehung der Natur, als Naturempfindung gebildet hatte. Der Sinn ist das lebende Produkt der Naturgeschichte als geschichtliche Natur des Lebens; die Sinnbildung selbst ist Leben als Prozess, Naturgeschichte der Sinnlichkeit. Diese Geschichte ist immer auch materiell, weil Sinn selbst nur als Verhältnis zu seiner Materie besteht, als Verhalten von lebender zu toter Materie. Daher ist Sinn nicht zu unterscheiden in Organ und Bedeutung; wo ein Sinn für etwas ist (z.B. Sinn für Holz, Musik, Natur usw.), da sind unmittelbar auch die Sinne mit den entsprechenden Organen hierfür tätig (siehe Emfindung und Gefühl); wo der Sinn tot ist, gibt es auch keine Sinnestätigkeit und keinen Sinn für etwas. Das Lebende bezieht sich mit seinen Sinnen erkennend auf das Tote, bildet sich in der Kenntnis hiervon, nimmt es auf und stösst es ab und weiß dies Äußere zugleich in sich. Dass das Lebende das Tote kennt und dass dessen Erkenntnis grundlegend ist, zeigt sich an den urtümlichsten und einfachsten Verhältnissen des Stoffwechsels und der Assimilation. Die Fähigkeit, Stoffe für sich adäquat aufzunehmen und zu verdauen, macht den ersten Sinn in der Natur für die Natur aus. Auch die Nervenzellen verfahren ähnlich, wenn sie sich ein Bild von ihrer Umwelt machen und sogar in der Lage sind, diese über das Blut zur eigenen Gestalt zu bringen, z.B. in den Tarnfarben, die Tiere aus ihrer Umgebung beziehen und erzeugen können. Schon Hegels System der Sensibilität hat diesen Gedanken aufgenommen, als er das Nerven-, das Blut- und das Verdauungssystem als Totalät der natürlichen Gestalt auffasste, und diese schon im pflanzlichen Sinn wusste (Hegel, Enzyklopädie §354). Es ist der große Irrtum Darwins, dass der Sinn der Natur auf dem Fakt des Überlebens, als Resultat eines Lebenskampfs entstanden wäre, dass sie permanent aus ihrer Chaotik heraus Überschüsse erzeuge, deren selektive Vernichtung im Überlebenskampf die Existenz der Arten begründe. Da diese Theorie selbst erst nach der Entwicklung der Arten ansetzt und lediglich ihr Überleben mit einer Art objektiver Aussteuerungstheorie für Zufälle des Entstehens erklärte, kann sie natürlich nicht begreifen, wie sich Sinne für die Umweltsbedingungen überhaupt bilden und ausschälen können, wie sie das in sich tragen können, was für sie nötig ist. Waren es Zufälle, die eine Pflanze, eine Tierzelle, ein Reptil, eine Schwimmblase, eine Lunge, ein Chamäleon, einen Zitteraal usw. entstehen ließen, die doch außerordentlich viel Sinn für sich und ihre Umwelt aufweisen? Alles, was wir hierüber erfahren, erzählt eben vom Gegenteil: Die Natur hat ihre Schranken in der Spezies empfunden und sich zu dem Bedürfnis entwickelt, dies Beschränkte zu überwinden. Es muss schon in der Natur selbst Empfindung geben, die es möglich macht, dass ein Rochen die Farben seiner Umgebung annimmt und dadurch getarnt ist und dadurch besser überleben kann, also nicht aussortiert wird, wie es Darwin im Nachhinein dann konstatiert, wenn eine Art sinnlos, also empfindungslos geworden ist, für das, was sich in ihrer Umwelt entwickelte. Die Empfindungen in der Natur machen das eigentliche Rätsel aus, das mit einer göttlichen Idee gelöst gelten sollte. Aber Naturempfindung spricht deshalb nicht für Gott, sondern für einen Sinn, den die Natur selbst schon gebildet hatte, als sie sich aus der bloßen Materialität des kosmischen Stoffes herausgebildet hatte und worin sie von Anfang an eine Gewissheit als Grundlage des Lebens hatte, eine lebendige Selbstgewissheit und nicht einen selektiven Ausrottungsakt zufälliger Lebensprodukte. Ihre Artenvielfalt erklärt sich aus diesem zum Bedürfnis gewordenen Wissen, das Schranken überwindet. Sie selbst enthält die Keimformen des menschlichen Geistes, wie die Erkenntnis von Leben überhaupt. Der Begiff Gottes lässt sich durch die Selbstgewissheit der Natur ersetzen. Sinnlich sein heißt erkennend sein. Jeder Sinn ist für sich schon eine Erkenntnis, weil er sich von der toten Materie wesentlich unterscheidet als Sinn für sie, wie er auch die erste Erkenntnis für sich dadurch ist, in dieser Unterscheidung die Fähigkeit zu haben, Totes von Lebendem zu scheiden und auszuscheiden, sich darin zu bilden und tätig zu sein und als wirkliches, also Wirkung habendes Leben herauszubilden. So wie das Leben als Sinn der materiellen Natur entstanden ist, so ist der Sinn das Leben mit ihr. Die ganze Sinnbildung kann nichts anderes sein, als eine Naturgeschichte, die sich für sich begeistert hat. Der Geist selbst ist unmittelbar sinnlich, auch wenn er Verhältnisse eingeht, in denen er sich von seiner sinnlichen Natur entfernt, um auf sie wieder zurückzukommen. "Die Entstehungsgeschichte des Menschen ist die Bildungsgeschichte seiner Sinne" (Marx). Und diese ist noch nicht zu Ende. Es ist dem Darwinismus entgegenzuhalten, dass er eine Lebensgeschichte des Untergangs vorstellt. Für ihn ist die Sinnbildung des Lebens zufällig, die Vernichtung von "Lebensunfähigkeit" vernünftig. Im Grunde vollstreckt er theoretisch die Vernunft einer Vergänglichkeit von Lebensvielfalt - ein Widersinn in sich. Warum sollte Leben sich entfalten und dann auf das Machbare reduzieren? Es mag verschwenderisch für den erscheinen, der damit haushalten will, aber seiner Sinne ist es enthoben, sobald es sie zu bewirtschaften versucht. Warum diese sich ändern und warum Leben selbst Sinn bildet, ist dem Darwinismus als Verstand der Aufklärung fremd und zugleich Grundlage von einer der schlimmsten Gesellschaftstheorien der Geschichte (siehe auch Rassismus) Sinne haben sich in ihrer Evolutionsgeschichte im Sein und Grund ihrer Natur gebildet ( Die menschlichen Sinne sind menschliche Natur in der Einheit seiner natürlichen Menschlichkeit, seinem Dasein als natürliches Wesen in der Äußerung seiner Natur. Darin ist er eins mit sich und der Welt, auch wenn die Welt nicht mit ihm eins ist. In diesem Sinne ist die bisherige Geschichte des Menschen die "Naturgeschichte seiner Sinne" (Marx). Alles hat für einen Menschen Sinn, wofür er Sinn hat. Aber nicht alles Sinnliche ist menschlich. Sinn ist als der Inhalt menschlicher Bedürfnisse auch der Grund ihres Verlangens, zum Frieden zu kommen, befriedigt zu sein. Darin wirkt die Unruhe der Erkenntnis in den Menschen, ihr zwiefaches Sein zwischen Unwirklichem und Wirklichem, dem unerfüllt sein, das ihnen dann in den Sinn kommt, wenn die außer sich keinen Sinn finden. Von da her gibt es keinen Sinn in Ruhe; er ist beständig außer sich, wenn er nicht bei sich ist und bei sich, wenn er sich äußert. Er ist, was Lebensäußerung ausmacht, Grund ihres Werdens und der Genuß, worin sie vergeht. Der Sinn ist die Identität des Menschseins mit allen Lebewesen und Sachen, die ihm Sinn geben und für die er Sinn hat. Er findet diesen Sinn in seíner Empfindung, durch die er die Welt der Gegenstände als seine Welt erfährt und sich in ihr bestätigt findet, wie sie in sich menschlich ist. Seine unmittelbareste Wahrheit ist unmittelbar sinnlich. Das innere Moment der Beziehung zu seiner Welt, ist der Sinn, die er für sie hat und in ihr findet, soweit er sie sich auch geschaffen hat. Das macht die doppelte Bedeutung des Wortes als Einheit Sinn aus: Sinnlich sein und Sinn haben. Auf ihr gründet alle Gewissheit, Wissen, Bewusstsein, Sprache, Arbeit usw.. Der Sinn ist die Einheit von allem, was meschliche Selbsterkennis als Erkennis der Welt ist: Empfinden, Erkennen, Lieben in einem, wie es alle seine Kultur enthält. Die Selbstwahrnehmung der Menschen in zwischenmenschlichen Verhältnisen macht ihre Erkenntnisse zur Lebensform füreinander. Darin bilden sie Gefühle, mit der sie sich wechselseitig beseelen und ihre Sinne austauschen. In ihren Selbstgefühlen haben sie die Sinnlichkeit ihrer Erkenntnis entäußert zu einem gemeinen Sinn, durch den sie füreinander sinnlich sind. Hierdurch haben sie eine Sinnesgemeinschaft außer sich als abstrakten Sinn und sich als äußers Mittel ihres Verhältnisses in der Anwesenheit ihrer Sinne. Ihr seelisches Verhältnis entwickelt dieses gegen die Wahrheit ihres Erkenntnisprozesses. Von da her steht deren Sinn im Gegensatz zu jeder seelischen Absicht, die sich seiner bedient und ihn vernutzt (siehe auch Selbstentleibung). Da Sinn vor allem aus seiner Körperlichkeit heraus sich gestaltet, sich in räumlichem Sein ausbreitet, da er sich in der Wesenheit von Berührung, von Empfinden und Befinden, von Nähe und Finden bestimmt, ist er in seiner Bestimmungslosigkeit, in der Abstraktion lediglich Raum, den er durch seine Anwesenheit ausfüllt. | s.a.
| |
Die Sitte ist die Gewohnheit und Bedeutung, welche die sinnlichen Verhältnisse der Menschen haben und bilden. Von daher entspricht sie der Geschichte einer Kultur und bestimmt ihr Brauchtum als Maß der Verhältnisse darin. Im Unterschied zur Ethik, welche sich konstitutiv bewertend und moralisch äußert, gilt als sittlich, was sich in die Gewohnheiten einer Kultur einfügt und diese bestärkt. Sittlichkeit bezieht sich daher weniger auf das soziale Verhalten als solches, sondern mehr auf dessen Ästhetik. Allgemein ist sie die Formulierung eines ästhetischen Willens, welchen eine Kultur herausgebildet hat und daran im kulturellen Verhältnis der Menschen deren Ausdruck und Verhalten bemisst. Sie bestimmt hierin den Spielraum und die Grenzen, wonach sich diese im Verhalten ästhetisch ausrichten sollen, wo sie sittlich sind und wo nicht. Diese müssen dort sittlich sein, wo sie bestätigt sein müssen, wo es also keine andere Bestätigung für sie gibt (z.B. als Seele oder Wahrnehmung oder Gefühl usw.). Sitte funktioniert daher allgemein nur, wo Wahrnehmung nichts anderes als sich selbst wahrhat (siehe auch Logik der Kultur Teil 3c). Unsittliches Verhalten überschreitet daher meist auch die Grenzen dieses Wahrnehmungsverhältnisses und kann partiell durchaus die darin eingebundene Beschränkung der Erkenntnis aufheben und sie somit aus ihrer Unterwerfung durch die Gewohntheiten der Wahrnehmung befreien. | s.a. | |
"Unter Situationismus ist weniger eine bestimmte Stilrichtung als vielmehr eine Lebenshaltung zu verstehen. Ursprünglich 1957 entstanden, erlebte die Situationistische Internationale während der 68´er Unruhen in Paris eine neue Blüte, gerade wegen ihrer gesellschaftspolitischen Kernaussage, derzufolge die Bürger westlicher Industrienationen zunehmend in die Rolle eines Konsumenten gedrängt wurden. Ein wichtiges Konzept dieser Bewegung stellt die Integration von Kunst in das Alltagsleben (Urbanisme unitaire) dar." | ||
Skinner ist der Begründer der Lerntheorie, die eine Grundlage für die Beeinflussung des menschlichen Verhaltens, sofern es mit tierischem Verhalten korreliert, und der Motivation bieten will und der dies besonders in der Werbegrafik gelingt.. | s.a. | |
|
Sloterdijk ist vielleicht ein provokativer Essayst. Aber durch seine modischen Gedanken und der Wirkung in den Medien wurde er zu einem inzwischen allgemein moderierten Philosophen, der seine Interpretationen unter die Leute zu bringen versteht. Er hat sich durch sehr gegensätzliche Denkansätze hindurch entwickelt - von der Kritischen Theorie über den indischen Guru Baghwan zu einem Nietzsche- und Heidegger-Schüler -, deren Kritik am Humanismus für seine Weltsicht nicht unbedingt grundlegend, wohl aber asoziert ist. Im Grunde pflegt er vor allem die Weltbetrachtung und ist darin äußerst gewandt. Darob wurde er mehrfach ausgezeichnet (1993: Ernst-Robert-Curtius-Preis für Essayistik, 2000: Friedrich Merker-Preis für Essayistik und 2001: Christian-Kellerer-Preis für die Zukunft philosophischer Gedanken) und ist heute ein gefragter Philosoph und Gastdozent in New York, Paris uns Zürich. Seine Gedanken bedienen sich ebenso der kulturkritischen Impulsen der Studentenbewegung, wie sie auch unter dem Einfluss östlicher und klassisch europäischer Philosophie stehen - von Heraklits Naturphilosophie, Platons "Politeia" und der buddistischen und taoistischen Weltanschauungen. Er hat sie in einem Gesamtwerk ("Kritik der zynischen Vernunft") formuliert, in dem er die zynische Weltverneinung der Postmoderne mit einem kynischen "Dasein im Widerstand" angehen will. Im Einklang mit Adorno und Horkheimer kritisiert er die instrumentelle Vernunft der Aufklärung, welche die "alleinige Instanz des kalkulierenden Denkens, das die Welt für die Zwecke der Selbsterhaltung zurichtet ("Dialektik der Aufklärung, 1947) zu einem allmächtigen Zynismus der Postmoderne gesteigert habe. Er zählt die Strukturen und Lebensinhalte der bürgerlichen Gesellschaft und Kultur (z.B. Klassengesellschaft, Militär, Kapital, Tausch, Gesundheitswesn, Sexualismus) in der Art eines modernen Zynismus auf, als "rohe Tatsachen", die eine "Konstante unserer Geschichte" ausmachen würden, welcher der Kynismus einer radikalen Vernunft durch Entblößung und Aufdeckung entgegenzustellen sei. Er wandte sich darin vor allem gegen abstraktes Denken in der Philosophie und machte aus seinen eher bescheidenen Einwänden ein ganzes System der kynischen Vernunft, "Tastbewegungen", die er in Abgrenzung gegen Positivismus, Systemtheorie und kritischen Pragmatismus als ein System einer "zweiten Aufklärung" ausgab, in welcher der "Zirkel der instrumentellen Vernunft" durch die "Relationen des Tuns und Lassens" zu durchbrechen sei. Aus der Kritik der Interessen der instrumentellen Vernunft lasse sich Zuwendung (sympathetisches Verstehen) entwickeln, welche in der Auseinandersetzung mit der Macht des bestehenden Zynismus sich reiben und darin eine Geschichte vorantreiben würde, die eine Realität aus "sanften Tatsachen" erzeuge. Diese verlangen zum einen die Einsicht in eine allgemeine Realität, zum anderen deren Einvernahme durch Subjektivität: Die Menschen sollen mit der Härte der Tasachen so vergeschwistert werden, dass sie sich darin durchaus lebendig fühlen können. Dies ist eine Theorie des "Großen Bruders", die im Zeitgeist angesagt ist. Der ist aber schnell strenger geworden, als man den Ausgängen von Sloterdijks Denken entnehmen würde. Es geht ihm ja inzwischen auch um etwas ganz Großes: Um die Zähmung des wilden Menschentiers, um die "Kraft der Subjektivität", die durch eine sanfte Disziplinierung mit der neueren Spielart einer Weltbürgeraristokratie gebändigt werden müsse, eine kultivierte Art von Zucht, deren Grundlagen auf die Konstruktionen des platonischen Staates zurückgreifen. Diese Kraft könne sich nicht mehr aus Prozessen der Selbstverwirklichung bilden. Im Gegenteil: Darin selbst stecke das zynische Potential der Aufklärung, ihre Komplizenschaft mit der Rechtsnorm der bürgerlichen Gesellschaft. Man müsse umdenken: Die Gesellschaft müsse sich selbst gepflegt verhalten, um die Anwendung von zynischen Akten (Vormachtzynismen wie Besitzstands- und Rechtsprivilegien und Gewaltanwendung) zu vermindern oder verhindern. In der Einrichtung einer Art von "Menschenparks" könne die Kulturpflege in der direkten Konfrontation und Auseinandersetzung der Menchen mit ihrer Welt gepflegt werden und damit schon im Vorgriff ihrer potentiellen Störwirkung auf das System entgegengetreten werden. - Wer diesen Park hegen soll, bleibt wohl einer Kulturelite - wahrscheinlich also einer Administration des bürgerlichen Staats - überlassen; aber Sloterdijk sieht das alles im Prinzip der Selbstevidenz zwischen Zynismus und Kynismus und muss sich daher über den Gärtner (bzw. Tierpleger) nicht auslassen. Bös ist nur wer Böses dabei denkt. Der Gärtner ist ja schließlich selbst ein Mensch im Wechselverhalten der Menschen. Und da wird er aus irgendeinem Grund, der nichts mit dem sozialen "Geburtsfehler" der Menschen zu tun hat, die richtige Einstellung finden lassen. Er muss ja dann auch nur noch für die Ausreißer richtig aktiv werden. Und jeder wird das dann begreifen und sich danach richten: Gewalt wird zu einem zynischen Prinzip einer exkulpierten Macht, zu einer entäußerten Notwendigkeit, die niemanden direkt bedroht, aber jedem schlicht die Existenz verweigert, wenn er sich hiergegen stellt Ein Park ist kein Gefängnis. Aber er hat eine Bedingung: Was nötig ist, das muss gewollt werden! Sanft wird so Nietzsches "Wille zur Macht" in den sozialen Gestus des Großen Bruders gehoben, der seinen Geschwistern eine Lebensschule ist und sie umsorgt - sicher eine gute Berufsperspektive für Philosophen als Staatsbeamte. Der Staat wird darin zu einem Kulturmodell - mit dem Begriff eines Parks ist er ja selbst als Kultur gedacht. Ganz im Gleichklang mit den neokonservativen Amerikanern (vergl. z.B. Huntington) setzt sich Sloterdijk für eine "Kulturordnung" ein, die zugleich Grundlage der derzeitigen "Weltneuordnungthematik" sein will. Wesentlich hierbei ist die Vorgriffsmacht auf das Störungspotential, das sich aus den Gräuel der unkontrollierten Kulturen begründet. Daher weist er besonders darauf hin, dass Humanismus auch nur "der natürliche Komplize aller möglichen Gräuel" sei, weil "der Mensch für den Menschen die höhere Gewalt darstellt" (siehe hierzu auch Schumpeter). Sloterdijk setzt Nietzsche zur "Aufrüstung der Subjektivität" als bewusster Vertreter der Westkultur ein, die in den "tausendjährigen Prozessen" des Überrmenschen ein nicht ganz neues Maß für seine ihm nötige Gewalt sucht. Im Prozeß "schöpferischer Zerstörung" können sich die Potenzen der Ökonomie folgerichtig auch am besten ausbreiten (siehe hierzu Krise). Er vertritt eine aggressive Metaphysik des Willens, die sich ohne weiteres der amerikanischen Position von Supermacht zuordnen lässt ( | s.a.
| |
Sorge >> Weiterleiten auf SO | ||
Sophistik, Sophismus >> Weiterleiten auf SO | ||
Sosein >> Weiterleiten auf SO | ||
Sozialismus >> Weiterleiten auf SO | ||
Sozialistische Aktiengesellschaft >> Weiterleiten auf SO | ||
Sozialistische Demokratie >> Weiterleiten auf SO | ||
Sozialistischer Staat >> Weiterleiten auf SO | ||
Sozialstaat >> Weiterleiten auf SO | ||
Sport und Spiel scheinen zunächst eine Art Vergnügen oder Belustigung zu sein, Freude an Bewegung und Geschicklichkeit. Tatsächlich bewährt sich ja im Sport auch eine Geschicklichkeit, die in der Freizeit jenseits der Arbeitszeit Anerkennung erbringt, die im Unterschied zu einer sozialen Leistung als persönliche Leistung ausgezeichnet wird, oft auch als Leistung einer politischen Persönlichkeit, einer Nation. Diese kann auch als Gruppenleistung (z.B. Fußball, Staffel) eigene Arten von Gemeinwesen stiften, die über die Geschicke der einzelnen Sportlerpersönlichkeiten vermittelt sind und eine eigene unumstößliche Geschichte machen, solche Persönlichkeiten und Gruppen in entsprechenden Tabellen (Meisterschaften, Bundesliga, Tennisweltbester usw.) unmittelbar als geschichtsbildend erscheinen lassen, zumindest für die Geschichte einer Tabelle. So ist die Welt des Sports oft eine alternative Welt, worin den Menschen eine Identität und Geschichte über ihre körperliche Leistung ermöglicht wird, die sie in ihrer Alltagswelt, in ihrer Familie oder ihrem Beruf usw. nicht erlangen können. Sport soll hiergegen als natürliche Betätigung erscheinen und etwas erfüllen, was sonst nicht mehr existiert: körperliche Integrität (siehe hierzu auch Körperfetischismus). Ziemlich schnell und einfach wird daher Sport auch mit Gesundheit in Beziehung gesetzt, so, als sei er hierfür notwendig. Schließlich hat Sport auch eine soziale Bedeutung, indem er Gemeinschaft stiftet, wo sonst keine wäre und letztendlich befördert er unter all diesen Bestimmungen die Eingliederung und Bewertung von Persönlichkeiten, die durch sportliche Leistungen ihre emotionalen, sozialen und regenerativen Potenzen als ihre Lebenswerte in ihrer Sportsgemeinde bestätigt bekommen. Für sich ist keine der Bestimmungen, welche Sport begründen wollen, wahr. Unter Sportlern gibt es überdurchschnittlich hohe Krankheitsanfälligkeit, ein hohes Maß an antisozialen, egomanischen Orientierungen und einen ausgesprochenen Zynismus gegen sich und andere, um die Leistungsfähigkeit zu steigern (z.B. durch Doping). Es gibt sogar einige Krankheiten, die ausdrücklich dem Sport zugeschrieben werden wegen der Einseitigkeit der dort erforderlichen Bewegungen und Leistungen, zum Beispiel das "Sportlerherz" (ein übergroßes Herz, das anfällig für Aneurysmen ist) oder der "Tennisarm". Bleibt alleine übrig, dass Sport dem Ausgleich gegen die Einseitigkeiten von Bewegung und Sinn in den alltäglichen Wahrnehmungen dient - als eine Form des Erlebens, dem Anderssein im gewohnten Lebensprozess und konkret scheinenden Begnungen, welche sogar eine Art Sportgeschichte für die Sportsgemeinde zu entwickeln vermag. Im eigentlichen Wortsinn kommt Sport von Sporn und meint angespornte Körpertätigkeit zu einem Zweck (z.B. Gesundheit, Gemeinschaftsleben, Ertüchtigung, seelische Reinhaltung oder Bereinigung, Suchterleben durch Hormonausschüttung usw.), der das Angespornte zum Äußersten bringt, zu veräußerter Körperlichkeit. Sport entwickelt sich aus dem Spiel und will auch Spiel sein, das sich in äußerster körperlicher Anstrengung äußert. Zugleich aber ist der Körper darin auch wirklich außer sich, gegen sein wirkliches Leben bestimmt. Im öffentlichen Sport werden vor allem Leistungswerte erzielt, die Sieger und Besiegte scheiden, die durch eine Bewertung entschieden wird, welche durch Zahlen für Kraft, Geschick und Zeiit bestimmt sind (z.B. Hundertstel Sekunde im Wettlauf, Gramm im Heben und Werfen, Schläge und Niederschläge im Boxen), die nur das bemessen, was im Sport zählt: Leistung absolut. Darin konkurrieren sowohl SportlerInnen, Sportsfreunde und Zuschauer, die sich auf diese Weise die Teilnahme an Siegen und Niederlagen ermöglichen. In ihrer Sportsgemeinschaft versammeln sich immer relative Sieger, - relativ, weil sie auch hie und da verlieren, aber potenziell immer Sieger, weil der Sieg der absolute Zweck ihres Zusammenseins ist. Ihre Sportlerehre hat zwar nötig, zu begreifen, was schiefgegangen ist, wo nicht gesiegt wurde, aber bliebe es beim Verlieren, so würde die Gemeinschaft absterben. Sport ist somit das kulturell fortgesetzte Bewertungsprinzip, welches die Menschen antreiben und gegeneinander konkurrieren lässt, damit sie jenseits der Siege und Niederlagen in ihren wirklichen Lebensbedingungen an einem sehr ernsten Spiel hierzu in irgendeiner Form teilnehmen können. Hier bemisst der Sieg das persönliche Geschick als Persönlichkeit und die Gemeinschaft als Zuträgerin der Geschicke, die für Sportleistung zählen. Im wirklichen Leben spielt es keine Rolle, wenn sich die Leistung im Skifahren, Schwimmen oder Rennen um eine Hundertstelsekunde unterscheidet. Auch ist die Torproduktion der Kicker in ihren Unterschieden eher durch die Tagesform oder die Publicity bestimmt, als durch gesellschaftlich notwendige Fähigkeiten. Der Sport ist eine Welt für sich, in der vor allem Ranglisten der besonderen Leistung und Geschicklichkeit zählen, durch welche Sportlerpersönlichkeit entstehen, die sich als solche in den Medien auch erleben und dort wieder ihr scheinbar unmittelbares Menschsein promenieren dürfen. Sport ist vor allem auch Teil der nationalen Medienkultur, die sich in ihrer Position international deutlich unterscheidet und besondert. Im Sport aber entsteht im Leben der Menschen auch ein Inhalt, der gegen die gewöhnliche Lebenserfahrung deutlich kontrastiert. "Zirkus und Spiele" waren schon immer das Konzept, die Leute bei Laune zu halten, wenn Gesellschaft und Staat nicht mehr weiterkommen. Im Loch der öffentlichen Geschichte ist Sport absolut nötig, um die Menschen am Nabel der Sportgeschichte noch zusammen zu halten, ihnen gesellschaftliche Geschichte, oft auch Nationalismus vorzuführen. "Brot und Spiele" erbringen gerade dort Begeisterung, wo eigenlich nicht mehr zu Spaßen ist. Die ist neuerdings mit dem Begriff Tittytainment formuliert worden. Im Sport spielt das wirkliche Leben als Negativ seines Interesses lebhaft mit. Im Sport entsteht nämlich eine wirkliche Geschichte, die es sonst nicht mehr gibt, eine Geschichte von vergemeinschafteter Körperlichkeit. Persönliche Leistungen als Referenzen für Vereine uind Nationen scheinen die Welt zu bewegen und die Welt bewegt sich um sie. Ob es die Listen der Bundesliga sind oder die Punkte im Tennis oder die Weltrangliste der BoxerInnen: Überall stehen die Bewertung der Körperleistung zum Maßstab menschlicher Personifikation, der Persönlichkeit von Muskelkraft und Geschick zugleich für das Geschick einer Gemeinschaft, die in keinem Wertmaßstab des Alltags sich darstellen lässt, weil dort alleine die gesellschaftlich durchschnittliche Kraft pro Zeit, die menschliche Arbeitszeit im Wertmaßstab bestimmend ist. Im Sport geht es nicht um die wirklichen Körper der Menschen, sondern um die idealisierten, um die in besonderem Trieb verselbständigten Körper. Der Sport betreibt die Tätigkeit des veräußertren Körpers, der abstrakten Körperveräußerung überhaupt (siehe abstrakt menschlicher Sinn). Der Sport wird darin zu einer Körperertüchtigung, die nicht die Grenzen der wirklichen Körper erweitern will, sondern die Grenzen einer Gesellschaft, die Überwindung ihrer Entfremdung durch die Veranstaltung von ertüchtigter und oft auch gezüchteter Körperleistung. Der Sport wird zur paradoxen Lebensgeschichte, zu einer Geschichte des Lebens, das außer Rand und Band ist und den Sinn erfüllen muss, den das Leben einer Gesellschaft oder Nation für sich nicht mehr hat, aber in der Sportsgemeinschaft als neuen Lebenszusammenhang findet. Dort entsteht eine eigensinnige Geschichte von Gemeinschaftszugehörigkeiten. Darin aber ist das Spiel auch beendet und wird bitterernst: Der Sport bildet Lebenszusammenhänge, die in Arbeitszusammenhängen verloren sind. Im Unterschied zur Arbeit wird hierbei aber kein Gegenstand gebildet, sondern der tätige Körper selbst. Sport ist die auf sich selbst bezogene Körperarbeit, welche in einer gegenstandslosen Gesellschaft zunehmend zu einer wesentlichen Tätigkeit wird, eine Vervollkommnung des individuellen Körpers ohne körperliche Gegenständlichkeit, dessen Bewegung für sich, Springen, Rennen, Schwimmen, Boxen usw. ohne gegenwärtigen Sinn außer der Ertüchtigung des Organismus, außer dem Kick des Zusammenspiels oder des Wettkampfes. Sport hat alle Merkmale von Arbeit, wie sie im Körper und zwischen Menschen stattfindet (Bildung von Fähigkeiten, Ausbildung von Kraft und Verstand und Technik und Zusammenwirken verschiedener Menschen für einen gemeinsames Ziel, die hierüber Einigkeit haben oder finden müssen). Aber er besteht gerade darin, diese zu relativieren, ihre Unsinnlichkeit zu kompensieren, um dem Organismus für sich selbst Sinn zu verleihen, sowohl kompesatorisch um seine Erregungen und Aufregungen für sich erlebbar zu machen, wo sie nicht gelebt werden können, und zugleich ihm einen gesellschaftlichen Sinn zu geben, den er in Wirklichkeit verloren hat. Sport ist somit auch gesellschaftliche Konstruktion des Körpers, der im Wettkampf an seine Grenzen gebracht wird und darin gezeigt und gekürt wird (so wurde z. B. behauptet, dass für die Ungarn die verlorene Fußballweltmeisterschaft von 1954 der Erregungsvorlauf zur ungarischen Revolution von 1956 gewesen sei, worin sich die Kränkung und die Aufruhr vereint hätten zu einem Selbstberwusstsein gegen das Regime). Sport ist für die bürgerliche Kultur das Medium des Massen-Ereignisses, also dem Ereignis, worin der Ansporn massenhaft zu einem Gemeinsinn wird. Darin werden die Individuellen Körper aneinander gemessen und durch Wettkampf bestärkt, entweder je einzeln oder als Mannschaft. Im Massensport entwickelt sich die Vorstellung eines Volkskörpers, der als angespornte Körperlichkeit zugleich zur Ästhetik des Massenkörpers, versinnbildlichter Gemeinsinn wird. Dieser ist Moment eines zwischenmenschlichen Verältnisses, das seine unmittelbare Gemeinschaft als prinzipiell einige Gemeinschaftsseele erfährt: Volksseele. Darin ist der Gemeinsinn, den Sport im Spiel hat, auch als Seele eines Gefühlszusammenhanges existent. Kein Wunder, dass Sport zur Idolisierung führt und einen ausgeprägten Fan-Kult im Gefolge hat. |
s.a. | |
Sprich, damit ich Dich sehen kann. (Sokrates) Sprache ist eine urtümliche menschliche Äußerung, durch sich selbst schon unmittelbar gesellschaftlich, also praktische menschliche Beziehung selbst, die Kultur und Schönheit und Leben hat. Durch die sprachliche Bezeichnung, durch das Wort oder durch einen Begriff, wird eine Sache oder ein Verhalt zu einer Benennung, zu einem Namen, der für sie steht und auch für sich als selbständiges Zeichen - z.B. in der Kommunikation oder in Texten - bezogen werden kann. Für sich ist er eine Aussage zu einer bezeichneten Sache, ihr Nomen (siehe hierzu auch Nominalismus). Ob diese Aussage wahr ist, ob also der Name auch zutrifft, erweist sich alleine in der Praxis des Redens und Schreibens, also, inwieweit damit Zusammenhänge erzählt werden können, ohne dass sie verfälscht werden. Im Unterschied zu solcher Erzählung ist jede Zahl ohne Erzählung, also für sich genommen, eine Verfälschung und also eine Täuschung. Zwischen Erzählung und Zahl befindet sich das ganze Spektrum der Möglichkeit von sprachlicher Wahrheit und deren Verfremdung als Formalisierung der Sprache zu einer Abstraktion, die der Realabstraktion ihres Gegenstands durchaus entsprechen kann (siehe auch Ideologie). Sprache wird so zum Träger von Ideologie, worin die Scheinhaftigkeit des Gegebenen zum Wesen ihrer selbst wird. Sprache ist zum einen ein praktischer Sinn der Menschen, Ausdruck ihrer Stimme, wie sie zugleich ein Wissen enthält, dessen Gewissheit unterstellt aber nicht unbedingt erwiesen ist. In der Sprache ist Subjektives immer auch objektiv, weil Sprache sich nur in ihrem Gegenstand, dem Bezeichneten, wirklich verhält, weil sie nur in bestimmter Lebenspraxis ihren Sinn erweist, also sinnvoll ist. Aus diesem Grund wird sie in der postmodernen Phänomenologie auch als ursprüngliches Erzeugnis und Zeugnis, als Konstruktion begriffen (siehe hierzu auch Derrida). Wie bei allen Äußerungen (z.B. Töne, Bilder etc.) wird in der Sprache selbst aber nur die Stimme als menschlicher Sinn unmittelbar gewiss, ohne Gewähr zu haben für das bezeichnete Sein und ohne eine andere stoffliche Kraft als diese zu haben, z.B. als kräftige Stimme. Sie manifestiert sich als Mitteilung, als Mittel der Auseinandersetzung, Information usw.. In dieser Bedeutung ist sie auch Moment gesellschaftlicher Entwicklung, Arbeit an Sinn und Bedeutung des Lebens, seiendes Wissen, als praktisches Bewusstsein der Menschen, welche sich hierin unmittelbar gesellschaftlich verhalten, wie auch als theoretisches Bewusstsein, das sich in Worten verdichtet. In der Sprache besteht also ein unmittelbares und mittelbares Verhältnis der Menschen in einem, Mitteilung und Reflektion. Das macht sie zum universellsten Lebensausdruck, sowohl in der Kunst z.B. als Dichtung, Gesang, Literatur, wie auch in der Wissenschaft als Wissensvermittlerin, wie auch in der Arbeit als praktische Notwendigkeit und als Bewusstsein. Sprache ist Bewusstsein in zweierlei Bedeutung. Einmal enthält sie praktisches Bewusstsein als das unmittelbarste Wissen, das Menschen formulieren können, das Wissen, das auch ihr Gedächtnis und Kulturvermächtnis ist und ihre Lebenspraxis lange schon bewahrheitet hat. Es enthält dieses zugleich als Vermittlung eine allgemeine Gewissheit der Menschen über ihr Leben, als theoretisches Bewusstsein. Ihre ganze Artikulation ist die Zwiespältigkeit von beidem, die sich letztlich nur in einem vollständigen Bewusstsein aufheben kann. Und sie verrät diese gegenläufige Beziehung darin auch in ihren Begriffen. So werden in vielen Wörtern noch Zusammenhänge überliefert, die uns beim Sprechen oft gar nicht mehr bewusst sind (wie z.B. Be-Stimmung als Reflexion einer Stimme, Hörigkeit für Hören als Bestimmung, Emp-Findung für Gefunden haben, was gewiss ist, Seele für den See ungewisser Geister, Ge-Spür für den Sinn, auf der richtigen Spur zu sein, es im Gefühl zu haben usw.). Wörter drücken die Gewissheit, welche Menschen haben, in dem Grad aus, wie sie richtig verwendet werden. Begriffe, die rein formal für das Selbe stehen, erweisen sich in gänzlich anderer Beziehung, wenn sie ihrem Sinn entsprechend verwendet werden (vergl. z.B. Masse, Menge, Unzahl, Quantum, Summe, Ansammlung, Häufung). So weisen Wörter als Begriffe auch über das Wissen hinaus und sind zugleich der Inhalt von Gedanken und Produkt des Denkens. Ohne Sprache muss Denken in den Bildern verlaufen, die sie sonst in Worte fassen müsste, die sie als Zeichen enthält. Doch das sprachlich begründete Denken ist dem bildhafte Denken vor allem dort überlegen, wo es um die Reflexion und das Reflektieren geht. | s.a. | |