Buchstabe Sc Im Kontext

Scham

Scham ist das Verhältnis zu einem sich selbst inadäquaten Sein. Sie setzt voraus, dass dieses zu einem absoluten Selbstverlust geworden war, was Selbstgewinn werden sollte. Aber nicht der Verlust als solcher kann Scham ausmachen, sondern die Erkenntnis der Selbstverleugnung, die zwischen Gewinn und Verlust ist. Ich schäme mich vom Standpunkt des Verlierers ob meiner Gewinnsucht, bin von mir selbst enttäuscht, gewinnen zu wollen, was im Gewinn nur verloren gehen kann wie ein Glück, das es nicht geben kann. Ich schäme mich, weil ich es hätte wissen können und müssen.

Von daher ist die Scham ein wesentliches Moment der Selbsterkenntnis, die Aufhebung meiner Scheinwelt, die Negation von einer darin gipfelnden Sebstentfremdung, die Entblößung einer Selbstentwertung aus der Scheinwelt eigener Minderwertigkeit (s.a. Bewertung), die sich aus meiner Beklommenheit durch Wertigkeiten ergeben hatte. Die Scham in ihrer gängigen Form von Minderwertigkeitskomplexen emanzipiert sich durch das Erwachen aus der Unangemessenheit der Selbstbezogehnheit innerhalb der Gegebenheiten und begründet von daher die Notwendigkeit der Revolutionierung einer Selbstachtung aus der Erkenntnis einer wesentlichen Selbstverleugnung. "Die Scham ist schon eine Revolution ... Scham ist eine Art Zorn, der in sich gekehrte. Und wenn eine ganze Nation sich wirklich schämte, so wäre sie der Löwe, der sich zum Sprunge in sich zurückzieht." (MEW 1, S. 337)

s.a.

=> Schande

=> Liebe

Schande

Schande ist die Ächtung eines Verhaltens durch die Sitte eines übersinnlichen Gemeinsinns, die Verachtung einer Tat durch ein untätiges Gemeinwesen, das seine Sittlichkeit hiergegen behauptet. Schande ist der Entzug von Achtung, die alle Menschen dieses Gemeinwesens beanspruchen, ist also de facto die Entsozialisierung eines Menschen oder einer Gemeinschaft oder seiner oder ihrer Taten aus einer übergeordneten Gemeinschaft oder einer übergeordnet behaupteten Sittlichkeit. Sie führt zur Verwerfung des Betroffenen - es sei denn, er ist in der Lage, die behauptete Sittlichkeit zu bezweifeln und damit sie für sich zu verwerfen.

s.a.

=> Scham

Schatz

s.a.

=> Schmuck

=> Geld

=> Kapital

Schein

Ein Schein ist das, als was etwas erscheint, was also selbst nicht wirklich das ist, was es ist. Er hat daher eine Substanz zum Ursprung, die sowohl hervorscheint, wie sie auch nicht wirklich ist, sich also an etwas anderem nur reflektiert (siehe Reflexion). In der Beziehung zu seinem Grund zeigt sich der Schein einfach aus etwas heraus scheinend, ununterschiedenes Sein zu ihm, wesentlich in einer Welt, worin er selbst nicht wirklich sein kann, nur als Erscheinung von etwas anderem Wirkung hat (siehe hierzu auch Täuschung). Nur in der Reflexion ist er an etwas anderem, was nicht sein Grund ist, aber sein Für-sich-sein als Schein ohne Grund ermöglicht. Dies Andere scheint darin auch für sich etwas zu sein, auch wenn es durch den Schein erst wirklich ohne sich ist. Es scheint für sich etwas Besonderes zu sein, ohne außer sich zu sein. In dieser Besonderung trägt es die Substanz fort, die getrennt von ihrem Wesen, die also außer sich, sich selbst fremd ist. Der Schein ist von daher immer selbständig und macht auch jede Verselbständigung aus, indem sie deren Wesen isoliert.

Im Schein besondert sich etwas wesenlos ohne eigenes Werden und Verwesen, ohne wirkliche Geschichte aber in seiner Wirkung. Der Schein wirkt für sich (siehe auch Design). Seine Beziehungen erscheinen selbst als natürliche Beziehungen durch die Natur dessen, was reflektiert. So erscheinen die Dinge nur darin besonders, wie sie vom Schein besondert sind; aber sie erscheinen hierdurch besonders natürlich und binden die Menschen an sich (siehe Fetischismus). Ihre Naturhaftigkeit wirkt dadurch, dass ihre menschliche Bezogenheit, ihre gesellschaftlichen Eigenschaften in ihrer Natur verschwunden ist (siehe auch Erscheinung, Warenfetischismus, notwendiger Schein).

s.a.

=> Widerschein

=> Erscheinung

=> notwendiger Schein

Scheinwelt

Eine Scheinwelt ist eine Welt voller Inhalte, die keinen Grund haben, die nur scheinbar sind, in Wirklichkeit nur inhaltsleere Wesen, Abstraktionen einer Güte, welche zwar qualitativ wirkt, aber nicht wirklich ist. Hierin werden Wirkungen nur negativ erzeugt, also in der Abgrenzung zum Unguten, zum Schlechten, das dem Guten äußerlich ist und das Gute erst dadurch bestimmt ist, dass es Schlechtes gibt. Es ist die Welt der Moralisten, der Selbstgerechtigkeit von Gutmenschen, die dadurch gute Gefühle haben, dass sie sich gut begründen können und dass sie deshalb auch im Grunde alles schön und gut finden können, auch wenn es schlecht ist oder gerade weil es so ist.

Das Gute macht solche Welt zur heilen Welt, die von außen, von fremden Kräften bedroht ist. Güte wird zur substanziellen Grundlage des Verhaltens, das als Maß der Lebenswerte fungiert. Sie finden diese in Eigenschaften aus einem Leben, das der Scheinwelt einverleibt wird, die von aller Bedingung frei gestellt erscheint, unbedingt gelten soll, damit darin die Menschen für sich das positiv wahrnehmen, was sie außer sich negativ wahrhaben. Das Maß der Scheinwelt ist die Idee, nach welcher die Sinne einverleibt werden, welche die eigenen Lebenswerte nötig haben. Von daher erscheint solche Welt wie die Welt einer Ideologie. Aber diese Welt ist wirklich. Sie besteht aus dem Sinn, der aus fremden Eigenschaften wirklich einverleibt ist und daher auch Wirkung hat ohne als Sinn wirklich zu sein.

Scheinwelt entsteht durch die Präformation und Formbestimmung von zwischenmenschlichen Verhältnissen durch Lebenswerte, die das Verhalten in einem bestimmten Lebensraum sortieren, um deren Idealisierung zu befördern und deren Beschränkungen durch fremde Einflüsse zu mindern, welche hierfür bedrohlich sind - und das ist fast alles Wirkliche. In einer Scheinwelt erscheint alles unwirkliche dadurch real, dass es in Gestalt von Menschen, von deren körperlichen Dasein vermittelt und durch deren Anwesenheit getragen ist. Für die Wirkungsmacht eine so erscheinenden Realität ist die Dichte der Begegnungen und der Ereignisse darin tragend.

Was darin allerdings herrschend wird, ist die Notwendigkeit der Sortierung des Guten und des Bösen nach Maßgabe der Lebenswerte. Und die vollzieht sich in der Gewalt der Abhängigkeit vom Dabeisein, in der Notwendigkeit der Anwesenheit, die für Menschen nötig ist, die jenseits dieser Lebenwelt im Nichts verschwinden. Von daher steckt in jeder Lebensburg eine Scheinwelt. Das macht die Lebensangst darin aus. Ihre Welt ist bloße Gewalt der Anwenden als Walten im Widerschein eines Sinns, der nicht sein kann. In ihr ist das Wahrnehmen eine auf sich selbst gründende Wahrheit, die sich selbst aufhebt, weil ihre Empfindung daraus besteht, was sie wahrhat und was sie daraus macht, was sie also wahrmacht. Eine Scheinwelt ist kein notwendiger Schein gesellschaftlicher Beziehungen, sondern wirkliche Erscheinungswelt sinnlicher Bezogenheiten, wahrgemachter Sinn, der keinen Sinn hat, wirklich abstrakter Sinn. Das Wahrmachen solcher Sinnlichkeit ist die Produktion von Scheinwelt. Es ist darin nichts wirklich nötig, weil darin alles möglich erscheint. Wirkliche Not entsteht nur durch den Verlust der Scheinwelt überhaupt, dem Reservoir unendlich scheinender Möglichkeiten, wenn sie vergönnt werden. Es ist die Erscheinungswelt von Absichten, welche in zwischenmenschlichen Verhältnissen wahrgemacht werden: Wirklichkeitsform der Seele, seelisches Sein, in welchem das Erkenntnisvermögen aufgehoben erscheint: Vollkommenheit des Selbstgefühls. Das ermöglicht zwar ein Leben in diesem Schein, enthebt aber den Sinn der Wahrnehmung seiner Wahrheit und führt zu einer Störung der Wahrnehmungsidentität, wenn er diese Scheinwelt verlässt (siehe Verdrängung). Nur in ihr wird er in den Gefühlen bestätigt, die er nötig hat: Selbstgefühle unendlicher Empfindsamkeit, Sinn aller Scheinhaftigkeiten, die so tief erscheinen, wie sie bezogen auf ihre Wahrheit, auf ihr ganzes geschichtliches Sein, flach sind.

Der Sinn einer Scheinwelt holt seine Kraft aus der Notwendigkeit einer Beziehung, die keinen Sinn hat (siehe auch Fetischismus), aber alle Sinne bestimmt (siehe Körperfetischismus). In der Not ihrer Abstraktheit ensteht abstrakte Sinnlichkeit dadurch, dass alles, was Sinn hat, sich in Gemeinschaft auflöst, um allem Sinn zu verleihen. Darin ist gesellschaftlicher Sinn sowohl aufgehoben wie auch einverleibt (siehe auch Kulturkonsum).

In einer Scheinwelt ist alles da, was für das Sein nötig ist, auch wenn ihr Dasein die Umkehrung ihres wesentlichen Seins ausmacht. Sie funktioniert nur dadurch, dass sie im Einzelnen gibt, was sie allgemein nimmt, dass sie Bedürfnisse befriedigt, indem sie Bedarf aufhebt, Sinn vermittelt, indem sie Erkenntnis aufhebt usw.. Es ist die Lebensform einer Täuschung, die daraus besteht, dass alles für etwas anderes da ist, als was es zu sein scheint, dass im einzelnen wahr ist, was allgemein nicht stimmen kann, was aber allgemein ungeheuerliche Not aufkommen ließe, wenn es nicht da wäre. So verbirgt jede Scheinwelt eine Lebensangst, die innerhalb ihrer Beziehungen Vernichtungsangst auslöst, wenn Positionen mächtig werden, welche darin als wirkliche Beziehung herrschen, also den Schein dieser Welt wirklich beherrschen. Für sich sind diese Beziehungen ohnmächtig, weil sie keinen Sinn haben, aber als prothetische Beziehung Sinn machen für eine Beziehung in fortwärender Nichtigkeit, die sich an allen Stoffen forttreibt, die darin einverleibt werden.

Subjektiv ist jeder Mensch in der Lage, sich von Scheinwelten zu trennen, sobald er eine Welt gefunden hat, in der seine Beziehungen wirklich vorkommen können. Aber es gibt viele objektive Gefühle, die ihn an Scheinwelten auch subjektiv binden können. Oft ist es die objektive Einfalt (s.a. Kitsch), welche eine Scheinwelt subjektiv zusammenhält und ihren Schmerz darin erstickt. In der Sehnsucht hält sich die Täuschung unendlich und treibt ihre Blüten in Zuständen der Seele, die sich ihrer Enttäuschung noch nicht gewiss ist, weil und solange sie ihre Absicht, ihre Liebe zur Idee nicht aufgeben kann.

s.a.

=> Schein

=> Welt

=> Täuschung

siehe hierzu auch den Themenabend
"Lebensangst und Kapitalismus"

Schicksal

Schicksal ist das vom menschlichen Geschick Unabhängige, das Ungeschick höhererer Mächte (heute daher auch: Höhere Gewalt). Doch meint Schicksal auch das Unbestimmbare, die Fügung, wodurch die Menschen darin nur passiv und empfangend begriffen sind, Empfänger von Gegebenheiten, denen sie ergeben sind, gleich, ob diese durch höhere Macht oder durch Zufall bestimmt sind.

s.a.

=> Schicksalsgemeinschaft

Schicksalsgemeinschaft

Wo Zusammenhänge nicht erkannt werden können oder sollen, da erscheinen die Ereignisse als Schicksal, also unabhängig und zufällig nebeneinander. Oft werden sie zudem als Gegebenheiten höherer Gewalten aufgefasst und somit in einen Glaubensritus einbezogen (Lebensaufgabe, Prüfung). Damit ist in den entsprechenden Verhältnissen jeglicher grundlegenden Änderung die Möglichkeit entzogen. Als Schicksal kann dem gegebenen nur noch entsprochen werden und Subjektivität darauf beschränkt sein, die besten Wege darin zu finden.

Für Liebesgemeinschaften wird dies besonders von der katholischen Kirche als Eheschließung zelebriert: "Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen". In der Psychologie verbreitet insbesondere Bert Hellinger diese Auffassung als Grundlage für Gewissensnöte, die nur durch die seelische Versöhnung innerhalb und mit dem Gegebenen aufgelöst werden können.

s.a.

=> Hellinger

Schizophrenie

Der Begriff Schizophrenie entspringt dem medizinischen Verstand, der von der Ganzheit des Körpers ausgeht und Krankheit als dessen Störung ansieht. Von daher deutet er den Aufruhr der Seele in eine naturalisierte Vorstellung von Wahnsinn um: Schitzophrenie bedeutet wörtlich die Gespaltenheit des Schädels. Damit will die Psychiatrie eine "naturwissenschaftliche" Beschreibung der getrennten Erlebensweise verrückter Wahrnehmung mit der Behauptung verknüpfen, dass sie der Spaltung nervöser Prozesse im Gehirn eines Menschen entspringe. Es ist damit ein ideologischer Begriff der je nach Eigenart psychiatrischer Wahrnehmung gefüllt wird (z.B. gelten für die einen PsychiaterInnen Depressionen schon als Schizophrenie, für die anderen sind es die "Psychosen" oder die "geistige Demenz"). Immer aber wird mit diesem Begriff eine Diagnose, ein therapeutisches Urteil ausgesprochen, das Verrücktheit aus seiner zwischenmenschlichen Begründung herausnimmt.

Diese Diagnose bestimmt daher die Therapie auch nur durch Beeinflussung der körperlichen Vorgänge, insbesondre der Nervenbahnung, die dann meist mit der Verordnung von Nervenblockaden mittels Psychopharmaka und der Einweisung in eine Psychiatrische Klinik erfolgt, selten durch Psychotherapie. Betroffene, die von Stimmenhören oder Wahnsinn berichten, werden immer als schizophren bezeichnet. Solche Berichte sollten sie besser sein lassen, wenn sie psychiatrische Therapie nicht akzeptieren wollen.

Die Psychologen haben nachgezogen und sprechen von einer Persönlichkeitsspaltung, einer Zerteilung des ICHs in zwei "Erlebensweisen". Dass es ein "ICH" gibt, das zweifach lebt, ist begrifflich widersinnig, wo damit doch Einheit der Selbststeuerung gemeint ist. Das ICH im Doppelpack ist per se ein Unding: Als Ganzes wie ein Gegenstand in die Welt gesetzt kann es nicht doppelt ganz sein.

Um die sogenannte Schizophrnie zu begreifen, muss die Spaltung im Leben eines Menschen erkannt sein und was sie bewirken kann. Da geht es nicht um ein Konstrukt wie das ICH, sondern um die Abtrennung einer ganzen Erkenntnisweise gegen eine Selbstwahrnehmung, die meist unter grausamen Verhältnissen und ziemlich früh entstanden ist. Sie war dem Kind in seinem Lebensraum nötig als eine Art Selbstrettung des Erkenntnisvermögens gegen eine Umwelt, die es gut gemeint hat und dabei alles durchzusetzen verstand, was es vernichtet hätte, hätte es seine Erkenntnisse nicht in der Abtrennung hiervon bewahrt. Seine Identitätsbildung unterlag der Notwendigkeit dieser Gespaltenheit und kann sich solange nur in der Ausschließlichkeit seiner Welten bewegen, wie eine Lebenswelt sich nicht finden lässt, in der Spaltung zugelassen wird und in welcher Beziehungen in ihrer Gespaltenheit so erfahrbar sind, dass der abgetrennte Sinn von Empfindungen darin in seiner Bezogenheit erkennbar wird.

 

schlechte Negation

Schlechte Negation ist die Erzeugung unendlicher Negation, also eine zirkuläre Negation, die sich aus einer unendlich bestimmten Positivität ergibt (z.B. der Glaube an die Ewigkeit oder an das Heil oder an das Glück usw.). Der Grund hierfür ist das Ausgeschlossen-Sein des Positiven und dessen Ausschließlichkeit, die ein besonderes Verhältnis hat (hier z.B. ein Glaubensverhältnis). Dieses kann im Denken bestehen oder auch in der Wirklichkeit.

Das allgemeine Prinzip eines ausschließlichen Denkens besteht in einem Monismus. Die Grundlegung eines monistischen Denkens ist die Positivität eines Begriffs, dessen Wesen ausschließlich für sich ist. Auch wenn es Gegenstand der Kritik ist, wird ihm damit eine ausschließliche Eigenheit zugesprochen, die prinzipiell nicht anders sein kann. Solchem Begriff ist der Zwiespalt, seine Entgegensetzung und sein Übergehen in anderes (siehe Dialektik) genommen, indem er in ein reines Fürsichsein gegenüber allen anderen Begriffen gestellt wird. Dies ist sowohl der Kern des positiven Empirismus (siehe Positivismus), als auch des Idealismus. Alle monistischen Theorien, also jene, welche "in irgendeiner Form die Einheit der Welt als grundlegende Bestimmung der Wirklichkeit" ansehen, sehen im Fürsichsein, im Eigensein des Einen implizit das Anderssein als nicht integriert. Somit ist es vom Standpunkt des Einzelnen ausgeschlossen, also nicht schön oder gut - bestenfalls objektiv. Als Grundlage des bewertenden Denkens (siehe Moral) ist es schlecht, wenn das eine nicht tut, was dem anderen recht ist. Durch einen Begriff, welcher die Position des reinen Einsseins als Monothese formuliert, ist das Andere implizit immer schon das schlechte Anderssein, auch wenn es nicht bewertet wird, sondern vielleicht nur als nicht objektiv, also subjektiv klassifiziert wird. In jedem Fall ist es eine schlechte Negation. Das positive Denken ist davon genauso erfüllt, wie das sophistische, ethische, esoterische und das rassistische.

Begriffe entfalten sich innerhalb eines Ganzen durch das Ineinandergehen und das auseinander Hervorgehen ihrer Dialektik. Im Begriff erklärt sich die Geschichte, die darin begriffen ist. Die Geschichte bildet ihren Begriff aus durch Tätigkeit und Leiden, in welchem die Notwendigkeit der Änderung, also der Grund von Geschichte entsteht und auf sich zurückkommt (revolutioniert).

Nicht nur das Denken kann von daher unendlich auf sich selbst verworfen, also in schlechter Negation sein, sondern auch die Geschichte, welche ihren Begriff erfüllt hat, aber nicht mehr auf das Subjekt der Geschichte zurückkommt. Dessen Notwendigkeit, die somit nicht mehr gelitten wird und keine Tätigkeit involviert, wird in Krisen zirkulär. Darin wird schlechte Negation dann auch wirklich zu einem sich selbst negierenden Prozess, einem praktisch unendlichen Prozess des Negierens von Negativem, als Abwärtsspirale der Selbstzerstörung geschichtlicher Objektivität (siehe Zerstörung). Diese stellt sich dar in der Krise des Ganzen, also eines Systems, deren Widersprüche auf der Oberfläche ihrer Entwicklung selbst als totale Gegensätze, als Vielheit bloßer Entgegensetzungen existiert, die unauflösbar erscheint, weil ihre Erscheinungen selbst sich auflösen, wo sie entstehen. Als solche haben sie keinen Zusammenhang mehr und somit keine Möglichkeit einer Entwicklung; sie stehen nicht negativ zueinander, das eine als Negation des anderen, sondern vernichtend: Das eine betreibt notwendig den Untergang des anderen (vergl. z.B. das Verhältnis von Mehrwertrate und Profitrate in der kapitalistischen Krise, die Anhäufung von konstantem Kapital, das die Profite unmöglich werden lässt, die systemnotwendig für den Kapitalismus sind, - ein Grund für die Gewalt, die darin entsteht). Eine schlechte Negation gründet auf einer solchen Paralyse infolge eines unaufgehobenen Gegensatzes, der sich im geschichtlichen Fortgang des Widerstreits der Gegensätze als Selbstzerstörung entwickelt. Gegen diese kann sich nur eine negative Kraft als einzige sinnvolle Einheit bewähren, da eine innere Kraft keinen Sinn und also auch kein Vermögen mehr hat. Diese äußere Kraft geht nicht aus der Dialektik des Widerspruchs hervor, sondern aus der Engegensetzung zu ihr, ist daher kein immanentes Moment der Geschichte, sondern ihre Tilgung. Sie kann nur aus Gewalt bestehen. Ihr Sinn ist ein waltender Übersinn, der alleine im Zweck der Bewahrung einer unauflösbaren Widersinnigkeit besteht, in der Unmöglichkeit der Negation einer Negation. Die schlechte Negation ist daher nicht die Aufhebung eines Widerstreits, sondern dessen Abstoßung, die Auslöschung der Auflösung.

Dies ist nicht nur das Ende einer Geschichte und auch nicht ihre Farce, sondern ihre Umkehrung, die Grundlage aller Pervertierung. Das Leben geht nicht weiter und auch der Tod kann keine Macht mehr in ihm finden: Das Leben verläuft im Tod, in der Vernichtung. Alles verkehrt sich ins Gegenteil: Die Formbestimmung wird zum Lebensinhalt, die Begriffssubstanz zu ihrem Gegenteil: Zur Substanz der Ergriffenheit, zur konkreten Abstraktion. Aus abstrakter Arbeit wird die Gewalt einer konkreten Arbeit, die nicht sachlich, sondern von Menschen durchgesetzt wird; aus dem abstrakten Sinn wird die Gewalt konkreter Zurichtung von Sinnlichkeit: Gesinnung. In allem Werden ist das Leben in dieser Gewalt zur Konkretion bestimmt, ob diese offen in der Form eines faschistischen Staates betrieben wird oder nur in den unmittelbar privaten Lebensräumen (siehe z.B. Zwischenmenschliche Beziehung, Familie) oder anderswo, wo Gewalt ihre Mittel findet (z.B. Betrieb, Schule, Mobbing).

Ideologisch wird solche Gewalt verbrämt als Heil, das sich gegen Unheil stellt. Im Heilsprinzip propagiert der Gewaltträger seine Legitimation, die insgesamt die totale Lebensverneinung als absolute Lebensbejahung erscheinen lässt (vergl. den NS-Mediziner Brandt zur Euthanasie: Sie sei nichts anderes denn absolute Lebensbejahung). Ein ganzes Volk kann nur deshalb seiner Selbstvernichtung, dem "totalen Krieg" zustimmen, weil und wenn es letztlich nichts anderes kann, als im Untergang eines Feindes sein Heil zu suchen, um dem eigenen Untergang zu entgehen.

s.a.

=> Zerstörung

schlechte Unendlichkeit

s.a.

=> Erkenntnis

Schlussfolgerung

Eine Schlussfolgerung ergibt sich aus dem Urteil über einen Sachverhalt und setzt sich im Entschluss zu einer bestimmten Existenzweise und Tätigkeit um. Ein Fehlschluss erweist sich dadurch, dass er sich nicht in der Wirklichkeit bewahrheiten lässt. Sie alleine ist die Evidenz der Schlussfolgerung und somit die Bewährung (Bewahrheitung) des Begriffs, der die Grundlage der Schlussfolgerung ist, also seine Wahrheit erweist.

s.a.

=> Logik

Infoup4e1 Fehlschluss im Philosophischen Lexikon

Schmerz

Schmerz ist das Leiden einer Trennung, des Zerteilens von Zusammenhängen, der Zerschneidung von Verbindungen, kurz: das gespaltene Wesen. Er ist gebrochene Natur, Sein, das zugleich nicht sein kann, Sein im Anderssein. Er wird im Augenblick oder im geschichtlichen Verlauf gelebt als lebende Aufhebung des Wesentlichen, das zur Abspaltung von sich selbst wird. Im Unterschied zu einem Trauma, das aus zugefügten Schmerzen besteht, ist der Schmerz für sich die reine Subjektivität des Widerspruchs, der kein äußeres Wesen hat und keinen Verlust, keine Trauer kennt. Das einfache Wesen erkennt sich als gebrochenes Wesen, ohne sein Andersein als sein Sein anzuerkennen. Er ist das Innerste der Selbstentfremdung, die Trennung seiner selbst in sich, aufgehobene Identität, Wesen in der Wesenlosigkeit. Wenn es nicht in sich schon gebrochen ist, so ist der eine Moment des ungebrochenen gebrochen im anderen Moment des Wesentlichen.

Schmerz ist die absolute Not, in der ein Mensch ist. Mag die Empfindung relativ sein, der Schmerz selbst ist ihre innerste Notwendigkeit. Er bedrängt die ganze Sinnlichkeit eines Menschen, sein ganzes Leben, und enthebt das Wesen seinem Sein. Der Schmerz in einem Sein kann nicht sein ohne zu heilen, zu wachsen und sich in der Natur des Lebens zu erneuern, sich in seinem Leben wesentlich zu erkennen und rückzuführen (siehe Revolution). Ohne dies wird er entweder aufgehoben durch äußeres Einssein (z.B. durch die Hoffnung auf Erlösung, Religion, Glaube, Heilserwartung) oder als im Schmerz aufgehobenes Wesen, als seiner Sinne vollständig und total unterworfenes, nichtiges Wesen, das sich wesentlich nur wähnen kann, wahnsinnig ist. Das Gefühl der wesentlichen Nichtigkeit ist eins mit dem Gefühl der Vernichtung, Empfindung eines lebenden Todes. Schmerz ist die Wahrnehmung der Zerrissenheit, die ein Mensch in vollkommener Isolation von seinem gesellschaftlichen Wesen wahrhat, Erkenntnis seines reinen und unmittelbaren Außersichseins, unmittelbare Entfremdung seiner selbst als erkennender und liebender Mensch. Im Schmerz liegt das Wesen bloß und zeigt in der Blöße seine Gespaltenheit, die offene Wunde seines Lebens, die als Zweifel am Leben zur Verworfenheit der Liebe, zu seiner Verzweiflung und Selbstaufhebung wird, so ihre Bestimmtheit nicht erkannt ist. Im Wahnsinn kann er sich an den Schmerz gewöhnen; in der Depression leidet er ihn entäußert als Empfindung seiner Wesenlosigkeit, als im Selbstgefühl untergegangenen Schmerz, sich selbst gleichgültige, unbewusste Verzweiflung.

In Gesellschaft gedacht ist Schmerz die Grunderfahrung des bürgerlichen Individuums, das darin seine ausschließliche Einzelheit in absolutem Zwiespalt seines isolierten Menschseins, seines gesellschaftlichen Seins als enteigneter Besitzer seines Reichtums erleidet. In dieser Form der Besessenheit versteht sich ein Mensch objektiv: Er sieht sich der Notwendigkeit der faktischen Verhältnisse unterworfen, damit er keine Not leidet. Um den Schmerz nichts entgegnen zu müssen, flüchtet er sein eines Dasein und tauscht es gegen ein anderes. Auf der Flucht erleidet zwar die Selbsterkenntnis ihre Füchtigkeit, aber es gewinnt sich der Mensch als selbstbewusster Bürger dieser Welt.

Erst indem ich den Schmerz als meine wesentliche Not erkenne, werde ich zum Subjekt, zu einem Menschen, der darin tätig ist und dessen Leben sich darin ausfüllt, die eigene Not zu einem notwendigen Verlangen zu machen, zu einem Bedürfnis, kein Verhältnis anzuerkennen, das den Menschen unter seine Verhältnisse stellt. Dieses Bedürfnis enthält die Erkenntnis, dass der besessene Reichtum den Menschen selbst besitzt, ihn zu einer Sache herabsetzt, ihn zu einem beherrschten Wesen macht, das keine Selbstachtung mehr haben kann und darob Geltung gegen seine Selbstverachtung gewinnen muss. In diesem Sinne bezeichnet Adorno solches Leben als "beschädigtes Leben", das ihm als verwundet vorkommt. Es ist die Auffassung der Negativen Dialektik, das Anderssein der Welt aus der Verwundung des Menschen zu begründen als gänzlich anderes Wesentlichsein. Sie wendet sich allerdings in solcher Begrifflichkeit vom Grund des Schmerzes dadurch ab, dass sie lediglich seiner Heilung, seiner Erlösung sich hinwenden kann, zum Glauben wird. Darin wird er veräußert und als traumatische Welterfahrung für eine anderen Welt geheilt, d.h. zum Heil gewendet.

Das bürgerliche Individuum folgt der abstrakten gesellschaftlichen Notwendigkeit, durch die sein Dasein bewegt wird. Sich selbst erfährt es daher konkret nur im Ausschluss, abgetrennt von seinem gesellschaftlichen Zusammenhang. Die Güter seines Lebens, die Gegenstände der Reproduktion und Kultur sind wie sein subjektives Wesen in der Trennung von konkreter Einzelheit und abstrakter Allgemeinheit. So hat es zwar nützliche Dinge, aber nur einen abstrakten gesellschaftlichen Zusammenhang durch sie. Seine Gesellschaft hat die Form eines Verhältnisses von Sachen, welche von Menschen erzeugt, aber nicht wirklich für die Menschen da sind. Das Verhältnis der Menschen erscheint wie ein Verhältnis der Sachen, unter deren Kontrolle sie stehen (Warenfetisch) und das ihnen solange unwandelbar gilt, wie sie darin ihren Schmerz gelöst sehen und ihre Wirklichkeit als wechselwirkende Menschen für sich grundlos leben können.

Die ganze bürgerliche Gesellschaft kann als eine Aufhebung des Schmerzes verstanden werden, der sich in den Notwendigkeiten der Existenz, in der Anerkenntnis ihrer Faktizität verliert. Besitz ist die Form, worin diese Aufhebung existiert und sich über die schmerzhaften Eigentümlichkeit des Lebens stülpt, es verfremdet und als fremdes Eigentum hat.

Subjektiv stellt sich die Seele gegen den Schmerz der Erkenntnis, gegen die Unauflösbarkeit der Trennung von Empfindungen und Gefühlen in der bürgerlichen Kultur (siehe Logik der Kultur). Sie verfolgt und beabsichtigt in ihren Selbstgefühlen deren Überwindung durch zwischenmenschliche Beziehungen. Darin nimmt sie das wahr, was sie unter Menschen wahrhat, als Geist von sich, als entäußerten Geist. Und darin empfindet sie, was sie fühlt als ihre innere Wesenheit, als ausschließliches Wesen ihrer kultivitierten Individualität. In den Gefühlsverhältnissen gewinnt sich die Selbstwahrnehmung in einem Sinn, den es weder in der gegenständlichen Welt, noch im Menschen gibt, sondern nur zwischen den Menschen als ihr abstrakt menschlicher Sinn.

Ein durch die Seele selbst erzeugter Schmerz ist die Umkehrung des Schmerzes, weil er sich in der Aufhebung seiner Sinnlichkeit vollzieht, im Grauen, welchem Grausamkeit zur Absicht wird. Wo sie isolierte Lebensbedingung ist, erzeugt sie die Traumata, welche in der Kultur selbst aufgehoben sind. Es wird dies daher zu einer verrückten Aufhebung von Kultur, also zu einer Aufhebung, die gegen sich selbst geht. Doch steckt darin eine wesentliche Kraft der Kritik, wenn sie sich ihrer Scham entledigt hat und sich als vollständig negiertes Wesen erkennt.

s.a.

=> Trauma

=> Grauen

=> Grausamkeit

Erlautup1a2a Schmerz in der geisteswissenschaftlichen Diskussion

Schmuck

Schmuck kommt ursprünglich aus der Gottesverehrung. Nichts war schmucker als die Kultstätten des Glaubens, an denen die Menschen sich aus der Mühe ihres Lebens herauslehnen konnten: Er war das ursprünglichste Mehrprodukt. Schmuck ist eine gültige Schönheit, die sich zugleich als Wert darstellt, eine Form der Schatzbildung, die zugleich Schätze repräsentiert und die Menschen darin schmeichelt. Schmuck ist eine Urform des Kapitals, das als Kulturwert zurückgehalten wird und nicht in die Produktion eingeht. Schmuck ist wie die Grundrente ein Wertreservoir, das letztlich reine ökonomische Macht darstellt, solange der Stoffwechsel des Kapitals nicht zerstört ist (siehe Krise). Schmuck verliert dann an Wert, wenn es keine Äquivalente hierfür gibt, wenn er also keinen oder nur geringen Gebrauch findet; das macht letztlich den Sammlerwert. Dennoch wird über Schmuck und auch Kunst auch in Kapitalgesellschaften und Banken Schatz gebildet, der allerdings meist dazu dient, sich gegen Wertschwankungen zu verhalten, also Kunstwerke oder Schmuck dann zu veräußern, wenn die Kapitaldecke zur Anwendung und Geldvermehrung zu dünn wird.

s.a.

=> Schatz

=> Kulturarbeit

Schönheit

Schönheit ist das Gesicht der Liebe, ihr unmittelbarer Lebensausdruck, wie er die Menschen anrührt. Aber sie ist dies nur, wo Liebe ganz für sich sein kann. Von daher ist sie die Wahrheit aller Eigenschaften, das Ganze, das, in sich und für sich wahr ist, Erkenntnis ganz in der Beziehung aller Teile und wahr dadurch, dass darin nichts fremd, also alles ganz eigen und zugleich ganze Beziehung auf anderes ist. Hierdurch ist Fremdes nicht unwahr oder Störung des Eigenen, ist es doch auch für sich eigen und dadurch anders, notwendig fremd; - dies für die Wahrnehmung, die darauf beruht, Fremdes als von sich unterschieden vorauszusetzen und sich zu eigen zu machen. Eigenes kann nur in der Beziehung auf Fremdes schön sein, so eben auch fremdes Eigenes. Ein Mensch oder eine Landschaft mag sofort schön erscheinen, weil sie in einer Stimmung vertraut wirkt, anstimmt; ob das schön ist, wird sich aber nur in der Wahrheit der Unterscheidung erweisen, wenn sie ohne Stimmung ist. Das Fremde ist der Stoff des Eigenen und wird in dieser Beziehung schön, indem es zu eigen gemacht ist als ein Anderes, das hierdurch für sich geachtet wird. Achtung ist die Beziehung auf die Schönheit des Anderen, das nicht mehr fremd ist, weil und sofern auch das Fremde zu eigen werden kann, Fremdes und Eigenes nicht notwendig im Gegensatz stehen. Es ist die wesentliche Eigenschaft des Eigentümlichen, schön zu sein, weil es für den Menschen Sinn hat, wo es sich äußert und also Gegenstand der Empfindung ist. Es ist nicht bloßes Dasein oder Umstand oder Bedingung, sondern zu eigen gemacht, also durch Bildung und Ausbildung, durch Verfeinerung erworben. Es ist Produkt einer Geschichte, in welcher das so Erzeugte zum Sinn eines Selbstgenusses geworden ist, der sich darin entwickelt und bildet, dass er sich fremdes zu eigen macht, indem er es verarbeitet. So wird aus allem durch Arbeit Eigentum, wenn es zu eigen gemacht ist, denn sie ist der Aufwand, den die Bildung von eigener Lebensäußerung nötig hat.

Wirklich Eigenes kann daher auch nur in wechselseitiger Lebensäußerung entstehen, nicht privat, nicht als Form für sich in der Abtrennung von seiner gesellschaftlichen Bildungsgeschichte. Schönheit kann man nicht besitzen, ohne von ihr besessen zu werden. Schön ist, was einer Gesellschaft und ihren darin tätigen Menschen zu eigen ist, menschlicher Reichtum als ihre Kultur. Und wer die für sich besitzen will, begeht den Selbstverlust seines Erkenntnisvermögens, geht darin zugrunde. Das macht die politische Wahrheit jeder Ästhetik aus. Und dies verlangt die Kritik der Personifizierung von Schönheit, die Kritik ihrer Privatisierung (privat heißt Raub). Die Kritik der politischen Ästhetik ist daher die Notwendigkeit einer wirklichen Kulturkritik.

Jeder Raub erzeugt Hass. Deshalb ist geraubtes Eigentum, also Privateigentum oder Besitz, hässlich. Besitz ist das besetze Eigentum, das von seinem Werden abgetrennte und durch eine Verfügungsgewalt eroberte Eigentum. In der Form des Besitzes wied alles sich selbst fremd, was zu eigen war, weil es hiervon abgedrängt, besessen ist (siehe Entfremdung). Eigentum ist die Schönheit menschlichen Reichtums, die Vielfalt und Beziehung aller menschlichen Lebensmomente. Und die können nicht privat sein, weil sich menschliches Leben nur in Gesellschaft bildet und als dessen Kultur entfaltet.

Innerhalb der Kultur wendet sich die Ästhetik als Behauptung einer Schönheit für sich gegen Entfremdung, als Behauptung einer Formvollendung dessen, was eigentlich schön ist - eigentlich, wenn es nicht unter fremder Bedingung stünde. Ästhetik behauptet also eine bedingte Schlönheit, die sie einer Mythologie des Seins entnimmt, z.B. als das klassisch Schöne oder das objektiv Schöne (z.B. Grafik, Mode). Darin kritisiert Ästhetik Entfremdung als Zufügung, als Schmerz des Schönen, der durch ästhetische Empfindsamkeit (siehe Empfindung) zu überwinden wäre. Dies gerade bestätigt das Häßliche des Besitztums als notwendige Form, als zugrunde liegende Formbestimmung des "eigentlich" Schönen und macht dessen Wahrheit zur Farce, zur Formverleugnung als Schmerzbewältigung, zur Verkehrung einer Täuschung in die Sensibilität einer Selbsttäuschung, der Formbestimmung zu einer bestimmten Lebensform. Hierdurch soll Schönheit gegen Fremdes vermittelt werden; aber schön kann nichts in seiner Vermittlung sein. Schön ist nur unmittelbar. Durch Ästhetik fällt die Täuschung der Vermittlung zurück hinter das getäuschte Subjekt und wird zu einer Quasi-Objektivität des Subjektiven, zu einer Scheinwelt, hinter der sich das Schöne verstecken muss, um nicht ergriffen und genutzt zu werden. Allerdings iwrd dort, wo der Nutzen der Dinge schon selbst erschöpft ist, weil Überfluss an nützlichen Dingen herrscht, das Ästhetische selbst nützlich, insofern es soziale Eigenschaften (z.B. Status, Originalität) formuliert. In der Umkehrung des Nutzens zur Wahrnehmungsform der schönen Täuschung wird Ästhetik ohne Verlust zur objektiven Wahrnehmung eines Täuschungsverhältnisses, was den Warentausch ausmacht und ist selbst die Grundform der Warenästhetik (siehe auch Design)

s.a.

=> Ästhetik

=> schön und gut

schön und gut

Alles, was gewohnt, ist schön und gut. Gewohnheit selbst ist nichts anderes, als das bewährt Gute, das deshalb schön ist, weil es bewohnt ist, also auch bequem. Es ist dies keine Schönheit, welche aus dem Ganzen einer Sache spricht, sondern die Eigenschaft eines Umstands für Menschen, die das für sie Gute bewohnen und als Gewohnheit sich aneignen. Dies macht den Eigendünkel ihres Besitzstands aus.

s.a.

=> Design

=> Schönheit

=> Mode

Schopenhauer

Arthur Schopenhauer (1788 - 1860) setzte sich Imanuel Kant, dessen Schüler er war, mit einer absoluten Kritik aller Vernunft entgegen und behauptete die Welt als in sich selbst wesentlich irrational, lediglich Vorstellung und Willensäußerung zu sein. Mit diesem subjektiven Idealismus stellte er sich zugleich gegen den objektiven Idealismus Hegels, mit dem er an der Berliner Universität zugleich heftig und erfolglos konkurrierte.

Seine doppelbödige Beziehung zur Aufklärung verschafft ihm bis heute noch ein gewisses Maß an Faszination, weil sie darin konsequent war, ihr die Subjektivität als irrationales Prinzip entgegen zu stellen. Nach seiner Philosophie war die Wahrnehmung selbst zwar auch die Basis aller Erkenntnis, zugleich aber ihrem Inhalt nach nicht auf ein Sein jenseits des Subjekts auf ein "Ding an sich" bezogen, sondern lediglich auf Vorstellungen, die sich in den Gegenständen der Wahrnehmung verobjektiviert hätten (siehe auch Konstruktivismus). Von daher war er zum einen ein Gegner der Aufklärung, aber zugleich ihre wesentliche Konsequenz: Die Vorstellung ist die Entmachtung aller Vernunft zum Zweck der Willkür der reinen Subjektivität, des objektiven Subjekts. Der kategorische Imperativ Kants ist damit in das Subjekt selbst verlegt: Nur es versteht so zu handeln, dass es für die Welt seiner Vorstellung gut sein muss. Schopenhauers Wille undd die darin abgeleitete Moral des Mitleidens ist absolut subjektiv und umfasst daher auch die gesamte organische und anorganische Natur und wurde in dieser Fassung auch von Nietzsche übernommen. Daraus ergibt sich unmittelbar eine übermenschliche Qualität des Willens, dem zugleich die objektive Stringens der Aufklärung zu innerst ist: Die moralische Selbstbestimmung des absoluten Subjekts: Des Führers.

Bei Wikipedia wird seine Philosophie wie folgt referiert:

"Schopenhauer vertrat mit dem irischen Philosophen George Berkeley die Auffassung, dass eine von der Wahrnehmung unabhängige Außenwelt nicht existiere. Durch das Aufgreifen neuer naturwissenschaftlicher Erkenntnisse entwickelte Schopenhauer eine Physiologie der Wahrnehmung. Nach seiner Konzeption existiere die Erscheinungswelt nur insoweit, als sie wahrgenommen werde und im menschlichen Bewusstsein sei, also als Vorstellung.
Er widersprach Kant in der Überzeugung, dass das „Ding an sich“ jenseits aller Erfahrung liege und deshalb nicht erkannt werden könne. Kants Ding an sich war für ihn zwar auch unerkennbar (wir sehen immer nur das, was wir mit unseren Sinnen wahrnehmen), jedoch nicht unerfahrbar. Durch eine Selbstbeobachtung unserer Person können wir uns dessen gewiss werden, was wir letzten Endes sind: Wir erfahren in uns den Willen, er ist das Ding an sich. Dieser sei nicht nur die Triebfeder allen Handelns von Mensch und Tier, sondern auch die selbst grundlose Ursache hinter den Naturgesetzen. Die Welt sei letztlich blinder, vernunftloser Wille. Schopenhauer ist der klassische Philosoph und Hauptvertreter des metaphysischen Voluntarismus.
Doch die Welt ist nicht nur Wille, sondern erscheint auch als Vorstellung. Sie ist die durch Raum und Zeit sowie Kausalität, die den a priori gegebenen Erkenntnismodus von uns Verstandeswesen bilden, individuierte und verknüpfte Erscheinung des einen Willens. Die Welt ist meine Vorstellung ist der erste Hauptsatz seiner Philosophie. Was uns als Welt erscheine, sei nur für uns, nicht an sich. Es gibt für Schopenhauer nichts Beobachtetes ohne Beobachter, kein Objekt ohne ein Subjekt. Die Welt, als Vorstellung betrachtet, zerfalle in Subjekte und Objekte, die sowohl untrennbar als auch radikal voneinander verschieden, jedoch letzten Endes beide nur Erscheinungen des Willens sind. Dieser ist nacht Schopenhauer das Wesen der Welt, das sich, in Subjekt und Objekt erscheinend, gleichsam selbst anschaut."

Schopenhauer bietet vor allem die Grundlagen zur Selbstlegitimation eines Führungsanspruchs durch Besitz oder Intelligenz. Er war von daher auch bedeutsam für elitäre WissenschaftlerInnen und KünstlerInnen. Seine Klasseneinteilung besteht von daher alleine subjektiv - und zwar im Gegensatz von einfachen Menschen und besseren Menschen. Die erstren waren von einer niederen Stufe der Willensbildung, was für ihn Bildung überhaupt war. Er nannte sie "Fabrikware der Natur" oder auch "Lumpen". Sie haben bescheiden zu sein, die "besseren Menschen" dürfen es nicht sein:

"Wohl ... ist die Tugend der Bescheidenheit eine erkleckliche Erfindung für die Lumpe; da ihr gemäß jeder von sich zu reden hat ... als gäbe es überhaupt nichts als Lumpe." (Zitiert nach Störig, S. 502f.)

Ensprechend war auch sein Frauenbild, das sich auf der Ebene von Mitleid bewegt:

„Sie sind sexus sequior, das in jedem Betracht zurückstehende, zweite Geschlecht, dessen Schwäche man demnach schonen soll, aber welchem Ehrfurcht zu bezeugen über die Maßen lächerlich ist und uns in ihren eigenen Augen herabsetzt.“ Und weiter: „Mit mehr Fug, als das schöne, könnte man das weibliche Geschlecht das unästhetische nennen. Weder für Musik, noch Poesie, noch bildende Künste haben sie wirklich und wahrhaftig Sinn und Empfänglichkeit; sondern bloße Aefferei, zum Behuf ihrer Gefallsucht, ist es, wenn sie solche affektiren und vorgeben.“ ("Über die Weiber", 1851)

s.a.

=> Nietzsche

Infoup4e1a Schopenhauer in Wikipedia

Schrift

Schrift ist eine Zeichensprache mit fester Bedeutung, die ihren Sinn nicht aus der praktischen Kommunikation, sondern aus der theoretischen hat und daher auch eher das theoretische Bewusstsein befördert, als das praktische. Schrift ist weit mehr als das gesprochene Wort. Ihre Bedeutung liegt in der Durchdringung des Unmittelbaren, die Überwindung des Bruches von Innerem und Äußerem. Sie ist die Form, worin Gesagtes reflektiert ist als in sich seiender Zusammenhang, als Reflexion in sich, als Wortgebildete, das nicht das Wort, sondern seinen Sinn bezeugt, etwa so, wie Philsosophie nicht das Denken, sondern nur seine Gedanken bezeugen kann. Denken als Tätigkeit fällt hier ebenso heraus wie dort das Sprechen.

s.a.

=> Typografie

=> Sprache)

Schuld

Schuld ist die Folge der Absicht einer persönlichen Entscheidung, welche Zerstörung bewirkt hatte. Dahinter kann sich zugleich auch eine objektive Not verstecken, wodurch Menschen an dieser Zerstörung schuldig erscheinen, aber unter gegebenen Bedingungen gar nicht anders entscheiden konnten. Eine notwendige Entscheidung kann aber nicht wirklich schuldig machen. Zur menschlichen Emanzipation gehört immer ein Not wendendes Verhalten gegen die Bedingungen, unter welches Leben geraten und beherrscht werden kann. Umgekehrt kann Schuld aber auch objektiv als Verstoß gegen das Gegebene entstehen, wenn ein Verhalten zum eigenen Nutzen sich willkürlich über die Lebensbedingungen der Menschen hinwegsetzt.

Das gegeben erscheinenden Leben kann zur Ermittlung von Schuld nicht unmittelbar hergenommen werden. Es ist nur aus dem gesellschaftlichen Verhälnis der Menschen und ihren gegebenen Lebensbedingungen zu ermitteln, ob ein schuldhaftes Verhalten entstanden ist, also auch, inwiefern ein Mensch sich Leben anderer Menschen angeeignet oder als Sache genommen, als menschliche Lebensäußerung zum eigenen Vorteil zunichte gemacht haben. Das kann weit vermittelt sein (vergl. z.B. die Schuld der Aktionäre an den Plünderungen von Lebensressourcen durch das fiktive Kapital.

Ein Mensch empfindet Schuld ausschließlich subjektiv, wenn er sich gegen die Gewissheit seiner Liebe verhalten, ihr Verhältnis nicht beachtet (siehe Aufmerksamkeit) und ihre Beziehung somit geschädigt hat. Schuld resultiert dann aus der Nichtung der Gewissheit und dem Wissen (als Gewissen), welches in diesem Verhältnis besteht und was die Selbstachtung darin ausmacht. Aber im Unterschied zum bloßen Schuldgefühl bezieht sich diese Schuld auf die Selbstgewissheit seiner Liebe und damit auf sein Selbstbewusstsein als Mensch, ist also wesentlich Selbstzweifel. Die subjektive Schuld ist ein gebrochenes Verhältnis zu sich selbst, das durch kein Urteil und durch keine Bewertung beeinflussbar ist, es sei denn, ihre Scham findet hierin menschliche Wirklichkeit. Subjektive Schuld ist erst dann aufgehoben, wenn der Grund des schuldhaften Handelns sich in neuer Selbstgewissheit auflöst, also auch neues Handeln und Leben zur Selbstachtung bringt, gleichgültig, was von dem schuldhaften Verhalten und seinen Folgen unüberwindbar geblieben ist.

Aber auch objektiv gibt es Schuld durch eine Schadenerzeugung. Diese ist relativ und durch die Sache begrenzt, die Gegenstand des Handelns war. Ein Urteil über die Schuld verlangt daher die Erkenntnis der Sache, das Wissen um ihren Begriff. Nur hieran kann sich ein Subjekt entschieden richtig oder falsch verhalten und somit auch beurteilt werden. Das Urteil bezieht sich dann auf seine dem Begriff unangemessene Subjektivität, also auf Schadenerzeugung durch willkürliches Handeln oder Verhalten (s.a. Wille).

s.a.

=> Gewissen

Schuldgefühl

Schuldgefühl, sofern es sich nicht in wirkliche Schuld auflösen lässt, ist ein objektives Gefühl von Schuld, in welchem sich eine Lebensnotwendigkeit des Zusammenlebens reflektiert. Allerdings setzt dies vorraus, dass diese einem Menschen einen Sinn abverlangt, den er nicht hat, den er aber haben soll, um für sie zu bestehen, und die ein Mensch als eigenen Sinn verspürt, als lebenden Sinn für sich beurteilt, weil er sich ihr aus eigener Notwendigkeit gebeugt hatte. Es handelt sich hierbei um einen Übersinn: ein Sinn, der geteilt wird, ohne Sinn zu sein; um einen Sinn, den man nur durch anderes oder für anderes hat. Gegen ihn fühlt man sich so, als ob man sich an seinem Leben und Lieben verschuldet hätte, weil man gegen eine höher Absicht verstoßen habe, die aber nichts als eine blanke Notwendigkeit des Lebens ist. Doch der doppelte Sinn des Übersinns lässt gar kein anderes Verhältnis zu. Die Menschen sind ausschließlich durch ihre Schuldgefühle an ihn gebunden und in seiner Falle verstrickt wie in einem Spinnennetz (oft haben sie daher auch Angst vor Insekten). Auch Zwangshandlungen haben in einem übermächtigen Schuldgefühl ihren Grund.

Solange ein Sinn zweifelsfrei bestünde, wäre ein Mensch an seinem Leben wirklich schuldig und könnte seine Schuld in seinem Tun auch wirklich und ursächlich erkennen. Bei einem Sinn aber, den er nicht hat, steht er in einer Schuld, die auch keinen Sinn macht, gegen die also nichts zu tun ist. Das vor allem macht die Stärke und Gewalt, die Macht von Schuldgefühlen aus.

 

Schule

Schule ist nicht nur der Betrieb von Ausbildung, sondern auch der gesellschaftliche Ort, an dem sich alle Momente der Erziehung und Sittlichkeiten der bürgerlichen Kultur treffen und auch oft aufeinanderprallen. Die allgemeinen Wahrnehmungen stehen im Gegensatz zum Stoff der Ausbildung, Lernen wird zu einem Akt der Bewältigung von Widersprüchen, in welchem die Schülerinnen und Schüler sind. Hierzu dienen Lehrmethoden (Didaktik), in welchen sie ausgerichtet und für das Lernen zugerichtet werden.

Die Entwicklung der Schüler und Schülerinnen steht zudem gegen Ausbildung: Die Grundlagen für ihre Bildung wechseln im Fortschreiten ihrer Kulturerfahrung, besonders in ihrer Geschlechtsentwicklung. Da Schule meist der erste Ort wirklicher Gesellschaft ist, treffen hier auch erstmals die Notwendigkeiten aufeinander, sich im Ausdruck als eigenes Wesen gegen die Eindrücke der Kultur zu sichern, zu bestätigen und zu entwickeln. Von daher ist Schule auch der Ort der ersten Geschlechterkämpfe und ist meist ein Kulturzentrum der Jugend.

s.a.

=> Pädagogik

=> Erziehung

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zitatup1i3a1 Erziehung
 

Schumpeter

"Die Theorie einer nietzscheanischen politischen Ökonomie ist in allen ihren aggressiven Potenzen in Schumpeters Begriff des innovativen Unternehmers als Herr eines Prozesses "schöpferischer Zerstörung" verkörpert. Schumpeter - inzwischen wieder zum führenden Impulsgeber der heutigen "neuen Wachstumstheorie" avanviert, in den USA wie in Deutschland- wird oft verharmlosend mit der kreativen Rolle der Unternehmerfunktion vorgestellt, in der Regel schlagwortartig. Wohlweislich. Denn sein grundlegendes Werk, die 1911 erschienene "Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung" setzt die Akzente der Akkumulationstheorie unmißverständlich auf Zwang und Gewalt. Sie stellt die soziale Aggressivität der Unternehmerfunktion derart radikal ins Zentrum kapitalistischer Akkumulationsdynamik, daß man geradezu von einer politischen Ökonomie unternehmerischer Gewalt und zerstörerischer Aggressivität sprechen kann. Als "Führer" und "Feldherr" im "Kraftüberschuß" seines "Siegerwillens" und im Ausbau seiner "Herrenstellung" setzt setzt der Unternehmer Innovationen gegen den sozialen Widerstand und Gegendruck durch. "Ohne Schonung, bis zur ultima ratio der völligen Vernichtung der mit hoffnungslos Unangepaßtem verbundenen Existenz". So ist es konsequent, daß er am Schluß seines Buchs die "bewußte Politik der Rassenhygiene" zur paradigmatischen Leitvorstellung organisierter Innovationspolitik erklärt. Demonstrativ bekannte Schumpeter, wo er sich selbst politisch verortete. Obwohl er der katholischen Bourgeoisie Österreichs entstammte, annoncierte er das Buch persönlich in der deutschen "Zukunft". Sie war inzwischen zum führenden Organ der aggressiven Avantgarde deutscher innovativer Eliten und der damaligen "neuen Mitte" avanciert." (zit. nach Detlef Hartmann 1999 "Die Philosophie rüstet auf")

 
Schwundgeld

Geld ist an und für sich nur eine allgemeine Ware, mit welcher wertmäßiger Ausgleich für bestimmte Quanta von Aufwändungen ermöglicht wird, die zwischen Bedürfnissen und Arbeitsleistungen vermitteln. Wo es aber als Maß der Werte und Maßstab der Preise festgehalten wird und dem Markt der Gebrauchsgüter als Geldbesitz gegenübertritt, vermittelt es gesellschaftliche Macht dadurch, dass es das Quantum einer Entwicklung ohne irgendeine Qualifizierung hierzu bestimmt und damit vor allem deren Konzentration, ihre vorwiegende Richtung und ihre Maßgabe für die Lebens-, Reproduktions- und Produktionsbedingungen der Menschen vorgibt. Alle Preise bemessen sich am verfügbaren Geldquantum und auch das Kreditwesen ist vom Privateigentum der Geldbesitzer abhängig, die darüber hinaus ihr Geld auch noch durch das Wertwachstum selbst, wie es im Finanzwesen der Banken vermittelt wird, durch Devisengeschäfte und Geldspekulationen vermehren. Nicht nur in den Betrieben und auf den Börsen ist ersichtlich, dass Geld alles Wachstum beherrscht, sondern auch in den Stadtentwicklungen, den Kommunen und dem sozialen Selbsterhalt aller lokalen Einrichtungen bis auf die Ebene der Kulturanstalten. Nur wo Geld und Kredit von einem durchsichtigen Gemeinwesen bestimmt und verfügt wird und sein Wert von der Existenzeit der Produktion und ihrer Produkte bestimmt ist, die es darstellt, kann der Kapitalbildung, also der Geldverwertung mit Geld, entgegengewirkt werden. Hierdurch kann es schließlich zu sozialen Entwicklungen kommen, die im Sinne der Menschen nötig sind und es können dann die Menschen vor Bedingungen stehen, in denen sie nicht die Wachstumsgier des Privateigentums, sondern ihre eigenen einzelnen und gesellschaftlichen Notwendigkeiten und Bedürfnisse vollziehen. Wenn eine Produktion aus einer Demokratie der Bedürfnisse sich begründet, wird auch durchsichtig sein, wodurch deren Befiredigung und Entwicklung zu menschlichem Reichtum führt. Dieser wird nicht nur den Geldbesitzern, sondern allen Beitragenden förderlich sein.

Mit der Einrichtung eines kommunalen Geldkreislaufs, der völlig unabhängig von Kapitalinteressen ist, wird auf Dauer sich eine private Machtkonzentration durch Geld ausschließen lassen. Der nächste Schritt in einer Widerstandskultur wäre demzufolge die Herstellung eigener Geldkreisläufe mit einem Geld, das nur als Zahlungsmittel fungieren kann. Und das wäre ein Geld mit Einführungs- und Verfallsdatum, dessen Existenzdauer an die der damit dargestellten Arbeitsprodukte und Produktionsmittel durschnittlich gebunden ist. Das wäre z.B. als Computergeld auf Chipbasis heute leicht zu handhaben, als Schwundgeld, das mit seiner Verweildauer auf dem Markt seinen Wert prozentual verliert (z.B. 1% pro Quartal, wenn dies dem ökonomisch ermittelten Wertschwund der Produkte pro Zeit entspricht).

s.a.

=> Regionalgeld

=> Widerstandskultur

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s.a.

=> Sekte

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