| Buchstabe Se | ||
In der Religion wird Leben als ein von den Lebewesen selbst unterschiedener "Atem Gottes" verstanden. Alles gilt demnach durch einen Schöpfer des Lebens "vitalisiert". Von daher wird Seele auch als eine Vita der Natur, der Pflanzen, Tiere und Menschen verstanden, als Wesen des Lebendigen, das vor allem Sein steht. Auch jenseits der Religion wurde und wird Seele als "das Andere" des Leibes verstanden (siehe Leib-Seele-Problem). Jedenfalls betrifft dieser Begriff etwas vom bloßen Körper Unterschiedenes, das als Geist zu begreifen sei, worin alles Seelische als ein vom Körper vollständig verschiedenes, also von ihm abgetrenntes rein geistiges Wesen zusammengefasst ist. Die Seele ist demnach soviel Geist wie Geist Seele hat. Wer beseelt ist, von dem, was er tut, der bezieht sich darin auf alles durch sein geistiges Wesen, ist von allem begeistert, wie er auch darin seine Seele findet. Der Geist den alles hat, ist nicht durch einen Menschen entstanden, sondern durch das Zusammenwirken vieler Menschen, die zu einer sinnvollen Entwicklung beigetragen haben. Im Geist steckt der Sinn ihrer Entwicklung, wie er auch körperlich ist. Und in ihrer Seele reflektieren sie dies mit Begeisterung. In der Abtrennung von ihrem gesellschaftlichen Verhältnis erscheint ihnen aber in ihren zwischenmenschlichen Verhältnissen ihr Beseelt-Sein selbst als Geist, als eine Seele, die aus ihnen als einzelne und vereinzelte Menschen hervorscheint und sich mit anderen Menschen in Beziehung setzt. In der Seele ist menschlicher Geist in eine Art Schutzhaft geraten, abgetrennt von einer Wirklichkeit und doch wirklich in den Verhältnissen, worin er aus Menschen hervorscheint wie ein Einzelwesen, das ihnen zu eigen ist und doch mit ihnen geboren, einzeln und doch allgemein, gegenwärtig und doch vorbestimmt. Sie erscheint ihnen wie ihr einzelnes Geisteswesen, das ihre Beziehungen in diesen Verhältnissen durch ihre Sinne beflügelt. Nicht mehr der in ihrer Gesellschaft verwirklichte Sinn menschlicher Tätigkeit kann sie seelisch begeistern. Sie erscheinen sich als einzelne Geisteswesen, die den Sinn ihrer Beziehungen durch einander finden, sich als beseelte Wesen empfinden und sich an ihren Gefühlen füreinander begeistern. Seele ist von daher der Begriff für eine eigenständige Welt der Gefühle, einer Gefühlswelt. Diese "Gefühlswelt" macht sie zu einzelnen Geisteswesen, die sich durch ihre Seelen zusammenfinden und ihren Geist erst hierdurch gründen, der ihnen als allgemeine Seele, als menschlicher Geist schlechthin auf alle Menschen verteilt gleich gilt. Das geistige Wesen des Menschen, das sich in seiner Geschichte gebildet hat, erscheint so als Schöpfungsgeschichte des Menschen, die Seele, wie sie die einzelnen Menschen aneinander empfinden, als deren Resultat. In einem allgemeinen Geisteswesen fühlen sich die Menschen seelisch verbunden und finden diese Verbindung in ihrer Religion (re-ligio). Darin ist die Seele nicht ihr an ihrer Gesellschaft teilnehmendes Geisteswesen, sondern der "Odem Gottes", welcher dem Menschen eingehaucht sei. In der Kritik der Aufklärung an solchem Gottesglauben war dereinst die Gegebenheit von Geist abgewiesen und dieser zur unmittelbaren Selbstevidenz des Menschen gehoben worden. Geist war hierdurch selbstevident, weder gegeben, noch genommen, Tätigkeit der Selbsterzeugung des Menschen, die alleine ihren Stoff außer sich hat. Aber erst in der stofflichen Selbsterzeugung bildet der Mensch durch seine begeisterte Tätigkeit seine Gesellschaft, seine Geschichte und seinen Reichtum, der das Dasein seiner Wesenskräfte, seine Natur und Kultur ausmacht. Die Seele ist die einzeln wirkende Tätigkeit des Geistes, der in seiner Vereinzelung bleibt und sich darin nur sich selbst bestärkt, sich nur auf sich selbst bezieht, indem er sich selbst verwirklicht (siehe Selbstverwirklichung), sich in der Beziehung zwischen den Menschen bewegt und entfaltet (siehe zwischenmenschliche Beziehungen). Sie ist die Arbeit des subjektiven Geistes, wie er im Subjekt verblieben ist, wo er objektiver Geist nicht sein kann, sich nicht verstofflicht. Die Seele ist die abgetrennte Geistigkeit des Menschen, die keine stoffliche Wirklichkeit außer sich erkennt, eine in ihrer privaten Form verharrende Geistigkeit einer Gesellschaft, deren Sinn sich nicht unmittelbar als Produkt sinnlicher Tätigkeit begeisterter Menschen erkennen lässt. Von der Sprache her verweist das Wort Seele im Althochdeutschen auf Gewässer (See) und meint wohl eher das Unergründete, das ohne sichtbaren Grund Seiende, das Reich des Vor- und Nachlebens (nach germanischer Auffassung leben dort die Geister der Ungeborenen und Ahnen), des nicht wirklichen Lebens. Von dieser Seite ist Seele der sich tradierende Geist, der aus dem bisherigen Leben kommt und im verwesenden Leben fortbesteht. Sie bewahrt und bewährt ihr Sein in der Geschichte ihrer Selbsterkenntnis, des Lebens eines erkennenden Menschen in der ununterscheidbaren Ganzheit seiner Einzelheit, die ihm darin algemein erscheint. Als Gegenstand der moderneren Geisteswissenschaften und ihren Anwendungen wird Seele mit der individuellen Gefühlswelt gleichgesetzt (siehe auch Psyche). Seele wird hier verstanden wie ein Wesen, das in allen Gefühlen steckt und die Individualität seiner "Innenwelt", seiner inneren Erfahrungen ausmacht. Ein solches Wesen soll im einzelnen Menschen seinen Grund haben; er erscheint durch seine Gefühle beseelt. Diese in sich begründet scheinende Gefühlswelt ist aber eine Tautologie und kann keine Gewissheit mehr von sich haben, keine Empfindung mit weltlicher Gegenständlichkeit, sondern ist für sich gefühlte Individualität, Selbstgefühl. Aber auch Selbstgefühl wäre unsinnig, wenn es seinen Standort nur durch sich selbst hätte. Seelisches bleibt darin mythologisch. Von da her gilt Seele als ein Individualwesen, dem man glauben muss (siehe Glaube), weil man es fühlt und empfindet, weil es geradezu die Einheit von Empfindung und Gefühl jenseits der Welt ist, das aber zugleich nicht individuell sein kann, weil es sich auf alles bezieht und sich auch nur in der Welt wahrhat. Jedes seelische Problem zeigt unmittelbar, dass es nur in bestimmter Bezogenheit auftritt und also auch nicht aus sich selbst heraus entstanden sein kann. Seele ist tatsächlich ein Moment der Wahrnehmung in dem Sinne, dass sie eine eigene Wahrheit ist, in welcher Wahres genommen wie gehabt wird (siehe Wahrnehmen, Wahrhaben): Nicht wirklich wahr, aber in Wahrheit wirklich. So ist dieses Wesen zunächst passiv bestimmt, nicht bewegendes, sondern bewegtes. Aber wie jedes Wesen von eigener Wahrheit bestimmt sich Seele auch selbst - und zwar durch den Sinn, den sie hat, auch wenn sie ihn zugleich erst stiftet. Sie betreibt den ebenso zweifelhaften, wie auch oft verzweifelten Versuch, die Autarkie des Individuums, eine Identität seines Erkenntnisvermögens herzustellen, wo es diese im Unheil seiner Existenz zu verlieren droht. Die Seele treibt die Menschen um und kann Kräfte entfalten, denen sie nicht mehr standhalten können. Sie zwingt Menschen dazu, sich zu kasteien oder zu morden, sich unter der Gewalt des Bösen zu erleben oder in überglücklicher Seligkeit von hinnen zu schweben. Die Seele verleiht Flügel und Kerkermauern; oft beides in Folge. Zunächst ist Seele tatsächlich etwas Geistiges, zwar nicht wirklich, aber wesentlich dadurch, dass sie sich gläubig verhält. Sie ist daher auch der zu einem Einzelwesen geronnene, der privatisierte Geist, der empfindet, was ihm zukommt und fühlt, was ihn glauben lässt, was ihm also wahr gilt. Die Seele hat die Wahrheit nötig, die sie für sich hat; sie erarbeitet und verarbeitet diese. Ihr kommt aber nur zu, was sie auch wirklich hierin findet und empfindet. Sie wird also in der Empfindung tätig, treibt sie dahin und dorthin, wo sie ihre Wahrheit findet, um diese als Gefühl für sich, als ihr Selbstgefühl zu haben. Dieses ist der Augenblick, worin Empfindung im Gefühl verschwindet, sich im Menschen als eine Erkenntnis ereignet ohne ein wirkliches Ereignis zu erkennen. Dies verliert sich schnell, weil gefundene Wahrheit nicht ruht: Sie verliert sich, wo sie gefunden wurde. Es macht die Ruhelosigkeit der Seele aus, ihre Erkenntnisse nur in Augenblicken zu haben, den Springpunkt ihrer Gefühle unentwegt in der Empfindung suchen zu müssen und daher sich von einer Empfindung in die nächste zu stürzen, denn diese allein ist der Nährboden ihrer Selbstwahrnehmung. Und so findet sie Ruhe nur in der beständigen Anwesenheit von Empfindungen, die ihrer Wahrheit entsprechen. Dies macht den Grund ihrer Verhältnisse aus, die sie in der Anwesenheit von Menschen sucht und bestätigt findet. Es ist der reine Raum ihrer Beziehungen, ihr Lebensraum, in welchem sie gedeihen kann - gleich, ob ihre Erfahrungen darin gut oder schlecht sind. Schließlich ist sie so ja auch aufgewachsen (siehe Familie). Dieser Raum hat zwar keinen anderen Sinn als den, welchen Menschen durch sich und füreinander haben, als ihre Erkenntnis von einander, mit der sie ihre Beziehungen entwickeln und einander in ihrem körperlichen Sein bestätigen. Aber in der Seele erscheint dieser Sinn hiervon selbständig, als eine Identität, die nur für sich ist, wo andere Menschen sind. Der Sinn ist daher nicht bestimmt, sondern nur bestimmt in der Anwesenheit von Menschen, in der Form ihrer Körperlichkeit, in welcher sie ihre Erkenntnis voneinander haben und daher als Formbestimmung leben, die zugleich auch gegen sie gleichgültig ist. Es ist ein abstrakt menschlicher Sinn, in welchem die Menschen in solchen Räumen ihre konkreten Sinne finden und haben, weil sie überhaupt und allgemein geistige und sinnliche Wesen sind. Solche Identität ist wesentlich menschliche Individualität in der Form reiner Subjektivität der Persönlichkeit, die sich nur in der Abtrennung vom gesellschaftlichen Menschsein äußert, sich also in ihrer gesellschaftlichen Isolation menschlich nicht außer sich hat, nicht wirklich machen kann, weil sich ihr Mut nur in zwischenmenschlichen Beziehungen zeigt, sich aber nur in Selbstbezogenheit fortbestimmen kann und hierdurch zu einem Prinzip der Selbstverwirklichung wird, zu einem wirklichen Selbst. Die Seele lebt wie ein Geist und fühlt wie ein Sinn, aber beides nur wechselweise. Wo sie sich sinnlich begeistert, entgeistert sie auch ihre Sinne, nimmt sie in ihrer Selbstbezogenheit auf und bringt sie dort in Form. Für sich ist sie nur Tätigkeit des Erkennens, absichtloses Beziehen menschlichen Geistes zwischen Menschen. Wo sie auflebt, fällt sie zusammen, denn sie hat keinen anderen Grund als ihr Sein unter Menschen. Indem aber diese darin ihre Selbstwahrnehmung haben, wird Seele auch hierin vermittelt, teilt sich mit als Bestandteil ihrer selbst, als Beziehung auf sich selbst durch Beziehung auf andere. In dieser Selbstbezogenheit erst wird Seele wirklich, weil sie darin ausschließlich wirkliche Form hat, ihre Identität als Selbst findet. Was sie an Sinn findet, hat sie als Selbstbeziehung im Gedächtnis. In ihr wird Selbstgewinn durch andere zum Selbverlust in anderen, wird Liebe zum Schmerz, in dem sie sich bewahrt und doch verneint, ungewiss, aber vom Leben begeistert, entäußerter Geist in veräußertem Sinn. Als dieser kann ein Mensch sich selbst fühlen, sich für sich begeistern, sich durch sich selbst oder durch andere erregen und in den Regungen seines individuellen Daseins ein allgemeines menschliches Wesen wirksam haben, das seine Beziehung zu sich selbst bestimmt. Aber so allgemein ihre Bezogenheit ist, so isoliert ist ihre Tätigkeit. Sie zielt auf Verhältnisse ab, die sie nicht erkennen kann, weil sie schon alles kennt, was sie zwischen den Menschen allen gemein für sich hat, die Allgemeinheit ihrer Sinne in sich weiß, weil sie weiß, was sie birgt. Worauf sie abzielt, davon muss sie auch notwendig absehen. Ihre Tätigkeit ist ihre Absicht, mit der sie wahrmacht, was sie wahrhaben muss. Schließlich bildet sie ihren Sinn durch die Absicht, welche sie umsetzt und ihre einzige Wirklichkeit ist die Selbstverwirklichung, welche ihre Absichten vorantreiben, die Versinnlichung durch Sinnbildungen für sich. Sie findet sich in der Anwesenheit von Menschen ein, um sich in ihr zu gestalten, zu ereignen, zu arrangieren usw. Sie kommt auf sich zurück in dem, was sie an Menschen bewirkt, was sie ihrem Geist entnommen und ihrem Körper entlockt hat. Und sie bemerkt das, was sie hierzu vermerkt hat. Ihre Aufmerksamkeit ist bestimmt durch gegenwärtige und vergangene Anwesenheiten, Erlebnisse, in denen sie zu sich gekommen und außer sich geraten ist. Was die Seele wirklich tut und zulässt, das liegt konkret an ihrem Gedächtnis. Es ist ihr Stoff und ihr Mittel, auf sich zu kommen. Das Gedächtnis ist der organische Sinn ihrer Selbstbeziehung, die Basis ihrer Absichten und seelischen Wirklichkeiten. Darin schafft sie schließlich ihre Wirklichkeitsform, ihre Persönlichkeit, als ein Selbst, das sich durch sich selbst verwirklicht. Wiewohl durch die Gesamtheit zwischenmenschlicher Verhältnisse entstanden, steht die Selbstverwirklichung nun wirklich nur für sich. Hierin ist sie nun gänzlich sie selbst oder "Ich", das aber nichts anderes sein kann, als was es durch und mit anderen treibt, um sich zu bilden und zu erhalten. Der Tanz um dieses Selbst macht dann auch das wesentliche Lebensinteresse der Menschen in der bürgerlichen Kultur tragend. Es scheint auf der Ebene des theoretischen Bewusstseins in der bürgerlichen Wissenschaft keine Gewissheit zu geben, was Seele ist. Die Psychologie, die sie zu ihrem Gegenstand hat, erkennt sie jedenfalls noch nicht in einer anderen Wesenhaftigkeit als der ihrer naturhaften Erscheinung (z.B. als Trieb, Verhalten, Gefühl). Seele entwickelt sich in zwischenmenschlichen Verhältnissen, welche die Psychologie als gesellschaftliche Verhältnisse begriffen haben will. Damit entzieht sie sich die Grundlage für die wesentliche Voraussetzung, ihren Gegenstand zu begreifen: Seele ist selbst schon die vollendete Mythologie eines gesellschaftlichen Verhältnisses, worin sich Menschen nur noch unmittelbar in ihrem reinen Dasein als Mensch erscheinen. Aber sie ist zugleich ihr wirklicher Geist, den sie in ihren gesellschaftlichen Verhältnissen nicht erkennen können, dies umso mehr, wenn ihr stofflicher Reichtum keinen Sinn mehr für sie hat, ihr wirklich gesellschaftliches Leben und Tun sinnentleert ist, durch Kapitalverwertung zu Unsinn geworden ist (siehe Globalisierung). Sie entwickelt sich aus dem leibhaftigen Erkenntnisproblem das den Menschen damit gegeben ist: Sie erscheinen sich selbst als bloße Gegebenheit und als Mensch leben sie nur in der Trennung zwischen dem Wahrnehmen von einander und dem Wahrhaben durch einander. Sie besteht nur als ein abstrakter Zusammenhang konkret: als ein abstrakter Sinn, dem Menschen folgen, um sich als Menschen im kulturellen Lebensraum einer Gesellschaft wahrzuhaben, die für sie sonst keinen Sinn hat (siehe Raum), in der sie sich aber sinnlich wahrmachen. Sie besteht im einzelnen Menschen als seine Absicht, die nicht wahrnehmbar ist, aber dadurch wahrgehabt wird, dass sie den Sinn seiner zwischenmenschlichen Beziehung bildet und ausmacht. Seele kann als ein Sinn verstanden werden, wie er in Gefühlsverhältnissen notwendig ist und der als einzelne Absicht wirkt, die darin Identität, seelische Identität bildet, indem sie ihre Selbstbezogenheit wahrmacht. Von daher treibt sie zu ihrer Verwirklichung wie eine übernatürliche Natur (Trieb), die sich durchsetzen muss, um keinen Zweifel über sich zu erwecken. Die Seele stiftet zwar Zusammenhänge, kommt zugleich aber nur abstrakt auf die Beziehungen der Menschen in ihrer Selbstbezogenheit zurück, bildet, entwickelt und entfaltet einen Sinn, der nur abstrakt menschlich, abstrakt menschlicher Sinn ist (siehe Realabstraktion), sich dadurch formt, dass er für sich selbst etwas sein muss, was Seele als geistige Tätigkeit nicht sein kann, aber sein muss, um sich seelisch zu erhalten. Im Selbstgewinn und Selbstverlust treibt sie ihre Eskapaten, ihre kleine Fluchten und Verführungen, bis sie sich in die herrschenden Geistesformen verstrickt hat zum Kulturereignis, zur Ästhetik oder dem ästhetischen Willen einer Volksseele und eines Volkskörpers. In der Kritik hieran hat der Begriff einen emanzipatorischen Sinn, den ich derzeit entwickle und damit zu einer neuen Psychologie anregen will. Materiell wird hierdurch Psychologie zu einer Theorie abstrakter Sinnlichkeit, welche konkrete Welt verlangt und so ein Bewusstsein geistiger Emanzipation in sinnlicher Welt werden muss. Der Begriff der Seele als abstrakt menschlicher Sinn zeigt, wo, warum und wie Seele als ein Wesen entsteht, das sich hinter der Wahrnehmung und Selbstwahrnehmung der Menschen durchsetzen kann und eine Welt der Selbstgefühle zur Voraussetzung und als ihr Produkt hat. Sie resultiert aus der Wahrnehmung, aus Gefühlen, die Selbstgefühle geworden waren und betreibt Gefühle, die eine eigene Wahrnehmungswelt erzeugen. Die Seele ist ein Wesen, das als ausschließliche Absicht die Identität der Gegenseitigkeit von Selbstgefühlen hat und diese in der Welt unendlich ausdehnen will. Dieser Wille ist ihr Trieb, der ganz im Gegensatz zu anderen Theorien weder naturhaft (z.B. als Sexualität), noch als Geist oder Typus (z.B. Archetypus), noch als innerpersönliches Wesen (z.B. ästhetisches Bedürfnis nach Lebensgestalt) existiert, sondern zwischenmenschliche Notwendigkeit ist, die zwischen Selbstentleibung und Selbstverwirklichung abgeht, in welcher die Menschen auch zwischenmenschlich in Erlebensklassen gespalten werden. Aus ihr ergibt sich die seelische Grundlage zur Entwicklung einer Volksseele, welche sich im Lebenszusammenhang seelischer Gemeinschaften entwickelt und zwangsläufig zu Rassismus wird und sich darin bestärkt. Dieser wird auch als Reaktion auf eine politökonomische Wirklichkeit, die für die Menschen bedrohlich ist, zu einer politischen Realität. Hierin wird die Seele als Wählermeinung und Geisteswelt zu einem politischen Monstrum, das für das Ganze der gesellschaftlichen Entwicklung eine sprichwörtlich ungeheuerliche Bedeutung bekommen kann, wenn die politische Realität (Staat und Wirtschaft) an ihrer Entwicklungsgrenze angelangt ist (Krise). Dann werden die seelischen Gegensätze zu einer Gesinnung, die sich im Zeitgeist und der darin gängigen Philospohie festhält. Diese entspricht meist den gesellschaftlichen Entwicklungen und ist besonders in Umbruchphasen auch parat, um geschichtlich wirksam zu werden - wie z.B. zur Zeit der Reichsgründung von Nietzsche - neuerdings wieder von Sloterdijk - gesellschaftliche Notwendigkeiten zum "Willen zur Macht" formuliert worden ist (als geschichtlich "heilsamer" Antagonismus von Herrenmenschen und Skalvenmenschen). Dies war zwar nicht der Grund des deutschen Faschismus, wohl aber sein Bewusstsein und sein Mittel, die Volksseele zu handhaben. Da die Seele aber zugleich die Form von menschlicher Erkenntnis als abstrakte Selbsterkenntnis ist, kann sie in ihrer Wahrnehmungswelt, ihrem Verhältnis von Empfindungen und Gefühlen, konkrete Positionen und Verarbeitungsweisen einnehmen, wenn sich die seelischen Verhältnisse in ihren konkreten Momenten festhalten lassen. So sind Menschen in der Lage, ihre Absichten zu erkennen und ihnen auch entgegenzutreten. Sie tragen ja ihre sinnliche Erfahrungswelt in sich und haben darin auch ihre Schranke und ihren Selbstzweifel. Eine Seele im Zweifel muss den Schmerz ihrer Absicht zur Erkenntnis bringen, um ihren Geist zu emanzipieren. Da Seele als Verhältnis zwischen Menschen zu denken ist, kann es nur ihr geistiges Verhältnis sein, in welchem sie sich befreien können, in welchem sie ihre Bezogenheit und Verstrickung begreifen, um aus dem Begriff ihrer "Seinsbesessenheit" zu entkommen und sich dem Begreifen ihrer Welt zuwenden zu können. | s.a.
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Eine Entwicklung der Seele aus sich heraus gibt es nicht; sie wäre Mythologie. Seele entwickelt sich nur in einem geistigen Verhältnis zu anderen Menschen in zwischenmenschlichen Verhältnissen. Seele hat keine Substanz jenseits der Erkenntnis und also keinen eigenen Antrieb (wie etwa das "ES" der Psychoanalyse) außer dem, der durch die Abtrennung der seelischen Prozesse von den geistigen entstehen kann. Diese enstehen durch die Abstraktion, welche die Selbstwahrnehmung in solcher Abtrennung ausmacht, die Gewohnheiten und Triebe der Selbstwahrnehmung - und die Form, worin sie im Gedächtnis sind. Der Streit darüber, ob sich seelische Entwicklung als von Wirlichkeit abgetrennte lineare Seelengeschichte von Kindheit bis Alter verstehen lässt, ist darin aufgelöst, dass in der Selbstwahrnehmung ein Verhältnis von Wahrnehmung und Rückbeziehung auf sich selbst im Gedächtnis festgestellt wird. Dieses entwickelt sich daher immer in diesem Verhältnis, nicht als Gedächtnis der Seele und nicht als ein Gedächtnis der Wirklichkeit, sondern als wirklich seelische Verarbeitung. Darin verhält sich die seelische Verarbeitung zur Wirkung wie ein inneres Ereignis, als Leidensform von Geschichte, Lebensgeschichte als Weltgeschichte. Was die Wahrnehmung für sich selbst tut, das tut sie in ihrer Geschichte und ist daher niemals unabhängig von ihren Umständen. Aber ihre Absicht bildet sich nur in der Selbstwahrnehmung und verbildet sich in ihrem Scheitern. So können auch nicht die Personen der Geschichte als Personen das Leben bestimmen, etwa als Eltern das der Kinder. Sie bestimmen es insoweit, wie sie wirkliche Lebensbedingung sind. Das sind auch ihre persönlichen Eigenarten, ihre Heftigkeit oder Zwiespältigkeit usw. Treten jedoch andere Lebensbedingungen hinzu und stehen zur Auswahl, so setzen sich die durch, welche der Selbstwahrnehmung besser entsprechen. So wie das Gedächtnis mit ihr verfährt, wird sich persönliche Geschichte in neue Lebensbedingungen einbringen. Und aus diesem Aufeinandertreffen von Geschichte und Bedingung bilden sich die vielen Widersprüche, welche die Seele dann haben kann oder Erinnerungen verdrängen, unbewusst machen muss, um unter bestimmten Bedingungen überhaupt leben zu können. Es wird jeder Mensch, wenn er auf die Welt kommt, in unserer Kultur zugleich meist in seelische Verhältnisse geboren. Er nimmt dort alles als seine Lebensbedingungen auf und verhält sich dem entsprechend. Seine Absichten entstehen auf dieser Grundlage und kommen ihm zunehmend ins Gedächtnis. Im selben Maß beziehen sich die Menschen auf ihre Wirklichkeit unter diesen seelischen Umständen, erweitern sich durch einen Bezug auf die Welt, welche wirkliche Beziehungen eröffnen, die nicht auf die Seele zurückkommen, sondern sie verlassen, sich in wirklichen Gegenständen finden, empfinden und bestätigen, wirkliche Wahrnehmung werden, indem die Seele darin ihren Geist erkennt und weltlich, gesellschaftlich wird. Das verändert auch die Gefühle und Selbstgefühle. So wird der Mensch erwachsen und verhält und erkennt sich schließlich als Mensch unter Menschen sowohl seelisch wie gegenständlich, so wie jeweils die Anteile sich wirklich verhalten und erhalten, wie dies eben in einer bestimmten Gesellschaft aufgeht oder verschließt. Eine seelische Entwicklung ist für sich genommen die Entwicklung zwischen Selbstwahrnehmung und Gedächtnis, wie sie in zwischenmenschlichen Beziehungen nötig ist. Je nachdem, wie die Absichten der Seele sich darin wahrmachen, wird sich die Selbstwahrnehmung im Gedächtnis unter dieser Bedingung bedenken. Dort wird also die seelisch wahrgemachte Beziehung die Rückbeziehung der Seele auf die Selbstwahrnehmung auch bewirken, also seelische Ereignisse in der Weise verarbeiten, wie sie sich aus wahrgehabten Beziehungen als nötig erwiesen hatte. Von daher kommt die Resistenz der seelischen Arbeit gegen wirkliche Verarbeitung von seelischen Ereignissen in zwischenmenschlichen Lebensräumen: Was sich in dieser Beziehung als notwendig ergeben hatte, erscheint solange nötig, wie es die Selbstwahrnehmung in ihrem seelischen Verhältnis zu sich bestätigt. Und dies ändert sich in der Abgetrenntheit des seelischen Lebensraums nur dann, wenn diese Änderung selbst notwendig wird. Wirklichkeit kommt hier also erst an zweiter Stelle hinzu. Das macht auch die manchmal lebenslange Abhängigkeit seelischer Verarbeitung vom Verhältnis zu ursprünglichen Lebenswelten, meist die mit den Eltern. Deren Verhältnisse wirken solange in der Verarbeitungsweise ihrer Kinder nach, wie diese auch deren Verhältnisse begründen und bestätigen und also nicht von wirklich neuen Beziehungen durchbrochen werden oder Selbstwahrnehmung gebildet haben, die sich darin bedoht fühlt. Besonders wenn sie von sehr eigener Art waren, worin eigentümliche Selbstwahrnehmung sich verwirklicht hatten (in der Familie oft bestimmte Variationen von Schuldbeziehungen), können diese wie eine "Prägung" wirken, da die Wahrscheinlichkeit einer wirklichen Durchbrechung in der gewöhnlichen Weltwahrnmehmung relativ gering ist. Hier macht dann die Seele die Erkenntnis, und nicht umgekehrt. Indem sie sich in der Selbstwahrnehmung durchsetzt entwickelt sie in Wirklichkeit Lebensangst. Es entsteht hieraus eine Entwicklung in zunehmender Reduktion der Selbstwahrnehmung auf sich selbst (siehe Autismus), die für sich reaktionär ist und sich auch zu Zwangsverhalten entwickeln kann. Hiergegen entwickeln sich expansive Selbstwahrnehmungen, die sich durch Selbstentleibung bestimmen, eher zu Depressionen der Selbstwahrnehmung. Diese als Zwangsverhältnis wird zur Sucht. |
s.a. | |
Sehnsucht ist ein verselbständigtes Sehnen, ein absolutes Verlangen als ein Zustand der Liebe, in welcher ihr Schmerz durch ihr Verlangen wirklich aufgehoben ist, weil dieses sein wirkliches Sehnen verloren hat. Sehnsucht ist die verlorene Gewissheit des Verlangens, des Bedürfnisses eines Menschen nach Menschlichkeit, das zum Schein seiner Unendlichkeit geworden und von daher ein Moment der Religion ist. Sie ist ein Verlangen im Nichts ihrer unendlich nötigen Bestrebung, der eigenen Notwendigkeit zu entsagen, eine schmachtende Selbstauflösung, die im Kitsch zur Scheinwelt wird. |
s.a. | |
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Eine Sekte betreibt die Vereinigung von Sophismus und Religion. Praktisch begründet sie sich mit dem Wahrheitsanspruch einer Heilsvorstellung, welche eine Selbstüberhebung bewirkt, die nur durch Selbstunterwerfung erfüllt werden kann. Dies ermöglicht ein Glaube, der auf eine Erlösung durch Einschwörung auf eine Gemeischaft (siehe Verschwörung), auf eine GruppenIdentität von Menschen, zielt. Für diese ist nötig, dass sie sich aus ihrer Ausschließlichkeit begründet, also negativ darauf gründet, dass ihr keine wirkliche Identität möglich ist, weil Fremdidentität herrscht, die sie ausschließt. Die Abgrenzung selbst wird in dieser Negation dadurch praktiziert, dass die Befürchtung, Gruppenmitglieder könnten dadurch verloren gehen, dass sie von der übrigen Welt wieder "eingefangen" werden, zur Gruppengewalt gegen die einzelnen treibt, durch die sie ihre Isolation fortspinnt. Solche Gruppenidentität verlangt die Entleerung von allen weltlichen Problemen und setzt dies auch für ihr Gelingen vorraus. Das geschieht meist durch psychologische Techniken, die wirkliche Probleme von Menschen durch abstrakte Selbsterfahrungen auflösen (z.B. Hyperventilation, Isolation, Karrierismus innerhalb der Sekte, Liebeskulte, Dämonie, Esoterik usw.). Damit wird das Selbstgefühl in der Masse zur Selbstbestimmung als Massengefühl. Wie jedes Massengefühl lebt und belebt es eine allgemeine und abstrakte Zwischenmenschlichkeit, in der sich nur eine Scheinwelt allgemein bestimmend durchsetzen und erhalten kann. In der Vermassung der Gefühle ist die Glaubensidentität der Sekte maßgeblich und erzeugt seelische Beziehungen und Identitäten, welche sich von aller anderen Welt entfernen und sich gegen sie stellen und erhalten, die Seele der Mitglieder selbst - wiewohl höchst privater Geist - unmittelbar zur Gemeinschaftsseele wird (siehe auch Volksseele). In der Sektiererei der Sektenmitglieder wird dies als Verhalten kenntlich, das sich in seinen Grenzen nicht wirklich bestimmen kann und daher diese sowohl nach innen wie nach außen ausufert. Von daher ist in Sekten ein persönliches Regulativ durch eine Führerpersönlichkeit unabdingbar, die sich nicht formal begründet, sondern aus seiner besonderen Sensitivität für das gemein Sinnliche, das sie zu einem Gemeinsinn transformiert und als Mittel ihrer Psychokratie benutzt. Das Selbsterleben der Menschen in einer Sekte kann derart tief gehen, dass sie ohne diese nicht mehr lebensfähig sind. Ihre Identität lässt es dann nicht mehr zu, weil ihr Gedächtnis keine Inhalte zur Verarbeitung eines anderen Lebens mehr kennt, weil also diese in der Sekteneinführung und im Sektenleben zerstört wurden. Die derart hörig gewordenen Menschen können vor allem nur noch durch Missionierung für die Sekte eine eigene Beziehung zu sich und anderen finden. Da Sekte letztlich nur aus Glaubensmasse besteht und von dieser Masse in Bewegung als Massenbewegung zehrt, wird sich die Hörigkeit der Menschen eben auch nur in der Gewinnung neuer Sektenmitglieder verwirklichen. Die Missionierungsleistung ist daher die fast einzige wirkliche Tugend und Tätigkeit der Sekte und die Form wirklicher Selbstbestätigung, wie auch Vollzug der Getrenntheit und Ausschließlichkeit des Lebens in der Sekte. Die Ausschließlichkeit einer Sektengemeinschaft ist in doppeltem Sinn gewaltsam. Von ihrer Entstehung her ist sie die Aufhebung unbegriffener Einsamkeit, also Trost gegenüber der Isolation, welche außergewöhnliche fantastische Tiefen und Untiefen des Selbsterlebens im Fanatismus des Sektierens vereint. Von daher repräsentiert die Sekte die absolute Negation der Gesellschaft, in welcher das Fantasierte isoliert und in seiner Isolation belassen bleibt. Zum anderen fürchtet sie die Auflösung der Sektengemeinschaft, wenn das Fanatische unter den Sektenmitgliedern abgrenzend auftritt oder in seinem Innenleben nach außen dringt, also die Gemeinschaft im Verlassen zugleich verraten wird. Der Verrat, also das Anderssein innerhalb der Sekte, ist das objektive Bindeglied, welches die Menschen darin in ihrer verlassenen Subjektivität nötig haben. Im Verrat lebt die Notwendigkeit, die Sekte zu verlassen und vollzieht sich zugleich die Bindung an sie als Lebensmittel. Das macht die Lebensprothese für den Suchtkreislauf darin aus. Der Kampf gegen VerräterInnen ist daher unerbittlich und geht oft bis hin zur realen oder psychischen Zerstörung ihrer Persönlichkeit. | s.a. | |
Sektiererei ist eine besondere Form des Fanatismus, die auf der Ausschließlichkeit einer Gemeinschaft gründet, die meist esoterische Inhalte hat. In einer Sekte haben diese ihre wirklich ausschließliche Beziehungsform und sind dort Lebensmaßstab, die in einem engen persönlichen Bezug zur eigenen Reflektion und Selbstrefektion steht. Darin ist sie sowohl als Gemeinschaft des Fan-Kults, wie auch die Sekte eine Gemeinschaft des Fanatismus selbst ist. Sektiererei ist also ein Fanatismus, der einer realen oder potentiellen Gruppenidentität entspringt, und sei es nur, dass er als Hoffnung auf diese besteht. In solcher Identität ist der Zusammenschluss von persönlicher Leidenschaft und ihrer Vergemeinschaftung unterstellt die außerhalb dieser Gemeinschaft keinen Sinn haben kann. Es ist eine Scheinwelt, die selbst einen Suchtcharakter hat und deshalb nicht einfach verlassen werden kann. Der Sektiererei liegt also immer eine Gruppenidentität zugrunde, die aus Glaubenssätzen besteht, welche Macht für den oder die SektiererIn haben und daher Gewalt abverlangen. Der Missionseifer kommt aus der Notwendigkeit, diese Identität massenhaft auszudehnen, weil sie sich nur massenhaft durchsetzen kann und selbst nichts anderes als aufgehobene Bestimmtheit ist, die nur gleichgültige Masse bestimmen kann und auch Massenbestimmung sein will. |
s.a. | |
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Sexismus ist die Essentialisierung (Wesensbehauptung) von Geschlechtseigenschaften von Menschen zur Verwendung als Werturteil. Der Zweck solcher Bewertung liegt im Willen, Geschlecht zum Mittel zu haben (siehe auch Entleibung) und in Geschlechtsrollen zu nutzen. Im Geschlechterkampf dient er als Mittel der geschlechtlichen Bedrängung, also zur Erzeugung einer Störung geschlechtlicher Identität. Er wurde in den 60ger Jahren als kritischer Begriff gegen die Naturalisierung von Herrschaftsinteressen geschaffen, wie dies auch der Rassismusvorwurf kritisiert. Indem Natureigenschaften (Geschlecht, Hautfarbe u.a.m.) zur Wesensaussage werden (z.B. Frau sein heißt Mutter sein), wird auf ideologischem Weg eine soziale Aufgabe und Rolle vermittelst der Naturbehauptung eines Werturteils delegiert (Frauen, die nicht Mutter sind, sind unnatürlich. Aber auch: Männer sind stark, also sollen sie auch "hinlangen"). Um den Begriff nicht beliebig zu verwenden, sollte auf den Wert hingewiesen werden, der sexistisch naturalisiert wird. | s.a. | |
Sexpol-Bewegung war ein Teil der antiäutoritären Bewegung, welcher sich besonders auf die Sexpol-Bewegung bezog, die Wilhelm Reich in den 30ger Jharen für die Arbeiterjugend ins Leben gerufen hatte. Diese war ein kommunistisches Anliegen zur Befreiuung der Jugend von den Zwängen der repressiven Sexualmoral jener Zeit, die ganz offen als Mittel der Disziplinierung zur strebsamen Anpassung an Ausbeutungsverhältnisse eingesetzt wurde. Diese Moral wirkte in der Nachkriegszeit immer noch auch in den bürgerlichen Schichten fort. Die "fashist babies" in der Studentenbewegung griffen daher Wilhelm Reichs Texte als emanzipatorische Theorie auf, besonders "Funktion des Orgasmus". Reichs wissenschaftliche Grundlagen, die er in der Auseinandersetzung mit Freud entwickelt hat, sind äußerst dürftig, dafür aber um so anschaulicher. Sie bauen auf einem naturwissenschaftlich radikalisierten Triebmodell, das ihn zu der Behauptung brachte, den Stoff, aus dem Organsmus ist, gefunden zu haben: das Orgon. Da Liebe hierdurch auf einen Naturstoff des Lebens reduziert war, der auf der anderen Seite einzig Arbeit zur Gewinnung von Lebensmittel nötig hatte, war ihm die Beziehung von Sexualität und Arbeit die wesentlich menschliche Beziehung, und alle andere Wirklichkeit Formen ihrer Beherrschung. Gesellschaft war jenseits dieser Beziehung nicht nur Sublimierung, sondern auch Beherrschung des natürlichen Menschen. Das Sozialistische Patientenkollektiv entwickelte hieraus seinen Krankheitsbegriff: Psychische Krankheit sei eine Einheit von Protest gegen die Gesellschaft und Hemmung des Protestes in einem. |
s.a. | |
s.a.
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