Buchstabe Selbstb Im Kontext

Selbstbefriedigung

Selbstbefriedigung ist die Aufhebung einer Selbsterregung, die durch bestimmte, oft selbst und in Abwesenheit ihrer Wirklichkeit erzeugte Selbstgefühle entstanden war. Selbstbefriedigung kann körperlich sein als sogenannte Onanie oder geistig als Ästhetik einer Selbstwahrnehmung, ihre Grundlage ist in jedem Fall eine Reflexion von unerfüllter Anwesenheit bestimmter Lebenswahrnehmung, einer Wahrnehmung von Gefühlen und Ereignissen, die nicht wirklich verarbeitet oder erlebt worden waren oder jede Selbstverwirklichung hierin praktisch ausgeschlossen war. In diesem Sinn hat Marx wohl auch seine Aussage über die Philosophie gemeint, als er schrieb:

"Philosophie und Studium der wirklichen Welt verhalten sich zueinander wie Onanie und Geschlechtsliebe." (MEW 3, S. 218).

Hierbei handelt es sich aber nicht um eine moralische Bewertung von Selbstbefriedigung oder Philosophie, sondern um die Art der sinnlichen Beziehung, die Isolation, Interpretation und Beziehung auf andere voneinander unterscheidet.

s.a.

=> Selbsterregung

Selbstbehauptung

Selbstbehauptung ist das Resutat der Konkurrenz der Selbstbezogenheiten, in welcher die Lebensangst einer verrückten Kultur verläuft. Darin bildet sich ein Selbst, das sich gegen andere, und somit gesellschaftlich nur für sich behaupten kann (siehe Logik der Kultur, 3. Teil). Es ist das Resultat zwischenmenschlicher Verhältnisse, in denen sich Menschen in der Ausschließlichkeit ihrer Seelen gleichgesetzt haben und in ihrem Vergleich ausschließlich nur sie selbst sein können. Sie können also entweder nur anderes unter sich herabsetzen, um selbst zu sein, oder sich als ausschließliche Gewissheit gegen anderes durchsetzen, das hierdurch als veräußerlichte Gewissheit, als das Fremde schlechthin gültig werden muss. Die Selbstbehauptung ist der Grund und das Ziel jeder Selbstbeziehung (siehe auch Egozentrik), welche der bürgerlichen Persönlichkeit einzige Grundlage für eine Identität irgendeiner Art ist. Man könnte auch sagen, sie begründet sich durch die Entfremdung von allem, was sie selbst ausmacht. Indem anderes als fremd bestimmt wird, wird Eigenes behauptet. Die Eigenart wird zu einer Ganzheit eigener Art gegen fremde Art (siehe hierzu auch Rassismus).

Selbstbehauptung ist die abstrakte Identität, welche sich gegen nichtige Identität setzt als Behauptung von Identischem im Selbstbezug, als hauptsächliche Substanz der Abstraktion von Selbstbeziehung, ein Selbst als Haupt und Sinn für sich, Seele als wirkliche für-sich-selbst-seinende Sinnlichkeit, als abstrakt verkörperte Absicht einer Person, als Ganzheit ihres Willens. Es ist die Grundlage der Personalität der bürgerlichen Kultur, Kultur von und für sich selbst, Inhalt des ästhetischen Willens.

Selbstbehauptung hält die Sinne beisammen, die sich widersprechen, die in unendlichem, weil abstrakten Bezug zueinanderstehen und also unendliche Möglichkeiten haben, sich zu äußern. Füreinander sind sie äußerst verwirrend und tanzen im Selbstzweifel um einen Sinn, der Selbstgewissheit vermitteln soll. Diese jedoch kann nicht vermittelt, kann nur unmittelbar sein. So bekommen sie in der Selbstbehauptung schließlich das Haupt einer Persönlichkeit, die damit ein Verhältnis für sie als äußeres Verhältnis zu sich selbst erfährt. Sie hat hierfür ihr Gesicht zu wahren, also das zu tun, was ihren Sinnesäußerungen verschiedentlichstes Sein ermöglicht, ohne dass diese dabei etwas anderes sein müssen, als Momente einer persönlichen Identität, die ausschließlich Sinn für sich hat. Es ist eine doppelte Identität, welche sich in vollständig getrennter zwischenmenschlicher Bezogenheit darstellt: Im Bezug auf sich gewinnt sie sich durch andere (siehe Selbstgewinn), im Bezug auf andere erleidet sie ihren Selbstverlust, sofern sie darin wirklich sinnlich wird. In ihrer Krise, worin diese doppelte Bezogenheit als Lebensangst hervortritt, erleidet sie die Dopplung in einem Verhalten, zu dem sie sich gezwungen fühlt: Zwangshandlung.

s.a.

=> Wille

siehe hierzu auch den Text

Thesen zur Diskussion des Begriffs "flexible Persönlichkeit"

Systemup25b1 Selbstbehauptung
Systemup30a1 Selbstvergegenwärtigung
Systemup26a Selbsterfüllung der Sinne
zitatup Selbstbewusstsein bei Hegel (Marx)

Selbstbeherrschung

Selbstbeherrschung ist die Tätigkeit einer Selbstkontrolle, die als Tätigkeit selbst kontrolliert ist durch die Angst, sich dabei zu vergessen. Ein Mensch, der sich vergisst, treibt etwas hervor, was eine Wahrheit jenseits aller Selbstbezogenheiten als inneren Kern des ausschließlichen Menschen (siehe Selbst) hervortreibt, eine rabiate Beziehung der Negativität zu anderen Menschen. Das ist, was alle in ihrer Selbstwahrnehmung wissen und fürchten. Denn hierin kennen sie sich als ein ganz eigenes Wesen, wenn sie ganz bei sich sind - und im Außer-sich-sein wäre die soziale Wirklichkeit dieser Beziehung fatal.

In der Psychologie gilt Selbstbeherrschung als eine notwendige Funktion des ICHs.

s.a.

=> Selbstbehauptung

 

Systemup30a1 Selbstvergegenwärtigung

Selbstbereinigung

Selbstbereinigung ist eine Abwehr und Negation der Selbstbezogenheit, die sich aus der Wahrnehmung von sich selbst aus der Selbstvergegenständlichung der Selbstbezogenheit ergibt. Diese gerät in Krisen, wenn sie an sich die Äußerung ihrer selbst wahrnimmt, sich selbst als Eindruck dessen erkennen muss, was sie von sich ausdrückt (siehe Ausdruck) und hiergegen eine Selbstvergegenwärtigung außer sich nötig hat. Ihre Form der Selbstüberwindung ist daher die Selbstveredelung, in welcher sie durch eine Selbstbezogenheit auf sich in einer veredelten Form zurückkommt. Dies macht die Grundlage der ästhetischen Mode aus (siehe auch Ästhetik). Sie erträgt sich daher nur in der beständigen Veräußerung ihrer Selbstwahrnehmung und befolgt darin das Prinzip eines ästhetischen Willens.

s.a.

=> Selbstbeherrschung

Selbstbeschränkung

Selbstbeschränkung ist im Unterschied zur Selbstkontrolle eine Tätigkeit der Vernunft, welche der Selbstverwirklichung dient. Durch die Beschränkung soll das Selbst verharren, um das Optimum der Nutzung der Mittel hierfür zu erzielen. Sie setzt also immer ein Verhältnis des Utilitarismus in einer Vermittlung voraus, die dem Selbst zur Entfaltung dient (siehe auch Realitätsprinzip, Psychoanalyse). Dahinter verbirgt sich jedoch auch das Prinzip eines Allgemeinnutzens für die Menschen, wenn sie sich unter dem einregeln, was ihnen allen dienlich ist. Das Prinzip der Selbstbeschränkung ist eine Reaktion auf die Freiheit des Bewusstseins, das nicht damit zufrieden ist, nur zu werden, was schon dienlich ist.

Die Selbstbeschränkung ist ein Resultat aufgeklärter Vernunft, die sich im kategorischen Imperativ von Kant am klarsten formuliert: Handle so, dass die Maxime deines Handeln für alle gelte. Umgekehrt heißt diese Moral: Beschränke dein Handeln auf das, was allen möglich sein muss. Entwicklung und Geschichte in solcher Beschränktheit hätte nie stattgefunden. Das Resultat der Aufklärung war denn auch die Gewaltanwendung gegen die, welche ihre Beschränktheit nicht einsehen wollten: Die Andersartigen. Ihre Züchtigung bis hin zur Vernichtung war also nur vernünftig und wurde und wird als Rationalität der Staatsräson abgewickelt, wo es ihr nötig ist. In der Hand des Staates wird die Selbstbeschränkung offen und allgemein zur Gewalt gegen jede Kritik an der Allgemeinheit der politischen Vernunft; so aber auch in jedem Menschen, der sich durch ihren Nutzen zufrieden geben kann, weil er das besitzt, was ihn alllgemein sein lässt: Geld.

Die Selbstbeschränkung ist die Genugtuung des allgemeinen Zustands des Lebens und steht im Widerspruch zu seiner Wirklichkeit, auf den sie sich gerade beziehen will: Leben verwirklicht sich nur durch Tätigkeit, Einfälle, Ereignisse usw., die keine Schranke in sich dulden, sondern höchstens in der Vernunft der Gegebenheit (siehe Fakt) haben, in der Einsicht, dass dieses und jenes notwendig ist. Dies allerdings enthält auch die Freiheit der Kritik an Schranken, die fremde Interessen umsetzen. Aber nur für die kann ein Prinzip der Selbstbeschränkung tauglich sein.

s.a.

=> Selbstbeherrschung

Selbstbestätigung

Selbstbestätigung ist die Reflektion eigener Sinnlichkeit durch andere in zwischenmenschlichen Beziehungen. Aus ihr entspringt die Selbstachtung, die ein Mensch durch seine Selbstverwirklichung in seinen zwischenmenschlichen Beziehungen erfährt.

Sofern Selbstbestätigung nur Selbstbezogenheit bestätigt, offenbahrt sie eine zur Selbstdarstellung nötige Ästhetik (siehe Design), welche sich zur Grundlage eines ästhetischen Willens macht, den die Selbstbehauptung nötig hat.

s.a.

=> Selbstbewusstsein

=> Selbstvergegenwärtigung

Selbstbestimmung

Selbstbestimmung ist zunächst die Entgegensetzung zur Fremdbestimmung. Das Selbstbestimmungsrecht ist als Rechtsform nötig gegen die Entfremdung eigener Bestimmtheit, ist Stimme für sich selbst. Als Recht ist Selbstbestimmung allerdings nur auf Verhältnisse des Willens bezogen: Man will sich selbst bestimmen können.

Ob und wieweit mensch das wirklich kann, ist eine andere Sache. Schließlich lebt er in der Geschichte seiner Natur, im Prozess der Naturaneignung und Menschwerdung der Natur im Stoffwechsel mit ihr. Die Selbstbestimmung relativiert sich in den Notwendigkeiten seiner Freiheit, sich hierin zu entwickeln und zu bilden. Eine Selbstbestimmung hiergegen würde ihn zu einem Egozentrum der Welt machen, desgleichen auch Menschen unter Menschen. Als Begriff einer reinen Selbstbezogenheit wäre Selbstbestimmung nichts anderes als die Formulierung einer allgemeinen Egozentrik. Selbstbestimmung kann hiergegen nur das Bedürfnis nach Befreiung aus Herrschafts- und Machtverhältnissen, Emanzipation sein.

s.a.

=> Selbstverwirklichung

siehe hierzu auch den Text

Thesen zur Diskussion des Begriffs "flexible Persönlichkeit"

zitatup Selbstbewusstsein bei Hegel (Marx)
Systemup30a1 Selbstvergegenwärtigung

Selbstbewusstsein

Selbstbewusstsein impliziert Bewusstsein, das heißt: Wissen um das Sein überhaupt. Es ist die Reflektion eines Seins außer uns, das wir auch in uns selbst erkennen, wie wir uns auch außer uns finden und empfinden. Es ist das Bewusstsein seiner Selbst durch die Bestätigung seiner Äußerung und seines Wissens um sich als selbst seiendes Wesen durch seinen wesentlichen Gegenstand. Dieses besteht in der Gewissheit seiner Eigentümlichkeit, die dem Menschen in seinem Reichtum an Sachen und Beziehungen Genuss ist (Selbstbestätigung). Von da her äußert sich Selbstbewusstsein als Bewusstsein eigener Gegenständlichkeit, als Erkenntnis des eigenen Gegenstands in der Welt, gegenständliches Bewusstsein.

Unter der Bedingung des Privateigentums ist das Eigentum als Besitz verteilt, nach Maßgabe der Verwertung und der Klassen und Rollen im Wertverhältnis. Im Gefälle der Besitzverhältnisse, welche den Geldbesitzern die Verfügung über den gesellschaftlichen Reichtum gibt, wird so aus Selbstbewusstsein ein Machtbewusstsein, eine Selbstbehauptung, die sich selbst unabhängig von ihrem wirklichen Sein, und damit sich selbst bestimmend gibt.

Damit wird Selbstbewusstsein zu einem Begriff der Selbstbezogenheit, die sich auch sebst bestimmen kann. Und als Begriff der Selbstbestimmung wird er vorwiegend auch in den bürgerlichern Wissenschaften, besonders in der Psychologie verwendet. Als dieser Begriff wird Selbstbewusstsein auch in der subjektiven Philosophie, der Phänomenologie seiner Selbst im Weltsein abgehandelt, das sich nur deuten lässt. Soche Deutung bereitet in aller Regel reaktionäres Bewusstsein vor, weil es die Welt selbst zur Ungegenständlichkeit, zu einem Unding herabsetzt, dessen Bedingtheit und Wirklichkeit nicht mehr interessiert.

s.a.

=> Selbstachtung

=> Bewusstsein

Die Marx'sche Kritik am Hegel'schen Begriff des Selbstbewusstseins

zitatup1i1a Selbsterzeugung
zitatup Selbstbewusstsein bei Hegel (Marx)

Selbstbeziehung

"So mancher Hahn glaubt,
die Sonne sei nur wegen ihm aufgegangen."
(Theodor Fontane)

Selbstbeziehung an sich ist ein Beziehung auf sich selbst, die es nur durch Beziehung auf andere gibt. Vermittelst dieser ist ein Mensch für sich durch die Beziehung anderer auf ihn und er bezieht sich durch die Beziehung auf andere letztlich nur auf sich. Die Selbstbeziehung ist die aufgehobene Unterscheidung der eigenen Identität von ihrem Mittel, den anderen Menschen. Das "Ich" wird darin ein ideelles "Du", um absolutes Ich zu sein. Die Grundform hierbei ist schon im Hauptgebot des Christentums formuliert: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst". Die Selbstverliebtheit wird dadurch zum Hintergrund der Beziehung auf andere, also dieser vorausgesetzt und als Maß bestimmt. Was hierbei an Liebe gemeint sein muss, ist die Eigenliebe des durch sich selbst beseelten Menschen, der darin seine Gotteskindschaft vollzieht und sich als deren Objekt äußert. Der Liebeskreis ist durch die in der Eigenliebe hintergangene Subjektivität der Liebe unendlich, kennt weder Herkunft noch Gegenstand, ist sich selbst als Anlass genug, Totalität für sich. Die Objektivität solcher Bezogenheit erscheint unmittelbar subjektiv und stellt alle Auseinandersetzungen hierzu in eine absurd objektivierte Notwendigkeit einer "Liebesbeziehung", als welche die Beziehungen auf andere von da her erscheinen muss (siehe hierzu den Song der Haindlings "Liebe").

In der Selbstbeziehung muss der Mensch viel Selbstlosigkeit aufbringen, um sich auch wirklich auf sich selbst beziehen zu können. Er muss die Anwesenheit von Menschen erheischen, um für sich und mit sich identisch zu sein, menschliche Identität zu haben - nicht im Bezug auf andere, sondern in der Vermittlung durch andere. Gefühle hat er in der Empfindung anderer für ihn: Als Selbstgefühl. Nur dadurch, dass er in der Wahrnehmung anderer Menschen sich wahrhat, hat er auch Gefühl für sie. Es ist die Bedingung seiner Beziehung, seiner Liebe und Selbstverwirklichung; er ist lieb, um Liebe zu bekommen. Als erkennendes Verhältnis wird Liebe darin obsolet, dass sie nur aus der Anwesenheit von Liebesgefühlen besteht, flüchtig wie eine Situation, wie ein Ereignis, das genauso auch nicht sein kann, weil es wie ein Schicksal ist und Geschick erfordert. Das eigene Leben scheint darin nur gegeben zu sein, für sich nichts und daher auch in der beständigen Gefahr der Vernichtung. Diese lässt den Menschen beständig besorgt sein, dass ihm nichts vom Leben verbleibt, wenn es nicht in der Gestalt anderer Menschen anwesend ist. In der Lebensvielfalt solcher Anwesenheiten wird die Not der eigenen Isolation gewendet, ohne die das Leben Angst macht. Die Wahrheit jeder Selbstbezogenheit ist Lebensangst.

Zwischenmenschliche Beziehungen sind in der Abtrennung von ihrer gesellschaftlichen Wirklichkeit für die einzelnen Menschen Selbstbeziehungen, in denen jeder seine Egozentrik verwirklicht und darin auch wirklich für andere da ist. Sie kleidet sich daher besonders gut in Altruismus, weil sie darin ihre Selbstgerechtigkeit feiern kann..

s.a.

=> Egozentrik

=> Selbst

siehe hierzu auch den Text

Thesen zur Diskussion des Begriffs "flexible Persönlichkeit"

siehe hierzu auch den Themenabend
"Lebensangst und Kapitalismus"

siehe hierzu auch das Papier
"Lebensangst und politische Kultur"

zitatup Selbstbewusstsein bei Hegel (Marx)
Systemup30a1 Selbstvergegenwärtigung