| Buchstabe Wah | ||
Eine Wählermeinung ist eine Meinung, die sich zwischen politischen Positionen zu den Mängeln einer Gesellschaft bewegt, auf eine von denen sie sich bei der Wahl zu reduzieren hat. Diese Positionen sind Vorstellungen über die Behebung dieser gesellschaftlichen Mängel, die sich als Widerstreit der Parteien darstellen. Ihre Macht hängt von der Masse ab, welche die Wählermeinungen durch Stimmabgabe erzielen. Die herrschende Politik ist also die als politischer Wille eines Staates herrschende Masse von Wählermeinungen Zur politischen Meinungsbildung müssen sich einzelne Meinungen in ihrer Masse so verfangen, dass sie die Wahl gewinnen können. Die darin obsiegende ist die Meinung, die in den Angeboten der Wahl als Auswahl von Vorstellungen über die Behebung gesellschaftlicher Mängel massenhaft nahekommt und schließlich selbst durch ihren Wahlsieg zur Verwirklichung ihrer politischen Positionierung des entscheidenden politischen Willens ermächtigt wird - auch wenn sie für den Wähler diese Position selbst gar nicht seine Meinung umsetzen kann, da diese ohne Masse ist. Die Wahl entscheidet sich daher nicht durch die Meinungen der Wähler, sondern durch deren Verstrickung zur Masse einer Position, wie sie im Angebot der administrativen Politik aufgeführt ist. Die Kunst der Verstrickung ist die politische Propaganda, wie sie am besten von Populisten beherrscht wird. Je geringer das Entscheidungspotential und der Bewegungsrahmen in einer Sachlage besteht, desto größer ist die Wirkung des Populismus. Hierbei kann eine Wahl selbst negiert werden zu einer Negativentscheidung, wenn sie nicht mehr zwischen Positionen scheidet, sondern zwischen Negationen, also auf das kleinste Übel oder direkt als Abwehr eines Unheils gerichtet ist, das zum Heil gewendet werden soll. Die totale Form einer solchen Abwehr ist der Faschismus, der die vollständige Herrschaft des Ganzen gegen seine Verhältnisse durchsetzen will. Die Wahl des Faschismus entspringt Meinungen, welche die gesellschaftliche Kritik und Negation darin bewahren, dass sie mit der politischen Wiederherstellung eines Gesellschaftswesens zugleich eine neue Ganzheit des bürgerlichen Staates betreiben wollen, die Rettung vor der Zerstörung durch eine Staatsagentur, welche die Meinung als Volksmaß, als Gesinnung nötig hat, um die Wahl und Bewahrung eines allgemeinen, eines völkischen Selbstbehauptungsinteresses zu sichern. Es ist nicht die Kritik oder die negative Meinung des Faschismus zur bürgerlichen Demokratie, die ihn wirklich verhängisvoll macht, sondern diese selbst durch die Wahl nach Maßgabe von Wählermeinungen, die sich zwangsläufug abstrakt zu ihrem Gemeinwesen verhalten und sich in ihrer Meinungsbildung als Masse genauso zu einer Minimalisierung des politischen Willens wie zu dessen Maximalisierung entwickeln können. Dies hängt lediglich von dem Potenzial der Sachlage ab, was sich hiervon durchsetzt. Die Wahl eines Heilsprinzips geschieht in höchster Not unbegriffener Sachverhältnisse, wie sie die Köpfe und Seelen der Menschen ergriffen hat. Die demokratische Wahl treibt daher in den Zeiten der Krise selbst zum Populismus und birgt immer die Möglichkeit einer demokratischen Wahl des Faschismus. Dieser ist somit das äußerste Moment der bürgerlichen Demokratie, welches bei einer negativ bestimmten Wahl entstehen kann. |
s.a. | |
Wahn kommt von Witz und meint schon im Wortursprung so etwas wie Wahnwitz. Das Wähnen hat sprachgeschichtlich damit nicht viel gemein. Im Wahn springt man über seinen eigenen Schatten, ist dem Witz näher, den etwas hat, als der Sache. Wahn hat neuerdings zwar oft eine negative Bedeutung, die den Wortsinn aber eher entstellt und zur aufgeklärten Intervention gemahnt. Nicht mal der Wahnsinn hat solche Interventionen nötig und zeugt oft von einer größeren Freiheit als diese je vermitteln können. Auch umgangssprachlich ist das Wähnen eher auf ein objektives Unvermögen bezogen, denn auf subjektives. Wo etwas nicht klar zu sehen, zu erkennen, wahrnehmbar ist, muss es gewähnt werden. Im Wahn wird Wahrheit gesucht, geahnt oder als Wahnsinn gewährt, ohne dass dies irgendeine Gewissheit erlangt. | s.a. siehe hierzu auch den Themenabend | |
Der Wahnsinn ist ein Sinn der Sinne, eine Empfindung, die wähnt, was seelisch wahrgehabt wird, was aber nicht Empfindung sein kann. Er erzeugt Empfindungen, die Gefühle repräsentieren, die sich als seelisch begründet erweisen, ohne sinnlich wahr sein zu können. Oft geschieht dies durch Stimmen, die gehört werden, ohne dass ihr Sprecher erkennbar wäre oder auch durch Halluzinationen, die ein Befinden der Seele artikulieren, das ohne wirklichen Befund und ohne Gewissheit der Wahrnehmung ist. Er kann auch daraus bestehen, dass Menschen verschiedene Lebensidentitäten annehmen, die ihnen ermöglichen, sich in verschiedenen Welten auch verschieden zu verhalten und einzuordnen. Der Wahnsinn leidet an einer Wahrheit, die nicht sein kann, an fremder Wahrheit, die wahrgehabt und zugleich durch die Wahrnehmung selbst aufgehoben wird. Er kann als ein Selbstrettungsversuch der Seele angesehen werden, die ihre Wahrnehmung abgestoßen hat und hierdurch selbst außer sich geraten ist und ihre Angst oder Hoffnung oder Glück oder anderes als Negation des Wahrnehmbaren überhaupt lebt. Dem Wahnsinn geht der absolut isolierte Schmerz voraus. Er ist seine seelische Aufhebung, die zu einer Autosuggestion führt, die in der Seele als Wahrnehmungsidentität gegen ihn erwächst, die ihre Angst in einem besonderten suggestiven Sinn aufhebt, in einem Sinn, der ihre Wahrnehmung bestimmt und in welchem sie wähnt, sich gegen diese Angst begründen zu können - wenngleich sie hierfür ihren Körper aufgeben muss. Im Wahn erscheint sich die Seele von ihrer Angst gelöst und hat darin ihre, wenn auch unendlich zweifelhafte Selbstbehauptung als eine eigene isolierte Wahrheit, die in der Wahrnehmung selbst wahrgehabt wird. Der Wahnsinn ist eine Wahrheit, die nicht sein kann, wie sie ist, eine in ihrem Sein selbst ausgeschlossene Wahrheit, die ausschließlich und selbst auch wiederum ausschließend das treibt, was Wähnen im Sinn hat: Wahnwitz. Es ist nicht unbedingt eine gesellschaftliche Wahrheit, die da ihm Wahnsinn steckt; es ist vor allem die Wahrheit einer isolierten Seelenregung, die sich aus der Befindlichkeit der Seele selbst erklärt. Sie richtet sich in den Wahrnehmungen ein - und oft auch in den Wahrnehmungsorganen. Da werden Stimmen gehört oder Traumbilder gesehen, die wiedergeben, was alleine die Seele aus ihrer Befindlichkeit heraus erkennt, ohne dass dies irgendein anderer Mensch erkennen kann. Es sind Empfindungen aus der Befindlichkeit der Seele, also nicht Seele selbst, was der Begriff Psychose glaubhaft machen will. Die Seele als solche gibt es nicht (siehe Sein); es ist lediglich die Form, worin die Erkenntnis eingeschlossen ist und worin sich ein Mensch seelisch befindet. Da diese Erkenntnis aber auch nur für sich zwischen vielen Wahrnehmungen wahr sein kann, bewegt sich der Wahnsinn in den Extremen der Wahrnehmung als Schub zwischen Selbstüberhebung und Selbstunterwerfung, Entäußerung und Verinnerlichung oder beides in einem. Der Wahnsinn hat viele Gesichter. Allen ist gemein, dass sie einen Sinn ausdrücken, den sie nicht leben können. Er ist ein Zustand, worin die Wahrnehmung sich selbst ausschließlicher Gegenstand ist (Wahrnehmungs-zustand). Die Gefühle treten unabhängig von der sinnlichen Gegenwärtigkeit, ihrer Empfindung auf und schließen diese aus. Im Wahnsinn ist die Seele wie eine Eigenwelt gegenwärtig und von daher in höchster Weise wirklich und wirksam, ohne dass sie für sich etwas sein kann und also nichts dafür kann, was sie betreibt. Sie verharrt in einer absoluten Selbstwahrnehmung und ist im Wahnsinn eine seelische Wahrheit ihrer eigenen Lebensform, Erkenntnis seelischer Absicht, wie auch selbst die Absicht, sich in dieser und durch diese Erkennis aus ihrem Schmerz herauszusetzen. Diese Erkenntnis hat daher keine Wahrnehmung, also keinen eigenen Körper, ist aber voller Geist, Ideen, Befürchtungen, Erwartungen. Es ist eine Wahrheit des Selbstgefühls, welche die eigene Identität ausmacht, deren Wahrnehmung nicht nur bedrängt, sondern aufgehoben ist und also als Wähnung der Identitätsbedrohung unmittelbar und schlagartig an ihre Stelle tritt. Es ist eine bezwungene Identität, welcher auch wirklich einen zwanghaften Übersinn voraussetzt, in welchem das Bezwungene als Objekt, als Lebensmittel einer Sucht leben muss. Sucht ist das prinzipiell Verkannte, was das wahnsinnige Gefühl antreibt und wogegen es sich hervortreibt. Es ist zum einen selbst süchtig, weil es zu sich kommen will, wo es sich nicht finden und empfinden kann. Andererseits vermittelt sich im Wahn ein Sinn, der über die Sucht hinausgeht, der erkennt, was wirklich gesucht wird. So wird im Großenwahn z.B. nicht die Größe gesucht. Es ist das Siechtum der eigenen Identität, welche die Sucht nach Größe hervorruft, weil zuvor fremde Größe eigener Schmerz war. Zugleich erkennt der Wahn die Macht, durch welche seelische Bestimmungen zur Wirkung kommen. Er scheitert an den Möglichkeiten seiner Macht ebenso, wie an seiner Sucht nach Größe. Dem Wahnsinn verbleibt ein Gefühl, in welchem jeder Zweifel aufgelöst ist, weil er gegen die Sucht nicht möglich war (Sucht ist immer einfältig und zweifelsfrei) und weil er keine Wirkung hat. Die wirklichen Beziehungen verlaufen im Zweifel und wo der Zweifel zum Leben gebracht werden kann, entwickelt sich der Wahn auch zu eigener Erkenntnis. Alle Gefühle sind im Zweifel, bevor Wahnsinn ausbricht. Das Selbstgefühl hat dann meist einen Prozess hinter sich, in welchem es in Extreme kommt, die sich ausschließen und abschließen. Der Wahn kommt als Selbstvergegenwärtigung im freien Fall der Identität wie aus einem Zufall und ohne bestimmten Anlass. Die Stimmungen hätten es verraten können, aber der Grund steckt dennoch nicht in ihnen. Sie sind bestimmt durch ein Grundgefühl, das entweder seine Aufhebung ahnt oder fürchtet, oder das für sich selbst schon über allem vertrauten Selbstgefühl ist. Der Wahnsinn überkommt einen Menschen dann wie eine Idee, eine Beseelung oder eine Erleuchtung, in welcher Wahrheit verspürt wird, die nicht auf dieser Welt sein kann, wiewohl sie von und für diese Welt ist, eine Wahrheit, die hinter aller Wahrnehmung ist, eine Erkenntnis, die unmittelbar keinen Sinn macht, aber Sinn mitteilt. Aber sie hat ihren Raum und Körper verlassen. Der Mensch ist dadurch bei sich, dass er außer sich ist. Der Grund für den Wahnsinn steckt in einer Geschichte voller Selbstverlust und Selbstentleibung. Er setzt ein süchtiges Liebesverhältnis vorraus, das seine Wahrheit beherrscht (siehe Double-Bind), das in einem geschlossenen Lebensraum (z.B. Familie) und unter Machtverhältnissen anhaltend bestanden hat und im Gedächtnis fortbesteht. Aber der Wahnsinn besteht auch nur dadurch, dass er dieses Machtverhältnis in sich selbst weiterführt und seine zwischenmenschlichen Lebensverhältnisse hierunter fortbestimmt. Es ist daher völlig falsch, dem Wahnsinn eine besondere Wahrheit zu verleihen, so, als wäre er eine besonders tiefe Erkenntnis, so etwas, wie der Schamane unter den Eunuchen. Der Wahn verliert seine Notwendigkeit nur dadurch, dass sich ein Mensch - und meist muss es der oder die Betroffene selbst sein - zwischen die Mächte der aufgehobenen Identität, zwischen dem Nichts und nichts Anderes als etwas anderes wirklich zu machen versteht, also als wirklich veränderter Mensch fortbesteht. | s.a. siehe hierzu auch den Themenabend
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Die Wahrheit einer Beziehung besteht in ihrem Sein, also im Ganzen der Zusammenhänge ihrer Erkenntnis, in ihrer Totatiltät. Wenn ich eine Beziehung zu etwas habe, so verwirklicht sich darin auch meine Beziehung zu anderem. Wenn ich wahrnehme, so habe ich hierin alles wahr, wodurch mir dieses Gegenstand geworden ist. Die Wahrnehmung ist hierdurch eine relative Beziehung zum Wahrhaben, eine, die in sich und durch sich und für sich nur solche Wahrheit hat, die sie sich nimmt. Alle Wahrnehmungen haben einen Grund, der nicht durch sie ist, aber in ihnen erscheint. Bin ich z.B. Tourist, so ist auch meine Wahrnehmung von Land und Leuten touristisch. Was in Wahrheit Not und Schufterei ist, kann romantisch für einen Touristen sein, was Glück und Frieden für die Einheimischen ist, kann ihm öde vorkommen. Ich kann mich auch als einen ganz besonderen Touristen ansehen, beste Kommunikation und Kontakte pflegen und tiefere Einblicke in deren Leben bekommen; ich bleibe doch, was ich in meinem, ganzen Leben bin, was ich also darin wahrhabe, und sehe anderes Leben nur so, wie ich es von meinem aus auffassen kann. Eine objektive Wahrnehmung gibt es nicht, weil und sofern sie subjektiv durch das bedingt ist, was ein Mensch wahrhat. Und indem sie bedingt ist, ist sie auch nicht subjektiv, einfaches Auffassen. Sie ist objektiv und subjektiv in einem. Damit enthält jede Wahrnehmung eine zwiespältige Wahrheit: Wahrnehmung setzt einen äußeren Gegenstand voraus, also einen Gegenstand, der ein anderes Sein hat als der wahrnehmende Mensch, und sie hat zugleich die Wahrheit, die ihm durch seine objektive Bestimmtheit gegeben, wie auch dem wahrnehmenden Menschen zu eigen ist. Ich nehme wahr, was mir eine äußere Wahrheit ist und bin dabei bestimmt von dem, was für mich wahr ist. Was ich wahrhabe, kann ich nicht wahrnehmen und was ich wahrnehme, habe ich nicht wahr. Wo ich etwas finde, habe ich eine Empfindung, und befinde mich zugleich in dem, was ich wahrhabe und was ich daher fühle. In der Empfindung befindet sich auch mein Gefühl für die Wahrheit dessen, was ist. Und was ich befinde, das gründet hierauf, auf dem, was das vielfältige Wahrnehmen und Wahrhaben in mir als solche Erkenntnis und Befindlichkeit hinterlässt, was also darin meine Wahrheit ist (siehe auch Gedächtnis). Mein Leben bewegt sich in der Befindlichkeit meiner Erkenntnisse; es vollzieht und entwickelt und erweitert sich in und zwischen beidem. Alles, was ich in dieser Beziehung empfinde, ist bestimmt durch den Sinn, den ich hierfür habe, durch das Gespür, die Fähigkeiten meiner Sinne, das Gefühl, das ich in meinem Leben gebildet habe. So wie die ganze Menschheitsgeschichte nichts anderes ist als die Bildungsgeschichte der menschlichen Sinne (Marx), so ist die Bildung meiner Sinne die Entwicklungsgeschichte meines Lebens, vergangene Erlebnisse und Beziehungen und Erkenntnisse, die sich in m einer Wahrnehmung auftun. Ich habe dies als gefühlte Beziehung wahr, während ich in ihr etwas wahrnehme. Ich empfinde, was mich empfinden lässt und was ich finden kann. Der Gegenstand meiner Empfindung ist sowohl in mir, wie außer mir. Die Empfindung desselben Gegenstands kann sich vielfältig unterscheiden. Dasselbe Essen schmeckt anders, wenn ich es alleine oder wenn ich es zusammen mit Freunden einnehme, wenn ich es unter heftigem Stress oder mit sorgenvollem Gemüt verschlinge, oder wenn ich es ausgeruht und bedacht und mit Aufmerksamkeit genießen kann. Es ist die Subjektivität meiner Wahrnehmung, der Sinn, den ich nicht unmittelbar erkennen kann, weil er in meiner Wahrnehmung tätig ist. Indem ich die Gegenstände meines Lebens wahrnehme habe ich ihr Gewordensein vor Augen, Ohren usw.; ihr Werden ist dem vorausgesetzt, ist eine Wahrheit, die ich habe, indem ich wahrnehme. Es ist keine äußere Wahrheit, sondern der Grund der Wahrnehmung, der Sinn meiner Erkenntnis. Unmittelbar wahr habe ich, was ich rieche, schmecke, sehe, höre, fühle usw.. Es ist sinnliche wahr, und alles, was ich erkenne, gründet zunächst mal darauf. Dazu wäre nicht nötig, mehr zu sagen, wenn überhaupt. In der Empfindung eines Gegenstands verwirkliche ich meine Beziehung zu seinem Dasein, dem die Wahrheit seiner Geschichte inne ist wie auch die meine, ohne anders zu sein, als da zu sein. Die Empfindung realisiert dies in einer ausschließlich einzelnen unmittelbaren Bezogenheit, in welcher der Sinn der Empfindung mit ihrer Sinnlichkeit, mit ihrem sinnlichen Tätigsein eins ist. So sehr die Empfindung unmittelbar ist, so weltlich ist sie. Sie empfindet, was sie wahrhat, wie sie befindet, was sie hat. Erst in der Abtrennung dessen, was sie wahr hat, wird Empfindung zu einer Selbstbefindlichkeit des Augenblicks, zur Wahrnehmung für sich, zu einer Wahrheit, die einen anderen Sinn hat, als sich selbst, als die Befindung der Wahrnehmung. Total ist solche Beziehung im Konsum, der sich vollständig und einzig aus der Oberfläche der Sache ergibt, aus ihrem Reiz und Kitzel, der in solcher konsumhaften Empfindung ausschließlicher Bezug auf die Sache (oder den Menschen) ist, und daher alles Ausgeschlossene wahrhaben muss. Das Wahrgehabte ist die Wahrheit der Wahrnehmung und nur mit ihr zusammen ist Erkenntnis möglich. Je äußerlicher die Wahrnehmung daher ist, desto veräußerter ist auch der Sinn, den ich hierbei habe und desto umfangreicher müssen - wenn nötig - ihre "Hintergründe" erforscht werden, soll sie zur Erkenntnis gelangen, also zu einer wesentlichen Beziehung auf ihren Gegenstand werden. So äußerlich der Sinn einer Wahrnehmung sein kann, so äußerlich muss er auch sein, um nicht mit ihr zu brechen. Dieselbe Wahrnehmung kann bloßer Schall und Rauch sein, so sie nicht in selbem Sinn wahrgehabt ist. Wo ich ganz anderes wahrhabe, als ich wahrnehme, nehme ich auch anders wahr. Der Sinn von Wahrnehmung ist dann selbst bedingt, wenn er mit und durch andere Menschen vermittelt ist, wenn also zwischenmenschliche Verhältnisse diesen Sinn machen oder aufheben. Diese begründen meine Wahrnehmung durch das, was ich in der Wahrnehmung durch sie wahrhabe, was an sinnbildlicher Substanz in die Wahrnehmung eingeht und ihre Erkenntnistätigkeit begründet und was so ihre Form bestimmt, ihre Trennung von Empfindungen und Gefühlen. Die Befindlichkeit der Wahrnehmung hat daher einen anderen Sinn, als die Empfindung, hat etwas wahr, was Sinn für sich hat, was den Sinn der Erkenntnis ausmacht, ohne durch ihren Gegenstand bestimmt zu sein. Es ist das Gefühl, was unserer Wahrnehmung zu Grunde liegt, der allgemeine Sinn ihrer Erkenntnisse, ein Allgemeinsinn, der die Selbstgewissheit der Wahrnehmung ausmacht: Ihre von jedem Gegenstand unabhängige Wahrnehmungsidentität. Wir selbst erkennen sie nur negativ, z.B. wenn wir sagen: "Das kann doch nicht wahr sein!". Wir haben im Gefühl eine Erwartung von Wahrheit, welche unsere Empfindung nicht immer bestätigt. Diese Erwartung ist allgemein aus vergangener Geschichte begründet und "trägt" unsre Wahrnehmung über die Abgründe der Brüche in unserer Existenz hinweg, ist sich gleich bleibende Wahrheit über die wirkliche Gegenständlichkeit und die Wirkungen des Lebensalltags. Diese Wahrheit kann allerdings vollkommen eigenständig werden, wenn sie sich von der Empfindung vollständig trennt, wenn sie also nur zwischen bestimmten Menschen wie ein Übersinn existiert und die Form der Wahrnehmung bestimmt und ihren Sinn verselbständigt (z.B. als Angst, Depression, Zwangsgefühl, Wahnsinn). Im Unterschied zu den Lebensbedingungen, die als Notwendigleit der Existenz gelten, hat man zwischenmenschliche Wahrheit als Notwendigkeit wahr. Diese besteht in der Geschichte, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft als allgemeiner Hintersinn der unmittelbar menschlichen Beziehungen, dem Gedächtnis vom Werden und Vergehen ihres Sinnes. Sie kann von daher glücklich, bedrohlich, ernüchternd usw. sein, je nach dem, was ihr konkreter Zusammenhang ist, ohne dass dieser Wirklichkeit hat. Diese Wahrheit besteht subjektiv tätig im Gefühl und der Stimmung, die es hervorruft und ist zugleich objektiv darin, was sie als Inhalt ihres Gedächtnisses, als ihre Leidensgeschichte hat. Somit ist in der Wahrnehmung das Gedächtnis selbst als Sinn tätig, der in der Wahrnehmung von etwas als Gefühl für dieses wahrgehabt wird: bedingt durch die Umstände und Gegenstände, unbedingt als innere Gewissheit. So Gefühle begriffen werden müssen, muss der Lebenszusammenhang begriffen werden, den sie enthalten. Gefühle erkennen Zusammenhänge, sind ihre Subjektivität und verhalten sich in der Wahrnehmung einfach zum Moment des Wahrnehmens in der Empfindung. Sie können den Empfindungen darin entsprechen oder widersprechen oder sich in Selbstgefühlen (z.B. Zustände) abziehen, wenn sie ihre Empfindungen ausschließen müssen. | s.a. siehe hierzu auch den Themenabend siehe hierzu auch das Papier
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Die Wahrheit kann nicht siegen, Dass Wahrheit objektiv wäre, ist genauso unsinnig, wie die Behauptung, dass sie nur subjektiv sei. Es gibt kein an und für sich wahres Subjekt und keine wahre Objektivität. Wahrheit kann überhaupt nicht in irgendeiner Form bestimmt sein. In Wahrheit ist alles eins, wie verschieden es auch in Wirklichkeit sein mag. Wahrheit ist Identität - nicht nur in konsistenten Aussagen, auch nicht in der bloßen Schönheit (siehe Ästhetik) oder im rein materiellem Sein als solches oder in der Seele oder dem puren Erleben u.dgl.. Wahrheit ist das Ganze in jedem Moment, wo dieses im Ganzen ungebrochen, ungebrochenes Leben ist. Wahrheit setzt Wahrnehmung und auch Wahrhaben ebenso voraus, wie dies ihr auch dadurch zufolge ist, dass Täuschung in der Auflösung ihres Zwiespalts untergeht, die Wahrnehmung der Notwendigkeit ihres Zweifels folgt und mit dem Wahrgehabten vereint wird. Diese Notwendigkeit macht nicht für sich Ganzes aus, wird aber ganz im Prozess der Wahrheitsfindung aufgehoben. Das Ganze ist darin wahr, dass es alles darin in Einem ist, im Ganzen zusammenhängt, sich als Teil seiner Beziehung im Ganzen wahrnimmt und als dieses auch wahrhat. Wahrheit kann man nicht wahrnehmen, man muss sie erkennen, wo man sich sich in seiner Wahrnehmung entzweit hat, sich von sich ebenso unterscheidet wie von ihrem Gegenstand. Wo Täuschung herrscht, da ist Wahrheit eine Notwendigkeit der Wahrnehmung - und steht die Frage hiernach an, so zeigt das eine Not, der Wahrnehmung gegen ihre Wahrheit, das Prinzip, was die Wahrnehmung beherrscht, was ihre Formbestimmung ausmacht. Es ist die Logik dessen, was ihr genommen ist, die Systematik ihrer Abstraktion, die sie für sich erkennen muss, um ihren Gegenstand begreifen zu können, einen Begriff seiner Entäußerung als fremden Zusammenhang, als Entfremdung erkennen muss, um durch die Wahrnehmung auch wirklich zu werden, tätig und erkennend in einem zu sein. Jede Wahrheitsfrage hat ihren Sinn und Ursprung in der Wahrnehmung. Wo diese Frage aufkommt, ist diese im Zwiespalt. Und so zeigt hierin die Wahrnehmung, dass sie nicht erkennen kann, was sie als Wahrheit nimmt. Die Wahrheit ist ihr also noch äußerlich, ihre zweifältige Wahrheit. Es kann Wahrnehmung zwar nicht unwahr sein, aber ihre Wahrheit ist nicht durch sie. Wahrheit kann nicht genommen werden, unterscheidet sich daher wesentlich von den Gegebenheiten. Sie ist genauso in dem, was wahr gehabt wird. Wahrheit kann nur jeder Mensch für sich haben. Es liegt weder am Verständnis, noch an der Vernunft, ob etwas wahr ist. Jeder Mensch ist im Grunde nicht verstehbar und unvernünftig . Was der andere Mensch wahrhat, lässt sich nicht in der Wahrnehmung erkennen. Wer Schmerzen hat, ist darin zweifellos anders als der, welcher Schmerzen wahrnimmt, auch wenn beide in derselben Wirklichkeit sich zu einander verhalten, der eine vielleicht als Arzt, der andere als Hilfsbedürftiger. Auch ein Blindgeborener ist in gewisser Weise unverstehbar für einen Sehenden und umgekehrt. Nicht nur, weil ihre Wahrnehmung sich unterscheidet, sondern auch, weil sie ihr Leben anders wahrhaben. In der Wahrheit ist jeder Mensch nur für sich wahr, und dies macht ja eben seine Identität aus und er erleidet, was er hieran nicht erkennt, nicht als das nimmt, was es ist. Die Wahrnehmung ist für sich bloße Form einer Wahrheit, weil und sofern sie sich in ihrem Sein noch nicht wirklich bewahrheitet. Die Wahrnehmung ist lediglich das Element der Wahrheit. Sie ist also die Elementarform der Erkenntnis, ohne für sich und durch sich Erkenntnis zu sein. Das Problem der Wahrnehmung ist also nichts anderes als der Zwiespalt ihrer Wahrheit, die Wahrheit, die sie nicht haben kann, weil sie von ihr nur das nehmen kann, was sie nicht wahrhat. Von daher ist die Wahrheit darin praktisch als Zweifel tätig, der erst die Notwendigkeit einer Erkenntnis enthält. Im Zweifel erfährt der Zwiespalt der Wahrnehmung seine Wahrheit als Wahrnehmung, die gegenständlich, die also sich in ihrem Gegenstand einig wird. Sie wird darin praktisch, dass sie gegenständlich wird, ohne damit für sich gegenständlich zu sein. Sie gewinnt ihre Erkenntnis in ihrem Gegenstand, weil und sofern darin ihre Subjektivität ihr Objekt erkennt. Zugleich erkennt sie darin ihren Zweifel als wirklich begründet, sich selbst in ihrer Zweifältigkeit, die sie nicht nur äußert, sondern durch die sie auch bedingt ist. Sie erkennt ihre objektive Bedingtheit, und das ist die Arbeit ihrer Erkenntnis. Eine objektive Wahrnehmung gibt es nicht, weil und sofern sie subjektiv durch das bedingt ist, was ein Mensch wahrhat und weil sie nur wahr sein kann, wenn sie sich darin subjektiv einig wird. Und indem sie sich bedingt erkennt, ist sie praktisch, denn Wahrheit kann wesentlich nur praktisch sein. Aber die Praxis weiß von Wahrheit nur über ihre Resultate, über ihre Wirklichkeit. Insofern ist Wahrnehmung eben nicht einfach subjektiv, einfaches Auffassen, sondern auch unpraktisch, theoretisch. Sie benötigt Wissen um sich, um außer sich Gewissheit zu erlangen. Sie ist objektiv und subjektiv in einem. Damit enthält jede Wahrnehmung eine zwiespältige Wahrheit: Waahrheit, die sie nicht sein kann, die sie aber haben muss. Wahrnehmung erkennt ihre Not in dem Außersichsein ihrer Wahrheit. Sie setzt einen äußeren Gegenstand voraus, also einen Gegenstand, der ein anderes Sein hat als der wahrnehmende Mensch, und sie hat zugleich die Wahrheit, die ihm durch seine objektive Bestimmtheit gegeben, wie auch dem wahrnehmenden Menschen zu eigen ist. Die Suche nach Wahrheit ist für Menschen in ihrem Alltag schon so essenziell und wichtig, dass sie täglich Wahrheitsfragen verfolgen, auch wo sie dies unmittelbar gar nicht nötig hätten (z.B. im Kriminalroman oder Kriminalfilm). Dabei spielt man Untaten, Undinge, Fakten. Psychologie und Logik so herbei, dass sie mehr oder weniger gute Beispiele für eine gelungene Wahrheitsfindung abgeben. Und sie zeigen auch schon, was das Material einer Wahheitssuche ist - bis auf das, was Wahrheit ausmacht und was im Medium untegegangen ist: Die Identität des Dargestellten im Sein des Produzenten der Darstellung. Kein Wunder, dass ein guter Teil der Ideologievermittlung inzwischen in den täglich ausgestrahlten Filmen erfolgt, welche Ideologie ganz einfach als praktische Notwendigkeit gegen das Unheil erscheinen lassen, Wahrheitsfindung also als Erkenntnis des Bösen verkaufen. Es verbleibt das Medium selbst als die Täuschung durch das Gute, das sich als Wahrheitsvermittler auftut. Doch genau das kann nicht wahr sein. Vermittelte Wahrheit ist immer nur die Wahrheit des Mittels. Wahrheit ergibt sich zunächst aus der Überwindung einer Täuschung, aus der Gewissheit, dass, was täuschte, nicht ist, dass es nur scheinbar oder etwas ganz anderes ist, nicht wirklich da, aber eigentlich doch oder einfach nur Lüge, Ablenkung, Kitsch. Sie ist die Gewissheit von dem, was nicht stimmt, die Stimme der Gewissheit. Wahrheit ist, wo etwas stimmt, wo Bestimmungen richtig erkannt sind und also sich im Urteil hierüber richtig scheiden und entscheiden lassen. Wahr ist, was eine richtige Beurteilung ergibt und richtig ist, was dies in seiner Bewährung erweist und beweist. Doch gerade darin fängt die Befragung der Wahrheit erst an: Was bewährt sich da? Der Augenschein, der Verstand, das Prinzip Hoffnung, die göttliche Idee, die Determinanten der Natur? Die Suche nach Wahrheit befragt also genauer: Was ist von dem, was es sei, und was ist nicht da vom dem was ist. Sie selbst formuliert also schon einen Unterscheid von Seiendem und Sein, ist selbst schon eine Daseinsfrage. Hinter jeder Wahrheitsfrage steckt also immer schon die Frage nach einem Grund für das, was so ist, wie es ist, ein Wissen, dass ohne Grund nichts sein kann. Die Wahrheitsfrage ist eine Seinsfrage, also unabhängig von der jeweiligen Zeit, zeitlos. Sie ist außerhalb der wirklichen Geschichte, Reflektion ihrer Wirklichkeit und ihres Grundes. Sie ist die Frage, ob das, was geschah, geschieht oder geschehen wird, wirklich wahr ist. Ist das, was geschieht, auch wirklich so, wie wir es denken? Sie kann aber auch im Interesse einer Lüge gestellt werden als eine Wahrheitsbehauptung oder Unwahrheitsbehauptung, worin alleine eine Täuschungsabsicht Wirkung erzeugen will, dass das, was ist oder war, nicht gewesen sein könne (vergl. z.B. die Holocaust-Verleugnung). In jedem Fall entsteht die Frage, ob das, was ist, auch so ist, wie es scheint, wie es dem Augenschein nach ist, ob es also das ist, als was es wahrgenommen wird. Jenseits hiervon oder zugleich kann die Wahrnehmung auch selbst unwahr sein, befangen von ihrem eigenen Sein, im Wahn oder in zwiespältiger Beziehung oder ähnlichem. Auch hierzu besteht die Frage nach ihrer Wahrheit: Ist sie wahre Wahrnehmung oder ist die Wahrnehmung selbst geblendet, bedrängt, ungenau, verrückt, irre usw.? So entwickelt sich die Frage nach der Art und Weise des Wahrnehmung, ob, wie wir die Welt wahrnehmen, sie auch so ist, dass wir sie verstehen können, so dass sie sich uns auch erschließt. In allen möglichen Erkenntnistheorien wird daher die Frage verfolgt, ob es eine eigenständige Wahrheit, etwa eine Vernunft der Wahrnehmung gibt, der wir folgen müssen, um Wahrheit erkennen zu können, oder ob es das Unhinterfragbare an sich, das Undenkbare, einen Gott gibt, der uns lediglich seinen Ratschluss erkennen lässt. Doch all dies widerspricht unserer Fähigkeit, solche Frage überhaupt stellen zu können, unserer Selbstevidenz, die ihr schon vorausgesetzt ist. Mit der Hinterfragung der Wahrnehmung aber ist das Wahrgenommene nun schon doppelt in Frage gestellt, sowohl für sich wie auch durch die Wahrnehmung: Gibt es das überhaupt, gibt es das wirklich, oder ist es nur scheinbar (siehe Schein), unwesentlich. Ist es ein wirkliches Wesen oder ist es wesentlich unwirklich oder ist es beides in einem? Am schwersten ist die Frage nach der Wahrheit zu beantworten, wenn sie unmittelbar zwischen den Menschen steht, wenn sie sich um ihre Wahrnehmungen streiten, sich ihre Wahrnehmung streitig machen. Da geht es dann um die Wahrheit des Lebens selbst, um Liebe und Hass, um das, was Leben und das, was Tod ist, was die Menschen für sich selbst in Wahrheit sind, was überhaupt in ihnen lebend und was tot ist. Es ist für jeden Menschen die innigste Identitätsfrage die Frage, was er überhaupt von seinem Leben kennt und erkennt. Wenn in solcher Selbsterkenntnis Menschen seelische Macht über andere gewinnen, entsteht im Streit um die Wahrnehmung Irrsinn, pure Gewalt gegen die Wahrheit, gegen Identität schlechthin. Daran werden die Menschen beiderseits der Wahrheit verrückt: Die Besiegten und die Sieger. Wer die Wahrheit nicht erkennen will, der steht in der Bestimmung einer Negation seiner Kenntnisnahme, im Nichts, und betreibt durch die Erzeugung von Nichtigkeit Vernichtung: Abtötung, Abstumpfung, Verdummung. Das Leben selbst steckt in allen Wahrheitsfragen, ist die Wahrheitsfrage schlechthin: Was ist wesentlich Leben, was Scheinwelt, was Täuschung? Was verstellt uns unser Sein, was macht es unwesentlich, fremd, tot? Was hat die Kraft hierzu? Ist es ein Unwesen, eine Macht der Phantasie oder der Täuschung? Und worauf sieht es dieses ab, wovon sieht es ab, worauf reduziert es sich, was ist seine Absicht, was macht es wesentlich und was bringt es zur Verwesung? Um das zu erkennen, muss ich es herausfinden. Erkenntnis hat Wahrheit nötig, ist ihre Formulierung. Was ich erkannt habe, das halte ich auch für wahr. Es gibt verschiedene Erkenntnistheorien zur Wahrheitsfindung, die aber alle in dem Mangel stehen, Wahrheit als prinzipiell vorhanden vorauszusetzen und den Prozess des Lebens als etwas abgetrennt Objektives, als Objektivität schlechthin zu unterstellen, somit Wahrheit auf eine Frage der Logik der Wahrnehmung zu reduzieren, die sich sprachlich artikuliert, die nur wahre oder falsche Aussage kennt. Aber die Frage nach der Wahrheit ist eine Frage der eigenen Identität, der Gewissheit darin, worin ich mir in meinem Leben einig bin, z.B. in der Frage: will ich, meine ich das wirklich, ist das richtig, was ich da sage oder tue oder fühle usw. Die Frage nach der Wahrheit wird gestellt, weil man sich im einzelnen seiner Wahrnehmung und Tätigkeit nicht trauen kann, sich also nur etwas zutrauen kann, wenn man es im Ganzen erfasst hat. Wie im Kleinen, so ist es auch im Großen. Das wirkt auch in jedes einzelne Dasein hinein und macht seine Wahrheit wesentlich aus. Was ich für mich bin, wird auch nur im Verhältnis zu anderen wahr. Nichts kann wahr sein, das von seinem Gegenüber nichts weiß, dem Zusammenhang, in dem es steht, in dem es selbst gegenständlich ist, seiend für sich und für andere. In der Beziehung auf anderes und andere verhalte ich mich auch zu mir, wie ich mich auch zu anderem verhalte, wenn ich mich auf mich beziehe. Dies verändert keine Abwesenheit oder Anwesenheit, wenn es wahr ist. Meine Selbstgewissheit hat solche Gegenwärtigkeiten nur als Umstand, als Erleben, nicht wesentlich. Sie ist nur davon abhängig, wie gewiss ich mir meiner Welt, meiner Zugehörigen, meiner Gesellschaft usw. bin. Die individuelle Identität ist immer Teil der menschlichen Identität überhaupt. "Wahr ist nur das Ganze" (Hegel). Dadurch, dass die Wahrheitsfrage meist auf Sprache, auf die Qualität von Aussagen reduziert wird, ist ihre sinnliche Grundlage unbefragt, der Wahrnehmungsprozess als selbstverständlich und natürlich vorausgesetzt, der entweder in sich scheitert (verrückt oder irrsinnig wird) und von daher aus der Wahrheitsfrage ausscheidet, oder "konsistent" ist und Aussagen erzeugt, also Wahrheit diskutierbar macht. Im Diskurs wird damit Wahrheit als logisch obsiegende Behauptung ermittelt. Nach allem, was bisher mit Wahrheitsbehauptungen angestellt wurde, würde man gerne sagen, dass es Wahrheit nicht gibt. Doch dieser Satz selbst wäre schon widersinnig, weil er dann auch nicht wahr wäre - eben weil es keine Währheit geben dürfte. Es ist wie beim Paradox des Epimenides, der das Problem mit der Wahrheit durch den Satz "Ich bin ein Lügner" evident gemacht hat: Wäre er wahr, so wäre er notwendig falsch, denn er kann nur wahr sein, indem er unwahr ist. Das Problem, was Wahrheit, was Täuschung ist, bleibt uns bis in die höchsten Sphären der Philosophie und Mathematik. Schien doch bislang wenigstens in der formalen Logik die Wahrheit einer Schlussfolgerung gesichert. Doch selbst dort herrscht seit der Entdeckung des Russel'schen Widerspruchs die Wahrheitskrise Man könnte fast behaupten, dass Wahrheit nichts anderes sei, als die Erkenntnis von Täuschungen, das Vermögen, Vertauschtes mit Gewissheit zu unterscheiden, zu erkennen, dass etwas in anderem erscheint. Aber Wahrheit bliebe so nur subjektiv, reine Erkenntnistätigkeit, die in einer unendlichen Wahrheitssuche von einer Erkenntnis zur nächsten fortzuschreiten - etwa, wie dies der kritische Rationalismus ausgemacht hatte. Tatsächlich aber zeigt sich eine solche Täuschung, worin etwas Wesentliches anders erscheint als es ist, auch objektiv, z.B. als die Gegebenheiten des Alltags (siehe z.B. Geld und Kapital) oder auch an den Menschen selbst (siehe z.B. Psychische Symptome). Was einfach wahrgenommen nur praktisch gut und nützlich scheinen kann, kann zugleich in seiner Güte nicht wirklich wahr sein, sondern erbringt Unnutz und Entfremdung. und manchmal auch Zerstörung (siehe Krise). Wodurch ist dies beides, die so gut scheinende Entfremung möglich, die eine so verheerende Unwirklichkeit hat; wodurch erkenne ich sie, ihre Wahrheit? Ist es eine metaphysische Wahrheit, die Leben nicht als das sein lässt, als was es erscheint? Oder ist es die Vernunft, der Verstand, die Gewissheit, die mir die Wahrheit sichert, auch wenn sie mich erschlägt? Oder ist es die Dialektik an sich oder die Rückführung des Seienden auf seine Ontologie (Heidegger)? Zunächst zur Mytologie: Nichts kann sein, was nicht wahr sein kann, aber das Sein hat keine Wahrheit für sich. Es gibt viele Wahrheiten, aber die Wahrheit ist nichts jenseits von sich, aber auch nichts durch sich selbst. Kein einziges Computerprogramm könnte funktionieren, wenn es nicht zwischen wahr und unwahr (zutreffend und nicht zutreffend, 1 und 0, an und aus) unterscheiden könnte. Aber was soll wahr daran sein, wenn das Zutreffen ein beliebiges Treffen ist: Es bleibt doch bloßer Zufall, der nur in einer binären Konstruktion gebahnt ist und jenseits davon auch nur als Zahl oder Zahlenwerk oder Information wahr werden kann! Ist eine Zahl nicht dasselbe wie eine etwas abstraktere Mythologie, oft als Wahrheitspseudonym irgendeiner Statistik, die durch irgendeine andere "widerlegt" wird? Was also ist wahr, wenn es kein wahres Sein gibt? Ist es das wahre Bewusstsein, das vernunftbegabte Wissen der Aufklärung, das Wissen, das durch "wissenschaftliche Methodik" geprüft und durch konsistente Theorie interpretiert, beurteilt und hierdurch bewiesen oder abgewiesen, also wahr oder falsch ist? Dann wäre die Vernunft der Wissenschaft der Anker der Wahrheitssuche und das hierdurch geklärte, also das aufgeklärte Wissen die Wahrheit schlechthin, die Wahrheit der Proffession. Als Laien hätten wir ihr Folge zu leisten! Doch Vernunft gilt für den Aufklärer selbst nur als Prinzip und hat als solches nur eine Regel, aber längst noch keine Wahrheit. Im Gegenteil: Sie enthält ja geradezu eine gewaltige Täuschung über die notwendige Regelwidrigkeit der Regel, damit sie Sinn haben kann: Wo alle das tun, was notwendig ist, kann nichts wirken, nichts wirklich sein. Gerade deshalb besteht ja auch die Regel, weil sie gegen das Regelwidrige gestellt, hieraus sortiert ist Wahrheit für sich ist immer unauflösbar, weil es sie nicht durch sich selbst gibt. Der Verstand mag die Funktion unserer Auffassung erfüllen, aber auch was wir nicht verstehen ist dadurch nicht unwahr, nur weil wir keinen Verstand dafür haben, etwas nicht fassen können. Letztlich geht es doch darum, ob unser Wissen über das was ist, unser bewusstes Sein, unser Bewusstsein, wahr ist, ob wir und dessen gewiss sind, was ist und dies auch wissen. Dies macht das Wissen in uns, das selbstgewisse Sein in der Welt und in uns, im Gefühl, im Gedächtnis, in uns als ganzen Menschen aus. Es geht darum, worin wir uns in der Welt einig sind, worin wir uns selbst in ihr auch erkennen können, was uns darin zu eigen ist, Sinn für uns hat und unsere Sinnlichkeit ausfüllt, weil wir darin sinnlich sind und uns äußern, also leben. Es gibt zwar keine Wahrheit des Seins (siehe Ontologie), aber es gibt eine Wahrheit der Erkenntnis darin. Wahrheit ist die Einheit der Erkenntnis im Sein mit ihrem Gegenstand. In Wahrheit ist alles eins. Das Unwahre gibt es nicht (siehe Kritik an Adorno). Das Resultat der Erkenntnis ist das bewusste Sein als Bewusstsein. Gegenstand der Wahrheitsfrage ist das Fremde. Die Frage nach dem Sein ist in sich, das heißt, in dem, was damit ist, evident falsch. In der Frage nach dem "Sinn des Lebens" erschließt sich eine Entfremdung von dieser Sinnlichkeit, ist der so fragende Mensch sich doch seines Lebens selbst nicht gewiss und also auch unfähig, wirklich zu zweifeln. Der Grund für die Frage nach der Wahrheit ist diese Entfremdung des Lebens selbst, die Hinterfragung, ob es überhaupt ist und ob dies eigentlich Leben, eigentliches Sein, lebendige Eigenschaft des Menschseins ist - ein Widersinn in sich. Hiernach ist die wesentliche Vorraussetzung zur Wahrheitsfindung die Unterscheidung von Eigenem und Fremden. Fremdes wäre aber bloß unheimlich, wenn es nichts eigenes wäre und Eigenes wäre unsinnig, wenn es nicht geäußert würde. Fremdes als Form von Eigenem wiederum könnte nicht einfach fremd sein. Es bleibt alles in sich eins, wenn es wahr sein soll, und nur deshalb erkennen wir auch seine Entfremdung: Nur sofern wir uns in der Welt erkennen, können wir auch ihre Entfremdung von uns erkennen. Die Erkenntnis der Entfremdung ist nichts anderes als die Erkenntnis des Eigenen im Fremden und ich kann dies nur erkennen, wenn ich meine Wahrheit in allem erkenne. Kurz gesagt heißt dies: In Wahrheit ist alles eins. Die Wahrheit als Ursprung und Resultat aller Erkenntnis ist die Gewissheit, im Einzelnen wie wissendes Sein überhaupt. Sie ist die Basis eines jeden Wissens und dessen Errungenschaft zugleich, dessen Himmel und dessen Hölle. Solche Erkenntnis kann nicht einfach sein, sie selbst ist der geschichtliche Akt des leibhaftigen Bewusstseins, das sich handelnd und fragend verhält, so praktisch (praktisches Bewusstsein) wie theoretisch (theoretisches Bewusstsein) als fortschreitende Selbstgewissheit ist. Gewissheit kann nur wahr sein, wenn sie keine Ungewissheit enthält. Das mag bei einem heißen Ofen noch leicht auszumachen sein, sind doch die Sinne sich zumindest dort gewiss, wo sie Gefahr für Leib und Leben erkennen. Dies aber ist nicht einmal eine Wahrnehmung und bedarf keiner Gedanken über Wahrheit: Der heiße Ofen ist so gewiss, wie er schmerzt. Aber wo die Dinge oder Ereignisse nicht so gewiss sein können, ist ihre Wahrheit nicht alleine schon mit einer einzigen Empfindung gegeben. Sie sind für uns ungewiss, soweit sie auch für sich bestimmt erscheinen. Was in unserem Leben täglich aufgeht weil wir selbst darin aufgehen, bewährt sich von selbst. Was wir darin bewirken, ist für uns selbstverständliche Wirklichkeit - fast schon Gewohnheit. Ungewiss und daher im Zweifel ist eine Wirklichkeit, die eine Wirkung auf unsere Selbstgewissheit hat, die nicht unmittelbar sinnlich ist, aber unser Leben voll und ganz betrifft. Da besteht Zweifel über den Grund solcher Wirklichkeit und es muss sich Gewissheit erst einstellen, sich uns erschließen, bevor es uns bewusst sein kann. Damit jedoch ist unser Leben nicht falsch. Es ist aber als solches unkenntlich, soweit wir es nicht in unserer Wirklichkeit erschlossen und uns selbst darin lebend erwiesen haben. Es kann uns selbst unwahrhaftig erscheinen, wenn wir Sachen, Bilder, Lebenswerte, Gefühle oder Gebote in uns aufnehmen, die nicht für uns wahr sein können. Wir müssen also beurteilen können, was für uns wahr ist, was wir daran finden und wie wir es finden. Die Frage nach der Wahrheit verlangt also eine notwendige Reflexion unserer Empfindung - nicht, weil sie selbst zweifelhaft oder zwiespältig wäre, sondern weil sie nicht unmittelbar als Erkenntnis in unserer Wahrnehmung aufgeht. Die Frage nach der Wahrheit ist also die Frage nach einer Vermittlung, die uns nicht gewiss ist und die wir noch nicht wissen, solange wir uns nicht darin gewiss sind, was uns fremd bestimmt, was also unsere Selbstentfremdung bewirkt. Doch die Frage greift weit, enthält sie doch die Befragung unserers Daseins überhaupt: Wo kommmen wir her, wo gehen wir hin, was ist der Sinn aller Beziehungen, Zusammenhänge und Vermittlungen? Nur ein Gott kann in Sachverhalten oder in menschlichen Verhältnissen eine Wahrheit vermitteln, die als Gebot einer höheren Ordnung besteht, z.B. als Sünde gegen Gott oder als Erkenntnis Gottes ("Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen"). Gottesurteile sollen menschliche Beurteilung unmöglich machen, wollen eine höhere Wahrheit verkünden, welcher der Mensch unterworfen sei - und sie sind für Menschen wahr, die sich unterworfen sehen und verstehen. Um sich solchem Urteil zu entwinden, muss erkannt sein, was den Menschen ausmacht, was sein Leben und Sein außer Gott ist. Um dies zu beurteilen, muss das Leben überhaupt erschlossen sein. Da sind wir noch nicht allzu weit gekommen. Wir wissen, wie es funktioniert und können in dessen Funktionen sogar schon tief eingreifen. Aber die einfachsten und umfänglichsten Probleme des Lebens, Hunger und Krankheit weltweit, der Gegensatz von Armut und Reichtum, Krieg und Frieden, die ökonomischen und kulturelle Krisen und die Zerstörung der Lebensbedingungen, der Artenvielfalt und Ressourcen treiben sich in erschreckendem Ausmaß in einer Art und Weise fort, dass zu fürchten ist, dass wir unsere eigenen Lebensgrundlagen deshalb zu zerstören im Begriff sind, um ihre Zerstörung zu überleben. Das ist ein Widersinn in sich. Man muss sich der ganzen Zusammenhänge des Lebens, seiner Ganzheit gewahr werden, um zu einem Ur-Teil zu gelangen, zu einem Teil, das alle Wahrheit seines Zusammenhangs enthält. Das umfasst das Wissen um die Gründe, um die Folgen, die darin angelegt sind, die Unterscheidung von Ursache und Wirkung, Form und Inhalt und die Erkenntnis des Wesentlichen, das in allen Erscheinungen des wirklichen Zusammenhangs ist. Im Zusammenhang all dieser Momente kann ich es begreifen und habe einen Begriff von ihm. Ich kann solche Ganzheit als Gefühl haben oder als Erkenntnis im Geist, letztlich ist sie identisch darin, dass ich mir dessen gewahr geworden, also auch mit mir im Verhältnis hierzu einig bin (siehe Identität). Wahrheit ist das Problem von Erkenntnis schlechthin. Wann weiß ich, was wahr ist, und wie kann ich es wissen? Die Erkenntnis von allem Seienden, die Erkenntnis des Seins überhaupt macht diese Frage - selbst als Hinterfragung der Frage nach der Wahrheit. Ist die Frage nach der Wahrheit überhaupt möglich? Muss Wahrheit nicht selbst evident sein? Kann es sein, dass der oder die Fragende sich in der Frage schon selbst betrügt, - so, als gelte es, einen Gottesbeweis der Wahrheit anzutreten? Friedrich Nietzsche hat den Christenglaube an die Erlösung, an den Gottmenschen, der von sich sagt: "Ich bin die Wahrheit und das Leben", als die größte Lüge der Menschheit bezeichnet. "Gott ist tot!" ist ein gewaltiger Protest gegen die Lebenstäuschung einer Heilserwartung. Doch hat Nietzsche zugleich den Menschen die Fähigkeit zur Wahrheit abgesprochen und das Heilsprinzip durch den Übermenschen ersetzt. Die religiöse Spekulation war lediglich profan geworden und damit nicht wahrer, nein, die Entstellung selbst sollte bei ihm zum Prinzip der Wahrheit werden, welche das Verborgene zum Leben bringt: zum Kampf der Kultur zwischen Horde und Herrschaft. Und der wurde zum Zynismus gegen die Widersprüche der Menschen selbst, zum Herrschaftsbewusstsein der Bohème, das mit der Kritik am Glauben zugleich die subjektive Kraft jeder gesellschaftlichen Veränderung zerstört: Die Menschenliebe. Die Kritik der Täuschung muss die Ent-Täuschung in der Erkenntnis überstehen, dass sie selbst nicht wahrer ist als sie. Es bliebe eine Falle der Erkenntnis, wenn die Frage nach der Wahrheit nicht zur Befragung ihres Gegenstands, der menschlichen Wirklichkeit wird: Was ist wirklich wahr, wenn Wahrheit nicht wirklich ist? In Wahrheit ist alles eins. Wahrheit gibt es nur in der Einheit des Ganzen. Sie erweist sich als Identität des Vielfachen darin, wenn sie dessen Teilung und Bezogenheit begriffen hat und sich dieser Begiff in allen Bewegungen des Ganzen bewährt. Wahrheit kann also nur die Bewährung des Begriffs sein; und weil er nur durch sie Begriff ist, ist Wahrheit Begriff. Sie hat kein Sein und keine Gegenwärtigkeit, kein Wesen für sich und ist nur durch die begriffene Bestimmtheit seiender Beziehungen in menschlichen Verhältnissen. Wahr oder unwahr kann also nur der Zusammenhang von Erkenntnissen sein, die sich widerspruchsfrei oder widersprüchlich begreifen lassen. Die Wahrheit besteht allein in der Fähigkeit, Täuschung nachzuweisen und der Ideologie die Scheinhaftigkeit ihrer Begriffe als ihren imanenten Willen zu entnehmen. Wahr kann nur die Einheit im Begriffenen sein, die im Begriff der Verhältnisse entfaltet ist. Die Gegenwärtigkeit, unmittelbare körperliche An- oder Abwesenheit ist hierbei gleichültig (Ausschwitz muss man nicht erlebt haben, um es als geschichtliche Wahrheit zu erkennen, wenn man die Bestimmungen des Faschismus verstanden hat). Wahrheit mag als Wort ein Begriff der Erkenntnistheorie sein. In Wirklichkeit existiert sie aber als Prozess auch materiell und sinnlich in der Empfindung, die in der Täuschung lebt, im Widerspruch von Wahrhaben und Wahrnehmen, der sich in dem aufhebt, was wahrgemacht wird. Es ist dies die Form der Erkenntnis, welche als System isolierter Wahrheiten die bürgerliche Kultur ausfülltt. Wahr oder unwahr ist so auch ein Sinn, der Sinn für eine Täuschung. Er erweist seine Wahrheit nur praktisch, z.B. in der Kunst oder Sprache oder im Gefühl im sinnlichen Verhältnis von wesentlicher und scheinhafter Empfindung oder auch als Leben in fremder Wahrheit (Verrücktheit). Es gibt keine wahre oder unwahre Empfindung, wohl aber Empfindungen, die Absichten oder Willen enthalten und daher nicht ihre Bestimmung finden, weil sie wahrmachen müssen, was sie fühlen wollen, um sinnliche Identität zu haben (siehe z.B. Wahnsinn, Zwang, Sucht, Depression). Es sind scheinhafte Empfindungen, in welchen Menschen ihre Widersprüche zu ihren eigenen Gefühlen mächtig verneinen und die in dieser Selbstverneinung auch erweisbar sind als objektive Gefühle. Wahrheit kann in der Wahrnehmung bedrängt sein durch seelische Absichten. Dies kann Menschen ihre Wahrheit (Identität) nehmen oder stören (Verrücktheit), wenn sie diese als als Lebensbedingung haben. Oft ist die Bewahrung der persönlichen Integrität innerhalb kultivierter Lebensräume der Grund, warum die von solchen Personen abhängigen Menschen verrückt werden. Die Relativierung des Wahrheitsverständnises wird neuerdings mehrfach in psychologischer Absicht betont (vergl. Foucault). Bei Nietzsche wird dies noch begründet. Er weist sich in seiner Philosophie der Verstellung selbst aus. Und er sagt auch warum. Wahrheit ist relativ, weil sie einem anderen Prinzip unterliegt, das für Nietzsche und Nachfolger das höchste Prinzip der Natur ist, absoluter Ursprung des Lebens: Der Wille zur Macht. | s.a.
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Die Wahrnehmung kann in der Beziehung auf sich selbst nicht wahr sein; sie kann ihren Gegenstand für wahr halten, aber sie kann ihn nicht wahr erweisen, nicht beurteilen, also nur sich selbst als Prozess der Erkenntnis wahrhaben. Hierdurch bleibt sie als Selbstgefühl für sich und hat ihre einzige Wahrheit in ihrem Lebensraum und nur darin, dass sie darin ihren Gegenstand wahrhat, dass sie also nur verspürt, in welchem Werden, in welchen Zusammenhängen er steht. Wo sie ihn nicht hat, aber für ihr Selbstgefühl einen Gegenstand der Wahrnehmung nötig hat, muss sie ihn sich wahr machen, muss sie ihn so wahrnehmen, wie er für die Wahrnehmung sein muss, wie er für ihr Gewordensein und Werden da ist. Dies kann nur eine dem Gegenstand völlig äußerliche Wahrnehmung sein, eine Wahrnehmung, die sich nicht für ihn interessiert und keine Beziehung auf ihn hat. Es ist die Wahrnehmung, die nichts wahrhat außer sich und die sich daher selbst außer sich wahr macht, indem sie ihren Sinn als Sinn von sich veräußert. Dadurch, dass ich meinen Sinn als Sinn für mich wahrmache, hebe ich die Wahrheit der Wahrnehmung in mir auf, entziehe ich den Sinn, den ich darin wahrhabe, von seinem Gegenstand. Dies machen die Absichten, welche die somit entäußerte Wahrnehmung hervortreibt und die alle seelischen Bewegungen bestimmen und ausmachen. Ein Mensch macht sich wahr, indem er seine Selbstwahrnehmung, seine Selbstgefühle, Regungen und Erregungen zu einer Wirklichkeit der zwischenmenschlichen Beziehung macht. Indem er sich so zu einem Ganzen seiner Welt macht, macht er sich in der Welt wahr - selbst wenn er dabei lügt. Seine Wahrheit besteht aber nur in der Möglichkeit, wieweit er so leben kann, gründet also auf dem Verhältnis, das er wahrhat und das daher auch seine Wahrheit beschränkt. | s.a. | |
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Wahrscheinlichkeit besagt, das etwas nicht zufällig ist, sondern dass es dem Anschein nach begründet ist, auch wenn kein Grund bekannt ist. Etwas ist dem Schein nach wahr, es ist scheinbar wahr, ohne dass es wesentlich ist, ohne dass es ein Wesen hat. Etwas kann nicht scheinbar wesentlich sein. Wesentliches hat Grund durch sich. Die Wahrheit ist in der Wahrscheinlichkeit verneint, selbst zum Schein gemacht. Wahrscheinlichkeit wird durch ein Kriterium des Anscheins festgestellt (z.B. als Hypothese), meist als Relation, die zahlenförmig bemessen wird, zum Beispiel durch Statistik. Wahrscheinlichkeit wird darin als Erwartungsquote des Zutreffens einer Aussage gewertet. Diese wird in Prozentzahlen als Grad ihrer Wahrheit, als Quote der Verifikation einer Aussage formuliert und als Beweisfähigkeit eine Quote der Signifikanz festgelegt (z.B. 95% als Grad der beweisfähigen Verifikation, als Signifikanz). |
s.a. | |
Die Währung ist der Begriff des Wechselkurses, worin die Produkte eines Landes mit denen anderer Länder getauscht wird. Die Währungen werden dabei für sich in der Geldform des Kapitals auf dem Devisenmarkt gehandelt. Die Deckung einer Währung macht ihre Sicherheit aus, also das, was letztlich immer dafür eintauschbar ist, wenn alle anderen Waren sich nicht mehr wertmäßig darstellen lassen. Das unterstellt, dass alles zirkulierende Geld nicht nur durch die zirkulierenden Waren sich deckt, sondern eigens durch einen Schatz (z.B. bei der Buindesbank) gedeckt ist, mit dem es jederzeit als eigenständige Ware ersetzt werden kann. Eine Währung muss gedeckt sein, damit der Markt überhaupt wertmäßig stabil, also weder inflationär noch deflationär ist. Produktionsversprechen können hierfür nicht hinreichen, weil schon durch den Tauschakt selbst die Wertlage verändert wird, ein Produkt heute dies, morgen jenes wert sein kann, je nachdem, wie es sich aus dem gesellschaftlichen Durchschnitt der aufzuwendenden Arbeitszeit und in der Entwicklung der Produktionstechnik jeweils ergibt. Es muss das Äuquivalent über die einzelnen Tauschakte hinweg stabil existieren und sich daher in einer wirklichen Ware auch darstellen, die relativ frei von derlei Zeitumständen ist. Wer Geld zu einem Preis handelt, durch den es nicht wertmäßig zu sichern ist, der bestielt seinen Handelspartner um die entsprechende Wertabweichung beim Einkauf von dessen Waren. Im selben Maß kann ein abhängiger Partner durch seine wirtschaftliche Unterlegenheit erpresst werden, wenn er zum Beispiel Medikamente oder Maschinen nötig hat, aber ungleich viel mehr Wert in Form von Arbeitsprodukten oder Rohstoffen von ihm eingebracht werden muss, um an diese Güter zu erlangen. Diese Sicherheit war bis zur Weltwirtschaftskrise 1921-1929 durch Gold gewährleistet, aber in dieser Krise aufgebraucht, um Gold als Wert einzusetzen und das Wertloch der Banken und des Staates zu stopfen. Von daher löste Präsident Roosevelt diese Deckung erstmals auf, was indirekt auch einen wilden Markt in Europa entwickelte, auf dessen Boden der Nationalsozialismus sich vervollkommnete. Durch die Verträge von Bretton-Woods (1946) wurde die Golddeckung dann zur Verhinderung einer erneuten Weltwirtschaftskrise weltweit als verbindlich eingeführt. Die USA sollten mit ihrem Dollar zur Leitwährung werden, indem dieser durch das Versprechen der USA jederzeit von ihr durch Gold eintauschbar sein sollte. Hierdurch waren die USA zum einen Währungsgarant und mussten Gold horten, zum anderen aber konnten sie damit auch Geschäfte machen, dass sie die Wechselkurse weitgehend bestimmen konnte (z.B. war die DM in der Zeit vor der Aufhebung der Golddeckung nur die Hälfte von dem wert, was sie danach war). Im Anschluss an diese Währungssicherung entstand die Sicheung des Dollars durch Öl. Es entstand der sogenannte Petrodollar. | s.a. | |