Von der Gruppe „Kritik im Handgemenge“ Bremen

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Kaum zu glauben!

Kritik der Religion

„Der Mensch hat zwei �berzeugungen.
Eine wenn’s ihm gut geht und eine, wenn’s ihm schlecht geht.
Letztere hei�t Religion“
(Kurt Tucholsky)

Religion ist der Glaube an �bernat�rliche M�chte. Diese sollen die Welt und die Menschen — wenn sie sie nicht sowieso gleich geschaffen haben — beherrschen und leiten. Sie greifen angeblich in das Weltgeschehen ein; und fast jede Religion verspricht bei entsprechendem Wohlverhalten wenn schon nicht Gl�ck und Erfolg im Diesseits, zumindest ein besseres Leben nach dem Tode (Christentum, Islam, Judentum, Sikhs, Bahai), eine Wiedergeburt in der Luxusklasse (Hinduismus, Mormonen) oder aber doch wenigstens den Ausstieg aus dem Wiedergeburtskarussel (Buddhismus).

Entstanden ist Religion als Versuch des Menschen Natur zu beeinflussen. Magische Praktiken sollten den Menschen Jagdgl�ck, richtiges Wetter f�r gute Ernten, Schutz vor Seuchen und Krankheiten, gesunden Nachwuchs usw. bringen. Und auch solche Dinge, die mit Natur nicht unbedingt zu tun haben, wie z.B. Kriegsgl�ck. Die Verwandlung der unbegriffenen und unbeherrschten Naturm�chte (Blitz, Donner, Wind, Regen, Sonne) in ansprechbare menschen�hnliche G�tter war — auf welche verr�ckte Art und Weise auch immer — eine Form, in der sich Menschen zu Herren der Natur erkl�rten.

Beeinflussung des (scheinbar) Unbeeinflussbaren

Heute sieht es mit dem Wissen �ber Naturzusammenh�nge und ihre Beherrschbarkeit besser aus; wenn heute Abholzung f�r �berschwemmungen, Co�-Emissionen f�r Treibhauseffekte und AKW-Unf�lle f�r Leuk�mie-F�lle sorgen, liegt das nicht am mangelnden Wissen. Der Religion hat dies bedauerlicherweise nicht geschadet. Ihre zentrale Attraktivit�t ist weiterhin die Beeinflussung des (scheinbar) Unbeeinflussbaren: Sei es gesellschaftlicher Verh�ltnisse, die das Individuum allein nicht �ndern kann (Arbeitslosigkeit, Armut, gutes Abschneiden in der Konkurrenz), sei es von Dingen, die auch die vergesellschaftete Menschheit wohl nicht ganz wird abschaffen k�nnen: Liebeskummer, Krankheit, Tod. So kann jeder Pickel und jede 6 in der Franz�sisch-Klausur als Gottes Strafe verstanden werden, umgekehrt das gegl�ckte Date und das bestandene Abitur als Belohnung. Dies leistet die Religion durch die Subjektivierung des Objektiven: Statt einer schlecht eingerichteten, individuell nicht beherrschbaren Welt bietet sie Gottheiten an, die zumeist als Personen gedacht werden und Wille und Bewusstsein haben - zwar als �bernat�rliche, aber doch f�hlende, z�rnende, liebende und am Ende hoffentlich verzeihenden Wesenheiten. Die sehen und h�ren alles und lassen einen nie allein, und insoweit ist das religi�se Bewusstsein von Haus aus mit einem leichten bis mittelschweren Verfolgungswahn ausgestattet.

Sinnstiftung

Der Verfolgungswahn hat, wie jeder Psychologe wei�, durchaus seinen Reiz: Es gibt einem n�mlich das Gef�hl von Bedeutung und erf�llt die eigene Existenz mit Sinn. Religi�se Menschen berichten nicht umsonst vom Gef�hl der Geborgenheit und Sicherheit, das ihnen ihr Glaube bietet. Und zwar auch bzw. vor allem, wenn’s schief l�uft. Ausgesprochen tr�stlich ist es f�r das normale Gem�t hinter allem und jedem einen h�heren Sinn zu finden. Das eigene Leiden, woran auch immer, wird so geadelt, ihm wird eine Bedeutung verliehen - so kann man aus jeder Not noch mindestens den Profit ziehen, dass sie einen Demut lehrt oder den Glauben pr�ft. Denn die Gewissheit, die Allerobersten h�tten sich ihren Teil dabei gedacht, als sie die Welt so �u�erst unzureichend f�r die eigenen Bed�rfnisse eingerichtet haben, wird eher nicht zum Aufstand gegen oder zur Emp�rung �ber die G�tter f�hren. Schon gar nicht die ver�rgerte Nachfrage provozieren, was verdammt noch mal diese wohl nicht sonderlich freundlichen h�heren Wesen sich gedacht haben, als sie die Welt so beschissen eingerichtet haben. Dies w�re eine Glaubenskrise. Vielmehr fordert Religion die Unterwerfung und sogar dankbaren Akzeptanz all dessen, was das religi�se Bewusstsein seinen Anbetungsobjekten als Ausfluss ihres unergr�ndlichen Willens in die Schuhe schiebt.

Mittelpunkt der Welt

Das moderne religi�se Bewusstsein ist damit erstaunlich ich-bezogen — oder um es ausnahmsweise mal mit Freud auszudr�cken: magisch. Es stellt das Denken und Handeln des einzelnen in den Mittelpunkt der Welt und macht alles zur Reaktion einer g�ttlichen Macht auf Tun, Nicht-Tun, W�nschen, Begehren usw. Das passt zur modernen kapitalistisch eingerichteten Welt ganz gut. In der soll sich ja jeder die Welt in eine Summe von Chancen und M�glichkeiten f�r sich �bersetzen — also ignorieren, dass die Erwartungen von Staat und Kapital an den einzelnen gerade nicht dessen Lebensgl�ck und Wohlergehen im Auge haben. Vielmehr soll sich der moderne Mensch einbilden, diese Welt sei f�r ihn, als M�glichkeit der Bet�tigung seiner Individualit�t geschaffen. All die M�rkte auf denen er sich bew�hren muss, soll er sich in lauter Angebote an ihn �bersetzen. F�r diese Selbstt�uschung, die beim guten funktionieren �brigen sehr hilfreich ist, braucht man nicht unbedingt G�tter — aber eine sinnvolle Erg�nzung und �berbr�ckung f�r all das, was man sich alles damit aufl�dt, sind diese Figuren allemal.

Der Rest der Welt wird h�ufig zu Material f�r g�ttliche Belohnung und Bestrafung des eigenen Selbst. Diese merkw�rdig ohnm�chtige Allmacht des eigenen Denkens ist �brigens von Anfang an ein Politikum: Weil es die Verbesserung des Verh�ltnisses zur G�tterwelt f�r das Lebensmittel an sich h�lt, und eine eventuelle Ver�nderung der Welt gerade mal als Mittel zur Beeinflussung des/der Allerh�chsten taugt. Diese religi�se Aufr�stung mag individuell bleiben, oder sich als politische Bewegung organisieren.

 

Ich bete - du gibst Gl�ck

Der Beeinflussung der Gottheit(en) dient das Einhalten bestimmter Vorschriften, die in der Regel nicht gerade den Lebensgenuss der Gl�ubigen f�rdern. Gebete, mit denen dem h�heren Wesen die Ansinnen der Gl�ubigen mitgeteilt werden und Zeremonien der Verehrung und Anbetung, die dem/der zust�ndigen Himmelsf�rsten/in den Respekt bezeugen, sind zumeist ein recht harmloser, wenn auch h�ufig nicht gerade aufregender Zeitvertreib. Dass es in Reaktion auf diese Langeweile immer wieder Bewegungen gibt, die die Rituale als Erlebnis inszenieren, �ndert nichts daran, dass auch f�r diese Verzicht und Mangel wesentlicher Teil ihrer Botschaft ist. Doch dazu kommen in offener (Hinduismus, Shintoismus, Buddhismus, Katholizismus) oder versteckter (Protestantismus, Judentum, Islam) Form Opfer und Gel�bde, die durch Verzicht Unterwerfung unter g�ttlichen Willen beweisen. Neben diesen bl�den Verzichtserkl�rungen kommen noch die widerlichen Selbstgei�elungen und -bestrafungen, die sich religi�s Durchgetickte selber auferlegen — ohne sich schon wieder zu fragen, was das wohl f�r G�tter sind, die solchen Schei� von ihren Anh�ngern erwarten. Auch bei der Selbstgei�elung k�nnen Leute wiederum Lust empfinden, Zweck der Sache ist es sicher nicht.
Hinter all diesen Versuchen, die Gottheit zu beeinflussen steckt die Hoffnung auf einen Tauschhandel „Wohlverhalten gegen Erfolg“. Was bei den alten heidnischen G�ttern noch recht praktisch mit Schaf, Schwein und Kuh war, ist heute viel subtiler und individueller, aber nichtsdestotrotz eine Grundlage des modernen Glaubens. Die Gelehrten der Gottes“wissenschaft“ Theologie haben durch alle Zeiten gegen solche Vorstellungen gewettert. Anspr�che an G�tter stellen ist n�mlich nicht sehr dem�tig und schon darum recht verd�chtig. Zudem k�nnte der Elchtest der Praxis ja auch Zweifel wecken, ob denn die h�heren M�chte tats�chlich existieren.

Also tr�stet sich die fromme Selbstunterwerfung mit dem Versuch, sich das Wohlwollen der Himmelsf�rsten durch Demut, Glauben und Verzicht zu verdienen, immer in dem kl�glichen Bewusstsein, dass das ein unsicheres Gesch�ft ist und man seinen Herrn und Gott ja auch nicht versuchen soll.

 

Unterwerfung als Programm: Erstmal sich selbst...

Damit ist Religion, so liebenswert manche Rituale sein m�gen, eine Gesinnung des Sich-Andienens und im Grundzug h�chst konservativ: Statt die Welt zu ver�ndern, wird durch Unterwerfung unter ihren Einrichter qua Selbstbesch(n)eidung versucht, das Beste f�r sich herauszuholen. Eine S�nde kennt jede Religion, selbst die sonst recht sinnenfreudigen heidnischen Kulte: Die Hybris, d.h. die Selbst�bersch�tzung des Menschen als Auflehnung gegen den/ die da oben. Die zweite S�nde ist der Materialismus, d.h. das Interesse, die diesseitigen Bed�rfnisse der Menschen zu befriedigen und den Himmel den Tauben und Spatzen zu �berlassen. Sinnlicher Genuss, sei es leckeres Essen, erfreuliche Getr�nke oder guter Sex ist die Sache der M�nner (und Frauen) Gottes zumeist nicht. Wenn sie nicht gleich „V�llerei“ und „Wollust“ zu Tods�nden erkl�ren (Christentum), so haben sie doch gleich einen ganzen Katalog von Vorschriften, den Spa� aus dem Leben auszutreiben (Judentum, Islam), oder sind von vornherein eine einzige Verzichts- und Leidenspredigt (Buddhismus). Selbst die wenigen heute noch praktizierten Religionen, die den Spa� am Sex nicht per se verdammen (z.B. Hinduismus), was nicht allzuviele sind (zumeist die polytheistischen), lassen ihn dann v.a. als einen Weg zur Gottheit zu. Das „Ich“ des religi�sen Menschen setzt sich eben gerade durch seine Unterwerfung als Mittelpunkt der Welt ein.

 

...und dann auch noch die anderen!

Nun k�nnte ein religi�ses Gem�t ja fr�hlich seinem Wahn fr�hnen und den Rest der Welt in Ruhe lassen. Geh�ssig wie Gl�ubige zumeist sind, k�nnten sie uns verstockten Materialisten das H�llenfeuer bzw. die Wiedergeburt als Regenwurm von Herzen g�nnen. 
�rgerlicherweise aber sind die G�tter allesamt hei� auf Verehrung durch ihre Gesch�pfe. Darum macht man sich bei ihnen durch die Anwerbung neuer Anh�nger auf jeden Fall beliebt. (Was es einer h�heren Macht nun bringen soll, sich dauernd das nicht sonderlich gescheite Geplapper seiner Verehrer anzuh�ren, muss so unklar bleiben, wie die Frage, warum die Himmelsf�rsten einen nicht gleich einfach ins Paradies lassen, ohne Willensfreiheit, S�nde, Teufel usw. Wer nicht nur so solche Fragen stellt, sondern auch Antworten haben will, der verl�sst ab einen bestimmten Punkt den Bereich des relig�sen Denkens, weil er nicht blo� glauben, sondern wissen will.). Hat die Religion dazu noch Auftr�ge wie N�chstenliebe, muss schon zum Besten der armen Heiden die g�ttliche Wahrheit verk�ndet werden. Will wer die sch�ne Lehre nicht einsehen oder hat das heilige Buch das g�ttliche Gebot des Djihad (Kampf f�r Gott, sowohl mit sich selbst, als auch gegen die Ungl�ubigen), ist die Sache mit der Mission — notfalls mit Feuer und Schwert — eh geritzt.
Aber selbst Religionen wie der Buddhismus, die von ihrer Lehre her keinen Raum f�r gewaltsame Missionierung lassen, haben es zu veritablen Feldz�gen im Namen der g�ttlichen Wahrheit gebracht. Wer das kapieren will, soll nicht in heiligen B�chern nachlesen, sondern sich fragen, zu welchen verfolgten Zwecken die interessierte Lesart der heiligen �berlieferungen wohl warum ganz gut gepasst hat — und auch heute noch passt.

Dass das so gut geht, hat mit dem „�bernat�rlichen Charakter“ der Verk�ndigung zu tun. G�tter melden sich n�mlich nicht — sonst w�rden wir uns das mit der Religionskritik auch lieber noch mal �berlegen — und es gibt darum auch keine „Beweise“, dass diese oder jene Interpretation der geoffenbarten Texte richtig oder falsch ist. Darum kann man sich immer trefflich dar�ber streiten, was denn nun der Wille der Gottheit ist, dem es zu gen�gen gilt. Koran und Bibel sind als Gemeinschaftsprodukte und 30 bis 70 Jahre nach dem Abnippeln des Religionsstifters — falls es Jesus als historische Figur tats�chlich gegeben hat — entstanden. Sie sind zudem auch noch sch�n widerspr�chlich: So ist f�r alle was dabei. Die Begr�ndungen f�r einige der Ver- und Gebote, die gerade zu das Kennzeichen f�r die Religionen geworden sind, sind oft atemberaubende �berinterpretationen des jeweiligen Buchs (Milchiges und Fleischiges im Judentum, Alkoholverbot und Schleiergebot im Islam), teilweise stehen sie im Widerspruch zum Text (christliche Missachtung der j�dischen Speise- und Kleidegebote) usw. Fundamentalisten suchen sich ganz bestimmte Sachen in den Heiligen Schriften aus und deuten sie jeweils in der schlimmsten und menschenfeindlichsten Weise. Im Koran steht weder direkt etwas �ber Amerika noch �ber den Kapitalismus noch �ber Selbstmordattentate; �ber Juden und Christen hat der Prophet Unterschiedliches zu vermelden gewusst. Wie man mit „Liebe deinen N�chsten“ Waffen segnen oder Schilder „God hates Fags“ hochhalten kann — man sollte die entsprechenden religi�sen Gem�ter das lieber nicht fragen. Denn dann hat man den Boden der rationalen Argumentation bereits verlassen und streitet sich �ber die korrekte Auslegung g�ttlicher Gebote. Und das sollte man den Gl�ubigen �berlassen.

Fundamentalismus und Neugr�ndungen

Erneuerungsbewegungen jeglicher Art sind im Wesen der Religion schon fast vorprogrammiert. Die Lebensumst�nde in einer Welt voll Herrschaft und G�tterglauben sind immer beschissen genug, um auf g�ttliche Abhilfe zu sinnen und die allerobersten M�chte durch ‘R�ckkehr’ zum wahren Glauben zu vers�hnen. ‘Fundamentalismus’ behauptet dabei zumeist Wiederherstellung der Einheit von Gottes Wort und den Handlungen der Gl�ubigen. Die „Wiederherstellung“ ist immer eine fette L�ge �ber die Vergangenheit. Das ist eine �bliche konservative Masche: Es wird jeweils das eigene Ideal in eine glorreiche Vergangenheit projiziert, und die R�ckkehr zu den traditionellen Werten als Heilung aller Gegenwartsproblem verkauft.
Jede Religion hat sich zudem auch noch mit Abspaltungen herumzuschlagen, die sich teilweise sehr weit von der Ausgangsreligion entfernen (so z.B. das Christentum vom Judentum). Auch das ist im Wesen der Religion angelegt. Das religi�se Bewusstsein geht, wenn es Stimmen h�rt, nicht zum Psychiater, sondern gr�ndet — wenn es nicht anf�ngt Mitmenschen abzumurksen oder andere unerfreuliche Sachen zu machen — als Nachfolger des Propheten und Mahdi, neuer Christus, richtiger Messias oder wiedergeborener Buddha eine neue Sekte (Protestanten, Chassidim, Schiiten, Aleviten) oder gleich eine neue Religion (Sikhs, Bahai, Mormonen); manche Religionstiftungen fanden und finden jedoch auch ohne Visionen statt. Dass und wo sich solche religi�sen Neugr�ndungen ausbreiten, hat h�ufig mit der Lehre zu tun, die besser zu ver�nderten gesellschaftlichen Umst�nden passt (z.B. Protestantismus zu Beginn der kapitalistischen Entwicklung). H�ufig hat es aber auch mit Gewalt zu tun — welcher Teil der Welt heute christlich, islamisch, buddhistisch und hinduistisch ist, ist nicht durch ein paar fetzige Diskussionen von Theologen entschieden worden, wonach dann per Urabstimmung, sich alle ihren G�tterglauben aussuchen konnten. Heute geh�rt die jeweilige Religion immer auch zur „nationalen Kultur“ — und also ruft es Nationalisten auf den Plan, wenn allzu viele B�rger pl�tzlich andere G�tter anbeten wollen, als bislang im Vaterlande �blich.

Religion als Moralressource f�r Herrschaft und Protest

Privateigentum („Du sollst nicht stehlen!“) und herrschaftliche Verf�gungsgewalt von M�nnern �ber Frauen und Kinder sind in den Tugendkatalogen fast aller bestehenden Religionen unterstellt. Armut und Mangel sollen nicht etwa abgeschafft werden, sondern werden im Gegenteil verherrlicht und/oder moralisch abgefedert. Unzufriedenheit mit dem eigenen Los ist da eher Ausdruck fehlender Demut, denn irgendwas werden sich die G�tter schon dabei gedacht haben. Warum sich Leute wechselseitig an den Kragen wollen, fragt die Religion nicht, sondern verbietet es mit drohenden Strafen im Jenseits. F�r alles, was Leute an den Verh�ltnissen im Diesseits st�rt und was mal gerade nicht der „g�ttliche Plan“ ist, wird menschliches, unmoralisches Fehlverhalten verantwortlich gemacht. Kein Wunder, dass die Herrschenden in vorb�rgerlichen Zeiten — als es sie als „Herrschende“ noch so richtig gab — die verschiedenen G�tterglauben, selbst wenn sie sie nicht teilten, sehr n�tzlich fanden.

Der religi�se Mensch darf also Kritik am Diesseits haben. Er darf n�mlich das ultimative Angebot, das die Religion f�r das menschliche Zusammenleben parat hat, annehmen: Gerechtigkeit als Ma�stab an das Handeln seiner Mitmenschen anlegen. (Bei den G�ttern l�sst er dies besser). Abstrakter Moralismus ist der Grundzug des religi�sen Denkens: Das hei�t man trennt sich von jedem positiven Bezug auf menschliche Bed�rfnisse konsequent und denkt nur noch in den Kategorien „Wenn das alle machen w�rden“, „Hauptsache ehrlich!“, „Man muss auch mal verzichten k�nnen“ usw . Entsprechend selbstgerecht und hartherzig sind religi�se Moralisten, wenn sie ihre Mitmenschen „bessern“ wollen. Und wechselseitig kreiden sich solche Figuren gerne den Mangel an Demut an, den sie beim anderen immer dann feststellen, wenn der sich ein Urteil erlaubt, das doch nur einem selbst zusteht.

Trotz der Grund�berzeugung, dass die Gottheit(en) schon jeden auf den Platz gestellt haben, wo er/sie hingeh�rt, beruft sich auch sozialer Protest auf g�ttlichen Willen. Manchmal schlie�en sich die Diener Gottes dem Aufmucken der Diener der irdischen Gewalten sogar an oder empfinden zumindest Sympathien. Mitb Religion l�sst sich eben so einiges machen, weil die hochverehrten �bernat�rlichen WeltenlenkerInnen so selten direkt Anweisungen geben. Das Aufbegehren, das sich heute (Den Bauernkrieg u.�. lassen wir mal beiseite; bis zur amerikanischen und franz�sischen Revolution dr�ckte sich jedes politische Anliegen religi�s aus und auch die beiden wussten den „Sch�pfer“ und sein Naturrecht bzw. das „h�chste Wesen“ irgendwie auf ihrer Seite. ) mit dem lieben Gott verb�ndet, protestiert gegen unmoralische (und falschgl�ubige oder den Glauben verf�lschende) Herrschaft, fordert Gerechtigkeit und Moral ein. Sie will gar nicht einem vern�nftigen, sondern einem ziemlich irrationalen Ma�stab gen�gen. Auch eine „Theologie der Befreiung“ ist nur das Einfordern von Gerechtigkeit und W�rde f�r Gottes dienstbare Knechte. Den Anspruch auf Land, Brot und Milch aus der Bibel abzuleiten, mag ja sympathischer sein, als Anschl�ge auf Abtreibungskliniken zu ver�ben — ein Programm der vern�nftigen Bed�rfnisbefriedigung ist es nicht, und hat in seiner Begr�ndung mehr mit den Taliban als mit dem Kampf f�r eine Welt ohne Herrschaft und Mangel zu tun.

 

Buddha, Jesus und Mohammed sind keine Genossen!

Religion steht eben feindselig zu einer vern�nftigen Einrichtung der Welt, zur Ermittlung der Bed�rfnisse der Menschen und Anstrengungen, und zum Versuch diese planvoll zu befriedigen. Wenn alles Gottes Wille ist oder sein kann, dessen Ratschluss ja sowieso unerschlie�lich ist und in dessen Wille man sich zu ergeben hat, dann sind einer vern�nftigen Analyse Grenzen gesetzt. Und weil alles so seinen Sinn hat, und sei es als Pr�fung des Glaubens, wird eben jeder Schei� mit einer h�heren Weihe versehen, letztendlich gerechtfertigt und ein moralischer Schluss daraus gezogen: AIDS, Naturkatastrophen, Arbeitslosigkeit usw. Nicht blo� die institutionalisierte Religion, sondern Religion �berhaupt ist das Problem, nicht die „Verf�lschung“ der Lehre durch die Pfaffen, sondern die Lehre �berhaupt. Buddha, Jesus und Mohammed sind keine Genossen. Und sie werden’s auch nicht mehr.

 

Gruppe „Kritik im Handgemenge“ Bremen

 

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