 | Die Wahrnehmung ist ein Verhältnis, worin Menschen ihre Welt auffassen und für sich erfassen, d.h. gültig machen, wahr machen. So wie die Weltwahrnehmung ist, so sind auch die Handlungen, Gefühle und Erwartungen hierzu. Wahrnehmung kann irren und Menschen können daran irre werden, weil Wahrnehmung getäuscht werden und hierdurch für Menschen gültig werden kann, was nicht wahr ist, was sie nicht so wahrhaben, wie sie es wahrnehmen.
Dies kann nicht Zufall sein, denn der hat keine andere Wahrheit, als die, die zu fällt. Es unterstellt ein Wahrnehmungsverhältnis, worin die Menschen für sich etwas wahr machen, was sie außer sich nicht wahr haben können, Gegebenheiten nicht ohne Grund. Und dieser verhält sich in Begebenheiten, worin wahr gemacht wird, was ohne dies nicht sein kann: Wahrnehmung, die sich selbst wahr hat. Was die Menschen für sich wahr machen, ist außer ihnen nichts und ist daher auch nicht das, was für sie wirklich wahr sein kann. Es ist eine Wahrheit, die nur in der Wahrnehmung selbst ist, eine Identität, die nicht außer ihr sein kann.
Wahrnehmung ist weder objektiv noch subjektiv, sie ist beides in einem. Ich nehme zwar nur wahr, was ich auch auffassen kann. Dennoch habe ich auch das wahr, was ich nicht fassen kann. An der Wahrheit seiner Zeit und Geschichte kommt niemand vorbei. Aber wahrnehmen muss er sie nicht unbedingt. Wahrnehmung ist als Tätigkeit freigestellt, wenngleich diese Freiheit allerdings nicht ohne Not ist. Die Rückbeziehung der Not und deren Notwendigkeiten auf die Freiheit der Wahrnehmung macht den Inhalt der Kritik aus - nicht als Kritik der Freiheit, sondern als Kritik der Formbestimmung von Wahrheit.
Diese Wahrheit der Wahrnehmung gibt es also nicht Inhalt für sich und auch nicht als bloße Form. Sie selbst ist geschichtlich und hat kein anderes Sein als das der Verhältnisse, in welchen die Menschen leben. Ihre Lebensinhalte können ihre Formen sprengen, sobald sie sich darüber hinaus entwickeln. Die Formen können aber auch gegen ihre Inhalte mächtig werden, wenn und soforn sie davon absehen, wenn sie also ihrer Abstraktion gehorchen. Es ist die Grundfrage für jedes geschichtliches Verhalten, wie die Menschen zu den Inhalten ihres Lebens stehen.
Wahrnehmung als Form ist ihrem Gegenstand darin gleich, dass sie selbst ein Moment der Verhältnisse ist, die sie wahrhat, der Lebensverhältnisse der Menschen, die sie selbst begründen und worin sie ihre Sinnbildungen haben, sowohl in der Gestalt ihrer Gegenstände, als auch in ihrem Wahrnehmungsprozess selbst. Wenn wir Dinge oder Tiere oder Pflanzen oder Menschen wahrnehmen, so wenden wir uns ihnen zu, nehmen sie in uns auf und versinnlichen sie für uns. Hierbei haben wir sie als das wahr, was sie für uns sind. Es ist dies aber nichts anderes als die Wahrheit, die wir selbst haben als Teil der Natur unserer Sinne und unserer Gegenstände, als eben die Sinnesgestalt, die wir selbst sind und die wir auch erzeugt haben: Kultur. In dieser Beziehung wird etwas gewahr, worin wir einen Sinn finden, worin wir etwas sehen, hören, riechen, schmecken und fühlen, das in uns aufgeht und das wir auch dann noch wahrhaben, wenn wir es nicht mehr wahrnehmen. Dieser Sinn bleibt uns als Sinn einer Beziehung erhalten, die wir weiterhin hierzu haben und war ihr auch schon vorausgesetzt, indem wir zur Wahrnehmung in der Lage sind. Die Wahrnehmung ist so sinnlich, wie sie auch Sinne hat. Weil wir Teil der Welt sind, können wir sie sinnlich wahrnehmen und weil wir sie als Gegenstand unserer Wahrnehmung haben, haben wir sie in der Wahrnehmung sinnlich wahr.
In den Lebenswelten des Kapitals, worin Geld als selbstverständliche Lebensgrundlage dient, also in den Dienstleistungsgesellschaften, gibt es keinen wirklichen Sinn. Darin ist jeder Sinn möglich. In den Möglichkeitswelten des selbstverständlichen Geldbesitzes ist keine menschliche Beziehung wirklich sinnlich. Von daher steht der Sinn der Wahrnehmung selbst im Zweifel, denn deren Gegenstände sind als das, als was sie wahrnehmbar sind, nicht das, was sie wirklich sind. Was sie bewirken, kann nicht menschliche Wirklichkeit sein, und was sie wirklich aufeinander beziehen, kann für sie kein wahres Wesen haben. Die Menschen leiden in solchen Kulturräumen daran, dass sie keine Wahrnehmungsidentität finden und dass sie sich in ihrer Weltauffassung gegenseitig bestreiten, also darin, was überhaupt ihre Welt sein kann, was für sie wirklich weltlich ist. Weil ihre Gesellschaft nur aus Beziehungsmöglichkeiten besteht, müssen sie in beständigem Zweifel um ihr Tun und Lassen leben, eine "richtige Beziehung" zu finden oder zu haben, also auch im Zweifel um ihre eigene Wahrheit und Wahrhaftigkeit, um jede sinnliche Gewissheit sein. Das Streben nach einer Wahrnehmungsidentität ist hier eine allgemein gesellschaftliche Notwendigkeit. Vor allem darüber wird es in diesem Text gehen.
Worin wir einen Sinn finden, das haben wir auch für uns erkannt, denn wir haben darin einen Sinn gewahr, der unseren Sinnen entspricht und sie so bildet, wie er selbst sinnliches Gebilde ist. Das Wahrnehmen vertieft sich hierbei zu einer innigen Beziehung, die ihren Sinn darin entwickelt, dass das Wahrgenommene zu einem Sinn für uns wird, mit dem wir auf es zurückkommen, weil wir in diesem Prozess es als das erkennen, was es selbst als Bestandteil unserer Sinne geworden ist.
Menschen vollziehen ihre Wahrnehmung oft auch tätig, greifen zum Malkasten oder zum Schreibstift oder zu einem Musikinstrument, um ihren Sinn für etwas auch materiell zu finden, indem sie ihn gestalten und auch gegenständlich wahrmachen. Sie malen Bilder, schreiben Gedichte oder machen Musik, um das voll und ganz für sich fest zu machen und dadurch frei zu lassen, was sie Wahrnehmen. Sie erreichen ihre Freiheit von der Wahrnehmung dadurch, dass sie sie ausdrücken können, dass sie sowohl bewahren wie hinter sich lassen können, was sie erkannt haben. Wahrnehmung kann man nicht reflektieren, solange sie selbst nicht reflektiert ist. Sie ist wesentlich unmittelbar sinnlich und durch nichts abzuwenden. So wie die Menschen wahrnehmen, so nehmen sie das Leben wahr, so haben sie ihre Lebenswahrheit. Die Wahrnehmung mag aus Bilder bestehen, in Wahrheit aber regen sich darin die Beziehungen, die Menschen haben. Nicht das Bild macht die Wahrnehmung aus, sondern die Wahrnehmung macht Bilder von dem, auf das sie sich bezieht. Wahrnehmungen sind Regungen und Erregungen, worin Menschen ihr Leben wahrhaben, so schön oder hässlich es auch sein mag. Aber wo nur Bilder sie erregen, verliert sich schnell ihr Sinn. Sie ist ein überaus praktisches Verhältnis, keine Weltbeschauung, sondern Sinnestätigkeit, wirkliches Beziehen auf etwas, das nur sein kann, wenn es wahr ist. Unwahres hat kein Sein, wenn auch Wirklichkeit. Aber Wirklichkeit wird dadurch zugleich unwirklich, wenn sie unwahr, wenn sie also eine Täuschung ist. Die Fragen, welche Wahrnehmung hervorbringt sind daher immer Wahrheitsfragen. Und wo Wahrnehmung nicht sein kann, da reduziert sich nicht einfach nur die Kognition, Sehen, Hören, Riechen usw., sondern das ganze menschliche Leben. Wahrnehmung ist die elementare Beziehung einer jeden Kultur. Wo Wahrnehmung systematisch getäuscht oder reduziert wird, da wird auch die Kultur systematisch getäuscht und reduziert, also verletzt und zerstört.
In der Psychologie nennt man die Einschränkung der Wahrnehmung "Deprivation". Die Folgen einer Deprivation können mörderisch sein und zum Tod führen. Nicht nur Menschen, sogar die Ratten werden dabei verrückt. Das zumindest hat man in den diversen Laboren herausgefunden.
Im Gefängnis hat man herausgefunden, dass man damit besondere Härten zur Verfügung hat. Isolationshaft beugt jeden Menschen, weil er darin ins Nichts des Lebens gedrängt wird. Ulrike Meinhoff hatte in einem Text über die Isolationshaft sehr gut beschrieben, wie das ist, wenn der eigene Pulsschlag zu einer dröhnenden Wahrnehmung wird. Die Halluzinationen, die darauf folgen, gehen vollständig gegen den ganzen Menschen.
Auch der gesellschaftliche Entzug, den z.B. Menschen erleiden, wenn sie in die Arbeitslosigkeit gefrängt werden, wird von vielen als das Schlimmste Leid darin beschrieben. Nicht allein das Geld geht diesen Menschen ab, sondern vor allem ihre Sinne, wenn sie in die Sinnlosigkeit ihrer Existenz gedrängt werden.
Über Wahrnehmung als solche nachzudenken, wäre unsinnig und würde sie geradezu stören. Wir würden im bloßen Bedenken grundlos ihren Fortgang unterbrechen, ihre Erkenntnis behindern, dem Beziehen und Suchen, dem Finden und Entdecken, dem praktischen Leben Schönheit und Freude nehmen und es in leerer Bedenklichkeit seiner Wirklichkeit entfremden. Wahrnehmung findet am besten von selbst ihr Ende in der Erkenntnis, in welcher wir ihren Sinn finden und Gedanken bekommen, die Sinn machen und uns sein und tätig werden lassen.
Ungebrochen bezieht man sich in der Wahrnehmung auf einen Gegenstand, soweit dessen Sinn wirklich wahr ist, soweit wir ihn also als Sinn für uns greifen und begreifen können, soweit wir außer uns erkennen können, was auch in uns ist. Wahrnehmung ist nicht die Aufhäufung von Eindrücken, sondern ein Prozess der Erkenntnis, das Erkennen unseres Lebens als Lebenswirklichkeit außer uns. Es gibt keinen wirklichen Gegenstand an sich, kein Ding, das durch sich selbst uns gegenständlich gegeben wäre und als solches Wirkung auf uns hätte. Das Ding an sich ist lediglich eine Gedankenabstraktion, die eine Notwendigkeit erzeugen will, sich über die Welt so aufzuklären, wie die Aufklärung sich in der Welt zu erklären versteht. Es gibt nichts, was durch sich selbst ist und lebt. Das Leben selbst ist entstanden, als ein Stoff einen anderen in sich aufzunehmen vermochte, als er sich fortbilden konnte, weil er anderen Stoff für sich verarbeitete, weil der Stoffwechsel zur Naturempfindung kam und also Entwicklung, Vermehrung und Fortpflanzung erfand. Die ganze Natur, die außer uns wirkt und daher für sich seiend erscheinen mag, wirkt immer auch in uns, hat mit uns zu tun, ist Teil unseres Wesens, wie wir selbst uns auch als Teil der Natur verhalten, am Wesen der Natur teilnehmen. Für uns kann es daher auch keine Natur an sich geben. Schon in der Naturbetrachtung schauen wir auf nichts fremdes, äußerliches, sondern sehen uns selbst als sinnliches Wesen außer uns, als Teil der Natur, teilweise dem Tier ähnlich, teilweise einer Pflanze, teilweise der Luft und dem Wasser usw. Als Teil der Natur beziehen wir uns auf dies alles und sind gerade darin von ihr, von den Pflanzen und Tieren und allem Stofflichen unterschieden, dass wir uns selbst in alle dem erkennen können - solange wir es können. Der Stoff unserer Erkenntnis ist unsere Natur, wie sie als Sinn unserer Wahrnehmung tätig ist - sowohl in uns wie auch in unseren Gegenständen. Soweit die Natur menschlich gestaltet ist, soweit sie selbst zu menschlicher Natur, zu Kultur geworden ist, ist sie nicht nur Moment unserer Sinnlichkeit, sondern selbst unmittelbar die Gegenständlichkeit menschlicher Lebensvielfalt, gegenständlicher Reichtum von und für Menschen als Naturmächtigkeit des menschlichen Lebens, wie es in seiner gesellschaftlichen Entwicklung geworden ist. Wenn sich ein Gegenstand nicht einfach ungebrochen wahrnehmen lässt, wird nicht nur er, sondern auch die Wahrnehmung selbst in Zweifel gezogen, wird bezweifelt, ob das Vergegenständlichte wirklich Gegenstand und das Wahrgenommene wirklich wahr ist. Wirklichkeit und Gegenständlichkeit erscheinen als zweierlei, Wirklichkeit ist nicht das, worin wir wirklich sind, nicht das, worin wir wirken und uns wirklich vergegenständlicht haben und hierdurch auch wirklich wahr sind. Wirklichkeit wird selbst zu einer ästhetischen Form, worin die Menschen die reine Form ihrer Lebensäußerung wahrnehmen. Menschliche Tätigkeit ist darin zur Wahrnehmungsform aufgehoben und wird aus dieser alleine und getrennt von ihrer Herkunft und Geschichte wahrgenommen. Sie hat dann keine wirkliche Wirkung für die Menschen und ihre Wahrheit ist ihnen zu einer Wirklichkeit entäußert, die sie wahrhaben, auch ohne sie als ihre Äußerungsform wahrzunehmen. Sie sind sich in ihrer Äußerung fremd, haben sich darin von sich selbst entfremdet und erfahren sich im Maß ihrer Selbstentfremdung ausschließlich ästhetisch. Eine Sache oder ein gegenständliches Verhältnis, ein Gegenstand muss bedacht werden, wenn er nicht wirklich wahr sein kann, wenn seine Wirklichkeit eine unwirkliche Wahrheit enthält, die sein konkretes Dasein nicht wirklich sein lässt. Man muss dann davon ausgehen, dass sich darin ein Grund verbirgt, der sich nicht konkret zu erkennen gibt - nicht, weil er ein böser Geist wäre, sondern weil darin eine Absehung von Wirklichkeit existiert, etwas, worin sich die Menschen nicht verwirklichen, das sie aber hervorbringen, eine Abstraktion, eine wirkliche Abstraktion (Realabstraktion ), worin ihnen ihre gegenständliche Verhältnisse zergangen sind zur Gegenständlichkeit einer Abstraktion. Es handelt sich dann einerseits um eine Welt voller Gegenstände, die keine Wahrheit für die Menschen haben, die lediglich abstrakte Lebensbedingung für sie darstellen, eine Welt der Möglichkeiten ohne Seinsgewissheit, also ohne Wirklichkeit. Und es handelt sich andererseits um eine Welt voller Wahrnehmungen, die keinen Gegenstand haben, Wahrnehmungen, die selbst gegenstandslos zu sein scheinen, in der die Menschen ausschließlich sich nur ihrer selbst vergewissern können, sich also selbst wechselseitig zum Gegenstand ihrer Vermittlung machen. Als lebende Menschen werden sie selbst zu einem Lebensmittel, weil sie außer sich nichts haben, das sie mitteilen können. Hierdurch nehmen sie sich auch nur als das wahr, was sie von sich wahrhaben. Die Erkenntnisse, die Menschen in bloßer Beziehung auf sich selbst machen, erscheint ihnen als Wahrnehmungswelt dieser Beziehungen, die ihre Lebensschicksale bestimmen und ihr Leben erscheint ihnen darin als Resultat ihres Geschicks. Diese Lebenswelt dehnt sich aus als Lebensraum ihrer zwischenmenschlichen Verhältnisse, soweit wie ihr Vermögen reicht. Wo die Gegenständlichkeit des Lebens nicht wahrnehmbar ist, da hat die Wahrnehmung die Welt einfach nur so wahr, wie sie ist, auch wenn sie nicht wahrnehmbar ist: als eine abstrakt gegenständliche Welt. Solange sich die Menschen nicht wirklich in ihrer Welt erkennen können, solange sie also nur die Abstraktion von den Menschen als unmenschliche Welt menschlich wahrhaben, verwirklichen sie sich auch nicht wirklich als erkennende Menschen, sondern als objektive Subjektivität des Menschseins schlechthin. Ihre Wahrnehmung wird für sie selbst zu einer eigentümlichen Welt, zu einer Wahrnehmungswelt, worin keine Vergegenständlichung wirklich ist, sondern die Entgegenständlichung der darin sich verhaltenden Menschen objektiv wird. Wahrnehmung muss dann zum Gegenstand des Nachdenkens werden, weil sie sich zwischen den Menschen bricht, sich verheddert und auftürmt, ihren Erkenntnisprozess selbst als Entfremdung ( ) erleidet. Wenn sie nicht mehr so einfach gelingen will, wenn sie also selbst als ein Phänomen gelitten, als eine für sich seiende Erscheinung wahrgenommen wird, dann ist ihr Sinn in Bedrängnis, seine Kraft entäußert, die Beziehung der Wahrnehmung zu ihrem Gegenstand entstellt. Die Wahrnehmung selbst ist nicht begreifbar, wird zu einem Ganzen, das einen Begriff hat, der erkannt werden muss. Obwohl dies alle Menschen betrifft, die unter solcher Lebensbedingung leben, gibt es Menschen, die damit mächtig werden, indem sie sich andere Menschen zu ihrer Sache machen, sie als ihr Mittel nehmen und sich in der Bemächtigung derer Selbstzerwürfnis subjektivieren. Jene Menschen, die darin ohnmächtig sind weil ihnen die Mittel hierfür fehlen, müssen im Zweifel ihrer Wahrnehmung leben. Sie suchen oft Lebenshilfe und wenden sich an Geistliche oder Psychologinnen oder Psychologen, um ihre Selbstzweifel aufzulösen. In der Psychologie wird aber Wahrnehmung meist als bloße Kognition verstanden, als ein Vorgang der Sinnesorgane oder als natürlicher Prozess eigenen Wesens, der in seiner Funktion Probleme aufwerfen kann, Disfunktionalitäten, die es dann zu kurieren gilt. Damit aber wird keine Erkenntnis der Wahrnehmungsprobleme möglich sein. Will man Wahrnehmung durch die Tätigkeit der Wahrnehmungsorgane oder aus der Natur ihrer inneren, ontischen Beziehung begreifen, so ist dies, als wolle man Arbeit durch die Tätigkeit von Körper und Geist zu verstehen versuchen. Darin bliebe jeder Begriff bloße Sinnesform und also unendlich und beliebig, mal diesem, mal jenem Tun zugehörig, immer dem Inhalt entsprechend, der solche Form einnimmt. Wenn nach einem Begriff von Wahrnehmung gesucht wird um sie begreifen zu können, muss gewusst sein, warum man sie begreifen muss, warum sie sich also nicht von selbst verstehen lässt, nicht selbstverständlich ist. Was Menschen nicht wirklich erkennen, das bekommt Macht über sie. So auch die Wahrnehmung selbst. Wenn sie ihnen entfremdet ist, so erfahren sie darin ihre Ohnmacht. In ihr ist dann ein Sinn verwirklicht, der sich gegen ihre Erkenntnis selbst verhält - sowohl gegen den Erkenntnisprozess, in welchem Wahrnehmung selbst nur Moment ist, als auch gegen das Auffassen und Begreifen dessen, was in der Wahrnehmung vor sich geht. Es ist dann ein Gedanke darüber nötig, von welcher Natur ein Sinn in der Wahrnehmung sein kann, der eine eigenständige Kraft, eine fremde Macht gegen sie entstehen lässt. Erkannt werden muss, was dieser beabsichtigt, wovon er absieht und worauf er es absieht. Solange dies nicht erkannt ist, kann Wahrnehmung nicht zu einem Ende kommen. Sie behindert sich selbst, wird zu einem Zustand, weil sie durch solche Absicht zu keiner Identität gelangt. Zunächst ist es rätselhaft, warum und wie sich in die Wahrnehmung eine Absicht einschleichen kann, die den Menschen unerkennbar ist. Man sieht das schnell als Ungeheuer, als ein Unbewusstes, das sich aus den unergündlichen Tiefen der Seele hervorwagt. Aber das Problem liegt nicht in der Wahrnehmung, sondern in der Wahrheit, die ihr vorausgesetzt ist. Wahrnehmung ist eine Tätigkeit der Wahrheitsfindung. Doch die Wahrheit kann man unter bestimmten Bedingungen nur finden, wenn man sie auch sucht. Sie ist nicht selbstverständlich. Also ist das Begreifen von Wahrheit selbst darauf verwiesen, dass es die Wahrnehmung von Täuschung und Trug befreien muss, die ihr offenbar bereitet wird und die daraus besteht, dass sie nicht von selbst weiß, was wahr ist, dass sie sich selbst ungewiss, im Zweifel, also für sich widersprüchlich ist. Ihre erste Absicht ist offenbar, sich von ihrem Widerspruch frei zu machen. Man könnte so zu dem Schluss gelangen, dass es hier nun um eine Erkenntnistheorie gehen müsse, welche die Erkenntnis von ihrer Absicht, von einem falschen Erkenntnisinteresse befreien und ihr auf diese Weise zu einer freien Schlussfolgerung verhelfen könnte, die sie aus der Wahrnehmung herausführen würde. Erkennntnistheorie als prinzipieller Verstand des Erkenntnisprozesses könnte Schlussfolgerungen über Wahrheit und Täuschung erbringen, wie sie auch schon in der Philosophie vielfach abgehandelt worden war. Aber eine Erkenntnis aus Prinzipien des Erkennens kann nur selbst prinzipiell sein. Wahrnehmung ist ein Moment des Erkenntnsisprozesses und kann deshalb nicht von einer Erkenntnistheorie geleitet oder "befreit" werden. Dies hat längst auch schon die Philosophie selbst erfahren müssen. Aus ihren großen Schritten zur Befreiung des Denkens aus seiner religiösen Unterworfenheit ("Ich denke, also bin ich"), wurde schnell eine Rückbeziehung der Entfremdung, welche lediglich das Subjekt wechselte, indem es Gott zum bloßen Intellekt verwandelte, aber Objektivität kaum zu berühren vermochte. Es blieb auf diese Weise immer bei einem rein interpretativen Verstand, der aus der "selbstverschuldeten Unmündigkeit" genauso heraus wie auch wieder hinein fand. Der Kategorische Imperativ ( ) der Aufklärung ( ) wurde auf diese Weise zur Lebensfalle der Vernunft, die für jeden Zweck gut war, wenn er sich als allgemein notrwendig und natürlich zu geben verstand. Wahrnehmung, die keine Wahrheit findet, verharrt nicht einfach in einer Frage, die von anderer Seite her, also jenseits der Wahrnehmung als irgendein Andererseits , genauso gut zu beantworten wäre. Ohne Wahrnehmung, ohne die praktische Beziehung der Menschen zu den Gegenständen ihrer Wahrnehmung, wird Wahrheit ein unauflösbares Erkenntnisproblem, weil sich ihr Sinn notwendig jeder Logik und Vernunft entzieht. Weder ist Wahrheit unbedingt logisch oder vernünftig, noch ist eine logische oder vernünftige Erklärung unbedingt wahr. Wahrheit lässt sich nicht behaupten, ohne dass die Erkenntnis damit erschlagen würde. Nach allem, was bisher mit Wahrheitsbehauptungen angestellt wurde, würde man gerne sagen, dass es Wahrheit gar nicht gibt. Doch dieser Satz selbst wäre schon widersinnig, weil er dann auch nicht wahr wäre - eben weil es keine wahre Aussage geben könnte. Es ist wie beim Paradox des Epimenides, der das Problem mit der Wahrheit durch den Satz "Ich bin ein Lügner" evident gemacht hatte: Wäre er wahr, so wäre er notwendig falsch, denn er kann nur wahr sein, indem er unwahr ist. Das Problem, was Wahrheit, was Täuschung ist, bleibt uns bis in die abstraktesten Sphären der Philosophie und Mathematik ungelöst erhalten. Schien für das "reine Schlussfolgern" bislang wenigstens in der formalen Logik die Wahrheit gesichert, so wurde diese Art des Schlüsse ziehens selbst der vollständigen Beliebigkeit überführt und also für die Erkenntnis unnütz. Seit der Entdeckung des Russel'schen Widerspruchs ( ) herrscht auch hier die Wahrheitskrise: Die reine Logik als Form des Denkens ergibt für seine Wahrheit keinen Beweis. Und auch keine empirische Wahrheit lässt sich "sichern". Es mag heute etwas für absolut wahr gelten, was morgen falsch ist, worin man sich getäuscht sieht, weil es von einem anderen Zeitpunkt oder Standpunkt plötzlich ganz anders aussieht. Das liegt nicht an seinem Andersein im Zeitverlauf, sondern daran, dass es in seinen Beziehungen ständig anders ist, weil es Teil einer ganzen Beziehungswelt ist. In der Vermittlung über Raum und Zeit oder durch die Kommunikation der Menschen enthüllt sich ein anderer Teil dieser Beziehung, eine andere Wahrheit, und es ist nicht abzusehen, wann und wo solche Wahrheitsfindung abgeschlossen ist. Es ist die Sisyphusarbeit der "Kritischen Rationalisten", die damit klar kommen müssen, dass sie nicht mal mit ihren einfachsten Resultaten zu einer sinnvollen Schlussfolgerung fähig sind, weil sie keinen Begriff, sondern unendliche Wahrheit suchen, indem sie behaupten, die sei immer relativ - nur: relativ wozu? In Wirklichkeit kann nichts für sich wahr sein und Wahrheit kann nicht relativ zur Wirklichkeit sein. Die Wahrheitsfrage ist nur in ihrer Dialektik auflösbar. Aussagen und Empfindungen zu Gegenwart und Zukunft haben ihre Wahrheit nur in ihrem Sein, in dem, was im Zusammenhang des Ganzen wirklich wahr ist oder sich in einer logischen Wahrheit entfaltet, auch wenn es noch einfältig ist. Sie verfolgt die Frage: Ist das wirklich so, wie es ist? Oder: Ist es wesentlich so, wie es erscheint? Niemand kann ohne Schaden behaupten, dass er selbst die Wahrheit sage, ohne dass er diese in allen Zusammenhängen glaubhaft machen kann. Wahrheit ist weit vermittelt. Und dies ist auch das Problem der Wahrnehmung. Sie kann nur wahr sein, wenn sie ihren Sinn findet, wenn also ihre Form ihrem Inhalt entspricht. Ist ihr Sein vermittelt, so leidet sie selbst auch diese Vermittlung und findet keine unmittelbare Identität.. Subjekt und Objekt sind in der Wahrnehmung vereint. Wahrnehmung hat keinen Sinn, wenn dieser ausschließlich gegenständlich, rein objektiv ist. Der objektive Sinn der Wahrnehmung ist in ihr selbst tätig und kann ohne Subjekt, ohne sie garnicht sein. Auch subjektive Wahrnehmung, die sich in ihren besonderen Sinn vertieft, verliert sich in der Einzigartigkeit ihrer Beziehung, in der Ausschließlichkeit ihrer Begegnung. Sie verliert ihren Inhalt in der Form der zufälligen Allgemeinheit, in der Eidetik ( ) einer Sinnlichkeit, welche ihre wirklichen Sinne von sich ausschließt. Die Wahrheit der Wahrnehmung hat ihr Problem in der Verschmelzung von Gegensinnigkeiten, wie sie in der Beziehung von Subjekt und Objekt der Wahrnehmung entstehen, wenn sich beide fremd sind. Die blosse Innigkeit des Wahrnehmens, die als Vertrautheit gegen diese Entfremdung gehalten wird, das physische Raunen allgegenwärtiger Einzigartigkeit, die Mystik und Naturästhetik allgemeiner Selbstbetrachtung, die der Wahrheit einen Altar der Ewigkeit und ihrer Werte, einen Kosmos ihrer Seinsbestimmtheit bereitet, löst die Frage nach der Wahrheit der Wahrnehmung nicht auf. Sie macht ihre Anschauung selbst zu einem wesentlichen Sein, worin alle wirkliche Wahrnehmung in der Symbiose einer unendlichen Nichtigkeit von deren Subjekt und Objekt zergeht. Solche "Wahrheit" impliziert die Vernichtung von Wirklichkeit, wenn sie sich zu einer kosmischen Vernunft vereint. Es gibt keine Positionen der Wahrheit. In jedem Fall besteht Wahrheit ohne Wahrnehmung nur aus einer bloßen Wahrheitsbehauptung. Die Frage nach der Wahrheit ist die Frage der Wahrnehmungsidentität, eine Frage nach der Gewissheit darin, worin sich Menschen mit ihrem Leben einig sind, worin sie sich in ihrem Leben erkennen. Dies ist sowohl eine Frage an die Welt, wieweit sie in sich wahr ist, wie es auch eine Frage an das fragende Subjekt ist, wieweit seine Fragen und Äußerungen Sinn haben. Die Suche nach Wahrheit ist für Menschen in ihrem Alltag schon so essenziell und wichtig, dass sie täglich Wahrheitsfragen verfolgen, auch wo sie dies unmittelbar gar nicht nötig hätten (z.B. im Kriminalroman oder Kriminalfilm). Dabei spielt man Untaten, Undinge, Fakten. Psychologie und Logik so herbei, dass sie mehr oder weniger gute Beispiele für eine gelungene Wahrheitsfindung abgeben. Und sie zeigen auch schon, was das Material einer Wahheitssuche ist - bis auf das, was Wahrheit ausmacht und was im Medium untegegangen ist: Die Identität des Dargestellten im Sein des Produzenten der Darstellung. Kein Wunder, dass ein guten Teil der Ideologievermittlung inzwischen in den täglich ausgestrahlten Filmen erfolgt, welche die Ideologie ganz einfach als praktische Notwendigkeit gegen das Unheil erscheinen lassen, Wahrheitsfindung also als Erkenntnis des Bösen verkaufen. Es verbleibt das Medium selbst als die Täuschung des Guten, welches sich als Wahrheitsvermittler auftut. Doch genau das kann nicht wahr sein. Vermittelte Wahrheit ist immer nur die Wahrheit des Mittels. Wahrheit ergibt sich aus der Überwindung einer Täuschung, aus der Gewissheit, dass, was täuschte, nicht ist, dass es nur scheinbar oder etwas ganz anderes ist, nicht wirklich da, aber eigentlich doch oder einfach nur Lüge, Ablenkung, Kitsch. Die Suche nach Wahrheit befragt, was ist von dem, was es sei, und was ist davon da, in dem was ist. Hinter jeder Wahrheitsfrage steckt also immer schon die Frage nach einem Grund für das, was so ist, wie es ist, ein Wissen, dass ohne Grund nichts sein kann. Die Wahrheitsfrage ist eine Seinsfrage, also unabhängig von der jeweiligen Zeit, zeitlos. Sie ist außerhalb der wirklichen Geschichte, Reflektion ihrer Wirklichkeit und ihres Grundes. Sie ist die Frage, ob das, was geschah, geschieht oder geschehen wird, wirklich wahr ist. Ist das, was geschieht, auch wirklich so, wie wir es denken? Sie kann aber auch im Interesse einer Lüge gestellt werden als eine Wahrheitsbehauptung oder Unwahrheitsbehauptung, worin alleine eine Täuschungsabsicht Wirkung erzeugen will, dass das, was ist oder war, nicht gewesen sein könne (vergl. z.B. die Holocaust-Leugnung). In jedem Fall entsteht die Frage, ob das, was ist, auch so ist, wie es scheint, wie es dem Augenschein nach ist, ob es also das ist, als was es wahrgenommen wird. Jenseits hiervon oder zugleich kann die Wahrnehmung auch selbst unwahr sein, befangen von ihrem eigenen Sein, im Wahn oder in zwiespältiger Beziehung oder ähnlichem. Auch hierzu besteht die Frage nach ihrer Wahrheit: Ist sie wahre Wahrnehmung oder ist die Wahrnehmung selbst geblendet, bedrängt, ungenau, verrückt, irre usw.? So entwickelt sich die Frage nach der Art und Weise des Wahrnehmung, ob, wie wir die Welt wahrnehmen, sie auch so ist, dass wir sie verstehen können, so dass sie sich uns auch erschließt. In allen möglichen Erkenntnistheorien wird daher die Frage verfolgt, ob es eine eigenständige Wahrheit, etwa eine Vernunft der Wahrnehmung gibt, der wir folgen müssen, um Wahrheit erkennen zu können, oder ob es das Unhinterfragbare an sich, das Undenkbare, einen Gott gibt, der uns lediglich seinen Ratschluss erkennen lässt. Doch all dies widerspricht unserer Fähigkeit, solche Frage überhaupt stellen zu können, unserer Selbstevidenz, die ihr schon vorausgesetzt ist. Mit der Hinterfragung der Wahrnehmung aber ist das Wahrgenommene nun schon doppelt in Frage gestellt, sowohl für sich wie auch durch die Wahrnehmung: Gibt es das überhaupt, gibt es das wirklich, oder ist es nur scheinbar (siehe Schein), unwesentlich. Ist es ein wirkliches Wesen oder ist es wesentlich unwirklich oder ist es beides in einem? Am schwersten ist die Frage nach der Wahrheit zu beantworten, wenn sie unmittelbar zwischen den Menschen steht, wenn sie sich um ihre Wahrnehmungen streiten, sich ihre Wahrnehmung streitig machen. Da geht es dann um die Wahrheit des Lebens selbst, um Liebe und Hass, um das, was Leben und das, was Tod ist, was die Menschen für sich selbst in Wahrheit sind, was überhaupt in ihnen lebend und was tot ist. Es ist für jeden Menschen die innigste Identitätsfrage die Frage, was er überhaupt von seinem Leben kennt und erkennt. Wenn in solcher Selbsterkenntnis Menschen seelische Macht über andere gewinnen, entsteht im Streit um die Wahrnehmung Irrsinn, pure Gewalt gegen die Wahrheit, gegen Identität schlechthin. Daran werden die Menschen beiderseits der Wahrheit verrückt: Die Besiegten und die Sieger. Wer die Wahrheit nicht erkennen will, der steht in der Bestimmung einer Negation seiner Kenntnisnahme, im Nichts, und betreibt durch die Erzeugung von Nichtigkeit Vernichtung: Abtötung, Abstumpfung, Verdummung. Das Leben selbst steckt in allen Wahrheitsfragen, ist die Wahrheitsfrage schlechthin: Was ist wesentlich Leben, was Scheinwelt, was Täuschung? Was verstellt uns unser Sein, was macht es unwesentlich, fremd, tot? Was hat die Kraft hierzu? Ist es ein Unwesen, eine Macht der Fantasie oder der Täuschung? Und worauf sieht es dieses ab und wovon sieht es ab, worauf reduziert es sich, was ist seine Absicht, was macht es wesentlich und was bringt es zur Verwesung? Um das zu erkennen, muss ich es herausfinden. Erkenntnis hat Wahrheit nötig, ist ihre Formulierung. Was ich erkannt habe, das halte ich auch für wahr. Ich muss mich also auch fragen: Mache ich es richtig, was ich da tue? Meine ich das wirklich, was ich da sage? Empfinde ich wirklich das, was ich fühle? Und es muss auch gefragt werden, ob mein Tun in der Welt wirklich gegenständlich ist, ob es Sinn hat, dies oder jenes zu tun, ob die Welt nur für sich oder für die Menschen da ist. Es gibt zwar keine Wahrheit des Seins, aber es gibt eine Wahrheit der Erkenntnis darin. Wahrheit ist die Einheit der Erkenntnis im Sein mit ihrem Gegenstand. In Wahrheit ist alles eins. Das Unwahre gibt es nicht (siehe Kritik an Adorno). Das Resultat der Erkenntnis ist das bewusste Sein als Bewusstsein. Die Frage nach der Wahrheit wird gestellt, weil und sofern man einer Sache oder sich selbst im einzelnen seiner Wahrnehmung und Tätigkeit nicht trauen kann. Man kann sich nur trauen und sich also auch nur etwas zutrauen, wenn man das begreifen kann, was man wahrnimmt, sowohl als etwas Gewisses als auch als etwas Erkennbares. Wahrheit ist letztlich nur eine Gewissheit der Erkenntnis. Wahrheit die ich an etwas finde und nehme, kann nur darin bestehen, dass ich etwas durch meinen Sinn hierfür unzweifelhaft sowohl zu meinem Wissen ( ), als auch zu meiner Erkenntnis ( ) bringe. Das als wahr erkannte Wissen entspringt meiner Beziehung zu dessen Gegenstand, sowohl in der Begegnung, in der Form des Zusammentreffens, als auch in dessen Sinn, also in seinem ganzen Sein. Der Wahrnehmungsprozess kann also nur in einer Wahrheit enden, welche das in der Begegnung erworbene Wissen als Ganzes im Sinn hat, begriffen hat, was es für das Subjekt der Wahrnehmung ist, Bewusstsein dessen, was erkannt ist. Das ist oft nicht so einfach, zumal die Dinge nicht immer so sinnlich sind, wie sie scheinen. In ihrer Unmittelbarkeit machen sie nur den Sinn, den sie durch sich haben. Beuge ich mich diesem, so kann ich sie unendlich auffassen, sie als Gegebenheit dadurch anerkennen, dass ich mein Wissen durch sie bestimme. Ich werde dann Wissen hierüber sammeln und Erfahrung mit ihnen erwerben. Ihr Sein erscheint gegeben als Dasein. Und als Gegebenheit erscheinen die Dinge als Welten für sich, als Dinge, in welchen Welt erscheint und waltet. In der Aneignung dieser Welt verliere ich mich zwangsläufig. Ich kann sie nicht als meine Welt erkennen, weil ich mich darin nicht erkennen kann. Das Walten der Dinge, das als ihre Bestimmung für sich zu sein scheint, lässt mich selbst nur Unwelt und Unweltlichkeit sein und also auch als diese nur Unsinn erkennend sein. Erkenne ich die Selbstbestimmtheit der Dinge, die Verhältnisse der Sachen, nicht als Unding, so verbleibt mir auch nur der Schein meiner selbst als Selbstbestimmtheit durch die Dinge, welche ich zum Leben brauche. Diese haben dann Macht über mich, bevor ich sie überhaupt als Dinge meiner Welt erkennen kann. Sie walten über mich als Gewalt meiner Selbstbestimmtheit.. Das Walten der Welt wird damit zum Mythos, weil es als Gewalt erfahren wird, im Grund als Lebensbedrohlichkeit. Nicht äußere Verhältnisse, sondern mein Leben selbst erscheint mir bedrohlich begründet. Je mehr ich mich darin schon verloren habe, desto inniger erscheint diese Bedrohung. Die Sehnsucht nach eigener Ursprünglichkeit in der Welt wird nicht gestillt, sondern erweist sich als gedemütigt, als vereitelte Gewissheit durch böse Mächte, die in mich eingedrungen sind. Von daher machen sich Ursprungstheorien ( ) zu ihrem Stellvertreter, zur Behauptung eigentlicher Eigenheit und damit zur Macht des Guten. Sie behaupten sich über alle wirkliche Weltlichkeit hinweg als Heilsprinzipien ( ), die sich dem Unheil entgegen zu stellen vermögen. Von dieser Welt soll erlöst werden, wer sich ihrem Heil vollständig beugt, wer sich als Körper zu ihrer Erlösung hingibt, sich opfert um der weltlichen Verkörperung des heilen Menschen willen, des gesunden Volkskörpers. Der Sinn, den ich in der Welt der Dinge finde, ist eben nicht immer und ohne weiteres für mich. Ich finde darin zunächst nur einen Sinn, den ich nicht für mich erkennen und also auch nicht anerkennen kann. Das Wissen hierüber aus der Begegnung mit den Dingen des Lebens wird schal, wenn ich keinen Sinn für mich darin entdecke, wenn mir diese Dingwelt fremd bleibt. Aber was heißt das: Ich lebe unter ihrer Bedingung und finde doch keinen Sinn darin? Die Wahrheitsfrage müsste an die Welt gerichtet sein, die mich leben lässt, ohne dass ich darin Sinn finden kann. Was macht sie fremd, was macht mich ihr fremd? Das ist zweierlei in ein und demselben Sinn: Bin ich nichts für die Welt oder ist die Welt nichts für mich? Ich könnte genauso gut von ihr, wie sie von mir absehen. Welcher Unsinn das doch ist für einen Wahrnehmungsprozess, der immer eine Beziehung von Subjekt ( ) und Objekt der Wahrnehmung unterstellt. Durch dies wird Wahrheit zu einem Rätsel von übersinnlicher Dimension, das sich als zweifelhafte Sinnlichkeit schlechthin, als Unmöglichkeit von eigenem Sinnlichsein in der Welt auftut. Dass Wahrheit nur aus Unzweifelhaftigkeit, also nur aus Identität bestehen kann, das ist trivial. Es ist aber sehr komplex, eine solche Identität zu erreichen, wenn auch die Gegenstände der Wahrnehmung nicht zweifelsfrei sind. Einfacher ist, ihnen und den Menschen eine Beziehung abzusprechen und der Erkenntnis eine abstrakte Identität zu geben, eine unendliche Identität im Jenseits der zweifelnden Menschen. Sobald dieses durch Abstraktion zweifelsfrei Gemachte in der Rückbeziehung auf die Menschen, in der Re-Ligio zu einem übermenschlichen Sinn verfestigt wird, wird es zu einer Geistesmacht der Abstraktion, die sich über alles Konkrete hinweg verhält, zu etwas Übersinnlichem, das seine Wahrnehmung aus dem Diesseits nimmt und ihre Identität in einem Jenseits behauptet. Darin kann es nur reine Metaphysik sein, abstrakte Wahrheit eines Wesens, das nicht sein kann, rückgebundenes Wesen der abstrakten Allgemeinheit aller Beziehungen, Allgemeinwesen eines verselbständigten Geistes: Gott. Er ist der Inbegriff einer unendlichen und also geschichtslosen Erkenntnis als Ende aller Erkenntnis, ihr absoluter Selbstverlust. Vom Menschen verlangt er die absolute Erkenntnislosigkeit , denn er ist nichts anderes, als die Angst Gottes vor menschlicher Erkenntnis und damit das ins Endlose gesteigerte, das ewige Verbot, vom Baume der Erkenntnis zu speisen. Nur die Neu-Gierde, das menschliche Verlangen nach Endlichkeit hat es durchbrochen, dafür aber die Menschen, soweit sie weiterhin an Gott glauben, mit einer Lebensschuld, einer Erbsünde bedacht, die sie fortan nicht an Ihm, sondern an sich zweifeln lässt. Um dies den Menschen zu vermitteln, musste Gott selbst Mensch werden und durch seinen Opfertod am Kreuz die Menschen in die Lebenspflicht nehmen, indem er ihnen damit die Erbsünde nahm. Die Lebenspflicht der Christenmenschen ist nichts anderes, als die fortgetragene Opferbereitschaft Gottes, der Zustand ihrer Erkenntnislosigkeit. Die unmöglich gemachte Sinnlichkeit verlangt die zur Ewigkeit transzendierte Erkenntnis. Doch diese ist ein Ungetüm, eine Macht über alles Leben. Man kann dieser nur aus der konkreten Endlichkeit, aus der eigenen Geschichte heraus widerstehen, auch wenn diese zweifelhaft ist. Um der eigenen Erkenntnis aus allem Zweifel der Endlichkeit heraus nachzugehen, müssen wir auf die Wahrheit unserer Wahrnehmung bestehen, auch wenn wir darin zunächst nur fragend innehalten können. Die Frage nach ihrer Wahrheit zeigt doch nichts anderes auf, als dass Unsicherheit in der Wahrnehmung besteht, dass aus ihr heraus keine Erkenntnis unmittelbar möglich ist. Sie unterstellt deren Ungewissheit, die einer Vermittlung entspringt, die im Wahrnehmungsprozess selbst verläuft. Ist es keine Ungewissheit des Augenblicks, die im nächsten schon zu beheben wäre, stösst sie immer wieder an ihre selben Grenzen. So systematisch diese wirken, so systematisch wird Ungewissheit zu einem Zustand, in welchem die Wahrnehmung nur in sich verharrt und für anderes zu ist, unendlich sich im Zirkel um sich selbst bewegt. Es ist, als ob darin sich ein Unwesen vor die Erkenntnis stellt, die sie enthalten könnte, eine Beziehung, die sie nicht einfach wahr sein lassen kann. Es ist die Frage nach dem Wesen ihres unerfindlichen, ihres vermittelten Seins, das die Menschen nicht ohne weiteres erkennen lässt, was sie sie sind, fühlen oder beabsichtigen. Wahrnehmung ist kein unbedingter Gegenstand der Erkenntnis. Sie ist als solcher dadurch bedingt, dass sie sich in Ungewissheit aufhebt, wenn diese nicht durch Erkenntnis überwunden wird. Sie verlangt nach der Erkenntnis, warum sie sich nicht als begründet erkennen lässt, warum sie also einen eigenen Grund hat, sich gegen ihren Gegenstand zu verhalten. Nicht erst in den krasseren Formen der Selbstbedrängung (z.B. Depressionen, Zwangshandlungen, Wahnsinn), wodurch Ungewissheit überwältigt wird, ist dies offenkundig, sondern schon im Wahrnehmungsprozess, wenn er sich seinem Erkenntnisvermögen entzieht, wenn er selbst die Identitätslosigkeit erzeugt, gegen die er wahrheitssuchend angetreten war. Aus diesem Grund ist die Wahrnehmung selbst zu einem Gegenstand der Erkenntnis geworden, aus dem hervorgehen soll, was sie unwahr macht. Das ist nicht einfach, verlangt es doch, einen "Fehler" in ihr zu finden, einen Fehler, den es als solchen gar nicht wirklich und materiell geben kann. Selbst wenn ihr Sinne fehlen, wird sie dadurch nicht verfälscht - im Gegenteil: Blinde, Taube, Stumme usw. vermögen ihre anderen Sinn so zu schärfen, dass sie zu einem bedeutenden Teil die Arbeit der fehlenden Organe übernehmen. Die Wahrnehmung ist fähig über die Stofflichkeit ihrer Sinne hianauszuwachsen. Die "Unwahrheit" der Wahrnehmung besteht nicht aus einem Mangel, sondern aus einem Überfluss, aus Bestimmungen, die sie beherrschen, die ihr Element verformen, ihm eine fremde Form geben. Man muss sie als Elementarform der Erkenntnis selbst erkennen und das von ihrem Inhalt unabhängige Sein ihrer Formverwandlung ergründen. Hierfür muss der Grund, die Substanz und das Maß ihrer Formbestimmung in ihrem Sein gefunden werden. Sehen wir daher vom Inhalt der Wahrnehmung ab, um ihre Form in ihrer Selbständigkeit als ihre verselbständigte Form zu begreifen - etwa so, wie man vom Inhalt eines Films absieht, wenn man das Interesse an seiner Darstellungsform ergründen will, die sich sicht aus dessen Inhalt ergibt. Man muss in Gedanken auf das zurückgehen, was hinter ihr steht, was ihr wesentlich zu innerst ist, was ihr Sein, die Substanz ihrer Wahrheit ausmacht, die nicht wirklich sein kann. Es geht dabei um etwas Doppeltes: Um Verhältnisse, die anders sind, als sie erscheinen, Verhältnisse, die notwendig anders erscheinen als sie sind; und es geht zugleich darum, dass diese Erscheinung in der Form, worin sie wahrgenommen wird, unerkennbar ist, dass sie keinen Sinn ergibt, dass also ihr Sinn selbst in Frage steht. Den notwendigen Schein der bürgerlichen Lebensverhältnisse hat Karl Marx in seinem Buch "Das Kapital" umfassend beschrieben und analysiert und auf den Wert zurückgeführt, wie er im Warentausch entsteht und sich in dieser Gesellschaft entfaltet. Er nannte ihn den Fetisch, in welchem sich das praktische Bewusstsein dem Segen des Unmittelbaren hingibt und das Erkenntnisvermögen der Vermittlung des eigenen Seins aus der Warenwelt, dem gesellschaflichen Schimmer und Glanz des Geldes überlässt. In ihrem Warenfetischismus überantworten sich die Menschen einem ihnen äußerlichen Subjekt, das sie bedienen, um ihre Sinne und Bedürfnisse zufrieden zu stellen. Wir haben es hier aber nicht mehr nur damit zu tun, sondern vor allem mit einem Ort, wo der Warenfetisch selbst keinen Sinn mehr hat, weil er auf Bedürfnissen gründet, die keinen Sinn mehr haben. Es waren Bedürfnisse, die sich auf eine gesellschaftliche Form der Bedürfnisbefriedigung bezogen und sich daher deren wesentlichem Mittel, dem Geld beugten und es als Allgemeinheit ihres Befriedigungsmittels feierten. Hier geht es um dessen Sinnentleerung, also um eine gesellschaftslose Form von Bedürfnisbefriedigung. Wenn die Bedürfnisse keine sinnvolle gesellschaftliche Wirklichkeit mehr haben, so steht eine Gesellschaft zwar in Frae. Sie ist aber hierduch nicht schon aufgehoben. Eine Gesellschaftsform ist nicht selbst schon überwunden, wenn sie keinen Sinn macht. Sie gründet nach wie vor auf Privateigentum und Ausbeutung von Leben und Arbeit der Menschen. Aber der gesellschaftliche Sinn der Bedürfnisse vermittelt sich nicht mehr im Geld. Geld selbst ist das Bedürfnis, dessen Befriedigung Menschen verfolgen, die gesellschaftliche Beziehungen in der Vermittlung ihres Geldbesitzes wahrnehmen. In der Allseitigkeit und Gleichgültigkeit dieser Beziehungen offenbahrt sich der Zweck, den Geld für Menschen hat, die keine Warenverhältnisse mehr eingehen können, weil sie mit derem Produkt selbst, mit dem zirkulierenden Finanzkapital zu tun haben. Das Tun und Leiden dieser Menschen verläuft in der Abstraktion ihrer Wahrnehmung zur blanken Selbstwahrnehmung. Um dieses geht es hier. Es geht also um Verhältnisse, die keine Form haben, die für sie wahr wäre, die eine Gewissheit haben könnte und es geht um eine Gewissheit, die keinen Sinn macht. Hierdurch ist die Wahrnehmung selbst zu einer höchst ungewissen Form menschlicher Erkenntnis geworden. Deren Substanz zu erkennen, verlangt die Analyse ihres Daseins als Wahrnehmungsprozesses, worin ihr Sein erkennbar wird. Hierfür muss ermittelt werden, was diese Form ausmacht, welche andere Wahrheit sie noch enthält, durch welche sie nicht wahr sein kann. Wahrheit lässt sich also nur in einem Prozess finden, dessen einzelne Momente sich in hohem Maße unterscheiden, aber allesamt miteinander zu tun haben. Die Wahrheit dieses Prozesses besteht aus einem allgemeinen Seinsgrund, der in ihr selbst nicht wirklich zutage tritt, der aber ihre Form bestimmt.
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