 | Teil II: Die persönliche Zwischenmenschlichkeit Abschnitt 3: Die Formen der Selbstentfremdung |  | 
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|  |  |  |  | 2 | 2. Das herausgesetzte Selbstgefühl (Die veräußerte Gegenwart) |  |  |  | In der Gemeinschaft von Empfindsamkeiten hatte sich in zwischenmenschlichen Erziehungsverhältnissen ein objektives Gefühl ergeben, das vor allem die Empfindungen bestimmt hatte, das also Empfindungen sehr empfindsam ausgeschlossen hatte. Hierdurch haben die Gefühle ihren Grund nur noch in einem bodenlosen Verlangen, zu sich zu kommen. Das Selbstgefühl wurde von den Empfindungen abgetrennnt und betrieb für sich eine Vorstellungswelt voller Sehnsüchte. Diese kehrt sich früher oder später auch wirklich gegen die Empfindungswelt, der sie entsprang, indem sie nach Mittel verlangt, welche eine hiergegen jenseitige Identität stiften. Durch diese Mittel werden die herrschenden Empfindungen schließlich auch wirklich ausgeschlossen.
War bisher von der Aufhebung von Empfindungen in der Verkehrung von Gefühlen die Rede, so geht es daher nun um die Aufhebung von Empfindungen, in welcher die Entleibungsverhältnisse bestimmter Lebensverhältnisse wahrgehabt werden. Es geht daher um die Abschirmung und Verselbständigung einer Gefühlswelt, welche hiergegen abgeschottet ist. Es geht damit um eine Abschottung von Gefühlen, welche ihre wirkliche Identität dadurch verlieren, dass sie vom bloßen Körper und seinen Stoffen vermittelt werden. In solchen Gefühlen reflektiert sich eine Welt, welche die Sinne ihrer tatsächlichen Leiblichkeit enthebt und sie selbst zum Mittel der Heraussetzung von einer gefühlten Identität bestimmt, welche als Selbstgefühl durch eine selbständige, also von ihrem wirklichen Sein abgetrennnten Empfindungswelt besteht.
Dies geschieht zunächst an den Menschen selbst durch Erzeugung ihrer Selbstentfremdung (Sucht), dann durch das Dazwischentreten einer fremden Kraft gegen sie (Zwangshandlung) und schließlich durch die Objektivierung einer Gewalt, welche die Menschen selbst einer Scheinwelt unterjocht (die sogenannte Soziopathie), indem sie jede Selbstwahrnehmung zu ihrem Mittel macht und darin alle Empfindungen und Gefühle in sich aufhebt.
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21 | 2.1 Zwang (Zwangsverhalten) |  |  |  |
Die Probleme mit der Selbstvergegenwärtigung entstehen durch die Entgeisterungen der Selbstwahrnehmung in Lebensverhältnissen, in welchen alle Sinne schon vorweggenommen sind, die darin entstehen könnten.
Die abstraken Erlebenswelten sind in sich unendlich bestimmt und heben jede Gewissheit aus, besonders jede Selbstgewissheit. Menschen, die in solchen Verhältnissen leben müssen, erleiden oft eine Sucht nach Selbstvergegenwärtigung, welche sich in einem zwanghaften Verhalten vollzieht.
Die ungemeinen Anspannungen, welche solches Verhalten verursacht und zugleich bestärken, werden oft durch künstlerische oder musische Ausdrucksformen gemildert oder ganz aufgehoben.
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211 | 2.1.1 Stottern, Ticks |  |  |  |
Im Stottern vollzieht sich eine Entfremdung der Sprache vom Sinn ihrer Bezogenheit auf eine Welt, deren Unsinn eine sprachliche Bedeutung für den Betroffenen hat. Was er sagen will, ist ihm zu einem Müssen geworden, weil ihm Mitteilung selbst zu einer Beziehung gegen sich selbst geworden ist, eine Mitteilung gegen eine hiergegen gefestigte Beziehungswelt, deren Sinn und Bedeutung übermächtig empfunden wird, weil die Beziehung auf sie einen Bedeutungsausschluß enthält. Dies treibt Sprechen an, um auf einmal viel zu sagen, um also hierdurch diese Welt zu errreichen.
Zuviel ist immer Vorwegnahme und die Notwendigkeit eines Vorgriffs auf das zu Sagende führt zu Sprachschwierigkeiten. Diese folgen dem Zwang, etwas zu sagen, bevor es gesagt, bevor es also selbst zu einer Wortbedeutung werden kann. Der Drang zum Stottern nimmt mit der allgemeinen seelischen Belastung zu und beruhigt sich bei außersprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten (z.B. Musik machen).
Ticks vergegenwärtigen eine Erregung, die sich nicht einbeziehen kann, weil sie ihrer Bedeutung nach keine Beziehung gefunden hat, weil also ihr Sinn nicht vollständig aufgehen kann und durch den Tick aufgehoben wird.
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2.1.2 Selbstverletzungen und Essstörungen (Autoaggression)
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Autoaggressionen suchen im Schmerz der Selbstkasteiung nach der Selbstgewissheit einer Empfindung, welche durch eine zunichte gemachte Selbstwahrnehmung in eine Abwärtsspirale des Selbstverlustes gekommen ist. Was in einer unmöglich gewordenen Geschichte in einer umöglich gewordenen Beziehungswelt an Gefühlen ertragen wird, schließt die Selbstwahrnehmung aus, die sich durch Selbstverletzung wieder herstellen soll. Der wirkliche Schmerz löst Angstzustände auf und reduziert eine depressive Problematik vorübergehend auf eine körperliche Befindlichkeit.
Ess-Störung ist eine Selbstverletzung über den Ausschluss von Nahrung. Sie geht gegen jede Art von Einverleibung, indem sie den Leib gegen Nahrungsaufnahme bestimmt. Es geht dabei weder um einen bewussten Protest noch gegen allgemeine Probleme mit Konsumtion. Die Nahrungsreduzierung ist die Tätigkeit einer Empfindung, die sich gegen das wehrt, worin sie ihren Körper verloren fühlt, weil er das Medium ihrer Selbstentfremdung geworden war.
Die Verweigerung strebt nach einem Leben, das sich nicht mehr fühlen lässt, dem jedes Gefühl abhanden gekommen ist. Hierdurch unterscheidet sie sich von der Depression. Es ist zugleich Affirmation und Flucht, Wahrnehmung einer ungenießbaren Beziehungswelt als Verweigerung, die Flucht vor einem im Überleben der Lebensburg übersteigerten Lebensbild, das selbst die Überwertigkeit von Leben vermittelt und durch die Sinnesgemeinschaft der darin nur Überlebenden vollzogen wird. Ihr Gemeinsinn besteht im Unvermögen des Lebens durch Aufzucht aller Überlebensmöglichkeiten, welche zum Beispiel Kinder darstellen. Darin wachsen und gedeihen vor allem die Vorstellungen, welche das Bürgertum in sich trägt und welche es auf dem Altar eines funktionell hochwertigen Lebens zelebriert.
Hierdurch wird das Überleben so veräußerlicht, dass es nur noch als innere Notwendigkeit wahr werden kann, als vollständige Beherrschung der Schmerzen und in ihrem Erleben. Aber die so entstandene innere Überlebensnotwendigkeit ist so stringent und selbstzerstörerisch wie das Prinzip der Sucht, auch wenn der Vorgang hierzu gegensinnig ist: Die Selbstkasteiung ist wirkliche Selbstvernichtung, welche als Überlebensprinzip erscheint. Und diese Wirklichkeit ist in ihrem finalen Sinn tötlich, wenn nicht hiergegen eine Unwirklichkeit des Lebens, also das unverwirklichte Leben begonnen werden kann.
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213 | 2.1.3 Zwangshandlungen |  |  |  |
Zwangshandlungen sind Handlungen, die keinem persönlichen Zweck mehr entsprechen sondern wie aufgezwungen empfunden werden (z.B. häufiges Händewaschen aus Befürchtungen heraus, dass man sich beschmutzt haben könnte, ohne es bemerkt zu haben). Oft sind solche Handlungen auch von jeglicher Wahrnehmung unabhängig und zu allgemeinen Ritualen geworden. Sie dienen einer Selbstvergewisserung gegen eine unbestimmte Angst, oft mit dem Geraune ungeheuerer Mächte aus einem Hinterhalt verbunden, das sich als Stimmung einer Ungeheuerllichkeit breit macht.
Konkrete Ursachen sind unwahrnehmbar, und manche Handlungen befördern auch gerade mit höchster Aktualität das Hervortreten dessen, was zur Wahrnehmbarkeit drängt, vergleiche z.B. Freuds Geschichte von einer missglückten Hochzeitsnacht, welche mit Zwangshandlungen in der Verfolgung unendlich gesühnt werden musste - wie er es verstanden wissen wollte. Aber der Psychoanalyse muss dennoch entgegengehalten werden, dass es keine wirklichen Gründe oder geschichtlichen Ursache für solches Verhalten in der "Lerngeschichte", etwa eine übertrieben Reinlichkeitserziehung oder ähnliches, gibt. Es geht um eine ganz aktuelle Konfliktlage, welche durch Vermeidung bestimmt ist. Allem Zwangsverhalten gemein ist eine übermächtige Befürchtung, es könne ein Mensch untergehen, also seiner Identität verlustig werden, wenn er dem Handlungszwang nicht Folge leistet.
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22 | 2.2 Hysterische Selbstwahrnehmung |  |  |  |
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221 | 2.2.1 Die aufgehobene Selbstwahrnehmung (Psychischer Autismus) |  |  |  |
Autismus ist eine Wahrnehmung, die sich selbständig von ihrem Organ bildet, die also Wahrheit hat, welche die wirklichen Sinne umgeht. Weil ihre Organe aus seelischen (oder auch aus körperlichen, traumatischen oder genetischen) Gründen gelähmt sind, stellt sich die Wahrnehmung auf eine Vermittlung hinter den Organen ein, aus einem Zusammenfügen von Vermittlungswegen, die sich aus dem Gesamterleben erschließen.
Sind die Sinne nicht physisch gelähmt, so besteht ihre seelische Lähmung aus einem Sinn, der ihr Innenleben ausschließt, der also ihre Verbindung mit ihren Sinnen beherrscht und blockiert. Dies kann aus einem Schutzbedürfnis vor einem absoluten Identitätsschmerz her sein, der sonst die Wahrnehmung überkommen würde. Es kann aber auch in der Absicht einer Selbstzerstörung in der Wendung gegen eine vollständige Beherrschung der Sinne geschehen, z.B. aus Rache gegen eine lebensbestimmende Gleichgültigkeit. Autismus ist lediglich die Form eines vollständig ausgeschlossenen Sinns der Wahrnehmung, was immer sie darin auch wahr hat.
Autismus bildet den ausgeschlossenen Sinn als Seelenbild seiner Aufhebung aus, als Angst, Wut, Liebe, Erregung usw. welche sich nicht organisch vermittelt, sondern sich aus einer eingesperrten Seele heraus organisch in irgendeiner möglichen Art und Weise durch mehr oder weniger heftige Organbewegungen umsetzt.
Oft entwickelt sich im Autismus eine sehr hohe Abstraktionsfähigkeit und Intelligenz, welche die Wahrnehmung mehr oder weniger über intelligible Kräfte "vervollständigt", fehlende Empfindungen durch Ahnen und Fühlen überbrückt. Von daher haben sich auch geniale Gedankenwelten (vergl. Bürger) und Rechengenies dabei entwickelt.
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222 | 2.2.2 Die hysterische Eruptionen |  |  |  |
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223 | 2.2.3 Sinneslähmungen (Schlafsucht, psychische Taubheit und Blindheit) |  |  |  |
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23 | 2.3 Beziehungswahn (Soziopathie) |  |  |  |  |  |  |
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 | Weiter mit Teil II 3.3 Der Wahnsinn |  |  |
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