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Teil III: Die Ästhetik der Selbsttäuschung
Abschnitt 2: Die Heilskultur

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0. Einleitung in die Heilskultur (Die kultivierte Strenge)

Die Naturalisierung des Sittlichen hat die Selbstwahrnehmung verkörperlicht und ihre Absichten ihres Sinns enthoben. Dies hat eine Selbständigkeit des Seelischen zur Folge, welches allerdings zunächst nur Sehnsucht ist. Je massiver und massiger die Sitte wird, desto seelenloser wird sie: Unschön. Die Not der Sittlichkeit ist ihre seelische Unwirklichkeit in der Masse, die dies als Unmöglichkeit einer beseelten Ethik erlebt. Sie ist damit unästhetisch, ohne irgendeine Form der Menschlichkeit, ohne Liebe. Die Güte menschlicher Gefühle steht mit der Sinnlosigkeit menschlicher Gemeinschaft in dieser Kultur wirklich in Frage - und damit ihre Basis. Was sitlich ist, muss auch gewollt werden. Der ästhetische Wille bildet sich wie von selbst aus den Widersprüchen der Selbstwahrnehmungen, die sich nur in Selbstverleugnung sittlich gestalten können. Eine rein aufklärerische Sittlichkeit gibt es nicht wirklich und schon gar nicht in der Masse.

So bildet sich der ästhetische Wille auch nicht in der Körpermasse, sondern in deren Durchbrechung, in der Ohnmacht der Seele, welche nach Seelengemeinschaft verlangt. Darin wird der Glaube, welche dem Selbstgefühl schon in der einfachen Wahrnehmung zugrunde liegt, zur gemeinen Notwendigkeit. Es ist der allgemeine Glaube an die Güte der selbständigen Gefühlswelt - nicht als theoretisches Verhalten, sondern praktisch als Sehnsucht nach einer Ganzheit des Lebens voller Sinn und Liebe. Diese Sehnsucht kann sich nur als eigenständige Ästhetik des Willens durchsetzen, und dies wiederum nur durch ästhetische Versinnlichung des Gemeingefühls.

Darin erscheint die sittliche Masse sich selbst äußerst persönlich und verlangt nach einer persönlichen Gestaltung ihrer Sehnsucht und also nach einer Persönlichkeit, in welcher sie sich erkennen kann. Die Masse der Selbstgefühle werden darin zu einer Massenpsyche des allgemeinen sittlichen Selbstgefühls, zur Persönlichkeit der Gesinnung selbst.

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