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Fall der Profitrate
Was besagt die Theorie vom "tendenziellen Fall der Profitrate"?
1. Die Theorie vom Fall der Profitrate wird oft dahingehend verstanden, dass sie ein Ende des Kapitalismus aus seiner eigenen Logik heraus herbeiführen müsse. Dem wird entgegen gehalten, dass dies nicht eingetroffen sei und der Marxismus deshalb eine Irrlehre wäre, deren "Bekennerinnen" und "Bekenner" einfach nur drauf reingefallen wären. Marxismus ist jedoch eine Wissenschaft und braucht keine Bekenner oder Bekenntnisse oder sonstwelche Glaubensäußerungen. Außerdem besagt Marxismus nicht, dass der Kapitalismus aus sich selbst heraus ökonomisch zusammenbrechen und ein Ende in seinen Wirtschaftskrisen finden würde. Er besagt, dass der Kapitalismus sich gegen seine eigenen Bedingungen ermächtigt und daher seine menschlichen Ursprünge, seine Gesellschaftlichkeit zerstört und immer barbarischer funktionieren muss. Das Resultat seiner politischen Ökonomie ist die Zerstörung seiner Sinnhaftigkeit, der Durchsatz von Unsinn, nur um ihn zu erhalten, seine Werte zu retten.
2. Die Theorie vom Fall der Profitrate besagt nicht und nirgendwo, dass sie der Grund für einen Kollaps des Sytems sei und der Kapitalismus hierdurch von selbst zu Ende gehen könne. Er besagt, dass das Wirtschaftswachstum das Wertwachstum blockiert, dass die für die Preisbildung auf dem Warenmarkt mögliche Profitrate auf Dauer der kapitalnotwendigen Mehrwertrate (also das Maß der Ausbeutung der Arbeitskräfte) nicht folgen und sie tragen köne und damit die Durchschnittsprofitrate zunächst zurückentwickelt werden muss, um das realökonomische Ausbeutungsniveau zu senken, um es finanzökonomisch zu verschärfen. Hierbei müssen überproduzierte Werte, also bereits verausgabte menschliche Arbeit vernichtet und neue Produktionsphasen durch neue Marktausrichtungen, Kapitalinvestitionen und Beschleunigungen des Waren- und Kapitalumschlags entwickelt werden. Schon zu Marxens Zeiten waren die Krisen des Kapitalismus ständiges Thema der Nationalökonomen. Als bloßes Phänomen war es auch ihnen bekannt und ist dies bis zum heutigen Tag, wenngleich sie zwischen Mehrwertrate und Profitrate nie wirklich unterscheiden konnten und können, eben weil sie Marktwirtschaft in ihrem grundlegenden Antagonismus zwischen allgemeinem Antrieb und dessen einzelner Wirklichkeit, zwischen Wesen und Erscheinung, zwischen Produktion und Zirkulation, zwischen Wert und Preis der Waren nicht begreifen.
3. Insgesamt entwickelt der Fall der Profitrate eine Tendenz, die auf Dauer realökonomisch nicht auszugleichen ist, weil mit wachsender Produktivität zwar die Gesamtzusammensetzung des Kapitals wächst, aber im einzelnen Produkt dessen Wert im Verhältnis hierzu sinkt. Wert ist eben „nur“ der Wert menschlicher Arbeit, der durch Technologie pro Produkt anteilmäßig immer kleiner wird. Der Warenmarkt bekommt daher ein zentrales Absatzproblem, weil seine Preise, bzw. sein Warenabsatz immer weniger gelingen kann. Von daher ist es richtig, von einem tendenziellen Fall der Profitrate zu sprechen. Doch gerade hieraus hat Marx die Notwendigkeit der Entwicklung eines Finanzmarktes abgeleitet, der in der Lage ist, ein Geldrente aus reinen Eigentumstiteln, aus dem Besitz an Ressourcen, Boden, Gebäuden usw. einzunehmen, welche die Ausbeutung der Menschen per Grundkoste jenseits und erst nach der Produktion per Lohnabzug betreiben
4. Die realökonomischen „Marktprobleme“ lassen also ein Kapital auf dem Geldmarkt anwachsen, das Warenhandelskapital in Finanzhandelskapital umwandelt und aus Schuldverschreibungen (Wechsel) sich wie eine Parallelwelt eines Wertes hält, der einerseits Arbeitskraft abschöpft, indem er Mehrwert aus dem Warenhandel mit unveräußerbaren Produkten, also durch Verbilligung abzieht und andererseits Kredite vergibt, um durch einen Handel mit Kapital eigenständige Werte zu schaffen, um eben mit dem Gebrauchswert von Geld, das Kapital werden kann, sobald Investitionen wieder mehr Arbeitskraft binden können, ein Wertpotenzial für sich anhäuft, das sich sozusagen zwischen Vergangenheit der Ausbeutung und Zukunft des Kapitalismus positioniert und ernährt, solange der Geldhandel noch wirkliche Werte bewegen kann, solange also Preisfriktionen noch durch Geld darstellbar sind.
5. Wo die Realproduktion der Waren diese Bewegung nicht mehr hat, werden Dinge zu Wert, die nur politisch verwertbar sind und keine menschliche Arbeit oder relativ wenig Arbeit enthalten: Z.B. Grund und Boden, Erfindungen, Wissen, Information, Energie usw. Deren Preis wird aus dem gezogen, was aus den Arbeitslöhnen der Menschen jenseits ihrer Produktivität abgezogen werden kann; dies um so mehr, je weniger sie an der Warenproduktion beteiligt (z.B. ein großer Teil der Dienstleister) oder je weiter sie hiervon entfernt sind (z.B. Gesundheitswesen). Der politische Wert ist der Wert von Eigentumstitel, durch welchen z.B. über Mieten und Gebühren Geld eingezogen wird, das zwar durch Arbeit erworben wird, das aber nicht durch Mehrprodukte wertmäßig gedeckt ist.
6. Geld, das nicht produktiv gedeckt ist, ist fiktives Kapital, also ein Kapital, das nur potenziell existiert, das mal anwendbar ist, oder auch nicht, das mal hohe „Gewinne“ einbringt oder auch hohe „Verluste“, ganz nach dem, wie und wo hohe oder niedrige Preise bei gegebener und bleibender Wertlage fällig sind, und auf die man deshalb auch wetten muss, weil sie keine andere Realität hat. Diese Kapitalformation hat das fiktive Kapital zu einer selbständigen Weltmacht entwickelt und die Globalisierung des Kapitals, die auch schon in dessen Anbeginn angelegt war, betrieben. Diese ist also nicht ein Resultat einer böswilligen Ideologie, sondern die Ideologie des Neoliberalismus drückt dies nur in seinen Handlungsoptionen aus.
7. Marx hat all die geschilderten Verhältnisse in seinen drei Bänden des Kapitals abgehandelt und prophezeit, dass der Kapitalismus zwangsläufig in eine Barbarei unter die Menschen führt, wenn er nicht von seiner politischen Eigenmacht enthoben, also in die politische Macht der Menschen überführt, seine ökonomisch gestalteten Rechtsverhältnisse zu menschlichen Verhältnissen, seine politische Ökonomie zu einer ökonomischen Politik werden. Dazu ist eine voll entwickelte Produktivität nötig. Und die haben wir längst erreicht. Was jetzt geschieht, entscheidet die Zukunft zwischen Barbarei oder einem wirklichem Fortschritt der Menschheit. Dieser muss vor allem die bestehenden Rechtsformationen des Privateigentums, des Geldes, des Marktes und des Staates auf seine gesellschaftlichen Füße stellen und von seiner abstrakten Vermittlung abziehen.
Nach meiner Auffassung kann dies durch eine internationale Kommunalwirtschaft verwirklicht werden.
Siehe hierzu auch:
http://kulturkritik.net/lexex.php?lex=internationalekommunalwirtschaft