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Postone
zeitschrift f�r linke theorie & debatte (siehe auch http://www.grundrisse.net)
Karl Reitter
Ein Popanz steht Kopf
Zu Postones Buch: "Zeit, Arbeit und gesellschaftliche Herrschaft"
Postones Buch "Zeit, Arbeit und gesellschaftliche Herrschaft" erschien im Original bereits Mitte der 90er Jahre und liegt nun auch in deutschsprachiger �bersetzung vor. Diese Arbeit kann durchaus als eine Art Manifest der sogenannten Wertkritik bezeichnet werden. Die Wertkritik stellt nun keinesfalls eine einheitlich Str�mung dar, ganz im Gegenteil. Sowohl AktivistInnen der Krisis-Gruppe als auch der "Initiative Sozialistisches Forum", letztere mit klar antideutscher Ausrichtung, haben gemeinsam an der �bersetzung gearbeitet, obwohl sich diese Gruppen �u�erst kritisch, ja feindselig gegen�berstehen und ihre Form der Auseinandersetzungen bis an die Grenze der Handgreiflichkeit heranreicht. Aber Postone ist es mit seinem Buch offenbar gelungen, der Wertkritik eine so allgemeine programmatische Form zu geben, da� die unterschiedlichsten Str�mungen darin eine diskussionsw�rdige Basis ihres Marxverst�ndnisses erkennen. Grund genug, sich genau mit diesem Buch auseinanderzusetzen.
Aus Postones Arbeit wird klar, da� Wertkritik gegenw�rtig wohl als Sackgasse angesehen werden mu�. Ihre urspr�ngliche Intention bestand darin, ein vorgebliches Defizit des bisherigen Marxismus, oftmals als "Arbeiterbewegungsmarxismus" oder "traditioneller Marxismus" bezeichnet, zu korrigieren. Vereinfacht gesagt, ging es darum, den gesellschaftskritischen Gehalt der Begriffe der Kapitalanalyse, wie Ware, Wert, Doppelcharakter von Arbeit und Ware usw. herauszuarbeiten und damit gleichzeitig die Verk�rzungen des "Arbeiterbewegungsmarxismus" zu kritisieren. Diesem wurde vorgeworfen, die Kritik Marxens am Kapitalismus auf ungerechte Verteilung, Ausbeutung usw. zu reduzieren, somit die Tiefendimension der Marxschen Begriffe ebenso zu verkennen wie die notwenige Tiefe der Kritik am Kapitalismus. Allerdings ist die Wertkritik sehr rasch �bers Ziel hinausgeschossen und hat tats�chliche oder vermeintliche Verk�rzungen sehr rasch durch eigene ersetzte. Ja, in gewissem Sinne wurde der oftmals sehr grob und unzureichend dargestellte "Arbeiterbewegungsmarxismus" einfach auf den Kopf gestellt. Wurde diesem etwa aus wertkritischer Perspektive vorgeworfen, die Kritik am Kapitalismus auf ungerechtre Verteilung zu reduzieren, so wurde diese Verk�rzung sehr rasch durch ein v�lliges Unverst�ndnis der Ausbeutung und ihrer Konsequenzen ersetzt; auf die ehemalige Verehrung der fordistischen, industriellen ArbeiterInnenklasse folgte die Verwerfung des Klassenbegriffs �berhaupt usw. usf.. Franz Schandl schreibt etwa �ber den Begriff der Ausbeutung: "Ausbeutung ist eine moralisch aufgeladene Kategorie, die jedoch wenig begreift."[i] Mit dieser Aussage wird die Reduktion des Ausbeutungsbegriffs auf ungerechte Verteilung f�r bare M�nze genommen. Im Kern bezeichnet jedoch Ausbeutung jenen Proze�, durch den das Klassenverh�ltnis selbst produziert wird, in dem sich das Kapital die Produkte unserer Arbeit aneignet, und dieses Angeeignete uns als sachliche Macht entgegentritt. Ausbeutung ist Proze�, das Privateigentum an Produktionsmittel das Resultat. Zu sagen, "Wir arbeiten, aber die Bosse profitieren" ist bestenfalls nur ein Moment der Ausbeutung, keineswegs ihr eigentlicher Mechanismus. Gleichzeitig werden einmal gewonnene Erkenntnisse schematisch immer wieder wiederholt. Zentrales Beispiel daf�r ist die Kritik an der Arbeit, die auch im Buch von Postone zentral ist. Es ist sicher richtig und notwendig, der von Gewerkschaften und Sozialdemokratie (und nicht nur von ihr) transportierten Arbeitsmoral entgegenzutreten, die Affirmation der Lohnarbeit durch ihre Kritik zu ersetzen. Aber nach dem siebenundf�nfzigsten Artikel gegen die Arbeit, nach dem x-ten Manifest gegen sie, usw., w�re doch wohl die Frage angebracht, ob hier nicht das Kind mit dem Bade ausgesch�ttet wird.
In Postones Buch finden sich nun alle Halbwahrheiten, Verk�rzungen, Unzul�nglichkeiten und Fehldeutungen gesammelt und versammelt. Das erste Problem, und damit sind wir bereits mitten in der Kritik an Postone, ist die Art und Weise, wie die Thesen vorgetragen werden. Anstatt die Auseinandersetzung mit Marx zu er�ffnen und eine neue Debatte zu erm�glichen, wird die Rezeption von Marx hermetisch abgeriegelt. Das liegt weniger an dem schwer ertr�glichen Pathos, mit dem Postone die Erfindung des Rades pr�sentiert. Tats�chlich hat Stefan Breuer bereits ab Mitte der 70er Jahre vieles von dem vorweggenommen, was in Postones Buch als zentrale Aussage formuliert wird. Die Auseinandersetzung wird deshalb so erschwert, weil Postone suggeriert, seine h�chst selektive und einseitige Interpretation sei bei Marx eins zu eins zu finden, w�hrend jene Passagen, deren Buchstaben und Geist Postone ignoriert oder verschweigt, b�swillige Erfindungen und Verzerrungen des "Arbeiterbewegungsmarxismus" darstellten. Breuer war da weitaus redlicher. Er unterschied zwischen dem "guten" Marx, das sei der Marx des "automatischen Subjekts", der Marx der subjektlosen Herrschaft, der Marx des abstrakten Werts und dem "�blen" Marx, das sei der Marx des transhistorischen Arbeitsbegriffes, des Klassenkampfes – Marx, der Gattungsgeschichtler, der uns die Geschichte der Emanzipation durch Arbeit erz�hlen w�rde. Breuer anerkannte zumindest, da� seine Interpretation nicht restlos in den Marxschen Texten aufgeht. Wenn wir in der Folge einige Zitate aus den Marxschen Texten bringen werden, so wollen wir damit nicht reklamieren, wir seien im Besitz des "wahren" Marxverst�ndnisses, oder Marxinterpretation ersch�pfe sich in blo�er Verst�ndnisleistung, insofern alles klipp und klar in den blauen B�nden st�nde. Es ist selbstverst�ndlich legitim, ja notwendig, Marx auch zu kritisieren, seine Unklarheiten und schwachen Stellen aufzuzeigen und auf dieser Basis eine "neue Interpretation der kritischen Theorie von Marx" – so der Untertitel des Buches – vorzuschlagen. Statt sich mit den Wendungen und Aspekten der Marxschen Kritik detailliert auseinanderzusetzen, behauptet Postone seine h�chst einseitige Darstellung sei der wirkliche Marx, die von ihm ausgeblendeten Aussagen geistlose Erfindungen des Traditionsmarxismus. Indem Postone Auffassungen von Marx mit jenen des sogenannten Arbeiterbewegungsmarxismus vermengt und vermischt, indem er kaum unterscheidbar macht, was seine h�chstpers�nliche Interpretation und was die Auffassung von Marx darstellt, wo und in welchem Punkt �ber Marx hinauszugehen sei, wo wir ankn�pfen m�ssen und welche Passagen bei unserem Philosophen des 19. Jahrhunderts als eher problematisch einzustufen sind, sind wir mit einem h�chst hermetischen Text konfrontiert.
Mein Hauptproblem ist jedoch, da� das Buch aus der Perspektive der sogenannten objektiven, wissenschaftlichen Erkenntnis und nicht der Perspektive der Revolte heraus geschrieben ist. Postone will uns zeigen, wie der Kapitalismus ist, in seinem unver�nderliche Sosein. Er, Postone, als schreibendes und denkendes Subjekt steht hier, der Kapitalismus ist dort, als Objekt der Erkenntnis. Es ist eine kalte, gefrorene Welt, die uns Postone da zeigt. "Der Begriff des Wissenschaftlichen fu�t also auf einer offensichtlichen Unwahrheit, n�mlich auf der Vorstellung, es sei m�glich, einen Gedanken auszudr�cken, der den Denkenden ausschlie�t.", schrieb John Holloway [ii]. Postone breitet vor uns eine erstarrte, identit�tslogisch fixierte, kalte Welt aus, in der Momente der Revolte, des Widerstandes und der Befreiung nur Verwirrung stiften k�nnen. Aber den Kapitalismus als starr, als geschaffen zu analysieren, bedeutet f�r mich, den Kapitalismus im Kern zu verfehlen, das Proze�hafte, Unfertige, sich im Flu� Befindliche zu ignorieren und schon in der Theorie auszuschalten. Wie wir sehen werden, endet das Buch auch mit der Perspektive auf objektive, jenseits unseres Begehrens, W�nschens und K�mpfens ablaufende Prozesse. Kurz gesagt, die Botschaft lautet letztlich: Der Kapitalismus wird sich (hoffentlich) selbst abschaffen, indem er Arbeit und Proletariat abschafft. Und was tun wir bis dahin?
Hinzu tritt, da� Postones Buch trotz des nicht unbetr�chtlichen Umfangs einen sehr unfertigen, ja skizzenhaften Eindruck hinterl��t, der wiederum im krassen Gegensatz zum erw�hnten Duktus steht. Wer den Begriff der Zeit gemeinsam mit Arbeit und Herrschaft auf den Buchumschlag setzen l��t, von dem ist wohl zu erwarten, da� er das Verh�ltnis zwischen Uhrzeit und abstrakter Arbeit genau entwickelt. Aber gerade jene Passagen, in denen sich Postone diesem Thema widmet, also die Kapitel 5 ("Abstrakte Zeit") und Kapitel 8 ("Die Dialektik von Arbeit und Zeit") sind ausgesprochen vage beziehungsweise entt�uschend.
Im Kapitel f�nf versucht Postone, den Zusammenhang zwischen der Einf�hrung der gleichf�rmigen, abstrakten Uhrzeit und der kapitalistischen Produktionsweise nachzuzeichnen. Doch seine Aussagen bleiben ausgesprochen vage. "Die Urspr�nge abstrakter Zeit sollten in der Vorgeschichte des Kapitalismus, im Sp�tmittelalter gesucht werden." (310) Aber sind sie dort auch zu finden, und wenn: wie und wo? "Der Ursprung abstrakter Zeit scheint also mit der Organisation der gesellschaftlichen Zeit zusammenzuh�ngen." (315) Scheint es so, oder ist es so? "Ich behaupte also, da� das Aufkommen einer solchen neuen Zeitform mit der Entwicklung der Warenf�rmigkeit gesellschaftlicher Verh�ltnisse zusammenh�ngt." (323) Zweifellos eine Behauptung, f�r die vieles spricht, aber w�re es nicht n�tzlich, diese Behauptung genauer zu explizieren? Was unterscheidet "warenf�rmige Verh�ltnisse" von "kapitalistischen Verh�ltnissen"? Es wird zwar an einer Stelle das mittelalterliche, st�dtische B�rgertum kurzum als "Bourgeoisie" (318) bezeichnet, aber Postone behauptet an keiner Stelle eine direkte Verbindung zwischen kapitalistischer Produktionsweise und dem Entstehen der gleichf�rmigen Zeitmessung durch die Uhr. Wie auch, klafft zwischen beiden Ph�nomenen immerhin – nach seiner eigener Darstellung – ein Zeitraum von ungef�hr vier Jahrhunderten. Welchen Erkenntniswert hat also der Verweis – und mehr ist es ja nicht – auf die strukturelle Affinit�t zwischen Zeitmessung und gesellschaftlicher Durchsetzung des abstrakten Zeitma�es als Ma� des abstrakten Wertes? Das Verh�ltnis von gesellschaftlicher Durchsetzung der gleichf�rmigen Uhrzeit und der kapitalistischen Arbeitsorganisation ist aber sehr gut und ausf�hrlich analysiert worden. Als eine Studie unter vielen sei die Arbeit von Edward Thompson "Time, Work-Discipline and Industrial Capitalism" erw�hnt.[iii] Die Analysen der Durchsetzung der gleichf�rmigen Uhrzeit im Europa des 12. Jahrhunderts m�gen sicher nicht uninteressant sein; dennoch kommt Postone nicht �ber vage Analogien hinaus. Wenn er Seiten sp�ter selbstbewu�t behauptet: "Es wurde beispielsweise gezeigt, da� die Marxsche Bestimmung der Wertgr��e eine soziohistorische Theorie der Entstehung absoluter mathematischer Zeit als gesellschaftliche Wirklichkeit und als Begriff unterstellt." (323) [Da haben sich die �bersetzerInnen selbst �bertroffen] so m�ssen wir leider einwenden: Gezeigt wurde da nichts, bestenfalls skizziert.
Abgesehen davon, ignoriert Postone weitgehend den elaborierten Versuch Sohn-Rethels, den Zusammenhang zwischen Warenform und Abstraktion zu analysieren. Sohn-Rethel versuchte, die Abstraktion als solche aus den Abstraktionen des Warentausches abzuleiten, genauer, Sohn-Rethel meinte, da� Warentausch unbewu�t eine Reihe von Abstraktionen, ein "Absehen-von, Auskammern-von" voraussetzt und dergestalt Abstraktion gesellschaftlich wirksam werden konnten. Daher wurde er zeitlebens von der Intuition geleitet, "da� im Innersten der Formstruktur der Ware - das Transzendentalsubjekt zu finden sei."[iv], da Abstraktion nicht nur die Dinge in der Welt, sondern auch das Subjekt erfassen m�sse. Die Abstraktionen, so Sohn-Rethel, seien historisch mit dem geldvermittelten Warentausch gesellschaftlich wirksam geworden. Von dieser These ausgehend, versuchte Sohn-Rethel nicht nur die abstrakten Begriffe der Naturwissenschaft, etwa die gleichf�rmige Uhrzeit, auf ihren gesellschaftlichen Entstehungszusammenhang zur�ckzuf�hren, sondern auch die Basis f�r die Trennung von Hand- und Kopfarbeit verst�ndlich zu machen. Es sei kein Zufall, da� mit dem Aufkommen der M�nze[v] in der griechischen Antike die Philosophie sich als getrennte Kopfarbeit, abgesondert vom �brigen Produktionsproze�, etablieren konnte, ja mu�te. Das ehrgeizige und umfangreiche Programm von Sohn-Rethel halte ich zwar f�r gescheitert, wer jedoch den Zusammenhang von Warenproduktion und Abstraktion untersucht, sollte Sohn-Rethel nicht einfach wie Postone mit einigen Worten abtun. Postone zitiert Sohn-Rethel im Grunde nur, um sich von dessen Begriff der "Produktionsgesellschaft" abzugrenzen.
Was verstand Sohn-Rethel unter diesem Ausdruck, warum mu� Postone dagegen polemisieren? Sohn-Rethel entwickelte einmal den Begriff der "gesellschaftlichen Synthesis". Unter gesellschaftlicher Synthesis verstand er den Modus, oder wenn mensch will, den Mechanismus, der den gesellschaftlichen Zusammenhang herstellt. Sohn-Rethel unterscheidet dabei zwei m�gliche Mechanismen des gesellschaftlichen Zusammenanhangs in allen nur denkbaren Gesellschaften. Entweder werden gesellschaftliche Beziehungen durch den Tausch konstituiert, oder sie werden unmittelbar in der gesellschaftlichen Gesamtarbeit, also im Arbeitsproze� selbst konstituiert. Die erste Form entspr�che prinzipiell der Klassengesellschaft, die zweite w�re zumindest der M�glichkeit nach klassenlos. Tats�chlich spricht alles daf�r, da� beide Formen in der kapitalistischen Gesellschaft verwirklicht sind. Nat�rlich passen sie nicht zusammen. Synthesis durch den Tausch und Synthesis durch die gesellschaftliche Gesamtarbeit stehen in strikter Entgegensetzung. Der entgegengesetzte Doppelcharakter von Tauschwert und Gebrauchswert, von Verwertungsproze� und Arbeitsproze� mu� sich auch im entgegengesetzten Doppelcharakter der gesellschaftlichen Beziehungen zeigen. Wir verhalten uns zueinander einerseits als K�ufer und Verk�ufer, aber zugleich m�ssen wir gesellschaftliche Beziehungen jenseits des Tauschverh�ltnisses ausbilden: Liebe, Freundschaft, und nicht zuletzt der konkrete Zusammenhang im Arbeitsproze� sind solche Formen. Postone hingegen erkl�rt schlicht und einfach diese zweite Form f�r inexistent. "Vielmehr", so schreibt er auf Sohn-Rethel gem�nzt, "bewertet er die unterschwellig durch Arbeit in der industriellen Produktion bewirkte Art gesellschaftlicher Synthesis positiv als nicht-kapitalistisch und stellt sie der �ber den Tausch sich vollziehenden Vergesellschaftung gegen�ber, die er negativ einsch�tzt." (275) Postone als strikter Monist kennt jedoch nur eine Form, die Synthesis durch den abstrakten Wert. Daher distanziert er sich von der Auffassung Sohn-Rethels: "Die gesellschaftliche Synthesis wird in der vorliegenden Studie nie als eine Funktion der Arbeit betrachtet, sondern als Form der gesellschaftlichen Verh�ltnisse, in denen Produktion stattfindet." (276) Da� Postone die soziale Wirklichkeit "so betrachtet", akzeptieren wir gerne, aber die Frage, ob diese Betrachtung auch angemessen sei, bleibt offen. Im �brigen hat schon Stefan Breuer haargenau die selbe Versicherung, wonach "Gesellschaft eben so sei" ,vorgetragen: "Konstitutiv f�r den gesellschaftlichen Zusammenhang ist nicht die lebendige Arbeit, auch nicht das konkrete Bed�rfnis, ‚Grundbestand der Gesellschaft an sich’, ‚ma�gebende Struktur der Gesellschaft’ ist vielmehr der Tausch, in dem die konkreten Einzelarbeiten auf ihren gemeinsamen Nenner reduziert werden – abstrakte Arbeit als Substanz des Wertes."[vi]
Wir sto�en hier auf einen ganz zentralen Punkt bei Postone, n�mlich seine Tendenz, die kapitalistische Gesellschaft fast ausschlie�lich als gut ge�ltes Karussell darzustellen. Der Tausch mache die Dinge nicht nur gleich, der abstrakte Wert allein verbinde und verkn�pfe alternativlos unsere gesellschaftlichen Existenzen. Entgegensetzungen, Widerspr�che, Konflikte, all das wird seitenlang als nicht existent, als unwesentlich oder als reine Illusion des "Arbeiterbewegungsmarxismus" dargestellt. Auch auf Postone trifft die Aussage von Holloway �ber die traditionellen Str�mungen im Marxismus zu: "In der Zukunft wird es einen radikalen Bruch geben, aber in der Zwischenzeit k�nnen wir den Kapitalismus so behandeln, als w�re er eine sich selbst reprozuzierende Gesellschaft"[vii] An die Stelle von Widerspruch und Konflikt setzt Postone �bereinstimmung und Harmonie – eine zwar entfremdete, abstrakte, verkehrte, aber dennoch ungest�rte, alternativlose Harmonie ohne wirkliche Mi�kl�nge. Auf den letzten Seiten des Buches jedoch meint er einen Punkt erkennen zu k�nnen, an dem der Kapitalismus zerschellen k�nnte. Wer jedoch nach etwa 400 Seiten zu lesen aufh�rt, wird kaum auf die Idee kommen, hier l�ge ein Werk vor, das systematisch die Grenzen der kapitalistischen Produktionsweise untersucht.
Das gr��te Erstaunen l�ste das achte Kapitel aus, "Die Dialektik von Arbeit und Zeit" �bertitelt. Was Postone uns hier vorstellt, ist im Kern nichts anderes als die sehr beredt vorgetragene Rezeption des Begriffs der Produktivkraft der Arbeit, wie ihn Marx auf den Einleitungsseiten des "Kapitals" entwickelt. Postone verspricht uns durch seine "erneute Interpretation der Marxschen Basiskategorien eine begriffliche Neubestimmung des Wesens des Kapitalismus" (432) vorzulegen. Und was folgt wirklich? Nicht viel mehr als eine umst�ndliche Darstellung des Begriffs der Produktivkraft der Arbeit. Worauf l�uft Postones Argumentation in diesem Abschnitt hinaus? Bei oberfl�chlicher Lekt�re k�nnte der Eindruck entstehen, Marx w�rde beiden Dimensionen von Arbeit und Ware, also konkrete und abstrakte Arbeit, Tauschwert und Gebrauchswert, als quasi unabh�ngig von einander konzipieren. Dieses Mi�verst�ndnis k�nnte durch folgende zwei Aussagen von Marx provoziert werden.
Aussage 1: "Dieselbe Arbeit ergibt daher in denselben Zeitr�umen stets dieselbe Wertgr��e, wie immer die Produktivkraft wechsle." (MEW 23; 61)
Aussage 2: "Produktivkraft ist nat�rlich stets Produktivkraft n�tzlicher, konkreter Arbeit und bestimmt in der Tat nur den Wirkungsgrad zweckm��iger produktiver T�tigkeiten." (MEW; 60)
Die erste Aussage interpretiert Postone mit Blick auf den Traditionsmarxismus so: "Die Wertgr��e scheint also allein eine Funktion von verausgabter abstrakter Arbeitszeit zu sein, vollkommen unabh�ngig von der Gebrauchswertdimension der Arbeit." (433) Eine Stunde abstrakter Arbeit ergibt eben eine geronnene Stunde abstrakten Wert; diese Aussage scheint keinen Bezug zum Gebrauchswert zu enthalten. Dann verweist Postone triumphierend auf das Handweber-Maschinenweberbeispiel im "Kapital". Mit der Einf�hrung der Maschine wurde die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit, l��t uns Marx annehmen, halbiert. Nun gilt es das doppelte Quantum Garn in Gewebe zu verwandeln, um eine Stunde abstrakter Arbeit zu produzieren und den entsprechenden Gegenwert im Austausch zu erhalten. Selbst wenn eine abstrakte Stunde eine abstrakte Stunde bleibt, steigt doch die Gebrauchswertmenge, die in dieser einen Stunde zu produzieren ist: also sind beide Dimensionen verklammert, und die abstrakte Zeit ist ihr Ma�. Jede bessere Einf�hrung in das "Kapital" hat diesen Zusammenhang klar herausgearbeitet. Mit steigender Produktivkraft der Arbeit steigt also notwendig die Masse an Gebrauchswert, die erzeugt werden mu�, um der gesellschaftlich durchschnittlich notwendigen Arbeitszeit zu entsprechen. Wer, wie die armen Handweber, in einer Stunde weiterhin nur halb soviel wie die Maschinen leistet, wird als Gegenwert auch nur eine halbe, statt der tats�chlich geleisteten ganzen Arbeitsstunde verg�tet bekommen. So weit, so gut. Im �brigen kann die Verklammerung von Gebrauchs- und Tauschwert an vielen anderen Beispielen gezeigt werden, etwa bei der Untersuchung der Reproduktionsschemata im II. Band des "Kapitals". Postone jedoch pr�sentiert diesen Zusammenhang als gro�artige, neue Erkenntnis: "Somit ist diese Bewegung der Zeit eine Funktion der Gebrauchswertdimension der Arbeit in ihrer Wechselwirkung mit dem Wertrahmen und kann als eine Art konkreter Zeit verstanden werden. Bei der Untersuchung der Interaktion von konkreter und abstrakter Arbeit, die den Kern der Marxschen Analyse des Kapitalismus ausmacht, haben wir zeigen k�nnen, da� ein Wesenszug des Kapitalismus in einem (konkreten) Zeitmodus liegt, der die abstrakte Zeitbewegung ausdr�ckt." (441, Hervorhebung im Original) Es ist kaum zu fassen: Postone buchstabiert uns einfach den Begriff der Produktivkraft vor, in dem er den Zusammenhang zwischen Aussage 1 und Aussage 2 von Marx erl�utert und meint nun, den Stein der Weisen gefunden zu haben. Nein! ruft er triumphierend aus: Tauschwert und Gebrauchswert sind keine unabh�ngigen Dimensionen, sie stehen in Wechselwirkung, und die abstrakte Zeit ist ihr Ma�!
Um den sozialphilosophischen Gewinn zu verstehen, den Postone mit seiner eher umst�ndlichen Rezeption des Begriffs der Produktivkraft der Arbeit errungen zu haben meint, mu� auf ein weiteres Postulat unseres Autors verweisen werden. Denn Postone ist felsenfest �berzeugt, da� der Traditionsmarxismus f�lschlich die beiden Dimensionen von Arbeit und Ware, also konkrete und abstrakte Arbeit, Tauschwert und Gebrauchswert, als v�llig unabh�ngige, f�r sich bestehende Dimensionen begreife. Deshalb, so k�nnte mensch Postone paraphrasieren, m�sse der Traditionsmarxismus auch Arbeit und Proletariat vom Kapital unabh�ngig setzen. Aus dieser Perspektive kritisiert Postone den traditionellen Marxismus uns dessen Ausrufung des Proletariats zum revolution�ren Subjekt. Die TraditionsmarxistInnen meinten, da� Proletariat existiere au�erhalb und unabh�ngig vom Kapitalismus, als unschuldiges und vor allem arbeitendes Subjekt ("Standpunkt der Arbeit"). Postone h�lt dagegen: "Die Marxsche Kritik ist nicht positiv. Ihr grunds�tzlicher Standpunkt ist nicht der einer bestehenden gesellschaftlichen Struktur oder Gruppierung, die f�r vom Kapitalismus unabh�ngig gehalten wird." (541) Der Arbeiterbewegungsmarxismus hingegen behauptete, das Proletariat und seine Arbeit seien im Grunde v�llig unabh�ngig vom Kapital. Das jedoch, so Postone, sei v�llig falsch, weil das Proletariat nur im und durch den Kapitalismus existiere. Weil es also Teil des Kapitalismus, und zwar notwendiger Teil sei, w�re es integriert. "Wie festgestellt, widerspricht die Marxsche Analyse der Auffassung, der Kampf zwischen der Kapitalistenklasse und dem Proletariat sei einer zwischen der herrschenden Klasse im Kapitalismus und einer, die den Sozialismus verk�rpere, und der Sozialismus bedeute deshalb die Selbstverwirklichung (sic!) des Proletariats." (532) "Weit davon entfernt, die vergesellschafteten Produktivkr�fte darzustellen, die in Widerspruch mit den kapitalistischen gesellschaftlichen Verh�ltnisse geraten und dadurch auf die M�glichkeiten einer postkapitalistischen Zukunft verweisen, ist die Arbeiterklasse f�r Marx das wesentliche, konstituierende Element dieser Verh�ltnisse selbst. Sowohl die Arbeiterklasse als auch die Kapitalistenklasse bleiben an das Kapital gebunden, die erstere jedoch um einiges mehr: das Kapital k�nnte ohne Kapitalisten existieren, jedoch nicht ohne wertproduzierende Arbeit." (535f) Jetzt wird auch der strategische Gewinn seines achten Kapitels klar: Die beiden Dimensionen sind eben ineinander verklammert, und die abstrakte Zeit ist ihr gemeinsames Ma�. Also existiert auch die arbeitende Klasse nur als Pol eines Verh�ltnisses, keineswegs unabh�ngig vom Kapital oder au�erhalb desselben. Und weil das Proletariat das wesentliche, konstituierende Element dieser Verh�ltnisse selbst ist, ist es v�llig integriert, der Klassenkampf Illusion. Klassen und Klassenkampf gibt es zwar, r�umt Postone ein, sie sind aber v�llig bedeutungslos. Die Klassenherrschaft sei Marx (sic!) "zufolge nicht der letzte Grund der gesellschaftlichen Herrschaft, sondern ist selbst aus einer ihr �bergeordneten, abstrakten Herrschaftsform herzuleiten." (199) Klassenkampf, so w�re Postone zu paraphrasieren, sei also ein blo�es Zubeh�r zum Kapitalismus.
Angesichts derartiger Argumentationslinien wird die Auseinandersetzung freilich recht m�hsam. Sollen wir wirklich unz�hlige Zitate Reigen tanzen lassen, die glasklar machen, da� die revolution�re Rolle des Proletariats gerade aus dessen Verstrickung ins Kapital abgeleitet wurde? Sollen wir wirklich daran erinnern, da� nach Marx allein der Kampf der vorkapitalistischen Klassen notwendig mit dem gemeinsamen Untergang beider sich bek�mpfenden Kontrahenten enden mu�te, hingegen das Proletariat als Allgemeine verk�rpert, mithin sein Klasseninteresse darin besteht, Klassen �berhaupt aufzuheben, und keineswegs sich als Klasse festzuhalten und zu best�tigen? Weil wir auch "v", also variables Kapital sind, weil wir nur als Pol des Kapitalverh�ltnisses existieren, deshalb kann an die revolution�re Rolle des Proletariats gedacht werden, und nur deshalb. Marx kann nat�rlich kritisiert, seine entsprechenden Aussagen hinterfragt werden. Die Heere von Pappkameraden, die Postone aufstellt, machen die Auseinandersetzung so m�hsam und unfruchtbar. Wenn Postone uns sagen will, da� zur Arbeiterklasse zu geh�ren Pech[viii] und nicht Gl�ck sei, so wollen wir antworten, da� dies in der Tat v�llig richtig ist, oder wie Holloway sagt: "Nur insoweit, als wir nicht die Arbeiterklasse sind, kann die Frage der Emanzipation �berhaupt gestellt werden."[ix]Aber ebenfalls mit Holloway ist daran zu erinnern, da� wir beides sind, Proletariat und Nicht-Proletariat zugleich. Gerade diese innere Spannung und Entgegensetzung versucht Postone sozialphilosophisch zu beseitigen. Im Grunde ist er monistischer Identit�tstheoretiker. Die Herrschaft des abstrakten Werts macht alles gleich, friert die Welt identit�tslogisch ein. Das Proletariat ist, was es ist, nicht mehr und nicht weniger. Da gibt es keinen �berschu�, keine Unklarheiten, kein Noch-Nicht, keine angezweifelte, br�chige, vielschichtige Identit�t, kein Spiel von Identit�t und Nichtidentit�t, letztlich keine Wirklichkeit unserer schwankenden Existenzen.
Die Harmonie des Yin-Yang
Wir alle kennen den Yin-Yang Kreis. Die Momente bedingen einander gegenseitig, schmiegen sich ineinander und haben jeweils auch das andere Element in sich. Beide Seiten k�nnen niemals unabh�ngig von einander existieren, das eine bedarf des anderen, um zu sein, was es ist, und umgekehrt. Der Yin-Yang Kreis ist ein gutes Bild, um das Verh�ltnis von Gebrauchswert zu Tauschwert, von konkreter zu abstrakter Arbeit, von Proletariat zum Kapital zu kennzeichnen, das Postone entwirft. Die beiden Dimensionen von Arbeit und Ware sind Postone zufolge gleichzeitig durch das Kapitalverh�ltnis gesetzt. Mit seinen eigenen Worten: "Weil jede besondere Art der Arbeit als abstrakte Arbeit fungieren und jedes Arbeitsprodukt als Ware dienen kann, werden T�tigkeiten und Produkte, die in anderen Gesellschaften nicht als �hnlich klassifiziert w�rden, im Kapitalismus als gleiche, als Vielfalt (konkreter) Arbeiten oder als besondere Gebrauchswerte klassifiziert. In anderen Worten: die durch abstrakte Arbeit historisch konstituierte abstrakte Allgemeinheit etabliert auch die konkrete Arbeit und den Gebrauchswert als allgemeine Kategorien." (237) Von konkreter Arbeit und von Gebrauchswerten zu sprechen, ist nach Postone also nur im Kapitalismus sinnvoll. Da jedoch konkrete wie abstrakte Arbeit nur zwei Aspekte des selben Yin-Yang Kreises darstellen, ist es nicht nur m�glich,sondern auch geboten, den Begriff Arbeit strikt f�r den Kapitalismus zu reservieren. Daher der Schlu�: "Die Aufhebung des Kapitalismus bedeutet auch die Aufhebung der durch das Proletariat verrichteten konkreten Arbeit." (59) Arbeit ist also genuin kapitalistisch. Abschaffung des Kapitalismus bedeutet folglich Abschaffung der Arbeit. In den Aussendungen der Krisis-Gruppe liest sich dieser Gedanke folgenderma�en: "Arbeit ist keine �berhistorische Kategorie, keine unver�nderliche Bedingung menschlicher Existenz, sonst k�nnte sie weder in die Krise geraten noch lie�e sie sich kritisieren. Sie ist ein Spezifikum der b�rgerlichen Gesellschaft, ein Zwangsprinzip, das immer sinnloser wird, aber eben deswegen um jeden Preis aufrecht erhalten werden mu�."[x]
Diese Terminologie k�nnte als etwas skurrile Sprachregelung durchgehen. An die Stelle der Arbeit tritt in einer nachkapitalistischen Gesellschaft n�tzliche T�tigkeit, und in der Antike wurden nicht Gebrauchswerte, sondern Gebrauchsg�ter produziert usw. Allerdings wird mit diesem Vorschlag eines der wesentlichsten Elemente revolution�rer Hoffnung aufgegeben. Im Gegensatz zu Postones Harmoniedenken sind die Verh�ltnisse keineswegs in der Balance. Es kann Gebrauchswert ohne Tauschwert, es kann konkrete Arbeit ohne abstrakte geben, aber nicht umgekehrt. Marx: "Ein Ding kann Gebrauchswert sein, ohne Wert zu sein", jedoch: "Endlich kann kein Ding Wert sein, ohne Gebrauchsgegenstand zu sein." [xi] Das Kapital ist von uns abh�ngig, es ist unser Produkt, aber wir sind nicht im gleichen Ma�e vom Kapital abh�ngig[xii]. Indem Postone dieses Ungleichgewicht in Harmonie verwandelt, verschlie�t er sich einem der wesentlichsten Momente der Rebellion und Revolte gegen das Kapitalverh�ltnis. "Aus dieser Perspektive (darauf komme ich noch zu sprechen) wird die konkrete Dimension der Arbeit sozusagen durch die abstrakte angeeignet. Diese strukturelle Aneignung der Gebrauchswertdimension der Arbeit durch ihre abstrakte Dimension macht die grundlegende Enteignung der kapitalistischen Gesellschaftsformation aus." (525)
Den Gebrauchswert einfach als die harmonische Erg�nzung des Tauschwerts darzustellen, �berspringt und verk�rzt die gesamte Debatte um die Qualit�t der Gebrauchswerte im Kapitalismus, die seit Jahrzehnten gef�hrt wird. Es gab zumindest drei Str�mungen: Gebrauchswerte wurden entweder als materielle Basis der Emanzipation verstanden (diese Position unterstellt Postone pauschal dem "Arbeiterbewegungsmarxismus")[xiii]; oder als neutrale Mittel, als blo�es Potential; und drittens wurde auch auf die destruktiven Seiten verwiesen, etwa in der Debatte um den "gr�nen" Marx, der auf die umweltsch�digenden Aspekte des Kapitalismus sehr wohl hingewiesen hat. Auch hier ist es eine gewisse Zumutung f�r die LeserInnen, wie Postone einerseits diese Debatte ignoriert, andererseits so tut, als ob die Pr�gung und Formung der Gebrauchswerte im Kapitalismus seine gro�artige neue Entdeckung w�re.
Ich will noch ein weiteres Bild verwenden, das den Geist des Postonschen Arbeitsbegriffs illustrieren kann. Ein Blatt Papier hat unabdingbar zwei Seiten, aber es kann nicht gesagt werden, diese Seiten w�rden nicht zusammen passen, in Gegensatz zueinander stehen. Wenn ich also eine Seite des Papiers verwerfen m�chte, mu� ich das ganze Blatt zusammenkn�llen und in den Papierkorb werfen. Und genau das schl�gt uns Postone vor: Weg mit der Arbeit, weg mit dem Arbeitsbegriff! �rgerlich ist nun, da� Postone behauptet, diese seine Auffassung von Arbeit sei jene von Marx, oder zumindest im Grunde jene von Marx, abgesehen von einigen unklaren Stellen. "Zwar konstituiert und bestimmt Marx zufolge die Arbeit tats�chlich die Gesellschaft – aber nur im Kapitalismus" (107) Arbeit ist ein Spezifikum des Kapitalismus, Punktum. Nur der Arbeiterbewegungsmarxismus w�rde den Popanz des transhistorischen Arbeitsbegriffs erfinden, von dem es sich endlich zu befreien gelte. "Die Marxsche Analyse des Entwicklungsverlaufs des kapitalistischen Produktionsprozesses verweist jedoch nicht auf die zuk�nftige M�glichkeit einer Affirmation des Proletariats und der von ihm verrichteten Arbeit. Ganz im Gegenteil verweist sie auf die M�glichkeit der Abschaffung dieser Arbeit." (489) Die Art der Postoneschen Aussagen bedeuten fast den Abbruch der Diskussion, bevor sie richtig begonnen hat. Postone sollte zur Kenntnis nehmen, da� auch andere Menschen Marx ausf�hrlich gelesen haben. Selbstverst�ndlich vertritt Marx einen transhistorischen Arbeitsbegriff, und zwar von den "Pariser Manuskripten" aus 1844 bis zu seinem Tode. Etwas Anderes zu behaupten, ist einfach Unsinn oder Vertrauen auf die Unkenntnis des Publikums. Da� sich innerhalb dieses Rahmens Verschiebungen und Ver�nderungen bei Marx erkennen lassen, gestehen wir gerne zu. Anstatt jedoch zu sagen: "Achtung, Marx tendiert zu einem h�chst problematischen, transhistorischen Arbeitsbegriff, wir sollten diese Konzeption �berdenken und nach Momenten bei Marx suchen, die dieses Konzept relativieren", will uns Postone weismachen, sein skurriler Arbeitsbegriff sei jener von Marx, des authentischen Postone-Marx, versteht sich.
Umgekehrt erh�rtet sich der Verdacht, da� Postone dem Schein des b�rgerlichen Denkens aufsitzt, allerdings um 180 Grad gewendet. Das b�rgerliche Denken kann den Arbeitsproze� als solchen nicht von seiner kapitalistischen Form trennen, identifiziert das eine mit dem anderen. Marx geht davon aus, da� der Arbeitsproze� unter doppeltem Gesichtspunkt betrachtet werden mu�. Einerseits ist er immer durch die spezifischen gesellschaftlichen Verh�ltnisse formbestimmt, andererseits hat er immer auch �berhistorischen Charakter: "Auf der einen Seite nennen wir die Elemente des Arbeitsprozesses verquickt mit den spezifischen gesellschaftlichen Charakteren, die sie auf einer bestimmten historischen Entwicklungsstufe besitzen, und auf der andern Seite f�gen wir ein Element hinzu, das den Arbeitsproze� unabh�ngig von allen bestimmten gesellschaftlichen Formen als einen ewigen Proze� zwischen Mensch und Natur �berhaupt zukommt."[xiv] Das b�rgerliche Denken kann diese innere Entgegensetzungen nicht begreifen und schlie�t also: Weil der Arbeitsproze� ewig ist und eine andere als die kapitalistische Form undenkbar ist, ist auch der Kapitalismus ewig. Postone kehrt diesen Gedanken einfach um: Da der Arbeitsproze� nur in der kapitalistischen Form historisch existiert, eine andere Form undenkbar ist, bedeutet Abschaffung des Kapitalismus also Abschaffung der Arbeit. Auf Postone trifft – um 180 Grad gewendet – zu, was Marx �ber die b�rgerliche Ideologie schreibt: "Ebenso da�, weil der Produktionsproze� des Kapitals �berhaupt Arbeitsproze� ist, der Arbeitsproze� als solcher, der Arbeitsproze� in allen gesellschaftlichen Formen notwendig Arbeitsproze� des Kapitals ist. (...) Es ist die dieselbe Logik, die schlie�t, da� weil Geld Gold ist, Gold an und f�r sich Geld ist, da� weil Lohnarbeit Arbeit, alle Arbeit notwendig Lohnarbeit ist."[xv] Postone kann und will Entgegensetzungen nicht denken. Die Dinge sind, was sie sind, der kapitalistische Arbeitsproze� ist kapitalistischer Arbeitsproze� und nichts anderes. Marx hingegen unterscheidet sehr wohl zwischen der kapitalistischen Formbestimmung und der allgemeinen Natur des Arbeitsprozesse: "Weil sich das Kapital des Arbeitsprozesses bem�chtigt hat, der Arbeiter daher f�r den Kapitalisten statt f�r sich selbst arbeitet, ver�ndert der Arbeitsproze� jedoch nicht seine allgemeine Natur."[xvi]
Hat also Marx recht und Postone unrecht? Das ist mit diesen Hinweisen keineswegs gesagt. Dar�ber w�re zu diskutieren. Aber die unentwegt an den Haaren herbeigezogenen Behauptungen zum Kern der Marxschen Aussagen machen die Debatte so unendlich m�hsam. Wie soll mensch darauf reagieren? Mit Zitatenschlachten, mit Exegese, mit "Was Marx wirklich sagte"? Nebenbei bemerkt: Axel Honneth betitelte seine Kritik an Cornelius Castoriadis mit "Eine ontologische Rettung der Revolution". Castoriadis, der sich seinerseits von Marx abzugrenzen versuchte, fokussierte �hnlich wie Marx, Negri oder auch Holloway die sch�pferische, weltschaffende Potenz der Praxis, das "Tuns", die Arbeit, in der Weite, die dieser Begriff bei Marx besitzt. Das Ontologische, ja das Rettende der Revolution ortete der Habermassch�ler Honneth treffsicher im weiten Praxisbegriff Castoriadis’. Welterschlie�endes, weltsch�pfendes, weltkonstituierendes Tun, verstellt und gebrochen in der Lohnarbeit? Vergessen wir diesen Unfug, schl�gt uns Postone vor. Gut, aber k�nnen wir uns bei Max Weber wirklich wohler f�hlen?
Herrschaft und Totalit�t
"In seinem Mittelpunkt steht die Beherrschung von Menschen durch abstrakte, quasi-unabh�ngige Strukturen gesellschaftlicher Verh�ltnisse, die durch die warenf�rmig bestimmte Arbeit vermittelt sind und die Marx in den Kategorien Wert und Kapital zu erfassen sucht." (199) "Nach Marx besteht die gesellschaftliche Herrschaft im Kern nicht in der Herrschaft von Menschen �ber Menschen, sondern in der Beherrschung von Menschen durch abstrakte gesellschaftliche Strukturen, die von den Menschen selbst konstruiert werden." (61f) Diese zwei Zitate m�gen als Illustration gen�gen. Kapitalismus bedeutet nach Postone die Abschaffung der Herrschaft des Menschen �ber den Menschen. An deren Stelle tritt, wie dieZitate ja klar belegen, die Subsumtion von uns allen unter verdinglichte Strukturen, egal ob wir Kapital oder nur unsere Arbeitskraft besitzen. Diese anonyme Herrschaftsstruktur relativiert, ja beseitigt die Gegens�tze innerhalb der Gesellschaft. Entfremdung und Verdinglichung umfassen alle gleicherma�en, ArbeiterInnen wie Kapitalisten. Zwar schrieb ein engagierter Schriftsteller des 19. Jahrhunderts: "Insofern steht hier der Arbeiter von vornherein h�her als der Kapitalist, als der letztere in jenem Entfremdungsproze� wurzelt und in ihm seine absolute Befriedigung findet, w�hrend der Arbeiter als sein Opfer von vorn herein dagegen in einem rebellischen Verh�ltnis steht und ihn als Knechtungsproze� empfindet."[xvii], doch ist es wohl an der Zeit, die Rudimente des Arbeiterbewegungsmarxismus zu �berwinden. Wenn die Herrschaft von Menschen und Klassen �ber andere durch die abstrakte Herrschaft von Strukturen und Verh�ltnissen ersetzt wird, dann ist klar, da� der Klassenbegriff und vor allem der Klassenkampf ein h�chst altmodisches Konzept darstellen.
Allerdings ist auch bei dieser Frage der Verdacht nicht abzuwehren, da� Postone Schein mit Sein verwechselt. Marx postuliert schon auf den ersten Seiten des "Kapitals", da� sich die Form der Herrschaft durch das Kapitalverh�ltnis grundlegend �ndert. "Pers�nliche Abh�ngigkeit charakterisiert ebensosehr die gesellschaftlichen Verh�ltnisse als die auf ihr aufgebauten Lebenssph�ren." [xviii] schrieb Marx �ber die Form der vorkapitalistischen Herrschaft. Im Grunde verwechselt Postone einfach zwei Dinge. Weil Herrschaft sachliche Form annimmt, h�lt er sie f�r eine Herrschaft von Sachen. Auf m�gliche Mi�verst�ndnisse hat Marx explizit hingewiesen: "Es charakterisiert endlich die Tauschwert setzende Arbeit, da� die gesellschaftliche Beziehung der Personen sich gleichsam verkehrt darstellt, n�mlich als gesellschaftliches Verh�ltnis von Sachen. (...) Wenn es also daher richtig ist zu sagen, da� der Tauschwert ein Verh�ltnis zwischen Personen ist, so mu� aber hinzugesetzt werden: unter dinglicher H�lle verstecktes Verh�ltnis."[xix] Die Herrschaft des Menschen �ber den Menschen stellt sich nach Marx zwar als Verh�ltnis von Dingen dar; hinter dieser H�lle verhalten sich aber Personen. Nur Postone kann diese nicht mehr entdecken. Er h�lt den sachlichen Schein f�r die Sache selbst. Selbst Adorno, der in manchen Aspekten den Auffassungen von Postone nahe kommt, und der S�tze wie: "Der totale Zusammenhang hat die Gestalt, da� alle dem Tauschgesetz sich unterwerfen m�ssen, ob sie subjektiv von einem Profitmotiv geleitet werden oder nicht." formulierte, lie� sich vom sachlichen Schein keineswegs beirren und konstatierte: "In der Reduktion der Menschen auf Agenten und Tr�ger des Warenaustausches versteckt sich die Herrschaft von Menschen �ber Menschen."[xx] Zugegeben, auch die Bourgeoisie kann nicht ganz willk�rlich herrschen und unterliegt auch Gesetzen. Aber das gilt im Prinzip f�r jede Form der Herrschaft. Selbst die Pharaonen waren dem Imagin�ren ihrer Epoche untergeordnet. Nur weil Herrschende auch Bedingungen und Gesetzen unterliegen, zu schlie�en, Herrschaft sei obsolet, ist ein Trugschlu�. Das w�re, als sei Herrschaft dadurch zu widerlegen, da� alle Menschen Sauerstoff einatmen m�ssen, mithin alle unterschiedslos von einem Dritten abh�ngen. Wir alle erinnern uns wohl noch an die Rhetorik der gr�nen Bewegung in den 80er Jahren. Wurde damals nicht argumentiert, der Klassenkampf sei gegenstandslos, weil die Gattung selbst von der �kologischen Katastrophe bedroht sei? Wer gesellschaftlichen Verh�ltnissen mit simplen falsch/richtig-Dichotomien, also mit simpler, identit�tslogisch bin�rer 0-oder-1-Logik zu Leibe r�cken will, wird scheitern. Nebenbei bemerkt: Auch wenn der Bourgeoisie mitunter das Ausma� der notwenigen Arbeitszeit "als regelndes Naturgesetz gewaltsam [sich] durchsetzt, wie wenn einem das Haus �ber den Kopf zusammenpurzelt"[xxi], so h�lt sich unser Mitleid doch in Grenzen. Sind wir schon so abgestumpft und zugerichtet, da� wir den Ha�, die Wut, die �berheblichkeit und L�cherlichkeit der Herrschenden nicht mehr wahrnehmen k�nnen, da� deren Gewalt gegen Revolte und Widerstand niemals exzessiv scheint, w�hrend auf Protest und Widerstand der Unterdr�ckten stets die Keulen der Moral und der Menschenrechte, sowie die Angemessenheitsfrage niedersaust?
Ein angemessener Begriff von Herrschaft darf nicht ignorieren, da� trotz der sachlichen Form die strikt pers�nliche Herrschaft keineswegs einfach verschwunden oder gesellschaftlich bedeutungslos geworden ist. Wenn eine Frau von ihrem Mann halb tot gepr�gelt wird, weil sie daran denkt, ihren G�ttergatten zu verlassen, so kann wohl schwerlich davon gesprochen werden, konkrete, personale Herrschaftsformen geh�rten der Vergangenheit an. Auch im Arbeitsproze� selbst ist das unmittelbare pers�nliche Kommando nicht verschwunden. Selbst wenn mensch das Konzept subjektloser Herrschaft akzeptiert, m��te zumindest zugestanden werden, da� diese Form pers�nlicher, unmittelbaren Herrschaft verwoben ist. Postone jedoch behauptet umgekehrt, da� die Klasse der KapitalbesitzerInnen f�r den Kapitalismus schlicht redundant sei. Marx: "Ich kann das Kapital wohl von diesem einzelnen Kapitalisten scheiden und es kann auf einen andern �bergehen. Aber indem er das Kapital verliert, verliert er die Eigenschaft Kapitalist zu sein. Das Kapital ist daher wohl vom einzelnen Kapitalisten trennbar, nicht von dem Kapitalisten, der als solcher dem Arbeiter gegen�bersteht."[xxii]
Wie einst Stefan Breuer will Postone seine Vorstellung von Herrschaft mit den Begriffen "Totalit�t" beziehungsweise "reelle Subsumtion" plausibel machen, insbesondere im Abschnitt "Produktion und Verwertung". Der Kerngedanke l��t sich folgenderma�en darstellen: Urspr�nglich �bernimmt die kapitalistische Produktionsweise einfach die vorkapitalistischen Arbeitsmethoden und unterwirft sie dem Diktat der Profitproduktion. Diese Phase w�re mit Marx als formelle Subsumtion zu bezeichnen. Auch wenn das kapitalistische Kommando einiges �ndert, etwa durch sch�rferes Arbeitstempo, Ausdehnung der t�glichen Arbeitszeit usw., bleibt doch der Arbeitsproze� im Prinzip, wie er vorher entstanden ist. Dies �ndert sich erst mit der reellen Subsumtion. Nun wird der Arbeitsproze� von Grund auf nach kapitalistischen Verwertungsbedingungen umstrukturiert. Diesen �bergang analysiert Marx unter anderem in der Analyse der Entwicklung von der Manufaktur zur gro�en Industrie. Dieser Umschlag l��t sich paradigmatisch vor allem am Verh�ltnis Arbeiter – Arbeitsmittel begreiflich machen. W�hrend in der Manufaktur der Arbeiter das Werkzeug anwendet, wird er in der gro�en Industrie umgekehrt von der Maschine angewandt. Postone zitiert und interpretiert ausf�hrlich das 13. Kapitel des "Kapitals", wo Marx etwa schreibt: "In Manufaktur und Handwerk bedient sich der Arbeiter des Werkzeugs, in der Fabrik dient er der Maschine. Dort geht von ihm die Bewegung des Arbeitsmittels aus, dessen Bewegung er hier zu folgen hat. In der Manufaktur bilden die Arbeiter Glieder eines lebendigen Mechanismus. In der Fabrik existiert ein toter Mechanismus unabh�ngig von ihnen, und sie werden als lebendige Anh�ngsel einverleibt." [xxiii] Daraus linear zu schlie�en, die ArbeiterInnen w�rden zu willenlosen R�dchen, tats�chlich zu seelenlosen Dingen, ist freilich nicht nur verk�rzt, sondern verbl�ffend weltfremd. Der Kapitalismus bedurfte immer der Aktivit�t der Arbeitenden. Dienst nach Vorschrift war immer ein Kampfmittel, der erste Schritt zur Arbeitsverweigerung. Den Widerspruch, die ArbeiterInnen einerseits in Marionetten verwandeln zu wollen, w�hrend es andererseits ihrer aktiven Teilname bedarf, konnte und kann das Kapital nie l�sen. Blo� die Form hat sich historisch ver�ndert. Die gro�e Industrie war unter anderem ein Versuch des Kapitals, das Unbeherrschbare irgendwie doch zu beherrschen. Das sagt auch Marx, und er spricht es gerade im 13. Kapitel aus. Ich erinnere an die ber�hmte Aussage: "Sie [die Maschinerie] wird das machtvollste Kriegmittel zur Niederschlagung der periodischen Arbeiteraufst�nde, strikes usw. wider die Autokratie des Kapitals. (...) Man k�nnte eine ganze Geschichte der Erfindungen seit 1830 schreiben, die blo� als Kriegsmittel wider Arbeitermeuten ins Laben traten."[xxiv] Postones Analyse hat zudem etwas seltsam Zeitloses. Mit keinem Sterbensw�rtchen erw�hnt Postone die Entwicklung nach dem Hochfordismus. Als habe Marx mit seiner Untersuchung der Gro�en Industrie tats�chlich das letzte Wort gesprochen, als seien wir immer noch mit gigantischen Flie�bandanlagen konfrontiert, ignoriert Postone die Entwicklung der letzten drei�ig Jahre. Ist es nicht eine Banalit�t, da� das Kapital in den postfordistischen Verh�ltnissen bestimmte Kompetenzen an die Werkt�tigen zur�ckgeben mu�te? Selbst wenn mensch wie Postone die reale Entwicklung der kapitalistischen Produktionsformen ausblendet, genauer, sie in den 20er und 30er Jahren anh�lt, l��t sich der sozialphilosophische Referenzpunkte der kreativen Subjektivit�t nicht ausblenden oder verleugnen. Das Tun mu� gebrochen, die Subjektivit�t kontrolliert werden. Die Methoden der Gro�en Industrie machen ja nur dann Sinn, wenn ich einen Gegenpol anerkenne. "Das ‚Kapital’ ist eine Untersuchung der Selbst-Negation des Tuns. Von der Ware bewegt sich Marx weiter zu Wert, Geld, Kapital, Profit, Pacht, Zins – zu immer dunkleren Formen, die das Tun verbergen, zu immer entwickelteren Formen der Unterdr�ckung der kreativen Macht."[xxv] Oder wie Castoriadis bemerkte: "Die Unternehmensf�hrung mu� die Arbeiter einerseits aus der Produktion m�glichst ausschlie�en, kann sie andererseits aber auch nicht aus der Produktion ausschlie�en. Der sich daraus ergebende Konflikt ist ein �u�erer zwischen Entscheidungstr�gern und Ausf�hrenden, wird jedoch auch von jedem Ausf�hrenden und Entscheidungsbefugten verinnerlicht. W�re die Produktion statisch und die Technik versteinert, so k�nnte dieser Konflikt allm�hlich seine Konturen verlieren und verwischen. Die �konomische Expansion und die st�ndigen technologischen Umw�lzungen wecken ihn jedoch immer wieder aufs neue." [xxvi] Das 13. Kapitel mu� unter dem Gesichtspunkt des Klassenkampfes gelesen werden. Durch die Organisation der Produktion selbst, genauer, durch die Einf�hrung der Gro�en Maschinerie sollte die rebellische Arbeitersubjektivit�t kontrolliert und beherrscht werden. Das gelang zweifellos eine ganze Epoche lang, aber es konnte nicht die letzte Form der Produktion darstellen. Zu sagen, in der Manufaktur wende der Arbeiter das Werkzeug an, in der Gro�en Industrie wende umgekehrt die Maschine den Arbeiter an, und dies als letztes Resultat und Schu�folgerung der Kapitalanalyse darzustellen, ist – mit Verlaub – doch etwas simpel.
Wenn nun reelle Subsumtion wie bei Breuer oder Postone als Proze� des mit sich selbst identisch Werden des Kapitalismus verstanden wird, dann kann die Konsequenz tats�chlich nur in einem Bild der Gesellschaft m�nden, in dem Widerspruch, Klassenkampf und Revolte als illusion�r und vor allem sozialphilosophisch unhaltbar erscheinen m�ssen. Um es m�glichen KritikerInnen dieser Kritik an Postone einfach zu machen, soll eine gerne zitierte Belegstelle bei Marx – selbstverst�ndlich bereits von Breuer erw�hnt[xxvii] – vorweg angef�hrt werden: "Wenn im vollendeten b�rgerlichen System jedes �konomische Verh�ltnis das andre in der b�rgerlich-�konomischen Form voraussetzt und so jedes Gesetz zugleich Voraussetzung ist, so ist das mit jedem organischen System der Fall. Dies organische System selbst als Totalit�t hat seine Voraussetzungen, und seine Entwicklung zur Totalit�t besteht eben [darin], alle Elemente der Gesellschaft sich unterzuordnen, oder die ihm noch fehlenden Organe aus ihr heraus zu schaffen. Es wird historisch zur Totalit�t."[xxviii] Der Kontext, aus dem diese Stelle stammt, verweist jedoch nicht unbedingt auf das geschlossenes Geh�use des abstrakten Werts. Marx meint hier nur, da� der Kapitalismus vorkapitalistische Formen – konkret geht es um die Form des Grundbesitzes – aufl�sen und beseitigen mu�. Gerade in den "Grundrissen", aus denen diese Passage stammt, entwickelt Marx einen sehr interessanten Gedanken, der auch jenen zu denken geben sollte, die eine strikt objektivistische Sichtweise des Kapitalismus vertreten zu m�ssen meinen, sprich eine Sichtweise, in welcher der Kapitalismus ohne unser Zutun – vor allem ohne unsere K�mpfe – selbst eine letzte Schranke errichtet, an der er zerschellen mu�; ein Gedanke f�r jene also, die Postones Position vertreten.
Ich will diese �berlegung direkt und unmittelbar formulieren: Das Kapital kann keine letzte, endg�ltige Form finden. Jede Form ist zugleich ein Hemmschuh. Was sind Formen des Kapitals? Die wesentlichsten Formen sind variables und konstantes, also lebendige Arbeitskraft und totes, angeh�uftes Kapital. Beide Formen k�nnen keine letzten, endg�ltigen sein. Als variables Kapital, als Arbeitskraft besteht das Kapital unmittelbar aus der Form seines Feindes, in den Massen der ArbeiterInnen. Als totes Kapital, als geronnene lebendige Arbeit bedarf es doch wieder der lebendigen Arbeit, um in Bewegung gesetzt zu werden. Als blo�es Finanzkapital, ohne Ber�hrung mit der realen Welt, ist es zwar den Gefahren und Risken nicht mehr ausgesetzt, kann jedoch nur �ber den Ausgleich der Profitrate akkumulieren, da es selbst keine lebendige Arbeit einsaugen kann.
Im sogenannten Maschinenfragment der "Grundrisse" zeigt Marx, da� auch der Gegensatz von fixem und fl�ssigem Kapital das Formproblem versch�rft. Zur Erl�uterung: Unter fixem Kapital versteht Marx jenes Kapital, da� �ber einen Produktionszyklus hinaus fungiert, also etwa umfangreiche industrielle Anlagen, Eisenbahnnetze, Pipelines usw., die fix mit einer bestimmten Form von Gebrauchswert verbunden sind und nur unter M�hen wieder verfl�ssigt werden, also einem Formwandel, etwa der Verwandlung in Geldkapital durch Verkauf zug�nglich sind. Fl�ssiges Kapital w�re etwa die Arbeitskraft und das Leder einer Schuhfabrik, das bereits nach einem Produktionszyklus als Schuhware auf die Formverwandlung in Geld harrt. Marx zeigt im "Maschinenfragment" folgenden Widerspruch auf: Einerseits verk�rpert die Gro�e Maschinerie, die nur als fixes Kapital vorgestellt werden kann (Kapital, welches �ber die einzelnen Produktionszyklen �bergreift), den ArbeiterInnen gegen�ber die Wissenschaft, die Produktivkraft schlechthin. "In der Maschinerie tritt die vergegenst�ndlichte Arbeit stofflich der lebendigen als beherrschende Macht entgegen und als aktive Subsumtion derselben unter sich, nicht nur durch Aneignung derselben, sondern im realen Produktionsproze� selbst..." [xxix] Das Problem ist nun, da� das fixe Kapital in bestimmter Gebrauchswertform fixiert ist. Dem Begriff des Kapitals entspricht es aber, jedem bestimmten Gebrauchswert gegen�ber gleichg�ltig zu sein, umgekehrt ist das fixe Kapital als automatischer Produktionsapparat in bestimmter Gebrauchswertform fixiert und davon nicht abzul�sen. "Die Maschinerie erscheint als die ad�quate Form des capital fixe und das capital fixe, soweit das Kapital in seiner Beziehung auf sich selbst betrachtet wird, als die ad�quateste Form des Kapitals �berhaupt. Andererseits, soweit das capital fixe in seinem Dasein als bestimmter Gebrauchswert festgebannt, entspricht es nicht dem Begriff des Kapitals, das als Wert gleichg�ltig gegen jede Form des Gebrauchswerts und jede derselben als gleichg�ltige Inkarnation annehmen oder abstreifen kann. Nach dieser Seite hin, nach der Beziehung des Kapitals nach au�en, erscheint das capital circulant als die ad�quate Form des Kapitals gegen�ber dem capital fixe." [xxx] Das hei�t also, das Kapital kann mit seinem Begriff nicht identisch werden, weil es keine ihm angemessene letzte Form finden kann. Es existiert ebenso ad�quat wie inad�quat als konstantes wie variables Kapital, und ebenso ad�quat wie inad�quat als fixes wie fl�ssiges Kapital. Die Totalit�t findet keine Form. Der letzte Grund f�r dieses Formproblem ist nat�rlich der Gegensatz zur lebendigen Arbeit, zum Tun, welches das Kapital bricht und das in erstarrter, sachlicher Form die Basis der Klassenherrschaft darstellt. Die mit sich selbst identische Totalit�t mu� also scheitern. Verwundert habe ich daher in einer Besprechung von Capital & Class, Nr. 54 gelesen: "Postone macht sich zu Recht �ber �Post-Marxisten� und �Post-Modernisten� lustig, die der Kategorie der Totalit�t die G�ltigkeit absprechen, als tr�gen Hegel und Marx die Schuld an ihr. Dabei reflektieren diese nur (Hegel unkritisch, Marx kritisch) die totalisierende Logik der Wertform, die sich selber so erdr�ckend aufzwingt, da� alle Beziehungen von ihr erfa�t werden."[xxxi] Verwundert, weil von Marx bis Marcuse immer wieder der Gedanke formuliert wurde, da� Widerspruch und Negation bei Hegel letztlich Scheincharakter annehmen m�ssen, da� nach dem Durchgang durch Zerrissenheit und Kampf, nach Widerspruch und Entzweiung die abschlie�ende Vers�hnung das geschichtliche und gedankliche Resultat sein mu�. Die Beziehung Marx zu Hegel ist nat�rlich uferlos diskutiert worden; dies soll kein weiterer Beitrag sein. Und doch ist die Sprache verr�terisch. Postone zieht n�mlich – von seiner Warte aus gar nicht zu Unrecht, wie ich meine – eine Parallele zwischen seinem Marx und Hegel und meint, Marx habe den Hegelschen Geist durch die gesellschaftliche Substanz abstrakter, sich selbst bewegender Werte ersetzt. Gesellschaft sei Totalit�t, die "substantiell homogene Totalit�t" Hegels (132f). Homogen – das schreibt Postone unger�hrt so hin.
�berwindung des Kapitalismus?
Haben wir letztlich Postone unrecht getan, nicht genau genug gelesen? Ist Postone keineswegs der monistische Identit�tstheoretiker, als der er hier vorgestellt wird? Sagt Postone nicht, da� die kapitalistische Gesellschaft "... nicht zu einer einheitlichen Identit�t geworden ist, die das Nicht-Identische vollkommen assimiliert habe" (286) Tats�chlich k�nnen ganze Passagen in diesem Buch kaum anders verstanden werden, denn als Pl�doyer f�r ein geschlossenes Geh�use des abstrakten Werts und seiner substantiellen Homogenit�t. Aber blicken wir weniger auf die Uneinheitlichkeit seiner Argumentation, sondern beachten wir seine �berlegungen bez�glich der �berwindung des Kapitalismus.
Wo ist nun das Moment des Nicht-Identischen zu finden? Alle Momente des gesellschaftlichen Lebens, die Gebrauchswertdimension wie das Proletariat, Wissenschaft wie Technik, sind f�r Postone nur Aspekte des Ewiggleichen. Als Kandidaten f�r die �berwindungen der kapitalistischen Verh�ltnisse kommen diese Dimensionen demnach keineswegs in Frage, und eine rebellische, widerst�ndige, nach Befreiung strebende Subjektivit�t wird so selbstverst�ndlich ausgeschlossen, da� es kaum einer expliziten Bekr�ftigung bedarf. Sind wir alle also im identit�tslogischen Geh�use des Kapitals eingeschlossen? Sto�en wir immer nur auf seine Aspekte, seine Formen, seine Produkte, seine Verh�ltnisse? Ist Ver�nderung Utopie? Die Antwort Postones: Ja und Nein. Proletariat und Gebrauchswert als Kandidaten der Befreiung scheiden, wie gesagt, aus. Was verbleibt? Postone h�tte es uns allen einfacher machen k�nnen. Er h�tte schreiben k�nnen, die L�sung liege im Abschnitt "Widerspruch zwischen der Grundlage der b�rgerlichen Produktion und ihrer Entwicklung selbst" der Marxschen "Grundrisse". Er h�tte sagen k�nnen: Sehen wir uns diese Stelle genau an, diskutieren wir ihre Voraussetzungen und Schlu�folgerungen. Statt dessen l��t er uns wie ein Krimischreiber 520 Seiten nach dem M�rder suchen, um seine Identit�t st�ckweise zu enth�llen. Marx denkt in diesem Abschnitt, auf den die �berlegungen Postones hinauslaufen, die Tendenz des tendenziellen Falls der Profitrate und die Entwicklung der gro�en Maschinerie zusammen und versucht, eine zuk�nftige m�gliche Entwicklung zu antizipieren: "Es ist nicht mehr der Arbeiter der modifizierten Naturgegenstand zwischen das Objekt und sich einschiebt; sondern den Naturproze�, den er in einen industriellen umwandelt, schiebt er als Mittel zwischen sich und die unorganische Natur, deren er sich bemeistert. Er tritt neben den Produktionsproze�, statt sein Hauptagent zu sein. In dieser Umwandlung ist es weder die unmittelbare Arbeit, die der Mensch selbst verrichtet, noch die unmittelbare Zeit, die er arbeitet, sondern die Aneignung seiner eignen allgemeinen Produktivkraft, sein Verst�ndnis der Natur und die Beherrschung derselben durch sein Dasein als Gesellschaftsk�rper – in einem Wort die Entwicklung des gesellschaftlichen Individuums, die als der gro�e Grundpfeiler der Produktion und des Reichtums erscheint."[xxxii] In einer solchen Phase, so Marx, m�sse "die auf dem Tauschwert ruhnde Produktion" zusammenbrechen. In der Sprache Postones klingt diese Stelle so: "Dies resultiert darin, da� proletarische Arbeit mit der fortdauernden Entwicklung der kapitalistischen industriellen Produktion vom Standpunkt der Produktion von stofflichem Reichtum zunehmend �berfl�ssig und deshalb letztlich anachronistisch wird..." (534) Wenn das Proletariat �berhaupt noch etwas produziert, so Postone, dann Wert, mitnichten jedoch Gebrauchswert. "In der Marxschen Analyse kommt dem Proletariat also weiterhin eine strukturell wichtige Funktion f�r den Kapitalismus zu: Quelle des Werts zu sein, nicht jedoch Quelle des stofflichen Reichtums." (535) Der stoffliche Reichtum trudelt n�mlich quasi automatisch aus dem automatisierten industriellen Produktionsproze� ein, den ein paar gelangweilt herumstehende Proletarier nebenbei ein wenig �berwachen. In einer derartigen Gesellschaft sind praktisch "Wert und proletarische Arbeit" (540) abgeschafft, ergibt sich die "M�glichkeit einer Lebensweise, in der Arbeit keine gesellschaftlich vermittelnde Rolle spielt" (542), wird "Arbeit ... als gesellschaftlicher Quelle stofflichen Reichtums bedeutungslos" (544), wird "proletarische Arbeit als Quelle stofflichen Reichtums zunehmend bedeutungslos..." (548) K�nnte es nicht sein, da� dieser von Marx angedachte zuk�nftige gesellschaftliche Zustand doch eher noch Jahrhunderte entfernt ist, so er �berhaupt den Fluchtpunkt der kapitalistischen Entwicklung darstellt? Geht aktuell die gesellschaftliche Entwicklung nicht wieder in die Richtung der erneut gestiegenen Bedeutung des absoluten Mehrwerts, was sich im Dr�ngen des Kapitals zeigt, sowohl die Wochen- wie auch die Lebensarbeitszeit auszudehnen? Auch wenn ein derartiger von Marx angedachter Zustand in einigen hundert Jahren aktuell sein m�ge, was k�nnen wir bis dahin tun? Tats�chlich endet die Arbeit von Postone im striktesten Ultraobjektivismus, der �berhaupt denkbar ist. Wir k�nnen nur abwarten, bis der Kapitalismus selbst durch die Entwicklung gigantischer Produktionsanlagen das Proletariat und seine Arbeit abgeschafft hat.
Anmerkungen:
[i] Franz Schandl. "Mehrwert und Verwertung" in: Streifz�ge Nr. 30, April 2004
[ii] John Holloway, "Die Welt ver�ndern, ohne die Macht zu �bernehmen", M�nster 2002, Seite 78
[iii] E. P. Thompson, "Time, Work-Discipline and Industrial Capitalism" Past and Present, 38 Dec. 1967
[iv] Alfred Sohn-Rethel, "Geistige und k�rperliche Arbeit" Frankfurt am Main 1973 Seite 12
[v] Dazu: Alfred Sohn-Rethel, "Das Geld, die bare M�nze des Apriori", Berlin 1990
[vi] Stefan Breuer, "Die Gesellschaft des Verschwindens. Von der Selbstzerst�rung der technischen Zivilisation", Hamburg 1995 Seite 79
[vii] John Holloway, "Die Welt ver�ndern, ohne die Macht zu �bernehmen", M�nster 2002, Seite 158
[viii] Karl Marx: "Produktiver Arbeiter zu sein ist daher kein Gl�ck, sondern ein Pech." (MEW 23; 532)
[ix] John Holloway, "Die Welt ver�ndern, ohne die Macht zu �bernehmen", M�nster 2002, Seite 167
[x] e-mail Aussendung vom 30.3.04 von krisisweb@gmx.net
[xi] MEW 23; 55
[xii] "Das Kapital ist von der Arbeit in einer Weise abh�ngig, wie die Arbeit nicht vom Kapital abh�ngig ist. Ohne die Arbeit h�rt das kapital zu existieren auf. Die Arbeit wird ohne das Kapital zu praktischer Kreativit�t, zu kreativer Praxis, Menschlichkeit." John Holloway,
"Die Welt ver�ndern, ohne die Macht zu �bernehmen", M�nster 2002 Seite 209
[xiii] "Die Idee, die Produktionsweise sei wesensm��ig vom Kapitalismus unabh�ngig, beruht des weiterten aus einem eindimensionalen, linearen Verst�ndnis von technischen Fortschritt – Fortschritt der Arbeit – der oft dem gesellschaftlichen Fortschritt �berhaupt gleichgesetzt wird." (116 )
[xiv] Karl Marx, "Resultate des unmittelbaren Produktionsprozesses", Frankfurt am Main 1969, Seite 25
[xv] Karl Marx, "Resultate des unmittelbaren Produktionsprozesses", Frankfurt am Main 1969, Seite 10
[xvi] Karl Marx, "Resultate des unmittelbaren Produktionsprozesses", Frankfurt am Main 1969, Hervorhebung im Original, Seite 24
[xvii] Karl Marx, "Resultate des unmittelbaren Produktionsprozesses", Frankfurt am Main 1969, Seite 18
[xviii] MEW 23; 91
[xix] MEW 13; 21
[xx] Theodor. W. Adorno, Soziologie Schriften I, Frankfurt am Main 1979, Seite 14
[xxi] MEW 23; 89
[xxii] Grundrisse, Seite 211, Ausgabe Europ�ische Verlagsanstalt, ohne Jahresangabe
[xxiii] MEW 23; 445
[xxiv] MEW 23; 459
[xxv] John Holloway, "Die Welt ver�ndern, ohne die Macht zu �bernehmen", M�nster 2002 Seite 63
[xxvi] Cornelius Castoriadis, "Gesellschaft als imagin�re Institution", Frankfurt am Main 1984, Seite 136
[xxvii] "Totalit�t ist keine Erfindung herrschs�chtiger Intellektueller, sondern eine Realit�t, die sich nicht einfach wegdekretieren l��t. Sie manifestiert sich in der Tendenz des Kapitals, "alle Elemente der Gesellschaft sich unterzuordnen, oder die ihm noch fehlenden Organe aus ihr heraus zu schaffen" (Gr. 189); sie zeigt sich in der Universalisierung und Globalisierung der dem Kapitalverh�ltnis eigenen Produktions- und Zirkulationsformen, und nicht zuletzt in der massiven Expansion der experimentellen Wissenschaften, die immer tiefer in die Infrastrukturen der Materie intervenieren und l�ngst keine Grenzen mehr kennen." Stefan Breuer, "Die Gesellschaft des Verschwindens", Hamburg 1995, Seite 9
[xxviii] Grundrisse, Seite 189, Ausgabe Europ�ische Verlagsanstalt, ohne Jahresangabe
[xxix] Grundrisse, Seite 585, Ausgabe Europ�ische Verlagsanstalt, ohne Jahresangabe
[xxx] Grundrisse, Seite 586, Ausgabe Europ�ische Verlagsanstalt, ohne Jahresangabe
[xxxi] http://www.wildcat-www.de/zirkular/18/z18buchg.htm
[xxxii] Grundrisse, Seite 592f, Ausgabe Europ�ische Verlagsanstalt, ohne Jahresangabe