| Buchstabe A | ||
Achtung ist ein Resultat von Aufmerksamkeit, von Beachtung. Geachtet wird die Übereinkunft mit dem Inhalt, der aufmerken ließ und der hierdurch zu einer Beziehung wurde. In der gegenseitigen Achtung wissen Menschen voneinander und beachten auch ihre Unterschiedlichkeiten und Verletzlichkeiten, respektiern wechselseitig ihre Selbstachtung, um für sich nicht beschädigt zu werden. Stolz ist das Gegenteil von Achtung, eine durch nichts begründete Einforderung, Achtung als Anerkennung für nichts zu bekommen. Im Unterschied zur Würde ist Achtung unmittelbar und geschichtlich, also der Begriff einer bestimmten Beziehung. |
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Adorno war ein herausragender Kulturkritiker des 20. Jahrhunderts, Mitgründer der Kritischen Theorie, Soziologe, Kunsttheoretiker und Philosoph. Sein Gesamtwerk war vor allem der Versuch, das Unheil der Moderne begrifflich darzustellen und die Möglichkeiten der Emanzipation des verdinglichten Bewusstseins gegen die Übermacht bürgerlicher Kultur und Ökonomie herauszuarbeiten. Bestimmend für sein Lebenswerk war der Versuch einer Verarbeitung des Nationalsozialismus in der Frage, wie "das Undenkbare" entstehen konnte, was die Totalisierung eines Bewusstseins zur Unmenschlichkeit ausmacht und wodurch es sich gegen die Menschen überhaupt wenden kann, warum sich Rassismus und Antisemitismus entwickelt. In einer sozialpsychologischen Auftragsarbeit über den autoritären Charakter versuchte er über einen massenpsychologischen Ansatz, der psychoanalytisch mit einer Triebverdrängungstheorie unterlegt wurde, zu finden. Die dort entwickelte Faschismus-Skala assoziierte psychische Borniertheiten, insbesondere Zwanghaftigkeiten einer kleinbürgerlichen "Charakterstruktur" mit der Neigung zu rassistischen und nationalistischen politischen Positionen. Weitaus intensiver als mit Psychologie befasste er sich jedoch mit Philosophie und Kunst. Besonders in der "instrumentellen Vernunft", einem modernen Nachtrag der Aufklärung, fand er die geistigen Grundlagen und Prinzipien des Faschismus. Die von Faschisten selbst verwendeten Begrifflichkeiten (siehe Schopenhauer, Nietzsche, Heidegger) fanden hierbei relativ beiläufige Beachtung (vergl. seine Heidegger-Kritik im "Jargon der Eigentlichkeit"), die erst in der "Dialektik der Aufklärung" systematisch verarbeitet wurde (siehe Negative Dialektik). Wesentlich erschien ihm die Kulturproduktion der Modernen, die zweckhafte Verwendung von Kultur, die er Kulturindustrie nannte, für die Ausbreitung und Internalisierung eines menschenfeindlichen Systems in den Menschen selbst. Von da her war er der erste Kulturtheoretiker, der die bürgerliche Kultur als einen real existierenden Selbstentfremdungsprozess begriff. Allerdings führte er dies mit seinem Begriff der Verdinglichung sehr schnell wieder in eine eher philosophische Ideologiekritik zurück, in welcher Kapitalismus vor allem als Formation des Bewusstseins begriffen wurde und weniger als "wirklicher Lebensprozess" (siehe hierzu auch Historischer Materialismus). Hierdurch herrschte bei Adorno die Kritik der Versachlichung des Menschen vor, welche die Vermenschlichung der Sache eher nebensächlich - eher als Resultat einer Manipulation - behandelte. Dies führte zu einer sehr einseitigen Auslegung des Marxschen Begriffs vom Warenfetischismus, den Adorno mehr als philosdophischen und psychologischen Begriff aufnahm, denn als Kritik der politischen Ökonomie. Aus dem marxistischen Begriff, der die Bewusstseinsform des "notwendigen Scheins" bezeichnete, worin die Waren ihr gesellschaftliches Verhältnis ausdrücken, wurde damit eine Kulturphilosophie, die sich wieder aus den ökonomischen Bestimmungen heraussetzen konnte. Hierdurch und durch seine Beschäftigung mit Kunst war es Adorno allerdings möglich, Kultur nicht nur als "Überbau" der ökonomischen Verhältnisse anzusehen, sondern auch als einen Lebensbereich, worin diese nicht vollständig aufgehen. Er verstand den "asozialen" Rest der Kultur als Potential des subversiven Geistes gegen die Verdinglichung, die Fetischisierung des Lebensalltags. In diesem Sinne formulierte er Ansätze zu einer Dialektik der Neuzeit, die am Standort einer unverzerrten Gesellschaftlichkeit der Empfindung ansetzen wollte. "Das Asoziale der Kunst ist bestimmte Negation der bestimmten Gesellschaft" (Adorno, "Ästhetische Theorie", Suhrkamp, S. 335), der die "Emanzipation des Subjekts" ihren Ursprung verdanke, um sich in anderer Gesellschaft mit ihr zu versöhnen. Diese Dialektik wich von aller bisherigen Dialektik vor allem darin ab, dass sie den Begriff der bürgerlichen Gesellschaft als Negation des Subjekts, also als das Begriffene einer falschen Objektivität (Welt) auffasste, der die Menschen aus ihrer Verblendung durch die Reize des Konsums und dem Sonntagsfrieden ihrer Wohngemächer folgen und ihre Empfindungen und Bedürfnisse verfälschen, einem Verblendungszusammenhang unterwerfen, um mit der Falschheit ihrer Existenz auszukommen. Das ließ ihn den fundamental religiösen Satz sagen: "Wahr ist nur, was nicht von dieser Welt ist." Diese Auffassung hatte weitreichende Folgen für das Verständnis der Postmodernen. In seinem ganzen Werk war diese "Negative Dialektik" für den Fortgang der Erkenntnis wesentlich. Besonders in seiner Ästhetik gelang es ihm damit, die Not der Empfindung als Negation des Schönen zu beschreiben, das sich seiner Hässlichkeit entzieht und dessen Kunstform daher als "Form von unten" einzige Wahrheit haben könne. Er setzte sich mit bildhafter Kunst und mit Musik konkret auseinander und verfasste in seiner negativen und dennoch transzendenten Kulturtheorie die "Verzweiflung der Kunst". Darin stellte er sich gegen die Kunstbeherrschung der Moderne, gegen die Rationalität der Aufklärung und gegen die Gesamtheit bürgerlicher Hochkultur überhaupt. Ihm ging es um die Erweckung von "wahren" Empfindungen und Bedürfnisse, die sich den Glücksverheißungen der Rationalität dinghaftier Lebensverhältnisse widersetzen und die Selbsttäuschung als Verfälschungen des Lebens durch die normative Gewalt des Rationalismus als Unheil einer verfestigten Scheinwelt begreifen. Im Gebrauch der rational vermessenen Kulturgüter war die Kultur der Vorkriegs-, Kriegs- und Nachkriegszeit des 20. Jahrhunderts verödet zu einem sublimen Herrschaftsmittel, dem alle Möglichkeiten menschlicher Selbstverwirklichung, besonders die der Kunst, als Verkaufsschlager der Selbstverdinglichung überschrieben worden war oder sich ihr selbst andienten. Mit seiner negativen Dialektik ist Adorno - und das macht seinen spezifischen Ansatz im Unterschied zu anderen Wissenschaftlern aus - dieser "Unwahrheit des Ganzen" entgegengetreten, indem er den Widerspruch der bürgerlichen Welt selbst zum Ganzen ihrer Unwahrheit, zu einer Verfälschung der Subjektivität erklärte, zu einem Fetisch, dem alleine durch die Erkenntnis seiner Negativität zu entkommen sei. "Es gibt kein richtiges Leben im falschen" ist die saloppe Formulierung einer Wahrheitsbehauptung über das Leben an sich, welche Leben in seinem Eindruck wie Ausdruck als Kunstform fasste, als unmittelbares Sein von Wahrheit gegen die Unwahrheit (Täuschung), als ein im Kapitalismus unmögliches Leben. Der "totale gesellschaftliche Bann" (Adorno, "Ästhetische Theorie", Suhrkamp, S. 342) trifft das Wahre, das sich "als Eigenes in sich kristallisiert, anstatt bestehenden gesellschaftlichen Normen zu willfahren" (ebd. S. 335). Nicht die Wahrheit eines widersprüchlichen Lebens war ihm Gegenstand, sondern die Wahrheit des Lebens selbst, welches durch eine hiervon abgetrennte Form, durch das Kapital an sich bedrängt sei. Durch die Kulurindustrie würden die Menschen über die Falschheit ihres Lebens hinweggetäuscht und durch das Halbwissen des Bildungsbürgertums darin gehalten. Adorno reflektiert das bürgerliche Leben als ein "beschädigtes Leben" (Minima Moralia), dessen Abstumpfung er zu irritieren sucht und dessen Leiden er daher für die Empfindung rekonstruieren will. Seine Theorie ist im Grunde eine Theorie der empfindsamen Erkenntnis, welche die "Ruhe der Erkenntnis" nicht finden kann, eine Theorie der wahren Empfindung, die in Wirklichkeit nicht sein kann, die aber ihren kritischen Geist auch formuliert haben will, um sich gegen die falsche Empfindung zu wenden. Er kehrt dies um zu einer Theorie unmittelbarer Wahrheit des Ästhetischen, einer Kunst welche in der Empfindung verstrickt sei und ihre "Wunde" darin habe (siehe Schmerz), Auflehnung und Affirmation in einem zu sein. In dieser ästhetischen Theorie zeigt sich eine wesentliche Affinität zu Hegel, dem die Emanzipation des Geistes durch den Schmerz der Erkenntnis, der nichts anderes als Entfremdung ist, nötig wird - ganz im Sinne des christlichen Abendlandes, welches durch das Kreuz Erlösung fand. Schon Nietzsche hatte sich ausführlich mit der "Lüge" solcher theologischer Affirmation befasst, die nun auch Adorno als Jude aufgreift. Solcher Schmerz ist der Schmerz der Täuschung, und der macht Theorie auch wirklich nötig. Doch kann Theorie nicht Empfindung bleiben. In seiner Theorie der Empfindung (das meint ja Ästhetik) verharrt Adorno in eben diesem theoretischen Widersinn, den Empfindung in ihrem Schmerz praktisch hat: Das Entzweite ist sich in der Negation im Streben nach Aufhebung einig. In der Theorie des Unwahren, also des Falschen, kann solche Empfindung praktisch nur Erlösungssehnsucht sein. Adorno spielt damit wie der intelligente Jude mit dem biederen Christen: Erlösung kennt nur die Sünde, die noch ist, und nicht die Erlösung von der Sünde, die schon war, die im Kreuzestod gesühnt wäre. Indem er an die Erlösung durch das Leiden am Kreuz glaubt, ist der Christ ein Tottel und der Jude weiß das. Was jenen zur Anbetung des Kreuzes treibt, gilt diesem als irdische Notwendigkeit einer Erkenntnis, welche die Heimsuchung Gottes ist, die nur in ihm aufgehen kann. Der Glaube an der Erlösung durch das Leiden erscheint demgegenüber als Kinderglaube, der keine Wahrheit erkennen will, der das unaufgelöste Rätsel des Geistes nicht leiden kann, lieber das Falsche lebt, als sich selbst erkennen zu müssen. Doch auch das ist Theologie, wenn schon auch eine, die sich über den Schmerz stellt, sich aus seiner paradiesischen Teleologie heraushält und darin geistige Kraft schöpft. Solcher Glaube ist für den Christen natürlich Verrat am Christentum den Judasmord weiß das Neue Testament in vielfältiger Weise zu konstatieren. Die Angst vor einer Intelligenz, die über dem Leiden steht, die Angst, dass es keine himmliche Erlösung darin gibt, ist der tiefste geistige Grund des Antisemitismus. Wo der Christ die Allmacht des Leidens im Diesseits verkündet, da hat der jüdische Glaube für ihn tatsächlich einen geistigen Allmachtsanspruch, der sich ihm in der Theologie vom auserwählten Volkes entgegenstellt. Aber genau dies ist eben auch die einzig mögliche Negation des christlichen Glaubens, der in der Allmacht des Leidens die paradiesische Einfalt der Erlösung als Brennpunkt seiner Selbstgerechtigkeit schon erlebt, in der er schließlich durch Gott aufgehen will. Von daher ist der Antisemitismus eine Errungenschaft des Christentums, mit der es seinen Selbstzweifel bekämpft. Die Erbsünde ist die Metapher für das falsche Leben selbst, die Nötigung des Falschen. Wahrheit und Täuschung haben daher auch keinen wirklichen Begriff nötig. Es ist die Erkenntnis selbst um die es geht, die Notwendigkeit, der Wahrheit ihrer Empfindung zu folgen und gegen das Gebot des scheinbar Nötigen zu verstoßen, vom Baume der Erkenntnis zu leben und das Unwahre zu meiden. Von daher ist Adornos Theorie höchst theologisch und bleibt dies auch als negative Dialektik, die er ästhetisch erschließt. Es ist eine Theologie, die als Kritische Theorie gegen Gott sich wendet, indem sie ihn weltlich anektiert, Wahrheit als richtiges Leben jenseits des falschen der Welt entnimmt und gegen sie hält. "Wahr ist nur, was nicht von dieser Welt ist." (Adorno) Nichts kann theologischer sein als solche Kritik. Diese Position schafft ihm seinen Platz in der ästhetischen Theorie. Das macht ihn, den sensiblen Bürger zu einem Theoretiker einer Subkultur, welche die "Wahrheit von unten" zu leben hat und sich der Gesellschaft gleichermaßen widersetzt wie sie ihr innewohnt. Ihre Begründung nahm Adorno aus der Denkform seiner Ästhetik, aus der Negativität des Geistes, der sich aus der Notwendigkeit des faktischen Nominalismus heraussetzt und "die Nötigung, die Form aus jenen Erfahrungen von unten her, zu konstituieren" (ebd. S. 334), umkehrt gegen die Welt, worin der Nutzen die Ausnutzung vollstreckt. Das fasziniert natürlich gerade kritisches Denken in seiner Entstehung selbst schon, indem es nach Erkenntnis verlangt, die nicht unbedingt einen Begriff haben muss, die im Denken selbst den Sinn von Empfindungen erkennt, die für sich nicht wahr sein können. Im Denken muss keine Wahrheit gegenständlich werden. Es selbst ist der Gegenstand seiner Bewegung, ist sich selbst schon aufhebend, indem es die Beschränktheit seiner Positionen auch unmittelbar negiert, nicht Widersprüche von Positionen denkt, sondern selbst im Widerspruch ist, immanente Aufhebung des Gedankens. Was daran fasziniert, ist aber im Grunde eine postmoderne Hinterhältigkeit, stellt es doch Denken zugleich frei von seinem Gegenstand und damit von Gegenständlichkeit schlechthin. Es erweist sich nicht in dessen Begriff und beweist sich auch nicht praktisch in gegenständlichem Bewusstsein, sondern befriedet seine eigen Bewegung als Erkenntnisprozess schlechthin, als lebende Erkenntnis, die sich dem praktischen Leben auch in der Empfindung zu entziehen vermag - eben als Ästhetik. Und solche Erkenntnis ist es dann auch, die so unsinnige Sätze zustande bringt wie „Das Ganze ist das Unwahre“ oder „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“ oder "Wahr ist nur, was nicht von dieser Welt ist." Sie beanspruchen Wahrheit, indem sie ihren Grund auflösen. Als Polemik gegen Hegel erscheint unschuldig, was logisch eklatanter Unsinn ist, aber durchausw logisch begriffen und nachvollzogen wird. Wie soll eine ganze Aussage unwahr sein können? Schon der Satz, dass das Ganze das Unwahre sei, wäre unwahr, also falsch. Die polemische Implikation, dass das Unwahre also ganz und das Leben deshalb nur falsch sein könne, wäre begrifflich eine Unterwerfung unter den Tod, der damit nur negiert werden könnte in einem Leben jenseits des wirklichen Lebens. Der Hinterhalt solcher Selbstwidersprüchlichkeit liegt in ihrem intellektuellen Populismus, welcher sich gegen Lebensnischen wendet und wahre Begrifflichkeit fordert. Aber er widersetzt sich nicht wirklich diesen Nischen, indem er das "falsche Leben" begrifflich abarbeitet und analysiert, um es auch wirklich zu ändern, sondern erklärt sich selbst aus dem Bedürfnis, aus dem er entstanden war: aus der Ästhetik einer Empfindung, die nicht von dieser Welt ist. Es ist letztlich die Welt einer Kunst, die hier angestrebt wird, welche für sich selbst wahr sei, die reine Empfindung, die reine Musik, das Schöne an sich. Das ist der Inbegriff bürgerlichen Kunstverstandes, der zugleich so total ist, wie er seine Totalität zu negieren vermag: Kunst als Leben schlechthin, als unendlicher Prozess einer entzweiten Totalität, die dadurch total ist, dass sie Negation sein muss, ohne hierin auch bestimmt zu sein, ohne also eine andere Bestimmung zu enthalten. Kritik ist darin Selbstzweck, indem sie das konstituiert, dem sie sich zu widersetzen scheint, als Negation einer Totalität, die selbst total ist. In seinem Verhältnis zur Psychoanalyse macht sich dies fest, indem Adorno in ihr eine Theorie des durch das „unwahre Ganze“ beschädigten Lebens gefunden haben will, und eine Kritik an der Psychoanalyse mit einem Antisemitismusvorwurf bedenkt: »Der Haß auf die Psychoanalyse ist unmittelbar eins mit dem Antisemitismus, keineswegs bloß weil Freud Jude war - sondern weil Psychoanalyse genau in jener kritischen Selbstbesinnung besteht, welche die Antisemiten in Weißglut versetzt« ( 1959: 569 f. ). So zeigt sich die Absicht, sich als eine Gesinnungsmacht zu installieren, indem Kritik selbst als böse Absicht vor jeglichem Inhalt beurteilt ist. Es ist der Verweis auf die Hoheit des antifaschistischen Imperativs (siehe oben), durch welchen die Psychoanalyse zu verstehen ist, gleich, wie sie sich selbst versteht und was sie versteht - für unsichere Menschen heute wie zu allen Zeiten ein Verweis auf den "rechten Weg". Die praktische Gewalt dieser "Schlussfolgerung" müsste eigentlich offensichtlich sein: Es ist der Mechanismus des totatlitären Denkens, gegen welches Adorno eigentlich angetreten war, Inzwischen sind Adorniten auch tatsächlich in der Lage, dies zu exemplifizieren. Bei den sogenannten Antideutschen ist diese Adornitis auch wirklich ausgebrochen, die sie zur Psychoanalyse bewegt. Namentlich Stefan Grigat tritt dabei inzwischen wie ein Missionar auf, der in einer Adornokritik selbst schon Faschismus wittert, denn auch Burschenschafter kritisieren ihn. Dass Adorno sich vor allem Kulturtheorien zum Zeugen nimmt, die eine sublime Affirmation bürgerlicher Selbstwahrnehmung betreiben, macht auch ihn zu einem bürgerlichen Theoretiker, welcher sich auf die Empfindung seiner selbst - also auf Selbstempfindung - in die Wahrheit seiner selbst - also auf das wahre Leben in sich - zurückzieht, derweil er beständig gegen die Welt angeht und ihre Falschheit beklagt. Es kann dabei nur um die Emanzipation einer Selbstverwirklichung gehen, die sich allein in ihrer Unwirklichkeit zu bestätigen sucht, um eine Theologie der ästhetischen Empfindung.. Von Marx verwendete er hierfür die ökonomischen Kategorien des Tauschverhältnisses, um seine Grundaussage der Fetischisierung der Wahrnehmung von Kultur und Gesellschaft zu unterlegen. Dabei beging er nicht nur entscheidende Fehler in der Rezeption ( Seine Einlassungen in die Grundlagen der Kritik der politischen Ökonomie zerstörten sowohl seinen eigenen Ansatz, wie auch wirklich kritisches politisches Denken. Die Begriffe "Fetischisierung" und "Verdinglichung" durchziehen sein Werk wie eine Mandra dessen, was einfach klar zu sein hätte und letzendliche Begründung seiner Kritik sei. Dabei ist ihm der Marxistische Entfremdungsbegriff zu einer Metaphysik der Antiästhetik verkommen, zum ontologischen Begriff negativer Empfindung, der sich geschichtlich gebärdet: Für Adorno resultiert aus dem Wissen, dass die Verhältnisse einer Waren produzierenden Gesellschaft, welche ihr menschliches Verhältnis zu einem Verhältnis der Sachen verkehrt, nicht die Notwendigkleit, dass die Verkehrung selbst als eine Hinterfragung ihrer Form bis hin zum Begriff ihrer Formbestimmung Gegenstand von Theorie sein muss, sondern dass die Empfindung des Begriffenen selbst die Wahrheitsfrage aufwirft, die im Begriff gelöst sein müsste. Von der Empfindung gegenständlicher Wirklichkeit kommt er über das Wissen ökonomischer Vekehrung auf sich zurück als Wissen vom Widersinn der Empfindung. Hierdurch hat der Begriff für ihn auch keine bestimmte Wirklichkeit und Existenz, sondern gerät zu einer Empfindungstatsache der Entfremdung, mit der Menschen prinzipiell nur in intellektueller Moral sich zu sich und anderen verhalten können: Was sind wahre Empfindungen, wahre Bedürfnisse, was ist Fetisch? Solches Denken ist Grundlage jeder Esoterik. Sie hat die selben Grundlagen, die dem Selbstzweifel des gehobenen Bürgers entfahren und sich im Rückzug auf ein besseres Selbstgefühl als besondere Wahrheit gegen die Welt errrichtet. Dass die Welt falsch sei, ist auch für ihn eine Trivialität, die keinerlei Gedanken benötigt. Diesen aber hierzu zu entwickeln, brachte Adorno nicht ungewollt dahin, von der Fremde zu einer Dingheit überzuführen, welche nur der wahren Empfindung äußerlich sei und den Menschen, der ihrer nicht fähig sei, selbst als Mensch, als Wesenheit (nicht als Produzent, Klasse usw.) zur Sache macht, ihn verdinglicht. Was sich so empfindsam anlässt wird zu einem gehobenen Zynismus über den Rest der Welt, der im Banausentum verrottet. Barbarei lässt sich jetzt auch so erklären. | s.a. Wolfram Pfreundschuh: Eine Zusammenfassung der Theorie Adornos und ihrer Kritik gibt es als Artikel zum 100. Geburtstag von Wolfram Pfreundschuh: "Hundert Jahre Wiesengrund"
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Aggression kommt als Wort von agredere: Herangehen, sich an etwas machen. |
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Akkumulation meint gespeicherte Aufhäufung in verdichtetem Zustand. Der Begriff wird von der Ökonomie im Sinne einer Aufhäufung von anwendbarem Kapital verwendet (siehe Kapitalakkumulation). | s.a. | |
„Auf Basis der kapitalistischen Produktion ... bedingen ausgedehntere Operationen von längerer Dauer größere Vorschüsse von Geldkapital für längere Zeit. Die Produktion in solchen Sphären ist also abhängig von den Grenzen, innerhalb deren der einzelne Kapitalist über Geldkapital verfügt. Diese Schranke wird durchbrochen durch Kreditwesen und damit zusammenhängende Assoziation, z. B. Aktiengesellschaften.“ (K. Marx, Kapital II, MEW 24, 357f.) |
s.a.
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Wer mit Aktien handelt, der glaubt an einen Wert, den die Risiken des Geldmarktes hervorbringen. Und der Sachverstand des Käufers erscheint als die Grundlage, das Wagnis zu mindern und also den eigentlichen Wertgewinn zu begründen. Also sieht jeder Aktionär seinen Verstand als seine Geschäftsgrundlage für einen Gewinn, der ohne sonstiges Zutun entsteht oder auch nicht. Sicher weiß er auch, dass der Wert irgendwie aus der Produktion kommt, aber der Gewinn selbst erscheint nur durch geschicktes Positionieren von Geld auf dem Geldmarkt „verdient“ zu werden. Und tatsächlich gelingt das auch noch. Die Geldelite selbst kann auf die für Geld arbeitenden Menschen locker herabschauen, solange der Geldmarkt den Mehrwert abschöpft, den sie dann in ihren Papieren stehen haben. Aber der Aktienwert, wie er gehandelt wird, ist zugleich noch etwas ganz anderes, nämlich eine reine Erwartung, eine Spekulation auf einen Wert, der noch gar nicht besteht, auf Wertwachstum. Darauf gründet der Aktienhandel. Die Aktionäre erwerben ihre Papiere zu einem Anteilspreis, und verkaufen sie, wenn ihnen jemand mehr als diesen bietet und sich auch mehr Gewinn davon verspricht, als es der bisherige Eigner dies noch erwartet. Sie handeln also mit Wechsel und Anteilscheinen wie mit Waren, die für den einen brauchbar, für den anderen unbrauchbar sind, eben so wie beide unterschiedlicher Auffassung von der Wertentwicklung der Aktie sich im Handel konfrontieren. Der effektive Besitzanteil an einem Betrieb war zwar die Grundlage dieses Handels, aber der Handel mit den Papieren beruht allein darauf, dass sie eine bestimmte Verwertungsperspektive bieten. Das ausgebende Unternehmen hatte ursprünglich eine feste Summe ihres Kreditbedarfs verlangt, die auf entsprechend vielen Anteilsscheine verteilt war. Beim Handel mit diesen Scheinen steht aber nicht der reale Anteilswert, sondern die Begierde auf die Kursentwicklung im Zentrum der Aufmerksamkeit, die ihrerWertschätzung entspricht. Aus dem Verhältnis dieser Einschätzungen ergibt sich nach vollzogenem Handel der neue Spekulationswert der Aktie, nämlich ihr letzter Verkaufspreis. Dieser Börsenwert geht durch die inzwischen eingebrachten Gewinne des ausgebenden Unternehmens meist weit über den Ausgabewert hinaus - das war ja schließlich der Zweck des Handels. Aber er beruht nicht unbedingt auf realen Werten, sondern mehr oder weniger auf der Selbsteinschätzung der Handelspartner - wie sicher sie sich also in ihren Zukunftsprognosen sind. Das hat einen eigen Dienstleistungsmarkt im Aktienhandel hervorgebracht, das Angebot von Fachwissen durch Broker, die entweder für Banken oder auch selbständig arbeiten oder auch eigene Fonds gründen. Die meisten Aktionäre überlassen daher die Markteinschätzungen den Fonds oder den Banken und erhofften sich Sondereinnahmen oder einen Grundkapitalausgleich für alle Fälle, wo ein Rückhalt gegen die Unsicherheiten der eigenen Existenz benötigt wird. Diese Sicherheit gründet paradoxerweise gerade nur auf diesem Spekulationswert. Wer mit Aktien Geld gewinnen will, muss sich eigentlich auf seine Risikoeinschätzung verlassen können. Aber immer größere Geldsummen wurden aufgrund von erwarteten Kurssteigerungen bewegt, je weniger Mehrwert unmittelbar durch Investitionen zu erzielen war. Der Aktienhandel wurde zu einer Existenzgrundlage für Geldbesitzer, eine Art Grundsicherung, ein Rückhalt für unsichere Zeiten auch wenn er selbst nicht unbedingt sicherer war, als es die Realwirtschaft insgesamt sein konnte. Aber man konnte darin gegenläufige Wertbewegungen und Verwertungbedingungen der Wirtschaft auffangen und ausgleichen z.B. die Erträge aus dem Devisenhandel in Relation zum Maschinenexport oder Immobilienwerte bringen usw., wodurch das Gesamtrisiko sich auf den Märkten verteilen und ausgleichen konnte. |
s.a.
Wolfram Pfreundschuh: Globalisierung und Verschuldungskapitalismus - die Politik des fiktiven Kapitals Wolfram Pfreundschuh:
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Das Aktienkapital entwickelte sich aus dem Kreditwesen als spekulative Geldeinlage, die sich wesentlich von Zinserwartungen darin unterscheidet, dass sie nicht aus der Profitrate und faktischem Unternehmensgewinn sich ermittelt, sondern als fiktives Kapital auf besonderen Unternehmensgewinn durch Aktienhandel spekuliert (siehe Aktienhandel). Die Aktie ist eine Urkunde für Besitzanteile an einem Unternehmen. Bereits im Jahr 1407 wurde die genuesische Staatsbank Casa di San Giorgo als Aktiengesellschaft erwähnt. Insbesondere von den Unternehmen, die aufgrund des hohen Investitionsbedarfs nur schwer durch wenige Betreiber finanziert werden konnten - wie Banken, Bergwerke, Reedereien oder Mühlen - wurden in den folgenden Jahrhunderten vermehrt Anteilsscheine herausgegeben. Bei Rückkauf der Anteilscheine durch das ausgebende Unternehmen bekam der Eigentümer der Aktie den Anteilsbetrag am Betriebsvermögen, den er finanziert hatte jetzt aber anteilig an allen Wertsteigerungen, die das Unternehmen in dieser Zeit erlangt hatte. Wie so vieles wurde der Aktienhandel aber erst so richtig zum Zweck der Kriegsführung staatlich aufgerollt, erstmals von Kaiserin Maria Theresia in Wien nach dem Siebenjährigen Krieg 1761 und dann auch von Napoleon in Paris. Nach Beendigung des Siebenjährigen Krieges befand sich die österreichische Monarchie in einer wirtschaftlichen Krise. Um den stark gestiegenen Finanzbedarf zu decken, wurden vom Staat Anleihen, also Kreditgesuche, ausgegeben. Im Zuge ihrer Finanzreformpläne beschloss dann die Kaiserin 1761 auch die Errichtung einer Wertpapierbörse in Wien. Gegenstand des Börsenverkehrs waren Anleihen, Wechsel, Valuten und Devisen. Nach Tagesabschluss setzten die Börsenadvokate, die Sensale, unter Aufsicht des Börsekommissärs die Tagesmittelkursejener Börsewerte fest, in denen Abschlüsse zustande gekommen waren. Die Geschäftsabschlüsse wurden von den Sensalen in ihre Journale eingetragen. Am darauf folgenden Tag wurden sämtliche Kurse auf einem Kurszettel vor dem Börselokal angeschlagen. |
Wolfram Pfreundschuh: Globalisierung und Verschuldungskapitalismus - die Politik des fiktiven Kapitals Wolfram Pfreundschuh:
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Allgemeinheit ist eine Bestimmung, die allen Einzelheiten eines Begriffs wesentlich entspricht, auch wenn sie aus bestimmtem Grund dem einen oder anderen nicht zukommt (z.B. alle Menschen haben zwei Beine und zwei Arme). Unbestimmt ist eine Allgemeinheit, so sie abstrakt von allen Einzelheiten ist und sich nur in Besonderheiten, in isolierten Einzelheiten, wahr hat. Hierin ist die Abstraktion allgemeine Formbestimmung. Eine abstrakte Allgemeinheit ist durch sich selbst bestimmt, indem sie sich eine Substanz gibt, die sie durch ihr Absehen von konkreten Bestimmungen erst füllt. Eine abstrakte Allgemeinheit bestimmt sich also als reine Form aus dem, was sie für Besonderheiten ist (z.B. Wert als Quantum abstrakt menschlicher Arbeit, in denen sich die Gebrauchsgüter in der Warenform bemessen). Abstrakte Allgemeinheiten wirken als Prinzipien, durch welche sie sich des Konkreten mit einem abstrakten Sinn bemächtigen, z.B. Prinzipien der Vernunft (Moral) oder der sachlichen Lebensverhältnisse. Marx hat bewiesen, dass der Kapitalismus sich aus der abstrakten Allgemeinheit des Wertbegriffs erklärt, der keine konkrete Verallgemeinerung möglich macht. Somit erklärt sich der Widerspruch des bürgerlichen Produktionsverhältnises daraus, dass sich alles Konkrete seiner abstrakt allgemeinen Bestimmung im Wert als Form überlassen muss, solange es sich nicht selbst auch in seiner Form verallgemeinert, hier: vergesellschaften kann - anders ausgedrückt: solange der Widerspruch von konkret nützlicher und abstrakt gesellschaftlicher Arbeit besteht. Dies erfordert, dass der widerspruch von gesellschaftlicher Produktion und privater Aneignung aufgehoben wird.
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s.a. | |
Alter ist ökonomisch Rentenzeit, also die Zeit, in der sich das Leben rentieren soll. Wirtschaftlich rechnet sich das Alter, die Rentenzeit, nicht als Zeit, wo ein Mensch nicht mehr arbeitet, weil er alt ist, sondern als Zeit, die ein Mensch nicht bei der Arbeit ist, also wie Freizeit gegenüber dem Arbeitstag. Obwohl immer weniger Arbeit da ist, wird von Kapitalseite dennoch gegen die Verlängerung der Rentnerzeit, inzwischen sogar für Verkürzung gekämpft, um möglichst geringe Rendite an die Menschen abgeben zu müssen Das Paradox zwischen Verwertungslage und Arbeitslage stellt sich hier genauso dar wie beim Arbeitstag, weil alleine schon die Zeitverfügung auch bei Nichtarbeit zumindest die politische Position des Kapitals stärkt, bei der Verhandlung der Arbeitslöhne die allgemeine Tendenz der Verbilligung durchzusetzen. Verlängerung der Rentenzeit ist wie die Verlängerung des Arbeitstags ein entscheidender Beitrag zur allgemeinen Ausbreitung der Armut der Menschen (siehe Krise). Die Verlängerung der Lebenszeit macht angesichts der Knappheit der Arbeit keinen Sinn. Sie hat ihre Rationaität nur darin, dass sie Arbeitkraft zu einer erweiterten Konkurrenz zwingt und dadurch ihren Preis senkt. Die Forderung nach Verlängerung der Lebensarbeitszeit ist also ein Verlangen, die Lohne zu drücken - was allerdings auch die Absatzkrise nur verschärfen kann. So ist sie ein Widersinn in sich und zeigt, dass offenbar nicht nur die Politiker mit ihrem Latein am Ende sind, sondern auch der Kapitalismus selbst. Die Alten erscheinen zusammen mit den Arbeitslosen als Überbevölkerung. Von daher kommt auch die Ideologie von der Überalterung, die nichts als die Folge der Krise der Mehrwertproduktion ist. Kulturell stellt das Alter eine Frage isolierter Lebenswirklichkeit: Wieweit hat sich Leben verwirklicht, wieweit erweist es sich in seiner Isolation nun vollständig? Die meisten Menschen beenden ihr Leben getrennt von ihrer Familie, weil das Berufsleben und die Mittel ihrer Nachkommen keinen Platz mehr für sie lassen. Ursprüngliche Lebenszusammenhänge und Aufgaben (z.B. Kinder, Hausarbeiten) haben in der Vereinzelung von Lebensstrukturen keinen Sinn mehr oder überfordern die seelischen Kräfte durch überkommene Familienkonflikte oder durch die Übermacht eines lebensfremden Familiensinns. Viele Alte landen in Altersheimen oder in der Geriatrie. | s.a.
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Amok ist die Wendung einer Zerstörung gegen andere, die Ausübung einer tödlichen Gewalt gegen ein unbeschädigt scheinendes Leben, Selbstmord als Mord am Funktionalern, Schönen und Guten (siehe schlechte Negation). | s.a. siehe auch "Töten auf offener Bühne" | |
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Globalisierungskritische Bewegung, die eine Gegenwirkung vor allem in der Kapitalbesteuerung (siehe Tobinsteuer) und in der Bemühung um gerechte Verteilung des Sozialprodukts sieht ("Es ist genug für alle da!"). | ||
Atypischen Neuroleptika, oft auch moderne Neuroleptika genannt, werden diejenigen Präparate zugeordnet, die in ihrer Wirkung dem in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts eingeführten Prototyps Clozapin (im Handel auch als Elcrit und Leponex) entsprechen. Der Wirkung liegt offenbar die Blockade spezieller Dopaminrezeptoren-Subtypen zugrunde, so dass seltener Dyskinesien (Muskel- und Bewegungsstörungen) auftreten und viele Betroffene von einer besseren Verträglichkeit ausgehen. Wie der Psychiater Hans-Joachim Haase allerdings erklärte, verhält sich Clozapin lediglich "ähnlich wie andere Neuroleptika, denen man eine zunehmend hohe Dosis eines Antiparkinsonmittels hinzugibt” (Haase 1988, S. 143). 1991, 34 Jahre nach Leponex, wurde als nächstes clozapinartiges Neuroleptikum Remoxiprid (Roxiam) als "Rose ohne Dornen”, d.h. als Medikament ohne Nebenwirkungen angekündigt. Drei Jahre später wurde es wieder vom Markt genommen: wegen einer Reihe lebensgefährlicher Fälle von aplastischer Anämie, d.h. Blutarmut mit Verminderung der roten und weißen Blutkörperchen, beruhend auf einem Defekt im blutbildenden System (vgl. Lehmann 1996b, S. 133). Sertindol (Serdolect) galt lange als nebenwirkungsarm, im November 1998 fand sich im Internet in medizinischen Datenbanken sogar der Begriff "nebenwirkungsfrei". Am 2. Dezember 1998 meldete die Ärzte Zeitung: "Vertrieb von Serdolect(R) gestoppt - Anlass sind schwere kardiale (das Herz betreffende) Nebenwirkungen und Todesfälle.” Risiken und Schäden: Moderne clozapinartige Neuroleptika stehen generell unter Verdacht, vegetative und Organschäden wie etwa Neuroleptische Maligne Syndrome und Leberstörungen zu produzieren. Agranulozytosen (abruptes Absterben der weißen Blutkörperchen mit lebensbedrohlichen Folgen) wurden ebenso publik wie die unübersehbare und rasche Zunahme des Körpergewichts mit seiner für Herz und Kreislauf immensen Gefahren. Clozapinartige Neuroleptika erhöhen auch die Blutkonzentration des Hormons Prolaktin; mit dieser psychopharmakatypischen Störung einher geht ein 9,5mal höheres Brustkrebsvorkommen, das Gynäkologen laut einer im American Journal of Psychiatry veröffentlichten Studie bei Psychiatriepatientinnen fanden (Halbreich / Shen / Panaro 1996; vgl. Lehmann 1996b, S. 52). (Siehe auch Tardive Psychosen) Peter Lehmann (Antipsychiatrieverlag) | s.a.
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Der Avantgardismus ist ein Bewusstsein, das sich für eine Gruppe oder Partei von Vorreitern für die Entwicklung einer geistigen Strömung einsetzt. In der Politik wurde sie als Theorie genutzt, mit der die Umkehrung von Verhältnissen durch die Elitebildung von Vorreitern oder Klassenkämpfern aus den unterdrückten Klassen angeleitet und vollzogen werden soll. Dies hat links wie rechts zu fatalen Entwicklungen in der Geschichte geführt, weil der avantgardistische Gedanke dann reaktionär werden muss, wenn er sich nicht unmittelbar in der gesellschaftlichen Gruppe in der Auseinandersetzung mit ihren Lebenbedingungen auflöst, an denen er entstanden ist. |
s.a. | |