Buchstabe Ab Im Kontext

Aberglaube

Der Aberglaube ist der Glaube des Zufalls an seine Notwendigkeit, an die Regelmäßigkeit einer Not, die nicht durch sich selbst nötig ist. Er entsteht in der zufällig konstatierten Regelmäßigkeit eines Verhalts oder eines Verhaltens (vergl. die abergläubische Taube von Skinner), welche als einzige Regel reine Subjektivität hat, soweit es damit gelingt, Objektivität zu vermeiden. Aberglaube ist die objektivierte Allgemeinheit von subjektiv negierter Erfahrung. Es steckt im Aberglauben das unausgesprochene Intresse solcher Art von negativer Verobjektivierung, die Herauskehrung des Gemeinten nicht als Meinung, sondern als fremdbestimmtes Wissen, das zu glauben notwendig sei, Täuschung als Notwendigkeit. Dieses schließt jegliche Neugier und Praxis aus, ist theoretisch ausgeschlossene Praxis und damit auch Ausschluss von Gewissheit.

Wo Gewissheit zur Last wird (z.B. in Krisenzeiten), da ist Aberglaube auch allgemein verbreitet und verbreitet hierduch auch seine Magie. In ihm keimt die Hoffnung auf eine ganz andere Welt, sei es durch einen unermesslichen Gewinn an Vermögen oder Glück oder auch an einem Heil, das von allem Unheil befreit. Hiermit arbeitet vor allem Populismus in Medien und Politik und der Erfolg von reaktionärem Bewusstsein bestätigt sich darin, dass es wahrzumachen versteht, was schon immer war. Hiergegen kann sich ein gutes Gedächtnis mit einem beweisfähigen Wissen, Bewusstsein wenden.

s.a.

=> Böse

=> Glaube

webup1b Begriff im Netz (Google-Suche)

Absicht

Im Unterschied zu Bedürfnis, Wille, Interesse, Zweck oder ähnlichem ist die Absicht eine Intention, die sich nicht wirklich und direkt auf eine Sache oder einen Menschen, sondern auf einen Verhalt als solchen bezieht (z.B. beabsichtigt man, Urlaub zu machen, solange man nicht darin begriffen ist, es zu tun, noch nicht konkret plant, vorbereitet und losfährt, denn ab dann hat man nicht mehr die Absicht, sondern will wirklich in Urlaub fahren). Man sieht es auf etwas nur ab, wenn man zugleich von der konkreten Beziehung und Wirklichkeit, von seinem Sein absieht. Absicht zielt auf die Herstellung eines Verhältnisses, worin Menschen das wahrmachen, was ihnen für sich nötig ist. Um Sinn füreinander zu haben, müssen sie von ihrem Sein absehen, und das verfolgen sie mit den Absichten, mit denen sie sich in zwischenmenschlichen Beziehungen verhalten, wodurch sie also zwischenmenschliche Verhältnisse herstellen.

In der Absicht liegt das Bestreben einer Identifizierung. Um die Welt zu haben, wie sie für die Wahrnehmung sein soll, muss man seine Empfindungen und Gefühle darin wirklich haben; es müssen Verhältnisse hergestellt werden, die das ermöglichen, die also Identität stiften. Allerdings werden durch das Verlangen einer Identitätsbildung die hierdurch bestimmten Menschen nicht als Menschen, sondern als Moment dieses Verhältnisses ergriffen, als Umstand eines Zwecks oder Vorhabens. Von ihrem wirklichen Bezug in diesem Verhältnis, von der Wirkung ihrer konkreten Unterschiede und Gegensätze, wird in der Absicht abgesehen. Sie betreibt ihre eigene Verwirklichung, die Selbstverwirklichung. Anstelle der Beziehumng auf wirkliche Vehältnnise besteht die Frage, wie mit etwas oder jemandem so umzugehen ist, dass der Zweck der Absicht erreicht werden kann. Der Grund der Absicht ist daher so objektiv, wie die Absicht in ihrem Zweck subjektiv erscheint. Sie verfolgt immer ein abstraktes Ziel, indem sie anderes nutzt um für sich Identität zu finden. Sie setzt einen Zweck um, der nicht wirklich sein kann, weil sie sich auf etwas abzielt, in welchem sie ihre Erfüllung bestimmt, etwas das nicht wirklich ist, aber Wirkung für etwas hat, einen Verhalt erwirken will, der beabsichtigt ist, ohne dass hierin bestimmt ist, was wirklich sein kann. Die Absicht bewegt Umstände, um Bedingungen für sich zu schaffen, um sich selbst jenseits der Wirklichkeit ihrer Umstände zu erfüllen. Sie ist der Antrieb, welcher ein isoliertes Wesen jenseits seiner wirklichen Bedingungen bewegt und wodurch es sich auf sich selbst bezieht; sie ist der Begriff der Selbstwahrnehmung. Jede Absicht folgt dem Trieb zu einer Identität jenseits der Verhältnisse, die sie wirklich wahrhat, dem Trieb zu einer seelischen Identität. durch Verwirklichung von Verhältnissen, in denen sie sich wahrmacht.

Die seelische Absicht zielt auf die Herstellung eines seelischen Verhältnisses, also auf eine Objektivität von einer Selbstbeziehung, einer Seele für sich. Sie ist das abstrakte Bedürfnis des Wahrnehmungsverhältnisses überhaupt, das dem Selbstgefühl entspringt und Ereignisse, Umstände, Reize, Nöte usw. arrangiert, um ihr die Welt und die Gegenstände ihrer Gefühle zu verschaffen, um die ihr entsprechenden und nötigen Anwesenheiten zu erwirken. Von daher ist die Verwirklichung einer seelischen Absicht seelisch notwendig ohne wirklich nötig zu sein. Aber weil ihre Unwirklichkeit als Not erscheint, so zielt die Absicht auf ein Verhältnis, worin die Selbstwahrnehmung ihre Identität in der Wahrnehmung von anderen findet, eine Identität, die man nur wahrhat, wenn man dieses Verhältnis herstellen kann und wahrnehmbar macht, also den Umstand der Umstände, den Raum hierfür beibringt oder erzeugt. Die Absicht betreibt eine Selbstvergegenwärtigung, welche abgetrennte Lebenserfahrung nötig hat, um sich als Subjekt einer ausgeschlossenen Wahrnehmung zu empfinden, um Selbstwahrnehmung hiergegen zu gewinnen, sich ausschließlich seiner selbst gewiss zu sein. Die seelische Absicht will seelische Identität als Wahrnehmungsgrundlage durch Verhältnisse erzeugen, also Verhalten erzeugen, welches die Selbstwahrnehmung als Wirklichkeit für sich nötig hat, worin sie sich also wirklich erscheinen kann (siehe auch Logik der Kultur).

Die Absicht ist die Verwirklichungsform abstrakter Sinnlichkeit, ist der Verkörperungstrieb der Seele, die Versinnlichung von Sinn für sich: Selbstbeziehung. Was man als Ziel solchen Handelns im Sinn hat, ist Absicht, solange die Bestimmungen des Ziels keine andere Gegenwart als die der Seele haben und also selbst nicht wirklich sind (s.a. Nichts), wenngleich sie Wirkung haben, indem sie Sinn bilden als Selbstgewinn durch Selbstentleibung. Absichten verwirklichen, was die Seele als Mangel leidet, was also notwendig ist, um ihrem Streben (siehe auch Trieb) zur Entfaltung zu verhelfen und einen Zusammenhang des Erkennens und Fühlens zu bilden als Gesamtheit (siehe Ganzes) der Selbstwahrnehmung: Selbst. Die Absicht ist der abstrakte Sinn der Seele, der notwendige Grund, der sie in die Räume ihrer Wahrnehmungen treibt, das Prinzip, woraus ihre Not und Notwendigkeit besteht, also das, was sie nötig hat. Wenn die Seele wie eine Arbeit des Geistes begriffen wird, so verwirklicht sich durch ihre Absicht ihr Produkt, ihr Sinn in der Form von Selbstbezogenheit. Wie sich in der Ökonomie der Wert im Kapital zwangsläufig entfaltet, so entfalltet sich die Absicht als Seele, wie sie sich forttreiben muss, bis sie sich im Selbst konstituieren und wirklich entwickeln kann als Prozess der Selbstverwirklichung.

Absichten enthüllen daher auch, was Menschen in ihren zwischenmenschlichen Verhältnissen seelisch wahrmachen müssen, was ihnen nötig ist, um sich seelisch in einer Welt zu verwirklichen, in welcher ihr Tun keinen Zweck außer ihnen selbst hat und also ungegenständlich, Selbstzweck bleibt. Die Absichten sind die Erscheinungsweisen seelischer Notwendigkeiten und damit das Dasein dessen, was die Seele treibt, was sie wahrmachen muss, um Identität für sich zu finden (siehe Identitätsfindung). So zufällig sie erscheinen, so hartnäckig sind sie dennoch. Oft wird dies nur dann bemerkbar, wenn etwas anders, als beabsichtigt verläuft: Die Erregung verrät die Notwendigkeit eines Arrangements, das nicht gelungen war.

Absichten erscheinen wie Einfälle und zufällig. Aber ihr Zufall besteht vor allem aus der Einfältigkeit eines Einfalls, dem ein ganz bestimmtes Verhalten zufallen soll. Damit ein Verhältnis für die Seele gelebt werden und sie in ihm lebendig sein kann, muss derlei Absicht auch wahrgemacht werden, weil sie nicht zufällig ist, sondern sich in ganz bestimmter Selbstwahrnehmung verwirklicht, sich selbst als Selbst erschafft und schöpft.

Unbeabsichtigtes Handeln ist ein Versehen, eine Abweichung von eigener Gewissheit im Zweck der Absicht. Man kann nur von unbeabsichtigt reden, wenn Absicht als eigentliches Ziel unterstellt ist - es wäre sonst einfach nur falsch oder fehlerhaft. Eine mächtige Absicht (Macht) enthält ein Wille, der nicht auf seiner Sache gründet, sondern auf dem Zweck, sich über deren Möglichkeit hinweg zu täuschen, ihre Form zu leugnen, um ihrem Sosein Seele zu verleihen. Darin wird Absicht zur Gesinnung.

siehe hierzu auch den Themenabend
Der Wertbegriff als Realabstraktion

 

Erlautup2b6 Realabstraktion und Geschichte
Systemup24 Absicht der Gefühle
Systemup1a1 Absicht der Seele

Absolut

Das Absolute ist das in allem Relativen, also in der Bezogenheit auf anderes sich selbst gleich Bleibende, in welchem die Relationen als Bestimmungen des Absoluten sich verhalten. Für sich kann Absolutes nicht sein, da es nur durch das Relative ist. Materie ist z.B. als ein absoluter Begriff ist nichtssagend, also ohne eine Aussage, in welcher sie bezogen ist, würde sie nicht näher bestimmt. An sich ist Materie für sich eine bloße Vorstellung von vielem, eine Idee von etwas, wäre sie nicht zugleich der Stoff aller Wirklichkeit und Geschichte. Jede Ideologie besteht aus der Abtrennung des Relativen vom Absoluten, die ohne einander bloße Gedankenabstraktionen sind. Was z.B. wäre der Freiheitsbegriff ohne nähere Bestimmung? Beliebigkeit. Gleichheit? Gleichgültigkeit. Freiheit ist solange eine bloße Idee wie jede andere, erfüllt sie in einer bestimmten Beziehung keinen Sinn, z.B. als Befreiung von etwas. Der Idealismus entwickelt das Sein aus der Idee zum absoluten Dasein des ideellen (z.B. als absoluter Geist bei Hegel), indem diese alle Bestimmungen der Welt durchläuft, um sich selbst zur Welt zu bringen. Die Welt wird darin absolut.

Der Vorwurf gegen absolutes Denken kommt vor allem durch die Nominalisten, die ihrerseits das bloß Anschauliche verabsolutieren. Verabsolutierung ist die Umkehrung relativer Bestimmungen zu absoluten (z.B. absolute Wahrheit) und ist Wesensmerkmal bürgerlicher Begrifflichkeit, geschichtslose, unhinterfragbare Wesenhaftigkeit (z.B. Seele als Persönlichkeitsbegriff, als inneres, alles erklärendes Wesen, das für sich beziehungslos gesetzt wird), somit zu einem absoluten Sein (Ontologie) erhoben wird.

s.a.

=> Relativ 

abstrakt menschliche Arbeit

webup1 Begriff im Netz (Google-Suche)

Die abstrakt menschliche Arbeit ist Arbeit, die keine konkrete Bestimmung hat, die also allgemein ohne qualitative Substanz, also für sich leere Substanz ist. Arbeit in der Abstraktion von jeder Stofflichkeit ist reine Bewegung ohne Sein und hat als einzige Substanz, in welcher sie sich fortbestimmt und worauf sich ihre Entfaltung reduziert ihre Abstraktion von sich, ihre reine Bewegung als Verlauf für sich: die Zeit. Die Substanz der abstrakt menschlchen Arbeit für sich (siehe Begriffssubstanz) ist die Arbeitszeit, die in der bürgerlichen Gesellschaft als Grund derer Geschichte und Krisen auch wirklich besteht.

Da aber alle Arbeit bestimmt ist, weil sie Zweck hat und Mittel braucht und nur hierfür aufgewendet wird, da sie also gesellschaftliche Dinge erzeugen muss, zumindest nützliche Arbeit sein muss, ist die Abstraktion nur ihr allgemeiner Begriff, der das allgemeine Interesse an ihr und ihrem gesellschaftlichen Grund formuliert: Die bürgerliche Gesellschaft hat zu ihrem allgemeinen Grund, dass darin nur Arbeit überhaupt, abstrakte Arbeit vergesellschaftet wird. Es ist die Substanz, die sich darin wirklich entfaltet. Aber diese kann es so auch nicht wirklich geben - sie besteht allein in ihrer Wirkung für sich. Arbeit hat nicht nur einen allgemeinen Begriff, der aus der Analyse des ganzen Arbeitsprozesses gewonnen wird, sondern auch einen Sinn, einen wirklichen Grund in dem, was wirkliche Menschen in einer Gesellschaft wirklich nötig haben. Dies ist das zweite Moment, das Arbeit konkret und ebenso allgemein hat (sie bliebe sonst eine Gedankenabstraktion): Sie erzeugt wirklich sinnvolle Dinge, die in einer Gesellschaft existieren, ihren Reichtum und ihre Geschichte ausmachen und für die Menschen darin erfüllen, was menschliche Gesellschaft erfüllen muss: Den Stoffwechsel von natürlichem und gesellschaftlichem Menschsein.

Um ihrem wirklichen Grund, dem Stoffwechsel von Mensch und Natur zu folgen und bestimmte menschliche Bedürfnisse befriedigen zu können, kann Arbeit für sich nur abstrakt als Form für etwas anderes, als Formbestimmung der Dinge sein, die sie hervorbringt. Die existieren nicht als Arbeitsprodukte von und für Menschen, sondern als Waren. Arbeit unterstellt notwendig Gesellschaft (sie wäre sonst irgendeine Tätigkeit wie z.B. Malen, Musizieren, Schreinern, Briefmarken sammeln o.ä.). In ihr kommt deren Geschichte, deren Material, deren Sach- und Geisteszusammenhang, das ganze Wirken der Menschen, ihr Wissen und Sinnlichsein, ihr Leiden und Verlangen, zusammen. Als Arbeitsprodukte sind Waren daher etwas anderes, denn als Gegenstände des Tausches, der ihre einzige gesellschaftliche Beziehung als Verhältnis für sich ist: Dem Sinn nach sind sie gesellschaftliche Produkte, der Form nach aber nur einzelne Güter für den Tausch, Dinge, die in der Abstraktion von ihrem wirklichen Sinn existieren, Gebrauchswerte für sich und für andere, unvermittelte Güter gesellschaftlicher Nützlichkeit ohne Nutzen für die Gesellschaft. In dieser Abstraktion sind sie real ohne Sinn, wiewohl sie sehr wohl sinnliche Produkte sind. Als Waren existieren sie in einer Realabstraktion, in der ihr unmittelbar sinnliches Dasein und ihr gesellschaftliches Sein vereint ist. Ihrem Begriff nach sind sie nur Arbeitsprodukte überhaupt und so enthalten diese in ihrer Allgemeinheit bloße menschliche Verausgabung ohne konkreten Zweck, menschlichen Sinn ohne konkrete menschliche Beziehung, menschliche Tätigkeit, ohne konkrete menschliche Verwirklichung.

Aber wirklich sind sie ebenso da als Dinge, die Menschen brauchen, weil sie nur darin und damit wirklich stofflich und sinnlich leben können. Für dies einzelne notwendige Dasein sind sie nützlich und müssen auch nützlich sein, bevor ihr Tausch in Gang kommen kann. Alleine in ihrer Nützlichkeit für Menschen, die dem Werden der konkreten Dinge als Ganzes, der konkreten Arbeit als lebendiger Prozess der Naturveränderung, gleichgültig ist und in der die Sache nur in ihrer ausschließlichen Einzelheit für den Menschen ist, hat der einzelne Mensch eine Beziehung zu den Arbeitsprodukten (siehe Gebrauchswert), die wiederum nur in ihrer Gleichgültigkeit die gesellschaftliche Form als Sache der Menschen haben (siehe Tauschwert). Diese ist also als Produkt der Arbeit gleichgültig und gleichgeltend für die Menschen einer Gesellschaft, welche diese Gleichgültigkeit nur im Tausch gleich geltender Dinge aufeinander beziehen kann.

Daher ist es alleine Arbeit schlechthin, die durch ihre Produkte gesellschaftlich existiert; Arbeit, die deren Dasein vorausgesetzt ist, die aber nicht durch die Beziehungen fortbesteht, die diese Arbeitsprodukte als menschliche Dinge eröffnen und haben, sondern als hiergegen gleichgültige Dinge, als Waren, die sich auf dem Markt aufhäufen und daher auch feilgeboten werden müssen, um auf Menschen bezogen zu werden. Als solche ist abstrakte Arbeit die ausschließliche gesellschaftliche Substanz der Beziehung, die über diese Dinge besteht, Substanz des Werts, der in den Waren ausgedrückt werden muss, wenn sich ihre gesellschaftliche Beziehung im Nachhinein der Arbeit und hiergegen selbständig, im Tausch verwirklichen soll.

Abstrakte Arbeit ist somit auch die einzige gesellschaftliche Realisierung von menschlicher Tätigkeit, Bewegung und Entwicklung (Geschichte) in einer Waren produzierenden Gesellschaft (Bürgerliche Gesellschaft), also einer Gesellschaft, in der ausschließlich die individuelle Nützlichkeit der Dinge interessiert, in welcher ihre Herkunft, ihr Gewordensein, ihre Geschichte erscheint ... und verschwindet. Abstrakte Arbeit kann es daher auch nur als Quantum geben, als eine Menge von Arbeit, welche im Wert ausgedrückt und durch Vergleich der Dinge gemessen werden muss. Die Menge von Arbeit kann sich in der Menge der Produkte nicht gleichförmig, also auch nicht in gleicher Form darstellen, da sie mit der Gestalt und Masse der Naturstoffe an und für sich nichts zu tun hat. Sie kann sich nur in der Zeit der Arbeit, ihrer Bewegung als Menge des Zeitablaufs ausdrücken und bemessen. Eine Zeitmenge, die ein Mensch oder eine Maschine benötigt, stellt ihren gesellschaftlichen Wert dar - allerdings nicht absolut, sondern nur in Relationen zu allen anderen Herstellern von Produkten. Nur der durchschnittliche Zeitaufwand, der für die Herstellung bestimmter Produkte nötig ist, macht ihren Wert aus. So können Dinge, die überdurchschnittlich schnell erzeugt werden können, mehr Wert enthalten als die gleichartigen Durchschnittsprodukte, und solche die langsamer produziert werden müssen, weil die konkreten Bedingungen es so erzwingen (z.B. ältere Werkzeuge, Krankheit Umweltbedingungen usw.), weniger Wert. In gleicher Weise kann der nötige Zeitaufwand zur Herstellung von Produkten durch technische Innovation sich schlagartig verändern und Produkte z.B. werttlos machen, noch bevor sie den Markt verlassen haben.

Der Wertbegriff zeigt die Geschichte der Arbeit als Sollen und Wollen der Wertverhältnisse auf dem Markt: Sie sollen wohlfeil sein und zugleich wollen sie wertvoll sein. Der Wertbegriff ist der Begriff eines gesellschaftlichen Verhältnisses, das auf Arbeit beruht, und das seinen Arbeitszusammenhang nur abstrakt verwirkllicht, also unwirklich ist. In dieser Gesellschaft wird die abstrakte Teilung der Arbeit zu ihrem Dilemma, da sie nur in einer Wertform ihren Reichtum aufhäufen kann, also Arbeitsteilung nicht gesellschaftlich bezogen und vermittelt wird. Eine solche Gesellschaft steht sich selbst im Weg, weil sie ihre Entwicklung fortwährend zurücknehmen muss. Der Reichtum an Produktionsmittel (Automation der Arbeit), den sie durch das Interesse des Konstanten Kapitals schafft, steht im Widerspruch zum Wertwachstum, welches Mehrwertoptimierung, also Reduktion des varialblen Kapitals (Löhne, Sozialwesen) verlangt. So entwickelt sich der Produktionsprozess (das Ganze von Arbeit und Arbeitsmittel) im Widerspruch von gesellschaftlicher Produktion notwendiger Produkte und privater Aneignung durch einen gesellschaftlichen Wertträger (Geld). Dieser Widerspruch treibt sich zum Widerspruch vom Reproduktionsinteresse der Menschen und dem ihnen durch das Geld in Kapitalform entwundenen Produktionsinteresse der Mehrproduktion. Dieser kann sich grundsätzlich nicht innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft lösen und wird zwangsläufig zu einer prinzipiell unlösbare Krise zwischen den Reproduktionsinteressen der Menschen und denen des Kapitals (siehe Krise), die zunehmend in einer Spirale von Krisen immer enger prozessiert und die Lebensgrundlagen der Menschen selbst als ihre Überlebenssubstanz verzehrt. Spätestens an dieser Stelle steht die Überwindung der bürgerlichen Gesellschaft als Überlebensfrage der Menschen zur Disposition (siehe auch Faschismus).

Nur durch konkrete Lebensformen, in denen Arbeit, Produktion und Reproduktion des Lebens in bestimmter Beziehung, also nicht abstrakt vermittelt ist, kann dieser Krisencharakter der bürgerlichen Produktionsweise - und mit ihr die abstrakte Arbeitsteilung selbst - aufgehoben werden. Gelingt dies der Menschheit nicht, so wird sie durch die Krisen dieser Produktionsweise in Barbarei enden (siehe hierzu auch Sozialismus).

s.a.

=> Arbeit

=> Wert

=> Bewegung

Zur Kritik der politischen Ökonomie:
Themenabend:
Was ist Wert, Wertsubstanz, Wertgröße?

Erlautup2b6 Realabstraktion und Geschichte
Diskusup1a1a1
Themenabend Realabstraktion

abstrakt menschliche Gesellschaft

Abstrakt menschliche Gesellschaft ist die Substanz des Begriffs der bürgerlichen Politik, welche durch den bürgerlichen Staat betrieben wird. Durch diese Politik wird ein Staat erhalten, der von den Grundlagen des gesellschaftlichen Seins der Menschen wesentlich nur abstrahiert, also von ihrer wirklichen Gesellschaftlichkeit absieht und diese Absicht als ihren allgemeinen Wille entfaltet.

Die bürgerliche Demokratie ist die Grundlage, auf der diese Politik umgesetzt wird.

s.a.

=> Staat

=> Nation

siehe hierzu auch den Themenabend
Der Wertbegriff als Realabstraktion

Erlautup2b6 Realabstraktion und Geschichte
Diskusup1a1a1a Themenabend Realabstraktion

abstrakt menschlicher Sinn

Abstrakt kann ein Sinn nur sein, der nicht wirklich ist, aber Sinn vermittelt. Der abstrakte Sinn ist Vermittlung von konkreter Sinnlichkeit, also von dem was Sinn ist und Sinn hat, ohne wirklich das zu sein, was es allgemein enthält. Das unterstellt, dass dieser Sinn Mittel ist, Form ohne Sinn aber doch sinnlich. Der abstrakt menschliche Sinn ist eine Realabstraktion von menschlicher Sinnlichkeit, in der Nichtidentisches als Identität herrscht, dieser Sinn und jener Sinn als Sinn überhaupt, Sinn schlechthin, der nicht wirklich ist, aber Wirkung hat. Sinn hat darin etwas nur, weil es Sinn macht, weil es notwendig ist, um sinnlich zu sein. Es ist sinnlich ohne sinnliche Wirklichkeit, ein Widerspruch der Verwirklichung eines sinnlichen Lebens, sich aufhebende und doch zugleich werdende Sinnlichkeit der menschlichen Lebensverhältnisse, die notwendig sind, um sich zu verwirklichen, die aber zur blanken Not werden, wenn deren noch nicht wirkliche Wirklichkeit zerstört wird (siehe Barbarei).

Eine reale Abstraktion vollzieht sich als prozessierende Reduktion auf das, was sie allgemein impliziert, was ihre Substanz ist, die nicht wirklich aber potenzielle Wirklichkeit ist, die unterstellt ist, aber durch ihre Unwirklichkeit als Hintersinnigkeit herrscht. Sie reduziert jeden Sinn auf sein reines und leeres Sinnlichsein, auf das Sein von Körper schlechthin. Wo etwas körperlich ist, hat es Sinn, weil jeder Körper Sinn macht. Und er macht Sinn, indem er Sinne in Bewegung versetzt, ihre Anwesenheit beständig nötig hat und diese bis zur Unkenntlichkeit in seinem Selbstgefühl verdichtet. Das notwendige Verlangen nach allem, was hierfür Sinn macht, ohne wirklich sinnlich zu sein, ist somit der Antrieb des abstrakt menschlichen Sinns (siehe auch Trieb). Er wird zu einer Absicht, die nicht ihre eigene Kraft bewegt, sondern nach Nähe verlangt, welche durch ihre Dichte Identität einer Sinnlichkeit verschafft, die keinen Frieden findet, keine Befriedigung erreicht, weil sie beständig Sinn macht, wo keiner sein kann. Im Nachhinein ihrer Sinnestätigkeit ist nichts wirklich, weil nichts verwirklicht ist. Es besteht lediglich das Nichts fort, das sie bewirkt hat: Leiden ohne Leidenschaft. So wird das Abstrahierte zur Bestimmung von dem, wovon es abstrahiert: Formbestimmung. Die abstrakt allgemeine Substanz der Sinnestätigkeit wird zu einer fremden Kraft ihres Leidens, zur Negation ihres konkreten Seins, Entfremdung ihres eigenen Seins in der Allgemeinheit seiender Sinne.

Der abstrakt menschliche Sinn ist die Begriffssubstanz der bürgerlichen Kultur. Diese macht Sinnlichkeit zu einem reinen Durchschnitt an Körperlichkeit, zur Masse von Körperbewegungen, die lediglich körperliche Anwesenheit verlangt, um Wirkung durch ihre Dichte zu haben. Die bürgerliche Kultur beruht auf der Durchschnittsbildung solcher verdichteten Anwesenheiten, auf der abstrakten, also beliebigen Vielfalt körperlicher Äußerungen, die nurmehr ihre Dichte als ihr Maß und ihre Wirkung haben. Die Menschen sind sich darin gleich, dass sie körperlich sind; und sie äußern ihre Gleichgültigkeit in ihrer körperlichen Beziehung aufeinander. Lediglich ihre Anwesenheit oder Abwesenheit macht die Wirklichkeit ihrer Beziehungen aus, die Nähe oder Ferne ihrer Vermittlung. Ihre Dichte als anwesende Masse, als Raum ihrer Beziehung, macht die Stärke ihrer Wirkung aus, ist die Begriffsgröße der abstrakt menschlichen Sinnlichkeit. Sie erkennen einander als Mensch so, wie sie sich in dem wahrnehmen, was sie voneinander körperlich wahrhaben. Ihre Erkenntnis selbst ist in ihrer Wahrnehmung formbestimmt, und wird zur allgemeinen Selbstwahrnehmung, die ihre Entfremdung in ihrem Vertrauen auf sich erfahren muss, in den Erlebnissen, die sie hat, durch die Ereignisse, die sie bewirkt.

Der abstrakt menschliche Sinn ist der Ozean, in welchem sich die körperlichen Anwesenheiten ereignen: Begegnungen zwischenmenschlicher Art, in welchen Menschen sich Sinn geben und worin sie Sinn haben. Er ist das Anwesen, der wesentliche Raum von Verhältnissen, in welchem Zwischenmenschlichkeit ihren Körper hat und nur hierdurch ist, d.h.: besteht und sich bewährt. Aber es ist ein Raum, der nur in seiner fortwährenden Änderung besteht, der keine Ränder, keine Schranken und Grenzen hat, weil er nicht wirklich bestimmt ist, weil er sich nicht aus bestimmten Beziehungen begründet, keine Endlichkeit hat. Es ist der Schmerz der Liebe solcher Bezogenheit, dass dieser Raum selbst Grund und Mittel zwischenmenschlicher Beziehungen ist. Er schafft Beziehung auch wo keine ist und er löst Bezogenheit, die keine Form findet. Es ist ein beständiges Ergehen und vergehen darin, ohne dass dies für sich Sinn hat. Es ist ein schierer Allgemeinsinn, welcher die Beziehungen der Menschen werden und vergehen lässt, mal wie ein Wesen, das nicht ist, mal als etwas, das wesenlos ist; - zwischen Symbiose und Niedertracht dämmert eine Menschliebe, die sich fortwährend dort aufgibt, woraus sie sich gewinnt: Aus dem Zwischenmenschen, der zum Übermensch geworden. Der Fortbestand der bürgerlichen Kultur ist der Bestand, den sie an einem Sinn hat, welcher als bloße Form auch Sinn erfüllt, also bestimmt (siehe Formbestimmung), der als Raum sich allgemein bewährt als das, worein sich Menschen gewöhnen und worin sie wohnen, also das, was ihnen zur Gewohnheit geworden und wodurch ihre Beziehungen zu ihrer Heimstatt werden.

Alle Ereignisse der bürgerlichen Kultur bestimmen sich in dem, was die Bürger und Bügerinnen füreinander sind, was sie an Sinn für ihr Leben gegenseitig beitragen, worin sie ihr Leben mit Sinn füllen. Nicht was sie wirklich leben, was sie füreinander oder für sich erzeugen und worin ihre Wechselseitigkeit ein gegenständliches Zeugnis wäre, sondern was sie voneinander an Sinn haben und erfahren, bestimmt ihre Beziehung. Der abstrakt menschliche Sinn ist also ein Sinn, der darauf beruht, dass man ihn nicht äußert sondern hat. Es ist eine ungeheur bunte Vielfalt, in welcher solche Sinne sich gestalten; ihre Gestaltung jedoch entspringt keinem Sinn, sondern nur der Wahnehmung, die ihn wahrhat. So körperlich er darin erscheint, so unsinnlich ist er (siehe Körperfetischismus). Die Menschen vermitteln sich hierdurch als ein allgemeiner Körper, welcher nicht den Menschen, sondern nur ihrer Wahrnehmung Gegenstand ist. Für sich entleiben sie sich, um für ihn Gestalt zu werden. Die bürgerliche Kultur ist der Entleibungsprozess der menschlichen Sinne. Indem sie hierin ihre Sinne entgeistern, begeistern sie sich als eigenartige Wesen durch ihre Seele. Sie entfaltet die Abstraktion von wirklichem Sinn, indem sie alles mit Sinn füllt, was ohne wirkliche, das ist gegenständliche menschliche Beziehung ist. Sie ist der Sinn zwischenmenschlicher Beziehungen, die sich durch Wahrnehmungen und Selbstwahrnehmung, über Empfindungen und Gefühle in ihrer Getrenntheit verhalten und bestätigen.

Kultur ist das unmittelbare Sinnlichsein der Menschen, ihre unmittelbare Beziehung in ihrem gesellschaftlichen Verhältnis. In der Vermittlung der bürgerlichen Kultur existiert dies aber nur mittelbar, weil hierin von ihrem Sinn abgesehen wird, weil darin also die Sinnlichkeit der Kultur sich als Mittel herausstellt. Dies zu erkennen ist die Basis und das Ziel einer Kritik an dieser Vermittlung, an dem politischen Zweck solcher Kultur (siehe Kritik der politischen Kultur).

s.a.

=> Sinn

=> Seele

siehe hierzu auch:
"Thesen zum Verhältnis von ökonomischen und kulturellen Werten"

Erlautup2b6 Realabstraktion und Geschichte
Diskusup1a1a1b Themenabend Realabstraktion
Systemup2a1 Abstrakt menschlicher Sinn
 

Abstraktion

Eine Abstraktion ist eine Absehung von bestimmtem Inhalt, mal mit, mal ohne Absicht. Hierdurch wird Verschiedenes in eine Identität versetzt, die es konkret nicht hat. Die abstrakte Identität wirkt im Konkreten selbst als Abstraktion, als eine Unterschiedslosigkeit, worauf es sich reduziert, sowohl in der Wirklichkeit (siehe hierzu auch Realabstraktion) als auch im Denken selbst (siehe Gedankenabstraktion). Von daher ist die Abstraktion zum einen Produkt des Abstrahierens, zum anderen selbst von abstrakter Wirkung. Eine Abstraktion ist von daher die Wirkung einer Wirklichkeit, die selbst nicht wirklich ist, aber Wirkung hat. Die Erkenntnis einer Abstraktion fördert den Begriff von abstrakter Wirklichkeit zutage, erweist die Substanz (siehe Begriffssubstanz) dessen, was nicht wirklich aufgeht, was also abstrakt identisch ist, und daher in der Wirklichkeit negativ gesetzt ist, also als reine Negation konkrete Wirkung hat, eine Wirkung, worin sich alles aufhebt, was darin konkret entsteht, ohne sich in Wahrheit aufzuheben. Die Abstraktion ist bis zu ihrer wirklichen Aufhebung die Substanz einer unendlichen Bestimmung, die Substanz einer bestimmenden Unendlichkeit, einer leeren Bestimmung, die nichtend ist, wo sie Wirkung hat und die wirklich ist, wo Wirklichkeit nicht konkret bestimmt ist. Jede Abstraktion, so sie nicht willkürlich, sondern notwendig ist, ist der Prozess eines Widerspruchs, in welchem sich Gegensätze aufheben, aufgehobenes Sein haben, sowohl nicht sind, als auch schon sind, also im Werden begriffen sind. Für sich ist die Abstraktion eine Identität von Nicht-Identischem (siehe Logik).

Für die Selbstunterscheidung (Kritik) ist die Erkenntnis der Abstraktion die Voraussetzung, um für das Mannigfaltige der Anschauung einen Begriff zu bekommen und darüber zu urteilen. Abstrahieren bedeutet zwar nur so viel wie Absehung, also Aufhebung der Bestimmungen des Mannigfaltigen, Reduktion von Vielfalt. Aber ein beliebiges abstrahieren hat keinen Sinn (s.a. Nichts). Man könnte jeden Tisch daraufhin "abstrahieren", aus welchem Material er ist (z.B. Holztische, Steintische usw.) oder wieviele Beine er hat. Das hätte lediglich praktischen Wert und wäre so nur Klassifikation (nach Art, Herkunft, Formtypus oder in anderen Bereichen Rasse, Familie usw.). Dass eine Abstraktion wahr ist, ist aus der Unterschiedslosigkeit ihrer Wirkungen zu erschließen und in ihrer Wirklichkeit als Prinzip für sich selbst zu erkennen. Von daher ist die Abstraktion, die der Begriff hiervon hat, selbst schon die Vermittlung von Wirkungen, Zusammenhang von Wirklichkeit, die darin auch wirklich aufgehoben ist, als abstrakte Gegebenheit ist. In der Affirmation sind Wirklichkeit und Denken hierin identisch, bleiben in der Anerkennung von solcher Gegebenheit auch für sich notwendig abstrakt, haben also eine abstrakte Bestimmung für sich selbst, sind abstrakte Selbstbestimmung. Von daher bleibt auch das Bewusstsein, das sich aus der Wirklichkeit bestimmt, das praktische Bewusstsein, von dem Bewusstsein, das sich aus dem Denken ergibt, das theoretische Bewusstsein, solange getrennt, wie die Gegebenheiten nicht überwunden werden und ergehen sich in ihren abstrakten Fixationen (siehe auch Fetischismus). Erst aus der Erkenntnis der Not, die sie hierdurch in ihrem eigenen praktischen wie theoretischen Vermögen entwickeln, erschließt sich die allgemeine Notwendigkeit der Überwindung dieser Trennung und ergibt sich die Möglichkeit der Einheit eines theoretischen wie praktischen Akts der Aufhebung von abstrakten Gegebenheiten. In der Erschließung konkreter Beziehungen im wirklichen Sein wird die Unendlichkeit ihres Begriffs aufgehoben und zu einer wirklichen Geschichtsbildung gewendet (siehe Revolution).

Die Aufhebung von Abstraktion setzt auch theoretisch die Wendung vom Abstrakten weg voraus. Hierzu muss sie gedanklich nachvollzogen werden. Im Denken vollzieht sich das Wegnehmen von unwesentlichen Bestimmungen, um eine Wesensbestimmung oder eine wesentliche Formbestimmung zu benennen, durch welche die Abstraktion wirksam ist. Es ist das Resulktat dieses Pozesses also eine Analyse, die mit der Erkenntnis einer Begriffssubstanz zu Ende ist.

Ohne diese Analyse verbleibt das Denken selbst abstrakt und lässt seine Inhalte als eine formelle Allgemeinheit bestehen (siehe Phänomenologie). Darin ist Wirklichkeit umfänglich verallgemeinert in einer Kategorie, die für eine unbestimmte Menge bestimmter Eigenschaften Geltung hat, ohne dass deren wesentliche Wirklichkeit damit erwiesen werden muss. Wesen und Wirklichkeit werden in der Trennung belassen und als getrennte Wahrheiten angesehen (siehe hierzu auch Heidegger). Oft wird Abstraktion mit dem Absoluten verwechselt, gegen welches alle Bestimmungen nur relativ, nicht aber für sich konkret sind. So ist z.B. ein bestimmter Mensch nicht eine Konkretion des Menschen, sondern nur relativ bestimmt in Beziehung auf andere Menschen, also relativ bestimmt zu dem, was andere Menschen ausmacht. Mensch als absolut Allgemeines hat jedoch keine Bestimmung, keine spezifische Substanz, es sei denn, man glaubt daran (siehe Glaube), ohne dies analytisch bewahrheiten zu wollen.

Im eigentlichen Sinn, also gedanklich, ist Abstraktion in der Begriffsbildung nötig, um die Substanz eines Begriffs als wesentliche Allgemeinheit zu konstatieren und zu bewahrheiten, also festzustellen, was einen Begriff letztlich und substanziell ausmacht (siehe z.B. abstrakt menschliche Arbeit), also als das bestimmt was sich aus ihm überhaupt nur entfalten kann, was die Entwicklung des Begriffs antreibt. In einer abstrakten Allgemeinheit gibt es keine Einzelheiten des Allgemeinen, sondern nur Besonderungen hiergegen. Hier ist das Abstrakte selbst wesentlich und bezieht sich auf alles nur als Besonderheit von sich, indem es darin seine Einzelheit bestimmt, also dessen Form als etwas bestimmt, was den Inhalt in der Abstraktion hat. Dieses hat somit doppelten Inhalt: Jenen, der sein einzelnes Dasein ausfüllt, in welchem es nicht allgemein sein kann und jenem, den es als besonderes Dasein von einer allgemeinen Abstraktion ausfüllt. Jede Abstraktion, so sie nicht willkürlich, sondern notwendig ist, ist der Prozess eines Widerspruchs, in welchem sich Gegensätze aufheben, ist der Grund, welcher für sich zur Notwendigkeit der Selbstbestimmung, zum Trieb des Abstrahierens gegen seine stoffliche Vielfalt, zur Gewalt der Einfältigkeit wird.

Als Gedankenabstraktion hat die Abstraktion eine Substanz, die der Wirklichkeit entnommen (z.B. ein Ideal oder eine Idee) oder ihr entgegengehalten wird (als Vorstellung von Freiheit, Gleichheit, Solidarität, Menschlichkeit usw.). Im Unterschied zur Gedankenabstraktion ist eine Realabstraktion eine wirksame Abstraktion, also die erkannte Wirkung eines Begriffs (z.B. Wert, Absicht). Alle Werte sind Abstraktionen (siehe Bewertung).

In der Abstraktion ist das Nichtidentische mit dem Identischen verschmolzen, z.B. diese Arbeit und jene Arbeit als Arbeit überhaupt, dieser Sinn und jener Sinn als Sinn schlechthin. Für das Denken sind das lediglich formelle Ordnungen, die noch keinen Gedanken haben und bestenfalls Ideen von Zusammenhängen, Ideologie sein können. Aber schon von daher erweist sich Abstraktion immer auch als Reduktion von Bezogenheit, Wegnehmen von Unterschieden, Durchschnittsbildung. Die Quantifizierung eines abstrakten Begriffs hat damit eine vom quantitativen Dasein der Dinge notwendig unterschiedene Substanz., nämlich die Substanz des Begriffs, mit dem Unterschiede aufgehoben werden: Die Begriffssubstanz. Diese macht bei der Realabstraktion überhaupt ihre Geschichte und Bewegung aus, bei einer Gedankenabsstraktion der Zweck des Abstrahierens (z.B. Ordnung in den Zweck eines totalen Zusammenhangs stellen). In beidem ist das Abstrakte die Negation des Konkreten, dessen entfremdete Form.

s.a.

=> Realabstraktion

=> Gedankenabstraktion

siehe hierzu auch den Themenabend
Der Wertbegriff als Realabstraktion

Zur Kritik der politischen Ökonomie:
Themenabend:
Was ist Wert, Wertsubstanz, Wertgröße?

Erlautup2b6 Realabstraktion und Geschichte
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Begriff im Netz (Google-Suche)
Diskusup1a1a1b1
Themenabend Realabstraktion
zitatup Selbstbewusstsein bei Hegel (Marx)
 

Abwesenheit

Abwesend ist ein Wesen, das nicht da ist (siehe Dasein). Es ist damit nicht unwesentlich geworden, sonders gerade dadurch wesentlich, dass es für die Wahrnehmung unerkennbar ist. In der Abwesenheit kehrt sich das Wesentliche von Anwesenheit heraus, die darin bloßes Ereignis, Abfolge von Erlebnissen war. In der Abwesenheit kehrt sich das implizierte Wesen der Wahrnehmung in seiner Negation hervor, der abstrakt menschliche Sinn, der menschlcihe Sinnlichkeit unterstellt, zur Bedingung und Substanz hat und die Begriffsubstanz der bürgerlichen Kultur ist. Als diese erscheint das Bedürfnis nach Anwesenheit als Naturempfindung, als bloßes Verlangen nach menschlicher Nähe und Leiblichkeit, Verlangen nach der körperlichen Anwesenheit von Menschen, die in ihrer bestimmten Gewissheit gleichgültig sind. In seiner Wirklichkeit aber hat es diese Abstraktion als Stoff seiner Selbstwahrnehmung und erfährt in der Abwesenheit von Menschen seine Stofflosigkeit, seine Entleibung. In solcher Isolation wird seine Gesellschaftlichkeit als bloße Naturbestimmung erfahren, Lebensermangelung, welche das Leben einsam macht und als Lebensbedürfnis, als Bedürfnis schlechthin in der vollen Verkehrung seines Sinnes erscheint.

s.a.

=> Anwesenheit