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Archetyp

Archetypen sind nach C.G. Jung "urtümliche Bilder", die wie inhaltliche Verdichtungen psychischer Grundwahrnehmungen (etwa wie überindividuelle Traumbilder) hinter allen bewussten Wahrnehmungen liegen und die psychischen Verarbeitungen der Menschen bestimmen oder beeinflussen (z.B. Totems oder Kulttypus). Bei Jung gibt es daher auch ein überhistorisches Unbewusstes, das als "kollektives Unbewusstes" in jedem Menschen so ist, wie seine Natur auch kollektive Natur sei (vergl. Jung "Dynamik des Ubw" S. 128).

Die Archetypen sind "a priori vorhandene, vererbte und verbreitete Gegebenheiten", die "als Faktoren, die menschliches Verhalten beeinflussen, ... keine unerhebliche Rolle" spielen (ebd. S, 141). Ihre Wirkung erkläre sich daraus, dass sie "typisierte Lebenssituationen darstellen", deren Verarbeitung damit schon vorgegeben ist, was Jung an Nietzsches Zarathustra zitiert.

Die Verdichtung von kulturellen Inhalten, wie sie in Gewohnheiten allemal anzutreffen ist, wird hier zur menschlichen Wesensbestimmung, zu einer allgemeinseelischen Grundlage des Menschseins, die sich in der Individualseele nur noch mehr oder weniger deutlich verwirklicht und sich aus dem "psychischen Ahnenleben" tradiert. In diesem Sinne hat Jung eine Esoterik des Unbewussten verfasst.

Die Verdichtung des Archetypus, die von aller Form absieht und die Inhalte der Bilder aus sich selbst dichterisch begreifen will, sieht sich selbst als Gleichnis wie ein literarisches Wesen des Immergleichen, dem selbst seine Herkunft aus der Dichtung nur Beispiel ist. Die Dichtkunst müsste sich solchen Gebrauch verbieten, wenngleich sie durch ihre Verewigung geschmeichelt ist. Aber vor allem wird hier die Anwendung zu einem Moment der Selbstverewigung, indem von dem psychologischen Interesse der Anwendung solcher Typologie vollständig abgesehen wird. Dass die "Lebenssituation" zum Lebensgleichnis geworden ist, beschert solcher Psychologie geradezu höchste Zufriedenheit: Leben scheint somit inhaltlich fassbar, verifizierbar, dimensionierbar usw.... Eine Genealogie der Traumbilder schien für Jung ein erstrebenswertes Ziel zur Diagnostik und Prognostik für seine "Patienten" (etwa wie ein ontologisch unterlegter Rorschachtest).

Archetypen oder die Erfassung des "kollektiven Unbewussten" wurden im Nationalsozialismus zu Grundmustern der Volksseele, für die sich auch Jung gerne einsetzte. Darin kann jeder seelische Ausdruck vor allem zu einer "gesunden" Seele ausgerichtet werden, die ja in der Maßgabe der Archetypen als "wissenschaftlich" erfasstes Wahrnehmungsmuster vorgegeben ist.

Es spielt bei solcher "Wissenschaftlichkeit" immer eine erhebliche Rolle, dass sie besonders aus den Selbstwahrnehmungen einer Oberschicht in der Reinform ihrer kulturellen Abstraktion gewonnen und als Maßstab der Menschlichkeit gegen die Anarchie der Unterschicht gehalten wird - wie eine Tröstung der herrschenden Wahrnehmung im Allgemeinmenschlichen gegen die Gefahren ihrer Störung (Unordnung). Es war damals schon so, wie heute bei Hellinger mit seiner "Ordnung der Liebe" - damals allerdings nicht als Massenveranstaltung, sondern als Befassung mit dem Einzelwesen als tiefsinniges Gleichnis des menschlichen Wesens.

s.a.

=> Esoterik

=> Nominalismus

Architektur

s.a.

=> Wohnen

Aristokratie

"Es gibt und gab niemals eine andere Aristokratie als die, welche sich auf seelische Anziehungskraft gründet und nach einer Art geistigem Gravitationsgesetz die Lernwilligen zu einem Vorbildlichen hinzieht." - José Ortega y Gasset

Aristokratie ist nach Aristoteles die "Herrschaft der Besten" im Unterschied zur Oligarchie, der "Herrschaft der Wenigen". Die Besten waren für ihn die Tugendhaften und Tüchtigen. Für Platon waren die Besten die Weisen, die Philosophen, welche die Aristokratie ausmachen sollten. In der Neuzeit verwendete man den Begriff für die "Herrschaft der Edlen", des Adels.

Auch den heutigen repräsentativen Parlamentarismus kann man nicht als Demokratie bezeichnen, sondern eher als politische Aristokratie, als die durch eine politische Karriere erworbene persönliche Macht in der politischen Klasse, die den Bürgern zur Wahl gestellt wird. Moderne Bestrebungen nach Aristokratie werden meist demokratisch formuliert (z.B. die Weltbürgeraristokratie des Peter Sloterdijk oder die Psychokratie des Bert Hellinger).

s.a.

=> Platon

webup7b1 Aritokratie in Wikipedia
webup7b1a Jean-Jacques Roussea: Der Gesellschaftsvertrag oder Die Grundsätze des Staatsrechtes

Armut

"1998 lebte ein Fünftel der Bevölkerung von weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens. Die Zahl der Einkommensmillionäre wird auf 13.000 Personen beziffert. Dagegen leben 2,88 Millionen Menschen von Sozialhilfe. In ganz Deutschland stieg die Zahl der überschuldeten Haushalte von 1994 bis 1999 um 30 Prozent auf rund 2,8 Millionen. Damit standen sieben Prozent der Haushalte in der Kreide.

Grundsätzlich gelten solche Menschen als arm, die nicht aus eigener Kraft angemessen leben können. Was als angemessen angesehen wird, hängt von den Lebensbedingungen in einer Gesellschaft ab, und was diese als Mindestbedarf ansieht.

Die Europäische Kommission hat 1981 die relativen Armutsgrenzen festgelegt, danach ist arm, wessen Einkommen nur 50 Prozent oder weniger des durchschnittlichen Haushaltseinkommens beträgt. In Deutschland wird statt der Einkommens- die Sozialhilfestatistik herangezogen. Aus diesen Zahlen fallen allerdings all diejenigen heraus, die keine Sozialhilfe beantragen, sondern sich auf anderem Wege über Wasser halten.

Je nach Definition galten laut dem ersten Armutsbericht der Bundesregierung im Jahr 1998 zwischen 6,6 und 20 Prozent der westdeutschen Bevölkerung (ohne Ausländer) als einkommensarm. Dies waren 3,9 bis 11,9 Millionen Menschen. Im Osten waren es 0,5 bis 1,8 Millionen. Dies entspricht 2,8 bis 11,9 Prozent." (WDR 1998)

Armut ist ein Zustand des Mangels gegenüber dem eigenen Sein, Mangel an Mittel zum kulturellen oder stofflichen Selbsterhalt oder für selbstverständliche Gewohnheit. Sie hat nichts zu tun mit Reichtum; sie ist kein Mangel hieran, kein Verteilungsproblem hiervon. Niemand ist arm, wenn er nicht so viel hat, wie andere. Sie ist auch nicht das Gegenteil von Reichtum; sie ist dessen Produkt. Menschen sind arm, weil sie verarmt sind, weil sie aus einem reichhaltigen Leben isoliert wurden, weil sie aus dem Zusammenhang abgetrennt wurden, in welchem sie ihr Leben erzeugen und führen. Der Reichtum, welcher Armut erzeugt, wirkt als Lebensbedingung und widerspricht sich selbst. Arme Menschen leben das von ihrem natürlichen Zusammenhang ausgeschlossene, das durch Isolation abhängig gemachte Leben, das nach Mitteln verlangt, die lebensnotwendig sind, weil ihre Vermittlung zur Lebensbedingung geworden war (z.B. Lebensmittel in Warenform, Kommunikations- und Verkehrsmittel in der Stadt). Dadurch, dass Arme nicht in der notwendigen Vermittlung stehen können, gehen sie in ihrem eigenen Lebenszusammenhang unter, sind an ihrem Leben verarmt. Das kann sich in Geldform darstellen, soweit Geld den Lebenszusammenhang darstellt, aber auch in den Lebensverhältnissen selbst, z.B. in Krankheiten, Lebenserwartungen, Ziele, Hoffungen usw.

Armut setzt ein ganzes Lebensverhältnis voraus, eine bestimmte Gesellschaft, welche auf dem Zusammenhang der Menschen darin gründet. Ein Bauer kann sich in einer Agrargesellschaft zur Not auch ohne Geld am Leben halten, nicht aber, wenn alle Verhältnisse durch Geld bestimmt sind. Desgleichen ein Dschungelbewohner oder ein Landarbeiter, der umso ärmer wird, je vollständiger sein Land zur Monokultur gezwungen wird. Der gesellschaftliche Zusammenhang macht die vielfältigen Verbindungen und Prozesse im Leben der Menschen aus. In der Abstraktion hiervon in der Form von Geld und Kapital besteht er als Gewalt des Geldzusammenhangs, der die Menschen zwingt, aus ihrer Isolation heraus sich über Geld in Gesellschaft zu versetzen. Geld muss man haben und deshalb erwerben. Man muss es nicht erwerben, weil man es haben will; man will es haben, weil es Gesellschaft verkörpert und das "gesellschaftliche Faustpfand" ist.

Unter dieser Bedingung ist jede Arbeit nur bedingt gesellschaftliche Arbeit; jede isolierte Teilarbeit wird zum reinen Selbsterhalt verrichtet, gleichgültig, was sie wirklich erzeugt. So hat der Bauer wie der Kloputzer wie die Nutte wie der Redakteur eines Boulevardblattes und auch jeder Bankangestellte eben nur das, was er zum Gelderwerb hat, was ihm Geld bringt - seine Arbeitskraft. Die Abhängigkeit von einem Zusammenhang des Geldes macht jeden Menschen zu seinem Objekt und versetzt ihn in die Abhängigkeit eines Ganzen, das ihn auch bestimmt und ausnutzt und ihn sagen, schreiben und tun lässt, was er nicht unbedingt sagen, schreiben und tun will. Je mehr Geld in einer Gesellschaft zirkuliert, je abstrakter also eine Gesellschaft vermittelt ist, desto seltener wird sich der Zufall ergeben, dass sein Sagen, Schreiben und Tun, das er für Geld äußert, ihm noch wirklich entsprechen kann. Letztlich dient ja jeder Inhalt der Allgemeinform des Zusammenhangs, welche die Form seiner Entfremdung von sich und den Menschen ist.

So ist er schon arm, bevor er seine Arbeit beginnt und er bestätigt bloß seine Armut, indem er seine Arbeit macht - je reicher die Gesellschaft an Geld, desto ärmer ist er von vornherein. Seine faktische Erpressung geschieht über den Markt und wird dort betrieben und verschärft durch die Konkurrenz der hiervon Abhängigen, die gegenseitig ihren Wert auf das unterst mögliche Niveau drücken. Nicht ein bestimmter Mensch, auch kein böser Einzelkapitalist, sondern der Markt ist der Ort seiner Ausbeutung, hinter der allerdings eine gigantische Geld- und Finanzwirtschaft steht. Das Ganze wird nie wirklich arm, wenn und weil es immer den isolierten Einzelnen gibt: Jeder, der Geld hat, beutet den aus, der keines hat, weil es normal ist, weil es "sonst andere tun würden" oder weil "die Preise nun mal so sind". Daher gibt es Arme wie Reiche in jeder Gesellschaft, wo Geld zur allgemeinen Lebensgrundlage geworden ist. Auch in den reichsten Gesellschaften grassiert die Armut und sie wächst im selben Maß, wie die Vereinseitigung und Privatisierung des gesellschaftliche Reichtums. Der gesellschaftliche Reichtum hat in der bürgerlichen Gesellschaft seinen Nennwert im Mehrprodukt und vermittelt sich hieraus als feste Wertgröße. Je reicher die Geldbesitzer damit werden, desto geringer wird daher ihre Anzahl und desto mehr Menschen buhlen um die Stelle, wo etwas hiervon abfällt.

Der private Reichtum wird lediglich beschränkt durch eine Staatsfürsorge, die sich mit der Aufgabe und Pflege der gesellschaftlichen Befriedung befasst, solange Geld hierfür da ist, solange also keine Krise herrscht. Auch Gesellschaften, die vollständig auf der Arbeit anderer Gesellschaften beruhen (Dienstleitungsgesellschaften) können Geld nur nach Maßgabe seines Wertes im Bezug auf das Ganze ihrer Gesellschaft, hier also die Herkunft des Geldes aus Exportgeschäft (siehe Devisenmarkt) und niedrigem Stücklohn, "verteilen". Selbst wo Arbeit fast unnötig erscheint um den gesellschaftlichen Reichtum zu entwickeln, weil er durch die (Maschinen-)Geschäfte mit armen Ländern entwickelt wird und Hochtechnologie effektiv weniger Arbeitszeit braucht, wie sie erheischen muss, um ihre Produktion im Gang zu halten und durch Lohnpolitik die Krise im Schach zu halten, muss Armut bestehen, um die Arbeitskraft zum Schleuderpreis existieren zu lassen, um jede besitzlose Existenz zum Zweck einer allgemeinen "Lebenskosteneffizienz" zu bedrohen. Nirgenwo wird der Verarmungsfaktor deutlicher als bei den Mietkosten im Verhältnis zum allgemeinen Reichtum (siehe Grundrente). Hier zeigt sich der Wert, den ein Objekt hat, nur als Bewertung seiner Nutzbarkeit für die Verwertung selbst (siehe Verkehrswert) und so zeigt sich auch das fatale Resultat des Wertverhältnisses als Bereicherung der Wohnungsbesitzer durch Besitzlose, damit am Verbleib eines immer kümmerlicher werdenden Lebensstandards der Lohnabhängigen und an der Ausgrenzung "wertlos" gewordener Menschen (siehe Randgruppen).

Der Reichtum der bürgerlichen Gesellschaft beruht darauf, dass er allgemein nur als Kapital besteht, welches im Produktionsprozess gewonnen wird (siehe Logik des Kapitals). Für die einzelnen Menschen, die nicht Besitzer von Produktionsmittel sind, bedeutet dieser Reichtum ihre Armut, da sie ihm nur als Besitzer eines Arbeitsvermögens gegenübertreten können, das sich ihm andienen und zur Nutzung überlassen muss. Im Kapitalismus ist die Armut eine Notwendigkeit für die Preisbildung der Arbeitskraft. Sie wird in dem Ausmaß vergrößert, in dem sich auch der Reichtum an Kapital vermehrt, weil dieses nichts anderes als die dem Menschen entzogene Kraft ist (siehe auch Entfremdung).

Armut ist die Bestimmung des Proletariats, das durch kulturelle Verwerfungen (Fremdarbeit) zunehmend auch von den Inhalten seiner Arbeit und ihrer Gesellschaftlichkeit entfremdet wird und hierdurch substantiell sich nicht mehr als Reichtum erzeugendes Subjekt in einer bestimmten Gesellschaft verstehen kann. Das Proletariat erscheint daher vorwiegend nur noch objektiv in der Armut, in der Bewertung seines Vermögens. Aber es dient nicht mehr nur als vom Kapital bestimmter Produzent, sondern auch subjektiv als Konsument bestimmungsloser, sinnentleerter Güter. Indem so auch seine Kultur vom Kapital bestimmt ist, produziert er die Gleichgültigkeit, die er auch zu konsumieren hat (siehe auch Tittytainment). Darin kann er sich nur noch zwischenmenschlich gültig machen als Mensch, der seine gesellschaftliche Nichtigkeit durch eine übermenschliche Körperlichkeit negiert. Diese erscheint so sinnlich, wie sie Sinnlichkeit zerstört (siehe Selbstentleibung). Wo Menschen keinen Sinn für ihr Leben finden und haben wird Armut total, zerstört sich ihr Geist in seelischer Verwahrlosung. Das ist der Grund, warum sich die Armut einer Reichtum produzierenden Gesellschaft tief in die Seelen der Menschen hinein fortsetzt, oft nur darin überhaupt noch zu vermerken ist.

s.a.

Reichtum

Themenabend "Schere zwischen Arm und Reich"
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Armut im Philosophischen Lexikon
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Bestandsaufnahme der Armut und ihrer sozialen und politischen Konflikte (Hochschule Medien Stuttgart)
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Armutsbericht der BRD (im WDR)
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statist2up12e1 Armutsverteilung Weltweit
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