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Arbeit

Ältere Textfassung

"Die Arbeit ist zunächst ein Prozess zwischen Mensch und Natur, ein Prozess, worin der Mensch seinen Stoffwechsel mit der Natur durch seine eigene Tat vermittelt, regelt und kontrolliert. Er tritt dem Naturstoff selbst als eine Naturmacht gegenüber. Die seiner Leiblichkeit angehörigen Naturkräfte, Arme und Beine, Kopf und Hand, setzt er in Bewegung, um sich den Naturstoff in einer für sein eigenes Leben brauchbaren Form anzueignen. Indem er durch diese Bewegung auf die Natur außer ihm wirkt und sie verändert, verändert er zugleich seine eigene Natur..“ (K. Marx, Kapital I, MEW 23, 192)

Arbeiten sind Tätigkeiten, die nötig sind zum Vorankommen mit einer Sache, einem Problem, einem Stoff, einem Ereignis, einem Plan, einer Vorstellung oder dem Leben überhaupt. Die Notwendigkeit der Arbeit ergibt sich aus dem Zweck und Inhalt der Arbeit, aus dem Bedürfnis, eine bestimmte Veränderung zu erreichen, durch welche dieses zum Frieden kommt, befriedigt ist. Arbeit ist die Vollbringung eines Aufwands, durch welchen Zwecke realisiert werden, die als Vorstellung, Plan, Idee usw. bereits entwickelt sind. Von daher ist Arbeit ein Teil der Lebensgestaltung, soweit darin Aufwände zur Erzeugung gesellschaftlicher Gegenstände notwendig sind. Arbeit ist daher wesentlich gegenständliche Arbeit. Hiervon unterschieden ist die Bewältigung von Aufwänden, welche aus bloßer Selbstbezogenheit resultieren (z.B. Werbung, Information, Design, Dienstleitungen).

Ihrem Inhalt nach enthält Arbeit die praktische Beziehung der Menschen zum Gegenstand ihrer Bedürfnisse, zu deren Befriedigung sie aufgewendet werden muss und enthält von daher auch den Sinn für Lebensgestaltungen, aus dem allein sich erneutes Verlangen entwickeln kann. Von daher ist Arbeit auch immer nötig, um Geschichte zu bilden. Bedürfnis und Arbeit sind identische Momente der Bildungsgeschichte des menschlichen Reichtums, wesentliche Momente seiner Entwicklung, welche sich immer wieder erneut und auf höherer Differenzierung aus der Notwendigkeit des Aufwands zur Freiheit des menschlichen Subjekts einfindet. Diese wird kaum ohne Notwendigkeit sein können, weil Bedürfnisse, auch wenn ihr Sinn frei ist, immer notwendiges Verlangen darstellen, um durch Arbeit mit möglichst geringem Aufwand zur Möglichkeit einer optimalen Befriedigung zu gelangen - auch wo sie ausschließlich Kulturgüter erzeugt.

Von daher stellt Arbeit selbst einen notwendigen Prozess der Geschichte dar, auch wenn sie die Menschen von ihrer Not immer wieder befreit. Bedürfnisse entstehen in der Beziehung der Menschen auf ihre Produkte frei von aller Not, bestimmen aber zugleich die Notwendigkeit eines Aufwands zu ihrer Befriedigung. Ohne die Bewältigung dieser gewordenen und dem Menschen auch schon immer innewohnenden Not seiner Natur kann es Freiheit auch überhaupt nicht geben, denn Freiheit kann nicht willkürlich sein, also nicht ohne wirkliche Befreiung von Not. Freiheit resultiert aus der Notwendigkeit und bestimmt sich zugleich in der Erzeugung von Notwendigem fort (siehe gesellschaftlich notwendige Arbeit). Die menschliche Geschichte selbst stellt sich als Befreiungsprozess dar, der von einer Notwendigkeit zur anderen kommt, der im Arbeitsprozess sich als Geschichte menschlicher Naturmächtigkeit ebenso erweist, wie als beständiges Verlangen, das seine Not immer wieder nur durch Arbeit und die Entwicklung der Arbeitsmittel wenden kann (siehe hierzu Historischer Materialismus).

Die Entwicklung der menschlichen Arbeit für sich ist wesentlich die Entwicklung ihres wirtschaftlichen Zwecks, ihre Produktivität und das Maß ihrer Entwicklung. Was ihre Wirtschaftlichkeit ausmacht, das befördert auch die Geschichte der menschlichen Bedürfnisse. Alle intelligiblen oder mechanischen Errungenschaften der Produktion hat nicht nur die Wirtschaft, sondern immer auch die menschlichen Bedürfnisse weiter gebracht. Durch die Wirtschaft vollzieht sich auch in größerem Umfang die Ausbreitung der Bedürfnisvielfalt, also die Entwicklung des wirklich menschlichen Reichtums, und zugleich die Reduktion des geschichtlich entwickelten Arbeitsaufwands. Das war wohl der Grund, den Marx als notwendigen Grund erkannt hatte, als er von der Philosophie zur Ökonomie kam, um deren sophistische bürgerliche Gestalt in der Nationalökonomie (Volkswirtschaft) zu entschleiern. Die Produktivität der Arbeit galt ihm daher nicht einfach nur als beschleunigender Faktor der Arbeit, also nicht als bloße wirtschaftliche Rationalität, sondern als Bedingung gesellschaftlicher Bedürfnisse und Geschichte, als Befreiuung der Menschen aus ihren natürlichen Unterworfenheiten, Moment der geschichtsbildenden Freiheit selbst, welche sich aus ihren Notwendigkeiten entwickelt.

„Der wirkliche Reichtum der Gesellschaft und die Möglichkeit beständiger Erweiterung ihres Reproduktionsprozesses hängt ... nicht ab von der Länge der Mehrarbeit, sondern von ihrer Produktivität und von den mehr oder minder reichhaltigen Produktionsbedingungen, worin sie sich vollzieht.

Das Reich der Freiheit beginnt in der Tat erst da, wo das Arbeiten, das durch Not und äußere Zweckmäßigkeit bestimmt ist, aufhört; es liegt also der Natur der Sache nach jenseits der Sphäre der eigentlichen materiellen Produktion.

Wie der Wilde mit der Natur ringen muss, um seine Bedürfnisse zu befriedigen, um sein Leben zu erhalten und zu reproduzieren, so muss es der Zivilisierte, und er muss es in allen Gesellschaftsformen und unter allen möglichen Produktionsweisen.

Mit seiner Entwicklung erweitert sich dies Reich der Naturnotwendigkeit, weil die Bedürfnisse sich erweitern; aber zugleich erweitern sich die Produktivkräfte, die diese befriedigen. Die Freiheit in diesem Gebiet kann nur darin bestehen, dass der vergesellschaftete Mensch, die assoziierten Produzenten, diesen ihren Stoffwechsel mit der Natur rationell regeln, unter ihre gemeinschaftliche Kontrolle bringen, statt von ihm als von einer blinden Macht beherrscht zu werden; ihn mit dem geringsten Kraftaufwand und unter den ihrer menschlichen Natur am würdigsten und adäquatesten Bedingungen vollziehen. Aber es bleibt dies immer in Reich der Notwendigkeit. Jenseits desselben beginnt die menschliche Kraftentwicklung, die sich als Selbstzweck gilt, das wahre Reich der Freiheit, das aber nur auf jenem Reich der Notwendigkeit als seiner Basis aufblühen kann.

Die Verkürzung des Arbeitstages ist die Grundbedingung.“
K. Marx, Kapital III. MEW 25, 828.

Die Notwendigkeit der Arbeit entspringt hierbei nicht einfach den Bedürfnissen der unmittelbaren oder gesellschaftlichen Natur; dem bloßen Verlangen nach einem Stoff. Sie selbst ist Verlangen des Unerfüllten, einer Not, die im Verhältnis der Arbeit ebenso entsteht, wie aus ihren Produkten. Als dies beides bilden sie neuen Sinn für etwas, das nicht ist und das zum Inhalt eines notwendigen Verlangens wird, in dessen Verwirklichung die Menschen auf sich zurückkommen, ihre Geschichte bilden wie sie ihre Bildung darin auch bestätigen. Es ist das produktive Bedürfnis, das als Verlangen nach dem Produkt, das ist, zugleich auch als Verlangen nach einer Produktion, die noch nicht ist, arbeitet. In der Produktion vermitteln sich menschliche Bedürfnisse aus dem gesellschaftlichen Zusammenhang der Menschen in ihrem Werden und Gewordensein, in ihrer Selbstunterscheidung als neues Verlangen, das aus der Wirklichkeit des Produkts hervorgeht, als Entwicklung der Vielfalt und Reichhaltigkeit menschlichen Seins, Ausbreitung und Verwirklichung menschlicher Sinnlichkeit in der Naturmächtigleit einer menschlichen Gesellschaft. Zugleich ist dies auch eine Wendung gegen die Rückbildung, die Vereinseitigung des Menschseins, gegen den sinnlichen und geistigen Mangel, welcher Verödung und Geschichtslosigkeit mit sich bringt.

Arbeit als produktives Bedürfnis begriffen ist die Konstitution des Zusammenwirkens von Menschen, die Grundlage jeder Gesellschaft. Ihr Produkt ist die geäußerte Bedürftigkeit nach Verwirklichung eines eigenen Wesens, nach wirklicher Eigentümlichkeit des Menschen, welche einzeln wie allgemein als menschliches Eigentum, also individuell und gesellschaftlich zugleich existiert.

In der Gesellschaft stellt sich das Arbeitsprodukt als Ganzes, als Zusammenführung von Arbeiten in ihrer Ganzheit und Zuführung zu Bedürfnissen als ganzer Lebenszusammenhang her. So wie dieses Eigentum hervorgebracht wird, existiert und in das Leben der Menschen zurückkommt, so ist ihre Lebensform, ihre Gesellschaft auch wirklich, d.h. geistig und sinnlich in der Gegenständlichkeit des Lebens vermittelt. Für Marx ist Arbeit in diesem Sinne der "Schlüssel zum Verständnis der gesamten Geschichte der Gesellschaft" (MEW 21, S.307).

Arbeit ist also immer gegenständlich, befasst sich mit einem Gegenstand, den sie verändert und will hierdurch das ihr zugerunde liegende Bedürfnis verwirklichen als ein Verlangen im Lebenszusammenhang der Menschen, als einzelnes wie gesellschaftliches Bedürfnis zugleich.

Arbeit ist in all ihren Momenten zusammen eine aufwendige Gestaltungstätigkeit des Menschen, dem Inhalt nach Lebensäußerung, Selbstvergegenständlichung, Leiden und Tätigkeit seiner Sinnlichkeit und Liebe in der Erzeugung seiner Lebenswelt als seine Kultur. Arbeit enthält Sinn und Geist und erfordert Kraft, Wissen und Verstand. Sie erzeugt Gegenstände, welche die gegenständliche Welt des Menschen ausmachen, seine Veräußerung als seine Lebensvielfalt, als menschlichen Reichtum, als das Dasein seiner Wesenskräfte als Gegenstand der Befriedigung seiner Bedürfnisse und als Lebensverhältnis seiner Kultur.

“Gesetzt, wir hätten als Menschen produziert: jeder von uns hätte in seiner Produktion sich selbst und den andern doppelt bejaht. Ich hätte erstens in meiner Produktion meine Individualität, ihre Eigentümlichkeit vergegenständlicht und daher sowohl während der Tätigkeit eine individuelle Lebensäußerung genossen, als im Anschauen des Gegenstandes die individuelle Freude, meine Persönlichkeit als gegenständliche, sinnlich anschaubare und darum über allen Zweifel erhabene Macht zu wissen. Zweitens in deinem Genuß oder deinem Gebrauch meines Produkts hätte ich unmittelbar den Genuß, sowohl des Bewußtseins, in meiner Arbeit ein menschliches Bedürfnis befriedigt, also das menschliche Wesen vergegenständlicht, und daher dem Bedürfnis eines andern menschlichen Wesens seinen entsprechenden Gegenstand verschafft zu haben, drittens für dich der Mittler zwischen dir und der Gattung gewesen zu sein, also von dir selbst als eine Ergänzung deines eigenen Wesens und als ein notwendiger Teil deiner selbst gewußt und empfunden zu werden, also sowohl in deinem Denken wie in deiner Liebe mich bestätigt zu wissen, viertens in meiner individuellen Lebensäußerung unmittelbar deine Lebensäußerung geschaffen zu haben, also in meiner individuellen Tätigkeit unmittelbar mein wahres Wesen, mein menschliches, mein Gemeinwesen bestätigt und verwirklicht zu haben.

Meine Arbeit wäre freie Lebensäußerung, daher Genuß des Lebens. [...] In der Arbeit wäre [...] die Eigentümlichkeit meiner Individualität, weil mein individuelles Leben bejaht. Die Arbeit wäre wahres tätiges Eigentum.“ (MEW EB I, S. 462)

Arbeit ist auch für sich und dem Inhalt nach, also von ihrer innern Seite her genommen, ein sinnvoller Aufwand, der Kraft für eine Verformung, also letztlich den Aufwand einer Bewegung verlangt (physikalisch:Arbeit ist Kraft mal Weg). Auch ein solcher Arbeitsbegriff verbindet einen Aufwand mit der Tätigkeit, durch welche ein Produkt durch Menschen und Maschinen erzeugt wird, das Menschen zur Verfügung stehen soll. Arbeit ist von dieser Seite der Begriff für den Aufwand zur Herstellung menschlicher und natürlicher Erzeugnisse - dies jedoch nicht ohne Sinn. Arbeit ist von ihrem Zweck nicht zu trennen. Solange Menschen Bedürfnisse entwickeln und Geschichte bilden, wird es Arbeit in einem mehr oder minder größerem Ausmaß geben - und sei es auch nur die Arbeit ihrer gesellschaftlichen Organisation und Bereitstellung von Technologie.

Die Reduktion von Arbeit auf ihren Aufwand (siehe Wertkritik) ist selbst schon eine Formalisierung der Arbeit und entspricht der Erlebensweise von sinnentleerter Lohnarbeit. In der Absicht, die marxistischen Aussagen zum Proletariat im Stil des 19. Jahrhunderts zu überwinden, hat sich der Wertkritiker Robert Kurz dahin verstiegen, die Arbeit selbst als Moment des Kapitals anzusehen und demzufolge nicht auf die Überwindung des Kapitals, sondern - dem gleich bedeutend - auf die Abschaffung der Arbeit überhaupt zu spekulieren. Arbeit selbst sei ihrem Wesen nach wertförmig und nichts anderes als abstrakt menschliche Arbeit überhaupt. Dass Marx konkrete Arbeit als andauernde Notwendigkeit menschlichen Wirtschaftens ansieht (und von ddaher überhaupt zur Ökonomie vorgedrungen war), wird ihm als Widerspruch zu seinem Emanzipationsverständnis angelastet und von daher von einem "doppelten Marx" gesprochen, der einen Widerspruch seines Denkens nicht überwunden hätte. Und weil er so von Robert Kurz (miß)verstanden wird, brauche es auch Robert Kurz, der dies nun als "Postmarxist" vollbringen will.

Doch indem Arbeit demzufolge als Begriff des physikalischen Aufwands mit dem der Lohnarbeit als Warenform der Arbeit gleichgesetzt wird, wird sie ihres gesellschaftlichen Widerspruchs enthoben, Reichtumbildnerin zu sein und unter der Formbestimmung des Werts abstrakten Reichtum zu schaffen. Die ganze Marxsche Begrifflichkeit wird damit auf den Kopf gestellt: Die bloße Aneignung der Produkte wird zum Inhalt der Emanzipation, die nichts anderes als die Emanzipation von Aufwänden mehr sein kann.

Ist dieser Widerspruch begrifflich aufgelöst, so ist auch keine Veränderung der Form mehr nötig. Die Hervorkehrung einer begriffslosen Arbeit ist also nichts anderes als eine Selbstverstümmelung des Begreifens der Dialektik von Form und Inhalt, Auflösung substanziellen Denkens. Es verbleibt alleine die politische Forderung des Habens, das Haben-Wollen dessen, was es "eigentlich" schon gibt. Es ist dies letztlich ein gottergebenes Denken in Gegebenheiten, das sich dadurch kritisch gibt, dass es Arbeit als negativ besetzte intellektuelle Begriffsidentität hiergegen hält.

Hierfür wird gerne ein Zitat von Marx verwendet, das auf das historische Wesen der Arbeit in der Form der Privateigentum schaffenden Tätigkeit eingeht: "Die Arbeit ist ihrem Wesen nach die unfreie, unmenschliche, ungesellschaftliche, vom Privateigentum bedingte und das Privateigentum schaffende Tätigkeit. Die Aufhebung des Privateigentums wird also erst zu einer Wirklichkeit, wenn sie als Aufhebung der Arbeit gefaßt wird." (Karl Marx, Über Friedrich Lists Buch "Das nationale System der politischen Ökonomie", 1845)

Darin aber hat Marx lediglich ausgesprochen, dass es in dem darin gesteckten geschichtlichen Rahmen von selbst, also selbstverständlich darum geht, eine Arbeit zu Ende zu führen, die Verwirklichung der Arbeit in einer bestimmten Gesellschaft zu erreichen. Zur selben Zeit (1844) hat er daher auch geschrieben:

»Unser Wahlspruch muß also sein: Reform des Bewußtseins nicht durch Dogmen, sondern durch Analysierung des mystischen, sich selbst unklaren Bewußtseins, trete es nun religiös oder politisch auf. Es wird sich dann zeigen, daß die Welt längst den Traum von einer Sache besitzt, von der sie nur das Bewußtsein besitzen muß, um sie wirklich zu besitzen. Es wird sich zeigen, daß es sich nicht um einen großen Gedankenstrich zwischen Vergangenheit und Zukunft handelt, sondern um die Vollziehung der Gedanken der Vergangenheit. Es wird sich endlich zeigen, daß die Menschheit keine neue Arbeit beginnt, sondern mit Bewußtsein ihre alte Arbeit zustande bringt.« (MEB I, S. 346).

Es geht also darum, dass etwas nur darin zu Ende geführt wird, dass man es wirklich zustande bringt, dass Arbeit in ihrem Aufwand zur Nebensache wird, damit sich der Mensch seiner Sache bewust sein kann, die er als Versachlichung seiner Lebenstätigkeit erkennt. Insgesamt macht Arbeit die Verwirklichung menschlicher Bedürfnisse und erzeugt daher durch ihre Produkte als Potenziale menschlicher Sinnbildung, als konkrete Entwicklung menschlicher Sinnlichkeit zu wirklichem Lebensreichtum. Die Befriedigung der Bedürfnisse für sich selbst ist also nicht der Zweck der Arbeit, sondern ihr Verlauf in der Geschichte der Selbsterzeugung des Menschen, in der Bildungsgeschichte der Menschheit. Produktion und Konsumtion haben ein und denselben Zweck, in welchem die Menschen sich gesellschaftlich verhalten, nicht als einzelne Individuen, von denen das eine produziert, was das andere braucht - oder umgekehrt. Es geht bei der Arbeit immer um einen Bildungsakt, gleich, welcher Aufwand hierfür nötig ist, um Sinnbildung, um menschliche Kultur, die nicht von ihren Momenenten und dem Akt ihrer Entstehung unterschieden ist. Arbeit ohne Wirklichkleit, als bloßer "Entfaltungsprozess des menschlichen Subjekts", das vermittelst der Arbeit zur "klassenlosen Gesellschaft" gelangen würde (siehe auch "Diktatur des Proletariats"), ist reine Spekulation (siehe Arbeiterbewegung), wie es auch umgekehrt rein spekulativ ist, Arbeit jenseits eines gesellschaftlichen Verhältnisses, also unabhängig und unnötig für die Befriedigung gesellschaftlich sich fortbestimmender Bedürfnisse anzusehen (siehe Wertkritik).

"Die Gesellschaft als ein einziges Subjekt betrachten, ist, sie überdem falsch betrachten - spekulativ. Bei einem Subjekt erscheinen Produktion und Konsumtion als Momente eines Akts. Das Wichtigste ist hier nur hervorgehoben, daß, betrachte man Produktion und Konsumtion als Tätigkeiten eines Subjekts oder einzelner Individuen, sie jedenfalls als Momente eines Prozesses erscheinen, worin die Produktion der wirkliche Ausgangspunkt und darum auch das übergreifende Moment ist. Die Konsumtion als Notdurft, als Bedürfnis ist selbst ein innres Moment der produktiven Tätigkeit. Aber die letztre ist der Ausgangspunkt der Realisierung und daher auch ihr übergreifendes Moment, der Akt, worin der ganze Prozeß sich wieder verläuft. Das Individuum produziert einen Gegenstand und kehrt durch dessen Konsumtion wieder in sich zurück, aber als produktives Individuum, und sich selbst reproduzierendes. Die Konsumtion erscheint so als Moment der Produktion." (MEW 13, S. 625f)

Arbeit ist aber auch nicht davon zu trennen, was den geschichtlichen Stand in der Entwicklung der Arbeit und der Produktionsmittel ausmacht, ob z.B. die Kraft durch Menschenkraft oder Maschinenkraft oder durch Automaten oder chemische Prozesse (z.B. photochemische Reaktionen in der Chiperzeugung) erbracht wird. Für die bisherige gesellschaftliche Entwicklung stand der Aufwand, den Arbeit ausmachte, dadurch im Widerspruch zu ihrem Sinn und Zweck, dass in allen bisherigen Gesellschaftsformen Kraftaufwand und Zweck der Arbeit, nach jeweiligen Machtstrukturen gegensätzlich aufgeteilt und der Aufwand weitgehend Lebensbestimmung derjenigen war, welche keine Macht darin hatten. Die gesellschaftliche Funktion der Arbeit in der Notwendigkeit eines Aufwandes verrrät auch noch die Sprache: Im Germanischen bedeutete es "Mühsal", indoeuropäisch: Tätigkeit der Waisen, der Randständigen. Arbeiter waren auch schon im Römischen Reich nicht nur Skaven, sondern auch Proleten., und das waren dort "Freie", die keine Steuer mehr bezahlen konnten, oft abgewirtschaftete Beamten oder Söldner oder Waisen oder andere, die zu einer sozialen Randgruppen geworden waren.

Der Arbeitsbegriff hatte sich also schon immer mit der Auffassung zwischen Freiheit und Notwendigkeit in der Stellung zur Arbeit bewegt, welche die Geschichts- und Gesellschaftsepochen von ihrer Produktionsweise hatten: In der Sklavenhaltergesellschaft war es die Arbeit der Sklaven für die Herrscher, in der bürgerlichen Gesellschaft war es der Aufwand für die nackte Existenz zu Gunsten des Warenbesitzes - und für die darin aufkeimende Gesellschaft eines menschlichen Lebenszusammenhangs wird sich Arbeit als freie Einsicht in das Nötige für eine menschliche Gesellschaft ergeben, wie es im Begriff der Arbeit als Kulturbegriff, als Einheit von Lebensäußerung und Lebensbildung schon angelegt ist (siehe z.B. Kommunismus), die nicht nur nützliche Dinge, sondern vor allem auch Kulturgüter erzeugt.

Zu ihrer Verwirklichung stehen die Voraussetzungen gut. Im Lauf der Geschichte, vor allem durch die Entwicklung der Wissenschaften, der Intelligenz und der Technologie, aber auch durch die wirtschaftlichen Erfordernisse der Mehrwertproduktion, wurde das Potenzial der Kraftaufwendung und auch des Ablaufalgorithmus der Arbeit immer mehr auf Maschinen übertragen und es macht einen gewaltigen Unterschied, ob Arbeitskraft durch Menschen oder durch Sachen aufgewendet wird. Von daher wird der Mensch als bloße Arbeitskraft in dem Maße unnötig, wie die Entwicklung der Produktionsmittel ihn von der Anstrengung der Arbeit befreiten und er um so mehr als planvoller Bildner seines Reichtums im subjektiven Sinn auftreten könnte: Als Erzeuger und Träger seiner Kultur. Als wichtigstes Produkt der Arbeit ist unter der Formbestimmung des Kapitals immerhin die Entwicklung der Produktionsmittel entstanden. In der Produktion der Produktionsmittel steckt der organische Kern der bisherigen Menschheitsgeschichte, die ihre Verwirklichung in einer produktiven Gesellschaft findet, einer Geselschaft von Menschen, die ihr Leben frei bilden und gestalten können, soweit ihre Einsicht in das gesellschaftlich Nötige reicht.

Dem widerspricht allerdings immer noch die Form der kapitalistischen Produktion. Da hierin alles als Privatbesitz in der Form von Waren gesellschaftlich vermittelt ist, wird es vom Standpunkt seiner privaten Nützlichkeit besessen, also vor allem auch zur Vorteilnahme gegen andere benutzt. Von da her haben die Besitzer der Produktionsmittel ihren Nutzen aus der Vernutzung der Arbeitskraft der Menschen, die nichts anderes als diese besitzen, gewonnen, indem sie diesen den verblieben Kraftaufwand abverlangten. Weil sie hierdurch nur arbeiten konnten, um ihre Existenz vermittelst ihres Arbeitslohns zu fristen und somit von der gesellschaftlichen Entwicklung weitgehend ausgeschlossen waren, wurde ihnen Arbeit zum Diktat einer gesellschaftlichen Macht, welche den Privatbesitz ausmacht und fortbestimmt: Die Verfügung über die Potenzen der gesellschaftlichen Entwicklung. Produktionsmittel verschaffen unter dieser Bestimmung Kapital und Kapital verschafft die Unterwerfung aller Menschen unter seine Entwicklungsziele.

Vom Standpunkt der heutigen Geschichte ist die Form der kapitalistischen Gesellschaft als privates Besitzverhältnis gegenüber den gesellschaftlichen Potenzen der Arbeit vollständig überkommen. Die Produktion nur für einen nur geldwerten Zweck findet keine gesellschaftliche Realität und befriedigt lediglich fiktives Kapital, soweit es in der Lage ist, sich hier und da noch zu beschäftigen, d.h. sich in Produktionsabläufe einzuklinken. Zu 98 % besteht es nur als reine Finanzmasse in privater Hand, das die Nutzung von Arbeit erheischt. Diese wird umso sinnentleerter, je mehr sie durch die Beschäftigungsfiktion des Kapitals bestimmt ist - und das treibt den Widerspruch zwischen gesellschaftlicher Produktion und privater Aneignung zur barbarischen Auspressung von menschlichem Leben durch Verwertung und Unterwerfung aller Lebensmomente der Kultur und Natur, durch Lebensisolation. Die Arbeit selbst wurde zu einem sinnentleerten Träger geldwerter Interessen, die über gesellschaftliche Macht vermittelst abstrakten Vermögens verfügen. Durch den hoch entwickelten, den globalisierten Kapitalismus, der sich längst aus seinem historischen Zweck herausentwickelt hat (siehe "Die Globalisierung und das Ende der bürgerlichen Gesellschaft"), wird jede Form einer gesellschaftlichen Verteilung des Reichtums zunehmend unmöglich, weil Arbeit unvermittelbar wird. Und so wird alles, was Reichtum der einen bedeutet, zur unmittelbaren Not der anderen. Die Krisen dieser Entwicklung sind unumkehrbar und Arbeit selbst auf die Ebene menschlicher Prostitution gedrückt: Herausgabe aller sinnlichen Lebensmomente zur Erheischung einer isolierten Existenzmöglichkeit. Andererseits wird Arbeitslosigkeit zu einem grasierenden Pendant hierzu, das sich nur noch im Erlebensalltag von der Lohnarbeit unterscheidet. Weil Arbeit gegenständliches Leben ausmacht, wird jeder Mensch, wenn er von seinem Gegenstand getrennt ist, einen subjektiven wie objektiven Schmerz erleiden, weil ihm in der Trennung von seinem Gegenstand seine Welt, seine Gesellschaft und sein Leben entäußert und in fremder Hand ist (siehe Entfremdung).

Die Arbeitsmittel sind Produktionsmittel, Werkzeuge oder Automaten. Das ändert nichts an ihrem Sinn. Werkzeuge und Automation kann Arbeit nicht ersetzen, sie kann nur den Kraftaufwand, die Arbeitszeit und den Streckenaufwand mindern, kann die Produktion mit neuen Potenzen ausstatten und das Verhältnis von geistigen und körperlichen Anteilen der Produktion verändern. Das "Reich der Notwendigkeit" wird sich mit den wachsenden Potenzen der Arbeitsmittel zugunsten des "Reichs der Freiheit" aber nur wirklich verringern, wenn sich der Fortschritt der Produktivkraft durch die Verkürzung des Arbeitsstags bis zu seinem Minimum umsetzt. Dem allerdings stehen die Interessen des Kapitals entgegen, solange es dies gibt. Es verlangt also die Aufhebung des Kapitalismus, damit Arbeit selbst in Freiheit geschieht (s. Krise, Kommunismus), d.h. in die gesellschaftliche wie einzelne Einsicht in die Notwendigkeiten der Anliegen und Potenzen der Arbeit

In der bürgerlichen Gesellschaft existiert Arbeit als Erwerbsarbeit (siehe Lohnarbeit), als reine Kraftaufwendung zur Erbringung eines Besitzes, als Tätigkeit, die für eine bestimmte Zeit zu einem bestimmten Preis unter vorbestimmtem Wert gemietet und vom Besitzer der Produktionsmittel genutzt wird. In solchem Verhältnis stehen die Besitzer der Arbeitskraft als Menschen, die keine Sache besitzen den Besitzern der Produktionmittel gegenüber, also jenen, welche über die produktiven Potenzen der Arbeit verfügen, als gesellschaftliche Klassen gegenüber (siehe Klassengegensatz). Dieser Gegensatz hat sich vertieft in den Besitz an Lebenskräften (Energie, Arbeitskraft, Rohstoffe, Boden) und den Besitz an Geld. Diese Klassenförmigkeit hat auch durch die Globalisierung, durch die weltweite Aufspaltung der Arbeitsteilung in Parzellen jenseits großer Industrieanlagen, durch die vollständige Isolation der Arbeit bis hin zur Ich-AG nicht aufgehoben, weil sie eine Kategorie des Besitzstandes ist, wie er im Gegensatz zum Eigentum formiert ist. So mag es zwar so scheinen, dass Arbeit für sich keine ökonomische Form mehr im Leben der Menschen hat, kein Proletariat. Dies ist aber nicht richtig, wenn Proletariat im eigentlichen Sinne des Wortes verstanden wird: Bildner des Reichtums als Objekt der Verarmung. Die ist mittelbar und unmittelbar in einem: unmittelbar, sofern eigenes Leben in die Bildung der gesellschaftlichen Gegenständlichkeit von Reichtum eingeht, mittelbar, sofern die Gesellschaft die einzelnen Menschen als Potenz der Armut nutzt (z.B. als gesellschaftliche Reserve zur Bedrängung und Drucksetzung der Menschen zu irgendeiner besitzbildenden gesellschaftlichen Aktivität). Gesellschaftlicher Reichtum in der Form des Kapitals erzwingt durch dessen Logik immer die Armut und Verarmung der Menschen, welche alleine durch den Besitz ihrer Arbeitskraft existieren. Auch wenn sie nicht mehr an einer gesellschaftlichen Produktionsstätte (z.B. Industriearbeit) versammelt sind, haben sie keine andere Funktion für das Kapital als die, seinen Reichtum zu schaffen und zu erweitern, um sich selbst zu erhalten. Wer hierbei nach einer "neuen Qualität der Arbeit" sucht oder sie als gänzlich aufgehoben beschreibt oder die bestehenden Lebenszusammenhänge der Menschen als "Multitude" bezeichnet, ist dem Anschein der globalen Verhältnisse erlegen, dass das Kapital nicht mehr auf der Ausbeutung von Arbeitskraft gründet - nur, weil diese global zur Ausbeutung von Lebenskraft überhaupt geworden ist.

So erscheint es dem fleißigen Intellekt mit viel politischem Willen zwar geläufig, dass er seine Ernährung, Kleider und Möbel mit Produkten aus Taiwan, Indien, Afrika, China, Korea usw. zusammensetzt, nicht aber, dass damit menschliche Arbeitskraft, Lebenszeit von Menschen zu Billigpreisen verramscht wird, weil nur hierdurch das globale Kapital funktioniert. Nicht nur, wo es hier und da mal besonders auffällig wird, wenn indische Currybauern ihre Nieren für reiche Amerikaner und Westeuropäer verkaufen müssen, um das Saatgut für die Würze ihrer Edelküchen einkaufen zu können, sondern auch im ganz gewöhnlichen Alltag des Devisenhandels wird Ausbeutung evident, wenn nämlich ihre Währungseinheit zu einem Wert getauscht wird, der ihre Lebensaufwendungen auf einen Bruchteil der unsrigen herunterdrückt. Bei uns liest man dann etwas verwundert, dass die Leute dort mit 2 Dollar pro Tagesverdienst auskommen können.

Dies ist Armut pur, die nicht aus der Armut entsteht, sondern aus Reichtum. Auch im weitesten Sinne des Wortes wird Armut zum Synonym von Selbstaufhebung durch den abstrakten Reichtum des Geldbesitzes (siehe Dienstleistungsgesellschaft): Verarmung an Kraft, Geist, Vielfalt und Bedürfnis als Existenznotwendigkeit von Selbstverlust, Mythologie, Einfalt und Gier - nicht, weil das Kapital das Böse in sich trüge und uns dahin zwänge, sondern weil es sich nur bildet, wo wir seine Kultur genießen, durch die es eine Welt des Konsums totalisieren kann (s.a. Tittytainment), um seine Macht allseitig als seinen privaten Reichtum, also um die Abhängigkeit der Menschen von sich zu vermehren (siehe auch Kulturkritik).

s.a.

=> Tätigkeit

=> Bedürfnis

=> Arbeiterbewegung

siehe hierzu auch "Probleme des Marxismus"

siehe hierzu auch:
Entäußerung und Entfremdung in den Ökonomisch-Philosophischen Manuskripten

siehe hierzu auch den Text

Thesen zur Diskussion des Begriffs "flexible Persönlichkeit"

quelleup1c1a Arbeit
quelleup2b3 Arbeit und Kunst
Erlautup1b
Arbeit und Arbeitsteilung
Erlautup1a1 Arbeit als Agitationsbegriff
Erlautup2b6 Realabstraktion und Geschichte
Erlautup1a1a Arbeit als Agitationsbegriff
zitatup5a3a Arbeitsbegriff
zitatup1c3a3a Arbeit als natürlicher Lebensprozess des Menschen
zitatup1c3a1b1 entfremdete Arbeit
zitatup1c3a1a1a entfremdetem Produkt
zitatup1c3d2 Freiheit und Notwendigkeit in der Arbeit
zitatup5a2 Arbeit und Eigentum
zitatup5n1a1a Arbeit und Gesellschaft
zitatup5n1a2 Arbeit und Gegenständlichkeit
zitatup5m1a1 Arbeit und Geschichte
zitatup5e2a1b Arbeitslohn
zitatup5e2a1a4 Arbeitslosigkeit
zitatup5e3a Arbeitsquantum
zitatup5e1a1a2 Arbeitstag
zitatup5f3 Arbeitsteilung Mann und Frau
zitatup5f4a2a1 Arbeitszeit und Mehrwert
zitatup5f4a1a1a Arbeit und Subjektwerdung
zitatup5a1b Arbeit und Bedürfnis
zitatup1c4a1a2a Kopfarbeit - Handarbeit
zitatup5l1a Gesamtarbeit
statist2up1a1a1a Arbeitseffizienz
statist2up3f1a1 Arbeitskraft pro Arbeitsleistung
statist2up3b3a1a Arbeitsleben in der Bilanz
statist2up3c1a1a Arbeitsplatzeinsparung (Automation)
statist2up3d2 Arbeitsproduktivität
statist2up3a2a Arbeitsvolumen und Beschäftigte
statist2up3a3 Arbeitsvolumen und Umfang
statist2up3e2 Arbeitsvolumen zu Wachstum
statist2up3e1a1 Arbeitszeitkomponenten
Diskusup1a1a Arbeitsbegriff im Kulturforum
webup2a Marx zur Arbeit (Marx-Forum)
webup3a Allgemeine Arbeit (Marx-Forum)
audioup1a2e1a1a3a Probleme des Marxismus I
Gothaer Programm
audioup1a2e1a1a3a1 Probleme des Marxismus II
Lenins Staatsbegriff
audioup1a2e1a1a4a Interview Probleme des Marxismus


 

Arbeiterbewegung

Seit der Maschinisierung der Produktions- und Verkehrsmittel (besonders der durch Maschinen erzeugte Kraft der Dampfmaschinen und Eisenbahnen) hat sich Kapital als Bestimmung der industrialisierten Gesellschaft durchgesetzt. Damit wurden nicht nur die Industrieanlagen, die es betrieb, zur allgemeinen Arneitsgrundlage, sondern auch seine Funktion als festgehaltenes Geld, das sich gesellschaftlich als politische Macht darstellt. Weil dessen Potenzial damit zugleich seinem Besitzer die Möglichkeit bietet, sich zur Vermehrung seines Geldes wirtschaftlich einsetzen zu lassen, wurde der Geldbesitz in Kapitalform für einen immer größer werden Teil der Menschen bestimmend. Wer keinen solchen Besitz hat, kann ihn auch nicht erwerben. Er oder sie kann die eigene Reproduktion nirgendwo anders mehr erwirtschaften, als dem Beitzer der Produktionsmittel zu dessen Bedingungen dienlich zu sein und erhält zugleich nur das, was er zum Leben braucht. Weil diese Menschen keinen Besitz haben außer dem ihrer Arbeitskraft, müssen sie ihr Leben dem unterordnen, was das festgehaltene Geld als Arbeitsmacht durch den Besitz an Produktionsmittel ihnen abverlangt. Ihre Arbeitskraft ist darin von ihrem menschlichen Sein getrennt und als bloße Ware nur soviel Wert, wie ihre Produktion aufwendet, also soviel, wie sie an gesellschaftlichem Arbeitsaufwand zu ihrer Reproduktion durchnittlich braucht und verbraucht.

Obwohl die Menschen, welche ihre Arbeitskraft verkaufen müssen, nicht nur für sich arbeiten, sondern auch gesellschaftliche Mehrprodukte in ihrer Arbeitszeit erzeugen und damit durch ihre industrielle Arbeit die gesellschaftliche Entwicklung vorantreiben, wurden sie zugleich von derem Fortschritt ausgeschlossen. Weil das wachsende Mehrprodukt für die Besitzer der Produktionsmittel vor allem Mehrwert darstellt, wird es zu einer privat bestimmten Macht über die Produktion, der die arbeitenden Menschen gesellschaftlich unterworfen waren, wurde der gesellschaftliche Fortschritt zum Fortschritt der Privatmacht der Kapitalisten, welche sich mit der Entwicklung der Technologie entsprechend substanzialisiert (siehe auch Automation). Diese verstärkte die Abhängigkeit der Menschen vom Kapital, ließ sie dessen Rationalität (siehe Vernunft) fürchten und beschränkte ihre eigene Entwicklung auf den Selbsterhalt ihres Lebens auf dem untersten Lebensstandard einer Gesellschaft, die sich auf der Grundlage von unbezahlter Arbeit bereicherte (siehe Reichtum). Die Armut der Abhängigen war damit gesellschaftlich als ihre Ohnmacht gesetzt, auf den Lebensstandard verwiesen zu sein, den das Kapital ihnen ließ. Und in dem Maße, wie dieses für seine Entwicklung und die Bewältigung seiner Krisen immer mehr Arbeit verbrauchte, wurden diese Menschen in Relation zur Entwicklung ihrer Gesellschaft auch wirklich immer ärmer.

Die Reichtumsbildung des Kapitals war somit die Armutsbildung der arbeitenden Bevölkerung. Sie konnte sich zur Konsumtion nicht leisten, was sie erzeugte. Die Arbeiterbewegung gründete auf dem Verlangen, die Produkte der eigenen Arbeit auch nutzen und genießen zu können. Es war ein Verlangen nach Gerechtigkeit in der Verteilung von Aufwand und Genuss, Sicherheit und Mobilität, Recht und Gewalt, Wille und Macht.

Die Arbeiterbewegung war davon ausgegangen, dass Arbeit Gesellschaft bildet und entwickelt und dass der Arbeiter und die Arbeiterinnen das gesellschaftliche Subjekt der bürgerlichen Gesellschaft ausmachen, und von daher den Keim ihrer Entwicklung zu einer menschlichen Gesellschaft in sich tragen, sie zu revolutionieren imstande sind. Innerhalb dieses Ausgangspunkt gab es wesentlcihe Fehler, die in der Vorstellung von einer "Diktatur des Proletariats" zusammengingen.

Die Entwicklung der globalen Wirtschaft (siehe Kolonialismus, Imperialismus und Globalisierung) hat die Arbeit zu einer reinen Lohnarbeit verselbständigt und sich ihrer Herkunft aus der Naturaneignung und Selbstverwirklichung, welche menschlichen Reichtum schafft, in den reicheren Ländern zunehmend enthoben. Dies stellte sich darin dar, dass dort der Mehrwert nur noch zu einem schwindenden Prozentsatz Mehrprodukt enthält, also für die Menschen dieser Gesellschaften insgesamt nur noch Geldproduktion bedeutete. Das brachte ihr Wirtschaftsleben in einen geschichtlichen Zirkel des Reproduzierens auf immer höherer Stufenleiter, in welchem sich aber keine qualitative Entwicklung des Reichtums, kein wirklich gesellschaftlicher Sinn für ihre Fortentwickung, sondern nurmehr Formationen gesellschaftlicher Macht ergeben konnte, welche die Institutionen des bürgerlichen Staats durchdrangen. Der Kampf gegen diese poltischen Strukturen gipfelte in den antifaschistischen und antiimperialistischen Kampf.

Erst die Globalisierung führte dahin, dass sie selbst am Geldbesitz teilhaftig wurden und darin ihre vollstängig Reproduktion und Entfaltung als Individuen von gesellschaftlicher Allgemeinheit ermöglicht bekamen und hatten (oder nicht hatten und sich als Randgruppe erhalten mussten). Der bürgerliche Staat wurde zunehmend bedeutungslos und die Weltmacht des Kapitals beherrschte inzwischen eine Wertmasse, die weit über dem Nationalvermögen der einzelnen Länder lag. Technologie und Automation wurden darin zu bedeutenden Trägern der Kapitalverwertung, Arbeit zunehmend sinnentleert. Da Kapital sich aber nur verwerten lässt, wenn seine Produkte auch konsumuiert werden, entstand mit seiner zunehmenden Krisenhaftigkeit ein eklatanter Widerspruch in seiner Entfaltung: Die Löhne konnten das Produkt nicht mehr finanzieren. Arbeit wurde reduziert und das Wertwachstum durch Aussonderung "überflüssiger Menschen" (siehe Arbeitslosigkeit) und durch Entwertung der öffentlichen Kassen auf geringer Stufe stabilisiert, die Schere zwischen Arm und Reich in logarithmischen Dimensionen vergrößert, die Entwertung des zirkulierenden Geldes zur frei galoppierenden Staatsverschuldung.

Die Arbeiterbewegung im ursprünglichen Sinn als subjektve Bewegung des gesellschaftlichen Fortschritts war am Ende, weil die Arbeit innerhalb der nationalen Wirtschaftskreisläufe objektiv von ihrem Schwund bedrängt war. Die Angst um den Verlust des Arbeitsplatzes wurde bestimmender als das Bedürfnis nach einer günstigeren Quantifizierung ihrer Vermögensanteile (siehe Arbeitslohn) und der Kürzung von Arbeitsaufwendungen (siehe Kampf um die Länge des Arbeitstags). Und in dieser Angst bestand auch eine partielle Interessensidentität zum mittelständigen Unternehmertum, das sich in ähnlicher Weise um die Bedrängung der nationalen Arbeit durch die internationalen Märkte sorgt. Der Gegensatz von Kapital und Arbeit (siehe Klassenkampf) ist darin nicht mehr wahrnehmbar und Patriotismus macht sich wieder bemerkbar.

In einer Gesellschaft von Geldbesitzern tauschen diese überwiegend Dienstleistungen aus, weil ihnen die Erzeugung von Lebensmitteln als ihre gesellschaftliche Gegebenheit erscheint. Die Voraussetzung des Geldes, eine funktioniende Lebensmittelproduktion, findet sich auf den Weltmärkten ein und erscheint von daher als ein reines, völlig äußerlliches und selbstverständliches Mittel ihrer individuellen Subsistenz. Von daher sind ihnen keine gesellschaftlichen Lebensmittel mehr erkennbar, so dass sie sich untereinander selbst zu ihrer eigenen gesellschaftlichen Vermittlung dienen (siehe zwischenmenschliche Verhältnisse).

Eine wirkliche gesellschaftliche Entwicklung kann es demnach nur noch in armen Ländern geben. In den reichen wird die Rückbesinnung auf menschliche Kultur für eine gesellschaftliche Geschichtsbildung gegen die Barbarei der Kapitalverwertung tragend sein. Eine weltweite Entwicklung besteht in der Selbstverständigung, Auseinandersetzung und Vereinigung von Kulturinteressen der Menschheit gegen das Kapital und seine Krieger.

s.a.

=> Sozialismus

=> Anarchosyndikalismus

siehe hierzu auch "Probleme des Marxismus"

zitatup5e2a1a3c Arbeitslosigkeit
zitatup5e1a2a1a
Arbeitstag
zitatup5e2a3a Arbeitskraft und Kapital
zitatup5e3a1 Arbeitsquantum
Erlautup1a1a1 Arbeit als Agitationsbegriff
quelleup1a1a Arbeiterbewegung und Kritik
audioup1a2e1a1a3a2
Probleme des Marxismus I
Gothaer Programm
audioup1a2e1a1a3a1a Probleme des Marxismus II
Lenins Staatsbegriff
audioup1a2e1a1a4a1 Interview Probleme des Marxismus
 

Arbeitsgeld

Die Verwandlung von Lohn in Arbeitsgeld ist eine Vorstellung, das Geld dadurch zu humanisieren, dass sein Maß unmittelbar auf individuell veräußerte Abeit zurückgeführt wird. Das Geld, welches durch seinen Preis gesellschaftlichen Wert darstellt, soll zum Maßstab des individuellen Wertmaßes werden, also auch des individuellen Vermögens und Willens, worin es dann bemessen ist. Es ist eine Traumvorstelung des bürgerlichen Individuums, sich als allgemeines Maß und allgemeinen Willen dadurch veräußern zu können, dass dieses Maß anderen abverlangt wird. Diese Vorstellung ist daher auch so alt wie das Bürgertum. Marx hatte dies schon früh an dessen Ökonom John Gray dargestellt.

„Die Lehre von der Arbeitszeit als unmittelbarer Maßeinheit des Geldes ist zuerst systematisch entwickelt worden von John Gray. Er lässt eine nationale Zentralbank vermittelst ihrer Zweigbanken die Arbeitszeit vergewissern, die in der Produktion der verschiedenen Waren verbraucht wird. Im Austausch für die Ware erhält der Produzent ein offizielles Zertifikat des Werts, d.h. einen Empfangsschein für so viel Arbeitszeit, als seine Ware enthält, und diese Banknoten von 1 Arbeitswoche, 1 Arbeitstag, 1 Arbeitsstunde usw. dienen zugleich als Anweisung auf ein Äquivalent in allen anderen in den Bankdocks gelagerten Waren. Das ist das Grundprinzip ... Die Produkte sollen als Waren produziert, aber nicht als Waren ausgetauscht werden. Gray überträgt einer Nationalbank die Ausführung dieses frommen Wunsches. Einerseits macht die Gesellschaft in der Form der Bank die Individuen unabhängig von den Bedingungen des Privattausches und andererseits lässt sie dieselben fortproduzieren auf der Grundlage des Privattausches.

Die innere Konsequenz indes treibt Gray, eine bürgerliche Produktionsbedingung nach der anderen wegzuleugnen, obgleich er bloß das aus dem Warenaustausch hervorgehende Geld ‚reformieren’ will. So verwandelt er Kapital in Nationalkapital, das Grundeigentum in Nationaleigentum, und wenn seiner Bank auf die Finger gesehen wird, findet sich, dass sie nicht bloß mit der einen Hand Waren empfängt und mit der anderen Zertifikate gelieferter Arbeit ausgibt, sondern die Produktion selbst reguliert. ...

Was bei Gray versteckt und vor allem ihm selbst verborgen bleibt, nämlich dass das Arbeitsgeld eine ökonomisch klingende Phrase ist für den frommen Wunsch, das Geld, mit dem Geld den Tauschwert, mit dem Tauschwert die Ware, und mit der Ware die kapitalistische Form der Produktion loszuwerden, wird geradezu herausgesagt von einigen englischen Sozialisten, die teils vor, teils nach Gray schrieben.

Herrn Proudhon aber und seiner Schule blieb es vorbehalten, die Entwertung des Geldes und die Himmelfahrt der Ware ernsthaft als Kern des Sozialismus zu predigen und damit den Sozialismus in ein elementares Missverständnis über den notwendigen Zusammenhang zwischen Ware und Geld aufzulösen.“ K. Marx, Kritik der Politischen Ökonomie, MEW 13, 66 - 68.

s.a.

=> Geld

Arbeitskosten

Arbeitskosten sind der Geldwert des Kapitalvorschusses in die Produktion, also die Geldform für den Arbeitsaufwand (Rohstoffe, Arbeitskraft, Produktionsmittel, Miete usw), gleich, ob der sich wertmäßig realisiert oder nicht. Je größer die angewandte Wertmasse des Kapitals ist, desto geringer müssen die Arbeitskosten sein, mit denen sie sich reproduziert und Wert produziert, damit die Anwendung von Arbeit für das Kapital mindestens gleichen Mehrwert bildet. Das treibt die Notwendigkeit des Kapitals, sich zu konzentrieren, um zugleich durch Optimierung der Kapitalmacht (Verfügungsfähigkeit über die Arbeitswelt) die Arbeitskosten auf das äußerste Minimum beschränken zu können.

s.a.

=> Preisbildung

=> Arbeit

Arbeitskraft

Arbeitskraft ist im einfachen Sinne die natürliche Kraft der Arbeit. In der Arbeitskraft steckt alles, was im Arbeitsprozess an Sinn, Geist, Intelligenz, Vermögen, Fähigkeit, Nerv und Schweiß usw. veräußert wird. Mit dem Begriff von Kraft allerdings wird dies auch schon der Arbeit äußerlich gefasst, als ihre Wirkung, als bestimmte Wirklichkeit von Arbeit, die von ihrem Sinn schon abgesehen hat und hiervon getrennt ist. Arbeitskraft kann man als Formulierung eines äußerlichen Daseins des arbeitenden Menschen ansehen, dem die subjektiven Momente der Produktion, die Gestaltung und Ausbildung seines Lebens im Arbeitsprodukt genommen sind, der also nicht sein eigenes Leben in der Arbeit äußert, sondern äußerliches Dasein enteigneten Lebens ist. Er ist "bei der Arbeit außer sich und außer der Arbeit bei sich" (Marx). Die Trennung vom Reich der Notwendigkeit und dem Reich der Freiheit macht seine Entfremdung und seinen Schmerz aus.

Das Besitzverhältnis stellt die Arbeitskraft, welche die gesellschaftliche Bedingung für jeden Reichtum darstellt, in die Privatheit der Subsitzenz und das Kapital, welches durch gesellschaftliche Arbeit erzeugt wird, in den Genuss privater "Gewinne". Es ist dies der von Marx in seinen ökonomischen Schriften dargestellte Widerspruch von gesellschaftlicherr Produktion und privater Aneignung. Die Arbeitskraft, wiewohl für das Kapital Quelle allen Reichtums (siehe Mehrwert), kann unter den Bestimmungen des Kapitalismus für sich nur in der Selbsterhaltung tätig sein. Es liegt im Widerspruch dieser Gesellschaftsform, dass die lebendige Arbeit im Reichtum des Kapitals ihre Unterwerfung produziert und vermehrt, und daher immer wieder (je nach Krisenlage des Kapitalismus) zur Armut (siehe Arbeitslosigkeit) getrieben wird (siehe Proletariat).

s.a.

=> Proletariat

=> Arbeit

siehe hierzu auch den Text

Thesen zur Diskussion des Begriffs "flexible Persönlichkeit"

quelleup2a1 Arbeitskraft als Besitz
webup4a Was ist Arbeitskraft (Marx-Forum)
webup5a Wert der Arbeitskraft (Marx-Forum)
zitatup5a1a1 Arbeit und Eigentum
zitatup5e2b1a Arbeitslohn
zitatup5e2a1a2a Arbeitslosigkeit
zitatup5e1a2a2 Arbeitstag
zitatup5e2a4 Arbeitskraft und Kapital
zitatup5e2a2a Arbeitskraftverwertung als GW
statist2up3f1 Arbeitskraft pro Arbeitsleistung
statist2up3a1c Arbeitsvolumen und Umfang
statist2up3b3a Arbeitsleben in der Bilanz
statist2up3c1a Arbeitsplatzeinsparung (Automation)
statist2up3d1a Arbeitsproduktivität
statist2up3e1b Arbeitsvolumen zu Wachstum
 


 

Arbeitslohn << Weiterleitung zu ARBEITSL

Arbeitslosigkeit << Weiterleitung zu ARBEITSL

Arbeitsstruktur

Die Arbeitsstruktur ist die funktionale Zusammensetzung der veraschiedenen ökonomischen Arbeitsinhalte (Produktbildung, Verwaltung, Dienstleistung, im einzelnen auch Arbeit an Gesundheit, Lebensmittel, Wohnung, Boden, Tierzucht usw.). Sie hat richtet sich nach der Notwendigkeit der Märkte eines umschriebenen Wirtschaftsraums (Zirkulation von Arbeit und Lebensmittel), wie sich diese abgerenzen und erweitern und orientieren.

In Deutschland hat sich die Arbeitsstruktur seit dem Ende des zweiten Weltkriegs von einer Industriegesellschaft zu einer Dienstleistungsgesellschaft entwickelt. Das bedeutet, dass die Mehrzahl der Arbeiten in diesem Land nicht mehr aus Landwirtschaft und Industriearbeit sich zusammensetzt, siondern aus Dienstleistungen. Dies weist darauf hin, dass sich das Land nicht aus einem Arbeitsleben heraus gestaltet, welches wesentlich durch den Stoffwechsel bestimmt ist, sondern durch Verwaltung, Werbung, Dienste und Gefälligkeiten (Ereignisproduktion, Kulturkonsum), die sich eher aus Geldbesitz und den Verhältnissen darin ergeben. Dies setzt voraus, dass der Stoffwechselbedarf weitgehend auf internationalen Märkten gedeckt wird und das Geldvermögen sich aus der Kapitalposition auf diesen Märkten (siehe Devisenmarkt) bildet (z.B. durch die Wertstellung von Maschinenexporten).

s.a.

=> Arbeit

siehe hierzu auch den Text

Thesen zur Diskussion des Begriffs "flexible Persönlichkeit"

statist2up12c1a Strukturwandel der Arbeit

Arbeitstag

Die Länge des Arbeitstags ist das gesellschaftlich durchschnittliche Quantum an Zeit, worin Arbeitskraft verausgabt wird, die Anwendungszeit von Arbeit pro Kraft, also pro Arbeit leistenden Menschen. Es hat diese Zeit wenig zu tun mit der tatsächlichen Produktionzeit, welche die Herstellung eines Produkts erfordert. Sie ist vor allem die Zeit der Verfügung des Kapitals über das Arbeitsvermögen der einzelnen Arbeitskräfte. Deren Quantum bestimmt sich zwar einmal organisch aus dem historischen Verhältnis von "Produktionspotential" (Menschen und Produktionsmittel wie Maschinen und Automation), zum anderen aber wesentlich aus der Verfügbarkeit von Arbeitskräften zum Preis des Arbeitstages. Wie lange arbeitende Menschen zu einem bestimmten Preis genutzt werden können, hängt wesentlich vom Arbeitsmarkt ab (z.B. in Deutschland für durchschnittlich etwa 85 Euro und in Asien für 5 Euro pro Arbeitstag). Der Preis des Arbeitstags ist also vom Arbeitsmarkt, von der Konkurrenz der Arbeitskräfte und letztlich von der Arbeitslosigkeit und der Angst hiervor bestimmt. Und dies verschafft dem Kapital die politische Macht der Verfügung über die Arbeitskraft.

Umgekehrt sind die Menschen abhängig vom Kapital selbst, insofern und solange es die gesellschaftliche Naturmächtigkeit der Arbeit, die Mittel der Produktion zu Händen hat. Die Länge des Arbeitstags bestimmt sich aus der organischen Abhängigkeit menschlicher Reproduktion und der Verfügungsmacht über die Produktion, welche sich aus dem Mehrprodukt ergibt. Solange beides in der Wertform existiert, stellt der Arbeitstag das Verhältnis der Arbeitszeiten dar, welche die Menschen zu ihrer eigenen und gesellschaftlichen Reproduktion als variables Kapital und konstantes Kapital einerseits aufwenden müssen und welche andererseits zur Herstellung eines gesellschaftlichen Mehrprodukts aufgewandt werden muss, welches sich als Mehrwert für das Kapital realisiert. Das konstante Kapital stellt hierbei die Mittel für das Kapital dar, wodurch es seinen Mehrwert vermittelst der menschlichen Arbeit schöpfen kann und wodurch es in der Form seines Besitzstands politische Macht hat (siehe Klasse).

Beides in einem macht die Länge des Arbeitstags aus: Die Reproduktionszeit der Arbeit (Reproduktion der arbeitenden Menschen und der Werkzeuge, Infrastruktur, Technologie) und die Arbeitszeit für eine darüber hinausgehende Mehrproduktion (Entwicklung des Lebensstandards und des Kapitals wie auch des Finanzkapitals), also die Entwicklung von Reichtum, den gesellschaftlichen Potenzen der Geschichte, wie auch seiner politischen Verfügungsmacht über die Menschen. Unter der Verwertungsbestimmung des Kapitals wird die Arbeitskraft als Ware behandelt und daher nur für das bezahlt, was ihre Reproduktion kostet. Es selbst behält einen Teil des Arbeitstags als unbezahlte Arbeit, deren Wert es verwendet zu eigener Akkumulation oder der Erweiterung seiner politischen Macht (siehe Grundrente) oder Spekulation (siehe fiktives Kapital).

In der Bestimmung des Arbeitstags steckt der Kampf um die Verfügung über das Leben als Verhältnis von Freizeit und Arbeitszeit, also von Freiheit des Subjekts und Notwendigkeit der Arbeit. Der Arbeitstag zerfällt vom Standpunkt des gesellschaftlichen Subjekts, also der organischen Produktion einer Gesellschaft, in drei notwendige Teile: Der Zeitabschnitt, welcher zur Reproduktion der Bevölkerung nötig ist, der Zeitabschnitt, welcher für das wirkliche Mehrprodukt (gesellschaftliche Entwicklung des Reichtums) nötig ist und der Zeitabschnitt, welcher alleine durch die Ausnutzung der Arbeitkräfte und -mittel einen Wert erbringt, der alleine in die Entwicklung des Kapitals, also die Entfaltung seiner politischen Macht eingeht (Zirkulierendes Kapital, Grundrente, "freies" Aktienkapital). Vom Standpunkt des Produktionsprozesses ist kapitalseitig die Herstellung des Mehrprodukts und der politischen Macht des Kapitals identisch und wird als Mehrwert zusammengefasst. Der Unterschied von Mehrprodukt und Mehrwert tritt erst auf der Ebene der Revenue der Besitzverhältnisse zutage als das Verhältnis der Besitzer der Arbeitskraft (mit dem Wertanteil des variablen Kapitals), der Besitzer von Anwendungskapital (mit dem Wertanteil des konstanten Kapitals) und der Grund-, Haus- und Wohnungseigentümer (siehe Grundeigentum).

In dem Maß, wie das Kapital seine politische Macht über die Arbeit als Verfügung (Besitz) über die Arbeitsmittel (Arbeitskräfte, Werkzeuge usw.) existentiell als Zeitverhältnis von Reproduktionszeit und Mehrwert bestimmen kann, wird sich abstrakt menschliche Arbeit als Quantum unbestimmter Arbeit in der Länge des Arbeitstags als Anteil der Mehrwertproduktion durchsetzen, soweit sich das Besitzverhältnis des Kapitalismus politisch erhält, also die politische Verfügung des Besitzers der Produktionsmittel über die Besitzer der Arbeitskraft besteht. Der Klassenkampf besteht letztlich nur im Kampf um die Länge des Arbeitstags. Er ist die wirkliche und praktische Kritik der politischen Ökonomie. Das Kapital schlägt zurück durch die Vergrößerung der Arbeitslosigkeit durch Kündigungen - solange es dies kann, ohne seine Krise zu verschärfen (siehe auch Armut).

Innerhalb des Kreislaufs der Reproduktion (variables Kapital), sofern sie überhaupt noch innerhalb eines Kulturraums besteht, wird nicht in Lohnkämpfen (siehe Arbeitslohn) oder anderen ökonomischen Kämpfen (z.B. Sozialabgaben oder Steuern) die politische Macht des Kapitals wirklich bekämpft, sondern nur im Kampf um die durchschnittliche Arbeitszeit (Arbeitstag, Wochenstunden, Rentenzeit). An der Verfügung über die Länge der notwendigen Arbeitszeit bestimmt sich alles, was im Kapitalismus ökonomisch und politisch entwickelt wird: Die Rate des relativen Mehrwerts, der Anteil am gesellschaftlichen Reichtum, die Kosten der "Soziallasten" usw. An ihm bestimmt sich nämlich, welche Menge an Arbeitszeit (= Wert) der arbeitende Mensch für sich und seine Reproduktion arbeitet und welche Mengen für den Mehrwert, den sich das Kapital tatsächlich (also nicht nur scheinbar) ohne Rückfluss in die Produktion aneignen kann und damit seine Macht über die Arbeit vergrößert.

Es ist nicht gleichzustellen, dass, wer mehr Lohn erhält, auch länger arbeiten kann, oder, wer höhere Lebenserwartung hat, auch mehr für seine Rente arbeiten müsse. Die wichtigste Erkenntnis aus dem Wertgesetz ist die, dass sich alle Wertverhältnisse nur wirklich auf das abstrakte Arbeitsquantum, auf menschliche Arbeitszeit beziehen und sich hieran und erst im Nachhinein der Preis entwickelt, der das Geldquantum ausdrückt, das zwischen Lohntüte und Einkaufstasche bewegt wird. Lohnkämpfe sind nur ein Feilschen um einen vorübergehenden wertmäßigen Anteil am Mehrprodukt, der vom Kapital durch Erhöhung der Einkaufspreise wieder schnell eingeholt wird. So bleibt in Wirklichkeit nur der Kampf um die Arbeitszeit, also der Kampf um die Freizeit und Rentenzeit, der wirkliche Kampf gegen die Wertveräußerung an das Kapital, gegen die Potenzierung toter Arbeit gegen die lebendige.

Es war Lenins Dilemma, dass er diesen Kampf nicht führen konnte, da er das zu tun hatte, was der Kapitalismus längst getan hatte: eine Industrie aufzubauen. Darin lag schon der Widerspruch der Sowjetrepublik, die eher den fleißigen selbstlosen Arbeiter herauszustellen hatte, als den an Freizeit reichen Genießer seiner Produkte.

Jenseits der Arbeit, die unter der Ruprik "Beschäftigte" vermarktet wird, gibt es die der Selbständigen (neuerdings auch Ich-AG). Für sie hat die Länge des Arbeitstags eine positiv konstitutionelle Funktion in der Konkurrenz der Selbständigen. Hier treibt die Selbstausbeutung aus Existenznot zu einer Arbeitszeitdauer, die auf dem gewöhnlichen Arbeitsmarkt nicht erreicht würde. Das kommt von der Zwischenstellung des Selbständigen als Nutzer, Gewinner und Verlierer der Technik, welche die Maschinen poduzierende Industrie durch Preise, Lebensdauer und Innovationswechsel ihrer Produkte bestimmt. Der Selbstausbeuter kann als unglücklicher Zwischenmensch Kapital nicht mehr unmittelbar bekämpfen, weil er keine Grenze für seinen Arbeitstag haben kann. Er erscheint sich selbst als Objekt und Subjekt seiner Ausbeutung und letztlich auch seiner Zerstörung. Wenn er nicht mehr auf dem Markt ist, so wird er ja nicht arbeitslos; - er geht als Person des gesellschaftlichen Lebens unter. Die Tendenz, alle Menschen unmittelbar der Konkurrenz auszuliefern, ist das Interesse des modernen Krisenmanagements. Dies setzt voraus, dass im Arbeitsprozess keine Menschen mehr koordiniert werden müssen, entspricht also hauptsächlich den Arbeitsbedingungen der Dienstleistungsgesellschaften. Aber auch die Arbeit, welche einen Teil der Produktmontage besorgt (z.B. Heimarbeit, Kleinbetriebe, die vom Outsourcing leben), gehören hierzu. Deren Kampf um die Länge des Arbeitstages lässt sich durch die Zersplitterung der Arbeitsstrukturen nicht mehr führen, weil sich ihre Arbeit nicht organisieren lässt, und daher unmittelbar der je einzelnen Konkurrenz der Arbeitskräfte oder Kleinstunternehmen unterliegt. Dies macht tradierte Organisationsformen des Klassenkampfes (z.B. Gewerkschaften) zum Teil hinfällig. Hier wird die Selbstausbeutung durch die technische Entwicklung und deren Finanzierung durch die Selbstausbeuter vorangetrieben und weit überdurchschnittliche Arbeitszeiten zur Maschinenfinanzierung vernutzt, die erst auf der Ebene der Maschinenhersteller und Banken sich in Mehrwert verwandeln, sofern dessen Realisierung noch möglich, seine Verwertung also noch real ist. Das wirft das Problem auf, dass nicht nur die Reproduktion der Arbeitskräfte die Werte der Konsumtion bestimmen kann, sondern auch die Konsumtion selbst Wertwachstum bilden muss. Innerhalb kleiner und lokaler Märkte ist dies kaum möglich, da diese von den Reproduktionskosten bestimmt sind. Hier würde Konsumsteigerung unmittelbar die Reduktion von Mehrwert bedeuten. Die Konsumentfaltung geht nur auf einem globalen Markt des frei zirkulierenden Kapitals, weil alleine bei breiter Marktstreuung noch Mehrwertrealisierungen durch Konsumtion möglich sind und vor allem: Weil die Kulturunterschiede das Konsumpotential für neue Absatzmärkte sind. Dies zeigt sich als aggressives Verhältnis der Kapitalmächte gegen die Kulturgewohnheiten anders entwickelter Länder und Völker. Auf der Konsumseite muss der Kampf gegen die Kapitalisierung der Märkte als Verteidigung von Kultur geschehen (siehe hierzu auch Tittytainment), als Verweigerung der Marktbeteiligung.

Bei den modernen Formen des industriellen Kapitals, besonders durch die direkte Ausbeutung fremder Wertverhältnisse durch Transnationale Konzerne, kommt zwischen Löhntüte und Einkaufstasche der Devisenmarkt als Ausbeutungsform gegenüber den armen Ländern hinzu (siehe Fremdarbeit). Hierbei wird ein Kulturgefälle selbst noch Medium der Verwertung, indem sich tatsächlich der Unterschied der Löhne als Kapitalbildner wirksam macht. Was die Menschen der Dritten Welt für 2 Dollar pro Tag alles tun, ist nicht für Produkte, die sie selbst brauchen und nutzen - sie sind für eine andere Kultur und die Arbeit im Zusammenbau fremder Gebrauchsteile wird zu einer unmittelbaren Ausbeutung des betroffenen Kulturkreises, der im konstanten Kapital nur verschwindend klein verrechnet wird. Von da her erscheint hier der Kampf gegen das Kapital als Kulturkampf; d.h. er ist ein Klassenkampf gegen fremde Kultur, der das Kapital meint.

s.a.

=> Arbeitszeit

=> Freizeit

=> Arbeiterbewegung

zitatup5f2a Ausbeutung und Arbeitstag
zitatup1c3b2a Freiheit und Notwendigkeit in der Arbeit
zitatup5e2b Arbeitslohn
zitatup5e2a1a3a1 Arbeitslosigkeit
zitatup5e1a1 Arbeitstag
zitatup1c3c2a Mehrwert und Arbeitstag
zitatup1c3a2a1 Mehrwertbildung
zitatup5f4a1 Arbeitszeit und Mehrwert
statist2up9a1 Freizeitpark Deutschland
statist2up3b2a1 Arbeitsleben in der Bilanz
quelleup2b1a Arbeit und Kunst
Erlautup1a1a2 Arbeit als Agitationsbegriff
 

Arbeitsteilung

zitatup1c3k1a Teilung der Arbeit
zitatup5f1a Arbeitsteilung Mann und Frau
 

Arbeitsvolumen