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Ästhetik meint vom Wortursprung her (griechisch: Aisthesis) Wahrnehmung als bestimmtes Verhältnis des Menschen zu seinen Lebensgestaltungen und zum Menschsein als Lebensausdruck. In vielen Theorien zur Ästhetik wird dies als besondere Form der Wahrheit angenommen, als ideales Maß ihrer Wirklichkeit angelegt. In der Auffassung ihrer Wahrheit, in der Wahrnehmung ihrer Leibhaftigkeit wird darin Empfindung zu einem Gefühl für sich bestimmt, für das reine Dasein des Lebens in seiner leibhaften Gestalt an sich. Ästhetik wäre demnach das Wahrnehmungsverhältnis des Menschen zu sich wie es durch ihn bestimmt ist, Wahrnehmung seiner selbst als unmittelbare Selbsterkenntnis im Selbstgefühl als Mensch und Gattungswesen, Wahrnehmung seiner Wahrheit als allgemeine Form von sich, wie sie auch in anderen sein kann. Sie wäre Wahrnehmung als unmittelbare Form eines Verhältnisses in der Wahrheit seiner Gestaltung, selbst also unmittelbar. Ästhetik wäre gleichbedeutend mit Selbstverwirklichung. Aber auch jenseits solcher Selbstbezogenheiten ist Ästhetik schwer zu begreifen. Immerhin macht sie einen Großteil unserer Wahrnehmungen her. Viele "großen Gefühle" haben damit zu tun und kein Werk der Medien kommt ohne sie aus. Ihr wird ein Wesen zugesprochen, das von hohem Wert ist. Sie soll die Wahrnehmung menschlicher Identität arttikulieren, welche sich durch ihren Gegenstand mitteilt und darin eine gegenständliche Wahrheit hat, in welcher sich Selbstgefühl vermittelt. So genommen wäre Ästhetik nicht nur Wahrnehmung, sondern auch Erkenntnis - oder einfach die Wahrheit einer bestimmten Beziehung an sich, Liebe, Hass, Freude, Trübsal usw. als komplexe Stimmung für sich. Ästhetik gewinnt sicherlich vor allem hieraus ihren Inhalt, ihre Kraft und Erregung und wird von daher auch zu allerlei Zwecken (z.B. Werbung und Design) genutzt. Bilder können aber nur erregen, weil und wenn Menschen darin ihre Regungen erkennen, weil sie also ihre Lebensäußerung hierbei in der Wahrnehmung als bestimmtes Leben wahrhaben. Aber sie erregen nicht als Bilder, Töne, Erleben usw. an sich, sondern durch dem Eindruck, den sie machen und hinterlassen. Und der begründet sich nicht nur aus der Wahrnehmung als solche, sondern auch durch das, was ein Mensch dabei wahrhat. Der tollste Braten macht keinen Eindruck, wenn man satt ist, das schönste Bild wird schal, wenn es von Schönheit umstellt ist. Ästhetik kann daher immer nur eine bestimmte Wahrnehmung meinen, eine Wahrnehmung, die einen Reiz hat, weil sie durch Reize in einer bestimmten Situation beeindruckt hat. Aber es ist auch nicht der Reiz selbst, der Wahrnehmung ästhetisch macht. Derselbe Eindruck, der positiv reizt, kann unter anderen Bedingungen negative Wirkung auf die Wahrnehmung haben. Und dieselbe Wirkung können auch völlig unterschiedliche Reize verursachen. Derselbe Mensch wirkt ästhetisch auf andere völlig verschieden und die verschiedensten Menschen können auf eine ähnliche Art reizvoll sein und irgendwann auch langeweilen. Ästhetik hat keine bestimmte Wahrnehmung, sie ist dies. Und als dieses ist sie die Wahrheit des Wahrgehabten in der Wahrnehmung. Dafür gibt es kein Maß und keine äußere Beziehung. Etwas Schönes kann sich als hässlich erweisen, wie etwas Häßliches auch schön sein kann, wenn es in dem anders wird, worin es wahrgehabt wird. Ästhetisch ist beides nur durch seine Wahrheit. Aber Ästhetik hat für sich keinerlei Wahrheit. Daher kann sie nicht als solche wirklich erkennend sein. Es gibt keine Hässlichkeit, keine Schönheit an sich, keine Regung, die für sich bestimmbar wäre, ohne dass sie durch menschliche Gestaltungskraft erzeugt wäre und nur durch menschliche Gegenwart wahr sein könnte, keine Häßlichkeit, Schönheit oder Güte, wenn darin nicht menschlicher Sinn verwirklicht und auch wirklich gegenwärtig wäre. Ästhetik hat keine eigene Substanz, dass sie zum Substantiv taugen könnte - sie ist vollständig relativ. Als Ganzes wäre sie ohne Aussage, könnte alles sein: Liebe, Begehren, Aufstand, Gebrechen, Horror, Schmerz und Hass, wenn dies denn schon alleine in der Wahrnehmung rein und wahr sein könnte, ohne Geschichte und Herkunft und Tätigkeit. Dies könnte doch nur selbst als Lebensäußerung unmittelbar wirklich und wahr sein und bedürfte keiner eigenständigen Reflexion als Wahrheit für sich. Ästhetik unterstellt also im gewöhnlichen Wortgebrauch schon einen Standpunkt, eine eigene Beziehung zur Wahrnehmung. Was Menschen tun, das wollen sie meist auch gut tun, nicht darin verwirren, abbrechen oder zerstören. Für die Vollendung ihrer Gestaltung wird oft der Begriff des Ästhetischen verwendet. Vielleicht wäre der Begriff unnötig, aber er würde bezeugen, dass etwas ungebrochen vollendet ist, schön durch sich und die Menschen, die sich darauf beziehen. Aber das griechische Wort hierfür gibt es vor allem, wein diese Beziehung in der Philosophie verabsolutiert worden war. Namentlich das Bildungsbürgertum hatte daraus eine besondere Daseinsbegründung gewonnen: Ästhetik als "Lehre von der Schönheit". Dieser Standpunkt wurde im 18. Jahrhundert zu einer eigenen philosophischen Disziplin, ursprünglich als Hinwendung zur Klassik des Schönen, später als Wahrnehmungstheorie, welche die Zeichensysteme von Kunst, Design und Sprache interpretierte. Für Adorno war sie das dialektische Moment der Kunst, worin sich der "sinnliche Rest der Natur" als Beweggrund menschlicher Empfindungen gegen die Zumutungen und Zufügungen der Verblendungen und Verdummung verhält, gegen die begrifflichen Totalitarisierungen der Aufklärung und die Interessen der Kulturindustrie (siehe Negative Dialektik), als Wunde, die nach Heilung, nach Lebensänderung verlangt. Ästhetik wäre demnach eine Gewissheit der Wahrnehmung, die sich auch als Wissen um das Schöne, als Wissenschaft darstellen ließe. Das sogenannte Schöne aber kann nichts wirklich anderes sein, als das Gesicht der Wahrheit, ihr unmittelbarer Lebensausdruck, welche Liebe wie Hass sein kann. Aber als Wissenschaft müsste es doch etwas anderes sein, wenn es vor allem um das Schöne und Gute und weniger um das Hässliche geht. In der reflektierten Wahrnehmung wird Ästhetik formalisiert, ihre Wahrheit nur genommen und als verselbständigte Erkenntnis dessen, was sie wahrhat, als ihre Erkenntnistheorie fixiert. Von daher besteht Ästhetik in der Reflexion vor allem aus der Bewertung von Wahrnehmung, also immer schon auch als politisches Verhalten zu ihr, als verbrämtes Nutzungsinteresse des Wahrgehabten, Ideologisierung der Gefühle, die sie thematisiert. Eine Wissenschaft der Ästhetik kann daher nur selbst kritisch sein, muss als Kritik der politischen Ästhetik begriffen werden, die sich vom Standpunkt des sich äußernden Lebens an ihrem Gegenstand interessiert. Von da her kann sie nur analytisch vorgehen, befragen, was der Grund von Widersinnigkeiten der Lebenserscheinungen ist. Das Leben selbst kann nicht widersinnige sein; wir könnten dies als lebende Menschen nicht erkennen. Es würde Erkenntnis selbst ausschließen, weil auch diese nur widersinnig sein könnte, ohne widersprüchlich zu sein, bloßer Irrsinn ohne Schmerz und Leiden. So lässt sich also auch Leben nicht unterscheiden als richtiges oder falsches Leben, denn Leben selbst kann nicht falsch oder richtig sein; es kann mit seiner Form in Widerspruch geraten, der eine Notwendigkeit der Geschichte aufwirft, weil dieses immer einen Anachronismus darstellt. Aber dass es "kein richtiges Leben im falschen" (Adorno) gebe ist bloße Theologie, impliziert den Glauben an eine übermenschliche Lebenswahrheit, die nicht wirklich ist. Dies lässt sich am ehesten als notwendigen Gegenstand der Ästhetik fassen, denn es macht auch den Widerspruch des Wahrnehmens selbst aus. Wahrnehmung unterstellt ihre Wahrheit in dem, was sie wahrhat. Widersprüchliche Wahrnehmung gerät hierin in Zweifel und von daher in Not. Wahrnehmung wird dadurch ästhetisch, dass sie sich hiergegen verselbständigt, dass sie allgemein zur ästhetischen Wahrnehmung bestimmt wird, dazu, dass das Erscheinende zur Allgemeinheit einzelner Wesenhaftigkeit genommen wird, zur Bestimmung des Einzelnen als unmittelbar allgemeines Wesen (siehe politische Ästhetik). Die Wahrnehmung wird hierdurch selbst unmittelbar zum allgemeinen Wesen gemacht, das Wahrgenommene zur Wahrheit. Ästhetik als theoretiosches Verhalten zur Wahrnehmung setzt aber auch deren wirkliche Selbständigkeit als Form für sich, als Formbestimmtheit voraus, zugleich auch deren Eigenheit als selbständig Eigenes außer sich. Ästhetik ist die Selbstwahrnehmung als gänzlich Anderes, die Fremdwahrnehmung der Selbstwahrnehmung, Körperform ihres Außer-Sich-Seins. Sie ist die Liebe zu Ihresgleichen als entfremdete Beziehung auf sich selbst. Dem vorausgesetzt ist die entwickelte bürgerliche Kultur als abstrakter Sinn in der Abtrennung von menschlichen Bedürfnissen. Wird Ästhetik nur als ein Begriff für Schönheit genommen, so wird ihm ein objektives Vermögen zugeordnet, Schönheit als solche, unabhängig von der wirklichen Subjektivität des Wahrnehmens, erkennen zu können als eine objektive Gesetzmäßigkeit des Wohlgefallens (z.B. der "Goldene Schnitt", die Harmonienlehre). Diese lässt sich meist schnell auf die Gesetzmäßigkeiten von Gewohnheiten zurückführen (z.B. entspricht der "Goldene Schnitt" den wesentlichen Proportionen des menschlichen Körpers) und hat mit Schönheit im eigentlichen Wortsinn nichts zu tun. Die kann es für die Menschen nur in der Wahrnehmbarkeit von Leiden und Leidenschaft, Ausdruck der Sinnlichkeit von Menschen, wie sie auch sachlich in der Lebensvielfalt ihres Reichtums ist. Doch das Schöne ist in der Ästhetik als Form für sich, also Schönheit als Form, die sich durch ihr bloßes Dasein als das Schöne bestimmt, ohne unbedingt wirklich schön zu sein, als Eigenschaft der schönen Form. Es ist von daher die Schönheit einer Formbestimmung, Schönheit, die nur für anderes ist, nicht eigen sein muss. In der Ästhetik ist die Beziehung auf sich selbst als Form zu eigen, die Fremdes als Eigenes vermittelt. Im Fremdwort selbst ist schon mitgeteilt, dass Schönes hier nicht unmittelbar zu verstehen ist, sondern die Vermittlung selbst in ihrer Scheinhaftigkeit für sich zu verstehen ist. Schönes kann nur unmittelbar sein, und deshalb ist Ästhetik der unmittelbare Anschein einer widersprüchlichen Bezogenheit, die als eigene Wesenhaftigkeit empfunden, in einer besonderen Sensibilität für ein Wesen, das nur in der Wahrnehmung selbst erscheint, wahrnehmbar ist. Darin ist das Schöne vollständig abgetrennt von einer wirklichen Beziehung auf anderes und also auch selbständig gegen jegliche Form der Nützlichkeit. Gegen die Welt der nützlichen Dinge, womit sich die Ökonomie befasst, setzt sich die Ästhetik als Empfindungswissenschaft, die sich einer hiervon abgetrennten Wesenhaftigkeit des Wahrnehmens widmet, wie sie selbständig nur in der Kultur sein kann. Nach der Seite der Kultur werden die Dinge, welche produziert werden, ja auch nach dem "Gesetz der Schönheit" (Marx) erzeugt. Müssen sie von ihrer wirtschaftlichen Seite her auch nur nützlich sein, so sind Dinge eben doch auch schön, besonders die Werke, welche als Kunstwerke gelten. In der bestehenden Gesellschaft (siehe bürgerliche Gesellschaft) kann Kunst nicht nützlich sein, weil Nützliches nur der Vernutzung dient. Daher hat Schönheit immer noch eine Eigenständigkeit, die getrennt ist von der Sachwelt, so, wie sie ja auch - so ist die Geschichte der Kunst - sich aus dem Reich der Gottheiten den Menschen genähert, sie aber noch nicht vollständig, d.h. gesellschaftlich erreicht hat. Ästhetik beruht auf der Notwendigkeit, sich eine Form zu geben, dem Inhalt einen Ausdruck zu verleihen, der wahr sein will. Aber sie beruht auf der Gegebenheit von Formen und reflektiert sich auch darin als bloßer Wille (siehe ästhetischer Wille). Die Güte der Form ist eine Bewertung, die allerdings ohne gute Formen nichts zur Grundlage hätte. Wäre Ästhetik Form, die Inhalt hat, wäre Inhalt selbst als Form da. Ein Dasein als Schönheit kann so nicht Inhalt sein, es reflektiert die gesellschaftliche Abgetrenntheit des Daseins schöner Dinge. Schönheit bedeutet hier: In ihrer Isolation sollen die Dinge für sich ganz sein. Im Ganzen, also als ganze Form gibt es kein bestimmtes Dasein. Sein kann nichts Ganzes, sein kann nur alles. Ästhetik setzt daher einen Inhalt als Dasein einer Form, gibt sich als Form die Güte des Allgemeinen ohne Wesen, der wesenlosen Allgemeinheit. Von daher ist sie die Oberfläche aller Verhältnisse der Wahrnehmung, wie sie für sich erscheint, die Oberflächtlichkeit der allgemeinen Selbstwahrnehmung schlechthin (siehe Systematik der Kultur Teil 3). Form, die einfach ist, einfaches Sein eines Inhalts, hat einfache Wahrheit. Man mag sie schön finden, auch empfinden, dass Dinge solcher Form schön sind, aber eine Empfindung von Schönheit kann nur der Befund und die Befindlichkeit ihrer Güte, gesellschaftliche Bewertung sein. Ästhetik reflektiert so Zeitgeist (siehe auch Selbstverständnis) und Zeiträume (siehe auch Mode), die nicht unbedingt schön sind, z.B. durchaus auch pervers sein kann. Aber Ästhetik als Kunst verstanden ist auch eine Form von Authentizität, vereinzelte Wahrheit. Hierin formuliert sie sich gegen Fremdes, Verfremdung, Entfremdung, Täuschung, Kitsch usw.. Darin ist die Abtrennung der Kunst, wie von Adorno als ihre Wunde begriffen, notwendig und schmerzhaft bewahrt. In dieser geht die bürgerliche Kultur solange auf, solange sie in Kauf genommen wird (siehe Scham). Aber die Täuschung, die solch abgetrennte Wahrheit auch notwendig birgt, lässt sich nur verkaufen, wo sie Nutzen hat. Solcher Nutzen von Schönheit hebt sie unmittelbar auf. Authentizität ist also auch unmittelbar Selbstverlust, so sie sich nicht in Gesellschaft begibt und sich dort in ihrer Bewahrheitung verliert. Ästhetik ist schließlich auch eine Theorie der Empfindung, die sich im Zweifel ihrer Gefühle im ästhetischen Verhalten notwendig gemacht hat: Wie wahr ist das, was wir sehen, hören, riechen, fühlen, finden und achten? Brauchen wir Verstand, um das zu "entscheiden", Vernunft, um es zu durchdringen, oder ist es die Kunst, durch die wir es schon zweifelsfrei leben könnten, würden wir unsere Gefühle über jeden Zweifel erhaben ausdrücken können? Ist unser Zweifel selbst nur einfach ein Mangel durch uns, durch unsere Vernunft, die uns nicht verzweifeln, dafür aber auch niemals wahrhaft sein lässt (Nietzsche), weil uns unsere Gefühle Urgründe (s.a. Archetypen) offenbahren, die wir nicht leben könnten, würden wir uns nicht fortwährend selbst verstellen und entstellen? Oder steckt in diesem Zweifel die Negation der Welt, die selbst nur Schein ist, Fetisch des Banausen, dem wir uns widersetzen sollten, um unsere Kritik aus unserer Empfindung der Welt als unsere Erkenntnis zu leben, dass diese Welt nichts ist (Adorno), wir in unserer Empfindung das Anderssein der neuen Welt haben (siehe Negative Dialektik) und sie im Verhalten gegen die Fetische dieser Welt auch schon erzeugen?. Was auch immer. Ästhetik will die Gewissheit einer schönen Form sein, sei es als Empfindung oder als Wissen oder als Theorie. Für sich ist Form nichts ohne Inhalt. So wäre auch Schönheit nichts, wäre sie nicht Vergegenständlichung des Menschen selbst, Verhältnis des Menschen zu sich als sich erzeugendes und bezeugendes Wesen durch sein Produkt. "Das Tier formiert nur nach dem Maß und dem Bedürfnis der Spezies, der es angehört, während der Mensch nach dem Maß jeder Spezies zu produzieren weiß und überall das inhärente Maß dem Gegenstand anzulegen weiß; der Mensch formiert daher auch nach den Gesetzen der Schönheit.“ (MEW EB I. S. 516 f.). Schönheit selbst könnte keinen eigenen Sinn haben, so sie nur ist, was der Welt in der Produktion menschlichen Reichtums gegeben. Als einfache wahre Form eines Sinns, als Gegenstand menschlicher Sinnlichkeit, wäre es nur einfache Form. So wird auch gerne hierüber reflektiert, als gäbe es die allgemeinen Formen des Menschseins schon wirklich, wenn auch nicht unbedingt überhistorisch, wohl aber so allgemein, wie z.B. die allgemeinen Zusammensetzungen von Speisen aus Süßem, Saueren usw.. Überall in der Kultur gibt es Phänomene, die so allgemein sind, dass es scheint, als könne man von ihrer konkreten Geschichte und Gesellschaft absehen. So wurde z.B. die Regel des "Goldenen Schnitts" in allen Westkulturen gleichermaßen bis in die 80ger Jahre als goldene Regel der Grafik gelehrt und dazu gewusst, dass sie angenehm empfunden wird, weil sie die Proportionen des menschlichen Körpers widerspiegele. Ähnliches gibt es in der Farblehre im Verhältnis von Farben. Doch seitdem gegen alles Wohlstrukturierte die Dissonanzen als "höhere Wahreit" im Vergleich zum Harmonischen wohl gelittener sind als Wohlbehagen, haben sich solche Regeln eher in ihr Gegenteil verkehrt (siehe auch Dekonstruktivismus). Schönheit als solche, als gesellschaftöliche Übernatur der Produkte, gibt es also nicht. Die Mode selbst zeigt den Wechsel, in welchem sie sich zeigt in äußersten Extremen, denen nur noch allgemein zukommt, dass Menschen sich nun mal mehr oder weniger was anziehen. Wollten sie dabei nicht mehr auch noch anziehend sein, so wäre auch Mode schon obsolet. Schönheit, ob Hochkultur oder Mode kann es nur für den geben, der sich darin mit eigenem Sinn oder auch nur mit Eigensinn reflektiert. In dieser Form gibt es Schönheit nur durch die Getrenntheit des Ausdrucks vom Eindruck, den Menschen oder Dinge machen. So gibt es zwar keine Lehre von der Schönheit, jedoch Gedanken hierzu, ist doch gerade in der Kultur allerorten wohl zu vernehmen, dass mit ihr und aus ihr viel gemacht wird (siehe z.B. auch das ästhetische Urteil). Schönheit ist in der Kultur nicht nur Form als Ausdruck eines Inhalts oder Mittel für zwischenmenschliche Beziehungen oder Substanz von gesellschatlichen Gewalten (z.B. Volkskörper), sondern auch Sache, die als etwas gezeigt werden muss, als was sie nicht durch sich ist: Design. Ästhetik ist ein allgemeiner Begriff für alle solche Bedeutungen. So allgemein gilt dann auch: Was schön ist, muss nicht unmittelbar ästhetisch sein. Aber was ästhetisch ist, muss auch schön sein, muss zumindest mit Schönheit glänzen - sonst wäre es Kitsch. Das ist wohl auch der Grund dafür, dass es überhaupt ästhetische Theorien gibt, die Schönes erkennbar machen wollen. Ästhetik ist darin die wohl bewusste Hinterfragung der schönen Form und hat die Aufgabe, den Zweifel an ihr aufzulösen: Was ist Schein, was Form, was schöner Schein? Die ganze Palette der Erkenntnistheorien spielen sich ganz besonders in der Beantwortung dieser Frage ab. Für sich und praktisch genommen ist dies die Frage nach dem Wesen der Kunst: Ist sie Ausdruck; verschafft sie Eindruck; bietet sie Gefallen (Schmuck); verkündet sie das Unausdrückliche oder das Verborgene; verlebt sie ein Begehren; ist sie ein Schatz menschlicher Kultur, z.B. Kulturwissen, ist sie Kritik oder ist sie selbst schon Transzendenz? Entsprang es z.B. ihrer Lust an der Verweltlichung von Empfindungen, an der Verbildlichung und am Bebildern, was die Höhlenmenschen in ihre Höhlen gemalt haben und wäre das Kunst, oder war es einfach nur Lehrstoff, Bericht, Information, Mitteilung? Wann hat ästhetisches Empfinden in der Menschheitsgeschichte überhaupt eingesetzt? Viel Erkenntnis lässt sich dadurch sicher nicht gewinnen, wenn mit Mensch schon die Selbstgestaltung der Gegenstände seiner Bedürfnisse gemeint ist. Als eigenständige Welt wurde Kunst erst als Kulturgut, als Gut eigenständiger Kultur. Entstanden war Kunst aus der Gottesanbetung, aus dem Kult der Verehrung und der Notwendigkeit eines übersinnlichen Selbstgefühls, das den Menschen vermittelt werden musste: zur Teilnahme als Bezug auf sich und zur Unterwerfung an den Übersinn. Doch Wahrheit konnte sie so für sich nicht haben; sie war von vorne herein übersinnlich und hatte die Weihe, sich vom profanen Arbeitsprodukt ganz wesentlich zu unterscheiden. Die Kritik der Kunst ist die Kritik ihrer Religiosität. Dennoch: Unlösbar ist dies in zweierlei Hinsicht. Zum einen zeigt sich in der Kunst, dass sie eine Realisierung ihrer Epoche ist und auch eine "bestimmte Stellung zur empirischen Realität" (Adorno, Asthetische Theorie, Suhrkamp, S.15) hat, doch ist sie zugleich kein Arbeitsprodukt zum Nutzen des Genießers. "Kunst ist niemals nützlich" (Oskar Wilde). Kunst "bestimmt sich im Verhältnis zu dem, was sie nicht ist" (ebd. S.12). Auch wenn Ästhetik sinnliche Wahrheit unmittelbar sein will, so kann sie diese nur dadurch haben, dass solche Wahrheit in einer Welt voller nützlicher Gegenstände (Waren) nicht wirklich sein kann. Die Kunst als Form des Ästhetischen ist daher die Form des Unnutzes, die sich als ein Bestandteil der bürgerlichen Kultur, zu ihrem profanen Anderssein in der Existenz der Warenwelt als nützliche Dingheit verhält, Indem der Bürger seine sinnliche Begeisterung jenseits der Warenwelt findet, erträgt er auch seine Entgeisterung in der Welt des Warenbesitzes. Dies ändert nichts daran, dass er darin den Fetisch seiner Gesellschaftlichkeit findet, dass ihm dort das "gesellschaftliche Verhältnis der Sachen" als spezifische Notwendigkeit für ein sachliches Verhältnis der Menschen erscheint. Im Gegenteil: Gerade angesichts des gesellschaftlich notwendig erscheinenden Zweckhaften der existentiellen Dinge findet er sich - so er Geld hat, mit dem er über seine unmittelbare Existenz (Reproduktion) hinweggehen kann - als der hiergegen besonderte Mensch, der in seiner Empfindsamkeit sein Glück über den profanen Fetischismus gesellschaftlicher Notwendigkeiten hinaus feiern kann. Eine Kritik ist das nicht, eine "Entfetischisierung" schon gar nicht. Es ist die Chance des Andersseins in der bürgerlichen Gesellschaft, den Geldbesitz, der nicht in die Reproduktion verschwindet, als das besondere Sein in dieser Gesellschaft als das Dasein der Reichen (und solange sie alleine Reichtum besitzen, auch nur darin) ermöglicht. Auf seine Art sieht das auch Adorno, wenn er über die Kunst schreibt, dass sie in ihrem Anderssein "aus ihrem Bann" heraustritt (Adorno S. 15) und zur "Kraft, die das Dasein übersteigt" (ebd. S. 25) wird, auch wenn sie dies nur ist, indem sie als Wahrheit von anderem kündet. So weiß nur Adorno: Ästhetik kann nicht von dieser Welt sein, weil "nur wahr sein kann, was nicht von dieser Welt ist" (Adorno); sie ist Ausrduck eines transzendenten Subjekts (ebd. S. 24). Es war ihm die offene "Wunde der Kunst" (Adorno, "Ästhetische Theorie", Suhrkamp, S10), sich selbst darin unerträglich zu werden, dass sie sich ihrem Begriff entgegensetzen müsse: Kunst, welche sich - nach seiner Auffassung - notwendig der Welt als ein ihr entgegengesetztes Wesen entgegenhalten muss, sei in ihrer vermittelten Wohlbefindlichkeit zur "trostspendende Sonntagsveranstaltung" (ebd.). Da hakt allerdings etwas aus: Soll dies Kunst sein, war das "ästhetisch"? Es war doch auch in seinen Augen eher schlichte Religion für schlichtes Leben. Die politische und ästhetische Ideologie der Kulturindustrie macht Kultur insgesamt zu ihrem Werkzeug und zum Befriedungsinstrument der Selbsterregung in der guten Form: Zum Kult einer nicht nur scheinhaft vermittelten Gesellschaft, sondern zum Schein ihres Andersseins in ihrem abstrakten Reichtums, als die Sinnesgestalt des schlechthin Anderen, des freien Geistes, der keine Freiheit notwendig hat, weil er befreiter Geist ist, der sich nicht nur über dem allgemeinen bornierten Leben hinweg, sondern auch in seiner Verachtung gegen dieses Leben selbst entfaltet. Was bliebe von Kunst, wenn sie dies wäre? "Einzig durch ihre gesellschaftliche Resistenzkraft erhält Kunst sich am Leben; verdinglicht sie sich nicht, so wird sie Ware." (S. 335). Die Kunst selbst stehe also vor der Entscheidung, sich zu "verdinglichen" oder kritisch zu sein. Nicht Adorno, sondern die Kunst bewegt sich in ihrem Widersinn, "in dem kraft innerästehtischer Entwicklung die gesellschaftliche sich reproduziert" (S. 3367) Und das ist die letztliche Wahrheit von seiner Theorie der Ästhetik: Sie zeigt selbst zumindest immanent, dass eine Ästhetik als Theorie so unsinnig ist wie eine Erkenntnistheorie als Theorie der Erkenntnis. Solle sie das Wohlgefallen (Befriedung) begründen, das es nicht gibt "ohne das Lebendige, dem das Objekt gefiele", so kann sie nicht Transzendieren; kündet sie vom "ganz Anderen" (siehe Horkheimers "Sehnsucht nach dem ganz Anderen"), so wird sie zur Mystik, zum Glauben an eine Erlösung, die nicht aus dieser Welt kommt - Religion im hintersten Sinn des Wortes. In diesem Doppelsinn bliebe ihr genau das, was Ästhetisches von sich selbst abstößt: Sie wäre als Hoffnung auf anderes affirmativ und als Verfassung des Wohlgefallens normativ. Durch Kunstkritik würde Kunst erst wirklich schön, auch wenn sie hässlich sein will, von Hass kündet und nicht in den Schrank einer Wahrheit gestellt sein will, um damit wieder verschlossen zu sein. Es kann nicht begründet sein, was Schönheit heißt. War sie zuvor rein subjektives Befinden, das vollkommen von der Empfindung und dem Gefühl eines Subjekts gegenüber einem Objekt abhängig war, könnte Kunst in der Ästhetik zur objektiven Befindlichkeit werden. Damit bliebe sie nicht mehr in der Wahrnehmung, sondern vor ihr: Hochkultur. Dies aber kann auch für Adorno nicht Kunst sein. Aber er skzeptiert sie als die "Ungewißheit des ästhetischen Wozu" (Adorno, Asthetische Theorie, Suhrkamp, S.10), das sich als ästhetische Genealogie Bestand verschafft, als Werdungsprozess der Kunstgeschichte. Adornos Ästhetik gibt sich in diesem Umfang einer ästhetischen Ontologie gerne wie eine Erkenntnistheorie des Schönen, indem sie die Gestaltungen des Lebens als eigenständigen Ausdruck des Menschseins oder des Menschenwerks nachvollzieht. Aber es rührt "an die Wunde der Kunst" (Adorno, ebd. S.10), ein Wesen zu haben, das Menschenwerk ist, ohne es sein zu können. "Kunstwerke begeben sich hinaus aus der empirischen Welt und bringen eine dieser entgegengesetzte eigenen Wesens hervor, so also ob auch diese ein Seiendes wäre. " (ebd. S. 10) Das Ästhetische lebt durch den "ungeschmälerten Anspruch auf die Wahrheit der Erlösung" (ebd), "verdammt dazu, dem Seienden und Bestehenden einen Zuspruch zu spenden" (ebd). Diesen Widerspruch konnte Adorno nicht lösen und er wollte das nicht, weil er ihm als revolutionäres Sein galt: Subkultur, die keine sein will. Nur: Wie kann sie dies in der Dienstbarkeit ans Bestehende, ohne sich zu paralysieren? Ästhetik kann nur Wissen über Schönes und Hässliches sein, Fragestellung an das Werden des Ausdrucks und das Wesen des Ausdrücklichen. Als Theorie für sich, als Gedanke zu Seiendem, wäre sie nichts anderes als eine Kulturbegründung, eine Kulturtheorie, eine Theorie zu dem, was Kultur sein soll: Die Wahrheit einer Welt von eigentümlicher Wahrnehmung, die sich aus der Wahrnehmung der Welt als "Hoffnung auf ein Anderes" (ebd), als ein Autonomieprinzip der Erkenntnis hervortut (siehe Adorno). Hierdurch wären Wahrnehmungen, welche in diesem Nachvollzug erkennbar sind, zu übergeschichtlichem Gefühl gehoben, das von allem absieht, was Menschen als Notwendigkeit wahrhaben, aber für alles ist, wie eine eigene Gegenständlichkeit des Fühlens (objektives Gefühl). Wenn sie solche Gefühle, die Gegenstand der Ästhetik geworden, äußern oder empfinden, erscheinen sich die Menschen übersinnlich: Ästhetik hält ihre Gefühle für sich äußerlich fest, um als Empfindung für andere fortzubestehen. Von dieser Seite hält sie ein Verhältnis in der Wahrnehmung selbst fest und kann sich darin nur frei machen, wenn sie sich kritisch gegen ihren notwendigen Verlauf und ihre Polarisierung stellt. Sie wäre also nicht Theorie als solche, sondern unmittelbar Kulturkritik. Sie könnte leicht den Charakter ihrer Lehrhaftigkeit abstreifen, würde sie durch Kunst in ihre Erkenntnis sich einfinden, wirkliche Kunstkritik als Kritik der Kunst, als Aufhebung der Kunstform werden. Für sich bleibt sie die Feststellung von Gefühlen in ihrer inneren Beziehung, die als Anteile des menschlichen Wesens gewertet und beurteilt werden (siehe ästhetisches Urteil), z.B. als Theorie der Kunst, der Theologie oder der Philosophie überhaupt. Sie erscheint dort als eine theoretische Rückführung auf menschliches Leben, das allerdings in der Theorie nicht sein kann. Von daher ist sie reine Reflexion, die Menschen machen, um anderes damit zu bezwecken, z.B. Lebensverhältnisse theoretisch zu bedecken oder dem Eigendünkel mächtiger Menschen Rechtfertigung zu bieten, indem sie die Schmerzen der Welt als allgemeine Notwendigkeit von Geschichte behauptet. Weil solche Ästhetik sich schwer tut, ihre eigenen Gründe in ihrer Erklärung des Schönen mit zu erklären, nimmt sie hierfür meist andere Lehren hinzu, z.B. die Philosophie (vergl. Adornos Philosophie des Widerspruchs als Grundlage seiner Ästhetik) oder der Theologie (Nietzsche) oder der Psychologie (z.B. Jung). Heute findet sich oft eine Mischung verschiedener Lehren, besonders von Philosophie und Psychologie, welche zu unendlichen Verbrämungen in der Ästhetik führen, indem hieraus selbständige Bewertungssysteme geschaffen werden (z.B. die Genealogie bei Nietzsche, Heidegger und Foucault). Diese dienen alleine dem Bürgertum, das sich aus der Welt mit einem ästhetischen Urteil herausnimmt und sich zu einem ästhetischen Willen emanzipiert, der alles beherrscht, was anderen als isolierte Wahrheit verbleibt. | s.a. siehe auch Themenabend
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Wenn Menschen daran leiden, dass sie keinen Sinnzusammenhang mehr erkennen können, so entsteht in ihnen ein Bedürfnis nach Strukturierung. Eine Struktur ohne Erkenntnis ihres Sinnzusammenangs kann jenseits aller gegenständlichen Verhältnisse aber nur aus der Wahrnehmung selbst kommen. Hierdurch stellt sich das Bedürfnis selbst unmittelbar als ausschließlich formbestimmtes Bedürfnis heraus, nämlich als notwendiges Verlangen, Sinn durch Anpassung von Wahrnehmungen an eine verlangte Struktur beherrschen können. Ein notwendiges Verlangen, also das Verlangen nach der Wendung einer Not durch einen Aufwand gegen sie, ist ein Wille. Weil dieser Wille sich aber nur gegen die Wahrnehmung richtet, muss man ihn ästhetisch nennen, als ästhetischen Willen bezeichnen. Er ist die Grundlage aller Prozesse, worin sich die Selbstwahrnehmung zu einer Selbsttäuschung entwickelt, durch welche sie sich gegen gegenständliche Wahrnehmung behauptet. Subjektiv erscheint die Wahrnehmung dann befreit von ihrer Selbstvbezogenheit, weil sie auf Gegenstände des Lebens gerichtet ist, wenn auch nicht im Sinne eirner Erkenntnis, sondern gerade gegen deren Möglichkeit selbst. Als Bedürfnis erscheint der Wille selbst als ästhetisches Bedürfnis, welches sich schließlich um die Veredelung des Lebens, um dessen Verschönerung bemüht und danach verlangt. In Zeiten der Krise ist immer wieder ein Drang zur Verschönerung, zur Ästhetisierung, zu konstatieren, der eine Art von Krisenbewältigung sucht, die sich zumindest in der Gestalt als solcher betätigen will, als Trieb zu einer besonderen Ästhetik wirksam ist. Verelendung selbst enthält diese Notwendigkeit und lässt hiernach auch einen Willen zum "Schönsein" entstehen - oft auch als groteskes Gehabe oder schriller Kleidung oder Mode. Der ästhetische Wille entsteht aus der Notwendigkeit einer Selbstveredlung, die sich aus einem Prozess der Selbstvernichtung ergibt. Er will der Nichtung durch ein Bild von sich entgegentreten und sich über diese hinwegtäuschen, sie "Ungeschehen machen" (siehe hierzu auch dieMechanismen der Verdrängung, wie dies die Psychoanalyse in ihrem Denkzusammenhang bezeichnet). Das eigene Chaos, als welches die eigene Nichtigkeit erscheint, soll hierdurch in einer Selbstbereinigung aufgelöst werden. Er wird dadurch zum Gebot der Aufhebung eines Unheils in der Form, wie es erscheint, zu einer Selbstbehauptung als Sinnesform für sich, als Selbsterregung des Willens. Er vollstreckt den abstrakt menschlichen Sinn als Macht der Sinnesabstraktion, indem er die Kulturerscheinungen auf das Sinnhafte naturalisiert, auf eine Natur, worin kulturelle Beziehungen sinnvoll erscheinen, auf eine Wesen, welches in sich rein und gereinigt, als Wesen von eigener Art erscheint (siehe hierzu auch Rassismus). Es ist nicht nur der notwendige Schein eines Wesens, worin das Ästhetische verlangt ist, das zu sein, als was es erscheint, es ist eine wirkliche Notwendigkeit des Soseins von Kultur, das "So-Sein-Müssen", um nicht in Not zu geraten. Das setzt eine soziale Not unter den Menschen selbst voraus, in welcher die zwischenmenschlichen Verhältnisse auf der Oberfläche der bürgerlichen Kultur gefangen sind und die in sich nicht mehr zur Auflösung, also zu keiner wirklichen Geschichte findet. Diese findet sie nur noch außer sich als Mythologie von sich, als Geist ihres Ungeistes. Der ästhetische Wille kann nichts mehr einfach so lassen, wie es ist. Er muss es in seinen Mythos versetzen, in eine Übermenschlichkeit des Zwischenmenschlichen. Die Erfordernisse, sich in ihm zu binden und zu bestimmen, kommen aus dem gesellschaftlichen Auflösungsprozess der bürgerlichen Gesellschaft genau so, wie aus dem der Individuen. Und darin steckt die Verfänglichkeit der Gefangenschaft selbst, die Identität der individualisierten Menschen mit einem gesellschaftlichen Individuum ihrer Not. Dieses ist die Allgemeinform des Seelischen schlechthin als das, was es allgemein sein soll. Darin ist die Seele der Individuen verwirklicht und aufgehoben zu einer Übersinnlichlkeit ihrer Gesellschaft. Der allgemeingültige Zwischenmensch bildet sich äußerlich an dem Sinn, den die Menschen aneinander finden, den sie füreinander gestalten, um ihre Gemeinschaft mit Sinn zu füllen, wie er gegen ihr Unheil nötig erscheint. Dieses kommt aus den Verhältnissen der Wahrnehmung selbst: In den Gewohnheiten ihrer Lebensburgen war die Selbstwahrnehmung zwar geborgen, aber für sich selbst zur Bedrängnis geworden, als Substanz des Gewöhnlichen zur Sinnlosigkeit bestimmt, zur Entleerung jedes Sinnes für Entwicklung und Geschichte (siehe Logik der Kultur 3. Teil), zu Verhältnissen seelischer Selbstaufhebung, zu Verrücktheiten einer Kulturmacht der Wahrnehmung überhaupt. Sie ist beeindruckt von der Nichtigkeit ihres Sinnes, welche sich als schwindender Lebenswille in ihrem finalen Irrsinn äußert. Hiergegen wird Identität verlangt, das Wahrgenommene identisch mit dem Wahrnehmenden, identisch sein sollen der Wahrnehmung als Selbstwahrnehmung, verschwinden der Wahrnehmung in wirklicher Selbstbezogenheit, in eine Wirklichkeit des allgemeinen Selbstbezugs. Dies setzt alle Wahrnehmungsformen selbst zum Inhalt der Wahrnehmung, die Wahrnehmung selbst zu einem objektiven Subjekt. Und dies macht Ästhetik, die das Sollen in ein Wollen kehrt: Ein ästhetischer Wille fordert als notwendige Wahrnehmungsidentität eine Kultur, die es nicht wirklich gibt, die aber allgemeine Wirkung für die Wahrnehmung der Wirklichkeit haben muss, eine veräußerlichte Hochform der Selbstwahrnehmung für das, was sein soll, um nicht zu sein, was es ist. In der Selbstbezogenheit des Wahnehmens werden ihre Gegenstände nach Maßgabe ihrer formellen Adäquanz zu dem Sinn, der darin ausgedrückt ist, nach ihrem Ausdruck für sich selbst, nach ihrer ästhetischen Reinheit als Körperform geordnet und bewertet, nach dem Grad ihrer Unwirklichkeit. Hierdurch wird Ästhetik zur Verwirklichungsform entäußerter Selbstbeziehung, zu einem Sein-Sollen, wie es dem Selbst nötig ist, wie es die Welt als Ausruck für sich wahrnehmen will, - die Welt, wie sie für die Selbstwahrnehmung nötig ist um zu sein, wie sie sich darin vorkommt und wodurch das Selbst ästhetisch behauptet, die Wahrnehmung unmittelbar Selbstbehauptung ist. Sie soll objektiver Ausdruck sein dessen, was subjekltiv nicht ist, Schimmer und Schein einer untergegangenen Selbstgeborgenheit. Für die wird allerhand getan, um sie als Lebenswelt zu konservieren, einer Welt jenseits aller Wirkungen, in der Unwirklichkeit von Eindrücken, die nur dadurch sind, dass darin ausgedrückt wird, was Eindruck auf die Selbstwahrnehmung macht. So entsteht eine Welt der Ästhetik, die das, was das Sein-Sollen der Selbstwahrnehmung mit einem wirklich abstrakten Sinn ausfüllt, mit einem Sinn, der Unwirklichkeit menschlich macht - und irgendwann auch Unmenschlichkeit wirklich. Es ist ein übermenschlicher Sinn, in welchem alle Notwendigkeit des Wahrnehmens und Wahrhabens jenseits ihrer Selbstwahrnehmung geborgen ist, zur Unkenntlichkeit verborgen, aber als Absicht absolut. Die Selbstwahrnehmung wird hiernach ästhetisch wahrgemacht zu kulturellen Positionen, die sich als beeindruckende Wahrnehmungswelt ausbreiten, als Ereignisse, die sich gesellschaftlich und seelisch belebend verwirklichen und hierdurch in ihrer Äußerungsform notwendig und zur selbständigen Darbietungsform der Kultur werden. In ihrer Ästhetik vermittelt sich, was wahrgenommen werden soll, was sein soll, um als gesellschaftliches Mittel wahr zu sein. Da das Mittel aber seinen Zweck nur in der Vermittlung selbst hat, wird die Bühne der Kultur zur Darbietung eines Willens gebracht, der Leidenschaft im Sinn hat, um sich gegen das Leiden der Selbstgeborgenheit zu wenden, der also ein kulturelles Sollen als ästhetischen Willen mitteilt. Die Bedrängnis der Selbstwahrnehmung wird darin aufgehoben, dass sie sich dem ästhetisch Gebotenen unterwirft, dass sie sich so ausdrückt, wie sie die Wahrnehmung beeindrucken kann. Der ästhetische Wille kommt also aus der Nichtigkeit der Selbstwahrnehmung, aus ihrer Lebensangst, und reagiert auf deren Bedrängnis durch Eindrücke, die Sinn stiften, wo nichts ist außer unvermittelten und selbständigen Sinnesformen der Seelen. Es ist dies nicht einfach eine Frage des Bewusstseins, sondern seelische Wirklichkeit, prozessierende Realabstraktion. Der bedrängte Mensch erscheint nun als objektive Bestimmung der Kultur, als drängender, fordernder, belebender Mensch, der durch die Entäußerung von Schönheit zum Gegenstand der Wahrnehmung Gemeinschaft, Kulturgemeinschaft stiftet. Die Nöte einer verrückt gewordenen Kultur wenden sich in die Selbstbehauptung des Kulturmenschen, der auch in der Lage ist, an die Stelle jedes wirklichen Menschen zu treten. Der ästhetische Wille setzt beständig Beeindruckung um, macht die Nichtigkeiten zu Überwertigkeiten der Selbstdarstellung und ergießt aus den Pfützen der Selbstbezogenheiten Ozeane der gemeinen Seele, bildet aus ihr die Massenpsyche. Diese wird zu einer kulturell allgemeinen Subjektivtät, das sich in seinem Empfindungsurteil seine eigenen Umstände schafft, sich also zu sich in diesem Sinne und voller Selbstbehauptung verhält. Dem geht voraus, dass sich die Empfindungen in ihrer Gewöhnlichkeit voneinander abstoßen, wenn sich ihnen kein wirkliches gesellschaftliches Verhältnis eröffnet, und sie darin sinnlos werden. In den Gewohnheiten des kultivierten Alltags sind die einfachen Schönheiten des Lebens ebenso untergegangen, wie der Sinn ihrer Absichten. In den Lebensräumen und Lebensburgen ereignet sich nur, was darin als Leben sich geborgen fühlen und wohnen kann, was also eine sinnliche Qualität hat, die der Lebensform selbst schon entspricht und also nicht mehr ästhetisch sein kann. Schön kann da nur sein, was sich als anderes äußert, ausschert, sich absondert ohne besonders zu sein, das ganz andere ist. Wo man das Gewohnte nicht mehr leiden kann, wo die Lebensumstände der Sinne keinen Sinn mehr haben und keine Tätigkeit, da wird man selbst für das Ästhetische tätig. Von da her wird das Schöne gegen das Gewohnte nicht mehr erfahren, sondern aus dem erzeugt, was hierfür Sinn macht. Alle seelischen Absichten treibt es dahin, sich einen Willen zur besonderen Absonderung dessen zu geben, was gut ist, um sich damit behaupten zu können. Der ästhetische Wille treibt die Selbstwahrnehmung dazu, wahrzumachen, was ihr nötig ist, um zu sein, wo sonst nichts mehr für sie ist. Er verfolgt die Notwendigkeit ihrer Selbstbehauptung als absolute Absicht (siehe Logik der Kultur, 3. Teil). Die Grundlage der erzeugten Ästhetik ist die Selbstdarstellung: Das sich herausputzen, das nach außen kehren dessen, was nur dadurch ist, dass man sich als eine Erscheinung davon gibt, und sei es auch nur eine Vorstellung von sich, erzeugt zum Zeigen (siehe Design). Die Kultur der Selbstdarstellung findet auf der Bühne statt, auf der sich die Menschen vorspielen, was sie sich vom Leben vorstellen, was sie als Leben haben wollen. Nicht, das dies nichts mit ihrem Leben zu tun hätte; es ist ihr entäußertes Leben, das Leben, das sie wollen, um sich darin zu gewinnen, dass sie (wieder-)gewinnen, was sie in ihren Gewohnheiten verloren haben. Im Denken und Verlangen kommt das immer wieder mal vor, jede Sehnsucht gründet auf einer verlassenen Ursprünglichkeit (siehe auch Ursprungssehnsucht); hier aber wird nicht gedacht, sondern gehandelt. Das Leben, das man will ist von dem Leben, das man hat, vor allem darin unterschieden, dass es nur durch gemeinsame Aktivitäten erzeugt werden kann. Die Menschen müssen das, worin ihnen ihr Leben erscheint, auch wirklich und ehrlich hervorkehren können, um darin füreinander Leben zu gewinnen. In jeder Mode steckt der Funke Leben, Reiz und Tollerei, der nicht nur anzieht sondern auch anmacht. Die Absicht dahinter ist die Begegnung des gewolten Lebens, zu der alle Sinne aufbereitet werden müssen, um es auch zu vollziehen. Der ästhetische Wille ist die absolute Absicht, der bedingungslose Drang, dem diese Aufbereitung folgt, mit dem sich die Menschen anziehen oder abstoßen, um nur noch zu sein, was sie für sich und miteinander sein wollen und müssen, müssen wollen um ihrer Selbstbehauptung zu genügen und von daher ohne Lebensangst zu sein. Der ästhetische Wille wird auf diese Weise zum Willen der Ästhetik, die ihr Dasein durch die Menschen sucht, ihrer Verkörperung in den Körpern, im Volkskörper, der als Selbstbehauptung der Volksseele allgemein notwendig wird, um dem Widersinn der Menschenmasse, die für den Staat ein Volk darstellt, sich als wirklichen Gemeinsinn zu überordnen. |
s.a. | |
Ein ästhisches Urteil teilt nach kulturellen Selbstgefühlen (kulturelle Identitäten) in einbezogene Gefühle und ausgegrenzte Gefühle nach dem, was anzieht und was abstößt. Es sind die Ur-Teile eines ästhetischen Willens, der sich hierdurch zu verwirklichen sucht. Im Unterschied zu Gefühlsurteilen setzen solche Urteile schon die Gleichgültigkeit der Empfindungen, die Allgemeinheit der Selbstempfindung als die Beliebigkeit kultureller Wirklichkeit vorraus. Sie entstehen also in einer selbständigen Kultur, in welcher sich die Menschen nurmehr als Umstände gelten und darin ihrem ästhetischen Willen folgen. Ästhetische Urteile sind die Grundlage reaktionärer Verurteilung (Rassismus) und der Konstitution eines "Volkskörpers". |
s.a. | |
In ästhetischen Verhältnissen verhalten sich die Menschen auf der Grundlage eines ästhetischen Willens zueinander, also im Zweck der Veredelung ihrer Selbstwahrnehmungen. Sie verhalten sich hierin ästhetisch zu ihren Gefühlen und bilden in diesem Verhältnis objektives Gefühl. Die Inhalte dieses Verhältnisses sind Eindruck und Ausdruck, den Menschen machen und haben (siehe Logik der Kultur Teil 3). Die Absicht ihrer Seele wird darin bestimmt, wie sie sich ausdrückt, wie sie sich den Ausdruck verschafft, um Eindruck zu machen. Sie vollzieht ihre Absicht als einen ästhetischen Willen objektiv: Nicht als Bestreben in einem Menschen, sondern als notwendiges Bestreben durch ein Verhältnis. Im ästhetischen Verhältnis gibt es menschliche Beziehung nur über den Ausdruck der Eindruck macht. Die Gefühle ziehen sich darin an und stoßen sich ab, wo Menschen Eindruck machen, ohne sich auszudrücken. Im Menschen bildet sich so das Gefühl an der Notwendigkeit des Ausdrucks, der Selbstgestaltung, dem Design, auch wenn die Seele daran verkümmert. Ihr Geist wird zum Esprit des Ereignisses, das Konturen zeigt, ihr Sinn zur Form einer Begegnung, zur objektiven Form ihres Zeitgeistes, zur Mode. |
s.a. | |
Ästhetisierung ist ein Begriff für "Verschönerung", die sich verselbständigt hat, also eigentlich Beschönigung ist. Es ist der Begriff für den Entstehungsprozess verselbständigter Ästhetik. Somit geht es darin um die Verselbständigung von Wahrnehmung überhaupt, die sich gegen das wendet, was sie wahr hat. Von da her ist Ästhetisierung die Grundlage einer ästhetischen Scheinwelt. Sie ereignet sich oft unbewusst z.B. im Entstehungsprozess von Depressionen, kann mithin zu einer ihrer Bedingungen gezählt werden, sofern sie den Inhalt des Familiensinns betrifft, der ihr vorausgeht. Auch Allergien können sich zum Teil als Wendungen gegen Depression und als Selbstbehauptung gegen Ästhetisierung erläutern lassen. |
s.a. | |