Buchstabe D Im Kontext

Dämon, Dämonisierung

Dämonie rührt aus fremden Kräften, die über eigenes Leben bestimmen (dainmonia = fremde Kraft). Sie ist eine unmittelbare Empfindung als Gefühl einer fremden Macht, die sich erst in deren Erkenntnis zu einem Wissen im Unterschied von Eigenem und Femden aufhebt, damit Selbstunterscheidung wird, welche ein kritisches Verhalten zum Dämon ermöglicht.

Im Dämon wird ein Wesen vorgestellt, das hinter allem Vertrauten und Gewohnten steckt und ais einem hiervon völlig abgetrennten Interesse sein Unwesen treibt. Dies setzt voraus, das dem Gewohnten nicht nur die Erkenntnis entzogen ist, sondern dass es verwechselt wird mit etwas wesentlich anderem. So wurden z.B. die Computer zur Zeit ihrer Einführung erst mal verteufelt, weil sie durch ihre Fähigkeit, Arbeit zu reduzieren, die Angst um den Verlust des Arbeitsplatzes als Einkommensquelle belebten. Wie bei jeder Maschinenstürmerei wird dabei der Unterschied von Inhalt und Form der Arbeit aufgehoben, und letztres in erstrem gesehen. Von daher wurde wie einst der Webstuhl bei den Weberaufständen der Computer zum Dämon der Entfremdung, obwohl er zugleich einen enormen Fortschritt für den organischen Arbeitsprozess erbrachte. Die Abweisung der Inhalte durch Dämonisierung ihrer Form bewahrt die Verhältnisse, die im Dämon beängstigend wahrgenommen werden undd das macht der Populismus des reaktionären Bewusstseins aus (siehe hierzu auch die Heideggersche Kritik an der Modernen als Seinsvergessenheit).

Im Unterschied zur Dämonie ist der Fetischismus die Sucht nach einem Mittel der Selbstverständigung (siehe auch Warenfetischismus).

s.a.

=> Gespenst

=> Kult

Darwin, Darwinismus

Darwin bot der Wissenschaft die Ablösung von religiöser Naturbegründung dadurch, dass er das Lebensverhältnis der Natur als in sich für begründet belegen konnte, geworden durch den Ausleseprozess in der Entwicklung der Umweltbedingungen der einzelnen Spezies. Hiernach war es nicht mehr notwendig, einen außernatürlichen Grund für die Naturgeschichte und Geschichte überhaupt anzunehmen. Die Notwendigkeit des Gottesglaubens, des Glaubens an eine göttliche Vorherbestimmung, einer übernatürlichen Naturbestimmungwar damit aufgehoben und von daher auch die Grundlage des Feudalismus durchbrochen.

Doch Darwins Beweise waren rein empirisch und daher in Ursache-Wirkungs-Beziehungen, die keine Begründung verlangten. Er verstand die Entwicklung der Natur nicht aus dem Leben selbst, etwa aus einem ihm eigentümlichen Sinn (siehe natürliche Intelligenz), sondern aus einem Selektionsprozess im naturgegebenen Überfluss an Variationen durch die einfachen Bestimmungen der ihnen äußerlichen Lebensbedingungen. Er setzte vorraus, dass es beliebig viele zufällige Abweichungen im Vererbungsmuster, also zufällige Absonderlichkeiten gab, die sich unter den vorhandenen Lebensbedingungen als günstig oder ungünstig für Überleben einer Spezies herausstellte und somit über dessen Fortbestand entschied.

Seine Lehre enthält zwei Prämissen: Natur ist zufällig und varriiert in ihrer Zufälligkeit unendlich und breitet sich in diesem Sinn auch aus, wie es die Zufälle der Fortpflanzung ergeben. Und: Die Lebensbedingungen bestimmen über den Erfolg der Spezies, ihre Chancen und Entwicklung. nach Maßgabe der Machtverhältnisse in der Natur. Diese Denkart behauptet eine unendlich unbestimmte Produktivität der Natur, die durch die Beschränkungen der Lebenswelt durch Naturmacht erst den Sinn erhält, der Forstbestand hat und produktiv ist, der also im Sinne des Fortschritts als vernünftig verblieben ist, weil er einem Sachzwang der Naturmächtigkeit folgt. Das ist im Grunde das Denkmuster der Aufklärung.

Bei Darwin kommt als entwicklungstheoretischer Widerspruch der Aufklärung auch deutlich heraus, dass alles zuerst existiert haben musste, bevor es seine Existenz bewähren kann oder nicht. Etwas muss zufällig und unendlich bestimmungslos entstanden sein, um sich durch Selektion zu bestimmen. Wie soll das möglich sein? Hat die Umwelt die Vernunft, die das Leben selbst nicht hat? Entscheidet sie z.B. im Prinzip eines Lebenskampfes, was Leben überleben lässt? Das wäre widersinnig: Was ist diese Lebensumwelt, die dies entscheidet, denn anderes als das bestehende Leben selbst? Etwas entsteht und verändert die Welt, und nur die Welt bestimmt dann, ob es Bestand haben wird? Sie enthielte das Überleben als Prinzip der Selbstbeschränkung der Natur: Was sich nicht erhält, das geht zu Grunde. Wie aber konnte es entstanden sein, wo doch alles, was entsteht, durch sich selbst nur Sinn hat? Die Natur selbst zeigt sich sehr ökonomisch, selbst wo sie üppig erscheint: Nur in der Verschwendung von Einzelzellen (Samen und Ei) kann sich ein Vielzeller gut ausbreiten. Die Fruchterzeugung durch zwei Geschlechter ist das Wirtschaftlichste, was die Natur überhaupt "erfinden" konnte: Sie sichert nicht nur Fortbestand der Individuen durch Kraft- und Energiekonzentration, sondern auch die Entwicklung und Ausbreitung von bestimmter Erfahrung und Wissen, das sich in der Geschlechtsarbeit vermengt und vervielseitigt. Alles, was Natur zeigt, ist bestimmte Fortentwicklung. Warum sollte sie also wesentlich zufällig sein? Und die Lebensbedingung der Naturkräfte war hierbei nicht Schranke, sondern Stoff ihrer Entwicklung seibst. Warum sollte sie durch Stoff beschränkt sein?

Denkt man Natur in ihrer Beziehung selbst, so ist sie ein Verhalten zu ihrer eigen Stofflichkeit, zu ihrer Materie, zum Matrerial ihrer Welt als Sinn und Kraft von Naturempfindung. Natur bedarf natürlicher Stoffe. Und eine Art, die sich nicht mehr stofflich adäquat zu ihrer Umwelt verhält, wird sich darin zweifellos nicht mehr entwickeln können. Sie stirbt aus. Das gilt überigens auch für den Menschen. Aber dies hat nichts mit einem ursprünglichen Lebenskampf der Natur zu tun, sondern einfach mit den schlichten Tatsachen des Stoffwechsels der Natur. Indem dies in das Verhältnis der Naturmächtigkeit von Lebensinteressen verkehrt wird, wird auch jede Naturempfindung verkehrt, von einer sinnlichen Beziehung der Natur zu einer Beherrschung natürlicher Sinnlichkeit.

Derartige Prozesse sind in der Natur nur zu beobachten, wo der Mensch hinzutritt; nicht aus ihr selbst. Eine solche Theorie kann eigentlich keinen neuen Sinn erklären. Es ist eine zutiefst reaktionäre Theorie von zufälliger Sinnhaftigkeit, die keinen Bezug hat bis auf den, der sich aus einem apriorischen Apodict der Lebenshärte erklärt, und die schließlich die Qualität der so gewordenen Art (s.a. Rasse) ausmacht: Das Leben ist unendlich bestimmt, aber die Umwelt verlangt ein bestimmtes Leben. Also sei die Umwelt auch der konkrete Lebensschöpfer. Das ist der theoretische Kern einer Theorie der Aufklärung, welche die schlimmsten Vorstellungen von mensfchlicher Geschichte hervorgebracht hatte (sieh Nationalsozialismus)

Da diese Theorie selbst erst bei der Entwicklung der Arten ansetzt, kann sie natürlich nicht erklären, wie sich Sinne für die Umweltsbedingungen überhaupt bilden und ausschälen können, wie sie das in sich tragen können, was für sie nötig ist. Waren es Zufälle, die eine Pflanze, eine Tierzelle, ein Reptil, eine Schwimmblase, eine Lunge, ein Chamäleon, einen Zitteraal usw. entstehen ließen, die doch außerordentlich viel Sinn für sich und ihre Umwelt aufweisen? Alles, was wir hierüber erfahren, erzählt eben vom Gegenteil: Die Natur hat ihre Schranken in der Spezies empfunden und sich zu dem Bedürfnis entwickelt, dies Beschränkte zu überwinden. Es muss schon in der Natur selbst Empfindung geben, die es möglich macht, dass ein Rochen die Farben seiner Umgebung annimmt und dadurch getarnt ist und dadurch besser überleben kann, also nicht aussortiert wird, wie es Darwin im Nachhinein dann konstatiert, wenn eine Art sinnlos, also empfindungslos geworden ist, für das, was sich in ihrer Umwelt entwickelte. Die Empfindungen in der Natur machen das eigentliche Rätsel aus, das mit einer göttlichen Idee gelöst gelten sollte. Aber Naturempfindung spricht deshalb nicht für Gott, sondern für einen Sinn, den die Natur selbst schon gebildet hatte, als sie sich aus der bloßen Materialität des kosmischen Stoffes herausgebildet hatte und worin sie von Anfang an eine Gewissheit als Grundlage des Lebens hatte, eine lebendige Selbstgewissheit und nicht einen selektiven Ausrottungsakt zufälliger Lebensprodukte. Ihre Artenvielfalt erklärt sich aus diesem zum Bedürfnis gewordenen Wissen, das Schranken überwindet. Sie selbst enthält die Keimformen des menschlichen Geistes, wie die Erkenntnis von Leben überhaupt. Der Begiff Gottes lässt sich durch die Selbstgewissheit der Natur ersetzen, welche ihr ermöglicht.natürliche Intelligenz

s.a.

=> Sinn

=> natürliche Intelligenz

quelleup5a2729b1 Sinn der Natur

Dasein

Dasein ist das gewordene Sein, wie es hier, da und dort ist, die Erscheinungsform der Zusammenhänge seines Werdens und Wesens, das da ist, das also einen Ort hat (hier und da zu sein) und diesen ausmacht und erfüllt solange es da ist, bevor es also vergeht und verwest (nach Hegels Logik ist Dasein die Einheit von Sein und Nichts, aus der heraus alles in seinem Sein zugleich nichtig ist, und im Werden als Dasein sein Moment erfährt). Es selbst ist bestimmungslos aber nicht unbestimmt, insofern es im Da-Sein nichts ist, außer dem, was da ist, was es enthält und vermittelt. Nur für sich ist es unbestimmt, weil es für sich nur Form sein kann. In dieser unterscheidet es sich notwendig als Sache vom Menschen, der niemals einfach nur da sein kann, sofern und solange er lebt. Dasein vermittelt Leben, ohne selbst lebendig zu sein (dies begreifen die Phänomenologen umgekehrt). Von daher ist es ein Begriff für eine voraussetzungslos erscheinende Sache, wie sie da ist, ohne ihren Zusammenhang zu äußern, ihre Vermitteltheit, ihren Grund und ihre Bedingung zu formulieren. Bildet sich in ihrer Vermittlung jedoch eine reale Absehung von ihrem Sein für den Menschen (siehe Realabstraktion), so ist Dasein selbst formbestimmt und erscheint unabhängig von seinem Wesen und Verwesen als reine Zeit und reiner Raum ihres Seins. Diese Abstraktion des Seins, also Zeit als verselbständigte Substanz des ökonomischen Daseins, wurde von Marx zur Grundlage der Bestimmung von bürgerlicher Gesellshaft (siehe abstrakt menschliche Arbeit), wie auch Raum in der Kritik der politischen Kultur als verselbständigte Substanz ihres Daseins begriffen ist (siehe abstrakt menschlicher Sinn). Ganz im Gegensatz hierzu begreift Heidegger das Sein selbst durch Zeit, erweist sich somit als Protagonist dieser Gesellschaft, die ihr Dasein durch das Verhalten in der Zeit (siehe Wert) hat.

Dieser Verhalt wurde durch das Seiende von Heidegger kompliziert, der den Menschen unmittelbar dadurch in das Dasein stellte, dass er ihm seine Existenz als seine Vorstellung von sich zusprach: Seiendes, wie es sich selbst versteht als Moment seiner Zeit. "Diesem Seienden eignet, daß mit und durch sein Sein ihm dieses selbst erschlossen ist. Seinsverständnis ist selbst eine Seinsbestimmtheit des Daseins". (Heidegger, Sein und Zeit, 11f). So wird Verständnis zu einer Kategorie des Daseins, als Bewusstsein und Sein in eins gebracht: "Weil Dasein Bewußtsein ist und ich als Bewußtsein da bin, sind für mich die Dinge nur als Gegenstände des Bewußtseins" (ebd.). Dieses Dasein als Bewusstsein ist die Grundlage dafür, von einer Wirklichkeitskonstruktion zu sprechen, also zu behaupten, dass Wirklichkeit selbst nur eine Behauptung, eine Selbstbehauptung des Bewusstseins sei (siehe hierzu Dekonstruktivismus). Der Mensch hat die Wirklichkeit, die er erfindet und wenn sie ihm nicht mehr gefällt, so erfindet er sich eine neue. Damit erscheint ihm alles Denken der Entfremdung des Menschen aufgelöst und der Mensch lediglich Ausdruck seiner Selbstverantwortung. Mensch und Sache sind ununterscheidbar und die Versachlichung des Menschen auch im Bewusstsein so unhinterfragbar, wie jede sachliche Notwendigkeit damit auch als menschliche Notwendigkeit erscheinen darf.

s.a.

=> Existenz

=> Sosein

=> Sein

quelleup5a2730b1 "Sein und Zeit" (Heidegger)

Daseinsanalyse

s.a.

=> Heidegger

webup1a Rezension zur Daseinsanalyse
 

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Double-Bind

s.a.

=> Wahnsinn

Dritte Welt

s.a.

=> Devisenmarkt

Drogen

Drogen sind Stoffe, welche die Wahrnehmung und Selbstwahrnehmung beeinflussen, irritieren oder stimulieren sollen, um einen körperlich bestimmten Wahrnehmungszustand hervorzurufen, meist um einen seelischen abzuwenden. Hierin steckt das Suchtpotential von Drogen.

Drogen hemmen oder irritieren die sensorischen Rezeptoren des Nervensystems durch neurochemische Substanzen und reizen oder blockieren bestimmte Hirnregionen oder hormonelle Steuerungen.

Drogen sind z.B. die legalen Drogen (Alkohol, Nikotin, Hanfprodukte, Aufputsch- oder Schlaf- und Dämpfungsmittel und die Psychopharmaka) und die illegalen Drogen (chemische Drogen wie z.B. Extasie oder manche LSD-Sorten und Naturextrakte einer opiumhaltigen Mohnsorte wie z.B. Opium, Morphium, Heroin). Volswirtschaftlich "sinnvolle Drogen" sind solche, welche das Bewusstsein dämpfen, also nicht so schnell Erregungen oder Halluzinationen oder andere Inhalte des Bewusstseins hervorrufen und das Gesundheitssystem auch nicht zu stark belasten. Sie sind notwendige Drogen zur Kompensation von Alltagsschwierigkeiten (Stress, Kontaktprobleme, Dämpfung von Erregtheitszuständen usw.) und als solche gesellschaftlich toleriert. Dagegen hat Nikotin z.B. hierfür zu wenig Wirkung und belastet die Kassen mit Krebsrisiken und gerät somit in einen Grenzbereich, so dass Werbung hierfür bedrängt wird. Das ist bezogen auf Alkohol anders, weil dieser seltener körperlich signifikante (also weniger offensichtlich behandlungsbedürftige) Symptome hervorruft, dafür aber ein großes Potenzial für seelische Verwahrlosung hat. Doch hier rentiert sich hoher Umsatz im Verhältnis zu den Kosten einer Schadenbehebung auch in den Steuereinnahmen (MwSt und Vergnügungssteuer).

Illegale Drogen werden von der Pharmazeutischen Industrie in legale gewandelt und in Apotheken, Psychiatrien, Altersheimen und manchmal sogar in Kindergärten verteilt, wenn dies funktional erforderlich erscheint (z.B. institutionell oder therapeutisch indiziert oder durch Mangel an Personal für adäquate Betreuung). Oft wissen die Einwohner von Altenheimen (s.a. Geriatrie) oder die Insassen von Gefängnissen nicht, dass sie Psychopharmaka bekommen.

s.a.

=> Sucht

=> Randgruppen

statist2up7 Drogentote 2002

Dualismus

Dualismus ist ein Verständis von Widersprüchen als das Verhalten von Positionen, die in ihrer Ausschließlichkeit belassen sind und sich in Wechselwirkungen beziehen. Final gelten sie meist als ontologische Konstrukte, die prinzipiell unaufhebbar behauptet sind (z.B. der Dualismus von Körper und Geist in den Theorien der Aufklärung, der Dualismus von Trieb und Realität in der Psychoanalyse).

s.a.

=> Positivität

=> Monismus

Dummheit

Dummheit kommt vom althochdeutschen "tumb" (stumpf) und meint Stumpfheit des Wahrnehmens, Denkens und Fühlens, im vermittelteren Sinn auch Borniertheit und Ignoranz. Dies hat nicht zu tun mit einem Mangel an Intelligenz oder Lebenstüchtigkeit - oft sind dumme Menschen sogar besonders fähig in der Handhabung der Alltagsroutinen und Gewohnheiten. Dummheit ist auch nicht abhängig von genetischen Grundlagen, also von Vererbung. Oft zeigen genetisch benachteiligte Menschen eine ausgesprochene Schläue im Umgang mit ihren bevorteilten Mitmenschen.

Dummheit ist ein Phänomen des Denkens und Gedenkens (siehe auch Gedächtnis) und resultiert aus dem Gebrechen eines Gedankens, der sich einer Mystifikation übergeben hat. Er wird dadurch zirkulär, begründet sich aus seinen Resultaten und besteht in der Gleichsetzung von Grund und Folge, Ursache und Wirkung, Subjekt und Objekt. Man könnte dies auch als ein abergläubisches Denken bezeichnen, vermittelt es doch seine Bezüge in sich selbst und außer sich zufällig. Jedes Ereignis kann es bestätigen, weil es als nichts für sich gelassen wird, oder es wird zur Bedrohung des Denkens, weil es nur für sich wirkt und also Unheimlich ist. Hierdurch wirkt Denken als abstoßende Selbstbeziehung (siehe auch Egozentrik), also als Rückführung eines Gedankens aus der Vergegenständlichung von Wahrnehmungen, die ihn bestätigen (siehe auch reaktionäres Bewusstsein). Deren wesentlichstes Phänomen ist die Selbstgerechtigkeit.

s.a.

=> Denken

=> Intelligenz

Durchschnittsbildung

Die Durchschnittsbildung ist eine praktische und reale Abstraktion eines Verhalts in einem Verhältnis (siehe Realabstraktion), das ausschließlich quantitativ, also nur als Masse wahrgenommen wird. Dieses besteht zwar durch Sachen oder Menschen, im Durchschnitt aber ist nichts sachlich oder menschlich, sondern abstrakt, also ungeachtet seiner konkreten Beziehung durchschnitten. Die in dieser quantitativen Form abgetrennte und selbständige Größe kann ihre Bestimmung nur darin haben, dass sie zum Maß wird, zur abstrakten Relation, also absolut. Darin wird in der Masse, nachdem ihr alles Bestimmte genommen ist, selbst zur Bestimmung, zur Bestimmung des abstrakten Quantums: Es ist damit das Maß eines Vergleichs, worin das Bestimmte gemessen am Durschnitt des Unbestimmten quantifiriert wird, also eine Quantität bekommt, die gleichgültig gegen jede seiner Qualitäten (siehe Eigenschaften) ist.

Somit entsteht in der Durchschnittsbildung selbst schon, noch bevor sich hierüber jemand Rechenschaft geben muss, eine Logik, die eine mächtige Quantifizierung betreibt. Auch wenn sich die Menschen nicht fragen, warum sie einen Durchschnitt bilden, wird darin der Vergleich mächtig. Aus der harmlosen Frage, wieviel Zeit ein Mensch zu einer Arbeit unter diesen oder jenen Bedingungen und Fähigkeiten braucht im Vergleich zu einem anderen, wird im Durchschnitt solcher Fragen ein Maß des Üblichen gesetzt, ein Maß der Gewohnheit und des Gewöhnlichen. Waren bis dahin sich die Menschen ihrer unterschiedlichen Fähigkeiten, Gewohnheiten und Bedingungen noch bewusst und ohne äußeren Grund tätig, wird durch das Durschnittsquantum eine Effizienz beigebracht, die keinen notwendigen Grund in ihnen hat.

Natürlich sind jedem Vergleich Menschen und Sachen und Tätigkeiten auch als Quanten, als bestimmte Mengen vorausgesetzt. Zu einer selbständigen Wirklichkeit ihrer Masse kommt es erst im Durschnitt, weil darin eine Notwendigkeit wirksam ist, Durchschnitt zu bilden, einen Vergleich nicht nur ideell (z.B. im Wettkampf, im Sport usw.) zu vollziehen, sondern real. Durschnitt wird schon hierdurch zu einem Maß das etwas bewertet, was vordem hiervon unbefangen war und dem jetzt vermittelt ist, dass es so nicht sein und bleiben kann, wie es ist, weil gemessen an anderem auch sein Sein anders ist, seine Wirkung und Wirklichkeit als Quantum von etwas anderem als durch sich selbst. Der Durschnitt ist einzig eine durch Zahl gezeugte Zahl. Bei dieser Herkunft kann sie nicht mehr erzählen, was Sache ist, und kann auch nicht aufzählen, was sich ereignet. Sie kennt keine Geschichte und hat keinen Sinn, ist prinzipiell unverfügbar und selbst Prinzip der Unverfügbarkeit.

Die im Durchschnitt durch eine Zahl begriffene Masse hat ihre Bestimmung außer sich, ist bemessen durch die Notwendigkeit ihres Soseins. So ist die Bestimmung der Masse als eine bestimmte Menge elementare Voraussetzung einer Durchschnittsbildung. Wie sie gesetzt wird, so ist die Menge des Gesetzten (z.B. bei der Hypothesenbildung). Diese wird als ihr Quantum in Zahlen formuliert. Die Durchschnittsbildung muss notwendig von anders bestimmten Inhalten absehen, ist also notwendig eine Abstraktion. Sie wirkt sich in der Anwendung daher auch als Reduktion der Zusammenhänge auf diese Abstraktion aus. Das kann in der Praxis vielerlei Folgen haben. Eine Aussage über wesentliche menschliche Beziehungen ist hierüber nicht möglich, lediglich um mehr oder weniger willkürlich herausgegriffene Merkmale oder Eigenschaften.

Als Begriffssubstanz macht die Durchschnittsbildung die Formbestimmung der Realabstraktion aus. Die ist besonders in der Wirtschaft von Belang. Marx beschrieb mit ihr den Verlauf der Wertbildung (siehe Wertsubstanz).

s.a.

=> Wertsubstanz

=> Realabstraktion

Dynamische Psychiatrie

Die Dynamische Psychiatrie ist eine, im weitesten Sinn psychoanalytisch ausgerichtete Psychiatrie, welche Günther Ammon in den 60ger Jahren des 20. Jahrhunderts nach amerikanischem Vorbild in Deutschland, zunächst in Berlin, dann auch in München eingerichetet hat, zwischendurch auch in anderen Städten, wie z.B. Düsseldorf. Nach jahrelangen internen Auseinandersetzungen ist die Menterschwaige in München als Einrichtung verblieben. Von Colin Goldner wird die Gruppe ebenso wie von Hansjörg Hemminger als Sekte eingeordnet. Seit 5/2002 von der Senatsverwaltung für Bildung als "konfliktträchtige Gruppe" eingestuft. Die Berliner Ärztekammer lehnte in den letzten Jahren mehrere Anträge des DAP-Institutes auf Anerkennung für die Ausbildung ab. Zu Psychopharmaka hat die DAP keine dezidierte Haltung. Bekannt ist aber, dass Menschen, die dort "auffällig" werden, ohne Umstände damit "versorgt" werden - obwohl dies im eklatanten Widerspruch zu der dort vertretehnen Auffassung von Therapie steht.

Ammons Weltbild ist von der psychoanalytischen Vorstellung geprägt, dass sich der "gesunde Mensch" aus einem Läuterungsprozess durch eine sozial angewandte Psychoanalyse ergebe, die in der Lage ist, die in einer "hochentwickelten" Gesellschaft die erforderliche "Ich-Stärke" einzurichten. Damit formuliert er nichts anderes als den Größenwahn, den psychoanalytische Denken in der Praxis hat. Aber in der sozialen Anwendung will er damit zudem nicht nur bestimmtes Leiden therapieren, sondern versteht dies zugleich als einen gesellschaftshygienischen Akt, durch den er beteiligt sein will, die Krankheit der Welt aufzuheben und "freie Menschen" herstellen.

Interessant ist seine Klinik heute nur noch durch ein Ich-Psychologisches Gruppenkonzept, das ein Widersinn in sich ist, da es das Gruppengeschehen als Selbsterfahrung in psychoanalytischer Begrifflichkeit interpretiert und diese in objektiven Entwicklungsstufen als Werden eines "Ich" im "Wir" auffasst. Die Verkehrung psychologischen Denkens wird darin absolut: Es werden die unter diesen Bestimmungen bekannten objektiven Gefühle genutzt, um mit ihnen und durch die Einwirkung von TherapeutInnen eine "Heilung von Psychisch Kranken" zu ezielen. Dies hat Ammon ausgiebig unterlegt mit einer gruppendynamischen Psychonanalyse, wie sie in den 70ger Jahren gut ankam: Die "Ich-Angst" eines Menschen wird auf ihren "archaischen Kern" getrieben, aus dem heraus sich ein gefestigtes "Ich" ergebe, wenn die Gruppe hierbei eine Geburtshelfer-Funktion (natürlich vermittelst der TherapeutInnen darin) übernehmen würde. In fest notierten Entwicklungsschritten wird die Angst vor psychologischem Hantieren (als "Angst, sich zu verlieren") durch die symbiotische Funktion einer Gruppe entkernt und die damit gewonnene Selbstaufhebung dem Treiben ammonitischer Lebensvorstellung überlassen, die sich als "Korrektiv" andient, welches zu einem "gesunden Ich" führen würde. Notwendig hierfür ist die Abschottung des "therapeutischen Raumes" als von krankhaften Einflüssen "befreites Gebiet", in welchem die "gesunden Anteile" des Ichs unter therapeutischer Einwirkung und der Nutzung der Gruppendynamik gedeihen würden.

Die radikale Abtrennung zur eigenen Geschichte und ihrer Welt macht das Gruppengeschehen zwangsläufig zu einem esoterischen und fördert demzufolge eine Abhängigkeit bis Hörigkeit an die Therapeutin oder den Therapeuten, der, lediglich aus seiner Theorie und Willkür geleitet, die ganze Gruppe in gezielter "Dynamik" hält. In dieser werden alle bestimmten Inhalte der Gefühle (z.B. Aggressionen) nur als therapeutisches Mittel, also als Formbestimmung des Gruppenprozesses selbst genutzt, somit als menschliche Beziehung ausschließlich in ihrer Wirkung in Selbstwahrnehmung aufgehoben, so dass hierin sich Menschen verlieren müssen (Selbstverlust), die in ihren Beziehungen gebunden sind und sich solche gewinnen, die sich in dieser Theorie selbst wahrhaben, also selbst als Therapeuten aus dem Geschehen hervorgehen können, sofern sie die anschließende Lehranalyse Mehrup4a1b überstehen.

Dadurch, dass sich die "Therapie" in der Dynamischen Psychiatrie als Vermittlung eines geschlossenen Weltbildes herausstellt, welche menschliche Beziehungen bis in ihre extreme Selbstwahrnehmung hinein (Archaik) nutzt und bestimmt, lässt die Feststellung eines Sektencharakters dieser Sorte von Psychiatrie glaubhaft sein.

s.a.

=> Sekte

quelleup5a5b Dypamische Psychiatrie, aus den Anfängen


Kritik an der DAP:
http://www.dynpsych.com/

http://www.dynamischepsychiatrie.de/

Psychologie Heute Juni 1989
 

 

quelleup5a5b1 Download Sendungsprotokoll zu Ammon:
"Nicht nur zum Wohl des Patienten? - eine kritische Auseinandersetzung mit der Deutschen Akademie für Psychoanalyse"

Bayern 2 Radio Notizbuch
vom 17.4.2001, Redaktion: Sybille Giel
Autorin: Doris Plenk