| Buchstabe E | ||
Das Ego ist ein lateinischer Begriff, der für das Subjekt aller Selbstbezogenheiten stehen soll. Er meint dasselbe, was der deutsche Begriff Selbst sagen kann. In den Begriffen Egoismus und Egozentrik kommen demnach auch die fremdsprachlichen Formulierungen der Selbstbezogenheiten zum Ausdruck. |
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Egoismus ist die Vermittlung aller Beziehungen durch sich selbst zum Zweck der Aneignung von Fremdem. Im Zweck unterschiedet sich diese Selbstbeziehung von der Egozentrik, die sich lediglich aus der Selbstwahrnehmung begründet. Sie setzt allerdings voraus, dass es möglich ist, - dass also ein Mensch die Mittel hierfür besitzt (siehe Geldbesitz). Egoismus ist eine allgemeine Bezugnahme des Privateigentums auf gesellschaftliches Eigentum, der "Sinn des Habens" (K. Marx). | s.a. Kritik am christlichen Begriff der egoistischen Eigenheit in der philosophischen Systematik de Kulturkritik | |
Egozentrik ist die Bestimmung der Wahrnehmung durch die Selbstwahrnehmung, d.h. die Auffassung von Fremdem als Eigenem. Dies setzt die Ununterschiedenheit von beidem voraus. Objektiv entspricht dieser Blickwinkel dem Geldbesitz, dem Allgemeinbesitz des Einzelnen, das potenziell Eigenes ist. Egozentrik ist daher eher altruistisch, denn egoistisch. Es setzt alles Äußere als Objekt des Eigensinns, als Mittel der Selbstbeziehung. Der Selbstbezug durch anderes hat zur ersten Folge eine Fremdentwicklung, also eine eigene Entwicklung auf der Grundlage von Fremdem. Deren Verlangen kann nicht auf Erzeugtes sich beziehen, sondern muss möglichst viel haben, was es nicht ist und nur deshalb auch nötig hat (siehe Konsum). | s.a. | |
"Die Ehe ist bestimmt von einem phantasielosen Schwein erfunden worden" (Albert Einstein) Ehe ist ein Vertragsverhältnis, das als Regelungsgrundlage für die Verschwägerung von Familien und Familienbesitz und die Haushaltung, Liebe und Kindererziehung nach den Notwendigkeiten der gegebenen ökonomischen und kulturellen Lebensbedingungen dient und zugleich dem Ehepaar einen Rechtsstatus als Familienträger im bürgerlichen Recht und dem Staat gegenüber verleiht. Die abgetrennte Rechtsform der Verträglichkeit von Haushaltungs- und Liebesbeziehungen als staatsbürgerliches Verhältnis (im Unterschied zum religiösen) ist relativ neu und entspringt vor allem der Aufklärung, die unbeschadet jeder wirklichen Vereinigung deren Vertragsform der Verträglichkeit vorraussetzt, ihr erst darin überhaupt die Möglichkeit verleihen will, die für sich keine Notwendigkeit hat. Deutlich wird die Absurdität der Aufklärung auch daran, dass Kant die Ehe als die sittliche Wechselseitigkeit des Gebrauchs der Geschlechtsorgane begreift - und Geschlecht ist demnach für ihn auch nur die Tätigkeit der Geschlechtsorgane. |
s.a. | |
Ehrfurcht ist die Furcht vor fremder Würde, also vor einer Würde, die nichts Eigenes enthält und daher Ehre fordern muss, fremde Würdigungen. Es geht hierbei um eine Ehre, die Demut verlangt, weil sie Größe durch sich und ihre Masse behaupten kann. Es ist allerdings eine Größe, die sich nicht durch sich bestärkt, sondern durch ihren Widerschein, durch ihre Reflexion in der Masse. Und letztlich ist es auch die Angst vor der Masse, die Ehrfürchtig macht. Dies macht vor allem auch die Massenpropaganda, und bezieht sie sich auch nur um einen Lutscher. Als Teil der Masse wird das Subjekt der Ehrfurcht nur wirklich und hat seine Wirkung durch seine scheinbare Besonderheit darin (siehe auch die Wirkung von Hellingers Familienaufstellungen). |
s.a. | |
"Ehre sei Gott in der Höhe" (Bibel) Ehre ist eine entäußerte Achtung in der Form einer gesellschaftlichen Besonderung, der gesonderten Würdigung einer Persönlichkeit, zum Zweck der Hervorkehrung einer Rolle, welche gesellschaftllich hoch bewertet ist. Geehrt wird, wer darin zur besonderen Beachtung gelangt. Oft ist dies auch Grund für Verehrung und auch Ehrfurcht. Die höchste Form der Ehre ist die Ehre Gottes (siehe auch Glaube). |
s.a. | |
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Ekel ist die Empfindung einer Abweisung, die noch nicht abgewendet ist. Wenn Ekel nicht mehr in Abwendung verwirklicht werden kann, so wendet er sich zur Ästhetik der Selbstwahrnehmung, oft auch nur in der Abweisung von fremden Selbstgefühlen als ästhetisches Selbstgefühl. Das Verhängnis im Ekel ist die Herrschaft der Selbstwahrnehmung, die sie über das Wahrnehmungsverhältnis gewinnt. Sie enthebt sie somit ihrer Gewissheit und kann ihren Schmerz nicht mehr erkennen. Konfuzius sagt dazu: "Wo es stinkt, da musst du deine Nase sauber halten". Wo das ästhetische Selbstgefühl, das dem Ekel entspringt, sich nicht mehr verhalten kann, weil es für ein Verhältnis notwendig ist, so entsteht eine Depression. |
s.a. | |
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Esoterik bezeichnet ein "mystisches Wissen", ein Wissen, das sich nicht aus wirklichen Bestimmungen ergibt, sondern aus unbestimmt gefassten Beziehungen, die meist als Ausdruck einer höheren Bestimmtheit verstanden werden, einer Bestimmung, die wie ein Geheimwissen in einem Deutungsverhältnis den wirklichen Zusammenhänge zugeführt wird (z.B. Astrologie oder die "Wunder des Glücks" durch positives Denken). Interessant ist hierbei die Art der Bewahrheitung (siehe Wahrheit), das scheinbar bestimmte Zutreffen und doch jederzeit durch Umdeutung mögliche anders bestimmte Zutreffen. Esoterisches Wissen trifft immer zu, weil es per Definition gefühlte Verbindungen verwesentlicht. Dabei werden die objektiven Bestimmungen (z.B. bei der Astrologie die jahreszeitlichen Lebensumstände einer Geburt) mit subjektiven Bestimmungen (z.B. die Art der Wahrnehmung, die Fokussierung des objektiv vermeinten Wesentlichen) in eins gesetzt und somit wie eine wesentliche Emphatie erlebt. Erstaunlich ist auch die Beweglich der Deutung, wenn sich die Bedingung des Deutens verändert (z.B. beim Irrtum beim Geburtsdatum in einer Astrologischen Deutung: Auch die Umdeutung wird schnell als richtige erfahren, dann sogar als noch richtiger, noch vollständiger). Esoterik füllt vielfach Lebenswelten auf, die unbegreifbar erscheinen, weil es hierfür noch keine Sprache oder Begriffe gibt, aber Wirkungen erkennbar sind. Dabei werden manchmal erstaunlich geschickt Empfindungen aufgegriffen, die sich mit einem quasi mythologischen Gefühl für höhere Wahrheiten verbindet und somit zumindest Bestätigung erfahren, welche die Selbstgefühle in ihrem seelischen Zusammenhang bestärkt und durch Idealisierung erhöht. Wirkliche Bestimmungen werden so zu höheren Bestimmungen mystifiziert, meist zu einem "Schicksal" höherer Ordnung, eine Art Vorsehung oder einen Archetyp des Lebens. In der Abgrenzung von Exoterik bedeutet Esoterik reine Innerlichkeit als durch ihr Wesen begründete Wahrheit, die keine weltlichen, wohl aber überweltliche Gründe weiß und darin bestimmt und bestimmend ist: ein Wesen ohne Wirkung und Wirklichkeit. Ein inneres Wesen, das sich nicht wirklich bewahrheiten muss, lebt als Idee von sich, die sich zu bewahrheiten hat, als Wahrheitsbehauptung, die sich allem zustellt und alles unter sich subsumiert (ordnet), ohne selbst wahr zu sein - heimliche Wahrheit mit unheimlicher Wirkung. Als solche Behauptung lassen sich Begriffe auch idell nominieren (ideologischer Nominalismus). Sie selbst gelten als Wahrheit der Wahrnehmung und begründen diese, wie sie sich in ihr auch notwendig machen. Esoterik formuliert sich daher selbst schon als heimliche Notwendigkeit eines Positiven, als Ordnung, um Wirklichkeit zu ordnen (vergl. z.B. Hellingers "Ordnungen der Liebe"). Ein weites Feld der Esoterik ist daher auch die Lebenshilfe durch positives Denken, besonders im Tätigkeitsbereich der Familientherapie. Gerade wo die Wirklichkeit voller Probleme verläuft, die ausweglos scheinen, weil sich keine Entgegensetzungen darin finden lassen und sie nur als Paralyse erfahren werden (siehe Zerstörung), bietet Esoterik ein Fortkommen "in einer anderen Lebensdimension" - natürlich nicht ohne Erfolg. Einerseits ist auf der Seite der davon angesprochenen in der Abstraktheit ihrer Lebenssituation nichts mehr, was nicht besser werden kann, auf der anderen Seite herscht ein wirklicher Bedarf als Wissen über Lebensvorgänge, um überhaupt in der Lebenswelt der Zwischenmenschlichkeit zu sich selbst Zugang zu bekommen. Bücher wie "Wunder werden wahr" (von John Gray, Goldmann-Verlag 2003) erreichen weltweit in 40 Sprachen Millionenauflagen; Bert Hellinger ist weltweit inzwischen bekannter als Sigmund Freud und mit den Masseninszenierungen seiner Familienaufstellungen auf einer Millionenachse rund um den Erdkreis tätig. Seine "Erfolge" bestehen daraus, dass er den Menschen "Lösungen" ihrer Probleme vorführt, die innerhalb einer einzigen Veranstaltungen wahrgenommen werden wie ein allgemeines "Aha"-Erlebnis. Alleine dies schon tröstet über die eigene Desolatheit hinweg. Esoterik ist im Grunde ganz einfach und meint ein Wissen aus dem Inneren, das sich von rationaler (Vernunft) und Wissenschaft abhebt, indem es von aller Geschichte in dem isoliert wird, als was es herausgenommen wird - sei es als Energie oder Gefühl von Schwingungen die gegeben erscheinen wiewohl sie eigen sind. Darin wird die Bewegung der Geschichte zu einem Zustand, in welchem verwechselt ist, was fremd und was eigen ist, was wahrgenommen und was aus sich heraus wahrgemacht wird. Es wird so zu einem "ätherischem Bewusstsein", "Wissen" eines höheren Seins, der Glaube an "Wunder", die im Alltag machbar sind, die Vorstellung besonderer Erfahrung, die schon dadurch möglich werden, dass ihre Zielbestimmung gesetzt und damit das Leben besondert, vielleicht auch "magisch" wird, eine Art Gotteserfahrung, die von Gott nichts wissen will, eine geistige Identität jenseits des Seins, die ihre Abstraktion genießen kann. Es geht dabei um ein vermeintlich besonderes Wissen eigener, also besonderer Wesenskräfte, die keiner Äußerlichkeit oder Form bedürfen, weil sie Selbstabsonderungen kindlicher Erfahrungsweisen enthalten, Welt ohne Selbstunterscheidung, kosmische Symbiose, die ein Wissen ohne Gewissheit, "höheres Bewusstsein" durch ihre Ferne und Allheit hat. Das macht wohl den verbreiteten Wortsinn aus: Esoterik gibt sich als eine Art Geheimwissen besonderer Sensibilität. Aber eigentlich ist es doch bloß ein Wissen um die Wirkung objektiver Gefühle, das einfach nicht theoretisch, sondern vorwiegend praktisch vermittelt wird. Durch das Selbsterleben "vor Ort" und in der Anwesenheit des Meisters werden Erlebnisse möglich, die jenseits der bisherigen Erfahrung stehen, weil die praktische Hemmnisse des Alltags beiseite geräumt sind. Esoterik lässt sich daher auch nur praktisch und sinnlich mitteilen durch Verhältnisse, worin es durch Übungen oder durch die Anteilnahme in bestimmten Lebensräumen übertragen werden kann (z.B. spirituelle Sitzungen, Tantra, Intellektuellenzirkel). Esoterik bestimmt sich vorwiegend aus dem Sein der geschlossenen Wesensgemeinschaft. Die Sprache hat hierbei bestenfalls erläuternde Funktion. In esoterischen Kreisen entwickeln die Teilnehmenr einen besonderen Bezug auf sich durch die Vergemeinschaftung eigener Wesenhaftigkeit - zunächst aus Selbstreflektion, die jeden bereichert, und schließlich in der Rückwirkung auf den Einzelnen als Gemeinschaftswesen. Die Gruppenform kann hierbei zu einer Beziehungsfalle werden, wenn sich das Gefühl eigener Wesentlichkeit ausschließlich darin als eigene Identität formiert. Da Esoterik sich als besondere Geistigkeit gibt, welche nicht unbedingt Geist, vor allem aber Sinn haben muss, sondert sie sich gerne als kollektiver Eigensinn von den gewöhlichen Verhältnissen ab, in denen Geist und Sinn ihre Widersprüche leben müssen. Sie erhebt sich so als besondere Seinsweise einer Kultur über die bürgerliche Kultur, und gibt sich, als ob sie diese hinter sich lassen könnte. Zugleich aber besteht sie auch nur in dieser Absonderung wirklich und im Bezug zu ihr, verliert sich also zwangsläufig, wenn sie ihre eigene Lebenswirklichkeit entfaltet. Sobald alle Momente der Existenz in esoterischen Lebensräumen entwickelt sind, zeigt sich meist auch der praktische Charakter esoterischer Provinienz: Es geht hierbei um ein Beurteilungsschema des Lebens, das seine besondere Sittlichkeit aus einer Metaphysik der Sensibilität gewinnt, die keinem Bewusstsein zugänglich sein kann. Von dieser Seite ist Esoterik nicht mehr nur abgesondert, sondern sondert auch ab. Die Abgesonderten berichten daher oft von einem Sektencharakter mit ungeheuerlichen Gewaltverhältnissen, die darauf beruhen, dass esoterische Verhältnisse immer durch den Meister der "Geistigkeit" oder der "Empfindsamkeiten" bestimmt werden müssen. Ihm ist weitgehende Willkür übertragen, weil sie auch nötig ist, wenn keine bewussten Auseinandersetzungen, also Bewusstwerdung gegenstänlicher Verhältnisse unter den Menschen sein können. Von daher ist Esoterik das Gegenteil von Bewusstsein - eben höheres "Bewusstsein" oder das ganz aparte Wissen über Alles und Nichts, das weder logisch noch wirklich ist. Es bleibt als reiner Wille nach Verwirklichung des höheren Lebens, das schon in der Absicht lebt, die es im Sinn hat und wovon sie nichts konkret weiß. Es ist ein Zirkelschluss von Lebensabsicht, die sich aus dem begründet, wonach sie verlangt. Um ein Willensverhältnis herzustellen ist in dieser Konfliktlage eine quasi religiöse Kategorie nötig, die sich aus übermenschlicher Bestimmtheit ergibt, also aus der Behauptung einer höheren Vernunft, einer Metaphysik. Sie hat als wesentliche Funktion, die esoterische Gemeinschaft in einem Gemeinsinn zusammen zuhalten, der jedem zukommt, also von allem abstrahiert, was zwischen den Menschen als Gegensatz auftreten könnte. Geeignet für solche Übersinnlichkeiten sind Begriffe wie Liebe, Geist, Gott, Vorsehung u.a.. Auf diese Weise besteht die Notwendigkeit der Befolgung solcher Abstraktion als Gesinnung, die zwangläufig ein reaktionäres Ganzes ausmacht. Von daher bestehen Affinitäten zu faschistoiden Gemeinschaften, die sich von den esoterischen nur noch darin unterscheiden, dass sie sich auf die bürgerliche Gesellschaft rückvermitteln wollen. | s.a.
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Der esoterische Charakter begründet seine Sinnzusammenhänge auf dem Einheitsstreben allübergreifender Gefühle, die eine quasi "ozeanische" Dimension (S. Freud) haben. Er speist sich aus Selbstgefühlen, die grenzenlos sind und eine Welteinheit in sich empfinden. Von daher ist er die Grundlage für ein symbiotisches Welterleben, das durch jede wirkliche Beschränkung schon gekränkt wird. Ein solcher Charakter findet besonders in abgehobenen Gefühlssphären seine Befriedigungen (siehe auch Hochkultur) und entwickelt Bedürfnisse nach Höherem oder nach Avantgardismus. Wie jeder Charakter der bürgerlichen Persönlichkeit tritt der esoterische Charakter selten rein auf, sondern meist im Zusammenhang mit dem einer flexiblen Persönlichkeit. |
s.a.
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Ethik ist zunächst eine Lehre vom guten Menschsein, welche meist auf der Basis des praktischen Humanismus die Grundlagen zur Bewertung einzelner Lebensakte für Entscheidungen und Urteile als Maßstab ihrer Güte bereitstellt. Ethik besteht aus Lebenswerten, die durch Sittlichkeit und Vernunft hinreichend begründet gelten, aber auch durch Wissenschaft oder Glaube, manchmal beides in einem (siehe z.B. Rassismus). Sie impliziert ein menschliches Selbstverständnis, das sich in allgemeinen Reflektionen über das Menschsein - meist aus der Philosophioe oder Theologie - abstrahiert, aus denen heraus relativ beliebige Beziehungen für ein Urteil herleitbar sind. Darin unterscheidet sich Ethik im wesentlichen von einem Bewusstsein, das seine Gegebenheiten und deren Geschichte als seine Selbstverständlichkeit kennt und als Wissen sich notwendig praktisch verhält. Aus der Ethik ergibt sich praktisch lediglich eine Moral, worin die Menschen ihr Verhalten verstehen und worauf sie sich beschränken wollen. Von dieser Seite her ist Ethik zwangsläufig reaktionär. Angesichts barbarischer Verhältnisse und Willkürlichkeiten erscheint Ethik oft als einziges Mittel, die Anliegen des Menschseins allgemein zu formulieren. In einer Ethikkommission wird beispielsweise diskutiert, wieweit Genforschung und Genmanipulation gehen darf. Kein Wunder, dass dort die gesamte Industrie hochrangig vertreten ist. Niemand wird sich die Definition des richtigen und guten Menschseins von anderen bestimmen lassen, denn das Gute kann auch sehr nützlich sein. So ist eine Ethikdiskussion sehr schnell selbst der Streit, den sie aufheben sollte. Ethik bestimmt sich als allgemein postiver Wert und setzt somit ihren eigenen Ausgangspunkt entweder durch eine Ontologie oder ein Prinzip. An ihrer Position wird die Negation ausgerichtet, also alles, was ihr entgegensteht und was sie von ihrem Wert her bewertet. Ihr implizites Ziel ist die Verwirklichung eines guten Menschen durch Veröffentlichung von verbindlicher Moral und durch die Grundlegung für Gesetze, die sie befördern. Doch Gesetze sind Beschränkungen, die sich aus der Lebenspraxis der Menschen und deren Geschichte ergeben. Man braucht nicht unbedingt die Position eines Menschenbildes, um Verbote zu formulieren: "Du sollst nicht töten. Du sollst keinen Menschen klonen. Du sollst keinen Schaden an Leib, Leben oder Natur zufügen. Du sollst deine Nahrung nicht verderben." u.dgl. mehr. Man mag solche Gebote vernünftig, moralisch oder ethisch bezeichnen; aber vor allem sind sie praktisch notwendig, nicht aus Vernunftsgründen, sondern im Erkenntnisprozess des Lebens selbst, durch welchen ich nicht ohne Natur und nicht ohne andere Menschen sein kann und mich selbst nur als das kenne, was ich im Bezug auf diese erkenne. Gebote, welche aus dieser Selbsterkenntnis hervorgehen (z.B. dass ich andere Menschen schützen muss, wie mich selbst), formulieren dieses als Selbstverständnis wenden so auch meine Not, wenn sie als allgemeine Notwendigkeit begriffen sind und umgesetzt werden. Hierzu bedarf es nur des Wissens dieser allgemeinen Beziehung und der Mittel für ihre Absicherung. Eine ethische Wertung jenseits dieser Beziehung verkehrt sie selbst zum Anwendungsfall ideeller Allgemeinheiten, die immer als Vorstellung eines So-Sein-Sollens, als Ideologie, als Bewusstseinsform der Beherrschung daher kommen und sich als herrschendes Bewusstsein gegen die Wirklichkeit komplexer menschlicher Beziehungen richtet. Menschliches Selbstverständnis ist aus der menschlichen Geschichte selbst erwachsen und in der Auseinandersetzung mit ihr mehr oder weniger tief in das sinnliche und kulturelle Gedächtnis der Menschen als praktische Selbstverständlichkeit eingegangen. Sie entwickelt sich im Anliegen der Verständigung über das menschliche Leben, nicht aus der Vernunft von Abstraktionen. Eine positive Begriffsbestimmung dieses Lebens ist vor allem dadurch problematisch, als sie diese als Ontologie und damit als ontisches Prinzip anwendet. Geschichte, die darin entsteht, kann nur die Geschichte einer Wesensbehauptung sein und keine wesentliche Geschichte. Hiergegen hatte sich schon Immanuel Kant gewandt, als er dieses Problem mit seinem kategorischen Imperativ zu lösen versuchte. So notwendig Gebote und Gesetze sind, welche die Beschränkung von menschenfeindlicher Willkür gewährleisten sollen, so fragwürdig ist Ethik als Position einer theoretischen Menschlichkeit. Schon die Praxis von Ethikkommissionen zeigt deren Funktion als Beschwichtigungsinstrument gegenüber knallharten politischen und wirtschaflichen Interessen. Tatsächlich steht hier einzig ein Appell an das Gute wie dessen Theologie dem Verwertungstrieb der multinationalen Industrie entgegen und verschleiert so auch dessen Wirklichkeit. Mehr als blanke und allgemeine Gesetze bewirken können, erreicht die praktische Kritik an dieser Industrie, ihrem Finanzwesen und ihrer Produktion. Eine Kritik bedarf keiner theoretischen Position sondern ist in ihren praktischen Lebenszusammenhängen selbst positiv, wenn auch in der Negation wirklich. Hiergegen ist Ethik, je nach der Art ihrer ontischen Reduktion auf einen Lebenswert, relativ beliebig anwendbar, z.B. auch zur Bestimmung des Lebensunwerts zur Weitergabe an die Euthanasie oder als Begründung eines "Kampfes der Kulturen" (siehe Huntington) durch die Menschenrechte. Es ist eine einfache Wahrheit: Das so etablierte "Gute" funktioniert nur, wenn es das "Böse" niedermacht. Und dann ist es eine Frage der rechten Gesinnung, ob man zu den "Guten" gerechnet wird. |
s.a. | |
Euthanasie meint in der griechischen Wortbedeutung die bewusste Herbeiführung des Todes. Dies war im griechischen Altertum eine sophistische Grundhaltung zu einem Leben, das sich gegen die Lebensideale entwickelt (siehe auch Platonischer Staat). Allgemein wird dies in dem in sich schon widersinnigen Begriff von einem "lebensunwerten Lebens" umgesetzt, der hauptsächlich für die Massenvernichtung von Menschen durch die Nationalsozialisten hergenommen wurde. Vom obersten Mediziner der NS, dem Leibarzt Adolf Hitlers Karl Brandt, war die Euthanasie das Gebot einer aufgeklärten Vernunft (siehe Aufklärung) der sozialen Entwicklung, die in völkischem Interesse an "gesunden Menschen" zur Kultivierung einer Gesellschaft nötig sei (siehe auch Volkskörper). Er hat die Euthanasie zur Durchsetzung der "Rassenreinheit" nach Anstoß von Hitler als "Arzt der Volksgesundheit" entwickelt und gegen Behinderte und "Abartige" zunächst als Konsequenz naturwissenschaftlicher Erkenntnis und ihrer "sozialen Verantwortung" betrieben - auch im Sinne eines biologistischen Verständnisses von Abweichung und zur "Erforschung der sozial gefährlichen Instinkte". Im Zynismus der Nazis hieß dies die "Aktion Gnadentod" und wurde von Brandt selbst als Ausdruck nationalsozialistischer Lebensbejahung gefeiert: "Euthanasie des lebensunwerten Lebens ist konsequente Lebensbejahung!". Dies ist der Kern des Lebensverständnisses der Nazis und der daraus folgenden Begrifflichkeit, aus dem sich alle andere Tötungen ebenso ergeben, wie das absurde Lebensverständnis, welches einem ungeheuerlichen Heilsgedanken entspringt: Was nach NS-Ideologie für unschön und unwert befunden wird, befördere durch seine Vernichtung die Vollendung des nazistischen Lebensglücks, das Leben der reinen Rasse (siehe Rassentheorie). Der Kern der nationalsozialistischen Euthanasie ist also eine Lebensästhetik, die sich als Sortierung zwischen Leben und Tod durchsetzt und die absolute Schere zwischen Gut und Schlecht ansetzt. Es ist die Logik einer Ästhetik, die sich aus dem Schlechten begründet, aus dem Unguten, dem alleine mit Macht begegnet werden soll, weil man das Gute will. Es ist der sophistische Nominalismus der Macht (siehe politischer Nominalsimus), die sich in der Herrschaft über Leben und Tod durch die Kraft des Willens gegen das Schlechte begründet wissen will, der Gipfel bürgerlicher Selbstentfremdung als Zynismus der Gewalt gegen alle wirkliche Geschichte, die Stringenz des absoluten Selbstgefühls, das sich in einer reinen Volksseele verwirklicht sehen will - und koste es das Leben ... der anderen. Entsprechend auch die Unterschiede der Wahrnehmung: Während das "Personal" der Gaskammern von grausig entstellten Leichen berichtete, die in ihrem Kot und Erbrochenen verwunden lagen, behauptete Karl Brandt, sie seien "mit einem glücklichen Lächeln gestorben". Bei allen Diskussionen um eine "bewusste Herbeiführung des Todes" (z.B. in der Sterbehilfe) muss die Frage nach dem Ursprung einer solchen Tat in Bezug auf Wille, Macht und Ästhetik geklärt sein, bevor sie in den Dunstkreis des Nationalssozialismus gerückt werden kann. Natürlich besteht bei jedem "unnatürlichen Tod" immer das implizite Problem der Sortierung zwischen Leben und Tod, das gesellschaftlich begriffen werden muss; - und die Begründung alleine durch den Willen des Betroffenen wäre fatal, da er ja notwendig andere Menschen und das Verhältnis zu ihnen und den Eingriff in ihre Geschichte, die Abfolge ihrer Tätigkeit, nach sich zieht. Aber es kann umgekehrt auch kein Diktat der Natur des Sterbens geben, da nichts am Menschen reine Natur ist - zumal es oft auch nur die Technik ist, die solches Diktat erst ermöglicht, weil sie auch das Diktat eines Lebensverständis ermöglicht hat, bei dem allein der technische Erhalt der Lebensfunktionen durch medizinisch eingestzte Maschinen bestimmend sein soll. | s.a. | |
Die Eventkultur ist ein Lebensraum des Erlebens von Ereignisproduktionen, die sinnlich machen, "anmachen" (siehe hierzu auch Sport, Medien, Kulturveranstaltung). Es ist der Gegensatz zu sinnentleerter Arbeit, Abbau der Selbstentfremdung durch Selbsterleben. In dieser Kultur entstehen zwischenmenschliche Beziehungen durch Versinnlichungen des Körpererlebens: Abtanzen und Anmachen. Der Körper interpretiert, vollzieht nach, was als musikalisches Ereignis vorgelegt wird, identifiziert sich damit und erfüllt sich mit einem Sinn, der jenseits dieser Kultur selten Sinn hat. Oft richten sich deshalb die zwischenmenschlichen Verhältnisse nach diesem, erfüllen ihn im Fan-Kult an die entsprechenden Ereignisproduzenten. In der Eventkultur entsteht kein Leben, aber Lebensfigurationen, Eindrücke, die sich auch ausdrücken lassen, z.B. als Mode oder Design. Es sind Wahrnehmungswelten, welche die Wirklichkeit menschlicher Beziehungen ersetzen müssen, sie in ihrem Schmerz kompensieren. Oft ist das Erleben dieser Kultur die ausschließliche Lebensform von Beziehungen. Das kann auch zur Sucht führen, nämlich in dem Maß, wie die Schmerzvermeidung das Erkenntnisvermögen für zwischenmenschliche Beziehung bestimmt. In der Eventkultur entsteht eine Art Kollektivkraft der flexiblen Persönlichkeiten, ein Zusammenschluss, der seine Eigenwelt erzeugt, Sinn macht als Szene, Ästhetik usw. Die Nachgestaltung des darin produzierten Lebens, das Leben als Veranstaltung schafft sich seine Bühne selbst, erfüllt tatsächlich die anwesenden Körper mit Beziehungswelten an Körperlichkeit, worin sich die strikte Negation ihres sonstigen Lebens erfüllt. Im so erzeugten Erleben feiert der Körperfetischismus Urständ, sinnliche Armut erscheint als körperlicher Reichtum, sinnliche Einfalt als Vielfalt von Bewegtheit. Die hierzu benutzten Eindrücke, besonders Musik und Design, gewinnen gerade durch ihre Vereinfachung ihre vielfältigen Variationen, durch Aufsummierung ihrer Effekte eine Maske des Selfunderstatements, das sich schrill und bunt von jeglicher sinnlichen Erkennbarkeit enthebt. Sie sollen keinen Sinn machen, sie sollen Sinn entheben und zu einem jenseitigen Eigensinn pervertieren. Dieser besteht vor allem daraus, dass er nichts mit der Welt als solche zu tun hat. Gesellschaft wird darin zu einer eigenartigen Geselligkeit. Sie hat keine wirklichen Lieder, keine wirkliche Beziehung. Es ist die reine Zusammenfügung, die Assoziation entleerter Bedeutungen, Bilder ohne Gleichnis, Lieder ohne Melodie, Farbe und Rhythmus zum Nachfüllen leerer Körperlichkeit, die keinen Widerstand brauchen kann, die eingeht ohne Sinn, damit das Eingegangene schon durch seine Anwesenheit Sinn erhält, Gefühligkeit ohne Gefühl für etwas oder jemanden. |
s.a. | |
Ek-sistieren kommt von Herausragen, Hervorstehen und meint ein von allen Beziehungen unabhäng verstandenes Dasein, ein in seiner Eigenheit als Einzelwesen, in seiner individuellen Isolation begriffenes Sein. Dieses gründet auf der Gegebenheit, die für sich, also ohne Zusammenhang angeschaut wird, unabhängig von ihrem Werden und Beziehen, einfaches Fürsichsein. Im Mit-sich-auskommen bewegt sich die Existenz frei von aller vorausgesetzten Beziehung ("zur Freiheit verurteilt", Sartre) zugleich in der Angst des Für-sich-sein-Müssens, nuss alle Kraft aus sich schöpfen und sich in dieser bestätigt wissen. Das ganze Sein untersteht der Selbstverantwortung und die Verantwortung des Menschen unterliegt zugleich seinem ganzen Sein. Er ist damit zwar frei für sich, aber notwendig frei und eigentlich nur darin bestätigt, nicht tot zu sein. Existenz umschreibt in der Ökonomie den Reproduktionskreislauf eines Individuums, das darin seine Person zu einer Persönlichkeit entwickelt, welche sich im freien Selbstentscheid zu vollziehen vermeint (siehe Selbstverwirklichung). Als derart persönlich gewordene Menschen vollziehen diese aber vor allem, was ihnen zur Existenz möglich und gegeben ist und können sich darin dennoch als "Schmied ihres eigenen Glücks" ansehen, sofern ihre Lebensbedingungen dies zulassen. Diese allerdings werden meist ausgeblendet, wenn von Existenz gesprochen wird, denn diese will unbedingt sein, frei von jedweder Bestimmung außer der des Menschen selbst, der sich in seiner Existenz auch be- und verantwortet. Der Begriff von Existenz sieht alles Sein voraussetzungslos, umgekehrt aber alles geworden aus Existenz, für sich seiende Tätigkeit, die als Gewordenes so da ist (siehe Dasein), wie sie durch die Tätigkeit auch geworden ist. Diese Voraussetzungslosigkeit des Tätigseins abstrahiert von der Geschichte seiner Mittel und impliziert die Identität von Tat und Vermittlung, ist also für sich schon hervorragend, Individualität von gesellschaftlichem Sein, einzeln und allgemein zugleich, selbst schon Geldbesitz als Reproduktionsmittel (im Sinne von: Aus den Bestimmungen des gesellschaftlichen Lebens herausragen). Im selben Wortsinn macht Heideggers Auffassung die Existenz zur Erfahrung der Endlichkeit des Daseins, das in der Existenz erst "aus dem Nichts herausrage" und sich daraus bestimme, als ein Leben bis zum Tod, als eine "Leben zum Tode" in die Welt geworfen zu sein, sich alse wesentlich aus der Sorge um das Leben begründet (siehe Existenzialismus). Jegliche Geschichte der Menschen wird auf diese Antianthropologie reduziert und jede Bedingung als notwendige Bestimmung genommen, als Anspruch des Nichts an das Leben, dieses zu bewältigen, also dem Tod solange wie möglich zu entgehen. Leben ist demnach ein beständiger Todeskampf. Der Arme hat in diesem Sinn eine "schwache" Existenz - vielleicht, weil er dem Tod nicht richtig ins Auge gesehen hat? Es zeigt sich in dieser Auffassung die Bejahung der bürgerlichen Lebensverhältnisse als stillschweigenden Anspruch, Lebensnotwendigkeiten als Naturnotwendigkeiten zu ertragen, um am Leben zu bleiben. Hiergegen muss Existenz als ein formbestimmtes Dasein, als äußere Lebensbedingung angesehen werden, das aus der Notwendigkeit des Seins besteht, also in Wahrheit die Not des gesellschaftlich seienden Menschen ist. |
s.a. | |
Existenzangst wird in einer Gesellschaft erzeugt, in der Menschen um die Reproduktion ihres Lebens bangen müssen, wenn sie nicht tun, was von ihnen zum Erwerb ihres Lebensmittel verlangt wird. Dies setzt voraus, dass diese Gesellschaft sie von den Grundlagen der Selbsterzeugung durch ihre natürlichen gesellschaftlichen und individuellen Anlagen und Fähigkeiten getrennt und an deren Stelle die Notwendigkeit von Besitz an Existenzmittel gesetzt hat. Existenzangst unterscheidet sich von Lebensangst durch ihre Sachbestimmtheit: Existenangst ist meist eine Angst vor Arbeitslosigkeit, Lebensangst ist eine Angst um die Identität des eigenen Erkenntnismögens (Identitätsangst). Existenzangst ist die Grundlage dafür, dass Menschen nicht nur zur Arbeit sich verdingen lassen, sondern oft auch erpressbar sind für Arbeiten, die sie aus inneren Gründen ablehnen (siehe z.B. Prostitution). Um der Existenzangst in einem gesellschaftlichen Umfang politisch zu begegnen, wird von verschiednen politischen Richtungen eine Grundsicherung in Form eines Existenzgeldes gefordert. |
s.a. | |
Existenzgeld wird von verschiedenen politischen Gruppierungen von Links bis nach Rechts als Grundsicherung durch ein Grundeinkommen für jeden Bürger gefordert, daher auch oft mit Bürgergeld oder als "negative Einkommenssteuer" (Milton Friedman 1962 in "Kapitalismus und Freiheit") bezeichnet. Dahinter steckt zum einen das Interesse, die Reproduktion der Menschen und damit das Maß potenzieller Arbeitsbereitschaft zu sichern und als "untersten Lebensstandard" zu definieren, zum anderen die Verelendung der unteren Gesellschaftsschichten in den Krisenzeiten des Kapitals abzuwenden und Verwahrlosung abzuwenden, indem Existenzangst auf das Maß des Mindesteinkommens reduziert wird. Während erstres Interesse vor allem der Systemsicherung und Krisenbewältigung dient, will das letztre die Reibungsminderung der gegensetzlichen ökonomischen Interessen zur Wohltätigkeit des Staats befördern. Dies allerdings hebt damit zugleich das Lebensniveau der Menschen auch innerhalb kapitalistischer Produktionsverhälnisse in den reicheren Ländern an, soweit dies ihre Lage auf dem Weltmarkt erlaubt. Von daher vermindert es die Grundlosten der Lebenssicherung, aber auch die Existenzangst der betroffenen Menschen. Solche Angst macht ja letztlich die Menschen erpressbar und für alles gefügig, was vom Kapital als Besitzer der Lebens- und Produktionsmittel verlangt wird. Sie ist der Antrieb für viele Menschen, sich der Ausbeutung und Selbstausbeutung ohne Rücksicht auf irgendeinen Sinn ihrer Arbeit zu unterwerfen. Die Minderung dieser Angst wirkt sich auf das ganze existenzielle Niveau dieser Gesellschaft aus, die durch Arbeitsimporte aus dem Ausland meist auch zunehmend zu einer Dienstleistungsgesellschaft geworden ist. Das Existenzgeld unterscheidet sich vom Sozialgeld (ALG I + II) vor allem in seiner Unbedingtheit, also jenseits der Feststellung und dem Nachweis einer sozialen Not. Es soll jedem Bürger einer Nation zustehen, der weniger verdient, als seine Reproduktion auf unterstem Niveau kostet und die Differenz zum Arbeitslohn (ähnlich dem Kombilohn) tragen oder diese voll finanzieren. Der ganze Aufwand der Sozialverwaltung wäre damit weitgehend rduziert. Von daher sympatisieren die politischen Parteien von links bis rechts mit solche Vorstellungen, scheitern aber wohl immer an der politischen Umsetzung, weil die "Lohngestaltung" aus der Sicht des Kapitals nur dann "günstig" verläuft, wenn ein größerer Teil der Menschen in Existenzangst lebt. Es besteht also vorwiegend ein politischer, nicht unbedingt ein ökonomischer Grund zur Abweisung dieser Form des Lohnes. Es müsste ja de facto sowieso den Umfang des variablen Kapitals auf der untersten Stufe in der Konkurrenz der Arbeitspreise haben, der ja dem Reproduktionwert der Arbeitskraft gleichkommt. Und wenn nicht alleMenschen Arbeit finden, so ist es ökomisch sinnvoller, die Automation zu steigern, als die Vollbeschäftigung zu erstreben. Immerhin bleiben die Konsumenten des Gesamtprozesses erhalten und dieser in seiner ökonomischen Potenz durch das Existenzgeld regelbar. Von daher ist die Durchsetzung des Existenzgeldes unter kapitalistischen Bedingungen durchaus vorstellbar. Es entspricht auch dem Prinzip der Bildung von Arbeitseliten. Der tatsächlich motivierende Arbeitslohn wäre lediglich noch der Preis für besonders motivierte Arbeit, der Aufpreis für darum konkurrierende Arbeitskräfte. Soweit sich ihre Masse einregeln lässt, lässt sich somit auch ihre Konkurrenz staatlicherseits bestimmen. Das Problem bei der politischen Einschätzung des Existenzgeldes liegt aber einmal darin, woher das Existenzgeld kommen soll, wenn es Menschen zu reproduzieren hat, die nicht arbeiten müssen, und dann auch in der Geldform selbst. Zum erstren wird gerne angenommen, dass es der Automation entspringt, dass also die Maschinen Wert produzieren, der nur in seiner Geldform verteilt werden müsste (siehe Attac-Slogan "Es ist genug für alle da!"). Doch Maschinen selbst übertragen nur den Wert der menschlichen Arbeit, der in ihre Erzeugung eingebracht wurde; die Automaten als solche erzeugen keinen Wert, weil sie keinen Wert konsumieren können, denn Produktion und Konsumtion, dies beidseitige ist die Bedingung für den Wert der Waren. Also kann kein Geld bei Maschinenarbeit entstehen - wohl aber Produkte, die keinen Wert haben, die also im Prinzip die Wertproduktion schon hinter sich lassen könnten. Eine Grundsicherung könnte durch solche Produkte möglich sein. Soweit sie noch Geldform hat, entspricht dies einem Produktüberschuss, den automatische Produktion jenseits der Verwertung ohne großen Aufwand abwerfen kann, wenn das Kapital politisch dazu gezwungen ist. Es mindert aber seinen Markt, also auch seinen wirklich wertmäßigen Absatz. Und damit sind wir beim Problem der Geldform selbst: Das Existenzgeld ist als Steuer des Kapitals aufzufassen, zu der es in Krisenzeiten nicht bereit sein wird. Es hat mit dem zirkulierenden Geld als solches nur soviel zu tun, wie ein Anteil davon nicht mehr wertmäßig bestimmt, also reines Zahlungsmittel unvergoltener Arbeitsleistung, also automatisierter Arbeit ist, und der untersten Reproduktion der Gesellschaft als solche zukommt. Es handelt sich nicht um wirklich zirkulierendes Geld, sondern lediglich um eine Verteuerung der Technologie, die sich nicht in ihrer bisherigen Verwertungszeit amortisiert, sondern Reproduktionsvermögen abgibt. Von da her geht es bei dem Existenzgeld auch nicht um die Forderung nach bestimmten Geldbeiträgen, welche dem Kapital Profite schmälern würden. Es geht um die reine verwaltungsmäßige Neuaufteilung bzw. Umverteilung der Sozialkosten, welche an der prinzipiellen Situation der Lohnarbeit nichts ändert. Jede Forderung nach Geld kann vorübergehend eine Situation nur verbessern, wenn sie unterbewertet war, nichts aber an ihrem Wert ändern. Die Lohnkämpfe zeigen selbst am besten, dass sie lediglich ein Feilschen um die Bewertung der Arbeit sind, niemals aber den Lebensstandard der Menschen heben können - es sei denn, es gibt andere Gründe hierfür (z.B. Dienstleistung zur Mehrwertoptimierung). Jede Preiserhöhung aber geht ein in die Selbstregelung des Werts, also z.B. auch in eine Geldentwertung. Die Geschichte der Reallöhne beweist das zur Genüge ( Dennoch hat der Gedanke der Grundsicherung ein wichtiges emanzipatorisches Element, wenn er jenseits des kapitalisierten Geldkreislaufs als Notwendigkeit eines Veränderungsprozesses der Gesellschaft überhaupt durchdacht und darin als Beitrag zu einem möglichen Fortschritt genommen wird (siehe hierzu Brotkorbsozialismus). | s.a.
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Praktisch ist der Existenzialismus eine Reaktion auf den Nihilismus, im Grunde seine Konsequenz. "Nihil est", nichts ist außer dem Menschen. Und weil nichts ist außer ihm, sei er absolut, d.h. voraussetzungslos und bedingungslos: Unbedingt. Daher begründe er in seiner Einzelheit auch seine Allgemeinheit, in seinem einzelnen Tun sein allgemeines. Es ist die Empathie der Selbstverantwortung, das wirklich sein durch sich selbst als Antwort auf das große Nichts, das alles umgibt. Weil eben nichts sei, komme es auf alles an, was die Menschen tun - und das klingt sehr sympatisch, wenn darin einginge, was schon getan und doch nicht wirklich ist, was unbedingt sein muss und doch bedingt ist und was einzeln und doch nur allgemein bezwungen ist. Der Existenzialismus reduziert sich aus all dem auf eine wesenhafte Phänomenologie der Selbstanschauung als Weltanschauung: Existenz als in der Welt sein. Er gemahnt an die allgemeine Wirklichkeit des einzelnen Daseins, an die Tätigkeit auch im Nichtstun, an die Anschauung auch im Begreifen. Von da her war er wohl nötig. In diesem Sinn macht Heideggers Auffassung die Existenz zur Erfahrung der Endlichkeit des Daseins, das in der Existenz erst "aus dem Nichts herausrage" und sich daraus bestimme, als ein Leben bis zum Tod, als ein "Leben zum Tode", in die Welt geworfen zu sein, sich alse wesentlich aus der Sorge um das Leben begründet (siehe Existenzialismus). Jegliche Geschichte der Menschen wird auf diese Antianthropologie reduziert und jede Bedingung als notwendige Bestimmung genommen, als Anspruch des Nichts an das Leben, dieses zu bewältigen, also dem Tod solange wie möglich zu entgehen. Leben ist demnach ein beständiger Todeskampf. Der Arme hat in diesem Sinn eine "schwache" Existenz - vielleicht, weil er dem Tod nicht richtig ins Auge gesehen hat? Es zeigt sich in dieser Auffassung die Bejahung der bürgerlichen Lebensverhältnisse als stillschweigenden Anspruch, Lebensnotwendigkeiten als Naturnotwendigkeiten zu ertragen, um am Leben zu bleiben. Nach Heideggers Auffassung geht es um eine Erneuerung der Ontologie als Position, welche den Humanismus in die Ecke des bloßen Idealismus stellt und dem Leben eine Selbstverantwortung für sich gibt. Indem Existenz die Endlichkeit des Daseins formuliert, als Dasein, das in der Existenz erst "aus dem Nichts herausrage", misst sich Lebendigkeit darin, wesentlich als dieses zu sein, sich selbst zu beleben - ein Widersinn in sich. Sein Existentialismus ist daher auch im Fortgang von Nietzsche eine Lebensauffassung, welche die unmittelbare Erfahrung und ihre Subjektivität zur gegenstandslosen Allgemeinerfahrung des Seienden erhebt und die Unabhängigkeit und Selbständigkeit der Persönlichkeit als Bewätigung des "in die Welt geworfen seins" ansieht. Die Notwendigkeit einer in sich geschlossenen Persönlichkeit ist für den Existenzialismus die Lebensbedingung einer wahren Endlichkeit, als Macht und Begrenztheit des Willens und notwendige Selbstbegrenzung der Geschichte. Sie bewahrheitet sich in der Konfrontation mit dem Tod, dem die Endlichkeit als Seinserfahrung inne sei. Nicht materielle Lebensbedingungen machen den Zusammenhang einzelner Existenzen aus, sondern die Begrenzung der Unendlichkeit, das Wissen um den Tod: Die Zeit. In dieser Auffassung ist eine Mythologie des Seins impliziert, welche das ganze Leben als ausschließlich und unmittelbar, also voraussetzungs- und geschichtslos sich gestaltendes Sein ansieht, das allein durch den Tod zur Sorge um sich angetrieben ist. So kann es auch nur aus einer Welt isolierter Individuen, aus Persönlichkeiten bestehen, die sich darin austauschen, was sie in ihrer Sorge gegen ihren Untergang teilen. Darin eben ist auch das Selbstverständnis des Bürgers in einer Welt begründet, die ihre Lebensburgen zu bewahren sucht. Heideggers Existenzialismus ist eine rechte, wenn auch die konsequenteste, weil offen ontologische Position in der Existenzwahrnehmung. Ihm geht es um die Einheit als eigentliche Wahrheit in der Ursprünglichkeit, im reinen Sein des Menschen, das in der "Seinsvergessenheit" verflacht sei, und die Oberflächlichkeit einer lichtlosen Welt ausmache. Ihm geht es um die "Lichtung", um das Hervorscheinen des Wesentlichen, um Naturerleben als Wesensbezeugung und Kraftschöpfung gegen die Entfremdung der Technologie der Modernen. Die Persönlichkeit, die in dieser Weise zu sich findet, ihre Ursprünglichkeit gewinnt (siehe Ursprungssehnsucht), weiß sich erhaben über die Gewalten der Menschenverachtung, die er in der Technologie und der modernen Ökonomie sieht. Darin ist er ein rechter Kulturkritiker: Aus der inneren Stärke des Lebenskampfes, der wesentlich esoterisch ist, sieht er die Überwindung der Welt wie einen Rückzug in die Innerlichkeit der privaten Persönlichkeit, die sich nur zu einem einigen Volk zusammentun muss, um der Barbarei der Moderne entgegenzutreten. Kein Wunder, dass Heidegger die Umsetzung seines Existenzialismus im Nationalsozialismus als Selbstbestätigung empfand, in welchem die Persönlichkeit sich zur Volksseele entfalten wollte. Diese erst kann das wahre Volk sein, das Volk von Persönlichkeiten als persönliches Volk. Und dort erst kann wirklich entfaltet werden, was existential nur impliziert ist: Die Strukturierung der allgemeinen Lebensbewältigung durch die Hierarchien der Persönlichkeiten. Der linke Existenzialismus Sartres begründet sich ebenfalls auf Kulturkritik; hier jedoch nicht im Rückzug, sondern in der Ausweitung der Selbstbestimmung auf die Welt, in der Überwindung der Welt durch die Verwirklichung von Persönlichkeit als Freiheit in ihr. Der Mensch sei "zur Freiheit verurteilt" und müsse von daher seine Unangemessenheit austragen und sich aus ihr heraus entwickeln, sich zu befreien - eben in der Utopie der Freiheit zu leben, sein Leben als Möglichkeit von Freiheit anzusehen, d.h. aber, es an seiner Bedingtheit zu relativieren. Diese Auffassung gesellt sich leicht zu einem Anarchismus, wenn er auch die bestehenden Lebensstrukturen (wie z.B. Staatsgewalt) für überwindbar durch persönlichen Widerstand ansieht (tatsächlich hat sich Sartre ja auch für radikale Anarchisten eingesetzt). Der Existenzialismus überhaupt ermuntert zu einem Begreifen eigenen Tuns und zugleich der Bedeutung von | ||