Buchstabe G Im Kontext

Ganzes

"Das Ganze ist das Wahre" (Hegel)
"Das Ganze ist das Unwahre" (Adorno)

Das Ganze ist der Zusammenschluss von vielem in einem Begriff, also in einer allgemeinen Einheit des darin Beschlossenen, gleich, ob dieser hierfür wahr ist oder auch nicht. Erst in der Synthese des Vielen zeigt sich, ob der Begriff sich bewährt, also als Erkenntnis eines Zusammenhangs in der Wirklichkeit sich bewahrheitet. Im Begriff eines Zusammenhangs muss daher auch der ganze Zusammenhang begrifffen werden, muss die Lebensform des Begriffenen ihre Wirklichkeit erklären, das Zusammenwirken verschiedener Ursachen sich als begründet erweisen (siehe hierzu auch den Gegensatz von Leben und Logik). Im Begriff dieses Ganzen zeigt sich also, was darin substanziell als Zusammenhang von Eigenschaften wahr ist (siehe Begriffssubstanz) und was die Wahrheit ihrer Formbestimmung ausmacht, was darin also wirklich selbständiger Teil ist, und was das aus dem Ganzen Übergreifende daher sein muss, das ihn zusammenhält. Nur weil das Ganze wiederum ein Verhältnis zu anderem Ganzen ist, ist es mehr als die Summe seiner Teile. Es ist die Gestalt ihrer Verbindung, die sie für sich nicht haben, und zugleich Form ihrer Beziehung auf anderes, die sie zwar haben, worin sie aber nicht wirklich sein können (vergleiche z.B. das Verhältnis von Gebrauchswert und Tauschwert). Von daher gibt es Ganzes auch nur als widersprüchliche Beziehung innerhalb einer Totalität, eines veräußerlichten Wesens, das sich selbständig gegen seine Bezogenheiten verhält. Es selbst hat zwar ein Wesen, ist aber nicht durch sich selbst wesentlich. Es bezieht seine Substanz aus einem Leben, das es nicht wirklich formuliert, ist nicht selbst lebendig.

Wenn der Begriff des Ganzen richtig ist, so lassen sich die Teile daraus erklären. Umgekehrt kann also auch nur der Teil richtig begriffen sein, wenn er das Ganze erklärt, wenn er zeigt., wie sich die Teile in diesem Ganzen also wirklich - das heißt: ihrer Wirkung nach - erschließen lassen, wenn sich also damit beweisen lässt, ob ihr Zusammenhang richtig schlussgefolgert ist. Ist der Begriff wahr, so erweisen sich die Teile auch richtig beurteilt, weil sie den Begriff abschließen, und sich in ihrer Abgeschlossenheit durch ihn zugleich erschließen lassen.

Die Urteile über die Teile können sich nur aus dem Ganzen erschließen, weil das Ganze als Resultat einer Geschichte wesentlich ein Ur-Teil ist. In ihm bewahrt sich der Zusammenhang der Geschichte, wo sie ins Stocken gekommen, zur herrschenden Vernunft, zu einer Form des Herrschenden geworden ist. Erst wenn das Ganze als abgeschlossener Zusammenhang, als wirkliche Abstraktion (siehe Realabstraktion) begriffen ist, kann sich neue Geschichte ergeben. Von daher muss das Ganze auch so wahr sein, wie es ganz Abgeschlossenes formuliert. Die Erkenntnis des Ganzen ist die Grundlage der Befreiung, der menschlichen Emanzipazion aus der Vergangenheit der Menschen.

Zugleich ist jedes Ganzes aber nicht ein "geschlossenes System" sondern auch Teil eines umfänglicheren, eines allgemeineren Ganzen, in dem es auch gegenteilig ist, sich anderen Teilen darin unmittelbar widersetzt und nur in der Vermittlung des Allgemeinen Teil dieses Ganzen sein kann. Von daher ist das Ganze in Wirklichkeit ein widersprüchliches Ganzes, sein Begriff die Einheit von Gegensätzen (siehe Dialektik), die in dessen Analyse begriffen wurde.

Der Idealismus sieht das Ganze als ursprüngliche Einheit seines Begriffs, als Idealität seiner selbst, in welchem sich die Teile durch ihre nähere Bestimmung unterscheiden und sich innerhalb des Ganzen durch ihre ideelle Bestimmtheit erst zum Realen hin entfalten. Im dialektischen Materialismus wird die Einheit des Ganzen als Abstraktion des Konkreten begriffen und deren Substanz in einem sich wirklich vollziehenden Abstraktionsprozesses aus dessen Analyse erschlossen. Die Erkenntnis dieser Abstraktion macht die Argumentation zum Fortgang der Begriffsbestimmungen aus, die Begriffssubstanz.

Das Ganze ist auch wirklich die Gestalt eines systematischen Zusammenhangs seiner Bestimmungen, Form eines Inhalts, der sich nicht nur Form gibt, sondern auch Form hat. Von daher verweist diese Form immer auch auf anderes, was sie selbst wiederum in der Beziehung auf dieses fortbestimmt und auf anderes, wovon sie selbst bestimmt, also formbestimmt ist. Das Ganze ist die Einheit des Mannigfaltigen im Zusammenhang seiner Teile. Diese sind Momente einer formellen Inbegriffenheit, welche eine Beziehungsform seiner Teile ist, ein System, die Totalität aller Beziehungen darin. Worin alles einbegriffen ist, ist auch der Begriff des Ganzen. Und als dieses bezieht es sich auf anderes Ganzes im Verhalten als solches, also im Verhältnis zu diesem.

In der Sprache reflektieren die Substantive etwas Ganzes nach seiner Substanz, seinem Implikat. Darin besteht es nur als Form, wie es im praktischen Bewusstein begriffen ist, als substanzielle Anschauung von Gegebenheiten, wie sie etwa als Tatsachen zu verstehen sind. Erst durch das begriffliche Denken wird das Ganze in einem Wesen erkennbar, das nicht unmittelbar gegeben ist. Im Begriff sind die Beziehungen der Teile als zueinander vermittelt begriffen und bilden das Wissen aus, das hierin für jeden Teil ebensolche Gewissheit bekommt wie das Ganze selbst. Wenn diese Gewissheit im Zusammenhang nicht möglich ist, gerät ein Begriff in Zweifel. Im Zusammenhang des Ganzen erweist sich daher erst die Wahrheit, die es ausmacht, sein Sein, gleich, ob es nun ein logisches oder unlogisches Ganzes ist.

Ob ein Wissen wirklich zu Bewusstsein wird, hängt ganz von dieser Wahrheit ab, die etwas als Ding oder Unding, Gegenstand des Menschen oder gegenständliche Entfremdung des Menschseins erkennt. So ein Ganzes eine Täuschung ist, wird es zur Affirmation einer Scheinwelt, zu einem Prinzip, das keine Wirklichkeit haben kann (siehe z.B. Heilsprinzip). Darin besteht die Ganzheit lediglich in einer Bewertung, in einer subjektiven Affirmation einer Wirklichkeit, die nicht sein kann: Das Heile, das von seinem Unheil befreit sein soll (siehe auch Kitsch).

Die eingangs zitierte Entgegensetzung von Hegel und Adorno beruht auf einer schlechten Identifikation, die das notwendige Denken des Ganzen, also das begriffliche Denken, nicht als sachbedingt ansieht, sondern als subjektiven Entschluss. Solange eine begriffliche Einheit (siehe Wert) die Verhältnisse der Menschen bestimmt, solange müssen diese auch als ganzes System begriffen werden, wollen sich die Menschen dem nicht unterwerfen. Indem Denken lediglich als subjektive Tätigkeit angesehen wird, die sich qua Selbstbezogenheit jenseits von allem begründen kann, kann es nur der Stiftung einer geistigen Identität dienen, die sich in keinem systematischen Zusammenhang bewegen muss, aber gerade hierdurch totalitär, der Glaube an eine andere Ganzheit sein (vergl. hierzu Adornos Spruch "Es gibt kein richtiges Leben im falschen"). Es mag sich frei anfühlen, aber nur soweit, wie die Selbsterkenntnisse ohne Welt begriffen werden, solange also Menschen sich ausschließlich im philosophischen Diskurs total verhalten können.

Adornos Kritik an Hegel, die wohl eher polemisch gemeint war, ist besonders bei den Antideutschen zur Wirkung gekommen und begründet deren Totalitarismus im Denken. Dieser war freilich auch schon bei Adorno angelegt, der eigentlich gegen totalitäres Denken angetreten war. Er hatte seine Kritik am totalitären Denken nicht durch eine Analyse des Totalitarismus gewendet, sondern sie lediglich auf eine psychologische Abweisung reduziert, die einen Unwert des Denkens feststellte: Das Undenkbare. Damit meinte er die Entwicklung des Nationalsozialismus und die Vernichtungsmaschinerie der Nazis. Gerade die wissenschaftliche Analyse dieser Geschichte, also ihre Zurückführung auf ihren sachlichen Kern, kann ihre Wiederholung verhindern. Adorno ist psychologisch nicht über seine Studien zum autoritären Charakter hinausgegangen, die "Rigidität", also Empfindungslosigkeit", zum Maß des Totalitären machte, und hat seine Position in der "Dialektik der Aufklärung" nurmehr philosophisch, also in der Behandlung der gedanklichen Substanz ausgeführt. Im Grunde hat er darin lediglich einen moralischen Kern des absolut Amoralischen, des Ungeheuerlichen installiert, der unabweisbar sein sollte (siehe den adornitischen Imperativ). Die Logik eines solchen Moralismus steckt freilich in seiner ganzen Philosophie, auch in dem Satz "das Ganze ist das Unwahre". Dessen Widersinn ist schon logisch offenkundig: Wenn er wahr wäre, so könnte er nur in absoluter Ganzheit wahr sein, müsste also das Ganze sein, das unwahr ist.

s.a.

=> Totalität

=> System

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Gattungsbegriff

zitatup5i3a Gattungswesen Mensch

Infoup4b1b1a1a1a1 Gattung im Philosophischen Lexikon

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Gold

Gold ist das reale Gut, durch welches das Geld durch ein reales Arbeitsprodukt gedeckt war. Dies hatte sich aus seiner geschichtlichen Herkunft als Material ergeben, das durch seine Eigenschaften als allgemeines Kulturgut - auch als Träger von Verehrung und Geltung - anerkannt und zugleich äußerst vielseitig nützlich ist, also einen sehr allgemeinen Gebrauchswert hat. Seine Wertmenge stellte sich also auch in kleinen Sachquanten dar und war für den Geldverkehr handlich, auch, weil es leicht teilbar ist.

Die Deckung des Geldes durch nationale Goldschätze in den Tresoren der Staatsbanken wurde im 20. Jahrhundert zunehmend hinderlich für die Spekulationen auf dem internationalen Finanzmärkten, das die beständige Rückbesicherung durch Goldvorräte verlangt hat und hierdurch deren Potenzial für das Wertwachstum behinderte und mit zunehmender Krisenanfälligkeit des Kapitals nicht mehr möglich war (siehe Währung). Durch die Verträge von Bretton Woods wurde vom amerikanischen Präsidenten Nixon 1971 dann schließlich die Golddeckung der Hauptwährung der Welt, dem US-Dollar aufgehoben, und als Währungskrücke der Petrodollar entwickelt. Der Weltmarkt machte sich zunehmend an der Spekulation mit Öl fest und so stand der Dollar stand der wilden Spekulation des Finanzmarktes zur freien Verfügung (siehe Neoliberalismus). Die Globalisierung verlor ihre letzte Hürde.

Auch die Ausbeutungsverhältnisse waren damit geändert. Gold wurde selbst wieder zu einer blanken Ware rekultiviert und von den politischen Restrinktionen der Geldmarktpolitik befreit, für welche Wertsicherheit durch Gold bis dahin nur erreicht werden konnte, wenn die Goldförderung stabil und in kalkulierten und streng kontrollierten Mengen vorging. Sie ist seit 1989 um über 1.600 % gewachsen (siehe hierzu Peru).

Dass die Goldförderung der damaligen UdSSR sich der kontrollierten Goldgewinnung entzog, war das größte Problem der amerikanischen Währungspolitik: Von dort konnte nämlich jederzeit Gold durch vermehrte Förderung eingebracht werden. Es war der Hintergrund der Handelssicherheit der UdSSR. Deshalb versankt sie nach dem Coup von Reagen in eine tiefe wirtschaftliche Krise, die ihr Ende bedeutete, weil sie von den Weltmärkten abhängig war, ohne bei der Globalisierung wertmäßig mithalten zu können.

s.a.

=> Geld

quelleup5a29a1a Goldbergbau in Peru
quelleup5a31a1a1a1
Gelddeckung und Gold
audioup1a2e1a1a1 Gold oder Leben (Peru)

Gott

“Wir verwandeln nicht die weltlichen Fragen in theologische. Wir verwandeln die theologischen Fragen in weltliche. Nachdem die Geschichte lange genug in Aberglauben aufgelöst worden ist, lösen wir den Aberglauben in Geschichte auf. Die Frage von dem Verhältnisse der politischen Emanzipation zur Religion wird für uns die Frage von dem Verhältnis der politischen Emanzipation zur menschlichen Emanzipation.“ (MEW l, S. 352).

Gott ist alles, was der Mensch nicht ist, noch nicht ist oder nicht sein kann. In solcher Negation des Menschen negiert Gott den Menschen, der zur Begeisterung seiner geistlosen Verhältnisse ihn nötig hat als Geist des Geistes, als Abstraktion der Vielheit, als Allheit und schließlich als Subjekt von allem, der jeden Geist zu einem Ungeist macht, als Ganzheit, in welcher sich der Mensch nur als Moment seiner gottgegebenen Geschichte und Gott als Ewigkeit begreifen muss. Im Gottesglauben setzt der Mensch sein Leben als grundlos, Gott als Lebensgrund und Lebensziel, als Lebensspender, als Schöpfer und als Aufhebung des Lebens; er bestätigt in ihm, dass ihm sein Leben selbst grundlos und ungewiss erscheint und er bestätigt durch ihn seine Ungewissheit als ewige Wahrheit.

So ist Gott der dem Menschen fremde Urgrund, also der Grund eines Lebens, das sich selbst grundlos ist, weil und solange es keinen vollständig wirklichen Sinn hat, weil es ohne Gott sich sinnlos vorkommt. Es ist Leben in der Aufhebung von Leben, aufgehobenes Leben als Leben der Aufhebung. Durch Gott bekommt alles Sinn, was durch den Menschen keinen Sinn hat, weil der Mensch seine wirklichen Sinne mit seiner sinnlichen Wirklichkeit negiert. Solange er seine Negation nicht erkennt, ist Gott ist das geistige Prinzip eies Lebens, das sich unsinnig erscheint und so erscheinen muss, solange und weil es seinen Sinn nur außer sich finden kann. Gott ist der Inbegriff und die Verewigung des sich fremden Lebens, des entfremdeten Lebens, weil er die Kultivation des entsinnlichen Lebens im Geiste ist, die Täuschung des Menschen durch seine unerreichbare Übermenschlichkeit.

Nietzsche hat die Ewigkeit des Übermenschen direkt angegriffen ("Gott ist tot") und durch einen wirklichen Übermenschen ersetzt, der ihm als das eigentliche Subjekt der Geschichte galt, als das durch Untermenschen fortwährend aufgelöste und in Gefahr stehende Lebensprinzip, das letztlich nur wirklich im Willen der Macht ist und daher Ohnmacht nur verhöhnen kann. Auch wenn solcher Übermensch durch seine eigene Dekadenz menschliche Züge hat, so ist er im Grunde so göttlich wie eh und jeh, wird aber Mensch, indem er Führer der Menschheit ist. Und so, wie ihn Nietzsche vorausgesehnt hat, wurde er es auch.

Gott ist der Allmächtige, d.h. die Bündelung aller Macht, somit auch allmächtiger Wille, der das Gebot für die Menschen schlechthin sein soll und allen ihren eigenen Geboten allem, was ihnen selbst geboten, also nötig ist, überordnet gilt.

In Gott ist das vereint, was den Menschen vom Menschen abstrakt erblieben ist, was nicht aufgeht in ihrer Erkenntnis und Selbsterkenntnis, worin sie also keinen Menschen finden oder wirklich erkennen können, was sie aber in jedem Menschen wahrhaben, ohne es wahrzunehmen: Unvorstellbare Erkenntnis. Von daher ist Gott das Substitut menschlicher Erkenntnis als das schlechthin Unerkennbare, das sich nur darin bestätigen kann, dass es die Erkenntnis dieses Unerkennbaren zu verbieten vermag: Du darfst nicht vom Baume der Erkenntnis essen, Du darfst Dir kein Bild machen, Du darfst seinen Namen nicht aussprechen. Indem Gottes Gebote befolgt werden, muss ihre Herkunft nicht begründet sein.

Gott kann äußerst praktisch sein. Er regelt die Abläufe, die sich über lange Zeitabläufe über viele Generationen hinweg bewährt haben - auch wenn sie manchmal systemische Zirkelschlüsse sind, die sich nur zur Erhaltung abgetrennter Menschgruppen bewähren konnten. Jedenfalls stellen die durch Gott begründeten Riten unumstößliche Gebote dar, welche unmittelbare Momente der Kultur sind.

Ihre Bewährung liegt darin, dass Gott das Substitut der Menschenliebe ist, ihre illusionäre Form, die in der Lebenspraxis menschliche Verbundenheit ohne Grund bewahrheitet. Gott ist also für manche kulturellen Zusammenhänge solange notwendig, wie sie sich nicht als konkrete Zusammenhänge erschließen und verwirklichen lassen.

Gott kann nicht tot sein, weil er nie gelebt hat. Daher bedeutete seine Aufhebung, dass die Menschen ihren Sinn für sich und durch sich finden, dass sie sich selbst im Sinn haben und mit Sinn leben, eigenes Sein erkennen und fremdes Sein sich zu eigen machen. "Der Mensch erkennt sich nur im Menschen" (Marx). Das ist die höchste Notwendigkeit für den Menschen, denn durch die Erkenntnis des eigenen Lebens ist Gott unmittelbar und wirklich aufgehoben. Die Erkenntnis eigenen Seins ist allerdings auch die Erkenntnis der Fremdbestimmung des Menschen, die Erkenntnis dessen, worin es negiert ist, wo es ausgeschlossen ist und sich in seiner Ausschließlichkeit aufhebt (siehe Isolation). Diese Erkenntnis muss in der menschlichen Selbstevidenz beginnen: "Ich denke, also bin ich" (Descartes). Und weil ich bin, kann ich erkennen, was der Teufel in Gott ist: Die Abstraktion als reale Abstraktion der Welt.

Dennoch taten sich die Wissenschaften schwer, Gott zu widerlegen. Der deutlichste Versuch hierzu von Darwin konnte hierfür nicht genügen, da er die Empfindung für Gott, also Gott als Sinn der Natur und alles Naturhaften, ausblendete und seine Beweise als reine Empirie vorlegte. Da die Darwin'schee Theorie selbst erst nach der Entwicklung der Arten ansetzt und lediglich ihr Überleben mit einer Art objektiver Aussteuerungstheorie für Zufälle des Entstehens erklärte, kann sie natürlich nicht begreifen, wie sich Sinne für die Umweltsbedingungen überhaupt bilden und ausschälen können, wie sie das in sich tragen können, was für sie nötig ist. Waren es Zufälle, die eine Pflanze, eine Tierzelle, ein Reptil, eine Schwimmblase, eine Lunge, ein Chamäleon, einen Zitteraal usw. entstehen ließen, die doch außerordentlich viel Sinn für sich und ihre Umwelt aufweisen? Alles, was wir hierüber erfahren, erzählt eben vom Gegenteil: Die Natur hat ihre Schranken in der Spezies empfunden und sich zu dem Bedürfnis entwickelt, dies Beschränkte zu überwinden. Es muss schon in der Natur selbst Empfindung geben, die es möglich macht, dass ein Rochen die Farben seiner Umgebung annimmt und dadurch getarnt ist und dadurch besser überleben kann, also nicht aussortiert wird, wie es Darwin im Nachhinein dann konstatiert, wenn eine Art sinnlos, also empfindungslos geworden ist, für das, was sich in ihrer Umwelt entwickelte. Die Empfindungen in der Natur machen das eigentliche Rätsel aus, das mit einer göttlichen Idee gelöst gelten sollte. Aber Naturempfindung spricht deshalb nicht für Gott, sondern für einen Sinn, den die Natur selbst schon gebildet hatte, als sie sich aus der bloßen Materialität des kosmischen Stoffes herausgebildet hatte und worin sie von Anfang an eine Gewissheit als Grundlage des Lebens hatte, eine lebendige Selbstgewissheit und nicht einen selektiven Ausrottungsakt zufälliger Lebensprodukte. Ihre Artenvielfalt erklärt sich aus diesem zum Bedürfnis gewordenen Wissen, das Schranken überwindet. Sie selbst enthält die Keimformen des menschlichen Geistes, wie die Erkenntnis von Leben überhaupt. Der Begiff Gottes lässt sich durch die Selbstgewissheit der Natur ersetzen.

s.a.

=> Religion

=> Glaube

=> Gottesstaat

Gottesstaat

Die ursprünglichste geistige, sittliche und soziale Allgemeinheit der Kulturen war und ist zum Teil noch der Geist, den die Menschen von Natur aus walten sehen: Gott. Seine Wohlgesonnenheit erschien den Menschen als Lebensgrundlage für alles, besonders für die Fruchtbarkeit von Natur und Mensch, Jagd- und Sammlerglück und für die kriegerische Selbstbehauptung der Gemeinschaft, dem Stammeswesen. In dem Maße, wie der Kampf der Stämme sich befriedete in abgegrenzten Stammesgebiete, entstanden Gemeinschaftswesen, die auf dieser Befriedung (Entwicklungs- und Verteidigungsbereitschaft) gründeten - Vorformen des Staates. Grund und Boden waren hierin die Machtgrundlagen und die kriegerische Ausstattung die Machtmittel. Das Kriegerglück war die Grundlage des Feudalismus und unterwarf die arbeitende Bevölkerung der Waffengewalt ihrer Fürsten und Könige, die sich durch ihr Glück im Gottesgnadentum ihrer Ländereien und Eigentümer (Fürstentümer, Herzugtum usw.) sonnten. Bis zur Säkularisierung war der Staat von da her ein Gottesstaat, sein Oberhaupt "von Gottes Gnaden" - meist durch Geburt, also Geschlecht, Stamm oder Sippe.

Mit dem Ende des Feudalismus war die Einbeziehung und Aneignung der Natur in das menschliche Selbstbewusstsein soweit fortgeschritten, dass es für das Verständnis seines Sozialwesens nicht mehr notwendig eines Gottes bedurfte. Es begann das Zeitalter der Aufklärung, das zugleich das Zeitalter einer Gesellschaft war, in welcher die Menschen ihre Produkte als Verarbeitung von Natur und als Lebensmittel ihrer Natur ansahen. Was sie zuvor als durch Gott begründetes Eigentum an Grund und Boden verstanden hatten und was ihnen aus Gottesfurcht die Abgabe ihrer Arbeit beim Lehnsherrn abverlangte, war zu Privateigentum, zu Besitz geworden, den sich jeder Mensch unabhängig von seinem Gottesglauben erwerben können sollte. Im Abendland war die Entwicklung der gesellschaftlichen Produktion mit der Ablösung vom Gottesstaat gleichförmig, weil dort die Entwicklung der Produktionsmittel mit der Entwicklung der Produktion und der Eigentumsverhältnisse überhaupt gleich war.

Das Morgenland ist wesentlich unfruchbarer, weitläufiger und war daher von vorn herein auch dünner besiedelt, so dass Eigentum an Grund und Boden dort keine so große Rolle spielte. Seine Gottesstaaten waren Stammeswesen, die auf verschiedene Gottheiten bezogen waren und sich mehr als Sozialwesen selbst, denn durch Eigentum an Grund und Boden unterschieden. Ihnen ging es unmittelbar um ihre Kultur, um die ihnen unmittelbare nötige Lebensweise - besonders im Verhältnis von nomadischen Kulturen und sesshaften. Diese waren auch existentiell wesentlich bedeutsamer als ihr Boden. Für ihre Entwicklung war die soziale Ausrichtung als Verhalten in allen unmittelbar sinnlichen Verhältnissen (Arbeit, Konsum, Geschlecht) machtentscheidend: Wissen und Kenntnisse über Land und Leben, Widerstand gegen Auszehrung, Bekämpfung der Krankheiten. So bekriegten sich diese Stämme um ihre Gottheiten, um ihre Glaubensrichtungen, und sammelten sich innerhalb derselben Landschaften oft mit Gegensinnigkeiten. Von da her war das Morgenland, besonders um die Gebiete des "heiligen Landes", mit Ausnahme des Buddhismus die naturwüchsige Geburtstätte der größten Weltreligionen: Christentum, Judentum und Islam. Allen gemein wurde der Glaube an die Abstammung von Abraham und an den Gott des Alten Testaments: Das große Kriegs- und Friedenskonkordat um die Zeit der Geburt eines Jesus von Nazareth, in welchem sich das Morgenland gegen das Römische Reich sammelte. Die Religionen bestärkten sich in den verschiedenen Wirtschaftsweisen auch verschieden: Das Christentum in der Nächstenliebe der Kleinhändler, das Judentum als Kulturdynastie und der Islam als Sozialwesen.

Ob Israel sich als Gottesstaat ansieht, ist strittig, vor allem, weil das Judentum als Weltreligion länderunabhängig ist. Jedenfalls gilt es - trotz anderer Auffassung orthodoxer Juden - weltweit als demokratischer Rechtsstaat, der allerdings gerade wegen seiner Selbstbegründung als "auserwähltes Volk", das zugleich seine Existenz im "gelobten Land" religiös begründet, in einem gigantischen Widerspruch steht. Der islamische Gottesstaat steht eindeutig hiergegen und empfindet die Westkultur als Eindringling, besonders in der Gestalt von Israel. Es ist eigentlich ein innersemitisches Problem, das mit der Vertreibung der Juden (siehe Judentum) begonnen hatte und ihre Vermengung in der Welt zu ihrer Stärke werden ließ. Das macht die Weltnomaden gewandt und mächtig gegen den Traditionsreichtum des Islams, besonders wo sie sesshaft werden. Es handelt sich dagegen beim islamischen Gottesstaat um das Problem eines Staates, der sich als Sozialwesen Gottes ansieht und seine existentielle Kraft auch nur hierüber bestätigt weiß. Das macht den schier unlösbaren "Nahost-Konflikt" zum Weltkonflikt, besonders in der Vemengung von kapitalistischer Krisenpolitik mit orthodoxen Rechtsvorstellungen. Die Ausrufung des Dschihad formuliert den Widerstand der Gotteskrieger gegen das Eindringen der Westmächte. Indem aber der Westen dies mit dem Kriegsprogramm "Kampf der Kulturen" beantwortet und den islamischen Gottesstaat als "Islamo-Faschismus" denunziert, erhebt er offen und aggressiv einen Weltmachtanspruch, der dem Terrorismus der Gotteskrieger vorausgeht und ihm in nichts nachsteht.

s.a.

=> Gott

=> Kulturstaat

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Güte

Gut ist zunächst etwas, das in sich zum Wohl des Menschen besteht und funktioniert, also nicht schlecht ist, eine Qualität hat, die gut tut und stimmig ist, die also stimmt und nicht bestimmt. Es macht die Vernunft aus, gut zu sein, und das heißt sinnvoll zu sein oder Sinn zu machen. Die Vernunft überhaupt ist die allgemeine Kategorie des Guten als Grundlage der Ethik. Ihr allgemeinster Imperativ ist: Handle so gut, wie du behandelt sein willst. Ihre Schlussfolgerung: Dann geht es allen gut. Einzig nötig ist hierfür die Kenntnis des Bösen (siehe hierzu Aufklärung).

Es ist ein apodiktischer Irrtum, dass das Allgemeine einer Abstraktion dem Bedürfnis entspricht, dahin zu abstrahieren. Natürlich ist es z.B. gut, wenn ein Mensch einem anderen helfen kann. Die Allgemeinheit des Helfens, die Hilfe schlechthin entmündigt jedoch den Menschen, enthebt ihn seiner Notwendigkeit. Das Gute ist so relativ wie das Böse und beides bestimmt sich nur aneinander im jeweiligen Ausschluss des anderen, in der abstrakten Negation. Das Gute an sich gibt es ebenso wenig, wie das Böse. Es ist lediglich eine Abstraktion der Selbstgerechtigkeit, die sich allgemein geben will. Erst wenn sich das Gute im Bösen erkennt, sich auch böse weiß, kann es überhaupt zu seinem Grund kommen, der weder gut noch böse ist, sondern sich als schlechte, als abstrakte Notwendigkeit einer Moral begreifen lässt (siehe notwendiger Schein).

Dies macht das Gute zur Begründung und Grundlage von Macht, weil es sich durchsetzen muss gegen alle Anfeindungen und weil es per se schon deren Auflösung sein will. Es selbst ist der Gewinn, der über aller einzelnen Not steht und über die es sich deshalb erheben muss. Der Durchsatz einer allgemeinen Notwendigkeit des Guten gegen das Leben in Not wird dadurch evident, dass es dieses unnötig macht. Das ist der Zweck eines jeden Lebenswerts. Dem ist jede Wirklichkeit bloßes Mittel, Medium seiner Ausbreitung. In der Güte wird der Selbstgewinn der Selbstgerechtigkeit zu einer Identität, die auch über Leichen gehen kann.

s.a.

=> Böse

=> Gutmensch

Systemup43 Güte der Gefühle

Gutmensch

Ein Gutmensch glaubt an die Güte des Menschseins, an eine Entwicklung, in der die Abwendung des Schlechten durch die Vernunft eines guten Willens bestimmt werden kann. Er glaubt an die Erlösung der Menschheit durch eine vernünftige Ethik. Dadurch, dass sich ihm Vernunft aus der Güte des Menschseins begründet, ist das Ungute, das Schlechte zugleich auch das Böse. Aufklärung begründet sich letztlich nur hieraus: Sie will das Böse verhindern, indem sie das Gute als menschlichen Imperativ setzt. Es ist die Grundlage der westlichen Ethik, die das Böse nicht zu integrieren vermag, sich nicht mit ihm auseinandersetzen kann, sondern als die Hölle auf Erden von sich weist. Dem Gutmenschen als überzeugtem Auflklärer ist nichts selbstverständlicher, als dass das Unvernünftige schlecht ist und das Schlechte im Verstoß gegen den Imperativ der Vernunft naturgemäß amoralisch sein und schon deshalb bekämpft und sanktioniert werden muss. Das Gute bewegt sich im Zirkelschluss seiner Selbstdefinition und bleibt somit nur in der Selbstwahrnehmung befangen, in dr Kenntnis von sich, also ohne wesentliche Erkenntnis von dem, was anders ist. Von daher ist ein wesentliches Charaktermerkmal des Gutmenschen, seine Selbstgerechtigkeit und Egozentrik.

s.a.

=> Güte