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Gedächtnis

"Das Gedächtniss ist nach dem Wahrnehmen das Unentbehrlichste für ein geistiges Wesen. Seine Bedeutung ist so groß, daß, wo es fehlt, die übrigen Seelenvermögen zum grossen Theile nutzlos werden, und man könnte ohne Gedächtniss beim Denken, Urtheilen und Wissen nicht über die den Sinnen gegenwärtigen Dinge hinausgehen." (Locke: Versuch über den menschlichen Verstand, S. 235)

Die doppelte Wortbedeutung von Gedächtnis zeigt Identität von einem objektiven wie subjektiven Sinn. Im Gedächtnis an etwas gedenke ich auch meiner und bewahre in meinem Gedächtnis meine Beziehung. Es beruht auf der Bezogenheit zu einem Gegenstand oder zu Menschen oder zu Ereignissen, wie sie als vergangene gegenwärtig ist und im doppelten Sinne des Wortes bedacht wird und vor allem in den Gefühlen Bedeutung hat.

Gedächtnis ist die Einprägung und Bewahrung dessen, wessen wir eingedenk sind, Gefühle, worin sich unserem Denken im Laufe unserer Geschichte die Erfahrung erschlossen hat, was bedacht wurde und worin zum Gedanken kam, was sich in unseren Beziehungen zugetragen hat - nicht als objektives Fakt, sondern als gelittene Geschichte (siehe Leiden), als die Bedeutsamkeit der Geschichte, wie sie sich in der Wahrnehmung und Selbstwahrnehmung aus Empfindungen und Gefühlen ergibt. Hierdurch bewahrheitet sich im Gedächtnis das Gedenken der Wahrnehmung als ihr Gedanke, als Identität des Vergangenen, das durch ihn zu einer inneren Gewissheit geworden ist - ob diese nun wirklich auch gewiss ist, ob wirklich faktisch korrekt ist oder nicht.

Im Gedächtnis vollzieht sich ohne sonderliche Anstrengung ein Anpassungsprozess durch Lernen, durch Besinnung von Eindrücken, die sich ausdrücklich einprägen und wesentliche Änderungen der Ausdrucksfähigkeit bewirken. Jede Geschicklichkeitsübung ist vor allem eine Arbeit des Gedächtnisses, der geschickten, weil erfolgreichen Steuerung von Wahrnehmung und Tätigkeit einzelner Sinne durch Versuch und Wiederholung des gelungenen Versuchs.

Das Gedächtnis entsteht aber nicht in der platten Erfahrung, sondern in der Aufmerksamkeit, welche zugleich Denken und Nachdenken impliziert, Arbeit der Erkenntnis in der Wahrnehmung, welche als sinnliche Kenntnis das Wahrgenommenen und des Wahrgehabten verinnerlicht wird und verinnerlicht ist. Gedächtnis ist die Verinnerung eigener Geschichte, zur Geschichte gewordene Gewissheit der Körpererfahrung, bedachte Erfahrung - gleichgültig, ob erkannt oder nicht, bewusst oder nicht, identifiziert oder nicht. Gedächtnis erinnert das Verinnerte wie einen Gedanken, der lebt, auch wenn es dieses nicht wirklich weiß und keine Gewissheit hierfür hat, geschweige denn, ein Bewusstsein. Es ist die wesentliche Gedächtnisleistung, Kenntnis als Erinnnerung des Denkens zu bewahren, welche im Menschen in Form von Bildern, Melodien, Gerüchen, Empfindungen, Gefühlen, Sprache, Wissen, Gewissheiten usw. bestehen. Diese Leistung ist abhängig von der Dichte und Allgemeinheit des Erinnerten und von der Aufmerksamkeit, wie sie durch Lebensumständen und aktuellen Gefühlen der Wahrnehmung gegeben ist. Oft betreibt das Gedächtnis eigenartige Verdichtungen, wie sie in besonderen Wahrnehmungszuständen zu Tage treten.

Wesentlicher Inhalt für das Gedächtnis sind vergangene Empfindungen, wie sie in bestimmter Anwesenheit der Ereignisse gefühlt wurden. Es wird das Wahrgenommene als Wahrgehabtes erinnert und wie ein Lebensbild bewahrt (siehe hierzu auch Traum), welches für die lebende Erkenntnis Bedingung ist. In diesen Bildern ist der Zusammenhang von Empfindung und Gefühl in Einheit, individuelle Identität der verinnerten Kenntnis, die auch in der bestimmten Form ihrer Identität erinnert werden kann. Die Art dieses Zusammenhangs in der Geschichte eines Menschen stellt sich im Gedächtnis wie auch in seinem Organ so dar, wie es in der Lebensgeschichte räumlich ist, wie also die Geschichte im Raum, ihrer Begebenheit für den Menschen körperlich gegenwärtig ist. Grundlegende Erfahrungen liegen daher auch tiefer, weil sie allgemeiner bezogen sind, je nach dem, wie diese Grundlegung zwischen Empfindung und Gefühl geschehen ist. Die Allgemeinheit der Beziehungen von Erinnerungen macht ihre Bedeutung für den Menschen in seiner Wahrnehmung aus, aber auch die Schwierigkeiten, die es mit Empfindungen haben kann. Auf jeden Fall gründen hierauf die Absichten, die ein Mensch in der Beziehung zu anderen Menschen (siehe zwischenmenschliche Beziehung) entwickelt. So kann man auch sagen, dass das Gedächtnis das Organ der Seele. ist - nicht aber, dass die Seele es verwirklichen würde oder dass es ohne sie nicht sein könnte In ihrer eigenen Entwicklung bestimmt die Seele zunehmend das Gedächtnis mit Wahrnehmungen, die in ihrer Absicht liegen, die also das enthalten, was das Erkenntnisvermögen ihr überlässt. Es sind dies Gefühle, die als Selbstgefühle bestimmend für die Wahrnehmungsidentität (siehe auch Identität) werden, oft auch als unbewusste Gefühle oder verdrängte Gefühle.

Das Gedächtnis ist für neue Erfahrungen in die Aufmerksamkeit gestellt, die ältere Erfahrungen zulassen oder nötig haben. Je nach dem, wie Empfindungen im Gefühl verarbeitet wurden, sind neue Empfindungen gegenwärtig oder unerwünscht. Wo Not in der Erinnerung herrscht, da dominieren die Gefühle, die auch notwendige Erfahrungen verinnern können, nämlich dann, wenn sich das Gefühl ihnenn entfremdet hat. Sie sind dann im Gedächtnis Gefühle gegen die Empfindung (siehe auch Verdrängung) und diese beherrschen die Empfindungen, die sie von sich ausschließen. Als ausgeschlossene Empfindungen ltreiben sie in den Gefühlen selbst ihr Unwesen; wo die Not in den Gefühlen herrscht, da wird die Wahrnehmung zumehmend selbst dadurch bedroht, wie das Gedächtnis darin arbeitet, also Wahrnehmungen verarbeitet (siehe auch Verrücktheit). Die Wahrnehmung verliert dann zwar ihre schmerzhafte Zwiespältigkeit (siehe auch Zweifel), richtet sich aber in der so gewonnenen Einfalt gegen das Erkenntnisvermögen selbst. Das Gedächtnis gerät in das innere Getriebe des beherrschten Erkenntnisprozesses und erscheint hierdurch selbst getrieben. Es wird triebhaft.

Auf diese Weise wendet sich das Gedächtnis unter bestimmten Bedingungen, unter denen es in der Wahrnehmung nicht anders arbeiten kann, gegen die Erkenntnis selbst. Dies tut es, wenn es einer seelischen Absicht dienen muss, um Gefühle zu ertragen, die in einem zwischenmenschlichen Lebensraum schmerzhaft aber unumgänglich sind. Das Gedächtnis dient dann der Seele mehr oder weniger wie ein Krisenmanager, wenn dies für das Leben nötig ist. Solange es hieran gebunden ist, grenzt es zum Selbsterhalt eigener Identität die Empfindung fremder Lebensräumlichkeit aus und wird zu einem ästhetischen Willen. Dieser verschließt die Wahrnehmung vor der Erkenntnis von Fremden und ist die Lebensform einer Selbstentfremdung.

An und für sich bewahrt das Gedächtnis die individuelle Geschichte, wie sie sich in einer bestimmten Gesellschaft ereignet, erinnert ihre Gefahren und ihr Glück, welches sowohl ihren realen Sinn, wie ihre aufgehobene Menschenliebe als Vermächtnis der Vergangenheit an die Gegenwart. Es ist der Zusammenhang des Wissens und seine Bewährung als Sinn der Wahrnehmung, der im Wahrnehmungsprozess als verbliebene Gewissheit der Wahrnehmung wahrgehabt wird.

Das Gedächtnis ist nicht nur von der individuellen Geschichte abhängig, sondern auch von den Begebenheiten der Menschheitsgeschichte und von der jeweiligen Lebensbedingung. Wo z.B. das Glück der Lebensburgen als Gewohnheit besteht, ist das Gedächtnis überwiegend von den Gefahren, von der Bedrohtheit des Schutzraumes bestimmt. Weil es somit dem Selbstschutz dient, enthält vor allem negative Erinnerungen von Bedrohlichkeiten, welche auch die Basis der von der Welt bedrängten Selbstverständlichkeiten ist, weil sie das Selbstgefühl in der Negation selbst positiv formieren. Das Gedächtnis der Untaten und Monster ist der Pfahlbau für die eigene Güte und Selbstbehütung. Die Störung eines solchen Gedächtnisses ist solange unmöglich, solange seine Lebensbedingunen erhalten sind und es hierfür funktioniert (vergl. hierzu z.B. Nietzsches Theorie, dass hiergegen negative Erfahrungen erzeugt werden müssen, um ihm zu einem Verhältnis zum Schmerz und dem Grauen der Welt zu ermöglichen. Sie zeigt vor allem, wie verhaftet Nietzsche selbst dieser Lebensbedingung des Bürgertums geblieben war - er hätte wirkliches Leiden zur Genüge sich zum Gegenstand machen können, aber er hat dies nicht gelitten, weil er es nicht leiden konnte).

Im Gedächtnis können sich auch Wahrnehmungen bewahren, die der Aufmerksamkeit und dem allgemeineren Wissen nicht zugänglich sind, weil sie Wissen in einer Körperform der Wahrnehmung bewahren, das von der Oberfläche der Wahrnehmung und ihrer zwischenmenschlichen Beziehung bedrängt ist. Dies kommt auch zum gebrochenen Gedächtnis, wenn dessen Inhalte sich in einem Zusammenhang befinden, der sich nicht vergegenwärtigen lässt. So können Gedächtnisinhalte z.B. im Wahnsinn hervorbrechen, die sich gegen die Wahrnehmung insgesamt stellen, wenn sie keine andere Form der Vergegenwärtigung haben. Bei den sogenannten "multiplen Persönlichkeiten" besteht das Gedächtnis aus voneinander getrennten Inhalten, welche jeweils unterschiedliche Gegenwart haben müssen, um gegenwärtig sein zu können. Im Gedächtnis ist der Zwang zur Vergegenwärtigung so körperlich, wie der Körper sein Gedächtnis auch nötig hat. Jede Form von Gedächtnisverfall ist zugleich das Leiden eines Persönlichkeitsverfalls.

Das Gedächtnis ist so strukturiert wie seine Entstehungsgeschichte - sowohl in seiner Bewusstseinstiefe, als auch in seinem nervlichen Aufbau. Körperliches und Geistiges haben hierin eine einzige Stofflichkeit. Bedrängen wir den Körper (siehe Sucht, Psychopharmaka), so bedrängen wir auch seinen Geist, wie auch umgekehrt jede geistige Bedrängnis unmittelbar körperlich ist (vergl. hierzu die Diskussion um körperliche oder geistige "Ursachen" für "psychische Symptome", welche besonders in der Anwendung von Psychopharmaka und in der Genforschung fortbesteht und dort auch fatalisiert ist).

Gegenwärtige Geschichte baut auf vergangener auf, kann aber auch die Bewahrheitung und Bewährung vergangener Geschichte verändern. Wie es in der Vergangenheit schien, muss es nicht wahr gewesen sein. Von daher ist Gedächtnis auch änderbar, wenn sich andere Wahrheit vergangener Wahrnehmung auftut. Das Gedächtnis ist substanziell gegenwärtig und dient auch der Selbstvergegenwärtigung. Wo es dies nicht mehr gewährt, ist es manipulierbar, ununterschieden für subjektive oder objektive Gefühle. Es ist nur soweit objektiv, wie der Körper, sein Lebensraum und seine Geschichte selbst objektiv ist, so individuell und so wach also, wie die Sinne sind und waren und von ihren zwischenmenschlichen Lebensbedingungen her sein konnten. Insgesamt ist das Gedächtnis der Träger eigener Identität und ist von daher der Stoff, auf dem die Seele gründet.

In der Psychoanalyse wird das ungegenwärtige Wissen als Unbewusstes behandelt, was nicht ganz richtig ist, da es eine andere Form von Wissen ist, die auch in der Beziehung der Gefühle eine andere Gestalt einnehmen muss als besondere Form der Selbstvergegenwärtigung (z.B. Zwangshandlungen, Tics, Stottern usw.). Indem sie zum Gedächtnis angehörend verstanden wird, lässt sich diese Form überhaupt erst begreifen und wird nicht mehr direkt durch das Bewusstsein für beeinflussbar gehalten, sondern nur durch andere Gewissheiten.

s.a.

=> Denken

=> Seele

=> Gefühl

quelleup5a1a1a zu Gedächtnis bei Nietzsche
Systemup15a1
Gedächtnis der Selbstgefühle
webup1a1a1 Begriff im Netz (Google-Suche)
 

Gedanke

Ein Gedanke ist zunächst der Sinn eines geistigen Zusammenhangs, ein Bedenken von Sinn überhaupt. Das Nachdenken über die Formen des Lebens setzt dieses inhaltlich voraus. Ohne Sinn für das Lebens, das Erstaunen über seine Gebilde und Zusammenhänge bleibt Denken tot. Umgekehrt ist ein Gedanke auch das Ergebnis eines Denkakts, entstanden aus Einsicht in die Wirklichkeit, Produkt des theoretischen Bewusstseins. Zwischen Denken und Bedenken besteht das Verhältnis geistiger Schöpfung: Die Heraussetzung aus der Notwendigkeit des Gegebenen, Verarbeitung des Alten zu Neuem als Emanzipation menschlicher Subjektivität.

Ein Gedanke hat keine notwendige Gegenwärtigkeit, ist aber immer auch Gedenken, setzt also Gedächtnis voraus: Was nicht eingedacht ist, das entschwindet dem Gedanken. Im Eingedenk seiner Sinne und seines Wissens macht der Mensch sich einen Gedanken. Dieser hält sich im Gedächtnis fest als ein Wissen des Unerkennbaren, das zur Wirklichkeit drängt und sich in der Analyse der Wirklichkeit bewährt.

In einer Theorie sind Gedanken systematisch formuliert. Ihre Wahrheit erhalten sie erst in der Bestätigung durch ihr Wirklichsein. Bis dahin ist jeder Gedanke im Zweifel.

s.a.

=> Denken

zitatup1d1 Gedanke und Wirklichkeit
quelleup1b1a1a
Denkpositionen

Gedankenabstraktion

Nicht jede gedankliche Abstraktion ist eine Gedankenabstraktion, auch wenn sie idealisieren (siehe z.B. Ontologie). So sind abstrakte Selbstvergewisserungen, wie sie in der Philosophie vorkommen (z.B. Begriffe des Denkens wie Sein, Bewusstsein, Logik usw.) keine Gedankenabstraktionen, sondern abstrakte Begriffe des Denkens selbst, das seine Erkenntnisse in ihrer Form mehr oder weniger ideal beschreibt.

Eine Gedankenabstraktion ist ein Bezug auf die Wirklichkeit in der Absehung von ihren Wirkungen. Sie ist eine Vorstellung von ihr, worin ihre Form als Idee von sich, als gedanklicher Zweck bestimmt ist, dessen Begriffe keine wirkliche Substanz haben. Ihre unwirkliche Logik ist die Grundlage von Ideologie, worin Wirklichkeit in ihrer Abstraktion bestätigt und bezweckt ist. Die Ideologien der bürgerlichen Gesellschaft, vor allem Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit haben durchaus ihre Entsprechung in deren Form: Sehen die Menschen von den Notwendigkeiten des Besitzerwerbs ab, so können sie sich darin wirklich gleich und frei und gerecht verstehen, denn die Formen ihrer Existenz auf den Warenmärkten macht sie wirklich persönlich als Warenbesitzer frei in ihrer Beziehungslosigkeit, gleich im Vergleich ihrer Güter und gerecht in der Richtigkeit des Durchschnitts ihrer Wertverhältnisse (siehe abstrakt menschliche Arbeit). Erst die Analyse ihres Besitzverhältnisses beweist die Gedankenabstraktion als ideellen Ausdruck der Realabstraktionen ihres Wertseins. Von daher ist die Gedankenabstraktion die Gedankenlosigkeit der Menschen zum real Abstrakten, ihre Entsprechung mit ihren Sachverhältnissen und ist die Grundlage für ihre Unterwerfung unter ihre existenziellen Gewalten (siehe praktisches Bewusstsein).

s.a.

=> Abstraktion,

=> Ideologie

webup1a1a1a Begriff im Netz (Google-Suche)
 

Gefühl

Im Unterschied zur Empfindung ist das Gefühl die ästhetischen Resonanz einer Geschichte von Empfindungen, die sich als solche nicht wirklich und mit Gewissheit anfühlen lässt. Im Gefühl vermittelt sich Erfahrung, weil und sofern darin unmittelbar einzelnes auch allgemeiner wahrgenommen wird. Gefühle enthalten die geschichtliche Bildung der Wahrnehmung von Individuen als Intuition und Wähnung so, wie sie diese in ihrer Gesellschaft auch wirklich erfahren haben, ohne dass hierbei ihr Sinn gewiss geworden sein musste, zumindest nicht in einer bestimmmten Beziehung auf einen Gegenstand des Fühlens. Oft sind es sogar Beziehungen, die lediglich räumlich oder zeitlich in der Wahrnehmung assoziert sind, welche im Gefühl sich in einer Weise vergegenwärtigen, die nirgendwo sonst real ist (z.B. zufällige Assoziation eines Geruchs oder Bildes mit einer zugelich gehörten oder erlebten Geschichte.

Aber gerade wiel Gefühle nicht unbedingt und unmittelbar gewiss sein können, tragen sie Wahrhnehmungen auch in eigene Wahrnehmungswelten, die alleine in ihrer Ästhetik in Beziehung sind. Als ästhetische Repräsentanten von Empfindungen können sich Gefühle daher auch nur im Gedächtnis der einzelnen Menschen zusammenfügen und wahr sein oder nicht, je nachdem, wie sie sich in der wirklichen Empfindung auch bewahrheiten oder nicht. Dennoch setzen Gefühle Wahrheit vorraus - nicht unmittelbar als wahre Empfindung, sondern als vermittelte Wahrheit dessen, was sie wahr haben (auch schon ein ungutes Gefühl zeigt von einer Wahrheit, die nicht der Täuschung unterliegen muss). Aber Gefühle bewahrheiten sich immmer erst dann, wenn sie auf Empfindungen zurückkommen, worin sie sich in der Beziehung ihrer Wahrnehmung so erfüllen, wie sie diese auch wahrhaben. Nur wo ein Gefühl für eine Sache oder einen Menschen dahin kommt, dass es in der Beziehung hierauf wahr wird, weil die Beziehung darin Wirklichkeit gewinnt, kann es wahr sein. Gefühle vermitteln sich durch Tätigkeit und sind also nicht augenblicklich wahr. Aber sie haben einen Sinn, wie er im Inddividuum wie auch in der Gesellschaft gestaltet und wirksam ist, gleich, wie er in der Wirklichkeit wahr werden kann.

Ein Mensch, der einen Gegenstand erzeugt und bearbeitet, muss ein Gefühl für ihn und seine Stoffe haben; so auch ein Mensch der ihn begreifen und erkennen will. Wer ein schlechtes Gefühl für Holz hat, sollte nicht Schreiner werden oder seine Empfindungen hierfür einüben. Wo wir etwas bearbeiten, erzeugen oder verändern, müssen wir ein Gespür für dieses haben, fühlen, welche Stoffe und Gestalten darin zusammenwirken und was miteinander wirken kann, was nicht, was schön ist, was hässlich. Wir müssen Funktionen verstehen, ihren Sinn erkennen, ihre Gestalt begreifen und Stoff fühlen. Das theoretische Verhältnis hierzu mag eine Idee, eine Vorstellung hiervon oder ein Plan zur Herstellung einer Sache sein. Die praktische Beziehung zu ihr ist das Gefühl. Diese besteht in der Empfindung, worin die Begegnung als solche gewiss ist, als das Gegenübersein, als gegenständliche Wirklichkeit, die in der Empfindung schon bezogen ist, indem sie darin wirkt. Darin ist sie noch äußerlich und doch schon Inhalt, denn empfinden können wir nur, was für uns Sinn hat, Sinn ist und unseren Sinnen entspricht - alleine schon dadurch, dass unsere Wahrnehmung hierfür geschaffen ist (im Unterschied z.B. zu Strahlungen, für die wir keine Gewissheit haben). Gefühle und Empfindungen sind die unvermittelten organischen Momente der Wahrnehmung.

Jedes Gefühl ist die Entdeckung eines Sinns, den ein Mensch, ein Gegenstand oder ein Ereignis hat, ein Erfühlen, Ergründen und Vollziehen von etwas, was ich verspüre, wofür ich Sinn habe, sinnliche Empathie. Ich fühle den Sinn, der in ihm gebildet und verwirklicht ist so, wie ich Sinn für ihn habe, wie ich ihn fühlen, nachvollziehen und auch erzeugen kann. Was in der Empfindung unmittelbar ist, kann im Gefühl selbst nur erschlossen sein. Ihm gilt der Sinn als Gestalt der Wahrnehmung und kann auch jenseits aller Empfindung da sein. Indem ich deren Äußerlichkeit durchdringe, erkenne ich seine Natur als die meine, seinen Sinn als meinen Sinn, sein Gewordensein als Sinn meines Werdens, meiner Geschichte. Im Gefühl erkenne ich daher auch mich als sich äußernden Menschen, als Mensch der sinnlich ist, indem er Sinn für anderes hat und durch seine Sinne daher unmittelbar in Gesellschaft ist. Und in diesem Anderssein des Eigenen wird ein Mensch erst vollständig sinnlich, weil er darin wirklich gesellschaftlich wird, zu einem Menschen, der sinnlich ist, weil er Sinn für etwas anderes hat, - einen Sinn, der durch ihn wirksam wird und den er in Gegenständen seiner Bedürfnisse auch veräußert.

Das Gefühl setzt die Beziehung zu seinem Gegenstand voraus. Im Gefühl besteht die Gewissheit eines Gewissens, ein Wissen, das sich zu einem Gegenstand verhält, ohne dass dieser ihm wirklich schon gewiss wäre. So ist Gefühl einerseits erworben aus einer Beziehung, die schon vor aller Gegenständlichkeit in der Gestaltung von Gegenständen war und die auf den Menschen zurückkommt, wenn er sich gegenständlich bezieht, wirklich empfindet. Darin kommt das Gefühl erst wirklich auf sich zurück als Reflexion des Gefühls, das in die Erzeugung des Gegenstandes eingebracht war. Das Gefühl hat in der Empfindung seine gegenständliche Beziehung und Gewissheit. Vorausgesetzt war ein Bildungsprozess, ein Leben in vielerlei Fühlen und Verlangen, ein Gestaltungsakt, der zur fertigen Form gerinnt. Das Leben des Fühlens ist im Gefühl zur Form gebracht. Gefühl ist als abgeschlossene Form des Fühlens schon Aneignung von etwas, das in sich abgeschlossen ist. In ihm ist das Gefühlte schon verschwunden (Form), Resultat eines Prozesses, der im Genuss nicht nur bestätigt, sondern auch erst vollständig verwirklicht wird. Gefühl ist also ein Verhalten zu einem Gegenstand, das ein Verhältnis hierzu vorraussetzt und zugleich erzeugt, indem es ihn darin wahrnimmt und wahrhat.

Erst in der Trennung vom Gestaltungssprozess wird es als Moment der Wahrnehmung selbständig, zum Gefühl als solches, das zwar verspürt, was ihm der Gegenstand ist und was es darin wahrhat, das aber keine Gewissheit darüber hat, was ihm dies bedeutet. Die Bedeutung des Gegnstands lässt im Gefühl die Deutung zu, da die Empfindung ihm unvermittelt ist. Zwar setzt Gefühl wie die Empfindung als ein Moment der Wahrnehmung immer schon eine Beziehung zu deren Gegenstand voraus, und sei diese auch nur in scheinbarer Natürlichkeit bloß unmittelbar. Aber das Gefühl ist darin von der Wahrnehmung getrennt, wie diese vom Werden ihres Gegenstands getrennt ist. Indem Empfindung ihren Gegenstand findet und befindet, hat sie nichts mit dem Gefühl zu tun, in welchem er für den Menschen wahr ist. Empfindung hat Sinn und Gewissheit, doch das Gefühl beruht auf Tätigkeit und auf der Bildung von Fähigkeiten und Verhältnissen. In der Empfindung finden wir Sinn und nehmen ihn wahr; im Gefühl haben wir die Wahrheit unserer Beziehungen als Verhältnis zu einem Gegenstand, einer Sache oder einem Menschen in uns selbst. Auch wenn diese manchmal ohne Empfindung ist, so enthalten Gefühle doch vergangene Empfindungen irgendwelcher Art von allem, was Sinn hat und Sinn macht, was also gelitten wird. Wie Leiden und Tätigkeit getrennt sind, so sind Empfindungen von Gefühlen unterschieden (die rationalen Denker, wie z.B. Kant oder Hegel unterscheiden Empfindung und Gefühl nicht, wie es auch sonst nur selten unterschieden wird).

Wie sich Wahrnehmung zur Sache verhält, so verhält sie sich auch zwischen den Menschen. Während die Empfindung eine Beziehung wahrnimmt, nimmt, was es daran wahr findet, ist Fühlen ein Gespür für etwas, einfachste Eigenheit des Auffassens als Sinn für eine Wahrheit, die ein Verhältnis hat. So können z.B. Gefühle der Liebe, der Trauer, der Beklommenheit, der Freude usw. ohne irgendeinen Anlass auftreten, weil sie ein Gespür erwecken, welches unser Leben (z.B. als Erfahrung, Gedächtnis, Erinnerung usw.) ausmacht. Während die Empfindung die Fähigkeit der Sinne erweckt, Sachen, Ereignisse oder Menschen aufzufassen, die Beziehung zu ihnen zu vergegenwärtigen, weiß das Gefühl dieses in sich und durch sich, weil es ihren Sinn für sich trägt, in sich wahr hat.

Das Gefühl unterscheidet sich von der Empfindung aber erst dann wirklich, also mit eigener Wirklung, wenn es etwas wahrhat, was die Empfindung nicht oder anders wahrnimmt. Das setzt voraus, dass sein Gegenstand von eigener Wahrheit, also selbst Mensch ist und sich als dieser auch gegenständlich verhält. In zwischenmenschlichen Verhältnissen wird das Gefühl zum Träger eines Verhältnisses von Menschen (s.a. Liebe), die sich nicht über ihre Gegenstände aufeinader beziehen, sondern sich selbst unmittelbar gegenständlich sind, ihr Leben füreinander äußern und haben und daher nur das Leben wahrhaben, was es für sie mit anderen ist. Die Beziehung, die Menschen in gegenstandslosen Lebensräumen miteinander haben, sind reine Gefühlsbeziehungen, in denen sie sich empfinden, wie sie für ihre Gefühle sind. Diese Verhältnisse sind die Grundlagen der bürgerlichen Kultur, die nur in dieser Selbständigkeit bestehen, wenn sie auf den Verhältnissen von Geldbesitz gründet.

Das Gefühl ist die Wahrnehmung von zusammenhängenden Sinnhaftigkeiten, also von Sinneszusammenhängen, die wahrgehabt werden, ohne für sich selbst Sinn zu haben oder zu machen. Es sind die Sinne der Wahrnehmung selbst, welche dem Gefühl mit Sinn erscheinen, weil sie sich selbst alleine in anderer Wahrnehmung identisch sind. Indem Menschen etwas oder jemanden im Gefühl gegenwärtig haben, sind sie für sich in derselben Beziehung gegenwärtig und haben ihre Wahrheit alleine in der Abstraktion ihres Wahrnehmungszusammenhangs. Während die Empfindung noch ganz bei der Gewissheit eines Eindrucks durch einen Wahrnehmungsvorgang ist, erkennt das Gefühl einen Sinn, den es wahrhat - nicht, weil es bereits viel Erfahrung gesammelt hat, sondern weil es den Zusammenhang in seiner Allgemeinheit in sich fühlt, wie er außer sich abstrakte Wirklichkeit hat. Das Gefühl vernimmt einen Wirkungszusammenhang, der keine unmittelbare Wahrheit als Wirkung, wohl aber Wirklichkeit in der Wahrnehmung wahr hat. Während der Empfindung die Wirkung eines Gegenstands gewiss ist, erkennt das Gefühl die gegenständliche Beziehung, den Gegenstand der Wahrnehmung in seiner abstrakten Allgemeinheit, seinem allgemeinen Hintergrund und Hintersinn, also als eine Wahrheit, die keine Gewissheit hat. Diese wird es erst geben, wenn es sich zweifelsfrei mit der Empfindung verbindet und Wissen wird. Das allerdings ist nur möglich, wo die gegenständliche Welt in ihrem vollständigen Stoffwechsel, den vollständigen Bedürfnissen und Arbeitsaufwänden, gewahr ist.

Wo der Stoffwechsel nur über Geldbesitz vermittelt ist, kann sich Wahrgenommenes und Wahrgehabtes nicht einig sein. Die Selbstgewissheit verharrt im Zweifel. Der Geldbesitzer wird in seiner Ungewissheit selbst zur Abstraktion seiner Wahrnehmung, indem er als Gegenstand der Wahrnehmung als das wahrgehabt wird, was er für andere ist: einfache Allgemeinheit ihres Empfindens und Fühlens, Tatsache von lebendiger Wahrnehmung als leere Empfindung als Erlebens. Das Gefühl vollzieht diese Beziehung in der Erkenntnis. Es kann sich daher nur in der Abtrennung von der Empfindung wahrhaben und entwickelt hiergegen seine Notwendigkeit, sich in zwischenmenschlichen Beziehungen wahr zu machen, indem es sich in dem findet und empfindet, was es darin von sich hat.

In der Wahrnehmung zwischen Menschen haben sie sich als ein Gefühl wahr, das den Sinn ihrer Empfindung enthält und ihr Sein (Gewesensein und Werden) umfasst, also alles, was sie durcheinander wahrhaben und wahrmachen, ob gegenwärtig oder zukünftig, ohne dabei aber in der Gewissheit von Zeit zu sein. Gefühle bestehen auch in der Erinnerung nur im Raum, wie alle Wahrnehmung, in ihrer An- oder Abwesenheit. Das zwischenmenschliche Verhältnis beschert Gefühle, die ihren Sinn aus den Empfindungen haben, den Menschen füreinander finden. Er wechselt, wie die Empfindungen und er verbleibt in ihrem Verhältnis als Fühlen fremder wie eigener Sinnlichkeit. Empfindung verändert sich selbst durch diesen Sinn. Empfindungen gehen in den Gefühlen auf, die Menschen als Sinn ihres Verhältnisses haben.

Für diesen Sinn tun sie alles, was ihre zwischenmenschliche Beziehung bestätigt; sie äußern sich, gestalten sich, befriedigen sich in dem Sinn, den sie in Ihrem Gefühl füreinander haben. Dies macht die Lebenskraft aus, die ein Mensch darin findet, solange er im Gefühl mit sich einig ist, solange also seine Tätigkeit, seine Äußerung, sein Geist und Verstand, in seinen Gefühlen eins und durch seine Empfindungen bestätigt sind. In einer ungebrochenen Beziehung von Empfindungen und Gefühlen leben Menschen aktiv in ihrer Welt und finden in deren Gestalten das Leben eigener Sinnlichkeit, Produkt menschlichen Schaffens und der Empfindung eigener Schaffenskraft in den Menschen und Gegenständen ihres Lebens auch dann, wenn sie hierfür keine sachliche gegenständlichkeit haben. Das Gefühl hat den Sinn, welchen die Empfindung findet und in diesem erscheint Welt und Sinn vereint und wahr (Wahrheit).

Aber für sich ist das nichts, wenn es nicht Sinn bekommt, wenn solche Verhältnisse nicht auch hergestellt werden, wenn also nicht wahrgemacht wird, was Gefühle sind. Es liegt somit der Wahrnehmung eine Absicht zu grunde, welche bestimmte Gefühle wahrmacht und welche Gefühlszusammenhänge produziert, die nichts anderes sind, als was ihre Absicht enthält. In dieser Absicht entsteht die ganze Welt der Seele und ihrer Beziehungen. Die Welt der seelischen Beziehungen ist die bürgerliche Kultur, die sich zu einem Reich voller Übersinnlichkeiten (siehe auch Übersinn) entfaltet, worin die Menschen ihre Selbstgefühle im Verhältnis zu objektiven Gefühle haben.

In der bürgerlichen Gesellschaft kann die Wahrheit menschlicher Beziehungen nicht wirklich aufgehen, weil sie nur zwischen den Menschen besteht, die sich in ihren seelischen Absichten entfremden. Weil alle bürgerlichen Beziehungen auf Besitz von fremdem Reichtum gründen, weil also die Eigentümlichkeit (Eigentum) der Sinne nur im Schmerz der Fremdbestimmung gesellschaftlich existiert, d.h. besteht und bestätigt ist, kann diese Gesellschaft entäußerter Sinne und Arbeit keinen gesellschaftlichen Sinn äußern und entfalten.

s.a.

=> Wahrnehmung

=> Empfindung

quelleup5a31b1a Gefühle und Empfindungen
quelleup5a5a1 Empfindung, Gefühl, Geldbesitz
quelleup5a31a1a1 Geldbesitz und Selbstgefühle
zitatup5c1a Empfindung und Gefühl (Abgrenzung)
webup1a1a1b Begriff im Netz (Google-Suche)
Systemup24 Absicht der Gefühle
Systemup16a Gefühl


 

Gefühlsurteil

Ein Gefühlsurteil ist ein Urteil, das dem mit sich identischem Gefühl, dem Selbstgefühl folgt und hiernach eine Empfindung gegen eine andere stellt. Im Unterschied zum ästhetischen Urteil folgt es keinem Willen, sondern dem Dafürhalten einer Empfindung eigener Identität gegen ungewisse Empfindungen in der seelischen Absicht, Identität durch das Wahrmachen von Selbstbezogenheit zu gewinnen und diese auch zu behaupten (siehe Selbstbehauptung). Hierdurch werden Empfindungen aus dieser ausgegrenzt und subjektiv entfremdet. Als Bestandteil einer fremden Identität und doch von eigenem Sinn können solche Empfindungen zu heimlichen Kräften werden, die bedrängen und verdrängt werden müssen.

s.a.

=> Gefühl

=> ästhetisches Urteil

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Gegenstand, gegenständlich >> Weiterleiten zu Geg

Gegenwart >> Weiterleiten zu Geg

Gegenwärtigkeit >> Weiterleiten zu Geg

Gehalt

Der Gehalt ist ein beliebiger, also abstrakter Inhalt, Begriff einer Substanz, die er als bestimmtes Quantum erfasst, ohne einer anderen Bestimmung oder einer Beziehung zu anderen Bestimmungen zu folgen.

s.a.

=> Inhalt

Gehorsam

s.a.

=> Hörigkeit

Systemup15a1 Erzieherische Beziehung

Geist

Geist ist unbestimmbar und unmittelbar, weder reiner Geist, noch reiner Sinn, untrennbare Einheit, welche sich nur äußert und dadurch ist, schöpferische, erkennende und tätige Einheit des Menschen in Tätigkeit und Leiden: Erkenntnis, Subjektivität schlechthin.

Gegenständlich ist Geist der Lebensinhalt alles menschlichen Reichtums, seiner Kultur, Produktionsmittel und Bedürfnisse. In dieser Gegenständlichkeit ist die Einheit subjektiv wie objektiv untrennbar, subjektiver und objektiver Geist ununterschieden. Die Entfremdung des gegenständlichen Geistes vom ungegenständlichen ist daher bloß formell durch die Formbestimmtheit der menschlichen Äußerung in der bürgerlichen Gesellschaft. Geist kann nur wahr sein oder nicht sein. Wo er nicht ist und doch wirkt, ist er abstrakt (Abstraktion). In dieser Form ist das Erkenntnisvermögen uneins (siehe Zweifel) und hat seine Einheit als eine Seele, in welcher Geist nurmehr vermittelt ist, sich als Absicht wahrmacht und in zwischenmenschlichen Beziehungen entäußert. Die Entfaltung dieser Beziehungen macht die bürgerliche Kultur aus. Sie ist eine Fixation des Geistes, der darin in seiner Vermittlung als abstrakter Sinn existiert.

s.a.

=> Sinn

=> Gespenst

Infoup4b1b1a1b1b1a1a1a1 siehe hierzu auch Falk & Pfreundschuh:
"Entfremdung und Entäußerung in den Ökonomisch-Philosophischen Manuskripten von Marx"

Erlautup3 zu Geist
zitatup5i3c Erkenntnis
zitatup5i3 Erkenntnis und Liebe

Geistesarbeit

s.a.

=> Arbeit

zitatup5n1a1 Geistesarbeit und Gesellschaft

Geld, Geldverhältnis >> Weiterleiten zu Gel

Geldbesitz >> Weiterleiten zu Gel

Geltung >> Weiterleiten zu Gel

Gemeinschaft

Gemeinschaft ist eine Subjektivität von Gesellschaft, die durch das Zusammentreten von Menschen eines bestimmten Lebensraumes zu einem Zweck gegründet und in der Auseinandersetzung der anwesenden Einzelnen hierüber als Gemeines im Sinne von Gemeinsames bestätigt ist. Gemeinschaft ist also eine bezweckte Anwesenheit von Menschen, die sich auf das Leben in einem bestimmten Raum mit bestimmmter Dichte bezieht.

Während sich die Gesellschaft selbst reproduzieren und entfalten muss, entwickelt und entfaltet die Gemeinschaft ein Interesse, das sich an einem Zweck ausrichtet und sich in dessen Zielsetzung so bemisst, wie es sich in der allgemeinen Selbstbezogenheit der Einzelnen durch ihre Anwesenheit bestimmt. Gemeinschaft hat nur solange Sinn, solange das Ziel auch wahr ist und auseinander gesetzt wird; sie verliert ihn, wo keine Auseinandersetzung stattfindet und Gemeinsinn aus der Form der Anwesenheiten entsteht. Dieser ist das Gegenteil von Ziel und Zweck der Gemeinschaft, ihr Übersinn, durch den sie sich aufhebt und über die anwesenden Menschen hinweg vermittelt.

s.a.

=> Gemeinwesen

=> Gemeinsinn

Gemeinsinn

Der Gemeinsinn begründet sich aus den Umständen der allgemeinen Befindlichkeiten unter den anwesenden Menschen. Wenn diese den Umgang der Menschen miteinander bestimmen, so wird er zu einem Übersinn einer Gemeinschaft, also zu einem Sinn, worin sie sich in ihrem Erkenntnisvermögen gleichgültig geworden ist.

s.a.

=> Gesinnung

Gemeinwesen

Ein Gemeinwesen ist das gemeine Wesen aller Menschen in einer bestimmten Gesellschaft. Dies kann nichts für sich sein, nicht als Gemeinschaft da sein, hat also auch kein eigenes Sein, sondern bildet sich beständig aus den wesentlichen Auseinandersetzungen der Menschen innerhalb der geschichtlichen Form ihrer gesellschaftlichen Beziehungen.

s.a.

=> Staat

=> Gemeinschaft

Genealogie

 

s.a.

=> Nietzsche

=> Heidegger

zitatup1c1 Geschichte als Vorstellung von Werdenszusammenhänge im geistige Leben als Kulturgeschichte
zitatup5b1
Ursprungsbehauptungen
webup1a1a1a1a Begriff im Netz (Google-Suche)
 

Generationen, Generationswechsel

Genosse, Genossin

Genosse kommt von mhd. genôte und meint eine Verbindung durch gleich Not und das bestehen in gleicher Notwendiglkeit des Widerstands gegen bestehende Verhältnisse. In linken Kriesen spricht man sich bis hinein in die politische Macht des Bestehenden gerne als Genosse oder Genossin an, um die Tradition der Genôten - oft sehr peinlich - zu betonen. In rechten Kreisen bezeichnet man sich gerne als Volksgenosse, um an die gemeinsame Not des Volkes zu gemahnen und diese in völkische Gesinnung zu verpflichten (siehe hierzu auch Nationalsozialismus).

 

Gentechnik

Unter Gentechnik versteht man Veränderungen am Erbmaterial durch biotechnische Manipulation. Dabei können einzelne Gene, das sind bestimmte Abschnitte der Erbanlagen (Chromosomen), ausgeschaltet, ersetzt oder neu eingefügt werden. In der Medizin wird so versucht, defekte Gene bei Erbkrankheiten durch gesunde zu ersetzen. Das Einfügen von Genmaterial in die DNA ist auch artübergreifend möglich. So können z.B. menschliche Genabschnitte in eine bakterielle DNA eingefügt werden, damit Bakterien menschliches Insulin produzieren. Dies wird in der Pharmaindustrie schon weitgehend angewandt. Die Stammzellenforschung, die der Bildung von Zellen und Organen dient, gehört nicht zum eigentlichen Bereich der Gentechnik.

In großem Umfang wird die Gentechnik bei der Veränderung von Nutzpflanzen verwendet, um sie resistent gegen Unkrautvernichtungsmittel zu machen oder ihr Eigenschaften zu verleihen, die Schädlinge abstoßen. Hierfür werden tierische und pflanzliche Gene gemischt, um Pflanzen neue Eigenschaften gegen Parasiten und Schädlinge zu geben (z.B. pflanzliche Resistenz gegen Würmer u.dgl.). Das macht auch den wichtigsten Unterschied zur Züchtung aus, mit der oft argumentiert wird, dass Gentechnik lediglich eine geraffte Form davon wäre, um sie zu verharmlosen. Aber durch sie werden Gene sowohl in ihrer Wirkung auf isolierte Eigenschaften, wie auch im Bezug auf den gesamten Organismus wesentlich verändert (z.B. sind gengezüchtete Lachse wesentlich aggressiver und stzen sich gegen natürliche Lachse immer durch und genmanipulierte Pflanzen verdrängen durch ihre Samen weitreichend natürliche Pflanzen und verseuchen so diue Umwelt. Gentechnik wird nicht im Sinne eines Fortschritts für den menschliche Lebensstandard, sonder vor allem als Methode der Produktivitätssteigerung durch Vergrößerung der Effizienz bei Anbau, Aufzucht und Ernte von Lebensmittel aus Pflanzen und Tieren verwendet.

Die Gentechnik dient also nicht der qualitativen Verbesserung der Nahrungsmittel und auch nicht der quantitativen Verbesserung der Versorgung der Menschen mit Lebensmittel. Selbst ihre wirkliche Wirksamkeit in der Resistenzerhöhung von Pflanzen ist umstritten (z.B. ist sie gegen Wollwürmer im Baumwollanbau in Indien ganz im Widerspruch zum Gebrauchswertversprechen der amerikanischen Samenproduzenten ineffizient). Außer in der Medizin dient sie ausschließlich der Industrialisierung und Globalisierung der Landwirtschaft und Tierzucht und der Monokultivierung und Monopolisierung des Saatgut- und Züchtermarktes. Durch eine Verbilligung der Lebensmittel durch Genprodukte wird lokaler Anbau unrentabel und abhängig von den Lieferungen der multinationalen Großproduzenten, sowohl an Lebensmittel wie an Saatgut und Zuchttiere. Nach dessen Zerstörung wird die Preisspirale sich wieder an das Vermögen angleichen, das eine Bevölkerung zu ihrer Reproduktion ausgeben muss, sofern sie kann, sofern sie also nicht verhungern muss. Mit einem weit geringeren Aufwand für die Verbesserung der Wasserversorgung wäre weitaus mehr gegen Hunger und für die Autonomie der Armen zur Entwickllung ihrer Reproduktion und Produktion getan.

Die Monopolisierung geht auch selbst in die Produkte ein. Indem z.B. das genmanipulierte Saatgut Pflanzen erzeugt, die zu eigener Fortpflanzung nicht fähig ist, wird der Einkauf von Saatgut zunehmen und vom Marktverhalten der Konzerne bestimmt. Die Pflanzen und Tiere werden zunehmend an die Erntetechnik angepasst, so dass sich auch nur industriell arbeitende Farmer auf dem allgemeinen Markt preislich durchsetzen werden - es sei denn, die Käufer verlassen ihn. Aber die zunehmende Verarmung der Bevölkerung wird sie auch zunehmend zu billigen Lebensmittel drängen. Kapital (siehe Wertwachstum) entsteht so vor allem durch Denaturierung und Dekultivierung des Lebens überhaupt. Und solange es besteht und zum Wachstum gezwungen ist (siehe Krise), wird dies auch geschehen, besonders im Zusammenhang mit einem analogen Trend im Konsumtionsverhalten in der Kultur selbst (siehe Tittytainment).

Sehr gravierend sind auch die mittelbaren Folgen für die Natur und Kultur. Genmanipulierte Pflanzen und Tiere verseuchen (kontaminieren) die natürlichen und sind potenziell in der Lage, sie vollständig zu unterwandern oder gar auszurotten, weil ihre Gene wesentlich aggressiver und durchsetzungsfähiger sind. So wäre z.B. in der Lachszüchtung bereits nach 40 Generationen der natürliche Lachs ausgerottet, wenn der gengezüchtete, viermal so große Lachs sich in der Natur untermischt (und davon sind bereits Tonnen freigesetzt worden durch Wirbelstürme, die eine Genfarm in Nordamerka aufgewirbelt hatte).

Die Wirkung auf den Menschen nach Konsum von Genfood ist völlig unerforscht. Als gesichert gilt jedoch, dass die manipulierten Gene nicht unbedingt alle verdaut werden, sondern ein bestimmter Anteil sich in die menschlichen Zellen einwachsen und daher auch Folgen für die Organik und Fortpflanzung des Menschen nach sich ziehen kann.

Philosophisch gesehen ist Gentechnik in der Vermarktung des Anbaus und der Zucht die absolute Verkehrung (Perversion) menschlichen Denkens und menschlicher Natur, das Ende jeglichen Geistes durch den Ungeist einer pervertierten Technik. Der Mensch unterwirft sich, seine Ernährung und Entwicklung vollständig, sowohl sinnlich wie stofflich, dem Trieb des Kapitals und überlässt die Entscheidung über Leben und Tod ganzer Bevölkerungsgruppen und die Zerstörung der lebendigen Entwicklung der Artenvielfalt der Natur, also den Untergang des Lebens selbst, der Einfalt eines Wirtschaftssystems, das seine eigenen Grundlagen irreparabel zerstört (siehe Biopolitik).

s.a.

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Gerechtigkeit

Gerechtigkeit kommt von Recht, beruht also auf dem, was in einem bestimmten gesellschaftlichen Zusammenhang als richtig, als vernünftig angesehen wird, z.B. auf einer allgemein gültigen Rechtsprechung, auf Spielregeln, auf einem Verständnis von Fairness, von Ethik usw.. Nach bürgerlichem Recht besteht die Gerechtigkeit aus dem Gleichheitsprinzip, das die gleiche Behandlung von Menschen fordert, besonders ihre Unterschiedslosigkeit vor dem Gericht, in der Arbeit, ihrer Würde usw. Gegen des Ständewesen war dies der Fortschritt, der die bürgerliche Gesellschaft begründet hatte. Der Ständestaat beruhte auf der persönlichen Macht, in welcher die Stände nur für sich richtig sein konnten. Dies hatte sich als Hemmnis in der Ausdehnung der Märkte herausgestellt und somit die Überzeugung verallgemeinert, dass er eine Blockierung der Menschen und ihrer Geschichte ist. Es veränderte sich das Rechtsverhältnis, weil die Entwicklung der Menschen ein anderes Verhältnis verlangte, das in der Entwicklung der Märkte schon gegeben war. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit waren die Ideen, durch welche die Französische Revolution getragen wurde und sind die Ideologieen, die bis heute unser Rechtssystem begründen, weil die Marktwirtschaft im Prinzip damit funktioniert. Aber auch diese hat sich schon längst über ihre Grenze hinausentwickelt. Für die Globalisierung fällt das bürgerliche Recht, das auf dem gesellschaftlichen Verhältnis innerhalb von Nationalstaaten gründet, weitgehend aus. Eine Weltgesellschaft wird wieder andere Rechtsvorstellungen umsetzen müssen - nicht im Rückgriff auf ältere Rechtsvorstellungen, sondern in der Anpassung des Rechts auf die Notwendigkeit des friedlichen Zusammenlebens der Völker und Kulturen.

Gerechtigkeit reflektiert also immer bestehende Verhältnisse. Andererseits ist die Forderung nach Gerechtigkeit aus der Empfindung vcn Ungerechtigkeit oft ein Aufschrei gegen eine Macht, welche Menschen ausbeutet, welche also in der Weise ungerecht ist, dass sie zu ihrem Besitz aneignet, was nicht ihr zu eigen ist (siehe Eigentum). Die Forderung stellt sich somit auch gegen die Art und Weise, gegen die gesellschaftliche Form, worin qualitative Unterschiede selbst schon unrichtig bestehen, in diesem Sinne also Unrecht sind. In dieser Negation ist die Forderung nach Gerechtigkeit zugleich ein Wissen um Fremdbestimmung. Somit enthält die Forderung auch eine Notwendigkeit, herrschende Zustände zu ändern, die nicht nur die Forderung nach Gleichheit (z.B. Ausgleich ungleicher Verteilung), sondern auch Verlangen nach qualitativer Änderung des Rechts (vergl. "No Justice, No Peace!").

Gerechtigkeit ist zwar gegen Ungerechtigkeit, aber in ihrem Verständnis relativ. Für sich genommen bezieht sie sich auf ein und dieselbe Qualität, und dies nur quantitativ; z.B. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Aber selbst dies ist noch nicht erreicht und scheitert oft selbst an Störungen der Gleichheit durch das System. So ist z.B. selbstverständlich, dass Frauen und Männer für gleiche Arbeit gleichen Lohn bekommen sollten. Nicht mal das ist erreicht. Hinzukommt aber auch, dass Frauen oft noch Arbeit leisten, die als solche nicht aufgefasst wird und daher außerhalb der rechtlichen Bewertung gestellt ist. Da es also noch keine rechtliche und ökonomische Bewertung der Familienarbeit gibt, die entsprechend zu berücksichtigen wäre, sind Frauen nicht nur als Lohnarbeiterinnen quantitativ schlechter gestellt als Männer, sondern zudem dadurch, dass sie oft eine Arbeit verrichten, Familienlast alleine tragen, die garnicht gesellschaftlich als Arbeit angesehen wird. Die Frage ist also vor allem, inwieweit es überhaupt Gerechtigkeit für sich gibt, wieweit also Qualität quantifizierbar ist, ohne qualitatives Quantum zu sein. Gleichheit in der Entlohnung für gleiche Arbeit zu fordern, ist notwendiger Verteilungskampf und den Verhältnissen immanent. Wenn aber alle Lohnarbeiter bei gleicher Arbeitszeit gleichen Lohn bekommen, muss das nicht immer gerecht sein (z.B. wenn eine Arbeit die Dauer der Lebensarbeitszeit verkürzt). Auf der anderen Seite ist noch gravierender, dass der qualitative Schlüssel zur Gerechtigkeit in einem allgemeinen Prinzip steckt und nicht in den Menschen. Wer beurteilt ihre Produktivität, wenn ihre Arbeit nur in der Zeit vermessen ist; wer weiß, wann die Arbeit Produkte des allgemeinen Lebens (Reproduktion) schafft, und wann sie Mehrwert produziert?

Solange die eine Arbeit gesellschaftlich, die andere privat angeeignet wird, kann es auch in der Bewertung der Arbeitszeit keine Gerechtigkeit geben, da gesellschaftliche Gerechtigkeit ein Widersinn wäre. Gerechtigkeit als Prinzip erweist sich so als Brücke abstrakter Beziehungen, die darin Ausgleich suchen, weil und solange sie qualitativ sich nicht verwirklichen können. Es ist die Forderung, unter welcher sich die Warenhüter, die Besitzer ihrer Güter begegnen, in welcher sie ihren Willen bemessen und ihre Macht begrenzen, damit das Tauschverhältnis auch "gerecht" von statten gehen kann - manchmal auch, wenn völlig entgegengesetzte Güter unter völlig gegensätzlichen Bedingungen und damit auch oft unter Erpressung oder in einem Ausbeutungsverhältnis getauscht werden. Also: Gerechtigkeit ist äußerst relativ und hängt sehr vom praktischen Bezug ab, der zu Gericht steht - und davon, wie er überhaupt verstanden wird. Je abstrakter der Verstand von komplexen Beziehungen ist, desto schneller wird Gerechtigkeit gefordert. Daher sind politische Forderungen nach Gerechtigkeit oft die Grundlage von Populismus.

s.a.

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Geriatrie

"In Pflegeeinrichtungen werden unbequeme alte Menschen in beängstigendem Ausmaß – wie selbstverständlich – mit Psychopharmaka ruhiggestellt. Oft verstärken sich dadurch Krankheiten und Altersverwirrtheit.

Die Verabreichung von Psychopharmaka, meist verschrieben aus Zeitnot und Unbeholfenheit gegenüber den Problemen des Älterwerdens, kann jeden treffen und zerstört die Hoffnung auf ein Alter ohne Verlust von Lebensqualität."

Bernd Kempker

s.a.

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