Buchstabe Geb Im Kontext

Geborgenheit

In der Geborgenheit ist das Leben als etwas auf sich selbst zurück geführtes, für sich isoliertes, als abgegrenztes Leben im Schutz der Abtrennung, das Anderssein durch eine Lebenburg begriffen: Heile Welt. Es grenzt sich durch seine Bergung als Leben in der Heimat, im eigenen Heim ab, gegen das unheimliche Leben, das Fremde schlechthin.

s.a.

=> Bergung

=> Lebensbergung

=> Heim

Gebot

Ein Gebot ist das Setzen der Bestimmung des Gebotenen, das heißt: Die Formulierung dessen, was für die Gegebenheiten dessen, was geboten ist, notwendig erscheint. Demnach ist das, was dem zuwider läuft, auch verboten. Das Gebot ist wesentlich die Moral der Gegebenheit (siehe Sitte), ihre Pflicht, kann aber auch darüber hinausgreifen, wenn sich eine Notwendigkeit als Notwendigkeit einer Veränderung als objektives Sollen auftut. Im Gebot verbleibt diese allerdings abstrakt und ohne konkreten Sinn, daher als allgemein menschlich begründetes Gebot, als ethisches Gebot (z.B. die zehn Gebote Gottes), oder als abstrakt sachliches Gebot (z.B. die Notwendigkeit des Habens im Verhalten von Angebot und Nachfrage, oder als Gebot in einer Auktion).

s.a.

=> Gegebenheit

Gebrauch

Der Gebrauch ist die Beziehung auf die Nützlichkeit von Sachen oder Menschen, die äußere Beziehung auf Eigenschaften derselben in der Gleichgültigkeit gegen ihr Wesen. In dieser Beziehung besteht ein Verhältnis, welches selbst wesentlich äußerlich ist, entweder wechselseitigen Nutzen hat oder durch die Macht des Nutzers bestimmt ist. Im Warentausch gibt es das erste Verhältnis zwischen den Besitzern von Sachen, auf der Basis der einfachen Wechselseitigkeit, und weitere Verhältnisse, welche auf den spezifischen gesellschaftlichen Gebrauchsweisen von Sachen und Menschen (z.B. als Arbeitskräfte) entstehen. Hierauf beruht der Besitz als Rechtsform des Gebrauchs, einer Form, wodurch die Unterschiedlichen Gebrauchsweisen wiederum auch bestimmt werden, also politische Wirkung haben. So werden zum Beispiel die Menschen, die keinen über ihre Existenz hinausgehenden Besitz haben, die also nur ihre Arbeitskraft haben, notwendig den Besitzern von Geld unterworfen, wenn diese sie brauchen können. Die Klassenverhältnisse einer Waren produzierenden Gesellschaft lassen so in der Gebrauchsform des Rechtsverhältnissen einen Klassenunterschied von Menschen entstehen zwischen Besitzern und Besitzlosen, wovon letztre gezwungen sind für erstre zu arbeiten.

Im Gebrauch vollzieht sich Nutzung, welche die Eigenschaften eines Gegenstands vernutzt. Der Leib oder Körper dieses Gegenstands, der auch die Eigenschaft eines Menschen (z.B. als Arbeitskraft) sein kann, zehrt hierbei im Gebrauch dieser Eigenschaften immer auch am ganzen, am ganzen Körper oder Leib. Er zehrt also mehr auf, als er zum Nutzen hat und verbraucht dies zu diesem auch äußerlichen Zwecken (siehe auch Entleibung). Die Wiederherstellung oder Herstellung des Gebrauchten interessiert den Nutzer nicht. Es stellt für ihn keinen Verlust dar, sondern macht lediglich den Wert des Gebrauchten aus, also das, was seine Wiederherstellung überhaupt kostet. Dies erscheint dann als Notwendigkeit des Körpers (z.B. als Hunger), der unter diesem Wert sich reproduzieren muss. Anders ist dies für den, der seine Arbeitskraft für eigene Zwecke nutzt. Er bleibt in sich ganz und arbeitet als ganzer Mensch, der in seiner menschlichen Eigenschaftlichkeit, also vermittelst seiner Eigenschaften auch Eigentum bildet, Reichtum, der in sein Leben auch organisch eingeht und in seiner Wirklichkeit hierdurch bestimmt, als nicht zufällig ist.

Im Unterschied hierzu setzt der Gebrauch eine Beziehung voraus, welche nicht eigenschaftlich ist, sondern sich in einem Besitzverhältnis begründet. Was brauchbar ist, erscheint darin zufällig und nur durch den Nutzer bestimmt. Nutzung unterstellt also Herrschaft über ihren Gegenstand, welche dessen ganzes Sein ausmacht, auch wenn nur seine besonderen nützlichen Eigenschaften gebraucht werden. So macht auch der Gerbauch der Arbeitskraft nicht davor Halt, dass ein Mensch auch noch anderes ist, als nur Arbeitskraft zu sein. Alles von ihm muss dabei Sache und er bei der Sache sein. Seine Aufmerksamkeit für den fremden Zweck enthebt ihn der Aufmerksamkeit für sich, stellt diesen Zweck als Ganzes über ihn. Er kann sich während der Arbeitszeit nicht teilen und geht als ganzer Mensch für eine bestimmte Zeitdauer in das Arbeitsverhältnis und dessen Bedingungen ein, soweit dies den allgemein geregelten Veträglichkeiten entspricht (z.B. Licht, Belüftung usw.). In diesem Verhältnis bestimmt ihn der fremde Zweck zur leibhaftigen Selbstentfremdung.

s.a.

=> Gebrauchsgut

=> Gebrauchswert

Gebrauchsgut

Ein Gebrauchsgut ist ein Gut, eine Sache oder Leistung, die man braucht, weil sie zu einem bestimmten Zweck nützlich ist. Im Unterschied zum Kulturgut geht sie im Verbrauch unter. Gebrauchsgüter haben in der bürgerlichen Gesellschaft die gesellschaftliche Form des Gebrauchswerts. Sie existieren als deren Inhalt solange, bis sie aufgebraucht sind. In dieser Form sind sie nicht durch das Eigentum an einer Sache, sondern durch deren Besitz bestimmt. Die Besitzerin oder der Besitzer des Gebrauchsguts hat damit das (bürgerliche) Recht, diese Sache oder Leistung zu venutzen, bis sie aufgebraucht ist, ohne für deren Erneuerung verpflichtet zu sein. Auch mit der Eigenheit dieses Guts hat er oder sie nichts zu tun, wenngleich deren Eigenschaften den Zweck des Gebrauchs entsprechen müssen.

Gebrauchsgüter sind der wesentliche Gegenstand der Ökonomie, da sie an deren substanziellen Zweck interessiert ist: Dass eine Sache zum optimalen Nutzen in einer optimalen Effizienz erzeugt wird, dass sie also auch so lange wie möglich existiert und so wenig Aufwand (siehe auch Arbeit) beansprucht, wie irgend möglich.

s.a.

=> Gebrauchswert

=> Gebrauch

Gebrauchswert

"Die Nützlichkeit eines Dings macht es zum Gebrauchswert." (MEW 23, S. 50)

Gebrauchswert hat ein Gut, das für verschiedene Zwecke brauchbar ist, das entweder produziert wurde oder durch Tradition oder Recht ein bestimmtes Eigentum darstellt, gleich, ob der Gebrauch selbst bestimmter Zweck seiner Erzeugung war. Ein solches Gut hat nur Gebrauchswert, weil es zum Gebrauch überhaupt wert hat. Aber weil der Gebrauchswert erst in seiner Verwendung sich erweist, ist er nicht einfach voraussetzungslos oder geschichtslos an einer Sache, sondern enthält immer auch schon nützliche Beziehungen, welche zwischen Mensch und Sache und damit auch unter den Menschen selbst als naturmächtige Sachwalter schon gegeben, ihm vorausgesetzt sind. Von daher ist der Gebrauchswert die organische Grundform der Ökonomie, welche den Nutzen der Dinge aus deren Eigenschaften entnimmt für die Bedürfnisse, die sie nötig haben. Bedürfnisse treten erst in dieser Notwendigkeit in die Ökonomie ein, welche nach den wirtschaftlichen Methoden forscht und arbeitet, mit welchen diese Bedürfnisse optimal befriedigt werden können und minimalsten Aufwand erfordern.

Der Gebrauchswert besteht also durch ein Bedürfnis, das eine Sache braucht, die außer ihm und getrennt von ihm existiert und die es zugleich als Gegenstand der Ökonomie gibt. Gleich, welche Eigenschaften ein Ding überhaupt haben kann, im Gebrauchswert zählen nur die Eigenschaften, die für ein bestimmtes Bedürfnis nützlich sind. Als solche Form ist der Gebrauchswert eben vor allem die Grundform der Wirtschaft, welche Dinge zum Nutzen der Menschen mit geringstmöglichem Aufwand herstellt. In dieser Form bilden Gebrauchswerte menschlichen Reichtum, auch wenn dieser Reichtum nicht nur aus Gebrauchswerten besteht.

Gebrauchswerte sind auch der Inhalt des Reichtums einer warenproduzierenden Gesellschaft; - sie stellen deren Reichtum dar. Dies bedeutet aber nicht, dass sie selbst schon unmittelbar Reichtum sind, denn darin sind nicht nur nürtzliche, sondern alle menschlichen Beziehungen vergegenständlicht, auch die, welche über den bloßen Nutzen hinausgehen - wie z.B. der Sinn für Schönheit, Denken, Kunst. Gebrauchswerte bestehen nur in den Eigenschaften von Dingen für menschliche Bedürfnisse, was immer ihr bestimmter Sinn sein mag. Was Menschen nutzen, das haben sie nötig, wann immer ihre Bedürfnisse mächtig werden, gleichgültig ob es der Natur ihres Stoffwechsels entspringt oder ihrer Kultur, worin ihre Naturmacht schon gesellschaftlich gegenwärtig ist.

Als Inhalt des Reichtums sind Gebrauchswerte nur nützlich. Die Sachen, die sie haben, sind beides in einem: Nützlich und zugleich darüber hinaus beständig. Als Güter des Reichtums sind sie also nicht nur nützlich, denn Reichtum nutzt man nicht - man lebt damit. Gebrauchswert ist daher weder eine bestimmte Sache als Ganzes, noch ein vollständiger Gegenstand; er ist an einer Sache und Moment ihrer Gegenständlichkeit. Ein Mantel mag schön sein und wärmen; unter der Hitze der Äquatorsonne wird man ihn nicht unbedingt brauchen können. Von daher wird er auch nicht überall auf den Markt gelangen und Ware werden, denn Gebrauchswerte als Eigenschaft von Waren "realisieren sich nur im Gebrauch oder der Konsumtion".

Ein Gebrauchswert verkörpert immer einen nützlichen Zweck. Er muss aber nicht unbedingt Sinn haben. Er kann z.B. in einem Boden liegen, den ein Bauer beackert, ohne dass darin sich je ein Mensch hineingearbeitet, darin Sinn hinterlasasen hätte. Er besteht alleine aus dem Nutzen eines Dings oder eines Bodens oder eines Materials, nicht als Sache selbst. Die kann ja auch etwas anderes sein, z.B. ein Kulturgut, das in keiner Weise nützlich ist, auch wenn sie dies einmal gewesen sein sollte. Kulturgüter sind überhaupt das, was über den Gebrauch von Gebrauchswerten im menschlichen Reichtum über diesen hinaus bestehen bleibt.

Dasselbe gilt für die Arbeit, welche nützliche Gegenstände hervorbringt. Sie ist nicht unmittelbar Reichtum bildend, wie auch der Reichtum nicht als solcher ihr vollständiges Produkt sein kann. Nutzbringende Arbeit ist nur in gesellschaftlichem Zusammenhang auch Reichtum schaffende Arbeit, nicht unmittelbar als bloße Bildnerin von Gebrauchswerten.

"Was ist "nutzbringende" Arbeit? Doch nur die Arbeit, die den bezweckten Nutzeffekt hervorbringt. Ein Wilder - und der Mensch ist ein Wilder nachdem er aufgehört hat, Affe zu sein - der ein Tier mit einem Stein erlegt, der Früchte sammelt etc., verrichtet "nutzbringende" Arbeit." (Marx in der Kritik des Gothaer Programms)

Eigentlich ist der Gebrauchswert schon vom Wort her keine Sache, keine organische Gewissheit und auch keine Natur. In der Diskussion als Kategorie der Vorstellung eigentlicher Urwüchsigkeit der Arbeit wurde er jedoch zunehmend zum Stoff selbst, - nicht mehr als Wert des Gebrauchs einer Sache genommen, sondern zum konkret Materiellen, zum Naturstoff des gesellschaftlichen Produkts schlechthin. Hierdurch wurde die Nützlichkeit selbst naturalisiert und der Gebrauchswert zu einem naturhaften Kulturgut, das de facto die Potenzen einer wahren Gesellschaft und einer wahren Arbeit verkörpert, welche durch den Tausch und den Tauschwert lediglich verfälscht wird (vergl hierzu "Probleme des Marxismus"). Adorno sprach in diesem Zusammenhang von Verdinglichung, wobei Ding und Sache gleichgesetzt waren.

Marx selbst unterschied Ding als Gegenstand, der nur unmittelbar und natürlich, also ohne jede Vermittlung angesehen wird, und Sache als Gegenstand, welcher menschliche Gegenständlichkeit und also gesellschaftlich vermittelt ist (Objektivität): So enthalten Ding und Sache in der Gebrauchswertdiskussion unterschiedliche Reflexionen: Das Ding hat nützliche Eigenschaften und ist als Sache durch nützliche Arbeit geworden. Aber als menschlicher Gegenstand, als Produkt menschlicher Arbeit ist es dies beides in einem. In der Diskussion, die hiervon absieht, wird das Ding gleichermaßen naturhaft verstanden und erst mit Sache wird das Ding als Produkt menschlicher Arbeit diskutiert. Somit war bei Adorno mit dem Begriff der Verdinglichung, der in der Verwischung des Unterschieds das Ding als Naturgegenstand mit Sache als Produkt menschlicher Arbeit gleichsetzt, die Naturhaftigkeit des Arbeitsprodukts unterstellt und von daher bürgerliches Selbstverständnis affirmiert, das die Gegebenheit von fremden Dingen im Zwiespalt von Genuß und Entfremdung erlebt. So erscheinen ihm die Gegenstände menschlich nur als Naturdinge natürlicher Empfindung und gesellschaftlich als Gewalt der sachlichen Notwendigkeiten einer den Menschen fremden Kulturmacht.

So sollte der Gebrauchswert einen ganzen Komplex von Fragen beantworten, die ihn seiner einfachen ökonomischen Bestimmung als bloße Wertform zunehmend und fast unbemerkt entrissen. Alle Inhalte der bürgerlichen Gesellschaft und Organik wurden in den Prüfstand seiner Begrifflichkeit gerufen: Kann am Gebrauchswert selbst gesellschaftliche Entwicklung und Kultur festgemacht werden oder ist er eine ontologische Kategorie jenseits bestimmter Gesellschaftsformen und daher "Menschheitsgeschichte pur", die sich lediglich den Wert als "falsches Subjekt" quasi überstreift und also auch wieder abstreifen kann? Einmal ging es hierbei um die Frage der Fortschrittsgläubigkeit, also darum, ob jede Entwicklung von Lebens- und Produktionsmittel per se gut sei (vergl. z.B. die Diskussion um AKW's und Nuklearpotenziale), ein andermal darum, ob sich in den Gebrauchswerten selbst die Stringenz kapitalistischer Zwänge unmittelbar und absolut mitteilt und durchsetzt (z.B. das Problem der Computertechnologie als Fortschritt für das Kapital und gegen die Vollbeschäftigung); usw. Die "Gebrauchswertdiskussion" ging bis hin zu der Behauptung, dass es den Gebrauchswert substanziell gar nicht mehr wirklich gebe, weil in einer Gesellschaft des Überflusses der Konsum mehr oder weniger direkt zum Müll durchgereicht würde (vergl. z.B. Wolfgang Pohrt: "Theorie des Gebrauchswerts", Syndikat, Frankfurt 1976, S. 18ff). Solche Absurdität sollte dem Gebrauchswert die Funktion einer Kulturkritik geben, die hierdurch selbst ebensolche absurde Züge annahm, wie die Kritik der politischen Ökonomie ihrer wichtigsten Grundlagen beraubt, bzw. darin psychologisiert wurde.

Die Diskussionen um den Gebrauchswert in den 70ger Jahren waren besonders für die Geisteswissenschaften eine Art Standortbestimmung und schließen auch heute noch die Frage nach der Beziehung von Kultur und Ökonomie ein: Ist der Gebrauchswert die Natur der Sache, auf die sich der Tauschwert als Macht der Entfremdung setzt, ist er das Moment einzelner Wahrheit, die vom Trug des Kapitalismus beherrscht wird, die "eigentliche" Beziehung des menschlichen Bedürfnisses auf den Gegenstand seiner Befriedigung, Substanz der Lust, der sich die Tauschverhältnisse als äußere Realität, als Sachzwang entgegenstellen, der seine Tribute fordert und darob unterwürfig macht? Noch Adorno hat in diesem Sinne, wenn auch mit sich selbst im Widerspruch, seine Negative Dialektik verstanden und sich hierfür auch genauso ungeniert der Psychoanalyse als Stütze bedient, wie alle Soziologen, Psychologen, Pädagogen und Philosophen, die sich hierüber auf Marx beziehen wollten, also die sogenannten Neomarxisten bis hin zur Kritischen Theorie.

Nun war aber der Gebrauchswert bei Marx niemals die Sache der Menschen selbst, sondern bezog sich nur auf eine ihrer Eigenschaften, nämlich die der Nützlichkeit, welche nun mal ihre einzige Eigenschaft ist, auf die sich Ökonomie überhaupt bezieht (siehe auch Wirtschaft). Nicht das Ding als Ganzes ist Gebrauchswert. "Jedes solches Ding ist ein Ganzes vieler Eigenschaften und kann daher nach verschiedenen Seiten nützlich sein. Diese verschiedenen Seiten und daher die mannigfachen Gebrauchsweisen der Dinge zu entdecken, ist geschichtliche Tat" (MEW 23, S. 49). Marx hat zudem oft genug auch darauf hingewiesen, dass die Nützlichkeit der Dinge nur eine Sichtweise der Sache ist, wenn auch die hauptsächliche in der bürgerlichen Gesellschaft, dass der Mensch aber auch nach Schönheit (siehe Ästhetik) produziert und mit Geist und Sinn. Weder Kunst noch Schmuck stellen eine Gebrauchsweise der Sache dar, noch können ganz elementare Dinge des Lebens, z.B. Luft, Wasser, Wohnung usw. vollstängig nur als Gebrauchsweise von Dingen begriffen sein. Und dennoch hat dies alles in der bürgerlichen Gesellschaft Wert, weil diese Dinge nur in ihrer Nützlichkeit bewertet, und also im Austausch wertmäßig ausgeglichen werden (war der Wert von Luft bislang auch nur selten erschlossen, so hat in jüngster Zeit der ungeheuerliche Preis der UMTS-Lizenzen doch sichtbar gemacht, wie wertvoll sie ist, so sie nicht nur zum Atmen, sondern vor allem für die Industrie taugt).

Gebrauchswert ist eine Form des Werts, den eine Sache darin hat, nützlich zu sein. Diese bewährt sich in ihrer einzelnen Anwendung, sei es durch Konsum oder produktiv als Produktionsmittel oder Rohstoff im Arbeitsprozess. Darin ist die Sache Moment des Stoffwechsels, subjektiv wie objektiv zugleich. Als Produkt der Arbeit ist es von zweierlei Nutzen: Gebrauchswert für einzelne Menschen als Gegenstand ihrer Bedürfnisse, aber als dieses auch für die Menschen in Gesellschaft, als Gebrauchswert für andere. Als dies beides, im ersten Fall unmittelbar und privat, im zweiten Fall mittelbar und gesellschaftlich, und in beiden Fällen nur als nützliches Ding existent, kann es sich nur im Tausch der Produkte vermitteln, eben als Ware.

Die Bedingung, dass ein Ding Ware sein kann, ist, dass sie für die Menschen in der bürgerlichen Gesellschaft einen Gebrauchswert hat und gebraucht wird. Dieser ist im Tausch gesellschaftliche Voraussetzung und Implikation. Für den, der die Ware besitzt, ist dieses Ding in seiner Tauschbarkeit als Gebrauchswert für andere gesellschaftlich, für ihn selbst ausschließlich nützlich. Von dieser Gesellschaftlichkeit her könnte es gleichgültig sein, wie nützlich das Ding ist, wenn es auch nur überhaupt und abstrakt nützlich wäre. Aber der Gebrauchswert kann seine gesellschaftliche Herkunft nur in der einzelnen Nützlichkeit realisieren, wiewohl dies ihm als gesellschaftliches Produkt menschlicher Arbeit, als Resultat menschlicher Geschichte, die in ihm geronnen ist, unangemessen ist. Im Bezug auf andere Gebrauchswerte ist er nützlich schlechthin, zugleich wirklich aber nur darin, ausschließlich und besonders nützlich zu sein, sowohl für sich, als auch für den Tausch, entweder für einen Menschen oder für den Arbeitsprozess oder für die Kapitalverwertung usw. Für alle Menschen kann er nur im Austausch mit anderen Gebrauchswerten, vollständig also nur im allgemein entwickelten Austausch nützlich sein. In dieser allgemeiner Nützlichkeit, die seine einzelne Ausschließlichkeit übersteht, ist er alles, was Sache an ihm ist, nur abstrakt, menschliches Produkt schlechthin, das keine konkrete Beziehung zur Sachwelt als solche hat: Produkt abstrakt menschlicher Arbeit. Als dieses besteht es nur im Tausch der Dinge allgemein als Tauschwert. Dieser ergibt sich also zwangsläufig aus der dopelten Bestimmung des Gebrauchswerts, die Marx im Kapital in ihren Momenten darstellt:

"Die Nützlichkeit eines Dings macht es zum Gebrauchswert" (MEW 23, S. 50).

"Die Arbeit, deren Nützlichkeit sich so im Gebrauchswert ihres Produkts oder darin darstellt, daß ihr Produkt ein Gebrauchswert ist, nennen wir kurzweg nützliche Arbeit." (MEW 23, S. 56).

Marx fasst im Gebrauchswert die Nützlichkeit eines Dings zusammen, die es als Sache im Warentausch und als Produkt konkret nützlicher Arbeit zugleich hat. Dies beides in einem macht das Ding als Sache zur Ware: Als Nutzen, als isolierte Beziehung einzelner Eigenschaften von Dingen auf den Menschen, der sie braucht, hat die Ware selbst nur ein vereinzeltes Dasein ohne wirkliche gesellschaftliche Beziehung; als Produkt konkret nützlicher Arbeit ist sie zugleich von Menschen, die für die Herstellung dieser Nützlichkeit ihre gesellschaftlichen Arbeitspotenzen und Arbeitsmittel einsetzen. Im Gebrauchswert drückt sich Nützlichkeit von Dingen einzeln und gesellschaftlich zugleich aus, weil jede einzelne Ware ein Gebrauchsgut von und für Menschen ist. Den Waren fehlt lediglich die Vermittlung zwischen ihrem Gewordensein aus der Arbeit und dem Bedürfnis nach ihrem Gebrauch. Um wirklich menschliche Gegenstände zu sein, müssten sie menschlich vermittelt werden und ihr Dasein als Waren darin aufheben. Als Ware aber gibt es keine andere Vermittlung, denn über andere Ware. Daher können Gebrauchswerte nur auf dem Markt aufeinander bezogen werden, indem sie dort als Mittel ihrer Besitzer zum Tausch feil geboten werden. Sie sind dort Mittel für einen anderen Zweck als dem, der in ihrer Entstehung wirksam war. Als Ware können sie daher nicht zweckbestimmt auftreten, sondern nur im Vergleich mit anderen Waren. Hierin bestehen sie als Besitz zum Zweck des Verkaufs für den Verkäufer und zum Zweck des Gebrauchs für den Käufer und bekommen so die eigentümliche Beziehung für die Menschen, dass sie als einzelne Dinge des Gebrauchs nur in einem kleinen Reich für deren Bedürfnisse in der Abgrenzung von anderen Bedürfnissen besessen und voneinander als Produkte der Arbeit abgestoßen (verkauft) werden. Im Gebrauchswert ist die Sache für den Menschen nicht vollständig.

Diese Beziehung lässt weder die Waren in ihren Eigenschaften, die sie bei ihrer Herstellung bekommen oder von Natur aus haben, wirklich werden als gegenständliche, also objektive Welt menschlicher Lebenszusammenhänge, noch als lebende Arbeit, als subjektive Beziehung von Menschen in ihrer Objektivation durch ihre Tätigkeit. Sie sind lediglich nützliche Dinge für bestimmten Verbrauch und ganz in Absehung von ihrer gesellschaftlicher Beziehung. In der bürgerlichen Gesellschaft ist diese Form der Sache, das Aufeinanderbeziehen von konkret nützlichen Arbeitsteilen auf den Bedarf nach einzelnen nützlichen Dingen im Warentausch gewährleistet und wird im Tauschwert erst wirklich gesellschaftlich existent. Der Reichtum dieser Gesellschaft ist daher auch nicht gesellschaftlich konkret und besteht nur als Wertding, als welches es die nützliche Arbeit auf die Bedürfnisse der Menschen bezieht, wenngleich sich die Menschen hierbei nur abstrakt aufeiannder beziehen können. Hierbei ist diese Nützlichkeit als aufgespaltene Gesellschaftlichkeit begriffen, wie sich den Menschen wie den Sachen zu eigen ist: Als Bestimmung einer Sache, welche erzeugt wird, um konkret nützlich zu sein - und nur deshalb getauscht wird, weil sie überhaupt nützlich ist. Sowohl in der Produktion, wie auch in der Konsumtion geht dies beides in ihr Dasein als Ding oder Gebrauchsgut ein. Es hat keine Individualität, die nicht immer auch schon gesellschaftlich wäre, wenngleich auch diese nur abstrakt besteht. Die Isolation der Menschen voneinander hat die doppelte Beziehung, welche sich im Wert erst aufhebt zu einer Beziehung, in der alles als eins erscheinen kann, wenn die Menschen ihre Gesellschaft als Verhältnis ihrer Sachen wahrnehmen (siehe Warenfetischismus), wiewohl darin besiegelt ist, dass sie sich nicht mehr als die Menschen wissen, die sie ihrem Wesen nach sind: Subjekte ihrer Welt und Geschichte. Dies können sie erst wirklich sein, wenn sie ein wirklich wirtschaftliches Verhältnis in ihrer Arbeit vollziehen und sich zugleich über deren

Notwendigkeit erheben als freie Wesen, für die Arbeit und Wirtschaft als Not wendende Momente in der Entfaltung ihres Reichtums sowohl in ihrem einzelnen, wie auch in ihrem gesellschaftlichen Dasein eingehen. Dann erst werden aus den Objekten der Nützlichkeit, aus den Gebrauchsgütern, menschliche Gegenstände werden, in denen die Menschen versachlicht sind in Sachen, die sich auch menschlich verhalten.

s.a.

=> Tauschwert

=> Gebrauch

=> Stoff

Kritik an Derridas Verständnis des Gebrauchswerts:

http://www.trend.infopartisan.net/trd7801/t107801.html

siehe auch Probleme des Marxismus

Systemup Gebrauchswert bei Marx
quelleup5a31a1 Gebrauchswert, Wert u. Warenfetisch
quelleup5a31c1
Gebrauchswert bei Robert Kurz
Erlautup1a2a1
zum Gebrauchswert und seiner Natur
Erlautup1a1a1
zur Stofflichkeit des Gebrauchswerts
zitatup5c1
Gebrauchswert
zitatup5e2a1 Gebrauchswert Arbeitskraft für das Kapital
Diskusup1a1a Gebrauchswert im Kulturforum
webup1a1a2 Begriff im Netz (Google-Suche)
webup1 GW bei den Marxistischen Gruppen (MG)