| Buchstabe Ges | ||
"Die Geschichte tut nichts, sie besitzt keinen ungeheuren Reichtum, sie kämpft keine Kämpfe! Es ist vielmehr der Mensch, der wirkliche, lebendige Mensch, der das alles tut, besitzt und kämpft; es ist nicht etwa die Geschichte, die den Menschen zum Mittel braucht, um ihre - als ob sie eine aparte Person wäre - Zwecke durchzuarbeiten, sondern sie ist nichts als die Tätigkeit des seine Zwecke verfolgenden Menschen.” (MEW, Bd. 2, S. 98) "Indem aber für den sozialistischen Menschen die ganze sogenannte Weltgeschichte nichts anders ist als die Erzeugung des Menschen durch die menschliche Arbeit, als das Werden der Natur für den Menschen, so hat er also den anschaulichen, unwiderstehlichen Beweis von seiner Geburt durch sich selbst, von seinem Entstehungsprozeß." ( Karl Marx, MEW 40, S.546) Eine Geschichte besteht zunächst mal aus einem Anfang und einem Ende. Hierdurch lässt sie sich erzählen. Geschichte überhaupt aber ist ein unendlich scheinender Prozess zwischen vielen Anfängen und vielen Enden, die durch einander bestimmt sind, die ineinander übergehen und das Werden der einen Geschichte zum Vergehen einer anderen bringen. Auch wenn Geschichte vor ihrem Anfang undenkbar ist, gibt es doch keine voraussetzungslose Geschichte. Man kann daher sagen, dass Geschichte auch immer eine Fortsetzung des Vorausgesetzten und zugleich das Neue und Erneuerte darin ist. Sie ist Erneuerung und Neuheit im Fortbestimmen dessen, was einerseits gegeben ist und zugleich des Neuen, was da heraus produziert und also bestimmt wird. Das macht ihre Dialektik aus: Geschichte ist weder determiniert noch frei erfunden. Sie ist nur durch Neubeginn und zugleich durch Bewahrheitung ihrer selbst darin. Auch jede Selbsterneuerung des geschichtlich gewordenen Menschen ist nichts anderes, als das Fortbestimmen seiner eigenen Bildungsgeschichte, die entwicklung seiner Sinne und seines Vermögens, Seiner Fähigkeiten und seines Reichtums. Eine Selbsterneuerung der Geschichte, eine Revolution, ist von daher ein qualitativer Umschlag des Gegebenen, das sich selbst in einer besseren Form adäquat wird, das also sich nur dem anpasst, was au ihm schon geworden ist. Von daher sind Revolutionen nur Anpassungsgeschichte der Geschichte, wie sie als Form durch sich selbst ungeschichtlich, anachronistisch geworden ist. Sie erbringen den Schub zu eier geschichtlichen Form, welche neu erscheint, wiewohl sie dem Inhalt nach längst vorhanden ist. Von daher sind Revolutionen die "Lokomotiven der Geschichte" (Marx). Wir können theoretisch oder theologisch reflektieren, womit Geschichte überhaupt begonnen haben mag, was ihr ursprünglichstes Sein, ihr "Urknall" gewesen sein könnte. Doch all dies zu reflektieren ist endlus und unhistorisch, denn wir können uns nur die Vorstellungen im Gewordenen machen, wie es ohne dies gewesen sein mag. Aber dies Vorstellen selbst ist unendlich und somit die einzig mögliche Vorstellung von Unendlichkeit. Ewigkeit ist an und für sich für den Menschen unerträglich, es sei denn er verfüllt sie mit einer Vorstellung von Gott. Gewiss kann diese nie werden, weil unsere Gewissheiten nur innerhalb unserer Geschichte sich einfinden können. Jenseits der Geschichte gibt es keine Empfindung; dort herrscht der Glaube. Deshalb könnte man auch sagen, Geschichte sei das Sein von Anfang und Ende des Lebens im Prozess seines Werdens. Das enthält die eine Wahrheit, dass nur, was einen Anfang hat, auch ein Ende haben kann. Alles andere wäre unendlich bestimmt und daher durch sich selbst nichts. Es mag das Leben durch die Hinzunahmen von Philosophie oder Theologie als etwas erscheinen, das für sich unendlich zu begreifen ist (z.B. Hegels Leben als Idee) oder endlich (z.B. Heideggers Leben als "Sein zum Tode"). In Wahrheit kann beides zwar Vorstellung oder Interpretation von etwas, dieses aber nicht wirklich sein, weil es in der Geschichte verschränkt ist, Endliches die Schranke des Unendlichen und Unendliches die Überwindung der Endlichkeit ist. Alle Ontologien von Sein und Zeit, Geist und Materie oder Leben und Sinn gehen darin unter, dass sie geschichtlich bestimmt sind und zugleich Momente von dem sind, was Geschichte bestimmt. Geschichte kann nicht für sich begriffen, bejaht oder verneint werden. Geschichte ist ohne Determination und selbst der Verlauf einer bestimmten Entwicklung. Schon der bloße Fortgang des Stoffwechsels und der Produktion menschlichen Reichtums und Fortschritts beweist, dass Geschichte unentwegt ist - selbst wenn sie in einer Form verläuft, worin nur noch die Bereicherung der Reichen und die Verarmung der Armen wahrzunehmen ist. Dass die Form der Geschichte gegen die Menschen steht, ist schon seit langem Gegenstand der Kritik an einer Gesellschaft, deren Form anachronistisch geworden ist. Dies aber ist Gegenstand der Kritik als Kritik der Entfremdung der gesellschaftlichen Wirklichkeit von den Menschen. Geschichte selbst ist also nicht determiniert und kann auch nicht determinierend sein, auch wo die eine Geschichte aus der anderen hervorgehen mag. Sie ist immer bestimmt und bestimmend, objektiv und subjektiv in einem. Sie macht das praktische Sein der Menschen aus, während die Menschen sie machen. Sie ist nichts anderes als menschliche Lebenspraxis, und als solche die Vermittlung von allem anderen - nicht als bloße Wirklichkeit und nicht als bloße Genealogie, sondern als Prozess selbst, als Sein im Werden und Wesen im Verwesen, beständige Selbsterneuerung und Entfaltung des Lebens. Leben kann ohne Geschichte nicht sein, weil Geschichte nichts anderes als ein Naturprozess des Lebens ist. Leben und Geschichte sind insofern identisch, wie das Leben nicht in seinen Momenten oder Ereignissen, sondern nur in seiner Geschichte Sinn bildet und entwickelt, ob dieser nun gegenständlich oder subjektiv, in oder außer den Menschen besteht. Wo die Geschichte stehen bleibt, da bleibt auch das Leben stehen, und wo sich Geschichte zurücknimmt, da nimmt sich auch Leben zurück, wird zu einem lebenden Tod. Geschichte besteht zwar immer aus Leben und Tod, aber Geschichtslosigkeit ist eine Leblosigkeit ohne Wirklichkeit. Es ist Leblosigkeit als verflüssigtes Leben, nicht als Tod sondern als Selbstzerfließung, Nichtung. Geschichte lässt sich nicht wiederholen, ist immer anders, weil sie immer andere Gewissheit hat. Wo sie reproduziert werden soll, gerät sie zum Hohn auf Leben überhaupt. Eine Farce der Geschichte ist die Verhöhnung menschlichen Lebens. Wo sich die Geschichte im Kreis bewegt, da ist auch das Leben bloß zirkulär, nicht bloß endlos langeweilig, sondern mit langer Weile sich paralysierend. Nur was Menschen wirklich tun und hervorbringen, bildet sie, wie auch ihre Welt. Deren Werden und Vergehen lässt sich zwar immer auch als Geschichte erzählen, beschreiben, oder in seiner Wirklichkeit für sich analysieren, nicht aber zählen. Jede Zahl für sich ist eine Geschichtsfälschung, weil sie Geschichte in ihrer abstraktesten Form, in ihrer bloßen Quantität aus ihrem wirklichen Prozess herausnimmt und in dieser Abstraktion fixiert, vielleicht sogar sie in dieser Fixation zu begreifen sucht, zu einem Inbegriff der Geschichte macht (siehe Positivismus). Aber nicht ein Begriff macht Geschichte. Geschichte macht das Ganze der Begrifflichkeiten aus, mit der man sie begreifen kann, bildet sie und führt sie in der Weise zusammen, wie sie sich in ihrem Prozess nötig haben. Das sind auch die Epochen und Lebenswelten, die darin aufblühen und untergehen, weil Geschichte nur entsteht, wo Geschichten auch vergehen. Ohne Anfang und Ende gibt es keine Geschichte. Es geht die eine aus der anderen hervor, indem sie die vorausgegangene aufhebt, ihren Kampf, ihren Widerspruch auflöst zu einem neuen sein, worin sein Sinn bewahrt ist, aufgehoben und revolutioniert (siehe Dialektik). "Revolutionen sind die Lokomotiven der Geschichte." (Marx). Sie ist nicht die Abfolge objektiver Notwendigkeiten des Menschwerdens, sondern der Rückbezug der Menschen auf ihr ihnen zur bloßen Notwendigkeit einer Epoche zeronnenes Leben, die Aufhebung ihrer wirklichen Lebensnot in den Widersprüchen der materiellen Grundlagen ihrer Zeit (historischer Materialismus), in der Überwindung ihrer überkommenen Form. Geschichte ist fraglos und in sich evident und wahr, wenn auch nicht unbedingt richtig. Ihre Wahrheit besteht nicht außer ihr, kann nicht außer ihr geworden sein, ist ihr Gewordensein als Inhalt ihres Werdens, beständig werdendes Anderssein, nicht unbedingt durch Negation, immer aber durch Fortbestimmung. Sie besteht alleine durch ihr Dasein als Form des Seins, nicht als Verwirklichung ontologischer Bestimmtheiten, sondern als Seinsbestimmung durch die subjektive Äußerung der Menschen, durch die Abfolge von Leben und Taten, die sich nur in ihrem Zusammenhang als Ereignisse begreifen lassen, die Sinn haben, auch wenn sie zunächst nur als Abfolge von Zufall und Notwendigkeit, also wesenlos erscheinen. Die wirkliche Geschichte gibt es alleine durch die geschichtliche Tat, worin Subjekte sich als Wesen objektivieren, also jene Tat, die gesellschaftliche Wirkung, Wirklichkeit hat und erzeugt und wiederum Taten erwirkt. Sie ist von da her nicht umkehrbar, ist somit auch nicht einfach zufällig und aus den Sponateitäten einzelner Handlungen erklärt, sondern nur durch die Eigentümlichkeiten, die sie zur Gesellschaft bringt, durch Eigentum, das menschliches Leben bereichert (siehe Reichtum). Sofern sich diese Taten nicht aufeinander beziehen, verlieren sie ihre Wirkung in der Gesamtheit, im Ganzen des Handelns, weil sie aneinander aufheben, was sie füreinander sind, weil sie füreinander keinen Sinn haben oder erzeugen, keinen wirklichen Sinn als Lebenszusammenhang hervorbringen, in welcher die geschichtliche Tat von Menschen gegenständlichen Fortbestand, Gegenständlichkeit eines Sinnzusammenhangs, einer Gesellschaft hat, sowohl in dessen Werden, im Zusammenwirken der Sinne, wie auch im Vergehen, in ihrer Aufhebung in einem Anderssein. Die geschichtliche Tat, so einzeln sie veranlasst sein mag, ist daher immer gesellschaftliche Tat, weil sie aus einem Zusammenhang der Menschen hervorgeht und dahin zurückkommt, auch wenn sie einzeln oder privat begannen wird. Die tatsächliche Geschichte ist also immer zugleich Gesellschaftsgeschichte, auch wenn deren Teile getrennt voneinander als Geschichte der Wirtschaft, der Kultur und des Staatswesens erscheinen mögen. Doch weder die politische Tat, noch die kulturelle (siehe Kulturarbeit), noch die wirtschaftliche, die gegenständliche Arbeit, sind für sich alleine geschichtsbildend. Für sich sind sie nicht Quelle des Reichtums, sondern nur dadurch, dass sich durch Taten menschliche Subjektivität vemittelst der Stoffe des Lebens und ihrer Durchdringung zu einer zweifelsfreien Gegenständlichkeit hervorbringt. Geschichte ist der Bildungsprozess der Wirklichkeit in ihrer zeitlichen Epoche und innerhalb dieser auch logische Abfolge. Die logische Abfolge und die geschichtliche unterscheiden sich jedoch grundsätzlich. Das macht die historische Dialektik aus. Während sich in der geschichtlichen Tat die Ereignisse subjektiv ergeben als Einfälle, Erfindungen, Politik usw., ist die Logik die Grundlage ihrer objektiven Abfolge, in welcher diese Ereignisse bzw. Taten zusammenkommen. Selbständig erscheint solche Objektivität solange, wie ihre Momente nur abstrakt vermittelt sind. Darin gibt es eine Identität der Geschichte nur als Widerstreit, als objektiven Kampf der Gegensätze und Entgegensetzungen, in welchem die Menschen befangen sind (siehe Entfremdung) und der ihren geschichtlichen Schmerz ausmacht, die Formation der bürgerlichen Gesellschaft: Sie tun, was sich aus ihnen heraus bildet, was ihre Subjektivität äußert, und sie tun es, weil es ihre objektive Not wendet, objektiv notwendig ist. Subjektivität gründet auf objektiver Notwendigkeit und ist dennoch nicht dasselbe (die Ineinssetzung von beidem ist ein folgenschwerer Fehler der Widerspiegelungstheorie). Der Einfall muss da sein, bevor eine Not gewendet werden kann, die geschichtliche Entscheidung zwischen verschiedenen Einfällen macht die Ereignisse der Politik der Gegenwart aus. In der Geschichte verhält es sich umgekehrt, wie im Begreifen (Begriff): Die Ereignisse folgen aufeinander und werden zu etwas Ganzem erst, wenn sie ineinem Prinzip stehen. Und sie müssen einem Prinzip folgen, um überhaupt im Widerstreit zur Objektivität zu bestehen, sich selbst zu überstehen, bleibend, geschichtlich zu sein. Das Ganze der Ereignisse von Prinzipien (Logik) ist in der Erkenntnis die Entfaltung des Begriffs. Durch das Begreifen der Geschichte kann so auch die Notwendigkeit einer bestimmten Geschichte erschlossen werden. Wenn Marx die bisherige Geschichte als "Geschichte von Klassenkämpfen" und als "Bildungsgeschichte der menschlichen Sinne" beurteilt, so stellt er einen historischen Widerspruch in allgemeinster Form fest: Im Klassenkampf kann menschliche Sinnlichkeit zwar gebildet werden, aber sie wird nur wirklich, wenn und indem sie den Klassenkampf beendet. Der Kommunismus ist der geschichtliche Gedanke hierzu. Zugleich bewahrheitet sich Denken auch nur im Begriff, den es vom Zustand der Geschichte hat, also in der Erfassung und zusammenhängenden Beschreibung ihrer Kreisbewegung als Ganzes, das sein Leben aufhebt, wenn es diesen Kreislauf nicht verlassen kann. Die Menschen können darin nicht mehr auf sich kommen und verhalten sich in diesem Zustand gegen sich, also in Auflösung. Die Ungeschichte entsteht, wo Menschen ihre Entfremdung darin bejahen. Es ist die Geschichte der Barbarei. | s.a. Zur Kritik der politischen Ökonomie:
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"Das Spiel der Geschlechter erneuert sich, jedes Frühjahr. Geschlecht kommt vom Mittelhochdeutschen "geslähte" (Stamm, Eigenschaften, ursprüngliche Bedürfnisse) und hat mit dem germanischen Wort Slahan (Richtung einschlagen) zu tun, was auch in dem Wort ga-slahta (dieselbe Richtung einschlagen) vorkommt. Im Althochdeutschen meint Geschlecht die kulturelle Ausrichtung von Klassen und Herrscherhäuser (gislaht bedeutet hier wohlgeartet, edel). Zusammenfassend kann man den Begriff als Bezeichnung elementarer Grundausrichtung der Menschen im Sinn auch höher bestimmter Strebungen verwenden. Geschlecht erstrebt Befriedigung und Entwicklung zugleich und hat daher immer schon eine elementare Ausrichtung in einem Menschen. Diese erwirbt er sehr früh, schon durch seine Zeugung und Geburt, aber auch später durch soziale und kulturelle Einwirkungen seines Lebensraums. Die Geschlechter leben für sich niemals ohne einander, auch wenn sie ohne einander sind oder gegeneinander kämpfen. Geschlecht ist die Lebenserneuerung, das sich durch sich gründende und begründende Leben. Auch der Geschlechterkampf gründet auf einem Verlangen nacheinander, das notwendig ist, um sich menschlich zu verwirklichen und das zugleich als menschliche Wirklichkeit die Bestimmung des Geschlechts ausmacht. Platon formulierte das vielfältige Verhältnis dieses Strebens, das sich aus dem Verhältnis zu sich als Mangel an anderem einstellt, als durch Teilung bedingt, also daraus begründet, dass jedes Geschlecht Teil eines Ganzen, also von selber Natur wie das andere sei. Als dieselbe und doch von gegensinniger Natur ist Vereinigung ebenso notwendig wie Trennung. Doch eine derart vorausgesetzte Einheit bleibt Ontologie und also geschichtslos. Aus dem Geschlecht lässt sich keine Beziehung begründen; es ist umgekehrt: Alle geschichtliche Bewegung der Menschen vollzieht sich in ihrer Natur, also auch geschlechtlich. Unsere Kultur trägt die Züge der Bewegung hiervon in sich wie jede andere Kultur auch. Deren gesellschaftliches Regelwerk unterscheidet die Kulturen nicht in ihrer vereinzelten Natur, sondern nach ihrer substanziellen Allgemeinheit, z.B. nach Religion und Sitte, nach der Bestimmung von gesellschaftlich akzeptierter Anziehung und Abstoßung. Dies zeigt sich besonders in der gesellschaftlichen Klassifikationen bestimmter Formen von Geschlechtlichkeit, wie zum Beispiel ehelich, außerehelich, gleichgeschlechtlich, gegengeschlechtlich, sinnbildend oder sinnverkehrend (siehe Perversion). Geschlecht ist eine objektive Formulierung der historischen Form von Liebe in einer bestimmten Gesellschaft (siehe Menschenliebe). Sie besteht zwar nur als natürliches Verhältnis von Menschen, drückt aber als menschliches Verhältnis immer ein gesellschaftliches Verhältnis aus, denn das natürliche Verhältnis der Menschen ist immer ihre gesellschaftliche Natur. Marx bezeichnete das gesellschaftliche Verhältnis als das Verhältnis der Gattung zu sich selbst - und so auch das Begattungsverhältnis, welches Generationen der Gattung erzeugt und ihre wesentliche Selbsterneuerung, ihr unmittelbares Leben als permanente Revolution des Lebens ist. Geschlecht ist die ursprünglichste Form der Arbeitsteilung von Mann und Frau und Kind, das menschliche Natur hat Generationen eine Einheit im Menschsein und befruchten einander auf vielfältige Art und Weise. Geschlecht ist die die Selbsterneuerung des Menschseins. Das sexuelle Begehren muss nicht unbedingt geschlechtlich sein. Sofern es nicht im Verlangen nach anderer Geschlechtlichkeit besteht, ist es ein Bestreben nach Sinnesfülle, die durch Kultur bestimmt ist (siehe Körperfetischismus). Diese kann zufällig sein oder auch im Streben nach Einverleibung von Eigensinn, als Sucht nach unendlicher Sinnlichkeit bestehen. Dann ist es eine Form der triebhaften Selbstwahrnehmung, einer Erregung durch sich selbst, die einer Sinnesentleerung entspringt und Entleibung erzeugt. Hierin werden Geschlechtseigenschaften zur individuellen Selbstbefriedigung systematisch vernutzt wie ein Gebrauswert, der auf einem Markt feilgeboten wird. Dies ist ein Produkt der bürgerlichen Kultur, welche sich als Kampf der Geschlechter äußert. | s.a.
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Unterschiedlichen Geschlechtseigenschaften entspricht auch ein unterschiedlicher Sinn für eigenes wie für fremdes Leben. Die Arbeit dieses Unterschieds bereichert die Geschlechter in ihrer Auseinandersetzung und Sinnbildung und ist so auch Bestandteil ihrer Befruchtung, ihre Frucht. Unter zwischenmenschlichen Lebensbedingungen, in denen Menschen ihr Geschlecht als ihr Lebens- und Überlebensmittel nutzen und hieraus auch noch ihre gesellschaftliche Rolle (Geschlechtsrolle) beziehen und wahrhaben, können sie sich nur als Rollenträger, als das jeweils "andere Geschlecht" wahrnehmen und nicht wirklich füreinander als Gattungswesen eintreten. Sie müssen sich als Mittel einer abstrakten Regie verstehen und sich wechselseitig als Mittel ihrer Selbstbildung benutzen, um ihre Geschlechtsarbeit zu realisieren. Wenn und weil es keine wirklichen Lebensmittel gibt, in denen sie ihr Leben bilden (siehe Zwischenmenschlichkeit), gerät ihre Sinnlichkeit in Zweifel. Die einfache Wahrheit ihrer Geschlechtlichkeit wird zum Mittel der Leiblichkeit und Selbstbefindlichkeit und erscheint als wechselseitige Entleibung, Bedrängung der sinnlichen Identität durch die Vernutzung ihres Leibes. Darin gerät die geschlechtliche Auseinandersetzung zu einer Machtfrage (siehe Sexismus): Die Selbstachtung wird zur Frage der Selbstbewahrung, zur isolierten Geschlechtsidentität - und verliert so ihre Liebe. Die Geschlechtseigenschaften erscheinen als Träger der Bemächtigung und werden in dieser Form bekämpft. Die bürgerliche Kultur ist eine Kultur der Zwischenmenschlichkeit und von daher ein Hort des Geschlechterkampfes. In ihm bedrängen sich die Sinne und werden zu gegensinnigen Absichten, welche der leiblichen Wahrnehmungsidentität dienen. Die Vereinseitigung des Geschlechts ist ebenso zwangsläufig wie seine Veräußerlichung zum Lebensmittel überhaupt. Der Geschlechterkampf kann sich wirklich nur in der Kritik dieses Mittelseins und daher nur mit der Überwindung der bürgerlichen Kultur aufheben (siehe auch Kulturkritik). In ihrer Unwirklichkeit wird er auch nicht wirklich aufgehoben, sondern früher oder später sich einem Gemeingeschlecht unterwerfen, einem Volkskörper, wie er sich in den Menschen vorstellt, die sich selbst nur noch als beseelter Eigenschaften erfahren, wiel sie kein Wesen außer sich erkennen können. Im Volkskörper erscheint sich jedes individuelle Wesen als Allgemeinwesen und verallgemeinert darin sein Individualirtät zur Gewalt einer ihr entgegengesetzte Gemeinschaft, die in ihrer Selbstzersetzung widersinniger Identitäten nicht ohne einen Führer, eine Leitsystem oder einen großen Bruder auskommen wird. In ihm erfährt Geschlecht keine Arbeit mehr, wird zum Ereignis, zum Event und gilt als Ertüchtigung für das gemeine und also gemeinsame Menschsein, - eben so, wie dies auch Sport und Unterhaltung bringen (siehe hierzu auch die Logik der Kultur). |
s.a. | |
Die Geschlechtsästhetik ist eine Form des Ausdrucks geschlechtlicher Eigenschaften (z.B. in Mode, Lifestyle, Selbstdarstellung, Medien) zum Zweck der Optimierung ihrer Wahrnehmbarkeit (Kenntlichkeit ohne Erkennbarkeit). Sie hebt die Anregungen, welche das geschlechtliche Begehren kennt, in eine Ausdrucksform allgemeiner Begehrlichkleit. Das Weibliche oder das Männliche dienen hierbei zu Substantivierungen von Eigenschaften, die dem Kult der Eigenheit im Eigendünkel dienen (vergl. z.B. die vielen geschlechtspezifischen Lifestyle-Magazine hierfür); dies um so mehr, wie die öffentlichen Lebensräume die Ödnis ihrer Sinnentleerung ausbreiten. Das Geschlecht als Kult ist nicht nur das wirklich entmenschlichte Geschlecht, sondern zugleich auch selbst der Altar seiner Aufopferung: Je mehr sich Menschen in ihren Geschlechtsrollen ästhetisieren, desto fiktivier wird ihre Geschlechtlichkeit und desto abhängiger ihr Selbstgefühl von den objektiven Gefühlen eines allgemein wirksamen ästhetschen Willens. |
s.a.
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Geschlechtsarbeit ist die Arbeit, wodurch sich die Geschlechter bilden, ihren Sinn füreinander und aneinander erzeugen, sich auseinandersetzen, entwickeln und Geschichte machen. Dies setzt voraus, dass sie ihrem Geschlecht nicht unterworfen sind, dass sie aus ihren Regungen, ihrem Begehren heraustreten und sich als Menschen erkennen und begreifen, Geschlecht als ihr Lebensmoment wirklich wahrhaben und sich aus ihrer sinnlichen Befangenheit heraus als Mensch zu finden beginnen und sich in ihrem Menschsein empfinden. Wie Menschen im Arbeitsprozess der Arbeit unterworfen sind, wenn diese von toter Arbeit (Kapital) beherrscht ist, so sind sie auch ihrem Geschlecht unterworfen, wenn sie von toter Sinnlichkeit (siehe z.B. ästhetischer Wille) beherrscht sind. Geschlechtliches Verlangen wird so zum Verlangen nach Geschlecht, geschlechtliches Bedürfnis zur Begierde. Solange dieses Verlangen nicht ein menschliches ist, geistig wie sinnlich, leben die Menschen nach dem, was sie von ihrem Geschlecht haben. Sie bleiben darin befangen und es geschieht ihnen nur, was sich in ihrem Geschlecht regt, was in ihnen entsteht, dass es wie eine Naturgewalt (siehe Geschlechtstrieb) erscheint. Sie äußern sich nicht geschlechtlich, weil und so lange sie ihr Geschlecht veräußern, sich als Geschlecht äußern (siehe Körperfetischismus) und in nichts außer sich sind, was ihnen eigentümlich ist (siehe Entleibung). Erst wenn sie ihre äußeren Geschlechtseigenschaften in sich belassen, sich hierüber verständigen und begreifen, wie über alle ihre Sinne (z.B. Schmecken, Hören, Riechen, Denken usw.), können sie geschlechtlich sein, haben sie ihr Geschlecht nicht wie ein gottgegebenes Naturprodukt, sondern sind geschlechtlich, weil sie sich in allem geschlechtlich äußern, weil sie als dieses besondere Geschlecht unter den Geschlechtern (Mann, Frau, Kind) und mit ihnen sich äußern, an ihrer Entwicklung und Bildung arbeiten. Geschlechtsarbeit ist also die Auseinandersetzung mit ihrem ganzen Menschein, mit ihren Beziehungen, ihren Erkenntnissen, kurz: in ihrer Liebe, mag sie auch total verstockt, verkrampft, unbeholfen oder verrückt sein. Solange sich Menschen in diesem Sein wirklich sind, verwirklichen sie auch ihr Geschlecht. Der Mensch kann wirklich außer sich nur sein, was er in sich und für sich ist. So wie Menschen in ihrer Arbeit außer sich sind und durch ihr Produkt in sich zurückkehren, so sind sie es auch in ihrem Geschlecht. Wo sie selbst nur Objekte einer Form sind, formieren sie sich auch zu ihrem Mittel und vermitteln sie sich als Objekte. Erst vom Standpunkt des subjektiven Menschen ist Arbeit einfaches Lebensmoment, in welchem sich Menschen um so eindringlicher verwirklichen, wie sie es zu gestalten vermögen. In der bürgerlichen Kultur ist entäußerte Geschlechtsarbeit für das Dasein abstrakt menschlicher Sinnlichkeit konstitutiv. |
s.a.
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So verschieden die Geschlechter aussehen, so unterschiedlich sind sie auch. Wie sie sind, so haben sie sich im Sinn und leben ihrem Sinn entsprechend. So können verschiedene Lebensgrundlagen für Mann, Frau und Kind festgestellt und sogar Ähnlichkeiten mit höheren Säugetieren gefünden werden. Hervorragender Unterschied ist wohl deshalb auch das Verhältnis zum eigenen Körper wie zur Körperlichkeit überhaupt. Der weibliche Körper ist als Träger der Frucht viel komplexer und sensibler und abhängiger als der männliche. Er macht regelmäßig und eindringlich auf sich aufmerksam. Von daher muss die Frau sehr viel bedachter auf sich sein und sorgsamer in der Körperwahrnehmung. Ihr Körperbewusstsein gründet auf einem Wissen, das ihr auch besondere Fähigkeiten in der Sorge um das Leben, vor allem dem der Kinder, verleiht. Sie ist deshalb vielleicht auch überhaupt eher für innere Prozesse aufmerksam, als es Männer sein müssen oder können. Ihr Geschlecht ist konzentriert und bestimmt auf eine Zelle, die auch im Quantum der vorhandenen Geschlechtszelllen bei ihrer Geburt schon festgelegt ist. Von daher ist sie vielleicht auch unduldsamer gegenüber Beliebigkeiten. Der männliche Körper ist nach außen gerichtet und muss daher auch mehr Sinn für äußere Gefahren haben, wie er sich auch selbst ausdrücklicher äußert. Im Vordergrund seiner Gewissheiten stehen besonders die Lebensstrukturen, die strukturelle Sicherheit, die Besorgung der Mittel, die Begegnung der Bedrohung und die Angst vor Zerstörung. Er muss sich mehr um das Leben überhaupt und außer sich sorgen, als um das eigene, denn obwohl die Geschlechter gleichermaßen voneinander abhängig sind, so verspürt der Mann sein Leben doch deutlicher außer sich, als die Frau. Seine Sorge ist daher auch zielgerichtet im Wissen um die äußere Wirklichkeit und von einer Bestimmtheit, die Frauen vielleicht nicht unbedingt für sich haben müssen. Sein Geschlecht ist verschwenderisch um der natürlichen Haushaltung zu entsprechen: Viele Samen erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer guten Frucht und der Ausbreitung der Art. In der Tierforschung hat sich außerdem gezeigt, wie abhängig die Beziehung der Geschlechter von den Umständen ihrer Arterhaltung ist. Je nachdem, wie sie sich ernähren und erhalten, können die Aufgaben umgekehrt sein. So erscheinen uns z.B. männliche Löwen als ausgesprochene Paschas, wenn sie den weiblichen die Jagd überlassen und nur die Umgebung nach Feinden und Konkurrenten beobachten, dann als erste sich sättigen dürfen und danach das Weibchen mit der Brut kommt. Aber es macht Sinn, weil die Wachsamkeit von hoher Bedeutung für Löwen ist und der männliche am schnellsten sich sättigt, um Schutz für die Sättigung der anderen wieder zu bieten. Umgekehrt sind die aasfressenden Hyänen in keinem wesentlichen Konkurrenzverhältnis, denn die Aasfresser lassen sich unbeschadet. Die weiblichen Hyänen bestimmen alle Abläufe bei der Nahrungsversorgung und die Männchen sind hilfreiche Handlanger und ansonsten ziemlich zurückhaltend (feige würden wir dazu sagen). Die Geschlechter ergänzen sich wunderbar und sind nur zusammen wirklich Gattungswesen. In einem dem Menschen entfremdeten Gattungswesen, in einem Gesellschaftswesen, das den Menschen außer sich lässt, sind sich auch die Geschlechter fremd, haben keine Gegenständlichkeit für einander und gereichen sich so nur zum Lebensmittel eines abtrakten Menschseins in der Zwischenmenschlichkeit. Darin vernutzen die Menschen, worüber sie sich aufeinander beziehen: Ihre Sinnlichkeit selbst. Die bürgerliche Kultur entfaltet und vergesellschaftet jede Sinnesabstraktion und belässt die Menschen in ihrer Selbstentfremdung in betörender Vielsinnigkeit, durch die Sinn durch andere gebildet wird. Jede sinnliche Eigenschaft gerät zum Mittel abstrakter Sinnlichkeit, besonders auch die Geschlechtseigenschaften. So wurden auch die unterschiedlichen Sinne der Geschlechter zum Gegenstand von politischer Hinterfragung und zu politischen Kampfbegriffen (siehe auch Feminismus). Darin verwiesen sie auf die Übel einer Kultur, welche die menschlichen Sinne zu Mitteln des Überlebens verbraucht, Lebensträger und Getragene separtiert und Sinnesmacht der herrschenden Gesellschaft im Interesse der Kapitalverwertung entfaltet (siehe Dienstleistungsgesellschaft). Gerade deshalb aber ist es aberwitzig, die Verschiedenheit der männlichen und weiblichen Geschlechtseigenschaften als sozial bewertete Begriffe zu belassen oder sie gar noch zu Begriffen unabhängiger und gesellschaftlich unterschiedener Geschlechtswesen zu machen oder die Notwendigkeit bzw. Unnötigkeit bestimmter Herrschaftsformen hieraus abzuleiten (siehe Geschlechtsrolle). Es ist untubar und falsch, aus natürlichen weiblichen Eigenschaften ein Matriarchat sinnvoll erscheinen zu lassen, oder aus männlichen ein Patriarchat. Desgleichen ist das Patriarchat auch nicht aus den Geschlechtsmerkmalen des Mannes zu begreifen, sondern eher aus den ökonomischen Formationen der Geschichte, in der männlicher Sinn deshalb dominant war, weil die Notwendigkeit der Strukturierung von Gesellschaft in der Sinnentwicklung der gesellschaftlichen Natur (Industrialisierung) im Vordergrund stand. Wenn sie aus natürlichen Eigenschaften der Geschlechter heraus begriffen würde, wenn also Geschichte nicht als wirkliche Naturgeschichte des Menschen, als gesellschaftliche Verwirklichung menschlicher Natur und naturalisierung des gesellschaftlichen Menschen begriffen wird, so wird sie zu einer Geschichte von Eigenschaften, die sich notwendigf und zwangsläufig entgegenstellen, weil sie sich auf kein Wesen beziehen. Es mag ja vielerlei geschlechtliche Wesen geben, aber es gibt kein Geschlechtswesen für sich. "Typisch Mann" oder "Typisch Frau" eigenen sich daher eher für eine Humerske über die Unbeholfenheiten des jeweils anderen Geschlechts, als zur Kritik der Politik (siehe Geschlechterkampf). Politische Erektionen sind das, was sie zu bekämpfen vorgeben und psychologisieren, was zu begreifen wäre. Männer wie Frauen können sich befreit fühlen, wenn diese Struktur ihrer Gesellschaft sich einmal aus dem konkreten und praktischen Leben der Menschen selbst ergibt und nicht durch Abstraktionen hiervon politisch fixiert wird. Die Befreiung der Menschen von abstraktem Sinn und abstrakter Arbeit ist daher auch konkrete Geschlechtsarbeit im weitesten Sinnes des Wortes: Das Ineinandergegehen von Naturwesen und Gesellschaftsstruktur des Menschen. Reaktionär wird eine Begrifflichkeit für Geschlechtseigenschaften, wo sie diese unmittelbar mit sozialen Kategorien gleichsetzen (siehe Sexismus). Solche Titel wie "Der Wert ist der Mann" (Roswitha Scholz) und ähnlichem gründen auf politischem Nominalismus und tendieren von der Denkform her, auch wenn sie selbst nicht so gemeint sind, im selben Rassismus, wie es diese Formulierung tut, wenn sie auf "den Juden" gemünzt war und wird. Tendenziöses Denken war oft die Vorbereitung auf radikalen Rassismus, auch wenn der dann von einer anderen Seite bedient wird. Aber die Linke macht sich sprachlos, wenn sie sich wie die Rechte artikuliert! |
s.a. | |
Eine Geschlechtsrolle ist eine soziale Rolle, die durch Geschlechtseigenschaften begründet wird. So üppig diese Eigenschaften bei solcher Begründung hervorgekehrt werden, so wenig wird das gesellschaftlich Notwendige, was die "Rolle" bewältigen soll, aus der Gesellschaft heraus begriffen. So gerät z.B. die Sorge um die Kinder einer Gesellschaft zu einer privaten Überlebenstechnik, mit der sich besonders Frauen abarbeiten müssen, weil und solange ihre Fähigkeiten hierfür ausgebeutet werden können. Natürlich können auch Männer vieles übernehmen oder sich auch ganz um die Kinder kümmern; doch das ändert nichts an der Privatheit und Ausbeutung von gesellschaftlich notwendiger Arbeit und Fürsorge. Es ist nicht die Geschlechtseigenschaft, die hier ausgenutzt wird, sondern es wird die Abwertung gesellschaftlich bedeutender Arbeit zur Überbewertung wirtschaftlicher und kultureller Zwecke durch die Zuweisung einer quasi natürlichen oder naturalisierten Rolle betrieben. Die Geschlechtseigenschaft wird also zu einem politischen Begriff, welcher die Abwertung einer bestimmten Arbeit betreibt (wenn jemand eine Arbeit machen muss, weil er das Geschlecht dazu hat, dann bleibt ihm/ihr nichts anderes, und soll auch nichts anderes bleiben und dann ist das auch relativ leicht zu haben, also wertlos). Es ist augenfällig, dass die bürgerliche Gesellschaft nicht nur die Menschen als Mittel der Besitzbildung für den "hohen Zweck" abstrakten Reichtums ansieht und die Ausbeutung der Lebenskräfte bis an ihre äußerste Grenze treibt, sondern dass auch die bürgerliche Kultur in der menschliche Sinnlichkeit zum Mittel ihrer Selbstentfaltung nimmt. So greift sie auch auf die Geschlechter und gibt ihnen Rollen, welche dem Erhalt und der Entfaltung ihrer abstrakten Sinnlichkeit dienstbar sein soll. Während in der Zeit der Industrialisierung die Rollenaufteilung auf einem knallharten Kalkül des Kapitals beruhte (hohe Ausbeutungsrate der Männer zur optimalen Nutzung ihrer Kraft und darin einbezogen die Ausbeutung der Frauen als Haushälterinnen der Reproduktion der Arbeitskraft), herrscht im Zeitalter der Globalisierung die gleichmäßige Ausbeutbarkeit aller Lebenskräfte vor. Die Arbeitskraft braucht zumindets in den Dienstleistungsgesellschaften, in denen vorwiegend an der Reproduktion des Kapitals (Verwaltung, Transport, Maschinenproduktion, Kommunikation, Technologieentwicklung) gearbeitet wird, keinen Haushalt; sie braucht Kultur, um sie an der Sinnlosigkeit ihrer Arbeit interessiert zu sein. Die Geschlechter begegnen sich hier ununterschieden in Arbeit und Freizeit und erhalten so ihre zwischenmenschliche Rollen, die sie zugleich zu Kulturarbeiter werden lassen. Besonders Frauen bekommen auf Grund ihrer Geschlechtseigenschaften hier die doppelte Arbeit und ihrer Ausbeutung besonders zu spüren. Weil die Individualisierung der Arbeit darin totatlisiert ist und Familien keinen ökonomischen Raum (Gemeinschaftshaushalt für eine Arbeitskraft) mehr darstellen, bleibt den Frauen oft die gedoppelte Privatheit der Ausbeutung: Die Ausnutzung ihrer Beziehung zu ihren Kindern und ihrer Fähigkeiten für die Kommunikations- und Verwaltungsansprüche des Kapitals. Die Geschlechtsrolle wird hierbei fast nur noch kulturell bestimmt und lebt durch Sinneseigenschaften fort, welche zum Gattungsbegriff schlechthin, zum Menschsein als Frau oder als Mann, wird und die Gesellschaftslosigkeit der Geschlechter absolut setzt. In den Geschlechtsrollen können sie nur noch ihre abstrakte Sinnlichkeit ausformen und sich an den Lebensnotwendigkeiten ausrichten, zu deren Träger sie werden. So wird die Ausbeutung der Frau nicht mehr in objektiver Zwecksetzung begriffen, sondern als Ohnmacht der Subjektivität erfahren. Dies betrifft aber beide Geschlechter und treibt die Männer - so siew sich nicht an der Kulturarbeit beteiligt sehen können - in die Selbstbezichtigung oder erweckt ihre erstickten Sinne zum Kulturmonster. Die Nominierung des Geschlechts zu einer Geschlechtsrolle macht auch ihren Träger oder ihre Trägerin zum Objekt einer gesellschaftspolitischen Selbstüberhebung: Die menschlichen Eigenschaften selbst werden von ihm oder ihr abgetrennt zu einem eigenständigen Objekt isolierter Objektivität (siehe hierzu auch Geschlechtsästhetik). |
s.a.
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Die meisten psychologischen und philosophischen Theorien gehen von einer im Menschen unmittelbar wirksamen Natur aus, die eine quasi ontische Voraussetzung des Menschseins wäre, seine überhistorische und asoziale Grundkonstante als unmittelbar verwirklichte Naturempfindung. Dies kehrt die klassische Psychoanalyse besonders hervor, die sogar den Grundkonflikt jeder einzelnen Persönlichkeit darin begründet sehen will, dass sie ein Triebschicksal durchmacht (Ödipuskomplex), durch welches ihre wesentlich geschlechtliche Natur sozialisiert wird und hierdurch ein mehr oder weniger sublimiertes Kulturwesen entsteht. Auch Adorno hat die als grundlegenden Kulturkonflikt angesehen, der ihm als allgemein menschliche Notwendigkeit im Verhältnis zur Natur galt. Doch was soll diese Natur jenseits der menschlichen Gesellschaft und Kultur sein? Oder umgekehrt: Was soll eine menschliche Gesellschaft ohne Natur sein? Können wir begreifen, was wir ohne Nahrung wären - oder ohne Kleidung, ohne Geschlecht? Unsere Frage selbst schon setzt unsere gesellschaftliche Natur voraus, denn die Antwort, dass wir ohne Nahrung Hunger hätten, ohne Geschlecht keine Nachkommen oder ohne Kleidung keinen passenden Wärmehaushalt desavouiert die Frage; sie ist durch alles Menschsein durch menschliches Tätigsein und Leiden selbst schon aufgehoben, sinnlos. Alles menschliche Sein ist schon unmittelbar gesellschaftlich Sein, menschliche Natur als Natur einer menschlichen Gesellschaft. Gerade wo dies umgekehrt verstanden wird, wird die Verkehrung des Menschen zur Unnatur einer Gesellschaft assoziiert, die ihrer Barbarei in den menschlichen Organen freien Lauf lässt: Ihr Sinn und Körper wird zum Mittel der absoluten Individualisierung der den Menschen entfremdeten Verhältnisse - wenn auch mit dem Zusatz, dass er sie lebenspraktisch im Nachhinein in seiner "Kultivation" überwinden könne. Gerade dies letztre enthält das ungeheuerliche Gewaltpotential, das zur Not auch "aktiviert" wird, weil es die Kehrseite der "wilden Natur" des Menschen sei (siehe die Anwendung von Nietzsches Naturursprünglichkeit von Mensch und Gesellschaft und Rasse und Trieb durch die Nationalsozialisten oder auch die Dienstbarkeiten, welche die Philosophie Sloterdijks für die neuen Weltordnungspläne enthält). Gesellschaft selbst ist schon das Dasein von Hunger, Geschlecht, Kultur usw. und den Prozessen, in denen die Menschen hierin sind. Indem die Menschen ihrenm Reichtum gesellschaftlich erzeugen, verwirklichen sie ihre Natur und erzeugen ihre natürliche Geschichte - wie immer hiervon auch die Form (siehe Formbestimmung) sein mag. Man kann vielerlei hiervon abstrahieren (wie Mann, Frau, Geschlechtstrieb, Nahrungstrieb, Zuivilisation usw.). Es bleibt die Gedankenabstraktion eines Gattungsbegriffs, der das Ganze seiner Wirklichkeit systematisch verkennt. |
s.a.
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"Alles gesellschaftliche Leben ist wesentlich praktisch. Alle Mysterien, welche die Theorie zum Mystizismus veranlassen, finden ihre rationelle Lösung in der menschlichen Praxis und in dem Begreifen dieser Praxis" (MEW 3, S. 7). Gesellschaft ist das lebende Zusammenwirken der Menschen als Naturmächtigkeit ihres Lebenszusammenhangs, durch welche ihr Erhalt und Fortbestand gesichert und die Entwicklung ihrer Lebensvielfalt, die Vielfältigkeit ihres sinnlichen Lebens, ihr geistiger und materieller Reichtum geschaffen und gebildet wird. Das gesellschaftliche Leben ist daher zum einen Resultat der bisherigen Gesellschaften, welche diesen Reichtum der Menschen durch den Aufwand ihrer Naturkraft, ihrer Arbeit, geschaffen haben, Resultat der Lebensproduktion der Menschen, Produkt der Sinnesgeschichte, wie sie sich in den gegenwärtigen Verhältnissen darstellt; zum anderen ist dieses Leben das gesellschaftliche Leben in der Form, wohin die Menschen ihre Naturmacht entwickelt haben, die Gestalt ihrer Lebensproduktion, ihrer Werkzeuge und ihrer Kultur. In den bisherigen Formen der menschlichen Gesellschaft hat in der Geschichte dieser Gestaltung mit der Entwicklung ihrer Produktivität die Bildung ihrer Sinne stattgefunden. Diese Sinnbildung kann nur in Gesellschaft geschehen, weil der Mensch für sich als Einzelwesen seiner Natur nicht mächtig ist, keinen anderen Sinn haben kann als den der Selbsterhaltung, den Sinn für seine Notdurft, notdürftige Sinnlichket. Ohne Gesellschaft können Menschen nicht wirklich leben, wie auch keine Gesellschaft Bestand hat, in der sie sich als Einzelne nicht einfinden können oder wollen. Als Ganzes stellt sie die Geschichte der Menschen überhaupt oder in einem bestimmten Kulturkreis dar, wie sie auch ihr lebendes Verhältnis ist. In jedem Individuum ist das Ensemble seiner gesellschaftlichen Verhältnisse, wie sich auch die Individuen in der Gesellschaft individuell versammeln, als Teil und Ganzes ihres Zusammenhangs. In diesem haben sie ihre Wirtschaft, ihre Kultur und ihren Staat als gesellschaftliche Form, also die Art und Weise, worin die Inhalte ihres geschichtlichen Menschseins als Gemeinwesen der Menschen existieren. "Was ist die Gesellschaft, welches immer auch ihre Form sei? Das Produkt des wechselseitigen Handelns der Menschen. Steht es den Menschen frei, diese oder jene Gesellschaftsform zu wählen? Keineswegs. Setzen Sie (Adressat des Schreibens, Annenkow) einen bestimmten Entwicklungsstand der Produktivkräfte der Menschen voraus, und Sie erhalten eine bestimmte Form des Verkehrs ... und der Konsumtion. Setzen Sie bestimmte Stufen der Entwicklung der Produktion, des Verkehrs und der Konsumtion voraus, und Sie erhalten eine entsprechende soziale Ordnung, eine entsprechende Organisation der Familie, der Stände oder der Klassen, mit einem Wort eine entsprechende Gesellschaft ... Setzen Sie eine solche Gesellschaft voraus, und Sie erhalten eine entsprechende politische Ordnung (Staatsapparat), die nur der offizielle Ausdruck der Gesellschaft ist." (K. Marx, Brief an Annenkow (1846), MEW 4, 548.) Subjektiv, also im menschlichen Subjekt begriffen, ist Gesellschaft die wirkliche Beziehung seines Leidens und seiner Tätigkeit, die sich objektiv als Gegenständlichkeit seines Werdens, als seine bestimmte menschliche Geschichte äußert. Von daher ist das Private auch immer ein Raub an gesellschaftlicher Gegenständlichkeit, am menschlichen Vermögen, weil es sich aus der Vermittlung von Individuum und Gesellschaft herausnimmt und sich das Produkt gesellschaftlichen Zusammenwirkens aneignet, ohne dessen Wirkung als Form des menschlichen Reichtums zurückzugeben. Zerstörung von Gesellschaft entwickelt sich aus der politischen Macht des Besitzums, das in der bürgerlichen Gesellschaft sich über den Warenmarkt durchsetzt (siehe auch Kritik der politischen Ökonomie). Diese vollzieht sich in der Realabstraktion von gesellschaftlichen Lebenszusammenhängen, indem sie deren Vielfalt reduziert und deren Einfalt quantifiziert (siehe hierzu auch Wert). Von da her ist die bürgerliche Gesellschaft auch in der Lage, die bisherige Bildungsgeschichte der Menschen in die Barbarei des immer absoluter werdenden Privatinteresses umzukehren. Die Gesellschaftlichkeit der Menschen zeigt sich nicht losgelöst in überhistorischen Inhalten, z.B. Kultur an sich, Natur an sich, Trieb, Arbeit, Staat an sich usw.. Sie drückt sich immer in der historischen Gestaltung des ganzen Menschseins, in der Bewältigungsform der natürlichen Not der Menschen als gesellschaftliche Basis ihres Zusammenhangs (Stoffwechsel), also in der jeweiligen historischen Form aus, in der Form, worin sich die Aneignung und Entfaltung ihrer Natur ereignet, worin sich ihre Arbeit auf ihre Bedürfnisse, ihre Sinnesäußerung auf ihre Selbstwahrnehmung und ihr geschichtlich gewordenes Sein sich auf ihren Willen auf bezieht (siehe hierzu auch bürgerliche Gesellschaft). In diesem Sinne vesteht sich der historischer Materialismus und begreift sich selbst als Moment der bestimmten Lebensform im Bewusstsein der gesellschaftlichen Geschichte dieses Lebens (siehe Kommunismus). Die Geschichte der Menschheit ist die Geschichte ihrer Gesellschaftsformen, das ineinander Übergehen einer Form in eine andere als Form der Produktionsweise des Lebens der Menschen (z.B. Stammeskulturen, Sklavenhaltergesellschaft, Feudalismus, Kapitalismus). Allein diese Form macht den Begriff einer bestimmten Gesellschaft aus. Die Begriffssubstanz der Gesellschaftsform begreift das Wesen ihres Zusammenhangs, in welchem die Wirklichkeit dieser Form sich begründet. So ist im Kapitalismus die Arbeitszeit zur Substanz aller menschlichen Beziehungen, zur Wertsubstanz geworden. Der menschliche Reichtum hat darin Wertform, stellt also vor allem die bloße Aufhäufung von Arbeitszeit dar, gleichgültig, wieviel Sinn diese für die Menschen wirklich hat. Was sie in dieser Gesellschaftsform an Gütern des Lebens erhalten, wird ihnen durch das Einbringen und Verwerten ihrer Arbeitszeit gewährt. Jenseits der gesellschaftlichen Form ist Kultur die lebendige Substanz einer Gesellschaft, welche diese Form ausfüllt, Inhalt und Sinn des menschlichen Zusammenwirkens. Dies bringt angesichts gesellschaftlicher Krisen die populistische Rechte dazu, an die Kultur wie an einen selbständigen Träger des Gemeinwesens zu appellieren und dieses mit dem Nationalstaat gleichzusetzen, aus ihm einen Kulturstaat zu fordern und die Staatskultur zur Gesinnungskultur schlechthin zu machen. Diese hat aber nichts mehr mit einem Gemeinwesen zu tun, da es sich hierbei um eine Verkehrung des menschlichen Zusammenwirkens zu einer Kulturmacht der Staatsgewalt handelt (siehe hierzu auch Faschismus). Auch ist der Nationalstaat keine Gesellschaft. Er hat immer nur die politische Form bürgerlicher Produktionsweisen zu institutionalisieren und gründet auf den Befestigungsinteressen des Marktgeschehens (siehe auch Bürger). Indem der Nationalsozialismus behauptet, Gesellschaft durch den Staat wieder herzustellen, hat er eine Selektion von Menschen als Staatsbürger und "lebensunwertem Leben" (sihe Euthanasie) schon dem Begriff nach nötig (siehe Hitler-Formel). Inzwischen gibt es auch Kulturen, die sich nicht in einer Gesellschaft darstellen, sondern als entzweite Gesellschaften einer Produktionsform, der kapitalistischen Produktionsform. Dies hat die Globalisierung, die weltweite Ausweitung des Warenmarktes ergeben: Zur einen Seite die Dienstleistungsgesellschaft, in der sich vorwiegend die Geldbesitzer zueinander verhalten, und zur anderen die geldlose Gesellschaft, in der die Besitzer von Bodenschätzen (z.B. Gold, Silber, Öl, Kupfer usw.), Arbeitskräften (Familienarbeit z.B. für transnationale Konzerne) und Natur (z.B. Regenwald) nach Maßgabe des Weltmarktes existieren: die sogenannte Dritte Welt. Aus diesem Gegensatz von Geldbesitz und Naturbesitz ergeben sich die kulturellen Verzerrungen der Fremdarbeit, die zur gesellschaftlichen Eigenständigkeit der bürgerlichen Kultur, zur Kultur der Bürger als eigenständige Gesellschaftsform führt (siehe zwischenmenschliche Verhältnisse). Geselschaft kann erst wirklich werden, wenn die konkreten Lebensverhältnisse der Menschen ihre Wirklichkeit ausmachen. Eine Vorstellung hiervon bietet der Kommunalismus. | s.a. siehe auch Wolfram Pfreundschuh: Wolfram Pfreundschuh:
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Gesellschaftlich notwendige Arbeit ist die Arbeit, welche den Erhalt und die Entwicklung einer Gesellschaft ausmacht, welche also Produkte zum Selbsterhalt (Reproduktion) und zur gesellschaftlichen Entwicklung (Mehrprodukt) erzeugt. Hiervon unterschieden ist die Kulturarbeit, welche eine Gestaltungsarbeit für Muse und Schönheit jenseits aller Nützlichkeit ist. Die Formbestimmungen der bürgerlichen Gesellschaft machen die Arbeit für den Selbsterhalt zum variablen und konstanten Kapital, die Arbeit für das Mehrprodukt zum Mehrwert und die Kulturarbeit zur bloßen Freizeitentfaltung. Aus diesen Formen erst ergeben sich die Wertververwerung, denn diese sind die Verwertungsbedingungen des Kapitals. |
s.a. |
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Gesellschaftlich notwendige Arbeitzeit ist die durschnittliche Zeitdauer, die zur Herstellung eines bestimmten Gegenstands unter gegebener Produktivität der Arbeit und ihrer Organisation und Aufteilung benötigt wird. Sie ist das Maß bzw. das Quantum, worin sich die Wertgröße bemisst und realisiert. Diese Wertgröße ist allerdings immer erst im Nachhinein der Produktion als Durschnitt der Arbeitsaufwendungen für die gesellschaftlch notwendige Arbeit der verkauften Produkte zu ermittelt. |
s.a. |
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Gesinnung ist die Gesamtheit von Absichten, welche ein Mensch im Sinn hat. Im Unterschied zu einem Willen ist die Gesinnung eine Form des Sentiments, worin sich ein kultureller Habitus, z.B. auch als Ressentiment ausmacht. Ideell ist sie eine abstrakte Bestrebung, worin sich auch die Reflextion eines Menschenbildes äußert, dessen Verwirklichung erstrebt wird und das sie dann auch in dessen Negation verfolgt, also zur Erlösung aus einem Unheil weltlicher Zustände als Heilsversprechen aufführt und zum Beispiel als Gesinnungsjustiz betreibt. Da sie von einem Sinn kündet, der nicht ist, muss sie ihr Bild vom Menschen als Maßstab für eine darin verlangte Objektivität durchsetzen. Für sich ist die Gesinnung bloß negativ, Gewissheit untergangener Sinnlichkeit, die Grauen erweckt und sich hiergegen erhebt. Als Moment des Grauens und zugleich als Erhebung hierüber dient Gesinnung politisch wie kulturell zur Erhebung über die gesellschaftliche Not (siehe Krise) und wird in der Verneinung wirklicher Not zur notwendigen Selbstbeziehung von Bürgern und Intellektuellen, die ihren hierdurch abstrakt gewordenen Sinn nur in diesem Wissen als zwangsläufig grausames Selbstverständnis finden können. Für den Intellekt wird Gesinnung als Form des abstrakten Wissen um die Notwendigkeit von Sinn und von da her als Reflex abstrakter Sinnlichkeit zur ästhetischen Position: Selbsterregung der Notwendigkeit ihres Vollzugs als Perversion ihrer Selbstwahrnehmung. Dies macht die Gewaltsüchtigkeit der Gesinnung bis zur Grausamkeit aus, welche Menschen zu Handlangern fremder Kulturkräfte (fremde Kraft) macht. Sie ist die subjektive Bedingung für die Existenz und das Fortdauern des Faschismus, die Form, in welcher sich die Meinung der Menschen zu einer Kulturgewalt verstaatlicht (siehe Kulturstaat). Sie richtet sich vorwiegend gegen die Unmittelbarkeit menschlicher Bedürfnisse, um ihnen eine mächtige Vermittlung "einzubrennen" und sie fremder Macht gefügig zu machen (s.a. Nietzsche). Die Ästhetik der Gesinnung als Selbstgefühl (s.a. Gefühl) ist der Sadismus. |
s.a. | |
Geistererscheinungen reflektieren Unheimliches eines wahrgehabten Lebens als Einfluss auf die Wahrnehmung, welche darin zu einem objektiven Gefühl wird, manchmal auch mit Halluzination verbunden. |
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Das Gespür ist ein aktives Gefühl, die Verfolgung eines Sinns, den eine Sache hat oder haben soll. Das Aufspüren ihrer organischen Zusammenhänge verlangt sowohl in der Erzeugung von Sachen, wie auch in ihrer Wahrnehmung Gespür für sie. Hierin wirken deren Momente im Gedächtnis. Von daher verrät auch der Wahnsinn sein Gespür für Sachen und Menschen, das nicht unbedingt wirklich empfunden werden kann. Wo wir etwas bearbeiten, erzeugen oder verändern, müssen wir ein Gespür für dieses haben, fühlen, welche Stoffe und Gestalten darin zusammenwirken und was miteinander wirken kann, was nicht, was schön ist, was hässlich. Wir müssen Funktionen verstehen, ihren Sinn erkennen, ihre Gestalt begreifen und Stoff fühlen. Von daher wirkt das Gespür auch in der Kunst gestaltend. Es setzt sich über die bestehende Wirklichkeit als Gefühl innerer Zusammenhänge und treibt sie in eigener Wirkung hervor. Hierdurch ist es ohne jede Form und Befindlichkeit. |
s.a. | |
Gesundheit ist eigentlich nur zu fassen als ein subjektiver Begriff des Wohlbefindens, der von den Lebensbedingungen und allen Belastungen der Wirklichkeit absieht und die Integrität der Befindlichkeiten eines oder mehrer Individuum erfassen will. Als solcher Begriff unterstellt er zum einen die Normalität der Bedingungen als gewöhnlicher Durchschnitt, zum anderen aber ist er auch durchaus in der Lage, die Unmöglichkeit einer Integrität im Individuum festzustellen. Von dieser Seite kann er kritisch sein für eine Gesellschaft, in der die Mehrzahl der Individuen nicht zu einer Identität ihres Wohlbefindesns gelangen (vergl. z.B. den hohen Anteil von 10% an Depressionen in der BRD oder den "psychischen Krankheiten" überhaupt). Auch körperlich lässt sich eine absurde Funktionalität erfassen, wenn z.B. ein Viertel der Bevölkerung unter Fettsucht leidet (USA) und mit krankhaften Bewegungseinschränkungen und Blutwerten aufwartet, zumindest so lange, bis diese Werte für normal gehalten werden. |
s.a. |
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