Buchstabe Id Im Kontext

Ideal

„Marx würde gegen das ‚politische und gesellschaftliche Ideal’ protestieren, das Sie ihm unterstellen. Wenn schon von einem ‚Mann der Wissenschaft’, der ökonomischen Wissenschaft die Rede ist, so darf man kein Ideal haben, man erarbeitet wissenschaftliche Ergebnisse, und wenn man darüber hinaus noch ein Mann der Partei ist, so kämpft man dafür, sie in die Praxis umzusetzen. Wenn man aber ein Ideal hat, kann man kein Mann der Wissenschaft sein, dann hat man eine vorgefasste Meinung.“ (F. Engels an P. Lafargue, 11.8.84. MEW 36, 198)

Ideal ist der optimale Zustand eines vorgestelten Seins, einer Idee von dem, wie es sein soll. Es ist ein Sein, das nicht wirklich existiert, wohin die Idee aber strebt. So kann es auch Ideale als Ziel geben (z.B. Vergeistigung als Ideal) oder als Inhalt einer Ideologie. Das Ideal erweckt zwar eine Begeisterung für eine Idee, es versteinert aber auch jede Idee zu einer übergeschichtlichen Größe, die leicht zu einem Heilsprinzip werden kann.

Hierbei kommt hinzu, das ein Mensch, der ideal erscheint, für andere ein Idol ist und der entsprechende Fan-Kult jegliches Ideal zu transpoortieren vermag, wenn er eine Masse findet (Massenmensch).

s.a.

=> Ideologie

Idealisierung

Idealisierung ist die Herausbildung des Idealen aus einem Zusammenhang, das damit zu einer unittelbaren Abstraktion aus ihm herausgenommen, also isoliert wird. Alle Gedankenabstraktionen können so zu Lebenswerten werden, welche die Ethik ausfüllen und darin als Gebote des Lebens erscheinen können. Durch ihre Isolation werden sie ihrer wirklichen Herkunft enthoben und stehen für sich als Gebote, die Erfüllung erheischen. Das kann solche Werte zu etwas umkehren, was sie dem Sinn ihrer Grundlage entfremdet und darin mächtig wird, dass sie zu dessem Unterdrückung hergenommen werden.

s.a.

=> Ideal 

Idealismus

Idealist ist nicht jemand, der eine Idee hat, nach deren Verwirklichung er strebt. Idealismus ist ein Prinzip, welches Wirklichkeit im Streben einer Idee zu ihrem idealen Zustand begreifen will. Der deutsche Idealismus wurde am ausgiebigsten von Hegel formuliert, der in diesem Streben den Weltgeist an und für sich als den Begriff des Menschen versteht, der aus seiner Setzung als Idee im absoluten Geist zu sich kommt. Die Setzung selbst kann subjektiv allerding nur ein anderes Wesen machen, auch wenn es im Nachhinein aus der Wirklichkeit erst erschlossen ist: Gott. Gott aber wird bei Hegel nicht als anderes Wesen ausgeführt; er ist durch sich selbst menschlich. Das macht seinen Begriff vom Menschen widersinnig: Er sei selbstbewusst und doch gottgewollt. Dies hat Marx in seiner Kritik an Hegel herausgearbeitet und zur Kritik von Religion überhaupt gemacht. Diese sei erst überwunden, wenn "der Mensch als höchstes Wesen für den Menschen" gilt und nur in seiner Wirklichkeit zu bestätigen ist, die er geäußert hat (siehe Reichtum und Arbeit), weil er nur darin seine Wahrheit haben kann.

s.a.

=> Idee

=> Ideal

Idee

„Wichtig ist, dass Hegel überall die Idee zum Subjekt macht und das eigentliche, wirkliche Subjekt ... zum Prädikat.“ (K. Marx, Kritik des Hegelschen Staatsrechts, MEW 1, 209).

„Die ‚Idee’ blamierte sich immer, soweit sie von dem ‚Interesse’ unterschieden war.“ (K. Marx, "Die Heilige Familie", MEW 2, 85)

Eine Idee (oder Vorstellung) hat jeder Mensch, bevor er etwas verwirklicht. Sie ist ohne Wahrheit, weil unbewährt, wenn auch voller Leben und Interessen: Alles Tun strebt danach, die Idee umzusetzen, sich in ihrer Verwirklichung zu bereichern (siehe Reichtum) und Welten zu gründen. In der Arbeit und Tätigkeit hierfür wird sie wirklich, verliert sich in dem Maße als Idee, was sie an Wirklichkeit gewinnt und hat ihr Sein, sobald sich diese in ihrem Sinn auch bewährt.

Im Gedanken verharrt die Idee als Behauptung, wirklich sein Sollendes von Unwirklichem: Wesensbehauptung. Im Denken gerät sie daher zu einem Wesen, das im Nachhinein der Reflektion von Wirklichkeit erst abstrakt hiervon gefunden wird, um sich als Idee dessen, was nicht ist, wohl aber sich in Gefundenem (siehe Empfindung) reflektiert, zu sein (Idealismus) - Sein als Prinzip, wodurch etwas entstanden sei. Als Prinzip werden Ideen auch in der Politik angewandt, als ideologische Begründung von politischer Aktivität, als politischer Grundsatz, der sich in Parteiprogrammen formuliert (z.B. Freiheit als Prinzip der Liberalen). Eine Ideologie ist das geistige Streben nach einem Ideal, das keine Wirklichkeit hat, aber in den notwendigen Handlungen mit Wirklichem Sinn mit eigenem Grund bekommen soll als prinzipielles Ziel, als ihr Telos. Oft ist dies das genaue Gegenteil von dem, das dann wirklich geschieht, was also auch als Ziel über allem Handeln verbleibt, weil es wirkliches nur hierfür nutzt. Es ist ein geistiges Verlangen, das zugleich von aller Wirklichkeit wegführt, wenn es als Ideologie oder als Theorie ideelle Zwecke setzt und eine Praxis des Ideellen begründet.

s.a.

=> Theoretisches Bewusstsein

Identitäres Denken

Identitäres Denken erstrebt die Identät eines Denkens in sich selbst, also im Unterschied zu allem anderen, das als Gegenstand des Denkens damit disqualifiziert ist. Solches Denken behauptet daher die Möglichkeit eine Erkenntnisidentität vor aller Erkenntnis. Nicht der Akt des Erkennens als Arbeit der Selbsterkenntnis und der Selbstverständigung, also die Abarbeitung von wirklichen Widersprüchen, macht dieses Denken aus, sondern die behauptete Einheit eines Gedankens, der sich in die Welt versetzen will.

Der Vorwurf, dass bekanntes Denken Trennungen enthält (z.B. die Trennung von Körper und Geist in der Aufklärung) wird zur Behauptung von Einheit, anstatt Denken als Tätigkeit des Einswerdens zu begreifen. Aber nur dadurch, dass die Einheit als selbstverständlicher Grund der Bemühung vorausgesetzt ist, werden Getrenntheiten erkannt, die dann auch begriffen werden müssen.

Alles andere wären Selbstbehauptungen: Die Hauptsache, ich bin mit mir eins. Das ist die Tollheit identitären Denkens, die vielen Intellektuellen zu eigen ist, die mit dem Bad jedes Kind der Erkenntnis wegschütten. Hierbei dient das Erkannte im Nachhinein als Grundlage der Selbstbehauptung für alles Unerkannte. Was sie dann selbst tun, ist oft nichts anderes; - sie müssen es nur nicht mehr begreifen.

s.a.

=> Identität

=> Selbstbehauptung

siehe auch "Probleme des Marxismus"

audioup1a2e1a1a3a2 Probleme des Marxismus III
Adornos Negative Dialektik

Identität

In Wahrheit ist alles eins. Alles ist in seiner Vielfältigkeit darin wahr, dass es in einem ganzen Zusammenhang steht, letztlich eine Welt ist (siehe menschliche Identität). Nichts ist ohne das Andere und alles wäre nichtig ohne dies. Dies ist ohne weiteres selbstverständlich und in all seiner Unterschiedenheit ohne Sein, das zu bedenken wäre. Ein Mensch kann dies in sich vereinen, soweit er einfach sein kann, solange sein Verhalten sein Verhältnis zu seinen Verhältnissen ausdrückt. Ob es eine Aussage ist, die mit dem übereinstimmen muss, was sie besagt, eine Empfindung die sich über ihren Gegenstand klar ist oder ein Widerspruch, der als solcher auch aufgefasst wird, all dies ist dann wahr, wenn die Identifizierung des Unterschieds allem entspricht, was ist: dem materiellen, geistigen, sachlichen und menschlichen Organismus, der Organik des Lebens.

Identität ist das mit sich und in sich eins sein. Und das heißt: einiges Wesen haben und darin wesentlich sein, nicht nur durch Anwesenheit (das wäre die Bestimmungen des reinen Körpers), sondern durch sich selbst als Ganzes. Ein Mensch ist mit sich eins, wenn er sich für sich unterschieden von anderem weiß, wenn er darin nicht zwiespältig oder im Zweifel ist, was eigen und was fremd ist. Ein Mensch ist in seiner Erkenntnis mit sich einig in dem, was ihm wesentlich ist, was sein Sein, sein Entstehen und Vergehen, sein Werden und Verwesen (sieh Geschichte) ausmacht und wodurch er sich selbst ebenso wie anderes identifiziert. Anderes Sein zu erkennen, ist Identität erkennen - nicht als unidentisches, sonderen als Anderes des Identischen. Eins ist nicht wie das Andere, weil identisches Wesen sich im Unterschied zu fremden Wesen erkennt, indem es Anderes als wesentlich für sich Identisches erkennt, als ihm äußeres Wesen weiß und in dieser Gewissheit mit ihm einig ist.

Jedes Wesen kann in sich ganz und doch voller Widersprüche sein; es ist damit nicht ohne Identität. Umgekehrt: Gerade der Widerspruch beweist sie. Nur was ineinander verschwimmt, sich unterschiedslos unterscheidet wird in sich unwahr, in seiner Identität sich fremd. Identität ist keine Voraussetzung und keine Bedingung, aus der Enzweiung erst hervorginge. Am Anfang war nicht das Wort, nicht der Logos und nicht die Wahrheit (siehe dialektischer Materialismus). Das geschichtliche Sein der Menschen lebt in der Unterscheidung, im Anfag und Ende einer Bewegung, Epoche oder Generation. Darin sind Leben wie Tod die Momente der Bewegung, Leben ihr Zusammenhang, nicht ihre Einheit. Eins sein mit sich kann ein Mensch auch, wenn er bedrängt, bedingt, unterworfen ist. Es verlangt aber die Erkenntnis der Bedrängung, Bedingung, Unterworfenheit, also der Fremdbestimmung (siehe Logik der Kultur). Ohne diese Erkenntnis wird Fremdes zur Genugtuung eigener Identitätslosigkeit, zur Zerstörung von Identität durch Selbstgewinn im Fremden, durch Entlastung des Zweifels, der darin seinem Schmerz enthoben wird. Fremdes ist darin Lebensbedingung, dass Leben nur durch es zu sich kommt, dass es nur dadurch sich äußert, dass es sich selbst als fremd wahrhat. Das ist die Basis eines tödlichen Lebens, negierte Lebensvermittlung in fremder Welt, Leben durch Selbstverlust, Selbstgewinn durch Scheinwelt, Leben als Prothese der Selbstverlorenheit, Perversion der Sinnlichkeit des Leidens zur Tätigkeit der Selbstentfremdung. Dies ist die subjektive Basis der Reaktion: Die in der Verneinung begriffene Aktion, Aktivität der Selbstverneinung. Diese verwirklicht sich in einer äußeren Ganzheit, in welcher die Selbstverneinung als Heil des Ganzen aufgehoben werden will (siehe auch Volksseele).

Was ist, ist nur dadurch, dass es wesentlich, dass es mit sich identisch ist. Nicht-Identität gibt es nicht wesentlich; sie ist ein Unding, eine Abstraktion von einem Wesen, das Form bestimmt, weil sie keinen Inhalt hat. Menschen mögen widersprüchlich sein und daher keine Identität haben, aber indem sie dies verspüren können, sind sie doch darin identisch, Einheit, die nicht sein kann, weil erst konkret werden muss, was nur abstrakt wirklich ist und daher alles auf das reduziert, was nichts Eigenes ist. Aber schon in dieser Feststellung sind die Menschen mit sich identisch, wenn auch nicht wirklich. Aber indem sie hierbei ihre Selbstentfremdung wahrnehmen, erkennen sie die Notwendigkeit ihrer Wirklichkeit. Ihre Selbstverwirklichung ist daher nicht Selbstentfaltung, sondern Konkretion des in der Abstraktion getrennten, Aufhebung des konkret Gespaltenen in der Einheit eines erneuerten, auf sich zurückgekommenen Lebens, das sich darin sowohl bewahrt wie verändert hat, dass es sein Unwesen abgestreift und konkret wesentlich geworden ist (siehe Revolution)..

Menschen können also ein widersprüchliches Wesen haben, d.h. nicht wirklich mit sich identisch sein, aber gerade, indem sie hin- und hergerissen sind, beweist sich ihre Identität, wenn auch nur als Notwendigkeit einer Gespaltenheit, sich wesentlich aufzuheben, das Unwesentliche zu erkennen und dessen Formbestimmtheit von sich zu unterscheiden, sich als wirklichen Lebensinhalt konkret hervorzubringen, indem sie diesen als ihre Wurzel begreifen, sich in ihm radikalisieren. Solche Radikalität ist nicht notwendig heftig, jedoch entschlossen, weil sie einem Schluß folgt, einem Ausschluss der Formbestimmung aus dem eigenen Leben, einem Urteil, das sie abschließt und der darin mit sich identisch gewordene Mensch sich ihr verschließt.

Nur Menschen, die sich von den Zerwürfnissen ihrer Wahrnehmungen, den Notwendigkeiten ihrer Empfindungen und Gefühlen trennen, weil sie ihre Gespaltenheit leugnen, als Unwahrheit denunzieren müssen, weil sie z.B. objektiven Gefühlen unterworfen sind, sind wirklich identitätslos. Dies ist nicht zu unterschätzen, weil es auf andere Menschen unmittelbare Wirkung hat: Sie benötigen Menschen zu ihrer eigenen Identität (siehe auch Vampirismus). Ein gutes Beispiel hierfür ist der Nationalsozialismus: Er entsteht aus der Identitätslosigkeit von Entfremdung in zerstörten sozialen Beziehungen als Vereinigungsbewegung von Kultur und Staat, in welcher das Glück des Ganzen beschworen wird als Abkehr von bürgerlichen Selbstverständlichkeiten. Doch verblieben in der Unfähigkeit einer Abgrenzung zur bürgerlichen Kultur, weil diese als Identitätsprothese, als Scheinwelt des gelingenden Lebens ihm vorausgeht und innewohnt, will der Nationalsozialismus ihre höchste Vollendung: Die Einheit von Volk, Nation, Kultur und Staat. Darin sieht er die Gewohnheiten des entfremdeten Wesens als übermächtiges Wesen bestärkt, das seinen Bestimmungen dadurch entkommt, dass es seine Bedingungen bestimmt: Die Sauberkeit und Reinheit des Ganzen, die reine Art (siehe Rassismus). Dies macht seinen ästhetischen Willen aus.

Sein hat immer Identität, wenn auch nicht immer wirklich. Sein kann daher nicht Nichts sein (siehe hierzu Logik). So gibt es auch nicht den Widerspruch von Sein und Nichts. Die Negation wäre immer die Negation von Leben: Tod. Nicht-Identität ist daher immer eine lebende Negation, eine Negation, die nicht sein kann, weil: Wenn sie wäre, wäre denken selbst nicht, Logik unnötig, Not unwendbar, weil alles nichtig. Nicht-Identität, so sie nicht als eigener Widerspruch gelitten (Leiden) wird, waltet tötlich, ist daher immer Gewalt, tötliche Gewalt. Wo Leben zerstört ist, ohne Tot zu sein, äußert es sich notwendig als Gewalt. Wo Identität gebrochen ist, lebt sie als Gewalt. Gebrochene Identität waltet als Gewalt, und als nichts anders (siehe auch Grausamkeit).

Eine lebensmächtige Gewalt selbst allerdings, eine dem Leben daher äußerliche Gewalt, erzeugt selbst dort Identität, wo keine war. Auch wenn diese bloße Negation der Gewalt ist, hat sie ihren Sinn in der Bedrohung - zumindest solange, wo sie nicht selbst zur Gewalt übergeht. Absolut gebrochene Identität gibt es nur als gewaltiger Widersinn, gewaltig im Sein eines Sinnes, der sich widerlegt. Dies setzt eine äußere Identität voraus (siehe objektive Gefühle), eine Fremdidentität (siehe Selbstentfremdung), die eingegangen wird, um einem bestimmten Lebensraum zu überstehen. Die ganze bürgerliche Kultur lässt sich als die Form einer solchen Fremdidentität begreifen, vom einfachen Widerspruch zwischen Wahrnehmen und Wahrhaben bis hin zu komplexen Einheiten wie z.B. als Volksseele. Um nicht zugrunde zu gehen, muss Identität sein, auch als fremde. Je weiter daher die Gegensätze auseinander, desto abstrakter das Selbstgefühl. Auch wenn sich Empfindung und Gefühl nur noch im Sadomasochismus (siehe Perversionen) treffen, so handelt es sich dabei doch um eine mögliche Identität.

Die Frage nach Identität ist daher eine Frage nach der Wahrheit von gewaltiger Sinnlichkeit, d.h. die Erkenntnis der Unwahrheit von Gewalt im Sinn. Dies sollte das Anliegen jedweder Therapie sein. Es ist die Befassung mit der Täuschung, erkennende Enttäuschung. Darin steckt ihr Grund: Der Sinn, der nicht sein kann, der Übersinn, der geboten war, damit existiert, was nicht ist. Die Enttäuschung ist die Erkenntnis einer Scheinwelt - und diese Erkenntnis stellt Identität wieder her, wo sie aufgehoben war. Identität war darin äußerlich, Vermittlung von Unmittelbarkeit, die nicht menschlich war, die abstrakt bezogen war, um menschlich zu erscheinen, um unmenschliche Gewalt zu verbergen.

Identisch mit sich ist nur, was wesentlich ist, was also keinen wesentlichen Gegensatz in sich hat und daher in sich oder durch sich nicht auseianderfallen kann - nicht zu verwechseln mit Einheit, die auch Einheit der Gegensätze bedeuten kann, oder Gleichheit, die lediglich Unterschiedslosigkeit meint und von jeder Inhaltlichkeit absieht, also immer nur abstrakt bestehen kann (siehe auch Gleichgültigkeit). Etwas mit sich selbst gleiches kann nicht sein; es wäre ein Unding. So meint Identität den einfachen, eindeutigen Grund, der verschiedenen Folgen (z.B. Äußerungen oder Erscheinungen) inne ist. Identität ist das, was man sich schuldig ist, wenn etwas nicht stimmt. Je mehr man sich schuldig bleibt, desto mehr verfällt man in Schuldgefühle und verliert an Identität. Sie ist der Moment, worin Selbsterkenntnis und Erkenntnis sich einig sind, gleich, welche Erlebensform hierzu nötig ist. Aus diesem Grund gibt es die verschiedensten Erlebensqualitäten von Identität - auch solche, die für andere eine Umkehrung ihrer Erlebensform, eine Perversion ist. Darin wird Schuld ausgelebt, um nicht gefühlt zu werden.

Für die Wissenschaften vom Menschen ist es entscheidend für ihre Erklärungsansätze, was sie als menschliche Identität ansehen (z.B. als Erkenntnistheoretische Grundlage oder Ausrichtung). Aber schon der Begriff von Identität ist dabei verschieden. So kennt z.B. die Psychologie als Identität meist nur die Erlebensidentität in ihren verschiedenen Ausrichtungen idealisiert (z.B. Gestalt für die Gestaltpsychologie, Trieb für die klassische Psychoanalyse, Wahrnehmung für die Kommunikationstheorie, Verhalten für die Verhaltenspsychologie, Liebe für esoterische Psychologie). Identitätsprobleme gelten dann als Mangel gegenüber diesen Idealen. Die Philosophie kennt Identität in einer höheren Abstraktion in ihrem Erkenntnisansatz je nach Ausrichtung als geistige, theologische, vernünftige, empirische, phänomenale, faktische, soziale oder pragmatische Wahrheit.

Die verschiedenen Wissenschaften und Ansätze widersprechen sich notwendig in jedem Moment ihrer "Wahrheitsfindung". Schon in der Beschreibung von dem, was grundlegende Seinsweisen des Menschen, zum Beispiel Gefühl oder Schmerz sei, fallen sie als Wissenschaften auseinander. Zum Beispiel: Ist das Verhältnis zum Schmerz überliefert (z.B. durch Erziehung, Miterleben o.ä.) oder bestimmt es sich aus dem Geist, den ein Mensch hat? Ist ein Gefühl unmittelbar geistige Einheit im Ästhetischen (z.B. Kunst), ein Ausdruck der Seele, oder Moment der Wahrnehmung, die vielleicht auch noch von einem Reiz bestimmt ist (siehe Verhaltenstheorie). Die bürgerlichen Wissenschaften verheddern sich durch ihre abstrakten Ausgangspositionen in Widersprüche, die ihre Getrenntheit von ihrem Gegenstand aufweist (siehe z.B. die Vernunft der Aufklärung als Widersinn der Selbsterkenntnis, oder die Widersprüchlichkeiten der Erlebensqualitäten, wie sie in den psychologischen Einzelwissenschaften bei Freud in der Psychoanalyse oder bei Skinner in der Verhaltentheorie gefasst sind). Wissenschaftliche Identität, die nicht menschliche Identität sein kann, ist notwendig ein Beitrag zur Fortbestimmung menschlicher Selbstentfremdung, weil sie diese in ihren Beurteilungen oder Urteilen umsetzt und verwirklicht.

Marx hat gezeigt, dass eine Wissenschaft, die nicht von der menschlichen Natur ausgeht, von seiner gesellschaftlichen Tätigkeit in der Entwicklung seines Reichtums, seinem gegenständlichen Wesen, dass solche Wissenschaft die Menschen ihrer ihnen fremden Notwendigkeiten unterwirft und damit die Entfremdung des Menschen von sich, seiner Gattung und seiner Tätigkeit verabsolutiert (siehe Warenfetischismus). Nur in der Einheit von seinem Leiden und seiner Tätigkeit kann der Mensch wesentlich erkannt werden als ein eigenes, sinnliches und geistiges Wesen, seiner seine Sache erzeugt, um Mensch zu sein und seiner Sache bedarf um sachlich zu bestehen und allseitig bestätigt zu sein (siehe Reichtum).

s.a.

=> Dialektik

=> politische Identität

siehe auch "Probleme des Marxismus"

siehe hierzu auch den Themenabend
"Lebensangst und Kapitalismus"

Themenabend:
Kultur und Identität, Psyche und Bewusstsein

zitatup5i3c1 Erkenntnis
zitatup5i3a
Erkenntnis und Liebe
quelleup5a9a2a1 Identitätsverkehrung
quelleup5a27g1a1a2a1a Neue Identitäten
quelleup5a14c1a1 Der "flexible Mensch"

audioup1a2e1a1a3a2a Probleme des Marxismus III
Adornos Negative Dialektik
 

Identitätsangst

Identitätsangst ist die Angst vor dem Selbstzweifel, die bedrängte Erkenntnis, selbst in Frage gestellt zu sein. Selbstzweifel muss nicht Angst machen, wo er Sinn hat, wo er also in Beziehungen von Menschen lebt. Die Bedrängnis entsteht nur in Verhältnissen, in welchen die Zweifelsfreiheit Lebensbedingung ist, also in Scheinwelten. Identitätsangst ist daher immer Lebensangst, die sich nicht auf das Leben bezogen erkennen kann, weil ihr die Scheinhaftigkeit eines Lebens Lebensbedingung ist.

s.a.

=> Identität

siehe hierzu auch den Themenabend
"Lebensangst und Kapitalismus"

Identitätsfindung

Identitätsfindung ist eigentlich ein Widersinn in sich: Wie kann ich etwas finden, was ich nur selbst sein kann und also nirgendwo zu suchen habe? Identitätsfindung gibt es nicht in unmittelbarer Selbstgewissheit, sondern nur dort, wo Identität äußerlich vermittelt wird: Im Selbstgewinn. Identitätsfindung ist daher ein Begriff für die Suche nach Mitteln und Vermittlung eigener Identität, also Prozess eines Selbstverlustes, der sich in Selbstgewinn umzukehren sucht.

s.a.

=> Identität

=> Selbstbeziehung

siehe hierzu auch den Themenabend
"Lebensangst und Kapitalismus"

Ideologie

„Die Ideologie ist ein Prozess, der zwar mit Bewusstsein vom so genannten Denker vollzogen wird, aber mit einem falschen Bewusstsein. Die eigentlichen Triebkräfte, die ihn bewegen, bleiben ihm unbekannt; sonst wäre es eben kein ideologischer Prozess. Er imaginiert sich also falsche resp. scheinbare Triebkräfte. Weil es ein Denkprozess ist, leitet er seinen Inhalt wie seine Form aus dem reinen Denken ab, entweder seinem eignen oder dem seiner Vorgänger. Er arbeitet mit bloßem Gedankenmaterial, das er unbesehen als durchs Denken erzeugt hinnimmt und sonst nicht weiter auf einen entfernteren, vom Denken unabhängigen Ursprung untersucht, und zwar ist ihm dies selbstverständlich, da ihm alles Handeln, weil durchs Denken vermittelt, auch in letzter Instanz im Denken begründet erscheint.“ (Friedrich Engels, MEW 39, S. 97)

Ideologie ist im engeren Wortsinn das Prinzip (logos = Wort im Sinne von Gesetz) einer Idee, also der Systemzusammenhang einer Idealisierung. Sie setzt damit eine Gedankenabstraktion voraus, welche einen Verhalt - die Erscheinung eines Verhältnisses - idealisiert hat und von daher das Verhalten einer Interpretation desselben ist. Ideologie bestimmt daher die Interpretation eines Verhältnisses zum Verhalten einer Idee, die für sich nichts sein könnte, wäre sie nicht das Ideal eines wirklichen Verhältnisses (siehe z.B. Freiheit). Von daher hat sie eine ideelle Abstraktion wahr, aber eben nur als die Wahrheit einer Abstraktion, welche ihre Wirklichkeit in sich aufgehoben hat.

Gemeinhin ist Ideologie eine Lebensvorstellung, der die Wahrnehmung der Wirklichkeit unterordnet wird. Sie entsteht jedoch nicht zufällig, wie es der Vorstellung entspricht, sondern aus einer Notwendigkeit, sich der Welt in der Weise zuzuwenden, wie sie idealiter oder ihrer Idee nach zu verstehen sei, wie sie selbst sich also notwendig erscheint (siehe notwendiger Schein).

Philosophisch ist Ideologie eine Seinsvorstellung, die aus der Wirklichkeit als ein ihr zugrunde liegender Gedanke abstrahiert ist und sich als deren notwendiges Prinzip versteht. Sie entspringt von da her einer Anschauung der Welt, die sich in einer Vorstellung oder Idee als ihre wesentliche Interpretation absolut und abstrakt zusammenfasst und sich in ihren Grund stellt. Sie vollzieht sich nicht als Idee, sondern in der Bewertung von Wirklichkeit durch eine implizite Lebensvorstellung, die sich an Begriffen festmacht, unter welchen die Menschen ihr Leben allgemein idealisiert so verstehen können, wie es ihnen allgemein und unmittelbar erscheint. Die bürgerlichen Ideale zeigen darin, für was sie allgemein stehen sollen (z.B. Freiheit, Gleichheit, Menschlichkeit), auch wenn und gerade weil sie im einzelnen unmittelbar keine konkrete Wirklichkeit und Wirkung haben.

Die Idee entspringt praktisch einer bestimmten Lebensposition, die sich in der Abstraktion von ihrem Lebenszusammenhang selbst begründet erscheint und sich in der Vorstellung zu sich selbst, also sich zu nichts anderem in Beziehung (relativ) verhält. Hierdurch ist sie Weltanschauung und Lebensauffassung und Lebenspraxis in einem, Eigentlichkeit ohne Sein, im Zweck eines politischen Willens, ihre konkrete Wirklichkeit durch diese Scheinbarkeit aufzuheben, z.B. durch die Ideologie der Freiheit ihre Gebundenheit, durch die Ideologie der Gleichheit ihre ausgeschlossene Besonderheit, durch die Ideologie der Brüderlichkeit die Konkurrenz der Privatsubjekte zu negieren Daher ist Ideologie objektiv, insofern sie Welterfahrung als Wert für sich aufgreift und subjektiv, indem sie eine Interpretation des Lebens als abstrakten Sinn hierfür hat und bestätigt haben will (siehe auch Fetischismus). Sie vermengt beides zu einem Prinzip, das sich Menschen in ihren Entscheidungen zu eigen machen, wenn und solange sie es nicht besser wissen. Praktisch wird sie vor allem in der Politik und in der Anwendung von Wissenschaft. Eine Ideologie wirkt darin als Erklärungsmuster, durch welches Bewertungen nach einem Ideal umgesetzt werden und Handlungen einen eigenen und selbständigen Grund bekommen in einem prinzipiellen Ziel, einem Telos. Das gültige (verifizierte) Ideal ermittel sich in den modernen Wissenschaften meist in der Durchschnittsbildung von Idealisierungen (siehe auch Statistik).

Ideologie entspricht dem allgemeinen Schein der Verhältnisse und vermittelt ihnen ein abstraktes Wesen, macht sie dadurch zu einer Naturerscheinung (siehe auch Warenfetischismus). Darin haben sie den Schein einer Ganzheit, die dem Streben des Idealen inne ist, verklären den notwendigen Schein der Verhältnisse zum absoluten Sinn ihres Sein-Sollens. Für sich hätte dieser Schein keinen Bestand, hätte er nicht durch die Ideologie einen Lebenswert erhalten, eine Größe von etwas, das zum Erhalt der bestehenden Kultur notwendig scheint. Darin werden die desparaten Seinsweisen der bürgerlichen Gesellschaft zu begeisterten Seinsweisen separater Ereignisse, weil ihre Form selbst zu dieser Ganzheit wird, auch wenn sich dabei andere Inhalte einfinden (siehe Begriffssubstanz).

Im theoretischen Verhalten, also z.B. in den Wissenschaften, verfolgt Ideologie die Logik einer Idee, welche dem theoretischen Willen Allgemeinheit in ihrem Heil verleiht. In diesem ist die Idee ein allgemeingültiges Gedankenprinzip, das sich in Tätigkeiten zu verwirklichen sucht, die sie sich darin dem Ziel eines Ganzen und zu einer Ganzheit beugen. Dies setzt vorraus, dass die Ideologie eine Wirklichkeit hat. Das unterscheidet sie von der Theologie. Sie ist wesentlich praktisch und nutzt Gedanken (z.B. aus der Philosophie), um ihrem Willen Grund zu geben. Der geht als Gedankenabstraktion, welche implizite Forderungen nach Allgemeinheit enthält, in das Denken über die Wirklichkeit ein (z.B. Menschenrechte, Freiheit, Gleichheit als Forderung auf das Recht und die Pflicht dazu). Soweit ihre Abstraktionen Wirklichkeit haben können, lässt sie sich Ideologie als Handlungsanleitung verwenden und sich bestärken (z.B. als abstrakte Versöhnung in Auseinandersetzungen oder auch zum Zweck der Gleichschaltung). Somit richtet sich Ideologie auch gegen bestimmte Wahrnehmungen von Wirklichkeit, die damit unkenntlich gemacht werden soll (vergleiche die Ideale der bürgerlichen Gesellschaft und ihere Ideologisierung). In diesem Sinn wird sie zur Grundlage von Moral.

In der Praxis tritt Ideologie jedoch meist in der wissenschaftlichen Begriffsbildung als ideologische Begriffsbildung auf, als idealisiertes Erkenntnisinteresse. Das hatte den Streit um das richtige Erkennen und die Erkenntnistheorie hervorgebracht, die Frage, was denn an einer Aussage ohne interessierte Voraussetzung wahr sein, also objektive Wahrheit haben kann.

s.a.

=> Gedankenabstraktion

=> Ideologischer Begriff

=> Moral

siehe auch "Probleme des Marxismus"

quelleup5a9a2b Huntington's "Kampf der Kulturen"

Ideologiekritik

Ideologiekritik besteht aus der Hinterfragung des Absoluten, das eine Idee in der Ideologie hat. Da Ideologie kein Sein hat, kann Ideologiekritik auch nur eine Kritik von Gedankenabstraktionen sein, die ein bestimmtes Leben legitimieren oder begründen wollen.

Ganz allgemein ist Ideologiekritik also Philosophiekritik, also die Kritik einer bestimmten Philosophie, welche Verhältnisse legitimiert (z.B. als Ethik) und Entscheidungen und Handeln hierzu beeinflusst (z.B. das Forschen und Handeln der Wissenschaften).

Jede Politik, die sich nicht aus Wissen und Bewusstsein begründet, besteht letztlich aus Ideologie. Politische Entscheidungen basieren dann auf Vorstellungen von menschlicher Geschichte und Entwicklung, die sich in ihr als Hoffnung realisieren, nicht als wirklich abgeleitetes Handeln aus den Notwendigkeiten der bestehenden Verhältnisse, die in sich die Möglichkeiten bestimmter Veränderung tragen, die durch ein politisches Bewusstsein vom menschlichen Leben geschichtlich bewegt werden. Im Kern ist Ideologiekritik daher auch immer Kritik von der entscheidungsrelevanten Idee einer Politik (z.B. Fortschrittsglaube, Freiheitsidee) durch ein bestimmtes gesellschaftliches Bewusstsein.

Ideologischer Begriff

Ein Ideologischer Begriff ist ein Begriff, der eine Bewertung beinhaltet, die einer allgemeinen Lebensvorstellung, einer Idee entspringt, die sich in der Ideologie absolut gibt. Im Unterschied zu einer Erklärung wird dieses Urteil dem Menschen zugemutet, der darin nur als Objekt vorkommen kann. Durch ideologische Begriffe werden Menschen also objektiv gefasst und hierdurch den Notwendigkeiten der Sachwelt zugeordnet; heisst: als Mensch abgeschafft. Jede kulturelle Emanzipation, jede Subjektwerdung ist daher mit der Kritik ideologischer Begriffe untrennbar verbunden. Das verlangt allerdings auch, eine Erklärung der Tatsachen zu finden, die ein ideologischer Begriff anspricht und auf deren Notwendigkeit er verweist. Der Verwendung ideologischer Begriffe kann letztlich nur mit Wissen und Bewusstsein entgegen getreten werden.

s.a.

=> Ideologie

siehe auch "Probleme des Marxismus"

Idol

Ein Idol ist die verkörperlichte Idealisierung einer Person, einer Kultur oder eines Ereignisses, durch welche dies zu einem Fetisch für eigene Wahrnehmungen und Selbstwahrnehmungen wird. Ob Star, Liturgie oder die Hochzeit - all diese im Grunde nur abstrakten Wahrnehmungsinhalte geraten hierbei in eine Wahrnehmungsform, die ihre Bedeutung aus dem Gewinn an Selbstwahrnehmung bezieht. Von daher binden Idole die Menschen in doppelter Weise an sich: Sie entheben sie einer Not ihrer Selbstwahrnehmung, indem sie diese auf eine von ihnen abgehobene, also auch von ihnen absehende Körperlichkeit bringen (siehe abstrakt menschliche Sinnlichkeit), zugleich machen sie die Menschen davon abhängig, dass sie ihren Selbstwert selbst nur aus dieser Abhebung gewinnen. Es verschafft sich auf diese Weise die Selbstwahrnehmung ein Dilemma, das besonders heftig in der Pubertät aufkommt, das aber zugleich ein selbsterzeugtes Wahrheitsproblem und damit auch ein Lebensproblem mit der Wahrheit bleibt, solange das Idol Wirkung hat.

s.a.

=> Ideal

=> Pubertät