| Buchstabe L | ||
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Liberalismus ist eine Lebensvorstellung, nach welcher das Freiheitsstreben der Menschen ihre Abhängigkeit von den Lebensnotwendigkeiten der Tendenz nach überwindet, Freiheit also ein Begriff ist, wonach sich die gesellschaftliche Entwicklung überhaupt bestimmt. Die fortschreitende Unabhängigkeit von der Notwendigkeit ist darin die tragende Idee des Fortschritts, die selbst von der Notwendigkeit schon frei ist (also nicht unbedingt von der Entwicklung der Produktivkräfte, der geschichtlichen Entwicklung menschlicher Naturmacht abhängig ist). Liberalismus gründet auf der Ideologie des freien Spiels der Kräfte, also auf einer Geschichtsauffassung, dass Fortschritt als Idee, dem Gegebenen schon inne ist, dass er also positiv auf der Entfaltung der Gegebenheiten beruhe, wenn diese der ihnen immanenten Vernunft sich frei entfalten können. Diese sei alleine in der Ethik beschränkt, dass Ihre Kräfte allgemein durch die Vernunft bestimmt sei, einander nicht zum Untergang zu bringen (siehe Kategorischer Imperativ). So ergeben sich alle geschichtlichen Gestaltungen aus ihrer Freiheit und folgen dem Prinzip "Leben und Leben lassen", solange man sich nicht weh tut. Allerdings setzt der Liberalismus auf den Kräften des gegebenen Lebens auf, also nicht des Lebens selbst, sondern auf den Lebensbedingungen, wie sie im Verhältnis der Menschen als Gegebenheiten und Umstände erscheinen. Von da her ist er eine Vorstellung über das Leben, das sich als Ideologie überall dort anwenden lässt, wo die herrschenden Lebensumstände vor einer Kritik dadurch verteidigt werden, dass sie selbst die Kraft aller Entwicklung enthielten, wenn sich die Menschen ihnen nur folgerichtig und vernünftig überantworten würden. So verkehrt der Liberalismus diese Bindung in einen Verstand von Freiheit, der jede Abhängigkeit dadurch bestärkt, dass er ihr eine Freiheit vorstellt, die sie gar nicht wirklich haben kann. Das liberale Denken sieht seine Freiheit in den Möglichkeiten, welche ihm gegeben sind oder welche es zu entdecken gilt. Im Prinzip ist das ein Möglichkeitsdenken, welches die Sachen nimmt, wie es sie nutzt (siehe auch Pragmatismus). Durch solchen Freiheitsbegriff, welcher durch Sachverhältnisse getragen wird, kleidet die Vorstellung von Freiheit die bürgerlichen Lebensverhältnisse in eine emanzipatorische Ideologie des Bürgertums, das sich seiner Besitzverhältnisse sicher ist und diese auch damit ideologisch sichert. |
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"Was Prügel sind, das weiß man schon, was aber die Liebe ist, das hat noch niemand herausgefunden. Manche Naturphilosophen behaupten, es sei eine Art Elektrizität. Das kann schon sein." (Heinrich Heine). Liebe sei die schönste Sache der Welt, wissen die Medien zu berichten. Solange sie Sache ist, mag das stimmen. Jedenfalls passt sie da ganz gut zu all den anderen Sachen, die hierzulande geboten werden. Diese sammeln sich ja auch sonst als Angebot für das Erleben und zur Beglückung derer,die lieber etwas erstehen, als es selbst hervorzubringen. Liebe, das weiß man eben, ist was ganz was Tolles. Sie beruhigt und verschafft Selbstgewissheit gegen all die Anfechtungen der herrschenden Verhältnisse, gegen die Minderwertigkeiten und Isolationen, welche schon vor aller Erfahrung gegeben sind. Es stärkt eben die Seele, wenn man Liebe einfach so sein lassen und nehmen kann, wie sie kommt, wenn man also auch von seinem Sein lassen kann, weil "die Liebe über einen gekommen" ist. Sofern sich keine Geschichte hieraus begründet, keine Verbindung sich verwirklicht, sofern Liebe eben ohne Wirkung auf das Leben selbst bleibt, ist sie vor allem ein gutes Gefühl, so eine Art lebendig sein inmitten der Wüste. Nein, natürlich ist Liebe keine Sache. Ganz im Gegenteil. Als reines Gefühl verzaubert die Liebe, bringt die Menschen in eine andere, in eine bunte und lebendige Welt, ohne dass ihre wirkliche Welt sich hierdurch ändern müsste. Sie sind also auch nicht bloß auf Wolke sieben, sondern wirklich anders, in sich verändert, über ihr menschliches Sein hinausgetragen, fast übermenschlich beseelt. Durch die Liebe gerät ein Mensch in die reine Welt der Seele, einer Welt voller Kraft und Wahrheit, eine Welt unbeschränkter Gefühle, Gefühle der Unendlichkeit, wie durch Gott bestellt. Und Gott scheint das zu wissen zumindest die Religion, die Verbundenheit durch ihn. Sie ist ja die eigentliche Theorie über höhere Gefühle und Güte. Liebe zeige uns, was eigentlich Leben sei, was Gott darin den Menschen schenkt: Gottesnähe durch göttliche Gefühle, durch eine Menschliebe im Jenseits des menschlichen Lebens. Im Diesseits kommt das nicht immer gut an, muss doch solche Liebe auch schrecklich sein, in dem was hiervon in der Menschheit zuspüren ist. Aber vielleicht ist Liebe tatsächlich nichts anderes, als das Leben selbst, das Wesen des Lebens, das durch sich selbst bewahrheitete Leben, das sich erzeugende und bewahrende und erhaltende und entwickelnde Leben, Selbsterkenntnis des Menschen im Menschen. Schließlich ist sie die einzige wirklich Frucht bringende Beziehung, sowohl zwischen den Menschen wie auch in der Beziehung auf ihre Sachen, auf die Natur und Kreatur überhaupt. In der Liebe begegnet sich das Leben unmittelbar - und vor allem unser eigenes. Wir lieben das lebendige Sein und sind so lebendig, wie wir im Leben liebend sind. Nur ist das Leben selbst schon nicht ohne Tod. Nicht aber weil es den Tod gibt, kann Liebe selbst tödlich werden, sondern weil wir darin selbst vergehen können, ohne dass wir dem Tod wirklich begegnen. In der Wirklichkeit liebender Verhältnisse verhält sich auch das Unwirkliche wirklich, indem das Leben nur erlebt wird. Liebe wird dabei zu einem Moment der Selbstwahrnehmung, zu einer Art und Weise des Fühlens, zu einem Reich schöner Gefühle, die keine andere Geschichte mehr haben, als den Moment der Begegnung selbst, das Wahrnehmen und Auffassung dessen, was dabei menschlich wahr gehabt wir. Von da her spricht man heute auch immer weniger von der Liebe, sondern eher objektiv von einer Beziehung. Darin wird Liebe in eine bloße Beziehungsgeschichte von Zuneigungen eingereiht und ihre Geschichte auf einen Zustand des Bezogenseins gebracht. Eine zugeneigte Liebe ist für die Gefühle eben in Wirklichkeit auch nur das, was sie diesen erbringt, was sie also dafür erbringt, wie man sich dabei selbst fühlt: Selbstgefühl durch Neigung, Liebe in der Verneigung. Doch darin wird im Grunde vom Leben als einem wirklichen Prozess abgesehen. Man sieht von den Gründen und Bedingungen der Liebe ab, indem man nur ihre Gefühle beabsichtigt, indem man den geliebten Menschen als Gegenstand seiner Gefühle auch wirklich haben will. Die Liebe soll ausschließlich für diese Welt eigener Bessenheit sein und bleiben: wechselseitiger Lebensbesitz an Menschennähe, Menschen als anwesende Lebensgegenständlichkeit. Als solche werden sie zu deren Leib. So wirkt das Abstrakte ihres Liebeslebens, welches die Beziehung der Selbstgefühle ausmacht, also das Erleben von Liebe, wie eine Macht der Entleibung, wie eine Sinnlosigkeit inmitten der Sinnentfaltung der Liebe. Sobald Menschen darin wirklich sein müssen, sind sie auch das, was sie wirklich sind. Die große Enttäuschung beschließt die Täuschung. Liebe wird lebensgefährlich, wo sie wirklich in der Welt ist. Wer liebt, ist darin irgendwie auch verloren, wie zur Liebe verurteilt. Wo sie nicht im anderen Menschen aufgehen kann, keine Gegenliebe erreicht, wird sie zu einer selbstzerstörerischen Gewalt. "Wenn Du liebst, ohne Gegenliebe hervorzurufen, das heißt, wenn Dein Lieben als Lieben nicht die Gegenliebe produziert, wenn Du durch Deine Lebensäußerung als liebender Mensch Dich nicht zum geliebten Menschen machst, so ist Deine Liebe ohnmächtig und ein Unglück!" (Karl Marx in MEW EB I, S. 567) Am besten, man verfügt dann über das, was man liebt. Besitz ist ja auch sonst der Inbegriff bürgerlicher Selbstverbundenheit, die Glückseligkeit des allseitigen und auch allzeitigen Habens. Besitz ist das Recht des Besetztens und verschafft auch den Besessenen Sicherheit, weil er eine "feste Beziehung" herstellt, nicht nur das himmliche, sondern vor allem das irdische Glück der freien Verfügung, der willkürlichen Handhabe beschert - auch den geregelten Umgang mit den Liebesbedürfnissen, den Lebensformen gegen die menschliche Isolation. Die durch Besitz versicherte Anwesenheit von Menschen macht besonders die besessen, die schon längst alles besitzen. Durch die Identität mit sich schützen sie sich vor dem, was sie nicht sind, was ihnen schon als Fremdes zur Entfremdung wird. Weil sie sich nicht selbst von ihm unterscheiden, macht dies den einzigen Unterschied. Und so kann nurmehr das Identische sich zur Wehr setzen gegen das schlechthin Andere. Aber es macht dies auch seine Einfalt aus: Das Haben müssen seiner Selbst als Schutz vor anderem. Und also wird auch die Liebe schnell zur Bessenheit, zur Obsession, die alles andere vergessen lässt und vor allem das vergessen macht, woraus sie entstanden ist, die erkennende Beziehung zwischen Menschen, in deren Anwesenheit sich Liebe wie von selbst erzeugt und bezieht. Es wäre zu trivial, bliebe es alleine dabei, dass die Anwesenheit von Menschen schon ihre gesellschaftliche Isolation aufheben würde. Aber ohne sie besteht die Unmöglichkeit jedweder Erkenntnis. Im Verlangen nach anderen Menschen zeigt sich aber nicht als erstes ein Verlangen nach Erkenntnis, sondern eine Notwendigkeit ihrer Anwesenheit. Das unterstellt schon eine menschliche Beziehung, worin keine Erkenntnis ist, worin Erkenntnis wesentlich abwesend ist. So erweist sich der Schmerz der Abwesenheit als Angst vor der Nichtung seiner selbst, dem Selbstverlust, in welchem die Beziehung auf sich selbst zunichte wird, - einer Beziehung, worin eine große Selbstbedrohlichkeit dadurch entsteht, das ohne andere Menschen der Mensch ein verlorenes Wesen ist, weil es eine Beziehung ist, worin dieses schon ausgeschlossen war, bevor sie sein konnte. In der Besessenheit auf menschliche Anwesenheit verkehrt sich die menschliche Beziehung zu einer Beziehung ohne Wesen, zu einer bloßen Räumlichkeit und Dichte. So wird diese irgendwann auf einem Altar der menschlichen Nähe zelebriert, der Verbundenheit höherer Kulturen, die sich zu einem Gefühl der trauten Zweisamkeit erheben, zur Vorstellung von einem paradiesischen Leben, des von der Welt isolierten Glücks. Es ist dies dann auch das Glück der Isolation, das Leben wie auf einer Insel: Geborgenheit der Seele gegen die Stürme des Lebens, das gebunkerte Herz, das im "Innersten" fest sei, in seinen Gewohnheiten fixiert für die Ewigkeit, heile Welt. Aber auch die Ödnis, die solche Auffassungen begleiten, sind zur Genüge bekannt, so dass neue Liebesgründe ausgemacht werden müssen: Liebe sei Spaß an der Freud, Sex pur. Erleben der Körperform als totales Erlebnis, die Eruptionen der Natur als Ersatz für gesellschaftliche Beziehungen, der Hort ihrer Extase. Dem Körper wird daher meist die Naturalform der Liebe zugesprochen. Er wird hierfür dramatisiert, etikettiert, ästhetisiert und seine Signale ersetzen, was ansonsten gegenständliche Wirklichkeit sein müsste. Im körperlichen Erleben wird das Leben selbst zu einer körperlichen Sache. Dem Körper wird daher gehuldigt wie einem Allheilmittel für die Kümmernisse verkümmerter Lebenskenntnis. Seine Ästhetik wird zur Gebetsstätte der Sinnlichkeit schlechthin, zur notwendigen Liturgie des Liebesaktes, zum Körperfetischismus. Liebe macht Mensch und Mensch macht Liebe und alle machen mit. So wundert es nicht, dass sie Jedermanns Sache geworden ist, und Lebenstiefe dort am heftigsten vorführt, wo die Flachheit allseitig ausgebreitet ist. Wer in den Ozean ihrer Hochsee springt, schlägt sich daher leicht den Kopf wund, wenn er in ihrer Pfütze landet. So gibt es wohl auch mehr Verflossenes als Beständigkeit. Feste Bindungen halten meist nicht mehr lange, Familiengründungen werden seltener, und im Maßstab des Privatvermögens wachsen die Single-Haushalte. Liebe als wirkliche und Wirkung habende Verbindung ist selten geworden. Dass sie nun nicht mal mehr demografisch funktioniert, ist inzwischen auch ein Problem für den Sozialstaat: Das Verhältnis von Kindsgeburten zu Erwachsenen ist seit Adenauers Erfindung eines Verrentungsschlüssel des "Naturbedarfs" und seit der Erfindung der Pille beträchtlich geschrumpft. So wurde auch in der Politik die Liebe zu einer Überlebensfrage der deutschen Bevölkerung, die sich ganz im Widerspruch zum sogenannten „Weltproblem der Überbevölkerung“ der Erde entwickelt. Aber auch ohne dies ist Liebe ein ganz grundsätzliches "gesellschaftliches Problem". In der Studentenbewegung war sie ihrer Privatheit entkleidet das zentrale Motiv der Politisierung einer ganzen Generation, die sich ihrer Gesellschaftlichkeit bewusst wurde, sich darin finden konnte, dass sie sich gegen das Lebens- und Liebesverständnis ihrer Elterngeneration wandte ("Make Love, not War!"). So ergab sich damals auch die Frage, was Liebe überhaupt sei, dass sie so weltlich und grundlegend und vollständig die Menschen bewegen konnte, die sich aus den Trümmern des Faschismus herauszuschälen hatten. Sie wurde zum Kern einer emanzipatorischen Bewegung, welche erstmals den "subjektiven Faktor" zum Inhalt hatte und schließlich das ganze Geschlechtsverhältnis zum Ort der Auseinandersetzung machte (s.a. Frauenbewegung). Und auch heute zeigt sie auf wie eh und jeh, welches Leben eine Gesellschaft wirklich befördert und welches sie bedrängt. So wurde sie überdeutlich zu einem wirklichen Ereignis der Kultur, zu etwas, worum sich darin alles dreht: Ihr Glück und Unglück liegt nahe beieinander, fast wie auf des Messers Schneide, beides voller Schmerz verwoben. Nur der Intellekt, der aus ihr heraus seine Wirklichkeit zu begreifen sucht, hat es mit ihr unendlich schwer. Ohne sie ist er nichts, aber durch sie hindurch zu denken, verlangt die Erkenntnis allseitiger Menschlichkeit. Doch wer will nun bestimmen, was Liebe wirklich sei? Ist sie jenes Moment der Wahrheit, das aus dem Verlangen und der Sehnsucht nach Sinn in Augenblicken wirklichen Menschseins hervorbricht; oder ist sie die Beständigkeit, die in zwischenmenschlicher Beziehung sich als Erkenntnis des Lebens bewahrt? Ist sie Glut, die notwendig zu Asche wird oder das Feuer, das uns am Leben hält? Ist sie die Naivität des Herzens oder die Raffinesse einer besonderen Empfindsamkeit, das Schöne im Menschen (Ästhetik) oder die Vollendung eines Mitgefühls, Anmut einer Zärtlichkeit oder Lebensmut und Lebenslust in menschlicher Unmittelbarkleit? Liebe ist zwar nur ein Wort, aber es scheint fast für jegliche Bedeutung gut, die auch allgemein gut befunden wird: Für altruistische Selbstlosigkeit begnadeter Seelen oder für leibhaftigen Selbstgenuss, für die Trautheit gewohnter Gefühle oder das blanke Glück in zwischenmenschlichen Gemeinschaft. Liebe mag sein, was sie will, weil sie nur ist, was sie meint. Sie ist allgegenwärtig und äußert sich in Freud und Leid ebenso, wie in Schmerz, Aggression und Verzweiflung, im Rausch und der Sehnsucht, im Bedürfnis und in der Schöpfungskraft der Arbeit. Aber liebend gern wird sie in der Ideengemeinschaft von Staat und Kirche auf den wesentlichen sozialen Zweck der bürgerlichen Kultur reduziert, zur Prothese einer gesellschatlichen Funktion: Die sittliche Notwendigkeit der Vernunft verantwortlicher Fürsorge gegen die Selbstsucht bodenloser Habgier. Ist Liebe also des Bürgers Pflicht zur Füllung der Löcher einer lieblosen Welt? Politik wäre die mächtigste Liebhaberei, ihr Populismus nicht mehr zu bremsen, ihr Ego das Super-Ego der allgemein verbindlichen Menschlichkeit. Die Zeit der Aufklärung wäre wie neugeboren. Doch die hatte sich doch gerade im Faschismus aufs Ganze als Barbarei völkischer Liebessehnsucht geoutet! Vielleicht lässt sich zunächst eines über die Liebe sagen: Sie ist eine Erkenntnis der Lebensgründe, die in Tätigkeit aufgeht, Leiden und Tätigkeit in einem , worin wir in unserem Leben mit uns eins sind, indem wir uns mit anderen Menschen und der ganzen Welt eins wissen - sei es in Sinn und Geist, sei es in der Erzeugung von Welt, Menschen, Gegenständlichkeit oder Ereignissen. Sie ist menschliche Selbstbildung und Selbsterzeugung, Zusammenhang und Brennpunkt des Lebens, der als Begriff nicht fassbar weil unbegreifbar ist, im Begriff schon verschwunden, im Begreifen schon zerstört, verzerrt, entwurzelt. Liebe ist - wie das Leben selbst - unfassbar, weil sie keine bestimmte Form haben kann, und so sind wir im Brennpunkt des Lebens auf der Spitze unseres Unverstands, wenn er aus seinem Dunkel herausgetreten ist und einzig seine Grundlosigkeit in der Liebe mit Fassungslosigkeit zu erkennen hat. Dennoch hat Liebe den Inhalt all unserer Erkenntnisse und vollzieht auf den Punkt genau, was wir erkennen und was wir erkannt haben und worin unsere Erkenntnis in unserem Leben aufgeht. Sie macht glücklich, verrückt, lebenskrank und überschwenglich, alles, was im Gefühl wahr ist. Wo ihr Glück festgehalten, wird es ihr Unglück, wo sie sich vertieft zu einem überweltlichen Selbstgefühl, wird ihre Unendlichkeit sogleich ein abruptes, schier zufälliges Ende haben. Gibt mit seiner Liebe ein Mensch sich selbst, so verliert er seine Selbstachtung. Gewinnt er sich in ihr, so verfinstert sie sein Leben. Was als Glück erschienen war, muss sich als Selbsttäuschung erkennen, und was darin gewonnen war, das wird zum Selbstverlust. Liebe kann nicht alleine Wahrheit sein. Sie verführt und ernüchtert, täuscht und enttäuscht. Sie trägt manches Leben ein Leben lang, oder sie erfüllt die Momente einer Hoch-Zeit, in der sie erhaben, oder der Verzweiflung, worein sie gefallen ist. Allgemein lässt sie sich nicht fassen. Ein jeder Mensch fasst nur, was er fassen kann und wenn er seine Liebe nicht fassen kann, so ist er deshalb noch lange nicht lieblos. Im Gegenteil. Die Liebe lässt uns leicht erschrecken, wenn wir in die Welt schauen, doch unser Verstummen würde uns vernichten. Sie treibt Menschen zu Menschen und die müssen über sie Reden, Denken, Begreifen, ohne dass sie hierfür wirklicher Gegenstand sein kann. Es ist, wie zu umschreiben es Dichter und Denker seit Menschengedenken versuchen. Alles, was menschliche Kultur wesentlich und substanziell ausmacht, ist letztlich die gegenständliche Form von Liebe, wie immer sie auch in dieser Form sonst noch bestimmt sei. Jedenfalls fasst sich in der Liebe alles zusammen, was unsere Lebensfunken versprühen, und was - gebündelt - Lebenskraft hervorbringt, mal als Licht, mal als Irrlicht und manchmal als Umnachtung. Liebe hat keine andere Wahrheit als das Leben selbst. Sie ist lebendige Leidenschaft, leidet alle Beziehungen, die wir haben, und begründet sie. Sie ist immer konkret, auch wenn Abstraktionen sie vernutzen; aber sie ist auch allgemein, Liebe, die allen gemein ist, weil und solange die Menschen sich darin als Mensch erkennen. Im einzelnen ist sie notwendige Leidenschaft, Leiden als Tätigkeit, deren Not unmittelbare Lebensnot ist. Allgemein sammeln sich die Menschen durch ihre Tätigkeit in dem, was sie auch leiden können, weil es ihr Gegenstand und ihr Leben, ihr gegenständliches Leben ist. Darin bewährt sich ihre Liebe als leidenschaftliche Beziehung von Menschen zu einander und zu ihren Sachen, und nur hierin ist sie unmittelbare Identität aller Erkenntnis und Selbsterkenntnis. "Der Mensch erkennt sich nur im Menschen", so formuliert Marx die Notwendigkeit der Menschenliebe, die nicht nur Not wendet, sondern zugleich auch menschliche Gegenständlichkeit, das Glück des Mensch-Seins als menschlicher Reichtum an Mitteln und Vielfalt des Lebens ist. Darin verkörpert sich Menschenliebe als menschliche Vermittlung, als gesellschaftlicher Zusammenhang und somit als Grundlage menschlicher Selbstachtung und Beachtung alles Seienden, die zur Selbstverachtung gerät, wo sie ihre Liebe den Gegebenheiten überlässt. Liebe ist der Sinn, den Menschen für sich und für einander haben, für ihr menschliches Leben als Tätigkeit und Leiden, als menschliche Leidenschaft im Einzelnen wie auch allgemein in ihrer Gattungstätigkeit - nicht als Trieb von Naturbestimmungen (siehe Geschlechtstrieb), der sie Objekt ihres Lebens sein ließe, sondern als Subjekte, die ihr Leben und ihre Natur erzeugen und hervorbringen als ihre Lebenswelt, als gegenständliches Leben. Die Menschen haben ihren Sinn für sich nur wirklich in menschlicher Geschichte und in dem geschichtlich Werden des Menschen und dem Vergehen als Mensch. Wo sie ihren Lebenssinn hervorbringen und verlieren, im Leben und im Tod, äußern sie ihre Liebe als beständiges Moment ihrer Geschichte. Liebe hat keine Logik. Sie ist unmittelbarer Mut des Lebens in einer jeglichen Kultur, ohne nur für sich zu sein oder nur außer sich. Sie ist wesentlich Subjekt und Objekt der Erkenntnis, der Geist, der Sinn hat, Ununterschiedenheit in ihrem objektiven und subjektiven Sein. Liebe wird zur Selbstverliebtheit, wenn sie sich über das Leben der Menschen erhöht und deren Leben zu ihrer Bestätigung nutzt, wenn sie sich als ausschließliches Subjekt über die Objektivität menschlicher Lebensbedingungung und der Verfangenheit der gewöhnlichen Menschheit darin dünkt. Was die Menschen darin wahrnehmen, das erscheint ihnen als Erkenntnis ihrer selbst, als Schönheit ihrer Seelen, Ästhetik einer wesentlich scheinenden Selbstwahrnehmung, die zur Wahrheit eines Selbst wird, das sich ein Wesen gibt, indem es seine Geistlosigkeit als seelische Allmacht findet und empfindet. Alles Recht der Welt verfängt sich in der Selbstgerechtigkeit solcher Egozentrik, die sich in der bürgerlichen Kultur zur Allmächtigkeit der Selbstgefühle hochtreibt bis auf die Ebene des Menschenrechts und dem "Kampf der Kulturen". Das geschieht ohne Gefahr, wo Geldbesitz die Lebenszusammenhänge bestimmt. So verkehrt sich dort die Liebe zur Lüge der Eitelkeit entrückter Beziehung, zur Erhabenheit der Selbstbezogenheit privater Lebensräume. Bestünde diese auch nur aus Glück oder Schmerz oder Kränkung oder Überschwang, sie wird immer zu einem Dasein in bloßer Geltungssucht, weil sie darauf gründet, was sie aus dem Verhältnis der Menschen heraushebt: Die abgesonderte Besonderheit des Selbstgefühls. Als dies isolierte Gefühl gerinnt das Liebesverhältnis der Menschen zur besonderen Idividualität von Personen, zu einer Identität ihrer Gefühle, die als Seele sich zu einem inneren Wesen zusammenfassen, das seine Lebenssubstanz nur noch aus dem unmittelbaren sinnlichen Verhältnis der Menschen zueinander nimmt und somit ihre Sinnlichkeit vermittel. Die darin bestimmten Selbstgefühle beziehen aus ihrer Liebe den Sinn, den sie füreinander haben und in welchen sie zugleich ihre Selbstverliebtheit zwischenmenschlich entfalten. So wird das Seelische zur Lebenssubstanz zwischenmenschlicher Wahrnehmung und Selbstwahrnehmung, in welcher sich die Absichten entäußerter Liebe als Lebensform eines sinnbegabten Individualwesens festhalten und durchsetzen. Diesem Wesen sind die Widersprüche seiner Umstände vergangen. Seine Beziehung zu ihnen ist in seinen eigenen Regungen als ein Leben aufgehoben, das seine Lebensverhältnisse selbst als einen Sinn wahrhat, der nicht mehr wahrgenommen wird. Der gesellschaftliche Sinn der Liebe ist in dieser Form desolat und bewahrt sich negativ in der Verleugnung ihrer notwendigen Wirklichkeit, wird zum Träger ihrer eigenen Entfremdung, zum Garanten und zur Legitimation jener Scheinwelt, in welcher sich die Menschen an ihre stumpfe Ergebenheiten gewöhnen müssen. Sind sie sich ihrer Liebe nicht mehr gewiss, so wird sie zum Überträger ihrer Unterwerfung, in welcher sie sich als Menschen nur darin gelten können, in gleicher Verwerfung zu leben. In solcher Negation sind sich die Menschen aber selbst nicht als Menschen, sondern als Objekte einer Liebe, die keinen Sinn mehr durch sie hat, weil sie nurmehr Sinn für alle sein soll, Sinn ihrer Lebenswelt als Lebensnotwendigkeit der Menschen, objektiver Sinn (siehe Übersinn), Gefühl fürs Lebensnotwendige, objektives Gefühl. Darin ist ihre Subjektivität einzig die Kultur einer Zwischenmenschlichkeit, ihre Lebensvorstellung eine Vorstellung von Menschlichkeit (siehe Ideologie), in welcher die Menschen objektiv gebeugt werden, um darin subjektiv überhaupt zu existieren. Subjektiv sind sie selbst zwischen sich und ihrer gegenständlichen Welt, sind also Subjekte, die selbst Objekte sind, Widerspruch in sich. In ihrem Gegensatz ziehen sie sich an, weil sie Menschen sind und stoßen sich ab, weil sie sich wechselseitig als objektives Mittel nutzen und darin ihren Verbrauch und Untergang befürchten müssen. Wo sich Subjekt und Objekt abstoßen, sich Liebe und Leben trennen, da herrscht Zweifel. Zweifelnde Liebe treibt zur Bezweiflung ihres Sinns, treibt ihre Beziehung von sich auf andere auseinander in die Trennung von Eigenliebe und Kultur als Kult von abstrakter Menschenliebe. Die Selbsterhöhung der Liebe dient ihrer Unterwerfung, zur Verallgemeinerung der Eigenliebe gegen Menschenliebe überhaupt und bewirkt zugleich deren Verselbständigung zu einem Ritual des Glaubens und der Frömmigkeit. Darin erstickt jede Liebe, die nur in der menschlichen Äußerung, in der Beziehung auf andere Menschen durch das eigene Menschsein wirklich leben kann. Liebe hat die Achtung anderer Menschen nötig, weil darin auch ihre Selbstachtung besteht. Im Glauben an ihre abstrakte Menschlichkeit verleugnet sie ihre Herkunft, wird selbst zur Negation gegen sich, zu einer Kraft, die ihr eigenes Wesen herabsetzt. Von da her kann Liebe zur Selbstverachtung in ihrer eigenen Versteinerung werden, zur Reaktion gegen sich, wiewohl sie ihrem Grund nach den wesentlichen Sinn für die Kritik aller Verhältnisse hat, die den Menschen "zu einem verächtlichen Wesen machen" (Marx). Die Menschenverachtung, welche barbarische Lebensverhältnisse betreiben, der Lebenszynismus einer objekiven Existenz, die für den Menschen nichts mehr sein kann, würde sich ungebrochen ausbreitzen, wäre die Liebe nicht in der Lage, Verachtung und Entfremdung zu erkennen. Wo sie versiegt , ist das Herz jeder Kritik gebrochen. Sie selbst wendet sich unmittelbar und mit oder ohne Verstand, mit oder ohne Bewusstsein gegen alle Verhältnisse, worin Menschen ausgebeutet, d.h. enteignet (siehe Eigentum) und zu eigenschaftslosen Wesen herabgesetzt werden, sei es in der sachlichen Form des Besitzes, sei es in der geistigen Form der Macht eines Willens. Sie ist Bedürfnis als Verlangen des Menschen nach dem Menschen in der Eigentümlichkeit seines Wesens und Werdens. Liebe ist der Inhalt des Lebens, lebender Sinn und sinnliches Leben der Menschen, absolute Beziehung auf sich und ihre Verhältnisse, aber auch die Scham der Selbstverleugnung, die ihnen in ihrer Selbstentfremdung abverlangt ist. Sie ist die höchste Subjektivität des Menschen durch sich und seinen Gegenstand. Indem er ihn produziert, erzeugt er sich, indem er ihn verneint, verschuldigt er sich an sich selbst. Liebe ist rückhaltlos, jenseits aller Bedingung, unbedingte Erkenntnis und Selbsterkenntnis in einem, Substanz jeder Sinnlichkeit und Grund für ihre Grenze und Begrenzung, Zweck aller Kritik. Ohne Liebe hat der Mensch die Beziehung zu sich, sein Leiden und seine Tätigkeit, seine Leidenschaft verloren, weil er seinen Sinn für andere Menschen verloren hat. Durch sie leidet er sein Glück wie seinen Schmerz wirklich, seine Eigenart in ihrer Eigentümlichkeit. Wo sachliche Notwendigkeiten herrschen, erkennt nur die Liebe menschliche Not. Für sich ist die Herrschaft des Notwendigen der Tod. Die Herrschaft des Tods über das Leben ist der Inbegriff des Sachzwangs, die Vernutzung von Leben, und der Zynismus der sich unabänderlich gebenden Entfremdung des Menschen von sich, seinen Produkten, seiner Lebensäußerung und seinem Sein (siehe auch Warenfetischismus). Der Kern menschlicher Emanzipation ist der Imperativ gegen alles Tote, insbesondere gegen die Herrschaft toter Formen der Macht (siehe auch Formbestimmung) über das Leben der Menschen, toter Arbeit (Kapital) über die lebende, toter Sinne (Entleibung) über die lebenden. "Das Leben mag sterben, aber der Tod darf nicht leben!" (Marx, MEW 1, S. 59). Während Menschen in Liebe fallen und sich darin als Mensch gefallen oder verfallen, wird sie als Inhalt von Kultur subjektiv wie objektiv ergriffen und erfährt darin auch die Geltung, die sie in einer bestimmten Gesellschaft hat (siehe auch Bewertung). So gibt es bürgerliche Liebe als Sinn, den Menschen für einander haben, weil sie durch einander existieren (Zwischenmenschlichkeit) - als Sinn gegenstandsloser, also ungegenständlicher Liebe. Immerhin scheint auch darin das sogenannte Menschliche durch. Von da her ist Liebe immer das Gegenteil von Gleichgültigkeit, immer sinnlich, auch wenn sie von Übersinnlichkeiten getragen wird, denn sie hat den einzigen Sinn, den Menschen für Menschen haben können, den Sinn, der sie vereint und unterscheidet, der ihre Wahrheit ist, - nicht als Sinn der Wahrheit, aber als wahrer Sinn, sinnliche Bewährung. Aber wer liebt, der kann sich darin nicht reflektieren, weil Liebe kein Reflexion ist und hat, weil sie selbst in allen Reflexionen widerscheint, ohne selbst und für sich reflektieren zu können. Aber nicht nur als diese ergreift sie die Menschen, sondern auch als Menschenliebe, wie sie allgemein als menschlicher Sinn für die Menschen ist. Mit ihm werden sie geboren, und wo sie ihn verlieren, vergeht ihnen jegliche Lebenssubstanz. Die Menschen haben daher ein Gedächtnis nötig, das sie in der Einsicht ihrer Liebe verbindet. Solange dieses nicht sinnlich, leibhaftig und wirklich in ihrem Gemeinwesen besteht, wird es nur im Glauben an eine allmächtigen Lebenskraft bestehen können, als notwendige Vorstellung von einer menschlichen Verbundenheit. Als Liebesideologie setzt sich ein Liebesbegriff geistig und politisch um, der sich aus den scheinhaften Wunderwerken des objektiven Geistes aus seinem Bild von sich als allgemeines Menschenbild erklärt, das als menschliches Selbstverständnis verbindlich gemacht und bewahrt werden muss, will eine Gesellschaft auch in ihrer Entfremdung vom Menschsein funktionieren. An ihrer Funktion messen sich daher auch die Vorstellungen des objektiven Menschen. die es immer noch nicht lassen können, sich in Gestalt von Psychologie, Philosophie und Theologie als Inbegriff des Herzensmenschen anzubiedern. Ob in der Ideologie oder in der Religion - dies alles ist nur eine abstrakte Brücke entfremdeter Menschenliebe zu konkreten Lebensverhältnissen. Darin sind sie ins Übermenschliche verklärt, um Anleitungen im Umgang abstrakter Verhältnisse zu stiften, zu befrieden, um Frieden zu geben, wo Auseinandersetzung nötig wäre, zu lähmen, wo ihr Schmerz zum Grauen würde. Liebe selbst wird in dieser Negation übermenschlich, weil sie darin ein hilfreicher Widerschein des Menschen ist, allmächtige Güte und Zeugung des reinen Geistes, der nichts anderes sein kann als der Geist des sich selbst fremden Menschen in den jämmerlichen Verhältnissen seiner Selbstverliebtheit. Dennoch besteht alles, was darin als übermenschliche Erkenntnis der Liebe, als Aufhebung ihres Widerspruchs zwischen ihrem subjektiven und objetiven Sein scheint, auch wirklich, wenn auch anders verbunden. Im Judentum ist Liebe gleichbedeutend (und hat auch dasselbe hebräische Wort) wie Erkenntnis, welche im Zorn der Gottesgebote ebenso wahr gilt, wie im Lebensgenuss und der Selbsthingabe. Im Christentum ist es gleichbedeutend mit der Erlösung des Menschen in der Selbstlosigkeit seiner Seele (Seligpreisungen) und besteht daher als Gebot der Nächstenliebe als Einheit in Gott. Das hat manchem schon das Leben gekostet und ist vielleicht wirklich "die größte Lüge der Menschheit" (Nietzsche). In der Bürgerlichen Gesellschaft ist Liebe Zwischenmenschlichkeit und hat den Zweck der Sorge um den Menschen und den Glauben an ihn (Religion) als einen Nächsten, also einen nicht Fremden, der doch wenigstens als personifizierter Zwischenmensch aufscheint. Darin scheint zugleich die Bessenheit der Habgier überwunden, die Wechselseitigkeit des Habens und Nutzens. In Gott bewahrt der Mensch seine abstrakte Eigentümlichkeit als Eigentum Gottes, das ihm in irdischem Besitz die Selbstentfremdung des Menschen ertragen lässt. Er ist die Versinnbildlichung abstrakt gewordener Selbsterkenntnis. Darin wird das Auseinanderfallen seiner Erkenntnis in Form (Raum, Anwesenheit, Gegenwärtigkeit) und Inhalt (Sinn und Geist) zu einem absoluten Geist, der als Glanz des Zwischenmenschlichen das wirkliche Leben überstrahlt. Die Religion macht ihn zu einem imaginierten gesellschaftlichen Wesen in der Form der Dreifaltigkeit des praktische Menschen, in welchem sich alle Bürger in einem Gott gleich sind, der ihnen ein abstraktes Band ihres geistigen Lebens ist. Sie erscheinen sich darin als Vollendung ihrer Liebe, solange ihnen der Erwerb von Besitz selbstverständlich ist, solange dieser ihnen die Basis ihres privaten Glücks beschert. Insofern entspricht die christliche Religion dem Bürgertum am besten, das sich aus dem Schacher seiner Selbsterzeugung heraushebt und sich vom Judentum mühsam abzustoßen versucht, indem es den Schacher leugnet, der seine Grundlage ist. Hierfür braucht es den hingeschlachteten Menschen, den schmerzensreichen Jesus, der nur im Schmerz überzeugt, dass seine Liebe einen höheren Sinn hat und der verraten war von Judas. Die christliche Liebe ist die Überhebung über den menschlichen Schmerz der menschlichen Liebe, indem sie nur zum Beispiel eines göttlichen Schmerzes von göttlicher Liebe wird, indem sie ihren Sinn enteignet. Der Geist Gottes schwebt über ihr und lößt all ihre Leiden im übermenschlichen Gottvater, dem Gütigen, dem Guten, das nur duch das Böse bedrängt sein kann. Das bürgerliche Leben verewigt sich, indem es in der Dreifaltigkeit des praktischen Menschen (Jesus), des geistigen Menschen (Heiliger Geist) und des Übermenschen (Gott Vater) sich aufgehoben versteht. Diese Formbestimmung ist das Leiden an seiner Geltung. Bürgerliches Streben ist sich in der Form von Fürsorge und Mitleid dem Mangel der Begründung seiner Bewertungen bewusst, die es durch die Anerkennung einer allgemeinen Geltung von Recht, Moral und Sitte aufgehoben haben will. Aber diese gelten dem Bürger als Notwendigkeit für die darin unwandelbar scheinenden Lebensverhältnisse, also als Lebensnotwendigkeit, in deren Erfüllung und Verfüllung er seine Gespaltenheit kulturell bis zur Unkenntlichkeit vollzieht. Ihr beugt er seine Liebe - und gebeugt trägt sie den Schmerz des Bürgers als Sehnsucht mit sich fort und sucht Erfüllung außer ihm. Das Bürgerherz lebt seine Liebesmystik wie einen Roman, den es zu erfüllen gilt und gerät ohne wirklichen Gegenstand von einer Mythologie in die andere. In den Räumen ihrer Liebe machen die Burgherren ihre Gefühle füreinander zu ihrer gewohneten Gefühlswelt, zur Wohnung ihrer Seelen. Im Lebensbunker der abgetrennten Häuslichkeiten bestimmen die Selbstgefühle die Verhältnisse zueiander und zu sich selbst im Maßstab ihrer Vorstellungen, Ziele, Sehnsüchte, Bedürfnisse und Wünsche. Solche Häuslichkeit befreit das klamme Herz von den Ansprüchen der allgemeinen Liebe und ermöglicht ihm endlich die Teilhabe an den Gewohnheiten der Kultur des privaten Glücks. Zugleich aber beengt dieser Schutzwall der Liebe ihren Sinn, drängt ihn dorthin zurück, woraus er sich entwickelt, ohne hierin Wirkung zu bekomen oder Wirklichkeit zu haben. Das Begattungsverhältnisentfremdet sich von der Gattung, das Liebesglück von der Liebe. Durch die Ausgeschlossenheit von wirklichen Auseinandersetzungen in all den vielfältigen Beziehungen von Liebe, Hass, Aggression, Einsamkeit usw. wird Liebe einfältig, zum Eigensinn einer Welt, in der sie in ihrem klienen Glück zugleich den Sinn des Überlebens zu erbringen hat. Somit ist Liebe hier übersinnlich bestimmt. Kein Wuder, wenn ihr die Sinne schwinden, wenn sie die übersinnlichen Notwendigkeiten einer privaten Kultur erfüllen müssen, die sich aus ebensolchem privatzen Raum begründen soll, ohne darin einen anderen Grund zu haben, als sich selbst.. So bestimmen sich Lebensnotwendigkeiten wie selbsterfüllende Prophezeiungen aus den Erwartungen und Versprechungen schicksalhaft als die Heimleichkeiten unter unheimlichen, weil ganz und gar öffentlichen Zwecken der Kultur fort. In jeder Liebe sind die Menschen bedingungslos, hier erscheint ihre Bedingungslosigkeit zugleich unbedingt, absolut notwendig zur Erfüllung quase naturhafter Aufgaben und Rollen (Familie, Generationen, Kinder, Haushaltung usw.) In dieser unbedingt erwscheinenden Bedingungslosigkeit kann niemand Bedingungen stellen, er muss aus Liebe sein, was er als Mensch schon ist und war. Die Liebe treibt den Widerspruch dieser Bunkerwelt als Selbstwiderspruch fort, in welcher die Selbstverliebtheit geradezu überlebenswichtig ist, um den ihren Unsinn zu kaschieren. Alle Gefühle werden auf diese Weise liebesmächtig, erzeugen unmittelbare seelische Pfglicht und seelische Schuld, nämlich das Leben zu erfüllen, das hier nötig und zugleich gegeben ist. Schuld- und Pflichtgefühle lasssen die Menschen nur noch sein, was sie nicht sind, lassen sie werden, was sie nicht sein können. Die seelische Unterwerfung offenbart die Identitätslosigkeit des ganzen und bestimmt das Leben der Menschen zum Arrangement ihrer Verträglichkeit: Vertragen sie sich, so lieben sie ihre Identitätslosigkeit; Unverträglichkeiten eröffnen den Zerfall der gewohnten Lebensstruktur, die alleine Identität gibt (siehe Familie). Lebensangst steckt als unheimliche Öffentlichkeit hinter dem Heim, in welchem Leben nicht nur reflektiert, soindern ganz wesentlich auch erzeugt wird. So sich die Menschen in dieser so subjektiven Objektivbestimmung nicht vertragen, bricht sie in ihnen durch. Darin erkennen sie ihre nackte Objekthaftigkeit in diesen Verhältnissen, in denen sie füreinander sicht entrücken, sinnlich also schon verrückt sind: Was hier sinnlich ist, kann nicht wirklichen Sinn haben. Nur in der Entgegensetzung zu diesen Verhältnissen keimt eigene Identität. Dies aber nur im Widerspruch zu allen Liebesverhältnissen, wie sie hierin bestimmt sind. Es ist ein großer Sprung nach "draußen", denn in der widerasprüchlichen Identittwird alle Identität gebrochen, wo sie auftritt. Jeder Sinn ist zugleich entleibt, wo er leiblich wird, weil er zunächst einaml nur nützlich für etwas sein kann, was nicht ist, sei es als Hass auf das Leben oder als Seitensprung in eine anderes. Alle seelischen Entwicklungen bedrängen sich in ihren Absichten und Zwecken. In den darin fixierten Seelenstrebungen entwickeln die Menschen Scheinwelten, in denen sie ihre Wahrheit aneinander relativieren und ihre Identität ihren Lebensbedingungen überlassen. In solchen Verhältnissen verrücken sich ihre Beziehungen zueinander in einem abstrakt bestimmten Sinn, in welchem ihre Liebe nun auch in ihrer Verneinung besteht, als Lebenswelt eines Lebens durch das Leben, für welches diese Liebesbeziehung steht, welches sie erzeugt und also auch bezeugen muss; - meist ist es das Leben der Kinder und was aus ihnen werden soll. Wo die Älteren sich bestimmt hatten, für ihre Liebe und Kinder zu sein, muss nun das gelebt werden, was ihnen das Leben überhaupt möglich macht. Die Geschichte hat sich umgekehrt. Was hier gefunden und empfunden wird, das geht an Menschenliebe verloren. Diese objektive Selbstverneinung spaltet die Selbstwahrnehmungen in Subjekte und Objekte der Seele und spaltet die Liebe in Anpassungsnotwendigkeiten und Selbstüberhebungen (siehe hierzu auch Körperfetischismus). Das macht jene wirklich verrückt, die in ihrer Anpassung ihre Entleibung als Kraft gegen sich erfahren und zugleich gegen sich auch zu vollziehen haben (siehe Depressionen, Angst, Zwang, Sucht, Wahnsinn). Der Wahn wird so zur äußersten Wirklichkeit bürgerlicher Liebesverhältnisse, zu einer Erkenntnis, in der sie wirklich negiert und bewahrt sind als sinngerechte Negation der Lebenswirklichkeit, als eine Seele, die selbst ihren Sinn formuliert, den sie nicht haben kann und nicht haben darf, solange sie substanziell in diesen Verhältnissen verbleibt. | s.a. | |
Rudi Dutschke (siehe Studentenbewegung) bezeichnete zu Recht den Ostblock seit der Ära des Stalinismus als Linksfaschismus. Alle Merkmale des Faschismus waren dort entwickelt: Zentraler Dirigismus über alle Belange der Ökonomie und Kultur, der durch Ausgrenzung von Andersdenkenden gesichert wurde, völkische Propagande, die Gesinnung zur Basis der Meinungsbildung machte und beschnüffelte, direkte Einflussnahme auf die Kultur (Kontrolle der Kunst) und die Inhalte der Bildung zur Selbstbestärkung des Staates und schließlich Verfolgung von kritischen Intellektuellen, Arbeits- und Vernichtungslager als Todesdrohung der Staatsmacht gegen das Volk. Die Katastrophe des Marxismus, auf den Stalin sich berief, war offenbar: In der politischen Entgegnung auf die Tendenzen der Kapitalrestauration hatte er versagt. Wie konnte das geschehen? War der Marxismus eine Fehlgeburt? Zunächst hatte diese Entwicklung geschichtliche Gründe. In Russland war Industrie überhaupt noch nicht im gesellschaftlichen Durchschnitt entwickelt; der Markt bei weitem noch nicht kapitalisiert, die Grundrente noch in Feudalverhältnissen bestimmt. Sozialismus hatte hier zu allererst das zu entwickeln, was ihm vorrausgesetzt ist: Industrie. Die Oktoberrevolution war eher eine Revolte der Armut gegen Feudalgewalt, die unmittelbar in sozialistische Verhältnisse übergeführt werden musste, um sich gegen die westlichen Entwicklungen und Interessen zu bestärken, die schon die russische Revolution selbst und unmittelbar mit Waffengewalt niederschlagen wollte (14 Armeen westlicher Allierten waren in das Land eingedrungen). Die Machtinteressen der kapitalistischen Länder waren in der Zeit der Weltkriege und Wirtschaftskrisen evident. Mit Hitler trat ein Mann in die Politik, der weite Gebiete des Ostens einnehmen wollte und offen für sein "Volk ohne Land" für Okkupation und Anexion der "slawischen Völker" und ihrer Länder eintrat. Die Entwicklung des Ostblocks war auch ein Westprodukt (wie ebenso sein Untergang - siehe Bretton-Wood) Aber auch begrifflich wurde durch Engels und Lenin eine Ausrichtung des Marxismus bestärkt, die eine absolut objektivistische Geschichtsauffassung als quasi politische Leitlinie zur Anwendung brachte. Das Proletariat, das bei Marx noch für die Verarmung des arbeitenden Subjekts und als gesellschaftliche Negation des Lebens gegen die Privatform der toten Arbeit gedacht war, wurde nominalistisch zur Avantgarde des Industrieproletariats verklärt und als Individuum wie eine gesellschaftliche Potenz behandelt, die durch sich selbst schon die Überwindung der kapitalistischen Gesellschaft darzustellen hätte. So wurde Sozialismus zum Diktat dieser Potenz, zur sich selbst bestimmenden und erfüllenden "Diktatur des Proletariats". Aus einem philosophischen Aphorismus des kommunistischen Manifestes war ein politisches Programm geworden. Der Linksfaschismus beruhte auf einem Avantgardebegriff, der lohnarbeitende Industriearbeiter zu einem einzigen gesellschaftlichen Subjekt in einem sozialistischen Staat zusammenfasst und somit einen Gesellschaftsbegriff verwirklichte, in welchem die Industriearbeit als Motor eines zentralistischen Staatswesen verstanden wurde, das in der Erwartung seiner Aufhebung, also als Entwicklungsziel sozialistisch genannt wurde. Solche Propaganda verkehrte jegliche Geschichtsbildung: Was werden sollte, war Bedingung, und als diese mussten die Menschen erfüllen, was noch nicht wirklich sein kann - eine Absurdität schlechthin! So blieb alles beim alten und wurde doch ganz anders: Alles, was im Kapitalismus bloß Wert war, das Wertgesetz überhaupt, wurde nicht aufgehoben, sondern nur politisch umgewidmet, sollte also "sozialistisch" dadurch werden, dass alles gleich verteilt, gleich gemacht und schließlich auch gleich geschaltet wird. Ein solcher Begriff von Gleichheit kann nur die Verwirklichung von Bürgeridealen sein, wie er auch im Faschismus umgesetzt wurde: Die Unterwerfung durch Gleichschaltung, die Objektivierung aller Subjektivität in einem Willen der Staatsgewalt. Hier wie dort müssen die Menschen zum Gesinnungsträger eines Gewaltstaates werden. Dies macht aus dem Staat eine Kultform, eine Staatskultur, die sich als Rute gegen das Volk (Faszies) betätigen muss. Es ist das Kulturmittel der bürgerlichen Kultur, die an die Stelle ökonomischer Bestimmungen tritt, wo die ökonomischen Verhältnisse insgesamt versagen. Auf diese Weise können durch mortalischen, psychischen und technologischen Druck auf die Menschen Krisen überwunden werden, indem die Produktion auch bei geringer Produktivität aufgeheizt wird, die arbeitenden Menschen - wenn nicht ökonomisch, so doch politisch - unter den Druck des menschlichen Höchstmaßes gegen das eigene Leben gesetzt werden. Dieser "Sozialismus" sollte daher auch nicht die Industriearbeit ablösen, sondern musste sie zu einem staatstragenden Mittel machen und die kapitalistische Produktions- und Gesellschaftsform in die Fixierung an einen Staat treiben, der wie ein bewusster Gesamtkapitalist funktionierte. Es war die Staatsform einer staatskapitalistischen Gesellschaft, die sich in der Anwendung von Staatsgewalt nicht vom Faschismus der politischen Rechten unterschied, denn in der Identität von Staat und Fortschritt löst ein solcher Gesellschaftsbegriff alle Gegensätze zur blanken Staatsgewalt auf. Der Staat selbst wurde zu einer Partei, zur Partei schlechthin, die sich als Einheitspartei der "Diktatur des Proletariats" ausgab und sich in diesem Begriffsterminus auf den Marxismus berief. Es war die geschichtliche und begriffliche Katastrophe des Marxismus, nicht aber sein Scheitern, wie es allenthalben aufgetischt wird. In diesem Staatskapitalismus wurden die Menschen namenlos, der Reichtum reines Staatsmittel zur Fortschrittserzeugung des Staates und das Recht der einzelnen zu einem gesellschaftlichen Dogma, das gegen die Staatsbürger unendlich und beliebig gewendet werden konnte. Es kann und darf keinen Sozialismus geben, in welchem nicht der einzelne und die Gesellschaft durchsichtig und wechselseitig als Erzeuger und Vermittler ihres Lebens und der Schaffung von menschlichem Reichtum, also als menschliches Lebensverhältnis vermittelt sind und die Gewalten, in denen sie hierbei stehen, sich aus ihrer beidseitigen Lebensnotwendigkeit ergibt (z.B. als Notwendigkeiten des Stoffwechsels mit der Natur, der Verhältnisse der Menschen zueinander und dem Verhältnis zu andern Gesellschaftsformen). |
s.a. | |
Liturgie ist die Inszenierung eines Übersinnes als Kulthandlung, die dem ästhetischen Willens folgt, der einer Hochkultur in ihrer Übersinnlichkeit zu eigen ist und ihren abstrakten Geistesgehalt suggestiv erlebbar macht (s.a. Suggestion). Sie ist von da her heidnischer Kult und zugleich dessen Einvernahme durch den Gottesglauben, um ihn zu erden. So nutzt z.B. die katholische Liturgie alle Naturempfindungen, um sie als Inhalt von religiösen Gefühlen zu inszenieren (vergl. z.B. die Zusammenführung von Frühlingsgefühlen und österlicher Liturgie, von langer Winternacht mit heiliger Nacht und ihrer Liturgie). |
s.a. | |
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s.a. | ||
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Lust ist die Sinnesfreude, die Ereignisse und Befriedigung von Bedürfnissen mit sich bringen, wenn darin sich menschliche Bezogenheit auftut. Sie ist die Freude an menschlichen Beziehungen, die in Menschen, Sachen oder anderen Menschenwerken (z.B. Kunst) Sinn finden (siehe Empfindung) und haben (siehe Gefühl). Menschen haben Lust an ihrem Menschsein, wenn sich in zwischenmenschlichen Verhältnissen oder sachlichen ihr Leben bewahrheitet, wenn sie sich in ihrer Liebe, im Glück der Beziehung zu anderen Menschen berauschen. In der bürgerlichen Kultur wird Lust zu einem Moment der Selbstbestätigung, durch welche sie im Selbstgefühl verschwindet, ohne darin wirklich zu sein: Lust lässt sich nicht bestätigen. Und als Selbstbestätigung verliert sie sich im Konsum. Was dort Befriedigung verschafft ist die Befriedung entäußerter Beziehung, die Entleerung von Sinn, die sinnliche Dinge nötig hat, um zu einem Selbstgefühl zu finden (siehe Kulturkonsum). |
s.a. | |
Lust als Prinzip ist ein Unding, behauptet dies doch, Lust sei logisch. |
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