| Buchstabe na | ||
Nächstenliebe (s.a. Liebe, Menschenliebe) | ||
Das grundlegenede Gebot des Christentums ist die Nächstenliebe, mit der Jesus Christus die Gottesfurcht, die im Alten Testament der abrahamitischen Religionen bestimmend ist, überwinden sollte. Er starb am Kreuz um die Menschen mit Gott zu versöhnen, ihnen die Erbschuld zu wenden in eine Liebe, in der sie das Verbot, vom "Baume der Erkenntnis" zu zehrn, darin auflösen sollten, in ihren wirklichen Beziehungen dem Gottessohn zu folgen, der selbst die "Wahrheit und das Leben" sei, also andere Erkenntnis unnötig mache. Wer ihm folgt "wird leben in Ewigkeit". Mit der Nächstenliebe ist den Menschen ein kategorischer Imperativ des Liebens geboten, der Liebe im Prinzip der Selbstliebe affirmiert und zugleich aufhebt, indem geboten ist, die Selbstbezogenheit in einem anderen Menschen anzuerkenen und ihn darin zu lieben, um also Liebe selbst zu einem Prinzip der wechselseitigen Selbstbeziehung (siehe auch Egozentrik) zu machen. Das macht das Christentum zur Religion der bürgerlichen Gesellschaft, worin die Wechselseitigkeit der Menschen ein Tauschhandel ist, worin also der Besitz an Waren die gesellschaftiche Beziehung der Menschen begründet. "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" ist ein Gebot, das diesem Handel geistigen Inhalt verleiht und dessen innigste Gedankenabstraktion ist. Es ist der Handel mit Liebe, welche dem Handel mit Dingen unterlegt wird und damit einen Verstoß gegen dieses Gebot mit Schuldgefühlen von höherer Qualität ahndet. Damit wird Handel selbst zum inneren Bedürfnis totalisiert. Auf die Liebe zum Nächsten angewandt, wird diese selbst dem Prinzip des Austauschs und der damit bestimmten Täuschung unterworfen, der Gleichgültigkeit einer menschlich bestimmt scheinenden Beziehung. Weil jeder davon ausgeht, dass er den anderen wie sich liebt, macht er die Selbstliebe zu einem Allgemeinprinzip der Liebe. Die Menschen lieben einander, um allgemein in ihrer Selbstliebe bestätigt zu sein. Wie der Warenhandel den Nutzen zu einer privaten Allgemeinheit gegen die gesellschaftliche Wirklichkeit entfaltet, so entfaltet das Christentum hierzu adäquat die Liebe zu einer privaten Allgemeinheit gegen die menschliche Allgemeinheit des Weltgeistes (siehe Menschenliebe). Hieraus wird verständlich, dass im Streit um den Weltgeist, wie er sich in den Menschenrechten niederschlägt, das Christentum auf eine Vormachtstellung erpicht ist (siehe hierzu auch Kampf der Kulturen). | ||
Narzissmus (s.a. Autoerotismus) | ||
Psychoanalytischer Begriff für Selbstverliebtheit, meist auch mit autoerotischer Bedeutung. Der Narzissmus gründet auf der Mythologie von Narziss, der sich in sein Spiegelbild verliebt hatte. Sigmund Freud hatte sie in die Psychologie eingebracht, um damit die Prozesse und Projektionen der Eigenliebe ontologisch zu unterlegen. Bedeutungsvoller als dies ist wohl die Untersuchung des Autoerotismus. Für sich ist Narzissmus eher eine Ursprungssehnsucht, welche das eigene Wesen im Bild von sich sucht. Es mag eine Seelenphantasie sein, auf sich selbst zurückzukommmen; aber im Nationalismus treibt sie auch wirklliche Blüten. In der Wirklichkeit wird diese herausgesetzt als Personenkult, in welchem sich die Volksseele so spiegelt, wie die Seele eines jeden Menschen, der daran teilnimmt. Ihre Selbstüberhöhung kann sich so als Selbstbescheidung in einem Volksganzen assoziieren. Zur ontischen Selbstüberhöhung dienen ihr dann auch die Archetypen, die ihr reaktionäre Psychologen gerne spendieren (sieh z.B. C.G. Jung, Bert Hellinger). | ||
Nation (s.a. Kulturgemeinschaft, Nationalismus) | ||
Nation ist ein widersprüchlicher Begriff. Zum einen bezeichnet er einen Staat und beschreibt dessen Grenze und Rechtshoheit und die politischen Eigenschaften seiner Bürger (Nationalität), zum anderen umschreibt er auch das politische Resultat der Geschichte des Kulturraums von Völkern, die sich mit der politischen Grenzziehung mehr oder weniger gut befriedet haben. Wo die Befriedung nicht gelungen ist, herrschen Bürgerkriege (vergl. Nordirland). Die Nation ist also ein umgrenzter Kultur- und Wirtschaftsraum (Kulturgemeinschaft) eines oder mehrerer Völker. Ihre kulturelle, politische und wirtschaftliche Verfassung ist in einem Staat konstituiert, der die mehr oder weniger anerkannte Form der Nation ist, ihre Volkswirtschaft aussteuert, ihre Lebensbedingungen schützt, pflegt und die Infrastruktur der Reproduktion des Gemeinwesens (Verkehr, Kommunikation, Gesundheitswesen, Bildung, Kultur, Recht, Sitte, Allgemeinbesitz, Verteidigung usw.) analog seiner allgemeinen Notwendigkeiten entwickelt. Sie ist die Basis einer Reichtumsproduktion eines bestimmten Lebensraums, welche die Erweiterung und Entwicklung des Lebensstandards mit sich bringt. Der Nationalstaat reflektiert die optimalen wirtschaftlichen und kulturellen Entfaltungsmöglichkeiten dieses Lebensraums, soweit diese durch ihn erfaßbar sind. Seine Grenzen waren ursprünglich auch die politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Grenzen einer Lebenseinheit, die eine bestimmte Bevölkerung, ein Volk, mehr oder weniger hatte. Allerdings gab es auch Völker ohne Nation (siehe z.B. Zigeuner oder das Judentum). Ihr Unterschied zu nationalen Völkern rührte an Gefühle nationaler Unsicherheit, welche in den Nationen in ihren Krisenzeiten grassieren (siehe Nationalismus) Die Funktion des Nationalstaats war also die Zusammenführung von Kultur und Wirtschaft zu einer politschen Ganzheit, sowie der Ausgleich von Konflikten und Kämpfen darin. Der Bismarck'sche Nationalstaat ist bis heute noch die Vorstellung eines gediegenen Sozialsystems, durch welches Klassengegensätz in der Fürsorgeleistung eines Staates aufgehoben sind und das Mehrprodukt zu einer Verbesserung des Lebensstandards verteilt würde. Solcher Staat hatte zwar die unmittelbare Lebensnot der Besitzlosen zugunsten einer Versicherungsgesellschaft ausgeglichen, zugleich aber den Staat erst richtig als Manager der allgemeinen Kapitalverhältnisse entwickelt. Hieraus hervor ging auch seine Funktionalisierung zum Staatskapitalismus in einem Kulturstaat der Nationalsozialisten. Die Auflösung der Einheit von Kultur und Ökonomie innerhalb bestimmter Staatsgrenzen begann im 20. Jahrhundert und entwickelt mit der Globalisierung der Märkte ihre Fundamente auseinander. Weder die Ökonomie macht an den Staatsgrenzen halt oder schützt sich national und vollständig durch Zölle, noch die Kultur eines Produktionszusammenhangs verbleibt in diesem Lebensraum. Sie greift mit den wirtschaftlichen Interessen in andere Völker und verändert deren Kulturgewohnheiten. Zwar bezieht sich noch jeder Staat auf die Wirtschaftsbedingungen eines Volkes, aber die Bedingungen sind weitgehend auch bedingt durch jene anderer Völker, die sich darin einmengen (vergl. z.B. den Anteil von Ausländern in der Volkwirtschaft). Auch wenn sich ein Staat vor "seine" nationale Kultur stellt, so kann er dies nicht auf alle Menschen beziehen, die ihren Lebensmittelpunkt innerhalb seiner Grenzen haben. Die Nation als Wirtschafts- und Kulturgebilde eines bestimmten Lebensraumes drückt zunehmend immer weniger kulturelles Leben darin aus und trennt im Fortschreiten der Globalisierung zunehmend den Wirtschaftsraum der Reproduktion und Produktion von ihrem Kulturraum, dem Lebensraum von Kultur (Sprache, Lebenszusammenhang, Kunst usw.), Brauchtum und Sitte, wie sie durch völkische Selverstverständigung in Religion und Lebensgewohnheit überliefert ist. Dies birgt die große Gefahr, dass die innere Entwicklung der Völker sich abschließt vor einander, sich zu Kulturmächten verselbständigt, wo sie sich als Wirtschaftsraum nicht mehr bewähren können. Dies um so mehr, wie sie sich auf diese Weise zugleich gegen ein wirtschaftliches Ausbeutungsverhältnis zur Wehr setzen wollen. Die Verständigung der Kulturen, die nur als wechselseitige Bereicherung des menschlichen Lebens gelingen kann, vereinseitigt sich somit auch leicht zu Machtkämpfen, die als Kulturkämpfe von Nationen ausgegeben werden. Darin ist der Charakter der Gegensätze mythologisiert und ihr Antagonismus verschleiert - sowohl in den armen wie den reichen Ländern, jedoch mit umgekehrter Gewichtung von kulturellen und wirtschaftlichen Interessen. Kritik der Kulturkämpfe muss daher wesentlich Kritik der politischen Ökonomie, welche Ausbeutung verschleiert, in Einheit mit der Kritik der politischen Kultur, welche die Lebensvernutzung verschleiert, sein. Der ursprüngliche Nationalstaat ist am Ende. Zugleich ist die strukturelle Ganzheit, ein wesentliches Element des Industriekapitalismus, damit auch überwunden. Ein wirklicher Zusammenhang in den Lebensverhältnissen der Menschen, ihrer Kultur und Wirtschaft, in welcher ihre Individualität ebenso bewahrt ist, wie ihr allgemeines Zusammenwirken, könnte an dessen Stelle treten. Aber wo Kultur und Wirtschaft nur auseinanderfallen und sich gegensätzlich entwickeln, steht noch keine gesellschaftliche Erneuerung (= Revolution) an. Das Verhältnis, worin die Bewohner eines Landes sich im Staat wiedererkennen wollen, ist nichts als eine Ursprungssehnsucht, die zwar im Gegensatz zur Globalisierung des Kapitals steht, aber zugleich anachronistisch ist. Es machte eben die lokale Eigenart eines Nationalstaates aus, Kultur und Wirtschaft zu vereinen, ihre Gegensätze zu befrieden und ihren Widerspruch zum Gegenstand seiner Politik zu haben und deren beständige Befriedung zu betreiben. Mit der Globalisierung aber ist die Nation selbst unter den Zweck der Verwertung gestellt worden; ihre Kultur und Wirtschaft wird einzig im Zweck des Wertwachstums vermittelt. Der Nationalstaat ist selbst zum Unternehmer einer großen Aktiengesellschaft geworden - allerding meist nicht so groß, wie manche Transnationalen Konzerne! Das hat zum einen die Folge, dass sich keine Völker, sondern Kontinente gegenüberstehen, und zum anderen Kultur wie zu einer Individualität von Menschengruppen jenseits der wirtschaftlichen Zusammenhänge gerückt ist. NationalistInnen sehen im Staat jedoch eine ideelle Einheit und erleben ihn selbst nur ideologisch wie eine Allgemeinform kultivierter Haushaltung, also eigentlich wie eine große Familie. Der Faschismus löst diesen Widerspruch zwangsweise in einem Kulturstaat auf, in welchem der Staatszusammenhang tatsächlich wie ein Familienzusammenhang behandelt wird. In der bürgerlichen Gesellschaft ist der Nationalstaat schon immer wesentlich von den Bedürfnissen der Allgemeinheit kapitalistischer Produktion, also vom Kapital selbst bestimmt. Hierzu bedarf es keiner machtvoller Protagonisten des Kapitals: Die Allgemeinheit der Warenproduktion selbst setzt durch die Eigenart ihrer Schwierigkeiten, Krisen und Probleme die Funktion des bürgerlichen Staates durch. Das internationale Kapital hat im Zuge der Globalisierung inzwischen das Seine dazu getan, die nationale Strukturen in seine Zwecke zu stellen und teilweise aufzulösen. Die internationale Konkurrenz ist durch die Verweltlichung des Kapitals in transnationalen Konzernen weitgehend in den Interessen der reinen Wertmächtigkeit bestimmt und stellt sich im völlig losgelösten Profitinteresse inzwischen global als Ganzes eines internationalen Finanzkapitalismus gegen die Menschen. Die Kultur ist als einziger Rest einer Lebensform nationaler Allgemeinheit verblieben, der sich gerade in seiner Ausgegrenztheit als Individualität einer Volksgemeinschaft gegen die Struktur der Welt dünken kann. Daher, und weil reaktionäres Denken auf die Restauration von Ursprüngen gegen ihre Wirklichkeit aus ist, wird die Nation für die Rechten zum Fokus ihres Antikapitalismus. Von der geschichtlichen Progression her, also von Links sieht man die Nation in internationalen Zusammenhängen. Im Verhältnis zu anderen Nationen besteht ein politisches, wirtschaftliches und kulturelles Verhältnis, welches in gegenseitiger Anerkenntnis und Achtung föderal sein müsste, um dieser Form der Entwicklung der allgemeinen menschlichen Verhältnisse selbst zu entsprechen. Nation wäre ein Begriff für einen Kulturraum, der Bestandteil einer Weltgesellschaft wäre. Ein weltweites föderales Verhältnis von Nationen kann daher nur gelingen, wenn kein Ausbeutungsverhältnis zwischen ihnen besteht und die Gerechtigkeit dieser Beziehungen durch ein internationales Weltgericht gesichert wird. Von dieser Seite des Begriffs wird der Staat zur notwendige Form eines Lebensraumes von Kulturen, welche nur wirklich und vital sein können, wenn sie füreinander aufgeschlossen sind. Internationale Kulturbeziehungen lösen die Selbstverstricktheiten der Kulturen auf - etwa, wie zwischenmenschliche Verhältnisse auch familiäre Beziehungen bereichern und aus ihrer Strukturmacht lösen. Vom Standpunkt des Weltkapitals aber hat der Nationalstaat sein oberster Subunternehmer zu sein und zugleich seine Selbstbestimmung (Grenzen, Handel usw) in ihrer impliziten Marktbeschränkung zu überwinden, bzw. in die Rolle eines Unternehmers zu verwandeln. Die Nation wird in den reichen Ländern zunehmend zum betriebswirtschaftlichen Phänomen eines allgemeinen Familienunternehmens. Das birgt die große Gefahr einer politischen Rückbeziehung der Rechten. Dort wird aus dem Nationalstaat ein Kulturstaat und aus einem kulturellen Allgemeininteresse ein Nationalinteresse. Gerade auch deshalb ist von Bedeutung, dass die Linke sich einen eindeutigen Begriff hiervon macht. Es wird nicht genügen, ihn einfach abzulehnen, weil man ihn mal eben mit Kleinstaaterei alias Kleinkrämerei gleichsetzt. Das Kapital selbst hat längst gezeigt, dass Nation zugleich auch Transnationalismus enthält: Es hat die nationalen Strukturen und Infrastrukturen ausgenutzt, um eine transnationale Konkurrenz durch diese kostenfreie, aber kulturnotwendige Beigabe zu bestimmen. Gerade daher muss dieser Art der Ausbeutung von nationalen Steuergeldern ein internationales Wissen von nationaler Wesententlichkeit und Eigenständigkleit entgegengebracht werden. Auch eine transnationale Entwicklung der Menschen reflektiert die Eigenarten ihrer Kulturen und somit ihr Eigentum, die Bewahrheitung ihrer Lebensäußerung. Ein Transnationalismus ohne Eigentümlichkeiten bedeutet Eigenschaftslosigkeit, Selbsteentleerung, Selbstverleugnung und Selbstentfremdung und ist also die subjektive Basis des Besitzstandes, welcher sich dadurch bereichert, dass er über die Zusammenhänge des organischen Lebens und des Stoffwechsels verfügt. Als Wirtschaftsraum ist die Nation das Ausbreitungsgebiet eines durch politische Grenzen umschriebenen Stoffwechsels, der idealiter auch die Ausdehnung der einfachen Reproduktion der Bevölkerung ist, so er am wirklichen Wechsel der Stoffe gebunden bleibt. In dieser Funktion bildet die Nation den Nationalstaat, der die Sicherheit und Stabilität der Reproduktion und die Bedingung zur Erweiterung und Entwicklung des gesellschaftlichen Reichtums gewährleisten muss. Wird diese eigene Lebensbasis der Völker durchbrochen, so kann dies nur den Durchbruch von Geld und Kapital bedeuten. Andererseits wird der Nationalstaat zum Kulturstaat, wenn er sich nicht in den internationalen Kulturzusammenhang einfindet und an der Weltkultur mitgestaltet. Das Gelingen einer Weltgesellschaft hängt davon ab, wie weitgehend die Kulturen sich darin zusammenfinden, ihre Bornierung zu wechselseitiger Bereicherung revolutionieren und ihre Staaten lediglich als wirtschaftliche Haushaltungen ihres Stoffwechsels ansehen. Der Internationalismus ist Kennzeichen eines progressiven Lebensverständnisses, also eines Bewusstseins von geschichtlichem Leben. Dem gegenüber besteht die Rechte auf Selbsterhalt des vergangenen Lebens durch Macht, durch verwesende Ordnungsgewalt. In der Gleichsetzung von Nation und Kultur nährt sich der Faschismus an Kulturinteressen und entwickelt seine Kraft durch diese. Andererseits ist die Nation als Kulturgemeinschaft ein geschichtliches Resultat und innerlich relativ stabil, besonders durch ihre wesentlichen Eigenarten wie Sprache, Schrift, Kunst usw., um sich in die Weltgesellschaft sinnvoll einbringen zu können. Internationalismus ist die Haltung, die dem Transnationalismus des globalen Kapitals entgegengehalten werden muss. | siehe auch Themenabend
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Nationalismus (s.a. Nationalsozialismus, Rassismus) | ||
Nationalismus wäre eine bloße Ideologie, wäre er nicht zugleich eine Form von Kultur, eine kulturelle Identität, in welcher sich Menschen mit dem Land identifizieren, worin sie eine formelle Identität (z.B. Staatszugehörigkeit, Pass) haben (siehe im Unterschied hierzu Patriotismus). Wesentlich an dieser kulturellen Identität ist ist die Staatsförmigkeit einer Selbstveredelung, eines Rassismus gegen andere Nationen. Sie verhält sich politisch als zu anderen Nationen als Einheit einer Politik von übernationaler Art, von Nationalität übermenschlicher Qualifikation. Nationalismus ist das politische Selbstbewusstsein der Vaterlandsliebe als völkische Eigenliebe, die sich mächtig gegen andere Nationen macht, die Form, worin wirtschaftliche Interessen nicht politisch sondern als kulturelle Politik vertreten werden. Er ist die Egozentrik wirtschaftlicher Ohnmacht, die sich als Kulturmacht gebärdet, als Kulturalisation einer Selbstermächtigung, um den Glauben an sich in der Abstraktion eines Volkes zu einer Nation zu bestärken. Soweit Kultur und Psychologie die Wirtschaft beeindrucken können, wird Glaube und Selbstbewusstsein immer auch wirtschaftliche Konsequenzen haben. Aber das macht Nationalismus nicht aus. Er ist umgekehrt das Prinzip des Glaubens an die Kraft der Nation, durch die Wirtschaft erst begründet werden soll. Nationalismus ist die Konstitution einer auf nationaler Kultur gegründeten Macht, Grundlage eines Kulturstaates. Darin spielt Geld allerdings eine zentrale Rolle. Kultur soll als innere Macht wirken, um nach außen in Geldsachen mächtig auftreten zu können. Wo das Geldverhältnis dem Geldbesitzer in einem mit Nation umschriebenen und gegen andere konkurrierenden Lebensraum Reichtum ermöglicht, da muss die Nation, wenn sie der Konkurrenz nicht gewachsen ist, sich international mächtig aufführen, um wirtschaftliches Potenzial im Vorgriff, im Glauben an ihre Zukunft vorzustellen, Handelsbeziehungen einzugehen und kreditwürdig zu erscheinen. Insofern ist Nationalismus eine Reaktionsbildung auf internationale Krisen des nationalen Kapitalverhältnisses (siehe Nationalsozialismus). Ideologisch und reell wäre er aber in dieser Form mit der Globalisierung des Kapitals längst überholt. Wer sein Geld international gut anlegen kann, fragt nicht mehr nach Nationalität. Als Begriff einer Konkurrenz verschiedener Staatswelten, die selbst nicht mehr abgeschlossen und klar umschrieben sind, hat Nationalismus keinen Sinn. Aber der allerorten wieder zu vermerkende Nationalismus zeigt, dass er die Dysfunktion des Geldverhältnisses reflektiert, dass er dem Scheitern des Geldverhältnisses überhaupt entspringt, - in diesem Fall der globalen Krise. Aber nicht nur dies: Internationales Scheitern des Geldverhältnisses könnte ebenso internationalistisch als Scheitern eines weltweiten Ausbeutungsverhältnisses begriffen werden. Und von da her gerät Nationalismus auch zu einem Wirtschaftsverhältnis nach innen, zum Rückbezug auf die eigene Kraft. Und erst dadurch ist er vollständig bestimmt: Er ist die Reflexion auf die Wirtschaftskraft der nationalen Kultur. Und von da verlangt er Führungskultur, Leitkultur und Führer, die mächtig und mit mächtiger Gesinnung auftreten. Nationalismus beruht zwar auf einem internationalen Geldreichtum, der zu einer Krise gekommen ist, und dem gerne eine beschränkte funktionale Nationalität entgegen gehalten worden wäre. Aber diese gibt es längst nicht mehr. Das transnationale Kapital hat sie verschluckt und überrundet. Die Rückbesinnung des Nationalismus ist also nicht die Besinnung der bestimmten Eigenschaften der eigenen Nation, sondern die Rückbesinnung auf unbestimmte Nationalität, auf Grenzen schlechthin, die Reaktion auf Entgrenzung. Der prinzipiellen Grenzenlosigkeit des Kapitals will der Nationalist oder die Nationalistin einen eigenen Staat als ein eigenes Wirtschafts- und Kulturwesen entgegenhalten, das zum Schutz seiner Bürger funktionieren und ihren Zusammenhang darstellen soll (siehe Meinung) und daher auch aus der Wählermeinung heraus demokratisch umzusetzen ist. In diesem Staat soll allgemein verwirklicht sein, was Bürger in ihren zwischenmenschlichen Verhältnisses gegen die Stürme des Lebens - wenngleich auch unter Schmerzen - bewährt wissen: Familie. Der Staat als Volksfamilie sei die allgemeine Lebensburg gegen den Rest der Welt und dadurch, dass sich die Menschen darin unmittelbar verstehen müssen, sei eine quasi übermenschliche Sicherheit, die stärker ist, als sich ökonomische und kulturelle Krisen und deren Bewältigungsinstrumente (siehe Politik) realiter zeigen. Daher ist Nationalismus unmittelbare Kulturpolitik. Dass diese in Wirklichkeit nicht freiwillig sein kann, dass sie sich also nur in der Negation gegen herrschende Krisen und also nur durch Gewalt und Gesinnungsterror gegen Disfunktionalität installieren kann und funktioniert, hat sich längst von allen politischen Richtungen her erwiesen (siehe Faschismus, Linksfaschismus). Dass Nationalismus darüber hinaus als kulturelle Realität fortbesteht, liegt nicht an mangelnder Erkenntnis dieses Verhalts, sondern daran, dass die Nation nicht als wirkliches Wirtschaftswesen, sondern als Kult, als Wesen einer verselbständigten Kultur, als Volksseele, verstanden wird, welche die Negation der sachlichen Wirklichkeit selbst als verselbständigte Zwischenmenschlichekit in einem übersinnlichen Leben erhält. In der bürgerlichen Kultur ist die Selbstbezogenheit zunächst ein sinnliches Substrat des Geldbesitzes, sie selbst ist eine äußere Identität aller Selbstbezogenheiten, eine Art Identitätsmaschine. Sie hat aber für sich zugleich einen Sinn, worin sich Menschen begegnen, die sich ausschließlich zwischenmenschlich begegnen - und unter der Vorraussetzung eines allgemeinen Geld- und Finanzverhältnisses ist dies auch die einzig menschliche Begegnungsform. Die Selbstbezogenheit der zwischenmenschlichen Verhältnisse refflektiert zwar das Geldverhältnis, - dies aber nur in der Form der Aufhebung und Aufgehobenheit darin. Für sich und substanziell ist es abstrakt menschliche Sinnlichkeit, was diese Reflexion enthält. Von daher ist die bürgerliche Kultur nur die Verallgemeinerung ihrer allgemeinen zwischenmenschlichen Bezugsformen in der Selbstwahrnehmung. Der Nationalismus reflektiert allgemein nicht nur das Geldverhältnis, sondern auch die Selbstwahrnehmung darin. Er widersetzt sich der Bedrohung der eigenen Selbstbezogenheit durch den Schutz vor fremder Kultureinwirkung (siehe Fremdenfeindlichkeit) - und zwar immer, sobald er nötig erscheint. Er ist selbst die Transformation einer nicht mehr realisierbaren Selbstbeziehung in das Staatswesen. Wer "stolz ist, ein Deutscher zu sein", der ist für sich nichts, hat nichts vorzuweisen, auf was er wirklich stolz sein kann, weil nichts ihn ausdrückt, nichts sein Werk ist. Wer wirklich und Tat-sächlich auf etwas stolz sein kann, dem wäre es abträglich, solchen abstrakt allgemeinen Stolz zu äußern. Nationalismus ist also zuerst eine Reflektion eigener Nichtigkeit, dem Gefühl, nichts zu sein, nichts darzustellen, nichts zu verwirklichen und nichts zu gestalten. In der Negation seiner selbst will der Nationalist alles für sich haben: Indem er sich im Allgemeinen aufhebt, will er auch allgemein in allem aufgehoben und an der allgemeinen Selbstaufhebung beteiligt sein. Der Kern des Nationalismus ist die bereits vollzogene Selbstaufhebung und im Allgemeinen eine Kultur, in der das vollzogen wird: Volksseele. In ihr wird die Nichtigkeit des Einzelnen, wie sie in der bürgerlicheh Kultuir angelegt ist, auch wirklich wahrgehabt und allgemein gesetzt. Nationalismus ist aber nicht nur Allgemeinkultur; er reflektiert auch ihre Negatvität, ihre Bedrohung und ihren Untergang; er setzt also eine Kulturbedrohung und ausschließlichen Selbstbezug als gewohntes Kulturverhältnis der Menschen vorraus, wie er allgemein durch ein Lebensverhältnis im Geldbesitz gegeben ist (siehe auch Dienstleistungsgesellschaft). Er ist also auch eine Reaktion auf Erscheinungen, wie sie in den ökonomischen, sozialen und kulturellen Verhältnissen in Krisenzeiten zu vermerken ist. Reaktionär ist der Nationalismus durch seinen ideologischen Bezug auf den bürgerlichen Staat., also durch die Spekulation auf seine Macht als Ganzes, das sich gegen das Unheil zu wenden vermag, um der Bedrohung Einhalt zu bieten und Heil zu stiften. Hierdurch wird die Nation selbst als Trutzburg (siehe auch Lebensburg) gegen die Fremde begriffen und alle inneren Widersprüche und Bedrohlichkeiten in das Auswärtige, Fremde verkehrt (siehe Fremdenfeindlichkeit, Rassismus). Dies beides macht Nationalismus in einem zu einer Realabstraktion: Als Form allgemeiner abstrakter Sinnlichkeit des Menschen ist er zugleich der Ausschluss des Menschen von seiner Selbstentfremdung, als Resultat zwischenmenschlicher Verhältnisse ist er zugleich Bedingung der allgemein entäußerten Selbstvermittlung. Der nationalsozialistische Nationalismus war noch eine frühe Form des Nationalismus. Wirklich allgemein kann er sich erst verwirklichen in der allgemeinen Selbstlosigkeit. Hier braucht er keinen Führer, weil jeder des anderen Übermenschen zu sein hat, jeder der große Bruder und die große Schwester des Anderen. Erst nach vollständiger Entwicklung des Staates als zwischenmenschliches Verhältnis schlechthin, wird der Nationalismus zu dem, was er seinem Begriff nach längst ist: allgemein abstrakte Menschlichkeit als allgemeiner Zwischenmensch: Als Kulturstaat des Kapitals. Erst mit der Globalisierung hat es der Kapitalismus dahin gebracht, dass der Nationalstaat im herkömmlichen Sinne abgeschafft ist, seine ökonomische Funktion reduziert ist auf den Betriebswert einer Nation, Nationalwirtschaft zur Betriebswirtschaft geworden ist und Kultur als einzige Durchsetzungsform des Geldverhältnisses zu wirken hat und als dieses auch wirken kann. | Themenabend Siehe hierzu auch: Zur Wertediskussion: Patriotismus, Leitkultur und Leistungskultur | |
Nationalkultur (s.a. Volksseele, Nationalsozialismus, Kultur) | ||
Die Nationalkultur ist der Kult einer Nation (nicht ihre Kultur). Dazu zählen besonders die nationalen Heiligtümer, die Rithen, Sitten und Gebräuche, die den Status eines Nationalkults haben. Die Nationalkultur will die Kultur einer Nation zur Hervorkehrung der Besonderheit dieser Nation und ihrer Geschichte darstellen und als deren Wesen wie ihre Seele pflegen. Besonders durch das Bedürfnis, ein bestimmtes Volk als beseelte Einheit darzustellen, wird die Nationalkultur gepflegt. Aud der Volkskultur wird aber erst durch nationalistische Politik die Einheit der Nationalkultur zu einer Volksseele, die aus dem Brauchtum eine Gesinnung macht, um der einzelnen Seele die Notwendigkeit zu dieser Einheit als Allgemeinschuld aufzuerlegen. Hierdurch werden allgemeine (meist ökonomische) Zwänge zur Selbstdisziplin, Selbstlosigkeit und Aufopferungsbereitschaft zu seelischer Schuld, zu permanenten Schuldgefühlen internalisert und hierdurch besonders leicht und unkontrolliert zu ökonomischen, politischen und staatlichen Zwecken nutzbar. | ||
Nationalökonomie (s.a. Ökonomie) | ||
Nationalsozialismus (s.a. Hitler-Formel, Faschismus, Staat) | ||
Jede Form des Faschismus ist zunächst die Ideologie einer Staatspolitik zu einer erzwungenen Verwertung, einer durch kapitalistische Krisen notwendig gewordenen Negativverwertung durch unbezahlte Arbeit. Darin aber ist Nationalismus mehr als bloße Ideologie, Idee oder Vorstellung von gesellschaftlicher Entwicklung. Sie ist das in ihr verschmolzene Gegenteil: Eine wirtschaftlich notwendigen Staatsgesinnung, die zur Grundlage einer besonderen Allgemeingewalt des Staates gegen seine Bevölkerung wird, begründet durch Unheil, einem "Volkskörper", der erkrankt sei und gesunden muss, die Medizin des Heils gegen die kulturellen Krisenerscheinungen (siehe Hitler-Formel) des ökonomischen Wertverhältnisses (siehe Vernichtungslogik). Der Nationalsozialismus entstand im Kleinbürgertum, das in Zeiten ökonomischer Krisen als bloßer Vermittler von Besitz, also im schwindenden Besitzstand über keine gesellschaftliche Substanz verfügt und von daher am empfindlichsten hierauf reagiert. In der Gestalt ihrer politischen Klasse als staatlich notwendiges Parteienbündnis zur "Rettung der Nation", womit zugleich Rettung der Gesellschaft überhaupt gemint war, bot es sich populistisch als Kritik des Kapitalismus auch der Arbeiterbewegung der 20ger Jahre als eine Verschmelzung aus Sozialismus und Nationalismus an. Hierdurch gelang dem Nationalsozialimus die Vereinigung vieler Wählerstimmen aus dem bürgerlichen, konservativen und zum Teil sogar dem kommunistischen Lager. Vor allem als herausgekehrte Formation eines Teils der Arbeiterbewegung war ihm die Vermittlung einer Staatsverherrlichung als des Volkes Herrlichkeit gelungen, wie sie aus dem konservativen Lager der Kleinbürger als Kulturvorstellung einer Volksseele ersehnt war. Mit der Ineinssetzung von proletarischer Bewegung und bürgerlichem Volksaufstand waren die Nationalsozialisten in der Lage, die gesellschaftlichen Kräfte der Reaktion zu sammeln und als nationalsozialistische Bewegung durch demokratische Wahl zur Macht zu bringen. Diese beruhte auf der Affirmation und Selbstbezogenheit einer Nation, deren Zusammenhang ökonomisch, sozial und kulturell desolat war und sich politisch in einem Selbstauflösungsprozess befand (siehe Staatsbankrott) und sich von da her auf das Verelendungsbewusstsein der unteren Bevölkerungsschichten bezog. Hierdurch war ihm zum Teil die Vereinigung der Untergangstheorien der Rechten mit proletarischen Widerstandsvorstellungen gelungen, waren die Genossen zu Volksgenossen geworden. Ganz allgemein war der Nationalsozialismus eine bestimmte Form des Nationalismus, die sich aus einer kulturellen Identitätslosigkeit speist und eine den Menschen zweckdienliche, also entäußerte Identität verschaffte. Das machte den strickten Zusammenhalt und die Kameradie der Nazis aus. Zugleich bestand er auch aus einer Kulturkritik an der Bourgeoisie in der Vermengung mit den Prinzipien eines scheinbar antikapitalistischen Volksaufstandes, die jenseits aller Sachverhalte sich in einem massenpsychologischen Zustand verschmolz. In den Nachwehen des ersten Weltkrieges war es nicht gelungen, eine sozialistische Bewegung zum Erfolg zu bringen, weil das Bürgertum sich zynisch und zugleich staatsrestaurativ dagegen stellte. Aber ihm hätte es auch nicht genügt, sich zur Überwindung des ökonomischen Niedergangs zu einem politischen Faschismus zu entwickeln, wie er etwa in Frankreich und Italien zur selben Zeit im Entstehen begriffen war. Dem Nationalsozialismus war ein substanzielles Vernichtungsinteresse wesentlich, das sich aus einem allgemeinen Vernichtungsgefühl der bürgerlichen Kultur in Deutschland entspann. In der Reflexion der wirtschaftlichen und kulturellen Zerstörung Deutschlands war eine Ursprungssehnsucht entstanden, die sich mit Ideologien deutscher Philosophen (siehe Nietzsche, Heidegger) füllte und den politischen Willen des Herrenmenschen nach außen zu einem politischen Allmachtsbewusstein kehrte. Aus den Demütigungen der Reparationsleistungen wurde hierdurch eine Art Volksbewegung, die sich den Untergang ihrer kulturellen Identität und ökonomischen Prosperität damit erkärte, dass Deutschland durch einen äußeren und hinterhältigen Feindes zerstört sei, der im Antisemitismus fassbar gemacht wurde. Dessen Bekämpfung erfordere zuvorderst die Überwindung der Dekadenz im eigenen Volk und hatte in der Logik eines Heilsprinzips mit der Vernichtung des inneren Feindes zu beginnen. Dies war die Grundlage der Rassegesetze, die "Gesetze zur Reinheit des deutschen Blutes", der Aussonderung "fremder Rassen" (z.B. Sintis), der Vernichtung von Andersdenkenden (Gesinnungsfeinde wie z.B. Kommunisten), Abartigen ("Homosexuelle") und "lebensunwerten Lebens" (siehe Euthanasie) und die mit industrieller Stringenz angestrebte Judenvernichtung, welche den inneren Feind exemplarisch zerstören solte. Zugleich waren die ökonomischen Entwicklungsperspektiven in der Ausdehnung des Lebensraumes des deutschen Volkes festgemacht. Die Perspektive eines großdeutschen Reiches war sowohl ökonomisch, ideologisch und massenpsychologisch begründet. Ökonomisch durch Wirtschaftsexpansion auf Gebiete mit billigen Arbeitskräften und großen Markterweiterungen, ideologisch als Philosophie des Willens und psychologisch durch die Notwendigkeit einer Volksseele, die Überwindung von Wirklichkeit erforderte, weil ihr jegliche gesellschaftliche Verwirklichung kulturell entfremdet war. Dies versammelte sich in einer biologistischen Geschichtstheorie, dass es eine Herrenrasse gäbe, die sich im Kulturkampf gegen andere, "niedere Volksrassen" durchzusetzen hätte, weil es ohne angemessene Ausdehnung dem Untergang geweiht und selbst zum Untermenschen würde. Damit sei die menschliche Geschichte überhaupt am Ende. Die Nationalsozialisten hatten sich damit eine weltgeschichtliche Hybris geschaffen, die auf die Bevölkerung übergriff. Dies wird von der Psychologie heute nicht ganz zu Unrecht mit Massenwahn bezeichnet, ohne dass sie allerdings bisher in der Lage war, die darin wirksame Massenpsyche zu analysieren. Hierzu wäre ein kritisches Verhältnis zur Psyche selbst nötig. "Ein Volk, ein Reich, ein Führer" ist ein Kampfruf, der absolute Einheit, absoluten Raum und absolute Persönlichkeit zur absoluten Notwendigkeit erklärt. Hierfür kamen alle Kulturgewalten des Staates als Züchtigungsmittel des "Volkskörpers" zur Anwendung. Dazu gehört vor allem das Mittel der Volksverhetzung durch Propaganda und Theorie, des Rassismus und seiner übelsten Form, dem Antisemitismus. Es handelt sich hierbei also nicht um die Ausführung deutschen Gedankenguts (etwa als tradierte Gedankenabstraktionen der deutschen Philosophie oder der Volkstümlichkeit), sondern dessen Verwendung zur kulturelle Strangulierung der Menschen, die ihren realen Kulturzerfall durch die Bündelung (Fascies) gegen äußere Feinde zu bekämpfen vorgibt, um damit zugleich die Bemächtigung des Volkes durch die Rute (Fascies) des Staates zu erlangen. Beides zusammen war die praktische Erfordernis einer Kriegspolitik, die sowohl die Verschuldung im Ausland zunichte machen wollte, als auch die Eroberung von "Lebensraum" und Ressourcen zur ökonomischen Wiederaufrüstung des deutschen Kapitalismus erstrebte. Der Nationalsozialismus vollzieht das Grauen des Kapitalismus, dessen fortgeschrittene Geschichte der Barbarei, als unendlich grausame Heilserwartung Der Nationalsozialismus setzt objektiv - wie jeder Nationalismus - die desolate Kapitalwirtschaft einer Nation voraus, deren beständig sich fortentwickelnde Krise, in welcher die traditionelle Politik zur Steuerung und Vermittlung gesellschaftlicher Notwendigkeiten des Kapitalverhältnisses am Ende ist. Wie jeder Faschismus war auch der Nationalsozialismus ein Restaurationsversuch des Kapitalismus mit den Mitteln der kulturellen Disziplinierung des Volkes. Hierfür ist die Gleichsetzung von Kultur und Nation in der Fassung eines Volkskörpers als Kulturstaat für das Krisenmanagement sowohl politisch geboten, als es auch auch der kulturellen und sozialen Not in Krisenzeiten zu entsprechen scheint. Ideologisch wird das durch Vollstreckung einer faschistische "Revolution" als eine völkischen und zugleich "sozialistische" Katharsis aufbereitet, die mit der Bereinigung der Bürger darin aufgehen soll, Lebenswerte der bürgerlichen Kultur zur Disziplinierung der sozialen Störungen einzusetzen. Zugleich werden soziale Störungen angegangen, als sei der Staat eine völkische Familie. Der nationalsozialistische Staat bestand als Volksfamilie, in der sich die Bürger gleichsam aufgehoben fühlen sollten, wie sie als Menschen auch aufgehoben wurden. Die "politische Familie" war die Einheit von Disziplin und Wille, der die Bekämpfung jeglichen inneren und äußeren Unheils als persönliche Selbstzucht auferlegt wurde. Die Kultur dieser Zucht war Volksästhetik: Reinigung und Wesensschau der gesunden Art, die alles Andere als Abart ausgrenzte. Die theoretischen Reflexionen (vor allem die Geistes- und Naturwisssenschaften) waren damit ebenso befasst, wie sich die praktischen Lebensprobleme einer sozialen Verelendung darin aufzuheben suchten. Von daher war der Nationalsozialismus nicht einfach nur eine völkische Ideologie mit massenpsychologischem Kalkül, sondern eine reale Notwendigkeit im Krisenmanagement eines Staates, der einen Weltkrieg angezettelt und verloren hatte und die Zerstörung hieraus zu einer real fortbestehenden Bedrohung gegen das ganze Verhältnis der Völker wendete. Hierduch ließ sich die ungeheuerliche Kulturtechnik des Nationalsozialismus entwickeln, mit welcher die Rückgewinnung eines kapitalistischen Produktionsprozess als völkisches Prinzip ermöglicht werden sollte. Die Reinigung der "Volksseele" war die Staatspsychologie, der Appell an das Volksganze, das wie ein seelisches Prinzip des Sozialwesens (Heilsprinzip) errichtet wurde, um die vollständige und rigorose Ausbeutung des deutschen Volkes und anderer Völker für einen großdeutschen Staatskapitalismus einzustellen. Spezifisch deutsch ist nicht nur eine derartige Zwecksetzung, sondern auch die Stringenz und der Umfang der "Reinigung" und ihre Technologie. "Ethnische Säuberungen", welche die Reinheit des Volkes als Sortierung und kulturelle Entmengung herstellen wollen, sind zunächst schlichte Denkmuster für unbegriffene soziale Probleme mit der Absicht, durch Auseinanderhaltung Frieden im Volk herzustellen. In Deutschland entstand alleine im Sortieren schon eine Rassentheorie, die mit tumber Akribie bis zur Schädelvermessung die biologische "Reife" des Ariers als Beleg für einen deutschen Führungsanspruch im Weltganzen hervorkehrte. Die Deutschen waren kein Volk, sie waren eine überdimensionierte Volksgemeinschaft, wie sie in anderen Arten des Faschismus (z.B. Italien) nicht nötig schien. Aus dieser heraus hat sich eine Notwendigkeit der Ab- und Ausgrenzung von Menschen bis hin zu einer technischen Massenvernichtung fremdartig wirkender Menschen (Juden, Zigeuner, Schwule und Kommunisten) ergeben, die den deutschen Faschismus zu einer kulturellen Totalität ohnegleichen gebracht hat. Der Nationalsozialismus beruht auf einem klaren politischen Kalkül, durch welches der deutsche Kapitalismus restauriert werden sollte. Es war der Plan einer gigantischen "Umschuldung": Den Wiederaufbau eines ausgebluteten und deinstallierten Landes durch Gelder aus dem Ausland zu betreiben, die mittels eines Krieges gegen dieses aufgelöst werden sollten. Der Plan verlangte hohe Opfer auch auf der Seite der Arbeit. Er ließ sich nur durch ein Geschäft mit dem Tod ausführen, der in den deutschen Arbeitslagern, den Konzentrationslagern mit kalter Grausamkeit vollstreckt wurde (siehe Holocaust). Das war die Basis, die Maschinerie des Weltkrieges, mittels der unentgeltliche Arbeit, Zwangsarbeit von Todgeweihten ausgepresst werden konnte, um Infrastruktur und Kriegsmaschine aufzubauen. Zur Erzeugung von Todgeweihten wurden alle stumpfen Gefühle völkischer Kultur geweckt, die im Aussondern des Sonderbaren die Ruhe ihrer Gewohnheiten wieder erlangen wolllten. Der Antisemitismus im Volk war von dieser Seite her nur zweckdienlich, also politisch nötig und wurde mit administrativer Borniertheit aufs Grausamste in Volksverhetzung gewendet. Grausamkeit ist nicht Politik; sie befriedigt zerstörte Seelen. Aber sie kann für Politik funktional sein. Der Nationalsozialismus enthält wie jeder Faschismus, gewaltige, völlig unpolitische Substanzen, welche Unwirklichkeit (siehe Mythologisierung) und zugleich die Angst vor dieser produzieren. Da Kultur in den Krisenphasen des Kapitalismus auch unmittelbar betroffen ist und zerstörte Lebenszusammenhänge auftut, sind ihre Wunden auch seelische Verletzungen. Die Vielfalt seelischer Bedrohung, vor allem die Auflösung des sozialen Rückhalts intakter Lebensverbindungen, setzt jeden einzelnen Menschen in eine Defensivbereitschaft, die in der Isolation von gesellschaftlicher Wirklichkeit auch unwirkliche Gesellschaftlichkeit, also Gesellschaft als bloße Masse erzeugt. In der Masse ist nur stark, wer reagieren kann. So geraten reaktionär verarbeitete Wahrnehmungen und Denkweisen in einen Kultstatus. Die Unterwerfung unter das Allgemeine wird in der Masse zum Selbstgewinn. "Führer befiehl, wir folgen dir!" war nicht aus Selbstverleugnung, sondern aus Stolz gsprochen. Die Funktionalität des Einzelnen wollte in der Masse bewährt sein. Die Deutschen waren wie eine Maschine und wollten funktionieren! Der Nationalsozialismus war zwar ein Nationalismus mit objektivem Kalkül zur Installation des Kapitalismus als Staatskapitalismus, aber seine subjektive Grausamkeit lässt sich nur aus der Verletztheit des sozialen Zusammenhangs erklären, die hinter der immanenten Notwendigkeit nationalsozialistischer Selbstdarstellung und Selbstbehauptung wirkt und als Form von Selbstverachtung bis tief in die einzelne Seele hinein zu begreifen ist (siehe Judenhass). Aus dieser Position besteht - weltlich formuliert - eine kulturelle Antinomie, die politisch nutzbar ist. Der Nationalsozialismus ist eine deutsche Form des Faschismus, die sich besonders durch ihre technische, philosophische und massenpsychologische Stringenz hervortat. Es gibt auch noch heute einen Streit darüber, inwieweit die Grundlagen für diese Stringenz noch fortbestehen. Die Neubelebung der Philosophie Nietzsches wirft z.B. die Frage auf, ob sie als theoretisches Fundament des Nationalsozialismes anzusehen ist und daher ihre Neubelebung eine Belebung des faschistischen Denkens sei. Bei einem tieferen Verständnis seiner Schriften wird man nicht umhin kommen, ihn in seinem philosophischen Bestreben zumindest in seinem subjektiven Kern in einer Affinität zur nationalsozialistischen Gesinnung zu sehen, aber es muss auch im historischen Kontext begriffen werden, dass der Nationalsozialismus solches Denken nicht vollständig erfüllen konnte - wie er selbst auch sich nicht auf Philosophie gegründet hatte, sondern sie lediglich als Legitimationsmittel nutzte. Aber bei Nietzsche ist zu lesen, was dort alltägliches Selbstverständnis war viele andere deutschen Theoretiker und Philosophen, besonders Heidegger oder auch C.G. Jung, waren in ihren Ontologisierungen (siehe Archetypen) von denen der Nationalsozialisten ununterschieden. Heute gibt es wieder theoretische und praktische Ansätze (vergl. z.B. Hellinger), die sich auf eine Volksseele beziehen. In der guten Stube der Seele wird wieder aufgeräumt, wie es "Die Ordnung der Liebe" (Hellingers Buchtitel) und andere Seelenkonstruktionen verlangen. Und die Seele wird wie jede Ordnung dieser Art zu einem Reich für sich, eine Unendlichkeit heimlicher Abwägungen, die sich über die Ahnenreihe bis zu den Wurzeln des Völkischen ergießt. Auch anderswo wird am Nationalsozialismus gebastelt. Eine Gruppe von Neonazis, die sich heute um Horst Mahler versammelt, bereitet das "4. Reich" vor und will sich mit Theoriefragmenten von Hegel und Marx begründen, allerdings ganz im Widerspruch zu deren Erkenntnisinteresse. Dort wird schon wieder ein erschreckender Antisemitismus betrieben, dessen Dummheit nicht über seine Gemeinheit hinwegtäuschen soll. Der Begriff der Nation scheint wieder als Antipode zum Internationalismus zu reizen, da bisher lediglich das Kapital internationalisiert ist und Nation wieder als Schutzraum hiergegen wahrgenommen wird. Solche Auffassungen ergeben sich unmittelbar aus der bürgerlichen Kultur, in welcher die Lebensburgen immer und notwendig in Feindschaft zur gesellschaftlichen Öffentlichkeit empfunden werden. Der Irrationalismus des Nationalsozialismus hat hierin seine Geburtsnester und thematisiert daher Schutzräume wie Familie, Heimat, "Vaterland" usw. als Wesensbestimmung des Menschseins, als Verallgemeinerung des privaten Menschen zum Volkskörper. Darin hat jeder Massebegriff in Bezug auf Menschen, auch der des Stalinismus, seine Wurzeln. | siehe auch Themenabend siehe auch Pfreundschuh: siehe auch Pfreundschuh:
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Nationalstaat (s.a. Staat, Globalisierung) | ||
Der Nationalstaat ist das Selbstverständnis und die Wirtschaftsform des bürgerlichen Staates. Er erscheint sich selbst gerne als Agentur des politischen Wirtschaftsraums einer Nation, als politökonomischer Funktionär eines Volkes. Sein Ausbreitungsgebiet gilt ihm von daher nicht als Markt, also als ein Verhältnis der Wirtschaft, sondern als das eines durch Grenzen umschriebenen Stoffwechsels, der idealiter auch die Ausdehnung der Produktion und Reproduktion einer bestimmten Bevölkerung sein müsste. Von da her wäre er das nur räumlich begrenzte Haushaltungssystem einer bestimmten Kultur, wie sie geschichtlich durch Sprache, Schrift, Kunst usw. entwickelt ist, letztlich Kulturstaat. Aber ein solcher Staat ist die Fiktion einer Ursprungstheorie. Solange ein Staat notwendig ist, gründet er auf der Ökonomie einer bestimmten Kultur. Schon in den frühen Zeiten des Kapitalismus war der Staat nicht vom Stoffwechsel seiner Bevölkerung, sondern vom Entwicklungsbedürfnis der politischen Ökonomie bestimmt. Seine Reproduktionsleistungen und kulturellen Aufgaben erfüllt er nur im Maßstab der Nationalökonomie und ist hierbei ebenso auf andere Staaten nach außen bezogen, wie er sich nach innen für günstige Wirtschaftsverhältnisse einsetzt. Der Staat als politische Form einer Wirtschaftsnation kann niemals ein quasi natürliches Gemeinwesen sein. Als das Gemeinwesen einer politischen Ökonomie bestimmt er sich nicht aus einem Volk und seiner Kultur, sondern regelt das Verhältnis der Abgaben der Bürger (Steuer) zu den Ausgaben des Staates für allgemeine Verkehrs- und Reproduktionsbedingungen der Volkswirtschaft und sichert den Kapital- und Geldhaushalt seines Staatsgebiets. In fortgeschrittener Form reguliert er als Sozialstaat auch die allgemeine Reproduktion und Krisenbekämpfung dieses Wirtschaftsgebiets. Ursprünglich war die Sicherung der nationalen Wirtschaft dadurch gewährleistet, dass Gold als Deckung des Geldkreislaufes einer Nation notwendig war. Durch die Entwicklung eines aggressiven Weltmarktes wurde diese Deckung als Schranke der Spekulation, also als Grenze der Kapitalzirkulation vom internationalen Kapital angefochten (siehe Bretton-Wood) und in transnationalen Konzernen aufgehoben, um die Verwertungskrisen der 80ger Jahre durch expansive Devisen-Spekulationen zu überwinden. Der Devisen- und Aktienmarkt führte durch die Befreiung von nationaler Finanzmittel-Beschränkung zum "entfesselten" Kapitalismus, dem letztlich auch der Nationalstaat und dessen finanzpolitischen Regulationsmechanismus nur ein Hindernis bedeutet. Aus Angst vor dem Verlust nationaler Kapitalvermögen durch Abwanderung ist der Nationalstaat seit dem der Büttel des internationalen Kapitals und auch unmittelbar (also nicht nur als ideelles Gesamtkapital) weitgehend von dessen Begehrlichkeiten bestimmt. Die Einbeziehung der Finanzspekulation in die nationalen Sozial- und Rentensysteme (z.B. Riesterrente) machte ihn zudem auch abhängig von der Verwertungslage des internationalen Kapitals. Der Nationalstaat steht mit den hierin begründeten Krisen des Sozialstaates an seiner Sinnfrage. Seine künstliche und nur durch politische Macht erzwungene Restauration, wie sie von rechter Politik im Nationalismus angestrebt wird, kann die Frage nicht lösen. Die Internationalisierung einer Weltbevölkerung in kulturell aufeinander bezogene Gemeinwesen ist die den gesellschaftlichen Beziehungen der Menschen in einer Weltbevölkerung adäquate Vermittlungsform. Hierfür ist allerding die Abschaffung, zumindest die vollständige Kontrolle des privaten Kapitals durch die Bevölkerung (Banken, Börse, Wertpapiere) notwendig. | siehe auch Themenabend
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