| Buchstabe O | ||
Objekt ist das Bestimmte, welches durch ein Subjekt entstanden ist, das über dieses auch verfügt. Im Bezug auf seine Entstehungung ist es das Gegenständliche, das Erzeugte, das für sich nicht frei sein kann, wiewohl es die Bestimmtheit eines Subjekts verkörpert. Bezogen auf den Menschen ist das Objekt menschliche Sache, die sich daher auch im Sinne des Menschen auf ihn bezieht, sachliche Menschlichkeit, objektivierter Mensch ist. Bleibt diese Beziehung jedoch abstrakt, so steht darin der Mensch im Widerspruch zu sich selbst. Seine Sache, worin seine Lebensäußerung verkörpert ist, erscheint ihm fremd, ist Erscheinung von etwas, was er nicht ist (siehe Entfremdung). Er erzeugt ihm fremde Objekte, Gegenstände, die zwar von ihm produziert und somit bestimmt sind, aber zugleich gleichgültig gegen ihre Bestimmtheit exisieren, für sich zu sein scheinen. Es sind Gegenstande einer Welt, die keine ist: Scheinwelt. Darin verharrt der Mensch im Zustand der Entfremdung von sich, also der Selbstentfremdung. Seine Objekte haben eine Bestimmung für sich, welche allein aus ihrer Form hervorgeht: Formbestimmung. (Beispiel: Wert, wie er allein aus der Warenform im Austausch entspringt). |
s.a. | |
Objektiv ist etwas Gegenständliches, also etwas, das im Laufe der Geschichte vergegenständlicht worden war, was also subjektive Bestimmungen verobjektiviert hat und also gegenständlich gewordene Subjektivität ist. Von daher bleibt es in der Beziehung auf ein Subjekt gegenständlich. Das Objektive hat das Subjekt zwar verlassen, aber nicht notwendig ein verlassenes Subjekt hinterlassen. Dies wäre entfremdete Objektivität. Oft aber wird "objektiv" so verwendet, als sei dies durch sich selbst gegeben und durch sich bestimmte Wahrheit und also ausschließlich für sich wahr - wahrer als das Subjektive, das hiergegen als willkürlich begriffen wird. Das ist ein Wortgebrauch, der aus dem Positivismus kommt und auch von den Naturwissenschaften in dieser Weise verwendet wird. In den Geisteswissenschaften wurde solches Verständnis vor allem durch die Aufklärung transportiert. Diese hat dazu geführt, die Naturwissenschaften selbst als Maß der Vernunft anzunehmen, an welcher sich menschliche Ethik auszurichten habe. In diesem Sinne begründet sich heute auch die Hirnforschung, um menschliche Willensakte als objektiv beründet auszugeben, damit den Menschen also selbst zum Funktionär einer objektiven Bestimmtheit zu machen. Naheliegend ist hierbei das Bedürfnis nach Herstellung reiner Naturbestimmtheit, auch nach der Reinheit ihrer Funktion und Art. Dies macht den Kern des Rassismus aus, soweit er naturwissenschaftlich zu belegen versucht worden war und auch immer noch versucht wird (siehe auch Euthanasie). |
s.a. | |
Gefühle mögen scheinbar oder vorgetäuscht sein. Es gibt aber keine falschen Gefühle. Das heißt aber nicht, dass es deshalb schon objektive Gefühle gäbe. Vorgetäuschte Gefühle sind mit Empfindungen vertauschte und als solche vermittelten Gefühle. Sie sind immer substanzielle Grundlage der Erkenntnis und können von daher eigentlich nicht objektiv sein. Sie werden es erst, wenn sie von einem Objekt bestimmt sind, wenn also nur zu fühlen ist, was objektive Notwendigkeit hat. Doch wie und wodurch kann ein Objekt nicht nur gefühlt, sondern für ein Gefühl bestimmend sein - widerspricht dies doch scheinbar der Begrifflichkeit des Objekts selbst. Es setzt voraus, dass objektive Notwendigkeit eine subjektive Not aufhebt, also eine objektive Notwendung zugleich die Aufhebung einer subjektiven Not betreibt und darin Subjekt und Objekt wirklich ununterschieden und also ohne Bewusstsein auch ununterscheidbar sind. Objektiv sind Gefühle dann total, wenn menschliche Wirklichkeit nichts anderes zulässt, als eine Beziehung von Subjekten durch Objekte der Gefühle. Die Entwicklung eines einzelnen Menschen macht immer einen Werdegang von objektiven zu subjektiven Gefühlen aus. Eltern sind der Form nach zu allererst Subjekte, welche ein Kind hervorbringen, das objektiv von ihnen abhängig ist. Von daher erfährt es sie auch als objektives Subjekt seiner Beziehung auf die Welt überhaupt. In dieser Beziehungen erscheint objektives Fühlen noch naturnotwendig, wiewohl hierbei zweifellos ein Mensch fühlt, weil er schon vor seiner Geburt Sinn hat für das, was seine Eltern ihm zu vermitteln haben, und sei es auch nur ein Sinn für die Brust der Mutter oder ähnlich anderes. Aber sosehr dies auch als Naturempfindung erscheint, so schnell wird darin auch eine menschliche Beziehung wach. Schon im Mutterleib bezieht sich das Kind auf Menschen, auf seine Muttter und alles, was es vom menschliche Leben sonst auch mitbekommt (Geräusche, Licht, Berührungen, Musik, Sprache usw.). Es hat Eindrücke, die ohne andere Menschen nicht vorhanden wären. In einem künstlichen Uterus würde es schon vor seiner Geburt verkümmern. Soweit Menschen in ihrer Entwicklung frei von subjektiven Mächten sind, entwickeln sich ihre Gefühle sowohl objektiv wie auch subjektiv, ermöglichen ihnen also die Bildung einer Identität als Subjekt, soweit wie dieses gesellschaftlich schon möglich ist, wie es die Sinnbildung der bisherigen menschlichen Geschichte schon erreicht hat (vergl. hierzu "Wider die Erziehung"). In dem Maße, wie objektiv begründete Gefühle einer solchen Macht aber unterworfen werden, verselbständigen sich Gefühle, sondern sich ab und wirken unmittelbar objektiv als wirklich objektive Gefühle, als Gefühlsmacht. Dies, aber nur dies, macht die Wahrheit des psychologischen Verdrängungsbegriffs aus Allgemein ist dies nur möglich, wo menschliche Subjektivität nicht möglich ist, noch nicht geworden ist oder sich verliert, ihre Identität noch nicht hat oder diese durch fremde Kräfte, durch Kräfte der Entfremdung aufgehoben wird. Wo einem Menschen diese zerfällt oder zerfließt, wird ihm Objektivität unmittelbar notwendig, wird ihm die objektive Vermittlung zu einer Selbstbestimmung, zur Bestimmung seiner als seine Notwendigkeit. Die subjektive Not kann aber nicht objektiv aufgehoben werden, da sie ihren Schmerz nur durch sich hat. Es kann sich nur das objektiv Notwendige als subjektive Notwendigkeit andienen, kann sich in dieser Bestimmung ihm angleichen, indem es zu seiner Gewohnheit wird. Wo Erkenntnis nicht mehr nottut, wird Leidenschaft zur Zierde, wo die Liebe keinen Sinn mehr hat, kann sie als angenehmer Umstand fortbestehen - bis er zur Hölle wird. In objektiven Gefühlen zirkuliert die bürgerliche Kultur. Aber die Erkenntnis duldet keine Umstände. Objektive Gefühle sind Gefühle, deren subjektive Herkunft verschwunden ist, die also selbständig und völlig unabhängig zu bestehen scheinen und doch ebenso vollständige Wirkung auf die Menschen haben, weil sie als Macht einer Naturempfindung wirken - so, als wären sie eine "Klimaanlage des Gefühls". Ausgerechnet die Parapsychologen haben den ersten empirischen Nachweis gebracht, dass es Gefühle gibt, die sich jenseits aller wirklichen Beziehungen und Verhältnisse zu begründen scheinen. Zur Untersuchung von Geisterwahrnehmungen, die systematisch bei den Besuchern im Tower von Edinburg auftraten, wenn sie alleine in dessen gespenstischen Kellerräumen waren, rekonstruierten sie diese Räume virtuell als Computersimulation, die, wenn sie mit einer 3D-Brille und Kopfhörer in Abhängigkeit von eigener Bewegung wahrgenommen wurden, diesselben Geisterwahrnehmungen hervorriefen: Das Gefühl, dass da jemand um den Besucher schleicht, ein seltsamer Windhauch umgeht, die Haut an den Armen zu brennen beginnt und ein sich bis zu einer raunenden Sprache steigernden Stimme aus entfernten Fluren hallt (Richard Wiseman, 2001). Es scheint visuelle Formen und Strukturen zu geben (hier sind es weit verwinkelte leere Kellerfluren mit fremden Raumklang und Nachhall), die das Selbsterleben in ganz bestimmte Wahrnehmungen zwingt. Einzig, was sie unter der Bedinguing absoluter Isolation in Gang setzen, unheimliche Gefühle von Gespenstern oder ähnlichem, ist als eine besondere Art von Lebensangst nachvollziehbar. Propagandisten, Psychologen und andere Gurus kennen dieses Phänomen zur Genüge und setzen es für ihre Zwecke nach Belieben ein (vergleiche z.B. die Isolation bei der sogenannten Urschrei-Therapie nach Janov, die Hyperventilationsübungen vor "Transzendezerfahrungen" asiatisch ausgerichteter Selbsterfahrungsgruppen, spezifisch instrumentalisierte sexuelle Stimulationen als Mittel esoterischer "Bewusstseinserweiterung", oder auch die Empfindungen in Menschenmassen, die gesetzmäßige objektive Abläufe haben (s.a. Populismus), - und nicht zuletzt der gesamte Drogenkonsum, der den Körper objektiv so stimuliert, dass er für bestimmte Wahrnehmungen oder einfach auch nur Enthemmungen der Seele bereit ist (s.a. Sucht). Aber völlig grundlos können solche Gefühle nicht sein, denn wir kennen sie aus gänzlich anderen Anlässen auch wohlbegründet und - wenn auch vielleicht weiter vermittelt - voller Sinn. Wo wir z.B. Unheimliches wahrnehmen, lässt sich durchaus erschließen, welche Heimlichkeiten wir dabei wahrhaben, z.B. all die eng begrenzten Grenzenlosigkeiten unserer Liebe und Kultur, den Konsum von Nutzen, dessen gegenständlicher Zusammenhang (s.a. Ware) uns vielleicht auch gänzlich fremd ist (s.a. Warenfetischismus). Jedes "psychische Symptom" (z.B. Depression, Platzangst, Panikattacken, Wahnsinn) gibt nach hinreichend gründlichem empathischen Verstehen Auskunft über die Grundbefindlichkeiten unseres Lebens, wie wir es - für die unmittelbare Wahrnehmung manchmal unerkennbar - wahrhaben. Objektive Gefühle wären eigentlich alle Gefühle, die gegenständlichen Ausdruck haben (z.B. in Grafik, Kunst, Architektur usw.), wenn sie ihre subjektive Herkunft verloren, ihre Welt verlassen haben. Das reicht aber nicht zur Erklärung, warum sie eigene Wirkung haben. Objektiv können Gefühle nicht durch bestimmte Wahrnehmung von bestimmten Lebensäußerungen werden, sondern durch unbestimmte: Durch Gewohnheit. Für sich existieren solche Gefühle erst, wenn sie eigene Wirkung und damit Wirklichkeit bekommen: In den Lebensräumen (siehe Logik der Kultur Teil 2), die sich darauf gründen (siehe Lebensburg). Dort werden sie zu Gefühlen, welche eine objektive Notwendigkeit subjektiv wahrmachen, also fremden Sinn als einen Übersinn wie eine eigene Wahrheit dadurch wahrmachen, dass sie die Wahrnehmung des Einzelnen für sich aufheben (s.a. Gemeinsinn, Familiensinn). Die Macht dieses Sinns setzt eine Beziehung in einem notwendigen Lebensraum voraus und setzt sich gewöhnlich durch ein Schuldgefühl um, in welchem die Unterworfenheit eigener Wahrheit anerkannt ist. Es ist die Grundlage für seelische Bedrängnung (siehe Verrücktheit). Allgemein wird diese Bedrängung zur alltäglichen Notwendigkeit in ästhetischen Verhältnissen (siehe Logik der Kultur Teil 3). Dort haben objektive Gefühle ihr absolutes Dasein und vermitteln die Notwendigkeiten der Seele durch den Eindruck, den sie auf andere macht. Sie drückt dabei nur aus (siehe Ausdruck), worin sie existiert und beeindruckt mit dem, was sie darin hat: Design und Mode. In solchen Verhältnissen wird aus den objektiven Gefühlen ein ästhetischer Wille, der einen Gemeinsinn nötig hat, in welchem der Sinn zwischenmenschlicher Verhältnisse sich in gegenseitiger Hinhaltung von Bezogenheiten entstellt (s.a. Scheinwelt) und dadurch objektive Wirkung auf alle Menschen hat. Hieraus bildet sich ein kultureller Volkskörper, der keine Seele nötig hat, weil er darin allgemein ästhetischer Wille ist. Solches objektive Gefühl, das sich erst im Massenmenschen wirklich ausbreitet, ist das wichtigste Mittel jeder Propaganda und besonders der des Faschismus. |
s.a. | |
Das objektive Sollen ist ein Begriff des Idealismus, namentlich des Hegelschen, der die Idee des Weltgeistes als objektiven Willen begreift, der in der Sache selbst als objektives Sollen wirkt, als ihre Bestimmung und Fortbestimmung. Etwas wird, weil es dem Geist und seinem Wesen nach sachlich, also objektiv sein soll. Dieses hat Karl Marx als Fortbestimmung einer Formbestimmtheit nachgewiesen (siehe Wertform), welche der Erscheinung der bürgerlichen Produktform entspringt (siehe hierzu auch Warenfetisch). |
| |
Objektivität bezeichnet eine Welt gegenständlicher Wirklichkeit. Meist wird der Begriff verwendet, um die vermeinte Wahrheit einer Aussage als Urteil über einen Verhalt zu bestärken. Er beansprucht damit auch oft, dessen Gültigkeit über die Subjektivität als ein höheres Wissen zu stellen, weil subjektives Wissen zufällig, also ohne Regel, ohne Prinzip sei. Hierbei wird Subjektivität allerdings nur als Individualität verstanden, die aus ihrem vereinzelten und oft isolierten Gesichtsfeld heraus natürlich nicht unbedingt in der Lage ist, alle Sachzusammenhänge zu erfassen und zu erkennen. Von daher ist wissenschaftliche Methodik als allgemeinere Methode der Erkenntnis nötig, welche die Beziehungen ihres Gegenstands auch außer sich begreifen muss. Aber diese kann nicht im Gegensatz zu menschlicher Subjektivität stehen, ohne im Dienst seiner Entfremdung zu sein. Objektivität kann in Wahrheit nur eine Form der Subjektivität sein, ihre wirkliche Beziehung und ihre Verhältnisse, die allerdings dann auch als entfremdete Verhältnisse begreifbar werden können (siehe Dialektik). Von da her steht zur Reflektion hierzu die Untersuchung an, wieweit wissenschaftlich objektive Methoden das Subjekt einbegreifen, seine Individualität im Zusammenhang seiner Objektivität begreifen und objektiv bewahrheiten, also als Form von Subjektivität beweisen. Solche Wahrheit beansprucht also im Grunde die gesamte Erkenntnis des menschlichen Lebens als Wissen des Seins, als Bewusstsein. Dies wird bei der Verwendung des Begriffes von bloßer Objektivität aber dann umgangen, wenn sie sich auf Vernunft beruft. Die Gleichsetzung dieser Vernunft mit der Objektivität des Lebens schlechthin entspringt dem Erkenntnisinteresse der Aufklärung. |
s.a. | |
Obsession siehe Besessenheit | ||
|
| ||
„Die wirkliche Ökonomie Ersparung besteht in Ersparung von Arbeitszeit; ... Diese Ersparung ist aber identisch mit [der] Entwicklung der Produktivkraft.“ K. Marx, Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, S. 599. Ökonomie ist sowohl ein Begriff für Wirtschaft, wie auch für ihre wissenschaftliche Beschreibung, eigentlich eine reelle Wissenschaft, die Lehre vom Wirtschaften. Die bürgerliche Ökonomie beschränkt sich in ihren Beschreibungen allerdings weitgehend auf das, wie sie als nationale oder betriebliche Gegebenheit erscheint, ohne ihren menschlichen Ursprung, die Lebensproduktion des Menschen als wirklichen Lebensprozess zu begreifen. Hierdurch unterwirft sie sich der Abstraktion vom Selbsterzeugungsprozess des Menschen und verbleibt in den Gegebenheiten der Realabstraktionen, welche die Wertverhältnisse den Menschen zumuten und ihr Leben entfremden. Von daher ist die bürgerliche Ökonomie ausschließlich den Wertverhältnissen dienstbar und vertritt ihre politische Gewalt als Affirmation von bürgerlicher Politik überhaupt. Karl Marx hatte sich aus der Kritik der Philosophie als Interpretation und Weisheit der bürgerlichen Gesellschaft dahin entwickelt, die politische Begrifflichkeit als praktisches Verhalten der Wissenschaften zu kritisieren und die Abgetrenntheit des bürgerlichen Bewusstseins zu einer Kritik der Abstraktion zu treiben. In seiner Kritik der politischen Ökonomie bezieht er sich daher auf den politischen Gehalt der Nationalökonomie, auf die Abstraktion von wirklich konkretem Menschsein in den Wertverhältnissen. Damit entschleiert er deren Zweck, den politischen Gebrauch von Ökonomie und die darin eingebundenen Vorstellungen und Ideologien als notwendigen Schein abstrakter Lebensverhältnisse (siehe auch Warenfetischismsus). | s.a. Zur Kritik der politischen Ökonomie: Themenabend: | |
Okkult ist das Verborgene, das Übersinnliche, das nicht sichtbare Wesen, das jenseits allen Seins der Kultur behauptet ist. Okkulte Kultur ist die reine Geisterkultur (Gespenst). |
| |
"Das wirkliche Geschehen in der Zeit ist der psychologische Akt, durch den wir sie denken, und zwar ist dies ein realer Vorfall, eine tatsächliche Veränderung in der Abfolge der Augenblicke. Unser Wissen oder Nichtwissen von ihnen ist das, was strenggenommen eine Geschichte hat. Gerade dies aber ist als Tatsache geheimnisvoll und beunruhigend, da es geschehen kann, daß wir mit einem unserer Gedanken, der nur transitorische, flüchtige Wirklichkeit innerhalb einer im höchsten Grade flüchtigen Welt besitzt, etwas andauernd Beständiges und Überzeitliches zu fassen bekommen." José Ortega y Gasset, Was ist Philosophie? Ontologie ist ein Begriff der Philosophie (erstmals 1613 verwendet Goclenius, 1656 von Clauberg), mit welchem eine eigenständige "Lehre vom Sein im allgemeinen" (Christian Wolff) eingegrenzt wird als "Logik des Begriffs des Seins" (Philosphisches Wörterbuch von Georg Klaus und Manfred Buhr). Als "Lehre vom Sein als solchem" (N. Hartmann) erscheint sie wie das Kernstück der Philosophie, welches G. Jakoby dahin relativiert hat, dass Ontologie die Lehre von "dem Seienden unter dem Gesichtspunkt des Seins" sei. Für ihn war sie schließlich die "Lehre von dem unabhängig von dem erkennenden Bewusstsein an sich Bestehenden überhaupt", also letztlich eine moderne Metaphysik, die sowohl mit der Vernunftbestimmung von Kant korrespondiert ("synthetische Apperzeption a priori"), als sie auch in der Wesenslogik bei Hegel definitiv enthalten ist als "Lehre von den abstrakten Bestimmungen des Wesens" (Enyklopädie § 33). Durch Heidegger schließlich wurde das Sein selbst zur abgetrennten Wesenheit einer weltgeistigen Logik (Identität von Logos und Sein), die sich dem Dasein nur erschließen, niemals aber darin beweisen lasse, und daher nur als "Lichtung" in der Finsternis des Seienden hervorscheinen könne (siehe Phänomenologie). Ontologie ist die Behauptung einer Logik des Seins, also die Behauptung, dass es eine Logik gäbe, die allem Sein (also auch jedem bestimmten Sein) inne und also vorausgesetzt ist. Jede Geschichte soll somit aus der Seinslogik heraus selbst allgemein und absolut begründet sein, jede einzelne Geschichte als relatives Sein einer absoluten Geschichte (vergl. hierzu auch den Triebbegriff), geworden aus ihr als Genealogie von ihr. Gedanklich wird hierdurch das Sein als Seinsbestimmung genommen, also als affirmierte Gegebenheit des Seienden, selbstgründet durch seine Idealität. Nicht was ist, wird einer Analyse seiner Bestimmungen und Bestimmtheiten unterzogen und diese als Grund der Wirklichkeit, als Verhältnis von Ursache und Wirkung erkannt, sondern was diese als Bestimmungen des Seins und seiner Logik offenbaren, macht Ontologie aus. Bestimmungen des Wirklichen werden so zu einer unendlichen Bestimmung des Seins wie des Bewusstseins, bzw. zum Begriff einer unendlichen Notwendigkeit, zur Unendlichkeit einer Lebensnot, Ausdruck eines Lebenskampfs. Es gibt aber keine Bestimmung des Seins und kein hiervon abhängiges Bewusstsein. Es gibt aber auch kein vom menschlichen Bewusstsein unabhängiges Sein an sich, das wie ein ontologischer Grund in der Geschichte sich gleichbliebe, etwa als Trieb oder Naturzweck oder ähnliches. Geschichte ist immer seiend, auch wenn sie sich ändert. Sie hat kein Sein, was ihr außer der Lebenswirklichkeit der Menschen verbliebe. Darin ist Geschichte auch als Naturgeschichte enthalten, Empfindung auch als Naturempfindung. Geschichte selbst ist Sein und Seiend (siehe Historischer Materialismus), auch wenn sich das Seiende durchaus hiervon unterscheiden kann und nach Veränderung, nach einem Zurückkommen des Menschen auf ein erneuertes Sein verlangt (siehe Revolution). Die allgemeinste Formulierung von Ontologie ist Hegels "Wissenschaft der Logik", ein Werk, in welchem das Sein in die Geschichte als das Werden des Begriffs dadurch eintritt, dass es sich unmittelbar sich selbst entgegensetzt, sich nichtig setzt als anderes, weil das Anderssein ein logisches Implikat des Seins (nicht des Soseins) sei. Die Logik in ihrer vollkommenen Substanzlosigkeit ist als höchste Abstraktion von Geschichte für Hegel nicht Gedankenreflexion, sondern für sich und ausschließliche Gedankenabstraktion, Ideal festgehalten als Idee des Seins, als Geist, der wie ein Gott in die Geschichte tritt, darin sich verwirklicht, ihr vorausgesetzt und in ihr zu sich kommend. Die Reflexion vollzieht sich nach Hegel selbst als Verstofflichung geistig bestimmter Geschichte, als ihr Geist und Weltgeist, der alle Bestimmungen ihres Werdens ausmacht. Die Menschen können dies nur kommentieren und interpretieren, aber was sie ausmacht, ist alleine die Subjektivität des objektiven Geistes, sie verkörpern ihn und drücken ihn in der Vernunft ihrer Tätigkeiten aus. Das ist Ontologie in Hochform. Dieser Auffassung hat vor allem Karl Marx darin widersprochen, dass die Reflexion nicht dem Menschen vorausgesetzt ist, sondern er sich selbst in ihr begreift, ihr inbegriffen ist. Geschichte ist sich selbst evident als menschliche Tat, die sich in ihrem Gegenstand, also in ihrer objektiven Sachlichkeit bewahrheitet, sich in ihrer Sache beweist, darin ihre Wahrheit erweist, ob und wieweit sie Ding oder Unding ist. Auch Adorno sieht in der Kritik der Ontologie das wesentliche Anliegen einer Kritischen Theorie, da die Seinsbestimmung für sich immer eine quasi religiöse Bestimmung ist, ein allem vorausgesetztes Ansich-Sein, das eine "höhere Wahrheit" darstellen soll. Aber auch dessen Umkehrung zum rein begrifflichen Sein betreibt eine Verkürzung des Denkens zur methodischen Abstraktion, die nur konkret sein will, aber als negative Dialektik auch nur negative Ontologie ist, also ein Moment ontologischen Begreifens - auch wenn er scheibt: „Kritik an Ontologie will auf keine andere Ontologie hinaus, auch auf keine des Nichtontologischen. Sie setzte sonst ein anderes als das schlechthin Erste; diesmal nicht die absolute Identität, Sein, den Begriff, sondern das Nichtidentische, Seiende, die Faktizität. Damit hypostasierte sie den Begriff des Nichtidentischen und handelte dem zuwider, was er meint." (Theodor W. Adorno) Marx geht bei der "Betrachtung der bisherigen Geschichte" davon aus, dass sie eine Logik hat, soweit sie für den Menschen sich noch ganz vollzieht, sondern noch Geschichte von Klassenkämpfen ist. Damit meint er keine Seinsbestimmung einer notwendigen Form als Klasse (siehe Diktatur des Proletariats), sondern die Bestimmungen im Sein, dessen Formbestimmung. Von da ist auch seine meist völlig falsch verstandene Formulierung über das Bewusstsein zu verstehen: "Das Bewusstsein kann nie etwas anderes sein, als das bewusste Sein und das Sein der Menschen ist ihr wirklicher Lebensprozess." (MEW 3. S. 26), darin ist der Kern des historische Materialismus formuliert. Die Aufhebung der widersprüchlichen Lebensbedingungen der Menschen ist nicht seinsbestimmte Notwendigkeit, - sie ist aus den wirklichen Lebensprozessen heraus logisch, wenn sich die Menschen nicht selbst aufheben wollen und also ist sie den Menschen notwendig. Dieser Materialismus ist daher keine Ontologie, sondern eine Logik des Mangels, eine Logik der Notwendigkeit. Diese besteht aus der Unvollständigkeit der menschlichen Sache, die sich in ihrer widersprüchlichen Wirklichkeit selbst beweist, sich als Schmerz der Geschichte zeigt, als Wehen der Menschwerdung, deren Sinn sich durchsetzt, weil jeder Schmerz sich lösen muss, sich aufheben muss in einem erneuerten Sein. Die sich noch im Begriff befindlichen Menschwerdung der Natur als Natürlichkeit des Menschseins, als menschliche Gesellschaft, lässt sich nur an der bisherigen Geschichte zeigen als Entstehungsgeschichte der menschlichen Sinne, nicht als Seinsbestimmung, sondern als werdendes Sein, als seiender Prozess aus der Naturempfindung hin zur wirklichen Naturmächtigkeit des Menschen durch seine gesellschaftlichen Natur, welche es ihm ermöglicht hat, den Naturstoff, die Elemente ihrer Materie, Feuer, Luft, Erde, Wasser, Licht, in eine ihm eigene Beziehung zu stelllen und hierdurch menschlichen Reichtum zu erzeugen. Darin sieht er den Inbegriff einer Bewegung, nicht als Begriff eines Ziels. Was wird, ist im Gegenwärtigen sowohl enthalten wie es darin auch beschlossen und entschieden wird, ist wirkliche Geschichte. Diese folgt nicht einer Naturbestimmung, wie es Engels nahelegte, sondern ist der Fortgang einer naturlichen Entwicklung, welche in ihrem Sinn jederzeit und in jedem ihrer Momente begriffen werden kann und also nicht ontisch begriffen ist. Aber hieraus lässt sich dennoch ein Begriff des Werdens indem herausarbeiten, was die Logik der Formbestimmung gegenwärtiger Gesellschaftlichkeit ausmacht. Es lässt sich also formulieren, was menschliches Werden von der Logik der Sachzwänge unterscheidet, was also in unserer wirklichen Geschichte nicht eigentlich menschlich ist, weil es Verfremdung menschlichen Eigentums ist. So ist z.B. Kommunismus keine Idee, kein Ziel, sondern die wirkliche Bewegung der Geschichte der bürgerlichen Gesellschaft, das, was sie selbst aus sich hervortreibt, wenn sie nicht in Selbstaufhebung, in Barbarei enden will, was aber von Menschen praktisch verwirklicht werden muss, soll ihre Geschichte auch wirklich menschlich werden.. Die bürgerliche Gesellschaft gilt für Marx als hochentwickelte Materialisierung einer Menschwerdung, in welcher der Reichtum an Lebensmittel und Produktionsmittel wie auch die Entwicklung der menschlichen Sinne an der Schwelle zu einer wirklich menschlichen Gesellschaftlichkeit stehen, so die Gesellschaftlichkeit der Sachen zu einer Sachlichkeit des Menschseins werde, ihre Mythologisierung (s.a. Religion) abgestreift und menschliche Bedürfnisse in der Vielfalt des menschlichen Reichtums als deren Eigenheit und Eigentümlichkeit begriffen sind: Aufhebung menschlicher Entfremdung und Selbstentfremdung durch Aneignung des gesellschaftlichen Reichtums der Menschen, Aufhebung seiner privaten Form. Dies verlange eine Abwendung von jeglicher Ontologie, also ein vollständiges Bewusstsein des Menschen über die eigenen Grundlagen seines Werdens, seiner Natur und seiner Arbeit - nicht, weil er an sich Natur oder an sich Arbeiter wäre, sondern weil ihm die Natur seiner Arbeit als Material seines Menschseins gegenwärtig sei, seine Gegenwart ist. Dies macht sein Sein und dessen Wahrheit aus. Es gibt zwar keine Wahrheit des Seins, aber es gibt eine Wahrheit der Erkenntnis darin. Wahrheit ist die Einheit der Erkenntnis im Sein mit ihrem Gegenstand. In Wahrheit ist alles eins. Das Unwahre gibt es nicht (siehe Kritik an Adorno).Das Resultat der Erkenntnis ist das bewusste Sein als Bewusstsein. Dies ist damit das Wissen um die Natur des Menschseins wie auch um die Menschlichkeit der Natur in der geschichtlichen Menschwerdung des Menschen. Diese Auffassung wurde mit historischem Materialismus bezeichnet. Sie steht jeglicher Ontologie diametral entgegen. Die Dialektik dieser Auffassung gründet nicht auf der Logik des Seins, sondern auf der Geschichtlichkeit der Materie, also auf der Gewordenheit von Dingen, auf dem Prozess, in welchem sie ihre Wirklichkeit gewinnen, auf einem Ding, was also Unding ist, Sache, die einerseits schon ist, aber andererseits noch geschichtliche Taten erfordert, um wirklich menschliche Sache zu sein. Die Kritik jeglicher Ontologie ist hierfür Voraussetzung. Das impliziert vor allem die Kritik von Politik und Ideologie überhaupt, welche die sachlichen und geistigen Abstraktionen unterhalten (s.a. Realabstraktion, Gedankenabstraktion). | s.a.
| |
Die Opposition ist ein Moment des politischen Willens, der in einer repräsentativen Demokratie meist von einer politischen Partei formuliert wird. |
s.a. | |
Ordung ist ein System von Phänomenen, die nach Kriterien bezogen werden, die an sie angelegt werden, gleichgültig, wie und ob sich diese Kriterien auch als Wesensmerkmale bewahrheiten. Ordnung ist daher ein phänomenologischer Begriff (siehe Phänomenologie), dessen Substanz das Kriterium ist, das sich aus den Notwendigkeiten des Ordnenden ergibt. Diese werden gerne als prinzipielle Eigenschaften des zu ordnenden Gegenstands ausgegeben, indem das Prinzip meist einer Wesensmythologie (siehe Archetypus) entnommen wird (vergl. z.B. Hellinger: "Ordnungen der Liebe"), Hierdurch ist Ordnung monistisch begründet und in sich statisch, bewegungslos. Das immanente Bestreben der Ordnung ist die Restauration und Konservierung einer Struktur nach Maßgabe der Gewohnheit, also wesentlich konservativ. Weil aus Ordnung sich nichts neues bilden kann, entsteht Fortschritt auf dieser Basis nur durch Unordnung, als totales Anderssein). Dies ist auch umgekehrt der Grund, warum seelische Bestrebungungen nach Ordnung einem inneren Chaos entspringen, das sich an weltlichen Prinzipien festhalten will. Es ist meist verbunden mit reaktionären Verarbeitungsweisen und Angst vor Lebendigkeit (siehe auch Lebensangst). Ordung ist das System der Gewohnheiten, die als Logik der Gegebenheiten aufgefasst wird, ein subjektives Urtel über eine Struktur und Beziehung von Eigenschaften, die in ihrer Abstraktion belassen sind. Sie ist ausschließlich praktisch und in dieser Ausschließlichkeit dort notwendig, wo das >Praktische für sich ohne Not sein muss, zum Beispiel effizient. In der Ordnung ist alles auf seine unmittelbare Nutzen reduziert. Von daher ist sie für sich nur totale Form unbezogener Teile und also auch totalitär. Erst in der Erkenntnis einer Systematik wird dem Gegenstand selbst, also objektiv, die innere Beziehung seiner Ganzheit entnommen und dies verlangt nach Analyse, nach Zerlegung und Durchdringung des Ganzen, aus der die Beziehung der Teile als notwendige Beziehung nachweisbar wird, sobald die Substanz ihrer Bezogenheit erkannt ist. Ohne dies muss Ordnung notwendig gewaltsam werden, Zsammenhänge bestimmen, die nicht in der Sache selbst sind, als nach Zwecken zusammenfügen, die einer Gedankenabstraktion folgen. Ordnung ist ein Herrschaftsinstrument der Funktionalität des praktisch Notwendigen und kann von daher nicht wesentlich sein. Eine wesentliche "Ordnung der Dinge" gibt es nicht. Ordnung ist im Bezug auf das Nützliche nicht nur aus der Effizienz bestimmt. Sie bestimmt auch die Praxis zu einer Nutzung der Eigenschaften, die sie immer in einem bestimmten Zweck ordnet. |
s.a. | |
|
| ||
|
|
||