Buchstabe Pos Im Kontext

Position

Eine Position ist ein einfacher Standpunkt bezüglich eines Zusammenhangs, durch welchen unmittelbar Zugehöriges von allem unterschieden wird, das nur mittelbar dazu gehört. Eine andere Position begründet sich auf dem so ausgeschlossenen als Negation, welche die Vermittlung eines Andersseins enthält, worin der positiv ausgeschlossene Zusammenhang seine vermittelte Wahrheit hat. Der Kern der Dialektik ist die Vermittlung des ganzen Zusammenhangs im Begriff.

s.a.

=> Dialektik

=> Negation

Positives Denken

Wenn man nicht weiter weiß, dann kann man sich nur in der Bewertung unterscheiden. Und so hören wir zunehmend auch von den Politikern bei der Einschätzung unserer Wirtschaftssituation, dass es besser sei, von einer positen Einstellung auszugehen, als von einer negativen. So erscheint dann auch immer gleich das berühmte Glas, für das es angeblich ein Unterschied sei, ob man es als halbleer oder halbvoll ansehe, wenn denn sein Flüssigkeitspegel in der Mitte ist. Die Sprache liese im Zusammenhang des Sprechens nicht zu, sich hierbei frei zu sehen: Vom Standpunkt des Trinkens ist ein Glas z.B. immer halb leer und vom Standpunkt des Einschenkens immer halb voll. Aber sieht man von all dem ab, abstrahiert man also von allen Zusammenhängen, dann kann man dies auf ein Fakt reduzieren, das sich wie ein physikalisches Objekt genausogut halbleer wie halbvoll bezeichnen lässt. Das hat wenig mit Denken, dem Entwickleln von Gedanken, zu tun. Aber wenn man von einem halbvollen Glas spricht, so kennzeichnet dies das positive Denken.

Und dieses verleihe Kraft und Energie, heißt es. Es eröffne Welten, die durch Zweifel, Kritik und Infragestellung verborgen blieben. Wer nie durch Auflösung von Zweifel, durch Kritik, d.h. Selbstunterscheidung, oder Gedanken, welche aus gegebenen Widersprüchlichkeiten über diese hinausgreifen, Kraft gefunden hat, mag so etwas glauben. Für ihn ist das positive Denken der Kick zu einer Lebensaktivität, die er für sich sonst nicht hätte und die vor allem die Lähmungen der Gedankenlosigkeit zumindest in ihm selbst auflöst. Er muss sich hierzu lediglich über die Bedingungen seines gegenständlichen Lebens erheben.

Das Positive Denken bezieht sich auf subjektive Wertschätzung und sieht sich darin bestätigt, dass durch Beseitigung negativer Wertschätzungen tasächlich Bewegungen entstehen, die ohne diese nicht wären. Positiv sind diese Bewegungen allerdings nur, wo die Negation keinen Sinn hat, wo sie keiner Wahrnehmung mehr entspricht. Positives Denken will sich hiergegen wahrmachen. Da es ausdrücklich darauf verzichtet, was es wahrhat, verlangt es dessen Entwirklichung, die Selbstaufgabe der Erkenntnis hiervon, ist notwendig gleichgültig hierfür. Es behauptet einfach die Güte der Tat, die sich aus der reinen Vorstellung von sich und von anderen durch sich selbst schon ergibt. Insofern ist Positives Denken der Inbegriff jeder bürgerlichen Ideologie, nämlich die Abstraktion von der Wirklichkeit eines Begriffs, seine reine Vorstellung von dem, was das Gemeinte eigentlich sein sollte, seine Teleologie.

Positives Denken war schon immer das Streben bürgerlichen Denkens und Bewusstseins, das darauf gründet, dass es sich voraussetzungslos versteht, dass es Geschichte überhaupt nur in einer Ontologie des Werdens ansieht und also die Welt ihm so ist, wie sie ihm erscheint. In dieser Selbständigkeit als Vorstellung der guten Tat entwickelt es sich allerdings vor allem in den Menschen über jede gesellschaftliche Wirklichkeit hinaus. Es setzt somit voraus, dass sich Menschen auch frei von ihrer gesellschaftlichen Tätigkeit verstehen können und dass sie ihre eigene Tätigkeit gesellschaftslos ansehen können, z.B. als freie Aktivität als Mensch unter Menschen (siehe Zwischenmenschlichkeit), wie das in Dienstleistungsgesellschaften möglich ist. Hierdurch ist selbst die Bindung an den Status des Besitzes aufgehoben, also reiner Geldbesitz als allgemeine Lebensgrundlage vorausgesetzt. Von daher ist das Positive Denken die Höchstform des bürgerlichen Bewusstseins, das lediglich als Vorstellung von sich zu sich kommt und im guten Glauben an die Macht der Güte, die eigene Überzeugung hierdurch gewinnt, sich entfaltet. Von daher ist es der ideologische Kern des Neoliberalismus.

Solcher Glaube stellt sich allerdings notwendig gegen den Unglauben des Negativen; und das sind alle, die ihm nicht folgen können oder wollen. Das positive Denken enthält implizit eine Lebensangst vor allen Andersgläubigen und muss sich früher oder später hiergegen rüsten. Für eine Lebensvorstellung, die keinen Zweifel zulassen kann, ist jede andere Lebensvorstellung einfach nur gefährlich. Das ist die geistige Grundlage von großen Sorgen (siehe Untergangstheorien), wie sie z.B. in Huntingtons Theorie vom "Kampf der Kulturen" verbreitet wurden. Und dieses gilt als einer der ideologischen Pfeiler für die "Weltordnungskriege" der USA.

s. a.

=> Esoterik

=> NLP

=> Entwirklichung

=> Ideologie

webup1a3 Überblick über Geschichte
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quelleup5a27i3a1a Positives Denken (aus "Streifzüge")
 

Positivismus

Der Positivismus ist eine Denkform des Nominalismus und gründet auf der Vorstellung, dass alles Wissen seine Gewissheit nur in Gegebenheiten hat, weil dieseals Tatsache Realität und also schon für sich und nur durch sich zweifelsfrei seien (siehe Sosein). Er lehnt prinzipiell jedes Prinzip ab, das andere Denkrichtungen der Philosophie in ihrem Erkennen und Anerkennen als Trieb des Begriffs verfolgen, als Begriffsubstanz oder als ein Wesen ansehen, welches Gegebenheiten erst begründet und als Teile eines Ganzen erkennbar macht oder sie als Erscheinung dieses Wesens zu erklären sucht (siehe hierzu auch Phänomenologie). Positivismus verneint nicht nur jede Frage nach der Voraussetzung von Erkenntnis (wie z.B. die Frage von Subjektivität und Objektivität des Erkennens), sondern auch ausdrücklich jeden historischen oder logischen Zusammenhang seines Gegenstands. Diesen gibt es eigentlich garnicht im Unterschied zum Subjekt, ist selbst nur so, wie er für dieses ist, also Subjekt und Objekt in einem, das Fragen hat und Antworten sucht. Objektiv ist es nur durch den Beweis, dass es ist und wie es ist, durch die Methode der Wissenschaft, die es als verifizierte Wirkungssystematik beweist. Empirische Zusammenhänge gelten ihm also nur als formale, überzufällige Gegebenheiten, deren begriffliche Unterscheidung sich an Merkmalen festmachen, durch welche Eigenschaften erfasst und in quantitativer Korrelation für wahr oder unwahr gehalten werden.

Wesentlich für den Positivismus ist die Abweisung jedweder Grundfragen der Philosophie, die ihm lediglich Scheinprobleme sind und die er als reine Mythologisierungen des Erkennens, als unwissenschaftliche Bemühungen im Stadium seiner Entstehung ansieht. Der Begründer COMPTES begründet dies mit seinem Dreistadiengesetz, wonach "jeder Zweig unserer Erkenntnisse ... drei verschiedene Zustände (Stadien)" durchläuft, nämlich "den theologischen und fiktiven Zustand, den metaphysischen und abstrakten Zustand und den wissenschaftlichen oder positiven Zustand", welcher erst der eigentlich menschliche sei. Von daher ist für den Positivismus alle bisherige Philosophie eine kümmerliche Form des Erkennens, weil es die Resultate der Geschichte in ihrer Erzeugtheit aus Taten verneinen, als Tatsachen nicht wirklich erkennen und anerkennen würde. So ist auch das Bewusstwerden und Denken selbst nur als Tatsache - in seiner Gewordenheit gleichgültig ob seiner Entstehung eine Sache der Tat. Geschichte selbst ist nur in ihrem Produkt von Bedeutung, da wir tatsächlich überhaupt nur gelungene Geschichte wahrnehmen, die misslungene und selbst verräumt ist. Von daher ist auch alles, was in den Bemühungen des Erkennens und Werdens von Belang gewesen sein mag, für die positive Erkenntnis gleichgültig und zufällig.

Es ist dies das Denken eines subjektiven Idealismus, dem jede Gegebenheit für sich spricht und in seiner Wirkung nur begriffen und gemessen und bestätigt werden kann als ein Moment objektiver Wirklichkeit. Das Problem jeder Subjektivität ist darin ausgeschlossen, weil vollständig veräußert uind veräußerlicht. Daran kann es keinen Zweifel geben und so ist jede Wahrheitsfrage und jede Erkenntnis von Entfremdung in der Objektivität per se ein Unding. Damit ist jeder Widerspruch selbst zur Unmöglichkeit erklärt. Aber gerade hierauf gründen die Bemühungen der Dialektik, besonders des historischen Materialismus und seines Gegenstands: Der Kapitalismus.

s.a.

=> Faktenglaube

quelleup5a11a1a Faktenglaube

Positivismusstreit

s.a.

=> Positivismus

=> Adorno

Positivität

Positivität grenzt sich von Negationen ab und bestimmt sich daher selbst negativ hiergegen. Sie vermittelt sich aber als ausschließliche Position hiergegen, als Monismus, oft als Position des Schönen und Guten oder des guten Menschseins (s.a. Ethik). In dieser Isolation ist Positivität eine schlechte Negation.

s.a.

=> positives Denken

Postmoderne

s.a.

=> Moderne

=> Konstruktivismus

=> Derrida

webup1a2b Postmoderne im Netz
webup1a2a1 Über Postmoderne (Knoche)
quelleup5a14b2a Ende des Fordismus

Postone, Moishe

Moishe Postone begreift den Kapitalismus als eine Gesellschaft, die sich nicht in der Wertform bestimmt, sondern durch den Wert verfälscht sei, also im Gegensatz zu einer wahren Gesellschaft begriffen werden müsse. Dies steht in einer konsequenten Nachfolge zum Denken von Adorno - nämlich dem Interesse, das Falsche eines ganzen Zusammenhang gegen den Begriff von einem Leben zu halten, das sich in einer anderen Welt erst vollziehen kann. Damit ist nicht mehr die Widersprüchlichkeit dieser Welt als Lebensform der Menschen die unmittelbar praktische Grundlage ihrer Geschichte und Veränderung, sondern die Wahrheit eines Begriffs, der unter der Hand zu einem Begriff der Wahrheit des Lebens gerät.

Der Wert ist für Postone die Vermittlungsform von Arbeit, die darin mit ihren Produkten gleichgesetzt ist, also Arbeit überhaupt in der Form einer Warenwelt, in welcher die Produkte analog gleichgesetzt wären, wie Arbeit gleichgesetzt ist. Wert ist damit lediglich der Begriff einer Abstraktion, welche eine Eigenschaft der Ware selbst ist, ihres Daseins in der Produktion wie als Produkt, ergibt sich also nicht als Form des Austauschs von Arbeit und Produkt, als Ausdruck eines ausschließlichen Verhältnisses, worin alleine eine Abstraktion die Beziehung ausmachen kann, sondern ist als Wertform lediglich die Form einer Abstraktion, von daher eine unwahre, falsche Eigenschaft der Produkte, wie sie im Kapitalismus nun mal existieren. Wert wird auf diese Weise zum Begriff des "Fehlers", Produkte überhaupt zu vergleichen, als ob alleine der Vergleich den "Fehler" begründen würde. Der Wert als Abstraktion einer wirklichen gesellschaftlichen Beziehung von Arbeit und Bedürfnis, die ihre Gesellschaftlichkeit nur abstrakt hat, wird hierdurch zu einem Fehler des Abstrahierens und verlässt als solcher die praktische Lebenswelt der Menschen - als "falsches Denken" ebenso wie als falsches Sein. Dies vereinigt sich im Begriff des Warenfetischismus, den Postone für den zentralen Begriff des Kapitalismus hält

Der Wert ist für ihn also nicht selbst praktische Aufhebung des Widerspruchs von Produktion und Produkt in der Wertform, worin substanzielle Gleichgültigkeit, Wert, erst in ihrer ausschließlichen Existenz wirklich entsteht. Arbeit wird durch diese Denkweise selbst schon zu der Abstraktion, die sich im Austausch der Produkte lediglich analog bestätigt. Umgekehrt wird somit der Produktentausch selbst die Bestätigung der abstrakten Arbeit - ein frühsozialistisches Mißverständnis, das Marx schon ausführlich angesprochen und auf seine affirmativen Implikate hin ausgeleuchtet hatte (siehe hierzu die Ausführung von Marx, z.B. in Textstelle 35). Hierdurch werden die gesellschaftlichen Verhältnisse nur noch durch ein äußeres Subjekt beherrscht, einem äußeren Wertsein als Verwertungszwang, durch eine tautologische und also unnötige Selbstbezogenheit des Wertes, die durch eine Wertvergesellschaftung betrieben sei, also durch Heranziehung von Wert in eine Gesellschaft, die damit verfälscht und mißbraucht werde. Damit ist Gesellschaft als an und für sich unberührtes Ideal, jenseits ihrer Wirklichkeit begriffen, nicht als vermittelst der Wertverhältnisse und dessen Revolutionierung erst werdende Gesellschaft, sondern als eine vorhandene Gesellschaft, die durch den Wert nur verfälscht würde, der Wert nicht ihre überkommene Form, sondern per se ein fremdes Wesen ohne wirklichen Belang sei - weder eine für ihre konkreten Verhältnisse notwendige Abstraktion (siehe Realabstraktion), noch für ihre Abstraktion von sich nötig, soweit Gesellschaft nicht gebildet ist. Sein wesentlichstes Problem mit dem Kapitalismus ist die Verfälschung des Bewusstseins, welches durch das Warenverhältnis fetischisiert sei. Hierbei bezieht er sich auf die Darstellung des Warenfetischismus von Karl Marx, worin dieser den notwendigen Schein der bürgerlichen Gesellschaft beschreibt, die alleine durch das Verhältnis von Waren gesellschaftlich vermittelt ist, in dem die Verhältnisse der Menschen als Verhältnis ihrer Sachen erscheinen.

Da von Postone der Schein der Verhältnisse nicht als notwendig begriffen ist, also als Form, worin ein Sachzwang Not wendend erscheint, der wirklich gesellschaftlicher Zwang ist, solange die Menschen ihre Sachen nicht in menschlicher Gesellschaft beziehen, gerät ihm das Warenverhältnis zu einer Falschheit, die durch eine Richtigkeit zu überwinden sei: Durch die Bekämpfung eines falschen Bewusstseins mit dem Wissen von einer richtigen Gesellschaft. Es war dies schon immer die Position von Intellektuellen, die sich vom praktischen Bewusstsein der Menschen durch theoretisches Bewusstein enthoben, um es zur Theorie zu agitieren, anstatt sich durch Theorie mit diesem zu verbinden, ihre Gedanken mit der Wirklichkeit als deren "Begriff zum Brennen zu bringen" (Marx), Gedankenabstraktionen als Bewustseinsformen von Realabstraktionen zu begreifen.

Da die Bürger dieser Verhältnisse für Postone nur fetischisiert sind, sich also an das Falsche klammern und es vergöttern, stellt der Kapitalismus vorwiegend ein psychologisches Problem dar. Der Warenfetischismus wird zum Allgemeinbegriff einer Psychologie der Selbstverschuldung, die sich der Erkenntnis des "Falschen" verweigert. Umgekehrt muss das "Richtige" auch nicht in der Wirklichkeit sich selbst beweisen. Die Fehler des Bewusstseins aber haben vor allem in ihm selbst Folgen. Als einer der hervorragendsten wird der Antisemitismus verwendet, der von Postone unmittelbar aus dem Warenfetischismus abgeleitet wird. Die Juden seien für das falsche Bewusstsein die Verkörperung des Geldfetischs, das Bildnis für Wucher und Hinterhalt, dem sich die Faschisten mit dem ebenso falschen Bewusstsein eines völkischen Arbeitsbegriffs entgegengestellt hätten. Er sieht also zwei Seiten des Warenfetischismus im Widerstreit, im Vernichtungskampf der Falschheiten und gibt damit der "Richtigkeit" des theoretischen Bewusstseins eine Überhöhung, die ohne Weiteres dem Prinzip des intellektuellen Moralismus bis zur Sektiererei folgen kann (siehe Antideutsche). Damit wird der tatsächliche reaktionäre Grund des Antisemitismus, die feudalistische Ursprungssehnsucht, wie sie F. Engels herausgestellt hatte, völlig verkannt.

Zugleich wird hierdurch ein "Arbeitsfetischismus" zum Argument gegen die Faschisten im gleichen Maß wie gegen die Arbeiterbewegung. Hierfür sei es nötig, eine grundlegende Revision des Marxismus zu machen und die Kritik des Kapitalismus zur Kritik der Arbeit schlechthin zu wenden. Abgesehen von den ungeheueren Verfälschungen, die hierbei in der Kritik der Arbeiterbewegung notwendig betrieben werden, wird nun auch die Arbeit selbst von ihrem Widerspruch zur Lohnarbeit, dem Verhältnis der Besitzlosen zum Kapital entkernt (dies wird vor allem von den sogenannten Wertkritikern ausgeführt). So wird Postones Marxrevision zu einer Zerstörung des gesamten marxistischen Ansatzes, reduziert auf eine "Richtigkeit", die für sich steht und nur sich selbst richtig erscheinen kann, weil sie den notwendigen Schein der Verhältnisse nicht zu durchdringen vermag. Dies ist an den Begriffen, die hierbei entstehen, allseits zu vermerken, besonders in der mißbräuchlichen Rezeption des Begriffs des Kapitals als "automatisches Subjekt" und des Werts als Inbegriff von Arbeit überhaupt. Aus dem widersprüchlichen Charakter der bürgerlichen Gesellschaft, der in ihren wirklichen Verhältnissen selbst zu seiner Auflösung treibt, wird die monistische Theorie eines werdenden Subjekts, dem leider noch die Wirklichkeit abgeht.

Peinlich für diese Art des "Marxismus" ist die altkulge Verarbeitung des eigenen Unvermögens, Marx nachzuvollziehen. Ihm wird erst zugewiesen, was ihm dann angelastet wird. Als hätte Marx nur über Verteilungsverhältnisse geschrieben oder gar Arbeit als Selbstverwirklichung des Menschseins aufgefasst, so muss denn ein Postone sich dazu aufmachen, mit seinem ziemlich unbedarfen Denken ihn zu einer emanzipatorischen Theorie zu bekehren. Da wird denn Marx zu dem "reinterpretiert", was aus ihm immer schon zu interprieren war:

"Diese Reinterpretation von Marx geht weit über die traditionelle Kritik an den bürgerlichen Verteilungsverhältnissen (Markt und Privateigentum) hinaus; sie ist mehr als nur eine Kritik von Ausbeutung und ungleicher Verteilung von Reichtum und Macht. Sie analysiert die moderne Industriegesellschaft als kapitalistisch und den Kapitalismus als abstrakte Herrschaftsstruktur, als gekennzeichnet von einem zunehmenden Auseinanderfallen von individueller Arbeit und individueller Existenz und einem blinden Glauben an unkontrollierte Entwicklung. Sie sieht die Arbeiterklasse als Grundelement des Kapitalismus und nicht als Verkörperung seiner Negation. Implizit stellt sie ein Konzept in den Raum, in dem der Sozialismus nicht mehr der Selbstverwirklichung von Arbeit und Industrie-Produktion dient, sondern der Abschaffung des Proletariats und der auf ihm basierenden Produktionsform sowohl als auch des dynamischen Systems abstrakter Verpflichtungen, welche die Arbeit als gesellschaftliches Vermittlungsverhältnis mit sich bringt." (Postone in "Welchen Wert hat Arbeit?")

Seltsam! Wie konnte Marx, der doch allseitig über die klassenlose Gesellschaft geschrieben hat, so dumm sein, die Arbeiterklasse unbedingt darin fortbestehen zu lassen? Aber was nicht begriffen ist, das schafft auch keinen Begriff, weil er nicht mehr als Formbestimmung erkannt werden muss, die soweit geht, dass alles Bestehende, also auch die Reproduktion der Arbeiterklasse, einen "systemtranszendenten" Gehalt hat, wenn man den darin bestimmten Inhalt, die Produktivkraft der kapitalistischen Gesellschaft begriffen hat. Dies Begreifen vollzieht sich nicht im "Neid auf das Bestehende", wie Marx es bezeichnet hat, sondern natürlich nur dadurch, dass das Bestehen auf die Angemessenheit von Lohn, Gesundheit, Bildung usw. den Keim der Veränderung in sich trägt - wenn von daher die kapitalistische Gesellschaft auf ihren Sinn und Zweck hin konsequent befragt und ihre Form als anachronistisch im Bezug auf ihr wirkliches Vermögen erkannt wird. Der Kapitalismus lebt zwar davon, dass die Arbeit möglich ist und die Arbeiterklasse sich reproduzieren kann, er entwickelt sich aber im Verlauf seiner Krisen immer wieder zwangsläufig dahin, dass er seine eigenen Bedingungen zerstört. Der Kampf um bessere Arbeitszeiten, Löhne, Bildung und Gesundheit ist dem Inhalt nach daher in der Tat ein Kampf der Klassen, ein Klassenkampf, der nur in der Aufhebung dieser Gesellschaftsform zu Ende gehen kann.

Man findet auch bei Robert Kurz (siehe Wertkritik) diese elendige Bemühung, den eigenen Verstand über das kursorische Verständnis seiner Zeit zu heben, indem er dieses erst mal verdummt um sich hiergegen als neuen Verstand herauszukehren. Ensprechender Missionseifer spricht auch aus der Überheblichkeit seiner Texte. "Die Linke", die Arbeiterbewegung und die Widerstandsbewegungen der Dritten Welt bleiben darin eben so dumm, wie sie im Vermögen seiner Kritik entsprechend begriffen wurden.

s.a.

=> Antideutsche

=> Wertkritik

quelleup5a9a2a1a Kritik an Postone (Karl Reitter)
quelleup1c3a1a1 Antisemitismus nach Postone
quelleup1c3a1b "Struktureller Antisemitismus"
quelleup2a1a2b1 Wert als "Automatisches Subjekt"
Erlautup1a1a1 Arbeit als Agitationsbegriff