Buchstabe U Im Kontext

Überalterung

Die Alterspyramide der BRD zeigt einen alarmierenden Verlauf bis zum Jahr 2030. Es erscheint demnach auch plausibel, dass eine Bevölkerung sich nicht mehr problemlos reproduzieren kann, die eine deutliche Überalterung aufweist. Dies hat jedoch nichts mit Überbevölkerung zu tun, sondern mit der Ausgrenzung der Reproduktion des Lebens aus dem Vermögen das den Menschen zur individuellen Reproduktion zur Verfügung steht. Nichts ist teurer, als Kinder zu haben; und nichts erfordert mehr Arbeit, die andere als Freizeit haben.

Die Alterspyramide wird gerne als Folge der Lebensverlängerung durch die Medizin ausgegeben, also durch Erweiterung der Fähigkeit der Wissenschaften bewirkte Überbevölkerung sei. Hier muss Fortschritt und Technologie wieder mal als Grund für die Krisenerscheinungen des Kapitalismus herhalten. Natürlich weiß man, dass derselbe Fortschritt auch dafür taugt, die Arbeit zu mindern, den Arbeitstag zu verkürzen und immer mehr Menschen mit den nötigen Lebensmittel zu versorgen. Es zeigt sich, dass viel Verdunkelung nötig ist, damit die Überbevölkerung und Überalterung nicht als Folge der Rate des relativen Mehrwerts erkannt wird, wonach die Masse der Technologie in ihrer Wertform (als konstantes Kapital) in immer größeren Widerspruch zur Masse der Reproduktionsaufwendungen (variables Kapital) gerät und hierdurch die Krisen des Kapitalismus verursacht.

s.a.

=> Überbevölkerung

Der Marxsche Begriff der relativen Überbevölkerung in der Systematik der Kulturkritik

zitatup1j1a1a1 Übervölkerung
statist2up
Altersstruktur in der BRD
statist2up3b1
Arbeitsleben in der Bilanz

Überbau

Überbau ist ein strukturalistischer Begriff für Hochkultur., der allerdings diese nicht von Kultur unterscheidet. In der linken Debatte wurde er als Sammelbegriff für alle Phänomene bürgerlicher Reflexionen im Sinne einer Widerspiegelungstheorie verwendet, also eine Sphäre des Bewusstseins, der Kultur (einschließlich Sitte und Gebräuche und Kunst) und der bürgerlichen Institutionen (einschließlich Staat und Wissenschaften). Dem wurde eine sogenannte Basis unterstellt, die rein ökonomisch sei, wobei Wirtschaft und ihre politische Form meist nicht unterschieden, sondern diese sogar meist als politische Ökonomie positiv vermengt wurde. Der Begriff Überbau war damit völlig unkritisch, eigentlich antikritisch, und daher kurzschlüssig und blockierte vor allem die inhaltliche Auseinandersetzung mit Staat, Kultur und deren Phänomenen. Diese wurden als bloßer Widerschein von ökonomischen Interessen angesehen. Es wurde hierbei das Anliegen von Marx, eine Kritik der politischen Ökonomie zu betreiben, zu dem Anliegen verkehrt, alle Phänomene der bürgerlichen Reflexion auf die Bedingung der bürgerlichen Gesellschaft zu reduzieren. Damit wurde diese absolut und unbedingt, also bedingungslos gemacht (siehe DDR).

So wurde ein Verständnis von Sozialismus entwickelt, dass dieser als eine von bürgerlichen Überbau-Interessen "gereinigte" politische Ökonomie zu verstehen sei. Die folgenschwerste Stilblüte dieses Strukturalismus war der sogenannte "Realsozialismus", welcher das Wertgesetzt als das notwendige Gesetz gerechter Verteilung von Arbeitszeit zum Maßstab gesellschaftlicher Entwicklung machte. Damit wurde Arbeitszeit selbst unmittelbar zur politischen Größe und als solche staatlich bestimmt und sanktioniert. Der politische Zweck der Arbeit als Bestimmung der Arbeitszeit war damit absolut staatlich und führte zu einer Art Arbeitszwang für den Fortschritt des Staatsbürgertums. Die Folge war eine Staatsdiktatur, welche unmittelbar Kapital für den Staatszweck aufhäufte und damit den kritischen Gehalt des Marxismus in sein Gegenteil verkehrte, also an seiner Unfähigkeit einen Fortschritt für die Geschichte der Menschen zu ermöglichen, fogerichtig scheiterte.

s.a.

=> Hochkultur

=> Kultur

siehe hierzu auch:
"Probleme des Marxismus"

Überbevölkerung

Die Menge einer Bevölkerung ist immer relativ zu ihren Lebensbedingungen. Von Überbevölkerung ist die Rede, wenn die Lebensbedingungen für eine bestimmte Menge der Bevölkerung zu ihrer Reproduktion nicht mehr ausreichen. Im Kapitalismus wird Überbevölkerung produziert, wenn die ausgezahlten Löhne nicht mehr den Unterhalt aller Menschen ermöglichen. Es sind die Arbeitslosen, Alte und Kranke, die dann als Überbevölkerung oder Überalterung in Erscheinung treten. Zugleich sind sie die absoluten Konkurrenten, also jene, die zu fast jedem Preis verfügbar sind. Von daher sind sie immer funktional für das Kapital.

s.a.

=> Demografie

=> Überalterung

Der Marxsche Begriff der relativen Überbevölkerung in der Systemati der Kulturkritik

zitatup1j1a1a Übervölkerung
statist2up23c Überproduktion
statist2up23e
Vermögensstatistik

Übermensch

"Der Mensch, der in der phantastischen Wirklichkeit des Himmels, wo er einen Übermenschen suchte, nur den Widerschein seiner selbst gefunden hat, wird nicht mehr geneigt sein, nur den Schein seiner selbst, nur den Unmenschen zu finden, wo er seine Wirklichkeit sucht und suchen muß." (MEW 1, S. 378f)

Übermensch ist der Begriff für eine Vorstellung oder Idee, wie der Mensch sein soll und wie er konkret nicht ist. Es ist darin die Behauptung, dass es eine menschliche Subjektivität gebe, die nicht ist, aber sein soll oder muss. Die Ideologie vom Übermenschen setzt eine allgemeine, konkret menschlich unerfüllte Subjektivität voraus, die sich in der Notwendigkeit der subjektiven Philosophie umkehren soll, um aus eine Erlösungshoffnung im Übermenschen vorzustellen. Hieraus erbigt sich zwangsläufig eine Heilserwartung, da sich der Übermensch nur als jenseitige Subjektivität verwirklichen lässt, als Heiland, in welchem Geschichte Sinn bekommen soll.

Von Nietzsche wird der Übermensch als Prinzip der Geschichte verstanden, welche darin ihren Zweck hat, den Menschen fortwährend zu erneuern, indem sich Eliten bilden, welche die Zustände der Dekadenz überwinden, bis sie selbst dekadent werden. Zwangsläufig fokussiert sich eine solche Auffassung auf eine "Herrenrasse", die historisch in der Bildung von Führernaturen oder Instanzen aufgeht, die wie ein "Großer Bruder" der Menschheit zu Gebote stehen (siehe auch Logik der Kultur).

s.a.

=> Herrenrasse,

=> Großer Bruder

Übersinn

Der Übersinn resultiert aus dem Streben der Seele, sich Sinn für Ihre Gefühle zu verschaffen. Sie verwirklicht dies in zwischenmenschlichen Beziehungen, worin die Menschen ihren Sinn beseelen und sich in ihrer Selbstentleibung vergemeinschaften. Im Lebensraum solcher Gemeinschaft, in ihrer Lebensburg, wird der Übersinn zu einem Sinn, der Gemeinschaft stiftet, die keinen Sinn hat. In ihm entwickeln sich Verhältnisse, in denen die Gefühle übersinnlich objektiviert sind, also (objektive Gefühle) sind, die nur durch die Anwesenheit von Menschen in einem Gemeinsinn bestehen (z.B. als Kult, Liturgie, Familiensinn), die darin begeistert oder gebeugt sind. In diesem Gegensatz vollziehen sich ihre zwischenmenschlichen Verhältnisse, welche von jedem Wahrheit einfordern, nämlich das zu sein und zu bezeugen, was nur im Gemeinsinn als Übersinn wahr, also für sie selbst Täusschung ist. In dieser Funktion wird der Übersinn zum Werkzeug der Dämonisierung eigener Lebensäußerungen.

s.a.

=> Hintersinn

=> Seele

Übersinnlichkeit

Übersinnlichkeit ist der Zusammenhang von Übersinnen, die sich als kultureller Lebensbereich im Kult gestalten. In dieser Gestalt tragen die Sinn und Geist der Menschen, ihre Liebe fort zu einem entäußerten Leben, in welchem sie eine fremde, oft mystische Einheit (siehe auch Religion) bilden. Diese lebt allein durch den Mangel und die Not, welche wirklicher Sinn in der bürgerlichen Kultur hat und transzendiert von daher diese, ohne sie aufzuheben, sondern um sie in einem Himmel geistiger Ereignisse zu bestätigen (s.a. Liturgie), zu affirmieren und zu verewigen.

s.a.

=> Esoterik

Umgang

Umgang ist die Handhabung eines Verhältnisses, in welchem die Beziehungen durch die Fähigkeiten und Macht des Umgangs als Umstand bestimmt sind. Die Grundlagen für die Bestimmungsfähigkeit richten sich nach dem Inhalt der Umstände dieser Beziehung, also dem was hiergegen mächtig sein kann (z.B. objektive Gefühle, Ideologie, Gemeinsinn).

Umstand

Ein Umstand ist die bloße Anwesenheit einer Bedingung, welche ein Verhältnis oder eine Beziehung der Form nach bestimmt (siehe Formbestimmung). Wo Menschen miteinander umgehen, sind sie füreinander Umstände, die sich nurmehr vom Standpunkt des Ereignisses wahrhaben, den sie unter der Bedingung der Ereignisproduktion leben und an denen sich ihr Befinden ausrichtet. Dies macht die Aufhebung der Empfindung aus und ist in zwischenmenschlichen Beziehungen die Grundlage für die Selbstständigkeit der Ästhetik des Willens als Selbstbehauptung. Aus ihr entwickeln sich die kulturellen Verhältnisse des Allgemeinbefindens, dem Gemeinsinn, der Sittlichkeit und der Volksseele.

Umstand können sich nur Menschen sein, die in ihrer Anwesenheit menschlich abwesend sind, sich nicht als Menschen erkennen und anerkennen. Sie sind füreinander wie Sachen, die als Lebensmittel taugen, jetzt als soziales Lebensmittel, durch welches das Loch ihrer Beziehungen mit Ereignissen gestopft wird (siehe Kulturkonsum).

s.a.

=> Umgang

Unbewusstes

Unbewusst ist das, was nicht gewusst werden kann, weil es etwas Wahrgehabtes in der Abtrennung von der Wahrnehmung ist. Um die Selbstwahrnehmung von einem Wesenszweifel frei zu halten, wird das Bewusstsein von etwas frei gehalten, das unbewusst werden und bleiben muss, eine Wahrheit, die nicht sein darf. Die Verwirklichung des Zweifels vollzieht das Zusammenbrechen einer Wahrnehmungsidentität, die aus dem Ausschluss von Empfindungen besteht, deren Wahrheit den eigenen Lebensverhältnissen im Weg ist.

Damit aber ist das Unbewusste die Form von einem Wissen, das verzweifelt ist, das sich der Subjektivität entziehen und von ihr abtrennen musste, um eine Lebensnot zu überstehen (z.B. Gebundenheit in einer Familie oder Beziehung voll subjektiver Mächtigkeit). Im Unbewussten lebt das Ungetrennte fort als Notwendigkeit des Lebens, das sich nicht wirklich unterscheiden kann aber abgetrennt bleiben muss. Darin erscheinen die bedrängten Empfindungen objektiv als Gefühle und wirken auch als objektive Gefühle, die wie aus einer Verdrängung hervorbrechen und sich der Wahrnehmung bemächtigen.

Das Unbewusste ist also ein systematisch bestimmtes Ungewisses, ein notwendiges Unwissen, das wie ein hintersinniges Gewissen sich in die Selbstwahrnehmung versetzt, wie ein lebendiges Anderssein-sollen, das sich in der Selbstwahrnehmung vergegenwärtigt. Hierin bewahrheitet sich eine Fremdwahrnehmung in der Selbstwahrnehmung und spaltet davon bestimmte Gewissheiten, sich also als Unbewusstes von der Wahrnehmung ab.

Unbewusstes als solches aber gibt es nicht. Schon der Begriff sagt, dass es sehr wohl Gewissheiten voraussetzt, die es nicht wirklich wahr werden lassen darf. Es sind Gewissheiten, welche eine persönliche Identität bedrohen. Von daher ist das Unbewusste nur als ein nicht wirklich begründetes Handeln der Seele zu verstehen. Es drückt sich in seelischen Absichten aus, die jede Gewissheit meiden müssen, die in einer bestimmten Wahrnehmung unter bestimmten Anlässen sich auftun müssten. Es erscheint selbst als ein objektiv bestimmtes Gefühl, ein Gefühl, das keinen Gegenstand hat und selbst gegenständlich auf die Wahrnehmung wirkt.

In Zwangshandlungen zum Beispiel ist ein solches objektives Gefühl besonders deutlich: Der oder die Betroffene muss sich dann z.B. permanment waschen, weil ihm oder ihr das Gefühl absoluter Unreinheit beständig überkommt. Selbstvergegenwärtigung ist nur noch möglich durch waschen, weil die eigene Gegenwärtigkeit durch etwas bedroht wird, was nicht gewiss ist und auch innerhalb dieses Zwangsverhältnisses nicht gewiss werden kann. Es handelt sich nicht um eine Formulierung, etwa Verbote oder dergleichen. Der Zwang selbst ist eine Formulierung gegen Unformulierbares.

Das Unbewusste ist das Gewissen vom Ungewissen und kann sich auch nur in Ungewissheit forttragen und verwirklichen. Schon in seinem Ursprung beruht es auf einer objektiven Verunmöglichung von Selbstgewissheit, die durch Lebensraum oder Lebensgewohnheiten oder Beziehungen bestimmt worden war und die Notwendigkeit eigener Identitätsbildung, das Kritikvermögen, erst bedrängt und schließlich verdrängt hatte. Das Erschließen von Unbewusstem verlangt den Vollzug des Ungewissen, (also auch Wissen hierzu) und ist deshalb meist mit Schmerz verbunden, weil es den Schmerz des Zweifels in sich trägt. Die Erkenntnis unbewusst begründeteter Absichten löst sich von ihrem Schmerz in dem Maße, wie darin sich der Zweifel in Selbsterkenntnis aufhebt, welche zuvor sich in der Selbstverleugnung verzweifeln ließ. Es verlangt also die Befreiung von Erfahrungsmöglichkeiten, welche das Unbewusste behindert hatte. Dies geschieht nicht theoretisch oder durch sprachliches Folgern oder gar durch übermitteltes Wissen, sondern nur praktisch und im wirklichen Leben. Eine Erschließung solcher unbewusster Absichten muss sich deshalb auch auf die Lebenspraxis beschränken, also auf das, was dem Schmerz zu seiner Gewissheit verfügbar ist.

Das Unbewusste ist auch ein Begriff der Aufklärung, den Freud und Breuer und viele Psychoanalytiker zur "Erklärung von Neurosen" verwendet haben. Er behauptet durch diesen Begriff die Verdrängung eines Wissens, welches durch innerpsychische Bedingungen, im allgmeinen durch einen "Triebkonflikt" (siehe auch Trauma) nicht "bewusst" werden dürfe. Damit ist das Unbewusste vollkommen in seiner Verkehrung erfasst: Es erscheint nötig für ein "heimliches" Glück, das erst in der Wirklichkeit Unglück bringt oder als Schmerz eines Wunsches, der nicht wahr werden kann (z.B. Ödipuskomplex). Dies zeigt - nebenbei - den willkürlichen Zynismus, den die Psychoanalyse dem Leiden der Erkenntnis entgegenbringt: Du wolltest ja vergewaltigt sein, Schmerz haben, Krank sein usw. usf.; Du hast es "nur" verdrängt!

Dabei wird dem Unbewussten ein Abkommen aus dem Bewusstsein zugesprochen, welches durch Bewusstsein oder Bewusstmachung darin wieder einbezogen werden müsse, um aus der "Neurose" herausgeführt zu werden (siehe Freud, Psychoanalyse). Dem entsprechend behandelt die Psychoanalyse des Bewusstsein und reproduziert zur "Bewusstmachung" die "innerpsychischen" Reminiszenzen durch eine Übertragungsbeziehung auf einen Therapeuten, der mit dem Unbewussten identifiziert auftritt (Wiederholung von Familienbeziehungen). Ähnliches findet auch in der Familienaufstellung der systemischen Psychologie statt, allerdings mit dem Ziel, Erlebens- und Verarbeitungsmuster aufzuspüren und dem Wissen zugänglich zu machen.

Nach meiner Auffassung ist das hier Gemeinte eine zwischenmenschlich notwendige Wissensform als ein Gedächtnis, welches die Wahrnehmung haben muss, solange die Inhalte bestimmter zwischenmenschlicher Beziehungen die Wahrheit von Menschen bedrängen oder bedrohen (siehe Identität). Dass dieses Wissen sich vor die Wahrnehmung stellt, also Wahrnehmungszustände bereitet, liegt an ihrer Beziehung zur Wahrnehmung als Vorgeschichte ihres Wissens, die ihre Gewissheit blendet, weil sie sich ihr widersetzen muss - nicht als innerpsychische Notwendigkeit, sondern als Art und Weise, bestimmte Beziehungen mit bestimmter Wahrnehmungsgeschichte zu realisieren. Es müssen gerade die Beziehungen damit erhalten werden, die ausgetrennte Erkenntnis enthalten, also oft in Gegnerschaft zu dem verlaufen, was die Menschen voneinander wahrnehmen, weil sie sich nur in dieser Beziehung als das wahrhaben, was sie für ihre ausgetrennte Erkenntnis sind. Als "Unbewusstes" wäre sie grundsätzlich verkehrt zu einem innerseelischen Verhältnis, das außerseelische Folgen hat und sich also der "Neuverarbeitung" von Realität zu beugen hätte.

s.a.

=> Verdrängung

=> Unheimliches

Systemup35a Unbedingtheit
Systemup36a Unbewusstes
Systemup37a Ungewissheit
Systemup6a1 Verdichtete Wahrnehmung
 

Unding

Ein Unding ist ein Ding, das in Wirklichkeit kein Ding sein kann, weil es darin nur ungegenständliche Wirkung hat, eine Wirkung, die sich nicht wirklich vergegenständlicht, die also anderes bewirkt, als dass es dem gegenständlichen Ding zu einem unwirklichen Wesen wird. Dieses ist hierdurch ein Ding, das sich über allen Dingen errichtet, eine Erscheinung voller Wesen, die sich wirklicher Gegegenständlichkeit entziehen, etwas, das alles sein soll und daher nichts wirklich sein kann.

Es ist somit in sich gleichgültig, weil allgemeines Ding, das nicht wirklich Ding, sondern nur ein abstraktes Etwas ist, und zugleich gegen dieses in seiner allgemeinen Nichtigkeit gegen seine Bestimmtheit als Ding bestimmt ist: wirkliche Abstraktion als Abstraktion der Wirklichkeit. Solches Ding ist ein Wesen der Abstraktion - und als solches hat es nur Sinn, wenn es selbst nichts ist. Es ist in sich ein Widersinn, der sich als ein widersprüchlichem Bezug auf anderes erweist und sich auch daraus geschichtlich ergeben hat.

Ein Unding ist ein Ding, in welchem sich ein widersprüchliches Verhältnis refklektiert und seine Beziehung in eine Unsinnigkeit stellt (vergl. z.B. die Wirkung der Wertverwertung, wonach Arbeit immer weniger Wert werden muss, um optimale Verwertung zu erzielen und zugleich immer höher bewertet werden muss, um ihren Wert zu realisieren). Diese Beziehung ist doppelt und steht im Widerspruch von Inhalt und Form, ist letztlich eine in sich verkehrte Beziehung, die sich als Unsinnigkeit herausstelt: Dasein einer Formbestimmung. Für sich ist sie nichts, aber durch anderes wird sie alles, weil allen gemein: Abstrakte Allgemeinheit. Diese ist nur durch logisches Denken als Verdinglichung eines Prinzips in seiner Wirklichkeit zu erschließen (siehe z.B. die Ware und ihr Wert, wie er als substanziell abstrakt menschliche Arbeit von Karl Marx erschlosssen worden war).

s.a.

=> Logik

=> Widersinn

Unendlichkeit

s.a.

=> Endlichkeit

=> Logik

=> Religion

Unheil

Unheil ist ein Ganzes, was nicht heil ist, was nicht sein kann, wie es ist. Dass es als Unheil zudem bedrohlich, also unheimlich ist, macht seine dämonische Wirkung aus: Ihm kann nichts heilig sein. In der Umkehrung wird das Zerstörte, das seine Herkunft nicht weiß, seine Teile nicht erkennen kann, das Ganze nur noch als Heil begreifen können, zu dem es um jeden Preis heilen, zu einer heilen Welt werden will. Darin steckt das Prinzip einer Verrücktheit, die ihre Bedingung und Geschichte verloren hat: Sie wird zur bloßen Heilserwartung, solange sie nicht auf ihre Ursprünge zurückkommt.

s.a.

=> Heil

=> Ganzes

=> Unheimliches

Unheimliches

Heimlichkeit ist der Schutz vor Wirklichkeit, vor bedrohlich empfundenen Wirkungen in einer an und für sich heil scheinenden Welt (siehe heile Welt). Diese funktioniert nur durch ein bestimmtes Maß an Ausgrenzung von Öffentlichem, an Verheimlichung, die nötig ist, um sich privat selbst zu bestimmen, in selbstbestimmter Privatheit zu leben. Darin besteht das Heile nicht heil, sondern nur zum heil sein bestimmt, gezwungen aus den Notwendigkeiten, die sich darin ergeben. In ihnen ist das Unheil dieser Welt zu verspüren, das nicht heil sein können. Die Brüche und Zweifel darin erscheinen als Kräfte, die einen Zusammenhang stören, der heil sein muss, um selbstbestimmt zu erscheinen.

Das Unheimliche ist ein ungewisses Wissen, eine Beziehung auf solche fremde Kräfte, denen man sich in einem Heim entzieht. Dies ist dem Unheimlichen vorausgesetzt, daher auch umgangssprachlich aus der Sicherheit des Heimes entstanden, das als Wohnraum des Gewohnten sich vor Ungewöhnlichem bewahrt, in der Bewahrung Wohnen bewährt. Unheimlich ist dem darin bewährten Selbstgefühl das Ungewohnte, das Fremde, alles, was das Heim der Gefühle nicht teilen kann und von daher dämonisieren, fremden Kräften zuweisen muss. Zu Hause scheint alles selbstbestimmt, soweit die Lebensburg funktioniert. Ihre Risse eröffnen das Unheimliche, das Ungeschützte, das durch die Wände dringt. Alles, was jenseits der eigenen Wände ist, das Unheimliche, stellt das im Heim verheimlichte dar: Die heimlichen Sorgen und Wünsche und Begierden, die das Leben zu Hause in Schuld verstricken, versündigen würden, wenn sie frei gelassen wären. Von Draußen kommt daher die wirkliche Gefahr, weil dort alles ist, was hier nicht sein kann, und was deshalb bedrohlich ist. Unheimlich ist nur noch das das Gefühl von Fremdem, und wenn es auch nur in der Unmöglichkeit besteht, sich hiervon zu unterscheiden (siehe Kritik). Fremdenangst und Fremdenfeindlichkeit gründen auf dem Selbstverlust, welche die Menschen schon erlitten haben, die Fremdes unheimlich empfinden. Ihr Stoff ist der Gegner, der Fremde, der Ausländer, der Andersartige, weil er für alles objektiv zu stehen hat, was subjektiv bedrohlich erscheint, wenn das Heim verlassen wird, das Unheimliche, die abstrakte Bedrohlichkeit als bedrohliche Abstraktheit des Weltgeschehens: Die Konkurrenzangst um den Arbeitsplatz, Raub und Plünderung des Eigentums, die Kriminalität, Untergang von dem Gewohnten, von Sicherheiten durch Werte, Kultur und Abendland, oder schließlich vor den finsteren Hintergründigkeiten des Geld- und Zinswucheres, die Angst um die Welt überhaupt oder die vor dem schwarzen Mann ... Es ist die Enge der Befremdung in der Entfremdung.

In der Psychoanalyse steht Unheimliches auch für das Grauen. Dies hat einen rationalen Kern darin, dass Unheimliches die Zerstörung des Heimlichen ankündigt, die Auflösung des Gewohnten.

s.a.

=> Heim

=> heile Welt

=> Unbewusstes

Unmittelbarkeit

Unmittelbar ist, was ohne Mittel und ohne Vermittlung sein kann. Die Unmittelbarkeit meint daher eine Beziehung von Subjekt zu Subjekt, eine Beziehung, aus der Objekte hervorgehen, die nur hierfür Sinn haben, also nicht ihr vorausgesetzt sind. Unmittelbar sind vor allem rückhaltlose Beziehungen, also Beziehungen, die im Hier und Jetzt gelingen oder scheitern, besonders Beziehungen im Arbeits- oder Gestaltungsprozess (siehe Kunst) oder in der Liebe, auch wenn deren Form bestimmt ist. Deren Erkenntnis macht dann das Begreifen ihrer Form aus, ist dann also auch unmittelbare Erkenntnis einer Formbestimmtheit, selbst wenn diese eine Vermittlung im Denken durchlaufen muss. Denken erhält so zweierlei Sinn, einen Sinn für die Form und Sinn für sich.

s.a.

=> Vermittlung

Unsinn

Unsinn ist nicht einfach ohne Sinn, sondern falscher Sinn oder verfälschter Sinn. Unsinn kann deshalb lustig sein - wenn er Humor hat -, weil in diesem Sinn der "richtige" Sinn aufgehoben oder kritisiert wird. Aber er kann auch gegen jeden Sinn mächtig werden, wenn er sich aus der Zerstörung von Sinn begründet. Dann wird der Unsinn zum Prinzip gegen Sinnlichkeit schlechthin.

s.a.

=> Übersinn

Untergangsängste

Abstrakte Angst vor dem Untergang ist die Angst abstrakter Existenz, die sich bedroht fühlt, wo Konflikte inhaltich sind. Sie kann deren Entstehung (Geschichte) und Beziehung nicht erkennen, hat keine eigene Entwicklung, Fähigkeit und Kraft hierin und hat daher vor allem Angst vor der Tatsache von Konflikten. Oft genügt schon die Abkehr vom Gewohnten, dass Untergangsängste wach werden. Dies ist auch ein wichtiger Antrieb des reaktionären Bewusstseins. Die Reaktion hierauf wendet sich gegen Vorstellungen untergründiger Kräfte, die sich in der Beherrschung von Bewegungen verwirklichen, die im Untergrund vermutet werden (z.B. Horden, Mob, Terror). Dieser dienen Untergangstheorien zur Unterlegung.

s.a.

=> Untergangstheorien

=> Vernichtungsangst

Untergangstheorien

Untergangstheorien enstehen oft aus Untergangsängsten im Zweck der Abwehr einer Zerstörung bevor sie überhaupt erkennbar ist, entspringen also einer Art Vorahnung, die sich aus objektiven Zusammenhängen ergibt, die ohne Subjekte begriffen sind. Es sind Mutmaßungen über Kennzeichen von Bedrohung einer bis dahin geborgenen scheinenden Lebenswelt, die darin immer abstrakt subjektiv verstanden werden - sonst wären sie konkrete Krisentheorie eines objektiven Wissens, Bewusstsein objektiver Mächte, die subjektiv durchbrochen werden mössen.

Die Untergangstheorien nehmen meist Positionen eines selbständigen Objektivismus, einem nominalistischen Positivismus ein. Deshalb tendieren Untergangstheorien zu einem Kulturpessimismus, der schnell in einen mehr oder weniger verdeckten Rassismus aufgelöst wird - oft auch nur mit der Zitierung einer Ontologie der Archetypie. Schon in der subjektiven Philosophie sind mehr oder weniger klare Untergangstheorien enthalten (vergl. die Dekadenztheorie bei Nietzsche oder die Seinsvergessenheit bei Heidegger), die mit mehr oder weniger objektivistischen Auswegen verknüpft werden. Diese Wendung ins Objektive als Begründung einer allgemeinen Notwendigkleit der Reaktion sind für solche Theorien typisch (siehe Vernichtungslogik).

Moderne Untergangstheorien gibt es in Amerika von den Schülern von Leo Strauss (Freund des Faschisten Carl Schmidt), namentlich von Huntington mit seinem "Kampf der Kulturen" Infoup4b1b1a1a1a1.

Bekannt wurde in der Vorbereitung des Dritten Reiches Oswald Spengler mit seinem Werk: "Der Untergang des Abendlandes - Umrisse einer Morphologie der Weltgeschichte" (erschienen in zwei Bänden 1918 und 1922). Es ist ein Beispiel für reaktionäre Bewusstseinsbildung aus der Fülle der Moderne heraus. Auf der Site des Deutschen Historisches Museums Berlin heißt es hierzu: "Spenglers Hauptwerk ist mehrdeutig: Ausdruck einer Persönlichkeit der Wilhelminischen Ära und der allgemeinen Krise des abendländischen Bewußtseins. Spengler stand zeitlebens zwischen Kultur und Zivilisation, Bürgertum und Boheme, Lebensangst und Anspruch. Die Kontrastehe seiner Eltern trug dazu bei, der Pietismus der Franckeschen "Latina", das Studium der Naturwissenschaften und Philosophie in München, Berlin und Halle (abgeschlossen 1904 mit einer Dissertation über Heraklit), der Darwinismus Ernst Haeckels und die Als-Ob-Philosophie Hans Vaihingers (1852-1933), zuhöchst die Kulturkritik Friedrich Nietzsches - in Haßliebe der Untergangsmusik Richard Wagners (1813-1883) vermählt -, die dem Zeitalter Dekadenz vorwarf und Befreiung durch den Willen zur Macht erhoffte. Polarstern an Spenglers Bildungshimmel blieb Johann Wofgang von Goethe (1749-1832); verwandt empfand er dessen "lebendige Natur", Intuition der Phänomene, organische Entwicklungsidee und vergleichende Morphologie."

s.a.

=> Zerstörung

Infoup4b1b1a1a1a Oswald Spengler: Der Untergang des Abendlandes

Infoup6a1 zu Pfreundschuh: "Gibt es einen Kampf der Kulturen?"

quelleup5a2729b1 Linke Zusammenbruchtheorien des Kapitalismus (Krisis)

Unternehmensgewinn

s.a.

=> Zins

Unwesen

Ein Unwesen ist ein Wesen, das nicht mehr ist, dessen Verwesung aber nicht wirklich geschieht, weil es sich zu einem fremden Wesen, zu einem Sein in fremder Identität verkehrt hat (siehe auch Perversion), zu einem Gespinnst, Gespenst.

s.a.

=> Wesen

Ursache

Eine Ursache ist eine Sache, die eine Veränderung bewirkt. Ihre Wirkung ist deren Existenz, Kraft und Ausrichtung geschuldet, hat aber keinen Grund, ist also von den Menschen her unbegründet. Verursacht ist sie durch das Geschick, die Logik und Vernunft, die in der Sache steckt und hierdurch funktioniert, wie sie funktionieren muss, wie sie also Funktion hat. Letztlich ist dies natürlich durch menschliche Tätigkeit in die Sache gegeben, entspringt keiner abstrakten, von den Menschen unabhängigen Natur.

s.a.

=> Wirkung

=> Wirklichkeit

Ursprung

Ursprung ist eine voraussetzunglose Quelle, oft gemeint im esoterischen oder wesensphilosophischen, phänomenologischen Sinn. Ursprung verweist auf eine Herkunft, die nicht wirklich erzeugt, sondern wesentlich abgetrennt von der Welt vorausgesetzt ist, Heim der Heimlichkeiten, dem Wirklichkeit äußerlich entgegensteht (siehe auch heile Welt).

s.a.

=> Heimat

=> Eigentlichkeit

zitatup1j1a Ursprungsbehauptungen

Ursprungssehnsucht

Ursprungssehnsucht sucht nach einer wesentlichen Grundlage des Seienden im Ursprung eines Seins jenseits bestehender Wirklichkeit. Es ist ein Ausdruck der Phänomenologie, die in Wesensbehauptungen einen bereinigenden Sinn gegen die Gegebenheiten stellen will und darin das Reine als Eigenes gegen das Unreine als Fremdes im Sinne einer unhinterfragbaren Eigentlichkeit stellt. Im Rückblick auf ein ursprüngliches Wesen, das sich in den Dienst einer Lebensbergung als Heilsprinzip stellen lässt, steckt der Kern des Reinheitsprinzips des Rassismus. Er ist die höchste Entwicklungsstufe des reaktionären Bewusstseins.

s.a.

=> Heimat

=> reaktionäres Bewusstsein

zitatup1j1a1 Ursprungsbehauptungen

Urteil

Das Urteil ist die Befindung einer Aussage und bezieht sich auf deren Wahrheit. Meist werden Urteile durch einen Maßstab, einen gesellschaftlich anerkannten Wert (z.B. Freiheit, Gleichheit, Menschlichkeit) gesprochen und sind implizite Werturteile, die letztlich auch derer Ideologie dienen.

In der Philosophie sollen Urteile wertfrei sein und über bestimmte Aussagen vermittelst ihres ganzen Zusammenhangs, in dem sie stehen befinden, sie als Ur-Teile desselben in Beziehung setzen. Hierbei geht es dann wesentlich um den Begriff dieses Ganzen (siehe auch Totalität), in welchen diese gestellt werden. Das philosophische Urteil ist eine Schlussfolgerung aus dem Verhältnis von Teil und seiner Ganzheit.

Wo eine Aussage Objektives betrifft, muss das Urteil auch objektiv begründet sein. Diese Begründung ist für den Menschen allerdings selbst nur im Begriff der Sache möglich, drückt also auch immer seine Beziehung zu ihr aus und muss ihre subjektive Wahrheit darin aufgehoben wissen. Von daher verlangt das objektive Urteil die vollständige Erkenntnis der Sache und ihrer Beziehung zum Menschen. Die Beurteilung eines Sachverhalts kann daher nur mit dem vollständigen Begriff der Sache wahr werden, wenn sie sich in ihrer Wirklichkeit als wahre (zutreffende) Schlussfolgerung erweist. Andernfalls hat der Begriff einen Fehlschluss erbracht und muss als unwahr verwiesen werden.

Ein subjektives Urteil ist die Aussage über eine Ursache, welche auf ein Subjekt Wirkung hat. Es ist das Urteil des Subjekts über die Verursachung: Das Ur-Teil der Ur-Sache, die Erkenntnis des Wesens einer Wirkung. Solches Urteil überwindet den Ort der Wirkung und sucht ihren Anlass in der Sache (oder dem Menschen), die eigentlich der Grund der Wirkung, die Wirkkraft ist. Ist die Wirkung beispielsweise eine Empfindung, so enthält sie noch den reinen Eindruck auf das Subjekt. Das Urteil setzt sich über den Eindruck hinweg und beschreibt die äußerliche Begründetheit, die Quelle des Eindrucks. Ohne dies bliebe es ein Wahrnehmungsurteil und darin nur Selbstbestätigung, moralisierendes Empfinden, Willkür (s.a. Wille). Die Wahrheit eines solchen Urteils kann nur im Wissen über eine Sache oder einen Menschen bestehen, das seiner gewiss ist. Ein Fehlurteil besteht fort als schlechtes Gewissen (s.a. Schuldgefühl).

s.a.

=> Ursache

=> Ganzes

=> Bewertung

webup1 Urteil im Philosophischen Lexikon
webup
Fehlschluss im Philosophischen Lexikon

Utilitarismus

Untilitarismus ist ein Prinzip der Nützlichkeit, der Unterordnung aller Beziehungen und Verhältnisse unter ihren Nutzen für den Nutzer. Es ist das Prinzip der Vorteilnahme, welche Nutzen erbringt, also die Ausnutzung von Zusammenhängen und Eigenschaften, die einer Sache oder einem Menschen zu eigen sind. Das allgemeine Verhältnis, das dem Utilitarismus entspricht, ist das Besitzverhältnis, in welchem der Gebrauch des Besitztums tragend ist (siehe auch Gebrauchswert).

s.a.

=> Nützlichkeit

Utopie

s.a.

=> Bloch

quelleup5a27o1a3a1 Utopie