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Die Ware ist die Elementarform, worin der Reichtum der bürgerlichen Gesellschaft erscheint Als Sache des Austauschs ist die Ware ein Mittel des frei gelassenen Willens der Warenbesitzer, die darin sich im Unterschied ihrer Bedürfnisse begegnen. Was der eine als Verlangen seines Bedarfs hat, hat der andere als Willen zum Tausch. Im Tauschakt entsteht allgemein Geld als Faustpfand gesellschaftlicher Beziehung und als abstrakte Einheit von Wille und Bedürfnis (siehe Realabstraktion). Geld erzeugt also Verhältnisse, worin jeder einzelne Wille und jedes einzelne Bedürfnis untergehen, weil sie darin nur abstrakt zusammenkommen und zu einem fremden Willen werden, der sich wie der Trieb des Marktes gestaltet (siehe Warenfetisch). |
s.a. Die Ware im "Kapital" von Marx Zur Kritik der politischen Ökonomie:
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"Das Geheimnisvolle der Warenform besteht also einfach darin, daß sie den Menschen die gesellschaftlichen Charaktere ihrer eigenen Arbeit als gegenständliche Charaktere der Arbeitsprodukte selbst, als gesellschaftliche Natureigenschaften dieser Dinge zurückspiegelt, daher auch das gesellschaftliche Verhältnis der Produzenten zur Gesamtarbeit als ein außer ihnen existierendes gesellschaftliches Verhältnis von Gegenständen." (MEW 23, 86) Fetischismus ist die Unterwerfung unter den Zauber eines Dings, einem Objekt der Begierde, das Macht über das Begehren durch seine Erscheinung selbst schon hat. Es ist ein Fetisch, weil deren Sein geschichtslos erscheint, weder Gewordenes noch Werdendes ist. Im Fetisch ist Geschichte reduziert auf ein Symbol ihres Zusammenhangs, als Bildnis eines Kultes, dem gehuldigt wird, weil ihm das Werden selbst verdankt wird, ohne dass seine Geschichte erkennbar ist. An ihm haben sich schon die früheren Kulturvölker versammelt, um ihren Göttern zu dienen, von denen sie glauben, dass durch sie ihr Leben gegeben ist. Im Bildnis der Götter erscheinen sie sich selbst, erblicken in ihnen ihr Leben als eine mächtige Gegebenheit. Darin haben sie ein wirkliches Bild von dem, wie ihnen ihr Leben erscheint und haben durch diesen Schein eine wirkliche Gegenwart ohne wirklich zu sein, haben eine Gewissheit, die ihnen in Wirklichkeit fehlt. Sie ist die Vergegenwärtigung einer Ungewissheit, das nur im Schein wie ein Wissen für sich sein kann (siehe auch Bewusstsein). Wem die Waren als Gegebenheiten des Lebens gelten, wer ihnen also ergeben ist, weil er durch sie sein Leben zu empfangen meint, wird sie - und besonders ihre Allgemeinform, das Geld - als Lebensspender vergöttern und sie zugleich als Sachzwang des Geldbesitzes erleiden. Der Warenfetischismus ist ein Zustand des praktischen Bewusstseins, in welchem die Lebensverhältnisse in einer Waren produzierenden Gesellschaft so bewertet sind, wie sie für die praktischen Bedürfnisse Wert haben. Ihre Befriedigung macht die Menschen abhängig von ihrem Friedensgaranten in der Geldform, dem gesellschaftlichen Faustpfand jedes privaten Reichtums. Es wird dem gesellschaftlichen Fetisch Geld gehuldigt, als ob darin das Glück der Menschen, die Befriedigung ihrer Bedürfnisse als allgemeine Erfüllung ihrer Lebensvorstellungen überhaupt gewährt sei. Der Warenfetischismus als psychisches Phänomen des Bewusstseins entspringt aber in Wirklichkeit zugleich dem notwendigen Schein der bürgerlichen Lebensverhältnisse. Darin treffen sich die Plausibilitäten des Alltagverstandes, wonach jeder Mensch, der dieses Glück ergattern will, nur erbringen müsse, was hierfür nötig sei, worin also das Glück zu schmieden sei, das Geldbesitz verspricht. Ihm selbst klebt die Unmittelbarkeit des allgemeinen Befriedigungsmittel an, wie es die Waren für den Menschen von Natur zu bringen scheinen. Ihr allgemeiner Nutzen und ihre Vernutzung ist im Geld gewährleistet, als wäre es das Lebensmittel als Leben schlechthin. In einem "notwendigen Schein" ist eine gesellschaftliche Not gewendet, hat ihren Grund verloren und erscheint von daher als Natur des Daseins schlechthin: Die Not einer gesellschaftlichen Vermittlung von Arbeit und Bedürfnis der Menschen, die Wirklichkeit eines abstrakten Zusammenhangs als Zusammenhang einer Abstraktion (siehe Realabstraktion), erscheint darin aufgelöst. In seiner Naturalform ist ein Ding ein natürliches Quantum, das seine Herkunft aus einem Quantum an Arbeit außer sich gelassen hat. Hieraus besteht der Schein der unveränderlichen Naturhaftigkeit, der den Dingen anklebt, welche als Waren ihre "gesellschaftliche Beziehungen als ihre immanente Bestimmungen", als ihre "natürlichen Eigenschaften" (Grundrisse, S. 579) erscheinen lassen, den Menschen selbst gesellschaftlich verdinglichen (siehe hierzu Adorno) und das Ding vermenschlichen. Diese Verkehrung entsteht nach Marx aus der Verkehrung einer Sache, welche im gesellschaftlichen Verhältnis der Menschen Ware ist und worin sich ihr quantitatives Verhalten umkehrt, ihr relatives, auf die Menschen bezogenes Quantum sich allgemein ins Gegenteil verkehrt, in eine Äquivalentform entwickelt, die sich allein aus dem sachlichen Verhalten der Waren als selbständiges Wertquantum begründet. Marx verwendet den Begriff mehrfach, besonders für jene Unmittelbarkeit, in der die Waren für die Menschen nur dadurch sind, dass sie ihre Herkunft aus dem gesellschaftlichen Produktionsprozess abstreifen, wenn sie als Gegenstände zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse auftreten. Indem sie den einzelnen Menschen ihren Glanz als Gegenstände des Konsums vor Augen führen, entführen sie ihn aus der gesellschaftlichen Notwendigkeit, der sie im Arbeitsprozess entspringen, in eine eigene Welt des Warenbesitzes, worin die Waren als quantitatives Verhältnis von Sachen erscheinen, in welchem der Gebrauchswert einer Ware durch den Gebrauchswert anderer Ware getauscht wird. Indem die Waren alleine als stoffliches Quantum im Verhältnis stehen, erscheinen sie auch als wirkliches Quantum dieses Verhältnisses, als Wert, der in ihnen steckt wie ihr immanentes Quantum, ihre Stofflichkeit als die Gestalt hiervon. Die relative Wertform verkehrt in dieser Beziehung sich selbst, wird im beständigen Vergleich mit anderer Ware zu einer Äquivalentform, in welcher alle Relationen ausgelöscht sind und ihr quantitatives Dasein zu einer allgemeinen Größe wird, die alle anderen Waren zu bestimmt. Von daher wird die relative Wertform zur "Erscheinung ihres Gegenteils", zur Äquivalentform. "Es wird offenbar, daß nicht der Austausch die Wertgröße der Ware, sondern umgekehrt die Wertgröße der Ware ihre Austauschverhältnisse reguliert." (MEW 23, S. 77f) Die Waren verhalten sich als Wertdinge nämlich zwar als Sachquanten, aber dies nicht einfach nur stofflich, sondern als Produkt abstrakt menschlicher Arbeit, die sich als Wertgröße, als durchschnittlich verausgabte Arbeitszeit im Durchschnitt aller Tauschakte durchsetzt. Den Menschen erscheint es so, als würden sie sich privat zu ihren Sachen verhalten, als würden sie einen Preis für diese machen, durch welchen sie deren Gebrauswert in Relation zu anderem Gebrauchswert stellen. Derweil setzt sich deren Wert als gesellschaftliches Phänomen der Waren produzierenden Arbeit durch. Das Quantum, worin sie privat genommen werden, erweist sich als gesellschaftliches Quantum im Nachhinein aller Tauschakte, erscheint gespenstisch und verrückt begründet durch den Wert, worin allein sich der Tausch von Waren realisieren lässt, dem Wert also, der in der Entwicklung der Äquivalentform des Werts mächtig gegen alle Waren in relativer Wertform geworden ist. Indem die Waren als relative Wertformen auftreten, verkehrt sich ihre Beziehung immer zu einer Äquivalentform, worin sich ihr gesellschafliches Verhältnis als Gegenteil ihres privaten Verhätnisses zu ihrem Besitzer darstellt. Um diesen fundamentalen Prozess zu illustrieren, führt Marx seine Gedanken zum Warenfetischismus aus. Der Warenfetischismus selbst ist die Fixation des einzelnen Bewusstseins an die Privatform einer gesellschaftlichen Abstraktion, die sich als versachlichte gesellschaftliche Macht darstellt, als gesellschaftliches Verhältnis der Sachen, welches das sachliche Verhalten der Personen bestimmt und ihr Bindung an die gesellschatliche Form, an die Geldform, ihre vollständige Abhängigkeit vom Geld ausmacht. Das hiervon erfüllte Bewusstsein sieht daher den Arbeitsprozess wie eine ewige Existenznotwendigkeit ihrer Einzelexistenz an, die ihrer Natur und nicht der Naturmacht ihres gesellschaftlichen Verhältnisses geschuldet ist. Diese selbst erscheint daher als Macht der Dinge, die nur verwirklichen, was ihnen übereignet worden war und was sie als gesellschaftliches Vermögen in sich tragen und nur aus sich heraus zu haben scheinen, weil ihre Gesellschaft lediglich in ihrer einzelnen Nützlichkeit als Gebrauchswert zu Tage tritt. Hierdurch erscheint auch die Arbeit selbst nur im Zweck des Nutzens, den sie in "Gebrauchswerten irgendwelcher Art" verwirklicht, Arbeit selbst als Moment der Konsumtion, deren Verhältnis auf dem Markt bestimmt wird. So fremd den Menschen hierbei ihre eigenen Lebensverhältnisse sind und bleiben, so vertraut erscheinen ihnen die Verhältnisse ihrer Lebensmittel in den Relationen des Geldes. So gilt der Begriff Warenfetisch vor allem für den Zustand eines praktischen Bewusstseins, welches das Verhältnis der Waren, wie sie für den Menschen wesentlich erscheinen, zu einem menschlichen Verhältnis fetischisiert, d.h. als Lebenskult der bürgerlichen Gesellschaft betreibt, die ihre Entfremdung in ihrem eigenen Sein nicht begreift und sich darüber hinweg zu täuschen sucht. Seine sachliche Grundlage hat er darin, dass die Waren als Objekte des Menschen für sich bestimmt erscheinen, so dass die Menschen das gesellschaftliche Zentrum ihres Daseins in der Vermittlung ihrer Sachen, im Austausch ihrer Gebrauchsgüter als Wertdinge verstehen können, welche die Bedingung ihrer privaten Existenz ist. Der Grund, dass ihnen dies so erscheint, liegt in der spezifischen Art ihrer Lebensform: Dadurch, dass alle Arbeitsprodukte der Menschen nur über den Tausch gesellschaftlich vermittelt sind und das Äquivalent des Tausches selbst unmittelbar in der relativen Wertform sein Gegenteil vermittelt, erscheinen sich die Menschen nur über diesen in Gesellschaft. Auf dem Markt treten sie als Besitzer ihrer Waren in gesellschaftlichen Verkehr, sofern sie Gebrauchswerte für andere zu veräußern haben. Nicht durch das Produkt ihrer gesellschaftlichen Tätigkeit, ihrer Einfälle, Materialien, Technik, Lebensweise, die sie geschichtlich entwickelt als gesellschaftliche Realität vorfinden und verarbeiten, sind sie wirklich aufeinander bezogen, sondern als Besitzer von Waren und dessen Existenzformen - und sei es auch nur ihre Arbeitskraft. So erscheint das gesellschaftliche Verhältnis der Menschen lediglich sachlich als sachliches Verhältnis, wie eine gesellschaftliche Natureigenschaft der Sachen, die nicht als menschliches Produkt gesellschaftlich existieren, sondern selbst wie Persönlichkeiten des gesellschaftlichen Verkehrs ersdcheine, welche in der Lage sind, die Menschen zu verdingen, sie zum Besitz der gesellschaftlichen Sache schlechthin, zu Geldbesitz zwingen. Darin drückt sich das Warenverhältnis für sich und allgemein aus als Produkt, das keinerlei menschliches Dasein hat und worin die menschlichen Verhältnisse versachlicht sind. Dass Waren solche Produkte sind, hängt ihnen nur abstrakt an (siehe abstrakt menschliche Arbeit). Wirklich und konkret sind die Waren durch die Tauschbarkeit von Gebrauchsgütern (siehe Tauschwert) zueinander vermittelt (siehe Realabstraktion), also durch den isolierten Bedarf an nützlichen Dingen, die durch den Tausch gesellschaftlich vorhanden und nur in dieser Form erreichbar sind. Das gesellschaftliche Wesen dieses Verhältnisses bleibt ihnen fremd und verkehrt sich zum gesellschaftlichen Glanz der Sachwelt, worin ihre Gesellschaft mystifiziert ist. Vom Standpunkt des Warenbesitzers erscheint ihm die Ware Geld notwendig als Wesen des gesellschaftlichen Verhältnisses. Als Warenbesitzer ist sich aber jeder Mensch auch fremd, da er nur Waren besitzt, soweit er von sich als gesellschaftlichen Menschen absieht, woweit er also nur durch seine Waren seine Gesellschaftlichkeit hat. Der Warenfetischismus ist die im Bewusstsein vollzogene Selbstentfremdung, die Entfremdung des Menschen von sich und seiner Gesellschaft, wie sie sich in seinem Bewusstsein vollzieht. Die Gesellschaftlichkeit der Sachen ist eben keine wirkliche gesellschaftliche Beziehung, wie sie erscheint, sondern eine Beziehung, welche nur durch das abstrakte Dasein der Arbeitsprodukte als Werte, als Produkte abstrakt menschlicher Arbeit ist. Der gesellschaftliche Charakter des Marktes ist also eine Täuschung, durch welche die Warenhüter, die Besitzer ihrer Waren, wie Eigentümer von Sachen in gesellschaftlichem Verkehr erscheinen, indem sie ihrem ausschließlich privaten Nutzen folgen. Die Täuschung des Zusammenhangs bedrängt das einzelne Bewusstsein, sofern es sich gesellschaftlich scheint, aber nicht gesellschaftlich weiß, und macht ihm den Zusammenhang der Waren zur Scheinwelt seiner Gesellschaft, zur Gegebenheit des ganzen Lebens vom Standpunkt des isolierten (siehe Faktenglaube). Diese "Lebenserscheinung" geht aus der Warenform hervor, welche als Wertverhältnis der Sachen das Verhältnis der Menschen bestimmt. Durch die Produktform der Ware erscheint dies den Menschen unwandelbar als sachliche Notwendigkeit ihrer Gesellschaft, weil und solange sie ihnen als gesellschaftliche Notwendigkeit ihrer Sachen gilt und gültig bleibt (siehe hierzu auch Bewertung). Wo der ganze gesellschaftliche Zusammenhang nur über Geld in der Form von Kapital gegeben ist (siehe Dienstleistungsgesellschaft), besteht auch das einzelne Leben nur im Zweck der Geldvermehrung (siehe Wertwachstum) und ist als Ganzes von seiner Selbsterzeugung, von der Arbeit, gesellschaftlich abgetrennt und erscheint sich also vollständig frei von den Notwendigkeiten des Stoffwechsels. Als Wahrnehmung, als Art und Weise dieses Welterlebens, lässt sich der Warenfetisch auch als ein Zustand der Erkenntnis begreifen, ein dem Bewusstsein verschlossenes Wissen seiner eigenen Bedingtheit, das seine Selbsterfahrung unbedingt, für sich bedingungslos erscheinen lässt. Von da her enthebt es sich der Gewissheit menschlicher Entfremdung in der Existenzform einer Sache, die es wahrhat, ohne ihren Sinn für sich wahrzunehmen, also ohne eine Beziehung auf eigenes Leben und Tun zu erkennen. Darin vollzieht sich die Entfremdung des Menschen von seinem Produkt, seiner Gesellschaft und von sich im Erkenntnisprozess selbst wie eine seelische Selbstverständlichkeit. Dieser Selbstenthebung entspricht in der Waren tauschenden Gesellschaftsform des Kapitalbesitzes, das Geldverhältnis als Kapitalverhältnis selbst, welches den Geldbesitzern ausschließlich und ausschließend Macht und Allseitigkeit vorspiegelt, während ihre Lebensungewissheit zu ihrem Schmerz wird. Dies aber erfahren die Geldbesitzer nicht in ihrem Bewusstsein oder ihrer Lebensvorstellung oder ihrer Philosophie, sondern als natürlich scheinendes Selbsterleben in einer Welt, in welcher die Sachverhältnisse selbst nicht nur Substistenzmittel, sondern alle menschlichen Beziehungen, auch die zwischenmenschlichen Beziehungen bestimmen und der Besitz nicht nur von Lebensmittel in Warenform, sondern von Geld als unmittelbarer und ausschließlicher Maßstab des Lebens in solcher Gesellschaft gelten, welches somit nicht nur als Sachform, sondern als Körperform des unmittelbaren Menschseins erscheinen kann (siehe Körperfetischismus). Dem unmittelbaren Bewusstsein, dem praktischen Bewusstsein erscheint diese sachliche Form von Gesellschaft natürlich, weil das Verhältnis der Menschen durch das Verhältnis ihrer Sachen auch wirklich bestimmt ist und daher das gesellschaftliche Verhältnis der Menschen auch wirklich als ein gesellschaftliches Verhältnis ihrer Sachen erscheint. Daher eröffnet erst das schlußfolgernde Denken dem Bewusstsein die Einsicht in die Notwendigkeit seiner Verkehrung vom erscheinenden Ding als nützlicher Gegenstand zu seinem Wesen als Produkt menschlicher Arbeit und Geschichte. Insofern ist das unmittelbare Bewusstsein, soweit es sich alleine in dieser Unmittelbarkeit bestätigt und zu bewahrheiten sucht, ein verkehrtes Bewusstsein, was all denen zu eigen ist, die sich nicht als Mensch in Beziehung auf ihre Sachen begreifen, weil sie von ihnen selbst besessen sind, während sie sich in ihrer Vernutzung mächtig fühlen können ("Nützlichkeit und Herrschaft sind identische Begriffe" - Marx). Von da her ist der Warenfetischismus die allgemeine Beschreibung einer praktischen Bewusstseinslage, die von den bürgerlichen Geisteswissenschaften auch noch in ihren Denkgewohnheiten fortgetrieben wird. Der Begriff selbst ist eine Reminiszenz auf die Kritik am Idealismus und Empirismus (siehe auch Positivismus), die schon im 19. Jahrhundert weiter fortgeschritten war, als ihre Rezeption es allgemein bis heuite gebracht hat. Die Entwicklung dieser Wissenschaften hat im Verlauf der Aufklärung selbst ihre kritischen Grundlagen zerstört, indem sie die Notwendigkeit der Systemerhaltung der bürgerlichen Gesellschaft als Naturalisierung der Vernunft hervorgekehrt hat. Das Scheitern der Aufklärung im Faschismus, der höchsten Form dieser Vernunft, hat die Geisteswissenschaften in den Pragmatismus getrieben, welcher das offen und völlig kritiklose Eingeständnis an die Faktengläubigkeit, also an die Gegebenheiten der Sachwelt, vollständige Anpassung und Verteidigung des Warenfetischismus ist. Es bleibt den Kritikern dieser Gesellschaftsform daher auch die zwingende Aufgabe, den isolierten Erscheinungen der sachlichen Gegebenheiten ihren gesellschaftlichen Zusammenhang nachzuweisen und in der Analyse ihres Entstehens das Zusammenwirken der Menschen in ihrem Leiden und ihrer Tätigkeit, also in den Leidenschaften ihres Lebens herauszuarbeiten und "die Leidenschaft des Kopfes zum Kopf der Leidenschaften" (Marx) zu wenden. Leider ist dies noch nicht weit gediehen, da die Abtrennung der Kritik von den Lebensverhältnissen der Menschen auch strukturell in den Einrichtungen der Wissenschaften fortgeschritten ist. Den meisten kritischen Theorien genügt die Beschreibung des Warenfetischismus und dessen Begründung in abstrakt menschlicher Arbeit und ihrer Daseinsform als Geld. Die konkrete Analyse der Gegenstände der Geisteswissenschaften (z.B. Soziales, Psyche, Erziehung, Ethik, Politik usw.) wird ersetzt durch Theorien über "das falsche Bewusstsein" - als wären diese nicht schon zur Genüge vorhanden und durch ihre Aufmassierung seit der Studentenbewegung sind sie auch nicht richtiger geworden. Sie waren und sind Erkenntnistheorien, die einen festen Standpunkt der Erkenntnis durch ökonomisches Wissen schon als gegeben behaupten. So wird substanzielles Denken selbst von seiner eigenen Geschichte durch seine bisherigen Resultate (Kritik der politischen Ökonomie) mit abstrakter Reproduktion einer längst vollzogenen theoretischen Emanzipation gegen bürgerliche Ökonomie erschlagen und nicht fortgeführt. Die Kritik der bürgerlichen Kultur beispielsweise hat es noch nicht wesentlich weiter gebracht, als dass sie ihre Erscheinungen auf ökonomische Erscheinungen zu beziehen verstand, also den Arbeitsgegenstand von notwendigem Wissen und Bewusstsein auf bekanntes Wissen anderer Gegenständlichkeit reduziert und also selbst wieder abstrahiert hat. Aus substanziellem Denken wird somit ein assoziatives Denken, also die Bewusstseinsform, die angeblich Gegenstand der Kritik sei. Einige kulturkritische Theoretiker (wie z.B. Adorno, Horkheimer oder Postone) haben aus dem Warenfetisch die Grundlage ihrer Kritik an der kapitalistischen Gesellschaft abgeleitet (siehe Negative Dialektik), weil sie darin die Allgemeinheit von Ideologie begriffen verstanden und die Entfremdungen in der Kultur als Form von Ideologie, die Kultur selbst als ein Phänomen des Bewusstseins ansahen. Bleibt eine solche Position aber nur im Bewusstsein und wird nicht selbst zur Analyse der seienden Verhältnisse, so wird sie zu einer zirkulären Erkenntnis, zu einer kritischen Theorie des Kritisierten. Dies führt notwendig zu einer Wesensbehauptung eines richtigen (wahren) Lebens gegen die "Falschheit" (den "Trug") der Sachwelt, wie sie dem bürgerlichen Bewusstsein als Selbsterleben schon in der Besonderheit seines Selbsterlebens von Besitzverhältnissen zu eigen ist und ist von daher auch nur eine versteckte Widerspiegelungstheorie, die einen falschen Überbau auf die Wahrheit seiner Bedingtheit zurückzuführen glaubt. Von da her erweist sich eine solche Kulturkritik nicht nur als Kritik an Lebensverhältnissen, sondern zugleich als Abwendung von ihrer wirklichen kulturellen Bedingheit. So wundert es nicht, wenn sich ausschließlich ideologiekritische Kulturkritik als kritisches Bewusstsein auch dorthin wendet, woher es kommt: In das klassische Selbsterleben des Bürgertums, das sich in der Empfindsamkeit seines gehobenen Besitzstands immer durch besondere Rückbeziehung auf sich den Negativitäten des Warenverhältnisses entziehen kann und die Nützlichkeit des Gebrauchens (Gebrauchswert) positiv im Gegensatz zur Entäußerung von Tauschmittel (Tauschwert) begreift. So verliert solche Kulturkritik ihre ausgängliche Erkenntnis, dass "der Schein trügt" und wird zur besonderten Affirmation einer elitären Klassenlage in der ästhetischen Erhebung über die Schandmale dieser Welt, der "das Wahre" wie "das Falsche" in gleicher Weise zukommt - zumindest in der Abgrenzung durch ihre intellektuelle Selbstwahrnehmung, im Empfinden und Fühlen des Guten, was diese Welt nicht ist. Eine entsprechende Sortierung enthält dann auch das Urteil, das solche Wahrheit spricht und das von einer ungeheuerlichen Selbstüberhebung kündet. | s.a. Themenabend:
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